LE
a 3?
Je
HA
7e
AI TS 2 nt
A AE
ne MAUIÈNES
(rs
BULLETIN
DE LA
SOCIÉTÉ IMPÉRIALE
DES NATURALISTES
DE MOSCOU.
Tome XIX.
PREMIÈRE PARTIE. ( Avec 9 planches.)
Sous LA pirecrion pu Docreur Rerarn.
ÉAoSscou : DE L'IMPRIMERITE D'AUGUSTE SEMEN. .
L % 0 0 0 D 0e 4 0 0 7
1846.
DES NATURALISTES
de Moscou.
Tome XIX.
nn. 9
DE L'IMPRIMERIE D'AUGUSTE SEMEN.
RELRRR GRR
1846.
IETATATE IIOSBOAZETCA
Cb THMB , YTOOBI HO OTIHEdATAHU HPCACTABACNO OLIMAO BB Hencypani RomureT? ysakoñennoe uncio 3K3CMIHAAPOER. _Mocxpa , Oxraôpa 16-ro ana , 1545 roua.
- Liencops u Kaeazeps II. Cueeupess,
EINIGE VERGLEICHENDE SEMERKUNGEN
ZUR
GEOGNOSIE SCANDINAVIENS
WESTLICHEN PROVINZEN RUSSLANDS.
RTE fs pi © UN AE pe
a ——
So wie eine Schicht einer Gebirgsformation allmählis in die andere übergeht und dadurch ihre gegenseitigen Gränzen aufhebt, so ist dies auch der Fall mit dem geognostuischen Bau ei- nes ganzen Landstriches. Er ist selten so abge- schlossen oder für sich allein bestehend , dass er nicht der Erläuterung der Felssiructur seiner Nachbarländer bedürfen sollte ; ja entfernte Län- der liefern oft mehr Aufschluss über den Bau einer solchen Gegend, als der untersuchte Landstrich selbst, weun nur die allgemeinen aus dem Schich- tensysteme anderer Länder zu ziehenden Folgerun- gen gehôrig aufgefasst werden. Die Hauptresul- tate der geognostischen Untersuchung entfernter Gegenden sind in der Regel dieselben; es treten
jedoch in den einzelnen Schichten so viele Abwei-
N° L:1546: 1
4
chungen ein, dass man sehr oft und nicht ohne Grund zu zweifeln berechtigt ist, dass in jenen Gegenden dieselben Bedingungen bei der ursprüng- lichen Bildung der einzelnen Schichten thätig gewesen sind. ui à
Wenden wir dies auf Esthland und die Umge- bungen von St. Petersburg an, so sehen wir gleich, dass die Graurvackenformation der Kuüste läugs dem finnischen Meerbusen in den entferntesten Gegenden des Landes zwar viele Analogie zeigt, aber auch vor allen anderen Bildungen der Art im anderen Ländern so viel Eigenthümlichkeïten be- sitzt, dass wir den eigentlichen Schlüssel zur Fest- stellung des Alters der so isolirt dastehenden Felsstructur Esthlands unumgänglich in den Nach- barländern, vorzuglich in Scandinavien , suchen mussen.
Dazu werden wir hauptsächlich von der Lagerung selbst aufsefordert; die im Allgemeinen horizontale Schichtenlage der Grauwackenformation der Ostsee- provinzen ist nämlich Ursache, dass wir nirgends das Liegende der Formation sehen, was um s0 auf- fallender ist, da wir dies in Podolien deuthch beobachten, und es auch im Scandinavien, vorzüg- ich in Norwegen, so vielfach bloss gelest ist. Schon dieser einzige Umstand in der Felsstructur Esthlands lässt uns der Beihuülfe anderer Länder nicht entbehren.-—Dazu kommt noch die in Esth- Jand so hôchst merkwurdige ungetrubte Be- schaffenheit der untersten Schichten selbst , die
5 vielleicht das einzige bis jezt bekannte Beispiel eines blauen Thons sind, der so weich und so un- verändert ist, dass kein Geolog ihn zum äültesten Gliede der Grauwackenformation zählen würde , wenn die ganze Lagerung nicht 50 unwidersprech- lich dahinwiese.
Der Thon selbst ist ohne alle Versteineruncen
S hôchst seltene Abdrücke von sehr zweifelhaften
Fucoiden nach Pander’s Beobachtung etwa aus- genommen, so dass es kaum môglich wäre, ibn zur Grauwackenformation zu rechnen , Wenn wir auf ihm die Auflagerung der mit den ältesten Versteinerungen angefullten Kalksteinschichten nicht deutlich sähen.
Es ist daher die ganz natuüurliche Frage entstan- den : was für eine Schicht findet sich unter dem Thone, dem Liegenden der ganzen Formation ? ist er der Schlussstein der Grauwackenfomation un- serer Gegend oder tritt noch ein älteres Glied unter ihm auf? Sehr tief fortgesetzte Bohrversu- che im blauen Thone von Zarskoje Selo, die durch ihn allein uber 200 Fuss fortgefuhrt wurden, haben nichts gelehrt; daher muüssen wir, um den Schlüssel zu unserer Formation zu finden, zu der Grauwackenformation in Scandinavien unsere Zu- {lucht nehmeu, und sie mit der hiesigen verglei- chen, um so zu geuaueren Resultaten zu gelangen. Dies war auch zum Theil der Zweck einer klei- nen Reise, die ich im Sommer 184% nach Finn-
land, Schweden, Norwegen und Dänemarck unter-
6
nahm , deren aphoristische Bemerkungen ich jezt in eben so flüchtigen Umrissen dem Publicum mittheilen will. Auf diesem Ausfluge kam es mir jedoch sehr zu statten, dass ich schon vorher die Grauwackenformation an 2 entfernten Punkten, in Podolien und in Esthland aus eigener Anschau- ung kannte. Fier , so wie dort, hatte ich überall eine fast horizontale, also durchaus nicht gestôrte Schichtenlage beobachtet, denn die wellenférmige, nicht selten um Pawlowsk, Reval und in Podo- lien vorkommende Schichtung scheint mehr eme primäre Bildung zu sein, als dass sie aus Hebun- gen plutonischer Art gefolsert werden kônnte.
In Podolien ist dagegen der Wechsel eines Grau- wacken-Sandsteins und Thonschiefers sehr merk- wuüurdig, da beide ohne Versteimerungen dem Ver- steinerungsfüuhrenden Kalksteine unterlagern und der Grauwackensandstein unmittelbar auf Granit liegt.
Schon vor 15 Jahren hatte ich hier die Auf- lagerung der Grauwackenbildung auf dem Granite bei Kurylowce, am Flüsschen Terebisch , in der Pfafflenkluft beobachtet und beschrieben (*}). Die Grauwacke ist meist feimkôrnig , enthält aber zu- weilen grobe fleischrothe Feldspathkôrner und eben so grosse Quarzkôürner, wodurch sie offenbar
(*) S. Meine naturhistor. Skizze von Lithauen, Volhynien und Podolien. Wilna. 1830, pag. 12.
7
in em Conglomerat übergeht, ja dem zerstôrten Granite tauschend ähnlich wird, wenn sich zu die- sen Kôrnern noch Glimmerschüppchen mengen. Diese fehlen jedoch in der Regel dem Conglome- rate, und sind offenbar aus der Zerstornng des Granits entstanden , dessen Kôrner sich späterhim wieder zusammenkitteten, und so den conglo- meratartigen Grauwackenschiefer oder diesen gra- nitartigen Sandstein bildeten.
Blüde(*) hat inneuerer Zeit auf dieses Conglomerat mehr Gewicht gelegt, und seinen Ursprung ge- nau geschildert , da er es im Shwanthale bei Ku- rylowce noch viel ausgezeichneter beobachtete. Der Granitoidsandstein war 15 Jahr vor Blüde’s Untersuchung an dieser Stelle durch einen Muübhl- steinbruch entblôsst worden. Er bildet hier einen Sandstein, der aus grossen eckigen Quarz- und Feldspathkôrnern besteht, die durch em thoni- ges Bindemittel unter einander verbunden wer- den , uberlagert unmittelbar den Granit und ist fast 10 Fuss mächtig ; auch er ging offenbar durch Lerstôrung der obersten Granitschicht hervor, die zu grobkôrnigem Granite auflockerte und spä- terhin bei der Bildung des Sandsteins von neuem zusammenkittete.
Derselbe Granit mit der auf ihm liegenden
(*) Beitrâge zur Geologie des südl. Russl. in Leonh. und Eronn’s N.Jahrb. für Mineralogie. 1841. pag. 505.
ge grobkôrnigen Grauwacke wird auch bei Prosku- row und Mendzibosh beobachtet (*).
Noch eine andere Eigenthümlichkeit der Grau- wackenformation in Podolien, die nicht in Esth- land beobachtet wird, weil hier der Granit fehlt, ist die, dass der podolische Granit von einem neu- eren granitartigen Syenite, der sich nach Blüde als Diorit gestaltet, durchbrochen wird, und da- durch in ihm Gänge gebildet werden.
Diese von Blüde (**) im Dniesterthale beim Dorfe Porogi unweit Jampol, im Muraffathale bei Cho- menka und am Bug bei Wratzlaw beobachteten Gänge sind oft 5—10 luss mächtig und stehen aufrecht. Die Gänge zeigen in der Mitte eine an- dere Structur, ais an den Seiten, den Saalbändern. Es ist dies ein feinkôrniger Syenit-Granit, oder ein feinkôrniger Hornblendreicher Syenit, der von Granat-Masse durchdrungen, die Gänge im Gra- nite bildet. Die Saalbänder bestehen aus 2 Fuss mächtigem Glimmer- und Hornblendreichem Sye- nite, der nur weuige Quarz- und Feldspathkôener enthält und fast eben so scharf vom Mittelge- steine des Ganges, als von seinem Nebengesteine, dem älteren Granite, abgesondert ist und mit deutlicher Schieferung den Gangflächen parallel liegt In Chomenka gleicht der ganze Gang, wie
(*) S. Meine naturhist. Skizze pag. 3. (PH) ce pas: 008:
9
Blüde bemerkt, drei neben einander gelegten dun- keln Bändern auf lichtfarbigem Grunde, und dar-
aus sucht er hauptsäichlich zu erweisen, dass
plutonische Massen ebenfalls schieferige Structur
annehmen kônnen, dass ihre Schieferung primär ist und die Massen selbst als geflossen zu betrach- ten sind, ohne auch nur die mindeste Spur von neptunischer Bildung zu zeigen. Die von mir in meiner Skizze angeführten mächtigen Quarzlager von blaulichgrauer Farbe in grobkôrnigem , dun- kelfleischrothem Granite von Mendsibosh sind viel- leicht ähnliche Güänge, in denen die Quarzkôrner vor den Krystallen des Feldspaths und Glimmers vorherrschen.
Ganz anderes tritt diese Formation am finni- schen Meerbusen auf. Während wir in Esthland und um Pawlowsk den Kalkstein mit so zahlrei- chen Versteinerungen in vorzuglicher Entwicke- Jung sehen, sind die unteren Schichten des Sand- steins oder der lose Sand und blaue Thon durch Mächtigkeit allerdings nicht weniger ausgezeichnet, als jenes obere Glied, allein durch lose und wei- che Beschaffenheit seiner ursprüunglichen Structur so sehr von der podolischen Grauwackenbildung verschieden, dass in geologischer Hinsicht die po- dolische Formation , wie wir bald sehen werden, sich weit mehr an die Norwegische anschliesst,
‘e)
als an die Esthländische, die dagegen mehr an die
Schwedische granzt. Um nun nach diesen kurzen allgemeimen Notizen über die baltisch-podolische
10
Grauwackenbildung die Vergleichung ihrer ein- zelnen Glieder mit den scandinavischen Schichten specieller durchzuführen , will ich jezt die plu- tonischen und neptunischen Bildungen dieses Lan-
des, so viel ich durch eine fluchtige Anschauun
oO S desselben dazu in den Stand gesetzt wurde , ein-
zeln zu beschrieben suchen.
GRANIT uno GNEUS.
Schon in Podolien und Finnland sehen wir ganz deutlich den Granit in Gneus ubergehen, und dadurch eine Gebirgsart entstehen, die mit dem- selben Rechte Granit und Gneus, oder am passend- sten Granitgneus genannt werden kann , die je- doch wegen der schieferigen Structur in so fern wichtig ist, als sie deutlich zeigt, dass der Granit ursprünglich kôrnig und zugleich auch schieferig auftrat, dass also seine schieferige Structur nicht etwa bedingt wurde von einer späteren Metamor- phose, sondern gleichzeitig war und auf densel- ben primären Ursprung hindeutet, wie die kôrnige Structur des Granites. Der ausgezeichnetste Gneus bei Winnitza wird in fast horizontaler Schich- tung beobachtiet, obgleich seine Structur dem Granite vollkommen ähnlich ist: auch er ist fleisch- roth wegen des vorherrschenden fleischrothen Feldspaths. Schon aus dieser horizontalen Schich- tenlage des Granit-Gneuses folgt , dass die oben erwähnten Gänge 1m Granite im Allgemeinen einen
11
nur ôrtlichen Einfluss auf die Aufrichtung seiner Schichten hatten, dass also hier die plutonische Thätigkeit durchaus nicht so grossartig war, wie wir sie gleich ain Finnland und vorzüglich in
Schweden und Norwegen sehen werden.
Sehr merkwuürdig ist nämlich der Granitgneus von Finnland sowohl, als auch von Schweden und Norwegen überhaupt; er bildet da die vorherr- schende Gebirgsformation , die mithin viel hau- figer und in viel grôsserer Entwickelung auftritt, als der Granit selbst, und meist da, wo sie sich findet von einem (neueren) Granite durchbrochen und aufserichtet wird ; so sehen wir den Granitgneus uberall in Finnland, schon in der nächsten Umge- bung von Helsingfors , steil aufserichtet und vom Granite durchbrochen, der oft grosse Gneuspar- tien mit sich in die Hôhe riss. Dieser Granit enthält ausser Quarz, Glimmer und Albit oder weissen Feldspath noch die schônsten Krystalle von Granat ( wie der volhynische bei Shitomir), und von Pyrargilit, der von schwarzer urd ro- ther Farbe in ihm um Helsingfors gleich häufñg vorkommt.
Es ist allerdings sehr merkwürdig, dass der Pyrargillit wasserhaltig ist, und doch zu den häu- fisgen Mineralien , die der plutonische Granit ein- schliesst, gehôrt ; sollten daher nicht spätere Nie- derschläge von den ältesten zu unterscheiden
sein , um s0 mehr, da man in den Gramitgängen
12
des Norits von Norwegen, nach Dr. Scheerer ( * ) noch 3 andere wasserhaltige Mineralien, den Ga- dolinit, Polykras und Malakon kennt, die von den Gängen umschlossen , weit eher auf eine spätere Bildung hindeuten, als der Pyrargillit des finnlän- dischen Granits , obgleich auch er Jedenfalls jun- ger ist, als der von ihm durchbrochene Granit Gneus. Da jedoch diese wasserhaltigen Mineralien auf Gängen im Norit vorkommen, so sibt dies eine neue Stütze der Gangtheorie Bischoff”s, der zu Folge wohl die meisten Gänge neptunischen Ursprungs sind.
Nicht selten bildet der Granit im Granit-Greuse von Helsingfors Siockwerke, von denen aus nach allen Richtungen Verzweigungen den Granit-Gneus durchsetzen.
Ueberhaupt ist es sehr merkwurdig , dass bis auf wenige Ausnahmen (** \in Finnland und Schwe- den die Erze nicht auf Gängen, sondern gleich diesem neueren Granit auf Stockwerken vorkom-
(* )} Keilhau Gæa norwegica. Christiania. Il Heft. 1844.
pag. 988.
© (**) Dahin gehôrt auch das Vorkomme nder Erze auf Gängen in Pitkaranda am Ladogasce : ein Klaftermächtiger Gang ist hier über 3 Werst lang und besteht aus einem Hornblendge- stein mit Malacolith, worin sich sehr reiche silberhaltige Kupferkiese, Zinnstein, Magnetcisenerz, Molybdän , Granaten und drgl. finden,; der Gang durchsetzt auch hier den Granit-
Sucus.
19
men. Ucberall, wo in Schweden die Gebirge Erz- führend auftreten, bilden die Erze entweder scharf begränzte Stockwerke fur sich, wie in Falun oder gangartige Züge von Stockwerken, wie in Dane- mora, oder stockwerkartige Verbindungen meh- rerer Gänge, wie in Sala. Falun ist in dieser Hin- sicht einer der merkwurdigsten Punkte.
In der Nähe von Helsingfors, etwa 69 Werst von da bei Wihuis, wird der Granit von einem glasisen, obsidianähnlichen Gesteine durchsetzt, den Wih- tine , der in 1hm deutliche Gänge bildet und of- fenbar rein plutonischen UÜrsprungs ist, während sich bei den Granitgängen im Norite Norwegens zum Theile auch neptunische Kräfte thätig ge- zeigt haben Kônnten. d
Ich habe schon fruher an einem anderen Orte auf eine dreifache Alterverschiedenheit des Gra- nits (*) von Finnland hingewiesen, die ich auch hier nur kurz andeuten will, ohne jedoch dadurch annehmen zu wollen, dass die ÂAltersepochen der Granithildungen der Zeit nach sehr weit von ein- ander abgelegen haben môgen. Vielleicht wieder-
(*) Urwelt, II Heft, pag. 119. Russegger erkannte auch in Norwegen im Granite zwei Altersverschiedenheiten, 1) den äl- teren feinkürnigen Centralgranit der grossen Bergkalke längs der Küste und 2) den jüngeren, grobkôrnigen der Küste und der Scheeren mit rothem krystallinischen Feldspathe. Die hüch- sten Berge dieses Küstenstriches steigen bis zu 5000 Fuss
Mceres— Hôühe, ( Bronn N J. für Mineralugie 1841. pag. 82.).
1 4
holte sich diese Gangbildung ôfters oder durch- ” kreuste sich gegenseitig in derselben Zeit.
Der erste oder älteste Granit ist grobkôrnig, durchbricht uberall den Granit-Gnreus , und rich- tet ihn steil auf. Der ziveite jenen ersten durch- setzende Granit oder Rappakiwe ist porphyrartig, schliesst grosse kugelf‘rmige Feldspath-Krystalle ein, die von Oligoklas, wie von einer äusseren , leicht zerstôrbaren Rinde umgeben werden, und zerfallt daher leicht, wenn diese Rinde von der Luft angegriffen wird. Er lhéfert alsdann den Beweis, wie aus dem Zusammenkitten seiner zer- fallenen Kôrner leicht auf’s neue ein Conglomerat- artiges, Granitähnliches Gestein hervorgehen kônne. Der dritte oder jüngsite Granit endlich ist fein- Kôrnig, und besteht aus denselben Gemengtheilen wie der erste, bildet aber Gänge im Rappakiwe und ist daher junger, als dieser. In Norweuen ist dagegen der älteste Granit feimkôrnig, und der jüngere grobkôrnig, während die Granite von Karlsbad und Marienbad eher den Finnländischen gleichen. Die grobkôrnigen scheinen nämlich hier ebenfalls die älteren zu sein, wiewohl nach den Beobachtungen von Dr, Reuss die vielen Gänge des Granits bei Marienbad so sehr in einander greifen, dass aus ihnen kaum auf das relative Al- ter dieser Granite geschlossen werden kann.
Sehr merkwuürdig ist der feinkôrnige Albit-Granit mit Granaten um Abo, wo er hohe, überall stark abgerundete Kuppen bildet, ohne dass ich jedoch
15
deutliche Schrammen auf seiner Oberfläche beob- achtete, die jedoch um Helsingfors in ihm so häufñg sind. Der Granit um Abo spaltet sehr regelmässis in parallele Schichten und bildet offenbar einen Ueber- gang zum Gneus, der seine Schichtung durch den Gramit-Durchbruch mehr oder weniger verlieren musste. Er erscheint dagegen ganz deutlich schie- ferig, oder als Granit-Gneus, in der Nähe der Stern- warte, auf dem hôchsten Punkte der Stadt, und ist da, wie auch bei Helsingfors, steil aufgerichtet; die abgerundeten Granitkuppen sind hier wie einge- sunken und durch 1ihr Einsinken uberall Kluüfte entstanden, die oft von grossem Umfange und be- deutender Tiefe erscheinen. Sollte dies nicht auch als Beweis dienen, dass die Granitkuppen nicht mehr die Hôhe haben, die sie bei ihrem Entstehen besassen ?
Gehen wir von hier noch weiter westwärts nach Schweden hinüber , so finden wir einen äl- teren Granit und Gneus eben so häufig das Grund- gcbirge Schwedens und Norwegens bildend und jungere Gesteine der Art, als hebende plutoni- sche Massen, durch ihr Hervordringen aus dem Innern der Erde ihn durchsetzend. Einer der aus- gezeichnetsten Punkte der Art ist dort ohne Zwei- fel der Omberg, an dem die untersten vô/lig un- veränderten Grauivackenschichten durch den Gra- nit gehoben sind, der also damals nicht mehr feurigflussig gewesen sein konnte , sondern nach seinem Erkalten durch eine neuere plutonische Kraft,
16
die nicht zu Tage kam, selbst emporgehoben ward und jene Schichten unverändert aufrichtete.
Der Ombers, ein Granitfels, erhebt sich zu der Hôhe vou 869 schw. Fuss am ôstlichen Ufer des sich von N nach S gleich einem grossen Erd- Spalt weit erstreckenden Wettern-See’s : er ist an seiner Ostseite unersteiglich. Fast dieselbe Haupt- richtung zeigt auch der Wenern-See , obgleich dieser weit breiter ist, als der sehr schmale Wet- ternsee.
Ich erreichte diesen See von Wadstena aus, da, wo bei Borghamn , im Osten von ihm, der kleime See Täkern liegt, und wo am Fusse des Om- bergs der grosse Kalkbruch von Borghamn in der Grauwackenformation befindlich ist.
Von Borghamn aus ist der Omberg ziemlich bequem zu ersteigen, so wie es überhaupt nir- gends von der Landseite ganz schroffe Abhänge gibt, die sich so steil erheben, wie der Abhang von der Seeseite her. Hier am. Fusse des Ombergs, so wie auf seiner Kuppe , zeigte sich an vielen Stel- len ein etwas grobkôrniger Granit, in dem vor- züglich ein rother Feldspath vorherrscht, obgleich ein farbloser Quarz ihm meist das Gleichgewicht hält und ein schwarzer, feinblättriger Glimmer zwischen ihnen beiden krummblättrige Ablôsungen macht. Der Granit tritt nur selten an einzelnen Siellen in kleinen Kuppen zu Tage, da der Om- berg meist üuberall von einem dichten Fichtenwalde bedeckt ist. Noch seltener bemerkt man, jedoch meist
19
in Geschieben , an einzelnen Stellen einen Gneus umherliegen, der vielleicht auch selbst beim mecha- nischen Emporheben desGranits in dieHôülie gehoben ward. Die auf der Hôhe des Ombergs anstehenden Granitkuppen sind meist abgerundet , oft véllig {lach und glatt, aber ohne deutliche Schrammen. Die meisten Geschiebe auf der Kuppe des Om- bergs gehôren einem schwarzen, sehr schieferigen Granite (einem Granit-Gneuse ) an und enthalten vorwaltenden Glimmer, oder werden rôther, wenn der fleischrethe Feldspath vorherrscht. Hin und wieder sah ich auch Geschiebe eines basaltarti- gen Gesteins, wie den Basalt des Hunnebergs, auf der Kuppe umherliegen , ferner fanden sich auch noch Geschiebe eines krystallinischen , kôrnigen Kalksteins mit feldspathartigen , rothen Flecken, zuweilen auch grosse Geschiebe eines Quarzfelsens, wie sie auch bei Trollhätta nicht selten sind.
Endlich kam ich nach stundenlangem Wandern auf der Kuppe an eine Stelle, wo ich am steilen Ufer des Wetternsees in die Tiefe hinabblicken konnte:; es standen hier uberall Granitfelsen mit tombackfarbenem Glimmer zu Tage an; an der Kuüste selbst lagen in der Tiefe sehr viele Roll- steine von Granit umher , in grosser Menge hoch über einander gethürmt, so dass an dieser Stelle der ganze Ornberg deutlich aufgeschlossen war.
Während sich an der Ostseite des Ombergs der weite Erdspalt mit Wasser fullte und den Wet- sernsee bildete, schlugen sich an seiner Westseite,
N° IL 48406. 2
18
so wie nordwärts von ihm die Grauwackenschich- ten horizontal nieder, wodurch diese als gleich- zeitig mit unseren esthländischen Schichten um so mehr erscheinen , da in ihnen dieselben Thier- reste der Urwelt, dieselbe Structur und Zusam- mensetzung des Kalksteins bemerkt werden, wie im esthländischen Kalksteine, wie ich gleich näher bemerken werde.
Ich untersuchie nun von der See-Seite die steile Granitwand des Ombergs zu Wasser. Der Berg erstreckt sich hier am Wetternsee über eine Meile weit in gerader Richtung von N nach $; ich fubhr auf einem Boote von Borghamn an der steilen Granitwand entlang, um die hier vom emporgeho- beneu Granite aufgerichteten und schon von Hi- singer beschriebenen Schichten . des Grauwacken- schiefers in der Nähe untersuchen zu kônnen.
Zuerst sah ich, sobald ich dem steilen Felsen nahe kam, den Granit immer schroffere Wände bilden , die sich allmählig zu mehreren 100 Fuss steil in die Hôhe heben, so dass es keine Môglich- keit war, an der Kuüste zu landen. Der Granit ist meist zerklufitet und vielfach gespalten, die Klüuf- te meist senkrecht, aber auch wagrecht; am Ufer zeigten sich viele, durch Verwitterung und Aus- saschungen des Granits entstandene tiefe Grotten, in denen das Wasser spült und die Brandung ein bestandiges Brausen und Schäumen erregt, vorzüug- lich, wenn der See vom Winde stark bewegt wird;
19
dann ist es auch unmôglich, den See im Boote zu befahren.
Die hervorragenden Landspitzen haben ihre eignen Namen; so heisst die erste, bei der ich beim Anfange des Berges voruberfuhr, Borgudden, dann kam ich an Anudden und Mäikebergen, von wo ich Vestra-Väggar erreichte; überall er- hebt sich der Granit in schroffen Felsen. Hisinger nimmt hier schon sein Conglomerat an ; ich fand aber , dass hier alles, von der Hôhe des Berges bis zum Meeresniveau, Granit ist. Gleich hinter Vestra-Väggar fäangt dagegen eine Grauwackenbil- dung an, die hôchst merkwürdig erscheint. Ich bebte mich nämlch MER dent wo viele 100 Fuss hohe, fast steil aufgerichtete Sandstein- und Kalksteinschichten bemerkt werden. Die Schichten streichen von N nach S und fallen unter 77° nach W. Sie sind amGranite aufserichtet und die ihm zunächst liegenden bilden einen deutlichen conglo- meratartigen granitähnlichen Sandstein, indem die- selben Quarz- und Feldspathkôrner , wie im Gra- nite, erkannt werden, so dass der Saudstein offen- bar aus der Zerstôrung des unterliesenden Gra- nits entstand: die rothen Feldspathkürner sind mit den farblosen Quarzkürnern durch ein graues thoniges Bindemittel, das wahrscheinlich aus dem zerstôrten Glimmer des Granits hervorging, mit einander verbunden. Grade dieser conglomeratar-
tige Granitoid-Sandsiein wird bei Kurylowce im Shwanthale auf dem Granite aufliegend beobach- D:
20
iet, wie ich oben erwähnt habe: es ist dies das. Conglomerat, dessen Murchison(”) auch in Schwe- den erwähnt, das unter dem Sandsteine zwi- schen Billingen und der Kinnekulle auf dem Granite liegt, und in seinen untersten Schichten eine wahre Arkose bildet. Dieser Sandstein nimmt, nach Hisinger, auch die grosse Insel Wisingsô im Wetternsee ein. Das Conglomerat entstand offen- bar durch Zerstôrung des Granits, dessen obere Schicht zu seiner Bildung verwandt ward. Es musste daher auch hier am Omberge vorher den Granit in horizontaler Lage bedeckt haben und durch sein Emporsteigen gehoben worden sein; in diesem Falle musste der Granit, als älteres Grundgebirge nach seinem Erkalten von einem neueren plutonischenGesteine gehoben worden sein, und der Omberg wäre daher erst in späterer Zeit zu seiner jetzigen Hôhe gelangt.
Der Grauwackenartige Sandstein oder das Gra- nitconglomerat ist grau von Farbe , mit rothen Flecken, die von häufigen Feldspathkôrnern her- rüuhren; er ist z1emlich feinkôrnig und ohne alle Versieinmerungen, theilt sich leicht in ziemlich deutliche Blätter und zeigt sich deutlich schiefe- rig. Je näher die Schichten dem Granite liesen, desto mehr Quarzkôrner nehmen sie auf und
(7 Rede über die älteren paläozoisch. Sedimente in Scan-
dinavien. St. Petersb. 1844. pag. 14.
21
21
scheinen so gleichisam die Granitbildung zu ver- kündigen, aus der sie entstanden sind, s. Taf. L fig. l.a. Aufdiese viele Fuss mächtigen Conglomerat- schichten folgt eine andere stark wellenfôrmig gebogene, aber ebenufalls aufserichtete (ibid. fig. 1. b.) Schicht, die durch weit mehr Thon- als Kalk- gehalt, als ein Mergelschiefer mit einzelnen Quarz- kôrnern erscheint oder sich noch weit mehr dem Grauwackenkalksteine von Podolien annähert, der in der Pfaffenkluft bei Kurylowce mit dem Thon- schiefer wechselt. Zwischen den Schichten dieses sen Kalkschiefers am Omberge finden sich
S auch einzelne kleine Adern krystallinischen Kalk-
thoni
spaths, die ihn nach allen Seiten durchsetzen. Den Kalkstein deckt ein fester Thonschiefer , der sehr feine Schichten zeigt und daher im Grossen leicht abblätiert, obgleich er sonst sehr fest ist und viele kalkige Beimischung zeigt (ibid. fig. 1. c.); er wird nach innen immer fester und gibt dann einen weissen Strich, gleich einem wahren Fhonschiefer; wo er jedoch nach aussen an den Grauwackensandstein granzt , da nimmt er viele feine Sandkôrner auf und geht so allmählig In el- nen Sandstein über, s. Tab. EL fig. 1. d. Die äus- serste Schicht zeigt sich daher auf’s neue als ein grobkôrniger Sandstein, der ganz und gar couslo- ineralartis ist und dem zunächst auf dem Gra- nite Jiegenden Conglomerate gleicht; diese Schicbt ist wohl fussmächtig und eben so steil aufgerich- tet, wie alle übrigen. Cflenbar muüsseu daher diese
99
\ es st
Schichten meist als Conglomerate betrachtet wer- den, diedurch Zerstürung der oberen Grauitschicht entstanden und später bei der mechanischen Hebung des Granits aufserichtet wurden. Diese allerältesten Schichten der Conglomerathildung gingen ohne Zweifel dem Absatze des Grauwackenkalksteins voraus ; ich fand nirgends Versteinerungen in ihnen.
Die Insel Wisingsô scheint denselben Sandstein zu besitzen, nur in horizontalen, also nicht aufge- richteten Schichten, wie dies aus Hisinger’s Ab- bildung (*) hervorzugehen scheint.
Murchison (**) beschreibt, wie es scheint, eben- falls denselben Sandstein , auf Gneus liegend, an anderen Stellen der Ostküste des Wetternsee’s, wo die unteren Schichten sich auffallend ausbreiten, Schichten, die auf den Gehängen des grossen Gneus- und Granitvorgebirges von Carlsborg stark seneigt sind , und auch hier sieht man einzelne Geschiebe von rothem Feldspathe und Quarze aus den alten krystallinischen Felsmassen in den Schie- fern und in den halbkalkigen Schichten einge- schlossen. Der Saudstein zeigt sich endlich auch auf der Westkuüuste des Sees bei Gränna, wo er so- _gar hier und da überlagert wird von einem Kalk- steine und Schiefer, der mit Sphäroniten und eini-
(*) Anteckningar i Physik och Geognosie. Sjette Häftel. -Stockholm 1837. Tab. IV.
Gi) |. c. in seiner Rede pag. 9.
23
gen kleinen Orthisarten überfullt ist, während der noch hôher liegende Kalkstein, wie an der Kinne- kulle, Orthoceratiten und Trilobiten enthält.
Die ganze Reihenfolge der aufgerichteten, aber un- veränderten Schichten des conglomeratartigen Sand- steins, des thonigen Kalksteins, des Thonschiefers und feinkôrnigen Saudsteins bei Mullskräderna ist von aussen mit vielen Lagen von Thon bedeckt, der von Regen durchnässt und aufgelôsst, oft in lan- gen Streifen herabfliesst. Dies gibt dem Omberge an dieser Stelle ein ganz eigenthümliches Ansehen, das schon aus der Ferne erkannt wird, während dagegen in geringer Entfernung von hier nach der Landspitze Vestra-Vägga hin die ganze steile Wand des Ombergs von emer Menge kleiner und grosser Granit-Greschiebe bedeckt ist, die ebenso leicht aus der Ferne erkannt werden und dem Om- berge von dieser Seite eim ganz anderes Ansehen gewähren.
Etwas weiter nach S von Mullskräderna steht an einer anderen, etwas vorspringenden Fels- spitze derselbe Grauwacken-Sandstein in eben- falls sehr stark aufgerichteten Schichten zu Tage an; seine wenig mächtigen Schichten fallen un- ter 22° nach N , und streichen von O nach W wodurch schon auf grosse Verschiedenheit der
?
Schichtenstellung hingewiesen wind, wie sie hier uberhaupt am Omberge statt findet. Der Sandstein ist grau, zieht sich etwas ins Bläuliche, ist
sehr feimkôrnig und wechselt, wie es scheint,
24
mit einem weichern Sandsiein, der noch weiter sudwärts bei Elverumsudde ansteht. Da auch er ein thoniges Bindemitiel enthält, so lôsen sich seine bald dünnern, bald dickern Schichten sehr leicht von einander ; er blättert leicht ab, gleicht dadurch einigermassen dem früuher erwähn- ten Thonschiefer, enthält aber eben so wenig, wie dieser, die vielen grossen Quarz- und Feldspath- kôrner, die so sehr den untern conglomeratarti- yen Sandstein auszeichnen.
lezt fuhr ich umdie stark vorspringende Landspitze herum und näherte mich Elverumsudde, wWO in einer kleinen Buchtderselbe gelbliehe oder rôthliche Sand- stein zu Tage ansteht ; er erscheint zuweilen auch violett und enthält dann rôthliche Flecken, unter- scheidet sich aber im Ganzen dadurch, dass er sehr lose und gleich den früheren Schichten vôllig unverändert ist; er streicht von O nach W und fallt nach N unter 40°. Am Ufer lagen dagegen noch andere, festere, krystallinische Sandsteinge- schiebe umher, die viel härter und wie von Feuer verändert schienen, doch fand ich den Ort nicht, wo sie anstehen. Nach oben auf dem Berge wird der Sandstein von Elverumsudde, der sich dort als Geschiebe findet, allerdings härter und daher m6- gen sie vielleicht von oben herrühren, doch fand ich hier keine Stücke, die ihnen vollkommen ähn- ich waren. Noch hôher hinauf zeigt sich nur Granit, der aus rôthlichem Feldspathe, aus Quarz
uucdl Gluumer besteht und in ©
srossen Massen an-
25
steht , so dass auch hier der Sandstein vom Gra- nite des Ombergs mechanisch gehoben und auf- gerichtet erscheint. Nirgends sieht man Spuren von Versteinerungen; ich suchte vergebens nachObolen; und doch bildet dieser Sandstein mit den andern Schichten hier das Liesende der ganzen Formation.
Borghamn, wo der grosse Kalkbruch ist, legtan dem nôrdlichen Ende des Ombergs. Der Grauwacken- kalkstein ist (1. c. fig. L. e.) horizontal geschichtet und gleicht so täuschend dem esthländischen Kaïksteine, dass es durchaus unmôglich ist, ihn davon zu un- terscheiden. Er ist grau von Farbe, sehr fest kry- stallinisch , splittrig auf dem Bruche und ent- hält an einzelnen Stellen sehr viele, an andern nur Wwenige grüne Chloritkôrner in der Kalkmasse, worin er sich dem Kalksteine von Grafskaja Sla- wänka so sehr annähert, dass er von 1hm nicht zu unterscheiden ist, ausserdem finden sich in ihm kleine Schwefelkieskrystalle und Krystalle von Kalkspath. vorzuglich die ersteren in grosser Men- ge. Im Grossen spaltet er häufñg in fliesenartige Tafeln, die nicht nur senkrechte Theilung zeigen, sondern auch horizontal zerklüftet sind, durch sehr zahlreiche Kluüufte, die auch den Grauwacken- kalkstein von Esthland auszeichnen. Versteinerun- gen sind in ihm selten und auch diese nur mit der grôssten Müuhe aus i1hm herauszuschlagen, da er sehr hart und fest ist:ich fand jedoch ganz deut- liche Reste von Orthoceratiten , vorzüglich von O. trochlearis und duplex Wakl., den erstern von
26
1'/, Zoll im Durchmesser, ferner Asaphus expan- sus, Orthis elegantula Dalm. und andere undeut- hch gefaltete Arten , so dass ohne Zweifel hier die untersten Kalksteinschichten anzunehmen sind. Der Kalkstein wird viel zum Kanalbau der Gotha- FIf und zum Festungsbau von Waxholm nnd Friedrichsborg am Wetternsee verführt. Das Lie- gende des Kalksteins ist nicht bekannt, sein Han- gendes bildet die Dammerde, unter der er viele Klafter mächtig, in horizontalen Schichten, zu Ta- ge ansteht. Weder Sandstein, noch Thonschiefer wird hier bemerkt. Dagegen kommen an der Ost- seite des Ombergs (an seiner Westseite wurden von mir die aufgerichteten Conglomeratschichten oben beschrieben ) die ebenfalls horizontalen , lie- genden Schichien des Kalksteins vor, unter denen jedoch Thonschiefer und Sandstein, wie es aus Hisinger’s Beschreibung hervorgeht, in etwas gesenkter Schichtung bemerkt werden. Dies kônnte vielleicht nur eine zufallige , wellenfôrmi- ge Lagerung sein, da sie so ganz und gar von der steilen Schichtenstellung der Westseite des Ombergs abweicht. | |
Aus dieser kurzen Darstellung geht also hervor, dass der Omberg, bei seiner Erhebung in schon festem Zustande an der Westseite des Sees, die ältesten Sand- stein- und Thonschieferschichten der Grauwacken- formation aufrichtete, Schichten, die, vôllig Ver- steimerungsleer, mit dem Podolischen Grauwacken- schiefer und ‘Thonschiefer um so mehr zu ver-
27
gleichen sind, als sie im Liegenden dasselbe Granit- conglomerat zeigen, wie ähnliche Schichten bei Ku- rylowee im Shwanthale, Erst nach der Aufrich- tung dieser Schichten schlug sich an der Ost- und Nordseite des Ombergs bei Borghamn der Grau- wackenkalksteinm mit Chloritkôrnern in horizonta- Jen Schichten nieder, die offenbar die ältesten, vom Granit-Durchbruche nicht aufgerichteten Schich- ten dieser Formation in Schweden sind.
Es wäre allerdings merkwürdig, wenn der Grau- wackenkalkstein an der Ostseite des Ombergs auf horizontalen Schichten von Thonschiefer und Sandstein liegen wurde; diese wären nämlich als- dann als eine Wiederholung der schon früher ab- gesetzten (und vom Granite gehobenen } Grau- wackenschichten, des Conglomerat- oder Grani- toidensandsteins und der ihn bedeckenden Schich- tea zu betrachten, und es liesse sich daraus er- klären, wie auf der Insel Wisingso am Sudende des Wetternsees der Sandstein in horizontalen Schichten vorkommen kônne. Er soll auch auf der Insel St. Rôcknen, nordwestlich von Motala, vorkommen, und liegt wahrscheinlich auch hier horizontal. |
Wäre es jedoch zu erweisen, dass dieser Sandstein auf den Inseln des Sees, wie dies Murchison ([. c.) anzunehmen geneigt ist, mit dem arcoseartigen identisch ist, so muüsste man die Aufrichtung sei- ner Schichten am Omberg als eine sehr locale, ältere Bildung betrachten, die durch Zerstôrung
25
der obersten Granitschicht hervorging und durch die mechanische Hebung des Granits aufgerichtet ward , zu e'ner Zeit, als noch nicht die im Osten und Norden des Ombergs liegenden Grauwacken- schichten existirten und der Granit schon vôllig erhärtet war. | |
Ich wende mich jezt zu, einem älteren Granit- durchbruche durch’s alte Schiefergebirge, den Gneus, einem Durchbruche, der durch L. +. Buch's Schilderung ein so klassischer Punkt ge- worden ist (*). Schon Hisinger (*) bildet 1hn ab und beschreibt ihn ausführlicher. Dieser Gneus- felsen befindet sich links in eimer Strasse der Stadt -Gothenburg unfern des Molos,da,wo man vom Hause des Gouverneurs zum Badehause geht. Hier er- hebt sich in einer kleinen Querstrasse eine kleine Reihe hoher Gneusfelsen , die von vielem Glim- mer ganz schwarz erscheinen ; die Gneusschichten (Taf. [. fig. 2. e e. e.) streichen fast gerade von N nach S und fallen unter fast 57° nach W. Je naber man dem Granitdurchbruche kommt, desto stärker sind die Schichten aufgerichtet. Der gan- ze Durchbruch des Granits ist der Breite nach über 12 Klafter mächtig und zeigt einen sehr grobkôrnigen, stark fleischrothen Granit ( Taf. 1. fig 2. a. a.), der nach oben am Ende des Durch-
(*) In Bronn’s und Leonhardt's N Jahrb. f. Mincralogie. 1842. IITL. pag. 282. | (M Eismiper lc. Taf tr IV:
29
bruchs kuppenfôrmig zugerundet ist. Der Granit schliesst eine Menge, durch seinen Durchbruch in die Hôhe gerissener Gneusstücke (ibid. fig. 2. b. b. \ ein, die in ihrer Richtung grôsstentheils der Schichtenstellung des Gneuses folgen, gerade weil sie durch den durchbrechenden Granit von den Gneusschichten losgerissen und in derselben Rich- tung in die Hôhe gehoben wurden. Daher wird auch der Granit zwischen den Gneusschichten inne liegend gefunden (Tab. I. fig. 2. ce. c.), als Zeichen , dass er zwischen ihnen von unten nach oben hinemdrang und sie auseinanderriss; daher bemerkt man auch an einzelnen Stellen zwischen den Gneusschichten ganze Granitblôcke (ibid. c. G: és die unverändert zwischen ihnen liegen und deutlich zeigen, wie sich überall zwischen ihnen der Granit hinemdrängte. Der Granit selbst besteht aus rothem Feldspathe, aber auch aus eben so häu- figem Oligoklas (oder weissem Natronspodumen, dem wesentlichsten Bestandtheile des finnländi- schen Rappakiwi); ausserdem enthält er noch Quarz und Glimmer, diesen am wenigsten ; vor- züuglich merkwurdig sind die grossen, reinen Aus- scheidungen von rothem Feldspathe (ibid. d. d. d.), wie sie in fast = Klaftermächtigen Stucken an vielen Stellen im Granitdurchbruche bemerkt werden, und zwischen sich Glimmerblättchen lie- gen haben. Diese Glimmerausscheidungen, die sich hin und wieder als Gneus gestaltèn , zeigen sich üuberall im Granite, zuweilen vôllig parallel mit
30
der Schichtung des Gneuses, zuweilen aber auch gebogen und verworren (ibid. fig. 2. b°, b*.), so dass dies offenbar auf eine Gewalt hindeutet, mit der der noch flüssige Granit aus der Tiefe hervorbrach und diese düunnen Schichten des Glimmers vielfach knickte und bog. Ausserdem enthäült der Granit noch hin und wieder Granitkrystalle, seltner Kry- stalle von Schwefelkies, wodurch er einigermas- sen vom ältesten Granite abweicht und sich einem jungern, dem Rappakiwi, nähert.
Einige hundert Schritte von da durchbricht der Granit in schmalen Âdern den glimmerreichen Gneus; er ist sehr feinkôrnig, etwas schiefrig, und fallt unter 50° nach W ; er dringt hier zwi- schen die Schichten oder Blätter des Gneuses hinein wie der Granit und der kôrnige Kalkstein in Finnland, da wo diese den Granit-Gneus durch- brechen und aufrichten. Weiter hin hôren die _Gneuskuppen auf.
Ueber dem erstén Gneusfelsen, der vom Granit- durchbruche aufgerichtet ist, erhebt sich ein weit hôherer Gneusfelsen , dessen hôchste Kuppe hier der Telegraph ziert ; seine grôsste Hôhe mag wohl etwa 60 Klafter über dem Niveau des Meeres sein: überall bricht auch hier aus den Blättern des Gneuses der Granit in dünnen Adern hervor und üuberall sind auch hier die Gneuskuppen abgerun- det. An anderen Stellen, wo der Gneus in viel grôsseren, mächtigeren Kuppen ansteht, wird je- doch nirgends ein Granitdurchbruch bemerkt,
31
was wiederum auf einen localen Ausbruch des Cranits nur an einzelnen Stellen hindeutet. Der Gneus ist jedoch steil aufserichtet, fallt meist unter 55°— 60° und besitzt dasselbe Streichen; die Gra- nitdurchbrüche kamen jedoch hier nicht zu Tage.
Eine halbe Stunde von Gothenburg zeigt sich bei Gobberuh , dem Hôfchen des Consul Lang , eine kleine Bergkette, die aus Gneus besteht, der hier übérhaupt die Hôhen rings um die Stadt bildet. Die hôchste Kuppe bei Gobberuh erhebt sich etwa 900 Fuss über das Niveau des Meeres und stellt ebenfalls einen merkwürdigen Granitdurchbruch dar. Der Gneus sitreicht hier nämlich meist von N nach S und fällt nach Osten ;: doch ist das Strei- chen des Gneuses durch den Granitdurchbruch sehr gestôrt. Anfangs steht der Gneus mit seinen aufoerichteten Schichten ungestôrt da, weil hier kein Granitdurchbruch zu Tage kam, etwas wei- ter von da brach der Granit ( siehe Taf. [. fig. 3. a. a.) durch und die feurigtlüssige Masse drang zwischen den Gneusschichten vor, verschob sie und riss sie von einander, so dass sie weit aus einander ruckten um den Granit durchzulassen. Daher erscheinen hier die Gneusschichien viel- fach geknickt, verschoben (siehe Taf. I. fig. 3. b. b.) und gedrückt, und so wird es sehr leicht klar, wie durch diese von unten nach oben er- folgten Durchbrüche die Vérruckungen des Gneuses Selbst entstanden. Eine lange, wiewohl nur schmale
Quarzader (ibid. fig. 3. c. d.) durchsetzt die Gneus-
2
kuppe von S W nach N O, während die Haupt- richtung der aufgerichteten Schichtenstellung des Gneuses von S nach N geht, hier ist jedoch eine so verworrene Schichtenstellung eingetreten, dass keine bestimmie Richtung anzunehmen ist und die geknickten Gneus-Schichten nicht selten unter spitzen Winkeln gebogen sind. Ganz ähn-
S brüche des Granits sind in Schweden schr haufsg.
liche Stôrungen im Gneuse durch solche Durch-
So habe ich sie unter anderen auch auf einer Insel am Säfôsunde am Ostragôthakanal (in der Nähe des Sees Roxen) beobachtet; die ganze Insel besteht aus Gneus, der von S S O nach N N W streicht und unter 70° nach Osten fällt: er wird sehr oft vom Granite durchbrochen und ist daher auch nur von ihm aufserichtet ; die Schich- ten sind überall gebogen und lange Stücke des Gneus liegen im Granite inne; uberall bricht der rothe Feldspath hervor.
Aehnliche Durchbrechungen des Granits wer- den auch an den Wasserfillen von Trollhätta beobachtet, wo überall der Gneus in grossen mächtigen Felsen ansteht, die von einem fleisch- rothen Granite durchbrochen werden. Dieser ent- hält oft bedeutende Adern von Quarz, die zuwei- len sehr regelmässig verlaufen und da zwischen ihnen Feldspath und Glimmer verwittern, so ent- stehen dadurch an der Oberfläche des Granits wel- lenformige Furchen, die man leicht fur Granit- schrammen halten kônnte, ohne dass Sie auch nur
entfernt ihnlichen Ursprungs sind ; ich sah über- haupt auf dem Wege von Uddewalle bis hieher , wo überall der Granit in hohen, abgerundeten Kuppen ansteht, fast nirgends deutliche Schram- men, sondern méist dergleichen Furchen, die ich durch Verwittérung des Feldspaths und Glimmers erklären môchite.
Der Gneus bei Trollhätta geh: so unvermerkt in den Granit über, dass er an manchen Stellen schwer von ihm zu unterscheiden ist ; nebenbei _steht nicht selten ein schôner schwarzer Glimmer- schiefer zu Tage au, der von W nach O streicht und unter 459 nach N füällt; seine Schichten sind uberall wellenfôrmig gebogen , was ohne Zweifel durch den Granitdurchbruch geschehen musste, als er in seiner Näâhe zu Tage kam. Zuweilen nimmt der Glimmerschiefer Quarz und Feldspath auf und geht alsdann in einen Gueus uber, vorzüuglich da, wo er näher an den Granit gräanzt.
Die schônen Wasserfäile der Gotha-EIf befinden sich alle im Granite ; am interessantesten ist der colossale Riesenkopf (*) in der Mitte der Was- serfalle, von wo man auch die schônste Aussicht
(*) Andere sebhr zahlreiche und grosse Riesentüpfe befin- den sich, wie mir Sefstrüm mittheilte, an einem Kanal, der zur Dal-Elf gezogen ïst; diese Riesentopfe enthalten runde Porphyrgeschiebe , die wie auf der Drehbank zugerun- det sind. Nirgends kommt dort in der Nähe ein Porphyr vor; erst 8 schwedische Meilen von da findet sich ein etwas ähnli- cher Porphyr bei Elfdalen.
Te 18 10: 9
34
auf sie geniesst ; er ist im Innern véllig glatt, wie polirt, aber nur von der einen Seite erhalten (nach N O), während die S W Seite weggebrochen wurde, um den Riesentopf in eine Art Grotte zu verwandeln, deren Wände beiderseits ausgemauert und erweitert wurden; eme Treppe füuhrt zu diesem fleischrothen Granitfelsen hinauf.
Die Hauptwasserfälle der Gothaelf befinden sich links von diesem Riesentopfe, und der grosse mächtige Strom fällt hier über 60 Fuss unter gewaltigem Brausen und Schäumen herab und bald darauf erreicht er die Gegend, in der der Rie- sentopfansteht und stürzt sich da zum zweitenmale eben so hoch herab, indem er durch den starken Strudel sich ein grosses weites Becken aushôhlt,wor- in das Wasser des Stroms unter starkem Schau- men und Brausen vorwarts sitrômt. Ausserdem sind noch 5 andre Wasserfälle da, vorzuglich ein merk- würdiger, der durch die Kunst geschaffen ist. Als nämlich 1. J. 1754 der erste Director dieses Kanal- baus,Polhem,die Durchbrechung der Felsen begann, liess er rechts vom Riesentopfe einen Felsen spren- gen und so einen schmalen, aber sehr tiefen Ka- nal anlegen, der späterhin wegen seiner gerin- gen Breite nicht in Anwendung kam, durch den aber jezt em Theil des Wassers der Gothaelf ab- fliesst und sich 64 Fuss hoch über die Granit- felsen in der engen Schlucht hinuntersturzt, was patürlich einen erhabenen Anblick gewährt, da die enge Schlucht der via mala in Graubundten
BUS
e).)
täuschend ähnlich sieht, vor dieser aber den schônen Wasserfall voraus hat.
Am linken Ufer des Kanals findet sich Glimmer- schiefer, der hin und wieder in Gneus übergeht und bald Feldspath , bald Glimmer als vorherr- schende Bildung zeigt; er ist von vielem Glimmer oanz schwarz. Am rechten Ufer des Kanals herrscht
S dagegen der Granit vor; er durchbricht hier den
S Gneus und Glimerschiefer in ganzen Massen und schliesst zuweilen ganze Stücke von ihnen in sich ein, die er auch an anderen Stellen mit sich in die Hôhe riss Zuweilen finden sich im Granite grosse Ausscheidungen eines reinen Quarzes. Gneus und Granit sind üuberhaupt die herrschen- den Felsarten in Schweden. Ich werde noch spà- ter Gelegenheit finden, bei der Schilderung der Sechrammen im Granite und Gneuse, dieser beiden Felsariten zu erwähnen, und bemerke hier nur noch , dass in Norwegen der glimmerreiche Gneus die haupisächlichste Gebirgsart ist, die uüberall vielfachen Aufrichtungen und Veränderungen aus- gesetzt war.
Granit und Gneus finden sich sehr schôn beisammen auf dem Festungshberge von Christiania, wo der Gneus vom Granite und vom Porphyre durchbrochen ist und dadurch vielfache Schichtenstôrung erlitten hat. Ausserdem zeigen sich auf dem Festungsberge in der Nähe des Gneuses noch Thonschieferschich- ten der Grauwackenbildung mit deutlichen Ver- steinerungen, die durch den Durchbruch von Por-
a
=
e
phyren auf mannichfache Weise aufeerichtet wur- den, wie ich dies gleich näher schildern werde.
DIE GRAUWACKENFORMATION
UND IHRE ERUPTIVGESTEINE.
Umein richtiges Bild von dieser fur Schweden so wichtigen Formation zu erhalten, scheimt es am zweckmässigsien mit der Beschreibung derje- nigen Schichten anzufangen, die in threr unge- trübten , wagerechten Lage geblieben simd und dadurch über die gegenseitige Auflagerung und das relative Alter der Schichten überhaupt den grôssten Aufchiuss gewähren.
Zu einer solchen Localität gehôrt vor Allem die vielfach beschriebene Kinnekulle, und das nicht minder merkwürdige Felsenpaar, der Hunne- und Halleberg , mit deren Schilderung ich hier be- ginnen will.
Zuerst besuchte ich den Halleberg von We- nersborg aus, wo ich in der Nähe der neuen Go- thaelfbrüucke ( Nyebro ) sehr stark geglätteten Granit mit den schônsten Schrammen sah ; dann fuhr ich am Fusse des Berges entlang, an seiner West-Süd- und Nordseite bis zum Dorfe Munke- steen, wo ich die steile Wand des Berges erstieg. Der Halleberg gehôrt zu eimem kleinen Bergzuge, der sich in 3 Kuppen trennt und sich vom We- nernsee, also von NW nach SO, landeinwärts er- streckt. Die erste klemste Bergkuppe am nord-
37
westlichen Ende des Hallebergs heisst der Snipen; er ist der niedrisste der 3 Bergkuppen; dann folgt auf ihn die mittlere oder hôchste Bergkup- pe, der eisentliche Halleberg, und endlich die dritte Kuppe, der Heklaklint, der sich auf der entgesengesetzten südôstlichen Seite befindet und nach der Schlucht, die ïhn vom Hunneberg trennt, am steilsten abfällt. Jene 5 Bergkuppen werden an ihren Veremigungssiellen durch einen kleinen Thaleinschnitt verbunden, der mit vielem Sande angefullt ist und in dem sich viele Granitgeschie- be finden, so dass man unwillkührlich an Glet- scherschutt erinnert wird und darin den Ursprung der Sandäser suchen môchte. Wenigstens ist es sehr auffallend , dass am Fusse dieses Berges so viel feiner Sand und darin so viele Gerôlle bemerkt werden. Ich sah diesen tiefen Sand vorzuglich häufig in der Schlucht zwischen dem Heklaklint und dem Hunneberg, da, wo der Weg bergan zum Dorfe Munkesteen Rat das viel hôher liegt, als links ein zweites Dorf Kasten. Ringsher zieht sich da am Fusse des Heklaklints ein Sandhügel hinauf, und verbindet sich ostwärts mit dem Ge- rôllsande, der zwischen dem Heklaklinte und Hal- leberg liegt. Derselke Gerôllsand soll sich auch awischen dem Snipen und dem Halleberg finden. Eine ähnliche Sandbank mit Gerollen zieht sich auch von Nygärd am Halleberg nach Süuden hinab. Diese Sandanhäufungen mit Geschieben gleichen
doch oflenbar den Reihen 5--6 Fuss hoher, eben so
28
breiter Dünen, die aus Sand und Gerüllen beste- hend, den Zugang zu den Sulzbacherkees, dem prachtvollsten Gletscher im Salzburgschen (dessen Eisspitze selbst den Glockner üuberragt}) so sehr erschweren. Obgleich der Halleberg von Grau- wacke gebildet wird, so tritt diese doch fast nir- gends zu Tage, da ihn weit und breit der Basalt deckt,dessenzahllose durch Klüftungen entstandenen horizontale Schichten den ganzen steilen Abhang des Berges nach Munkesteen hin bilden. Der Basalt zeigt sich auch überall auf der Kuppe des Berges in mächtigen, zerklufteten Massen , ist sehr hart, so dass er am Stahle Funken gibt , und grau von Farbe ; er gibt einen hellen Klang beim Anschlagen, gerade wie der Basalt anderer Gegenden, brichtin sehr scharfkantige Bruchstucke, aber enthält we- nig Krystalle in seiner Masse, die fast nur aus Ma- gneteisenstein besteht, der in seiner kôrnigen Masse einzelne feine gelbliche Quarzkôrner zeigt. Da der Granit ganz in der Nähe bei Nyebro, der neuen Brücke, zu Tage ansteht, so geht dar- aus wohl deutlich hervor, dass der Basalt zuerst den Granit durchbrechen musste, ehe er durch die Grau- wacke hervorbrach und über sie wegtloss. Vorzuglich ausgezeichnet sind jedoch die stei- len, sich senkrecht erhebenden Felsenwände des Heklaklints, die aus demselben Basalte bestehen und vielfach durch Längs- und Querrisse gespalten , an den Seiten üuberhängen und nach und nach hin- unlerstürzen, wie dergleichen uberhängende Ba-
39
saltwände auch am Meissner beobachtet wer- den. Zu diesen grossen Einstüurzen und Zerstôrun- gen trägt vorzüuglich das Gefrieren des Wassers im Winter bei, das sich durch Schmelzen des Schnees in die Klüfte des Basalts hineinzieht, ge- friert und dann durch seine Ausdehnung die Klufte von einander treibt und den Einsturz der Fels- wände bedingt.
Nachmittags bestieg ich den Halleberg von sei- ner Westseite, da er die beiden Endkegel, den Snipen und Känt an Hôhe und Grôsse um vieles ubertrifft. Der Weg an seinem Fusse ist mit vie- len Basalttrummern bédeckt, zwischen denen sich jedoch auch hin und wieder Granitstucke finden, oft eines sehr grobkôrnigen Granits, der an der Oberfläche sehr räuh erscheint, weil der Feld- spath hier verwittert und so Vertiefungen zu- rüucklässt, wodurch gleichzeitig Erhôhungen entste- hen, die 1hnrauh machen. Hin und wieder fanden sich einzelne Granitstücke auch auf aäer Kuppe des Hallebergs. Wenn gleich dicht am Fusse des Bergs nirgends Granit ansteht, so findet er sich doch rings um den Berg herum, nicht nur an der neuen Brücke, sondern auch ganuz vorzuglhich schôn in zugerundeten, niedrigen Kuppen an seiner ôst- lichen Seite, beim Dorfe Grästorp, auf dem Wege von Nygärd nach Lidkôping, wo ich ihn später- hin mit den schônsten Schrammen anstehend sah.
Weiter hinauf zeigte sich auf der Kuppe des Hallebergs nur Basalt anstehend , der überall zer-
40
klüftet, zwischen seinen einzeluen ‘Trammern hin und wieder Granitbruchstüucke zeigle, die dem Granit von Trollhätta zunächst glichen, der durch
seine geschichtete Structur in einen Granitgneus
ubergeht.
Nirgends sah ich jedoch auf der Kuppe Stücke des Sandsteins, die ich wohl als Geschiebe am Fusse ‘des Berges bemerkt, aber hôher hinauf nicht wieder gefunden hatte; nirgends sah ich auch nur die geringste Spur eines Grauwacken- kalksteins oder Thonschiefers. Ein alter Bauer, der mein Wegweiser war und den Berg genau kannte , wollte mir auf der Kuppe den Sandstein zeigen ; allein , was wir sahen , War nichts weiter als ein grobkôrniger Granit, wie ich ihn schon am Fusse des Berges gesehen hatte, in welchem vorzuglich der Felspath verwittert und die Quarz- kôrner enthlôsst erschienen. Der Granit zeigte sich auf der Hôhe des Berges in der Nähe eines der vielen Seen, die auf seiner Kuppe beobachtet werden: der Bauer gab seine Tiefe zu 40 Faden an; wir massen ihn demungeachtet in einem Boote au 4 Stellen und fanden seine ‘liefe, grade da, wo sie am bedeutendsten sein sollte, nur 24 luss oder 4 Faden, was von der Angabe, die all- gemein angenommen Wird, allerdings bedeutend abweicht. Der Se2 ist von der einen Seite mit Moorboden beaeckt, worin eine Menge Geschiebe des Pasalts umherliegen, während die andere Seite Stark mit Nadelholz bewachsen ist. Diesseits, also
41
von der Seite, wo wir von Lindäs aus, den Berg erstiegen hatten, ist das Seeufer sehr felsigt; die Basaltfelsen erheben sich sehr hoch und zeigen dadurch an, dass der See selbst in einer kesselfor- migen Vertiefung liegt, die sich wenigstens : Meile weit erstreckt und uberall vom Wasser eimgenom- men ist, obgleich dieser kesself‘rmige Spalt noch viel weiter hinausgeht, ohne vom Wasser erfullt zu sein. Dies ist überhaupt ein Beweis mehr, dass der Boden hier durchaus nicht grundlos, nicht so tief ist, wie dies gewôhnlich , angenom- men wird, dass also hier von keinem Krater die Rede sein kann, aus dem der Basalt hervorbrach ; es ist dies vielmehr ein Riss in dem Basalte, der durch dessen allmähliges Erkalten und Austrock- nen entstand ; er senkte sich dadurch an einzelne Stellen und in diesen kesself‘rmigen Vertiefungen sSammelte sich spaterhin das Wasser an, das all- mählig einen ziemlich bedeutenden See bildete. Die Länge des Sees zieht sich von N NO nach SS W hin und die Richtung der spaltfôrmigen Vertie- fung erstreckt sich gleichfalls in dieser Richtung nach N NO. Der See ist daher sehr lang, aber sehr schmal; in ihm leben vorzuglich Hechte, Barsche, Karausche, auch viele Aale. Der Berg ist von einem dichten Fichten- und ‘Tannenwalde bedeckt: im Walde finden sich Wôlfe, Füchse, Hasen ; — früher sollen dort auch Hirsche und Rehe gelebt haben; doch sind diese jezt gänzhch vertilgt. Im Winter ist der Halle-und Hunneberg von Schnee bedeckt,
49
der oft 2 Ellen hoch liegt,die Seen auf ihnen frieren zu und man fährt bequem in Schlitten über sie weg.
Weit mehr aufgeschlossene Schichten zeigt der Hunneberg ; vorzuglich schôn ist die Grauwacken- Formation auf 1hm zu beobachten , und in dieser Hinsicht ubertrifft er selbsr die Kinnekulle.
Es ist sehr wahrscheinlich, wie dies auch Hi- singer annimmt, dass der Granit die Basis des Berges bildet, doch sieht man ihn nirgends am Fusse des Berges anstehen, wiewohl er in gerin- ger Entfernung von 1hm, wie bei Nyebro , vor- kommt. Der Sandstein dagegen ist hier sehr deut- lich aufgeschlossen, wie bei Wästäna und von da weiter sudwärts bei Nygärd, so dass die Westseite des Hunnebergs die tiefsten Schichten zeigt ; der Sandstein ist sehr fest und hart, offenbar durch die Gluth des durch ihn hervorgestiegenen Basal- tes verändert : er steht in klaftermächtigen Schich- ten an, die der Lange nach stark zerklüftet sind, und auch in der Quere Risse zeigen, wodurch er in unfôrmliche, # eckige , scharfkantige Stücke zerspringt; seine Farbe ist gelblich; er ist sehr feinkôrnig und besteht durchweg aus kleinen in- nig mit einander verbundenen Quarzkôrnern. Nir- gends gelang es mir auch nur die gerimgste Spur von Verstemerungen in ibm zu entdecken, ob- gleich ich sehr nach Obolen suchte.
Auf den Sandstein folgt hier der alaunhaltige Thonschiefer, der mit ihm von gleicher Mächtig- keitist und mehrere Klafter hoch am Abhange von
4)
Wästäna ansteht; er ist schwarz von Farbe, blättert leicht ab, hat daher ein schieferiges Gefuge und mit den Thonschieferschichten wechseln Kalkschichten, die als stänglich abgesonderte Anthraconitmassen in langen horizontalen Reihen auf die Schichten des Thonschiefers folsen. Der schwarze Thon- schiefer enthält auf düunnen Schichten, die leicht abblättern , vielen Schwefelanflug, der ihn auch brennbar macht; er gibt einen schwarzen Strich. Die schwarzen, stark von Kohle durchdrungnen Anthrakonit-Schichten enthalten einzelne Verstei- nerungen, zu denen vorzuglich Conocephalus stria- tus Emm., den Boeck als Tril. Sulzeri var. be- schrieb, Olenus gibhosus und Agnostus pisiformis gehôren, der in zahlloser Menge die Obertläche der platteedriückten Anthraconitkugeln deckt, die sich im Thonschiefer finden: von anderen Trilo- biten gehôren dahin vorzüuglich ein Asaphus laci- niatus, der sich zwischen den stänglichten Abson- derungen des Anthraconits selbst findet. Auch bei Nygärd beobachtet man ein mehrmaliges Wech- seln des Thonschiefers mit dem Anthraconit, beide in mehreren Fuss mächtigen Schichten ; sie sind schwarz von Farbe und dem Gelüuge nach so in elmander übergehend, dass es schwer ist, sie gesen- seitig zu unterscheiden; die Schichten des Thon- schiefers sind oft so hart und so fest, dass sie von wWeitem fast wie Kalkstein aussehen und daher leicht zu verwechseln sind, wenn sie nicht nüher untersucht werden. Hôher hinauf folgt die ober-
44
ste Schicht des Thonschiefers und da er hier vom Basalt bedeckt wird, so ist er ganz kieselig und so hart geworden, dass er am Stahle Funken gibt. Auch der unter ihm liegende Anthrakonit ist stark verändert und sehr magneteisenhaltig, wie der Ba- salt in Schweden und der Diorit im Finuland ; daher ist seine Schwere bedeutend, woran schon sein Gehalt an Magneteisenerz erkannt wird.
Die Schichten des Thonschiefers herrschen über- haupt vor den Schichten des Anthraconits vor, der zuweilen an einzelnen Stellen ganz unter- geordnet erscheint; er bildet in Schweden die unterste verstemerungsfuhrende Schicht der Grau- wackenformation, da er meist den versteinerungs Jeeren Sandstein deckt.
Der Thonschiefer zeigt nicht üuberall vôllig hori- zontale Lage seiner Schichten. Sie sind nicht selten wellenfürmig gewunden, was ich anfangs von einem Seitendrucke herzuleiten geneigt war, und na- mentlich dem Basalte zuschrieb , der die Grau- wackenbildung des Hunnebergs durchbrach und dadurch leicht eine vwellenfôrmige Biegung dei Schichten von innen (der Durchbrachsstelle) nach aussen verursachen konnte. Ich glaubte auch zu be- merken, dass die Schichten von aussen nach innen einschiessen, was ebenso leicht durch den Durch- bruch des Basalts in der Mitte und seinen Druck von oben her zu erklären wäre. Wenn nämlich beim Basaltdurchbruche die Thonschiefer- und Anthra- konischichten noch weich, oder wenigstens nicht
45
ganz erhärtet waren, so mussten sie durch den grôssern Druck des Basalts in der Mitte von oben nach unten während seines Erkaltens , mehr zu- sammensinken, als an den äusseren Seiten, wo der Druck des Basalts nicht so bedeutend war. Spä- terhin überzeugte ich mich jedoch , dass das gewundene Structurverhältniss von ganzen Lagen grosser, aber etwas flacher Anthrakanitkugeln her- rührt, zwischen denen die Thonschieferschichten sich senkien , über denen sie aber gewolbt er- scheinen, wie ich dies weiter unten bei der Schil- derung von Hellekies näher beschreiben werde.
Weiter sudwärts gelangt man an den eigentli- chen Kalkbruch, bei welchem nicht der von Kohle so stark geschwärzte Anthraconitartige, sondern ein gelblicher Kalkstein in horizontalen Schich- ien zu Tage ansteht; seine Mächtiskeit betragt viele Klafter, obgleich auch hier seine oberen Schichten mit düunnen Schichten des Thonschie- fers Wechsellagerung eingehen.
Der Kalkstein ist hier an vielen Stellen mit Pulver gesprengt worden, da er viel zu Bauten benutzt wird und dadurch sind allmählig viele, mehrere Klafter hohe Hôhlen entsitanden, die weit in den F'elsen hineingehen und in denen der Thon- schiefer sehr schmale, aber auch sehr lange H6h- len bildet , die sich weit in das Innere der Kalk- schichten hineinziehen.
Der Basalt deckt uberall auf dem Hunneberg _die ausgehenden Thonschiefer-Schichten, die von
A5
ihm mehr oder weniger umgeändert erscheinen :
er ist fest und hellklingend, wie der Basalt des Hallebergs und gleich ihm durch viele Kluüfie in viereckige Stücke horizontal und vertical gespal- geschichtet erscheint.
Ehe ich Nygäârd verliess , bestieg ich noch den
ten, weshalb auch er wie
Hunneberg, um auch auf ihm die Seen anzusehen, die Sefstrôüm für die Kraterôffnungen des Basalt- ausbruchs hält. Ich erstieg den Berg sehr bequem von Wästäna aus, wo am tiefsten der Sandstein anstand, und auf ihm der Thonschiefer mit Kalk- stein wechselt, lezterer wenig mächtig, der Thon- schiefer aber vorzuüuglich herrschend. Bald darauf zeigten sich die vielen Basaltgeschiebe , endlich auch der Basalt in anstehenden Massen, aber nir- gends sah ich auf ihm , eben so wenig, wie auf dem Halleberg die Furchen im Basalt , deren hier Sefstrüm so oft erwähnt.
Bald hatte ich den ersten , fast runden See er- reicht. Er heisst der Stubbesjü und ist unter allen der tiefste; aus Mangel an einem Boote auf die- sem See konnte ich seine ‘Fiefe nicht messen. Ueberall an seinen Ufern sah man nur einen be- weglichen Moorboden, der sich stark bewegte, wenn man auf ihm sprang. Das Wasser soll aus der Erde kommen, es ist aber leicht môglich, dass es nur eine Folge der Ansammlung im Früh- jabr durch Aufthauen des Schnees ist. Die Seen sind hier noch zahlreicher, als auf dem Halleberg, es sind ibhrer überhaupt 24, und sie haben ohne
l
47
Zweiïfel denselben Ursprung; sie mügen ebenso durch Spalten oder Risse des Basalts, die er beim Austrocknen erhielt , entstanden und daher auch so zahlreich sein.
Bald erreichte ich den grôssten See, Eldmürj6, der fast ein Dreieck bildet. Hier auf ihm fand sich ein Boot und ich konnte seine ‘Tiefe, die mir sehr bedeutend angegeben wurde, an mehreren Stellen messen lassen: die tiefste Stelle betrug 4 Klafter, also eine fast gleiche Tiefe mit dem tief- sten See des Hallebergs. Daraus lässt sich wohl mit ziemlicher Gewissheit schliessen, dass der See Stubbesj6, dessen Ticfe mir als unergründlich ge- schildert wurde, der aber 1m Umfange viel kleiner ist, als der See Eldmôrjô, hôchstens um ein Paar Klafter tiefer sein kônnte.
Es lagen auch ausser den Basalistücken, ein- zelne Geschiebe Granit am Ufer des See’s umher, die vielleicht mit dem Basalidurchbruche in die Hôhe gehoben worden waren.
Die Kuppe des Hunnebergs unterscheidet sich nur dadurch von der des Hallebergs, dass sie weit ebener ist , also nicht so hüglicht oder bergigt , wie der Halleberg , daher ist denn auch die Zahl der Seen hier weit grôsser; sonst ist der Berg ebenso mit Nadelholz bewachsen und ernährt da- rin dieselben jagdbaren Thiere, so wie sich diesel- ben Fische in den Seen finden.
Tages darauf fuhr ich an der Westseite des Hunnebergs entlang nach Lidkôping und sah dort
458
überall den alaunhaltigen Thonschiefer und Kalk- steinbrüuche, und uüberall auf der Hôhe des Hunne- bergs den überhängenden Basalt in mächtigen, stark zerklüufiteten Schichten. Zuweilen waren die Abhänge des Berges so sehr mit Basalttrummern bedeckt , dass man nur sie, und durchaus keine anderen Steinmassen sah. à
Eben dieselben üuberhängenden Basaltschichten werden auch an seiner Ostseite bemerkt ; uberall sind auch hier die Wände steil und stürzen all- Jäbrlick ein , wodurch die Menge der Geschiebe am Fusse des Berges so ungemein zunimmnt.
Hinter Lidkôping am Wenernsee wurde der Weg im Fichtenwalde sehr sandig. Kurz vor We- sterplana fuhr ich den Vorberg der Kinnekulle , den Bloomberg, hinauf; er bildet ihren Fuss und ist daher für den Schichtendurchschnitt der Kinne- kulle sehr wichtig. ;
Ueberall standen hier die untersten Sandstein- Schichten an, die vôüllig versteinerungsleer und horizontal waren , aber meist stark zertrummert, 2erkluftet und ubereinander geworfen erschienen, so dass ihre Trüummer am Fusse des Blomberges weit und breit zerstreut umherlagen.
Ich traf weiter hin, auf dem Berge, alau:hal- tise Thonschieferschichten an, die hier unuittel- bar auf dem Sandsteine aufliegen, also grade wie in Esthland. Der Thonschiefer enthält auch dort wie hier, viele schweflige Beimischung und wird daher zur Feurung benutzt , jedoch mit Zusatz
A9
von ekwas Holz, ebenso wie der Brandschiefer Esthlands. Der Thonschiefer zeigte noch mehr die gewundene Schichtung, wie am Hunneberg, ohne dass sie auch hier vom Basaltdurchbruche herrühren kônnte,da er nirgends in der Nähe be- merkt wird, sondern offenbar von den vielen Ver- tiefungen zwischen den Anthraconitkugeln, die in horizontalen Reïhen die Thonschieferschichten trennen, verursacht wird.
Noch hôher den Blomberg hinauf, zeigt sich der rothe Grauwackenkalkstein, der für Schwe- den. so characteristisch ist; er ist stark von Ei- senoxyd gerôthct, färbt leicht ab und bricht in sehr breiten Fliesen , in denen oft 3 Fuss Jange Orthoceratiten ( O. trochlearis, annulatus u. a.) inue liesen, oft dicht neben einander in gauzen Gruppen, ohne alle andere Versteinerungen. Zu- weilen bemerkt man, jedoch an anderen Stellen Cyrtoccratitenartige vielkammerige Schnecken- schalen mit einmfachen Scheidewanden und einem der Rückengegend nahe gelegenen Sipho, ferner Nileus armadillo, Asaphus heros ,' As. expansus, Illænus crassicauda , selten auch einen Turbo, wornach zu urtheilen, auch hier die unteren Grau- wackenschichten auzunehmen wären.
Am Secufer entlang fahrend, erreichte ich end- lich Râäbäck, von wo man gewôhnlich die Kinne- kulle ersteigt ; hier fand ich wiederum das Liegen- de der ganzen Formation, den weissgelben Sand- stein in mächtigen, horizontalen Schichten, die
IN 1. -1646. 4
h10)
mehrere Klafter mächtig anstehen. Ihn deckt je- ner Thonschiefer in fussmächtigen Schichter, die leicht spalten und zwischen den Schichten über- all die Anthraconitkugeln von verschiedener Ge- stalt und Grôsse zeigen:; sie sind bald oval , bald länglich, bald vôllig rund, und in diesem Falle zuwei- len von oben nach unten plattgedrückt; auch hier enthalten sie von aussen fest aufsitzend Millionen kleiner Agrosten (Ag. pisiformis ), nach oben geht der Thonschiefer meist in schywarzen Anthra- conit über, der stänglich abgesondert und stark glänzend ist. An anderen Stellen ist dieser Kalk- stein hellgrau von Farbe, sehr fest und enthält eme grosse Menge kleiner Ofenus gibbosus His.
Noch hôher hinauf zeigt sich im Garten von Râbäck die Grotte Môrteklev. in der vôllig hori- zontale Kalksteimschichten von dunkelroither Farbe die Wände bilden ; der Kalkstein lôsst sich in dun- nen Schichten ab, die leicht verwittern und ab- blättern und dann herabfallen, wodurch an ein- zelnen Stellen Hôhlen entstehen, an anderen da- segen die festern Schichten rundliche, bauchig- te Vorsprunge bilden, die wie Thürme vorstehen und die man dort nach unten ausgehôhlt und so in 1hnen eine geräumige Grotte angelegt hat, aus der ein frisches , krystallhelles Wasser her- vorquilt.
Dies sind die 3 hauptsächlichsten Glieder der Grauwackenformation an der Kinnekulle, die ich hier noch an andern Stellen an ihrem Fusse
51
uutersuclite und daher ausführiicher schildern will.
Zuerst vom Sandsteine. Ich sah ihn in grossen Schichten im Walde von fellekies und Hünsäter, wo er überall gebrochen und zum Kanalbau ver- führt wird: er findet sich da in horizontalen Bänken, die der Länge und Quere nach zerklüf- ten und als viereckige, meist lingliche Stücke ge- brochen werden ; der Sandstein findet sich gleich unter dem Moorboden im Fichtenwalde , so wie auch im Grunde des Sees, woher auch eine Men- ge Geschiebe am Ufer von Hellekies weit und breit umherliegen. Es arbeiten unaufhôrlich an 300 Menschen in jenem Walde, um Fliesen zu bre- chen und vorläufg ‘zum Verführen zu behauen ; die Stüucke sind meist 1 Elle lang und 1 Fuss dick und werden mit 1 Thal. Reichsgeld bezahlt, aber auch 2? Ellen lange Stücke werden eben s9 häufig verfuhrt. Die Farbe des Sandsteins ist Weiss, gclb, zuweilen mit schwarzen Pürktchen oder Fleckchen auf dem weisslichen Grunde; er enthält schr feine, kaum sichthare, stark glünzen- de Quarzkôrner und hat meist einen flach musch- ligen Brach, springt aber leicht beim Behauen, weshalb dies vorsichtig betrieben werden muss. Dieser Sandstein entspricht im Alter dem am Omberge aufyerichteten Sandsteine.
Der Alaunschiefer ist hier am Fusse der Kiu- uekulle, bei Uellekies und vorzughich bei Hônsä-
ter, sehr mächtig; seine Banke erhichen sich viele
1% <{
92
Klafter hoch, sind meist horizontal mit Ausnah- me deroberen, dünneren Schichten, auf denen die Dammerde liegt und Bäume wurzeln, die sie meist gewaltsam gebogen haben, als Folge der colossa- len Eichenstäimme, die auf 1hnen wurzeln und sie an einzelnen Stellen niederdrüuckten. Der bei Hôn- säter so stark entwickelte Alaunschiefer ist sonst dem Alaunschiefer von Rârbäck, das À Meilen von hier entfernt ist, vollig gleich; ebenso wenig lässt er sich vom Alaunschiefer von Nygärd unterschei- den. Die untersten Schichten des Alaunschiefers von Hônsäter stellen sich als mächtige Bänke vou schwarzer Farbe dar (‘Taf. 2. fig. 2. e*), die dicht und fest sind; sie liegen auf dem Sandsteine (ibid. g), obgleich er hier nicht zu Tage kommt ; weiter hinauf blättern sie leicht ab (1bid. fig. ), e.) und da liegen zwischen ihren Schichten jene vorher erwähnten Anthraconitkugeln (Tab. 9. fig. 2. f. £.). Diese sind oft von ungeheurer Grôsse, zuweilen = Klafter lang, meist Tussdick und eben so breit; auch sind sie vôllig rund, als ob sie von der Drehbank kämen, meist jedoch et- was platigedrückt und enthalten immer auf der obern Seite eine zahllose Menge kleiner Agnosten. Die flachrunden Anthraconitk ugeln liegen zuwei- len in langen, graden Reihen zwischen den Alaun- schieferschichten und verursachen dadurch in ihnen an einzelnen Stellen wellenfôrmige Biegun- “en, indem sich der Alaunschiefer über den Ku-
ë geln wellenfôrmig hebt und in den Zwischenriu-
[=
53
men zwischen den Kugeln senkt (s. Tab. 2. fis. 3. f. f. ); diese Biegungen bildeten sich wahr- scheinlich zu der Zeit, als der Alaunschiefer noch weich war, und so wird sich wohl am ungezwun- sensten die wellenfôürmige Schichtenstellung des Alaunschiefers erklären lassen.
Die Alaunschiefer-Schichiten werden meist von einer Anthraconitschicht (ibid. ‘Tab. 2. fig. 2. d.) gedeckt , die nach unten aus Millionen von Agnostus pisiformis, dicht an einander ge- reiht, besteht, die aber hôher hinauf in sehr dich- ten , versteinerungsleeren Anthraconit (ibid. c.) übergeht und noch hôher lauter kleine, stänglich abgesonderte und an einandergereihte Säulchen des Anthraconits selbst enthälr (ibid. b.) Zu oberst werden diese aufs neue von einem hori- zontal geschichteten Alaunschiefer gedeckt (ibid. a. ), der leicht abblättert, aber ziemlich machtig ist, am mächtigsten sind jedoch die Schichten mit Anthraconitkugeln, oft 3 Ellen und mehr.
Die Anthraconitkugeln haben eiuige Aebhnhch- keit mit den Imatrasteinen und kônnen vielleicht gleichen Ursprungs sein; vorzüuglich wenn die Kugeln flach sind und concentrisch gestreift (1bid. fig. 4.) erscheinen, so dass es dadurch zu- weilen scheint, als ob eine Kugel auf der andern sitze; oft sind sie länglich, an den Seiten zuge- rundet und etwas gebogen (ibid. fie. 5.), dabei eimige Fuss lang, zerschlägt man sie, so verbrei- tenu sie, wie überhaupt der Anthraconit, einen
5
stark bituminôdsen Geruch; sie sind aber meist sehr hart und daher schwer zu zerschlagen , im Innern sehr dicht und fest und flachmuschlig im Bruche ; an der Luft verwandelt sich ihre schwar- ze Oberfläche leicht in eme graue oder wird braun, weshalb sie auch beim Durchschlagen von diesem braunen Rarde umgeben sind, während die Mitte vôllig schwarz erscheint. Werden die Anthraconitkugeln aus den Alaunschieferschichten herausgenommen, so hängen an ihrer Oberfläiche ebenso Stücke des abgeblätterten Alaunschieters an, wie an den ihnen so ähnlichen Kugeln des strahligen Kalkspaths die Bruchsiücke des Thonschiefers, im dem diese Kugeln sich in der Grauwackenformation von Pawlowsk, an der Popofka und Pulkowka, so häufig finden. Merkwürdig istes auch, dass sich ïin Grauwacken-Thonschiefer von Kurylowce und Jam: pol (*), nach Blüde auch vorzuüglich schôn bei Minkowce und Jaruschew, ähnliche Kugeln, nur aus phosphorsaurem Kalke bestehend, in dersel- ben Menge finden ; auch sie sind vôllig rund, im Jonern strahlig, wie die Kalkspathkugeln von Paw- Jowsk und oft von der Grôüsse eines Kiadskopfs. Dies zeigt doch auf gleiche Bedingungen fur die Bildung dieser Kugeln in der Thonschieferschicht und lJüsst sie auch, gleich den Imatrasteinen, als auf àhuliche Art entstanden ansehen.
CMS maturmst SÉtzze VC: pag» 28.
b5
Der Alaunschiefer gibt einen weissen Strich und wird in Schweden, vorzüglich bei Hônsäter, zur Alaunbereitung benutzt, da er sehr alaunhal- tig ist, wodurch er sich vorzüglich von dem esthländischen Thonschiefer unterscheidet. Ich sah in ibm selbst nie Versteinerungen, nicht einmal die Graptolithen, die doch bei Ghristiania in ihm so häufg smd; auch sah ich nie die grauen oder rothen Kalkschichten mit 1hm wechseln ; es sind dagegen immer die schwarzen, sitark biluminôsen, oft klaftermächtigen Anthraconitschichten, die mit den Alaunschieferschichten Wechsellagerung ein- gehen. Die stänglichen Absonderungen des schwar- zen, starkglänzenden Anthraconits sind zuweilen 15 Zoll lang und bilden lauge horizontale Grup- pen, die ohne alle Bindemasse sich sehr weit er- strecken und ganze Schichten bilden (s. Taf. 2. eg; 2h: ;):
Hôher hinauf zeigt sich in der Entfernung einer Meile von da der Kalkstein in vorzuglicher Ent- wickelung, der ohne Zweifel die Hauptmasse der Kinnekulle bildet. Ich machte meine Excursion vom Gasthofe Rôssetten aus, wo die Station und cine lebhafie Strasse ist, da hier der Weg nach Marienstadt vorbeifuhrt. Der Kalkstein ist bald dunkelroth oder rothhbraun, wie bei Môrteklev und auf dem Blomberge, wie er aber hôchst sel- ten in Norwegen vorkommt; er färbt leicht ab und zeichnet sich durch grosse Orthoceratiten aus; die Schichten sind überall horizontal und
D6.
bilden oft schrolffe, steile Wände, wie bei Môrte- Klev und an dem Wege von Hellekies, wo das Dampfboot auf dem Wenernsee landet und wo an dem kleimen Meerbusen der rothe Kalkstein viel gesammelt und gepulvert wird, um beim Kanalbau als vorzüugliches Cæment verbraucht zu werden, womit man die Sandsteinplatten fest aneinander kittet. Dieser rothe Kalkstein ist meist weich, an der Oberfläche hôckrig und rauh und kann wegen seiner Weichheit nicht gut zum Baumate- rial benutzt werden. Weir fester ist der auf ihm liegende graue Kalkstein , der meist krystal- Jinisch dicht ist: er enthält meist viele grüune Chloritkôrner, vielen Schwefelkies, ganz wie der esthländische Kalkstein, und nur wenig Versteine- rungen, die auch im rothen Kalksteine nicht häu- fig beobachtet werden. Ausser dem Asaphus ex- pansus finden sich meist einige Orthoceratiten, Orthis und Euomphali in ihm, aber so zerbro- chen und schlecht erhalten, dass ihre Artbestim- mung viele Schwierigkeit macht. Auch dieser graue Kalkstein steht uüberail in horizontalen Schichten an.
Als ich von Rôüssetten aus, die Kinnekulle be- stieg und bis zur Mitte des Weges von hier bis zu ihrer Kuppe gelangt war, fand ich bei einem einzelnen stehenden Hause (der Ort wird Källe. torp genannt) den Thonschiefer, der hier den grauen Kalkstein deckt in sehr schônen, horizon- talen Schichien anstchen; er ist feinschiefrig,
À /
blittert daher leicht ab, und gibt einen schwar- zen Strich, doch war diese Schicht hier nicht sehr mächtig und zu sehr von der Dammerde und dem schônen Baumwuchse bedeckt , als dass es môglich gewesen wäre, sie weiter zu ver- folgen.
Ueberhaupt setzte mich die uppige Vegetation auf dem mittleren Abhange der Kinnekulle in Erstaunen; ich sah nirgends so schône, grosse Ei- chenbäume , nirgends ein so dichtes, dunkeln Schatten verbreitendes Laub, wie hier, und was mich noch mehr überraschte, waren ganze Wälder wilder Kirschhäume,diedie sussesten Früchtetrugen, welche von Knaben und Maädchen aus weiter Ferne reichlich gesammelt wurden, um in den nahen Städten verkauft zu werden. Die Kirschen sind zWar klein, aber sehr wohlschmeckend , blassroth von Farbe und wachsen sonst nirgends in Schwe- den wild, nur hier auf der Kinnekulle. Auch Ae- schen, Ahorne, Buchen und vorzüglich Eichen von auffallender Grôsse und besonderer Schôn- heit sind hier sehr häufg ; hôher hinauf finden sich jedoch auf der Kuppe der Kinnekulle nur Fichten. | 5€ näkert und befand mich im Basaltgebiete ; über- all sah ich Basaltgeschiebe in zahlloser Menge und in grossen Blôcken umbherliegen ; er ist zwar dem Basalte des Hunnebergs ähnlich, ebenso fest und bart wie er, enthält aber srôsscre kugelfôr-
Almäblig hatte ich mich der Kuppe selbst
5e
mige Ausscheriungen, die deutlich Magneteisen- stein bilden und zwischen sich gelblich weisse, sehr kleine Quarz-Kôrner, die leicht auch Olivin zwischen sich enthalten kônnten, liegen haben, Er gibt am Stahle Funken und ist sehr schwer. Jene Ausscheidungen machen seinen Bruch sehr uneben und dadurch unterscheidet er sich vom PBasalte des Hunnebergs. Noch hôkher stand der Basalt auf der Kinnekulle in ganzen Kuppen an; ich sah ihn je- doch nirgends den Thonschiefer unmittelbar de- cken, da der Berg hier üuberall sehr stark mit Darnmerde bedeckt und mit dichiten Bäumen be- wachsen ist: doch hatte ich den Kalkstein hôher hinauf nirgends auf dem Thonschiefer aufs neue beobachtet ; auch der Thonschiefer des Hunne- bergs liegt unmittelbar unter dem Basalte. Merk- würdig waren mir 2 grosse Klüfte oder Spalteu in Basalte, die an 5--6 Klafter tief erschienen
und über denen gewaltig grosse Blôcke Basalt in der grôssten Unordnung herüber lagen, Diese Kluüufte geben die beste Erklärung fur den Ur- sprung der sogenannten Krater auf deim Halle- und Hunneberge, die nämlich als ursprüunugliche Klufte im Basalte selbst zu deuten sind. Auf der Kinnekulle fand ich keine Scen, was allerdings merkwuürdig ist, da sie auf den beiden andern Bergen so zahlreich sind: dagegen werden aufihr häufig Torfmoore bemerkt, die zuweileu 5m Früh- jabre und Herbste lange unter Wasser stehen und
in diesen Jahreszeiten Seen bilden, welche jedoch
59
im heissen Sommer austrocknen und im Winter gefrieren. Der Moorboden ist auf der Kuppe der Kinnekulle so tief, dass keine Stange, sie sei noch so lang , den Grund erreicht. Diese Klüfte sind daher ungemein ähnlich den Spalien im Basalte des Halle- und Hunnebergs. Der Torfmoor erbebt oder erzittert, weun man über ihn weggeht; an andern Stellen klingt der Boden ganz dumpf und hohl, als ob unter ihm grosse leere Räume wä- ren, wie dies auch hin und wieder auf dem Grau- wackenkalksteine von Esthland der Fall ist.
Der Basalt zerklüftet nicht selten in eckige, un- fô‘rmliche Siücke, wiewoh]l er nirgends deutliche Säulenbildung zeigt; zuweilen liegen die zu ein- änder gehôrigen Stücke dicht neben einander, als Beweis, dass dies Zerklüften und Zerfallen durch atmosphärische Einflusse bedingt ist; oft findet men plattenfürmige, vôllig horizontale Tafeln, die zuweilen aufrecht sitehen oder allerlei sonderbare Gruppirungen bilden. Nirgends sah ich jedoch Schraminen im Basalte. |
Merkwuürdig sind endlich noch einzelne Ge- schiebe eines sehr festen Sandsteins und eines Granits, die sich auf der Kuppe der Kinnekulle finden. Der sehr harte Sandstein ist fest und wie vom Feuer verändert, krystallinisch dicht und meist rothlich von Farbe: er findet sich oft im 4—5 Fuss langen und fast eben so breiten, 4 ecki- gen Stucken, und zwar in der Nühe der Basalt- klufr, als ob sie hier aus der Tiefe mit dem Ba-
60
salte in die Hôhe gehoben wären, obgleich ich jedoch nirgends sah , dass der Basalt selbst diese Sandsteinstüucke in sich schloss. Der Granit ist sehr feinkôrnig, besteht aus rôthlichem Feldspathe, Quarz und Glimmer, zuweilen zeigt sich in an- deren Stücken deutliche Hornblende und die Fels- masse geht daher in Syenit uber. Auf der Seite der Kuppe nach Billingen hin, hegt ein sehr grob- kôrniger Granit, der aus Albit, farblosem Quarze und grossblättrigem Glimmer besteht, in Geschie- ben umher; zuweilen zeigen sich auch Geschiebe eines deutlichen Gneuses.
Es ist immer sehr merkwuürdig, hier , auf der Kuppe der Kinnekulle , plutonische Geschiebe zu finden , deren Felsmassen selbst nirgends in der Nähe anstehen , und es bleibt auch für sie nur die Annahme statthaft, dass sie aus der Tiefe in die Hôhe gehoben sein kônnten, obgleich der Ba- salt weder Sandsteim, noch Granitstücke ein- schliesst |
Die Kinnekulle liegt am ôästlichen Ufer des We- nernsee s, der Omberg am ôstlichen Ufer des von jenem See ostwärts liegenden Wetternsee’s. Zwi- schen beiden sehr grossen und oft sehr stürmi- schen Seen in der Mitte liest der kleine See Wiken uber der Ostsee auf einer Hôhe von 308 Fuss, zu der hier der Gothakanal hinaufführt,da er aus dem We- nernsee quer hinuber in den Wetternsee geht. Bei Trollhätia ist der Kanal 112 Fuss hoch, bei Sjô- torp am Wenernsee 145 Fuss und hier am Wi-
61
kensee erreicht er die grôüsste Hôhe. Dieser See gibt das Wasser her für die Schleusen west- und ostwärts. Er bildet auch merkwurdiger Weise die Gränzscheide der Vegetation. Am ôstlichen Ab- hange des Sees scheint eine ganz andere Fauna an- zufangen; die schônen Kirschbäume der Kinne- kulle sind längst verschwunden, auch Birnbäume, die auf ihr so gut gedeihen, tragen hier nicht mehr reife Früuchte; vorzuglich bemerkte man Abends eine fühlbare Kälte, die ich kurz vorher auf der Kinnekulle nicht empfunden hatte. Von hier senkt sich das Land ostwärts immer mehr abwärts. Beim Wetternsee ist man nur 297 Fuss über der Ostsee, beim Borensee 247 , beim Ro- xensee nur 109 Fuss.
Gehen wir nun zur kurzen Schilderung der geognostischen Verhältnisse der Grauwackenfor mation des sudlhichen Norwegens über, so finden wir hier ein ganz anderes Schichtungsverhältniss In Podolien und Esthland beobachten wir die grôsste Ruhe nach dem Absatze der Grauwacken- schichten :; auch in Schweden ist ihre Schichten- lage nicht geändert worden troz dem Durchbru- che des Basalts durch die mächtigen Schichten der Grauwackenformation. Hier in Norwegen da- gegen zeigt sich üuberall, wo sich einzelne ihrer Schichten finden , ein plutonischer Durchbruch und dadurch wird grosse Schichtenstôrung in ih- nen beimerkbar.
Der sudliche Theil Norwegens bestehtnämlich über-
62
all aus Granit, Gneus und Syenit, zuweilen auch aus Eurytporphyr. Hôher hinauf folgt da, wo die vie- len kleinen Scheeren an der Westkuste des Ghri- stianiafjords aufhôren , ein schwarzer augitreicher Porphyr, ein wahrer Melaphyr, der jedoch einen meist rôthlichen , sehr feinkôrnigen Sandsteia durchbricht, der offenbar neuerer Bildung ist, als der Grauwackensandstein und vielleicht zum alten rothen Sandsteine gehôrt, den Murchison (*) so bestimmt in Norwegen annimint, und auch Keilhau, wie wir bald sehen werden, im Norden Norwe- gens nachweist (**).
Dem Melaphyr liegt in der Regel ein bellgraues, grobkôrniges Conglomerat auf, das offenbar als Reibungsconglomerat aus dem Sandsteine entstand, als dieser vom Melaphyr durchbrochen ward. Der Sandstein zieht sich am Rande des Porphyrs lings der Kuste von Skaaneaas über Gousen nach Hol- mestränd und so nordwärts nach Sande hisauf, längs der West-Kuüste der Sandebuacht.
Hier nordwärts tritt der Sandstein in Beruh- rung init dem Grauwackenkalksteine, der hin und wieder kieslig hart, ja weiter hin schiefrig erscheint, und so allmählig in einen Alaunschiefer übergeht, der auf beiden Seiten vom Porphyre durchbrochen wird. Ueberhaupt umgibt in der Nähe von Cbhri-
ee ns
= éme TN
(*) Murchison’s Rede: Petersburg. 1845. 1. ce. pag b.
(%) Æeilhau, Ga norvegica, Ileft IL pag. 269.
G3
stiania ein Granil- und Porphyrgürtel die Grau- wackenbildung und verwandelt durch Contact- metamorphismus den Kalkstein und Thonschiefer in Hornschiefer und Kieselschiefer.
Am schônsien sieht man den mit dem Kalksteine wechselnden und in ïihn übergehenden ‘Thon- oder Alaunschiefer hinter dem Universitätsgebäude von Christiania, da wo die grosse Heerstrasse nach Bergen fübhrt, und wo er vom hervorbrechenden Eurytporphyre steil aufgerichtet wird.
Der Alaunschiefer ist hier wahrhaîft kalkig und durch Aufnahme von Kieseltheilen sehr fest und hart geworden, so dass man ihn nicht gut Kalk- stein, aber ehben so wenig Alaunschiefer nennen kann ; es ist eine Zwischenbildung beider Gebirgs- arten und durch Hervorsteigen kieseliger Dämpfe von unten her, beim Hervorbrechen der plutoni- schen, ihn durchsetzenden Eruptivmassen, in Kiesel- schiefer umgewandelt. Er ist zunächst dem Anthra- konitkalke Schwedens zu vergleichen, streicht von S W nach N O und ist fast steilaufserichtet ; weiter- hin verliert er die steile Stellung und nähert sich allmäbhlig der horizontalen Lage, oder er biest sich wellenfôrmig, wie dies namentlich auf der entge- gengesetzten Seite der Stadt beobachtet wird, an der Landstrasse, die bei der Aggerkirche vorbei- füubhrt.
Nicht weit von hier steht dr Alaunschiefer in einzelnen Kuppen an; er ist fein schieferig und blättert sehr leicht ab, enthält Schwefelanflug
64
und brennt leicht. und nicht selten finden sich in ihm kleine Krystalle oder auch ganze Nieren von Schwefelkies.
Nächstdem zeichnet sich der Alaunschiefer durch die zahllosen Graptolithen aus, die er zu- gleich mit einzelnen Lingulen und Posidonom yen häufig einschliesst. Murchison sieht den Grap- tolithenschiefer als die vierte Schicht an, die nach dem Fucoidensandsteine und dem untern Alaun- schiefer folgt und auf dem Orthoceratitenkalke liegt : ich wurde ihn jedoch eher als unter diesem liegend oder mit ihm wechsellagernd betrachten, grade wie auch der Thonschiefer bei Pawlowsk und Narva hin und wieder Graptolithen enthält, aber immer unter dem Grauwackenkalksteine und auf dem Saudsteine liegt, mit dessen oberen Schich- ten er zuweilen Wechsellagerung eingeht; doch liegt der Thonschiefer mit Graptolithen auf der Kinnekulle wirklich auf dem Kalksteine, dicht un- ter dem Basalte. In Esthland zeichnet den Thon- schiefer vorzüuglich Gorgonta flabelliformis aus, die auch im Alaunschiefer von Eger bei Cougs- berg, so wie eine dem Hyolithus acutus verwand- te Art bei Christiania in ihm vorkommt, wo sich auch ein Paar Cÿrtoceratiten mit ihnen finden. Er enthält auch die Sphæroniten, die um Pawlowsk und in Reval nur in den unteren Schichten des Kalksteins vorkommen. Nächstdem findet sich im Thonschiefer Chistiania’s noch Olenus scaraboides, Trinucleus tesselaltus und Bronnit und ein neuer
65
Agnostus am Festungsberge, wie ich dies weiter unten näüber beschreiben werde.
An andern Stellen, wie z. B. auf der kleinen Halbinsel Tyveholm, sieht man den Alaunschie- fer mit Kalksteinschichten wechseln, jenen meist schwarz, diesen schmutzig weiss ; beide streichen, wie gewôhnlich, von S W nach N O und fallen nach N W unter fast 39°. Das Ausgehende der Schichten deckt ein Eurytporphyr, der hier in mächtigen Massen hervordrang, und die schräge Schichtenstellung bewirkte; er tritt meist aus dem durchbrocheren Alaunschiefer hervor.
Weiterhin zeigt sich auf Tyveholm derselbe kalk- haltige Alaunschiefer , eben so mit deutlichem Kalksteine wechselnd , der, von schwarzer Farbe, häufig von feinen, weissen Kalkspathadern durch- setzt wird. Auch er ist kieselreich, gleich dem Alaunschiefer , und beide haben dasselbe Streichen wie oben und fallen unter 45° nach N W.
Der Alaunschiefer wird hier von einem dun- kelgrünen oder schwarzen Feldspa thporphyr durch- brochen , in dessen dunkler Teigmasse rhomben- fôrmige Feldspathkrystalle inne liegen. Je hôher der Porphyr am Abhange dieses Felsens unter- sucht wird, desto deutlicher , schôner und zahl- reicher werden in ihm die Feldspathkrystalle be- obachtet. Sie unterscheiden sich vorzüglich durch die weisse, glinzende Farbe von der schwarzen Grundmasse des Porphyrs. Offenbar ist der Por- phyr durch Umwandlung des kalkigen Schiefers
NOT 18406. 5
66
entstanden , um s0 mehr, da ein directer Ueber- gang von jenem in diesen deutlich bemerkt wird.
Vor Ailem war mir der Festungsberg, ein schrof- fer, am Christianiafjord steil sich erhebender Fels, merkwuürdig. Er besteht aus Gneus ('Faf. I Fig. 6. a. a.), der sehr feinkôrnig ist und Glim- mer, Quarz und Feldspath enthält und deutlich ge- schichtet ist; er streicht nach S O und ist oft fast steil aufserichtet (1. ce. c. c.) Ueberall wird an seiner Gränze der Eurytporphyr (1 €. e. e.) beobachtet, der sehr fest, feinkôrnig und fein- sphittrig im Bruche ist; er besteht aus einer dichten, quarzigen Feldspathmasse und enthält viele Schwe- felkieskrystalle emgesprengt, ausserdem Kalkspath- adern und rechtwinklige Krystalle des Feldspaths; daher nannte man ihn auch rectangulären Porphyr.
In seiner Nähe befindet sich fast immer der Thon- oder Alaunschiefer mit schwarzem Striche (IL c. g. g.); er ist vom Durchbruche des Euryt- porphyrs mehr oder weniger aufgerichtet und geht dadurch in Hornschiefer (Il. c. f. f.) über.
Dieser ist zuweilen fast senkrecht aufgerichtet und fällt etwas nach N.
Ueberhaupt zeichnen sich die Schichten des Festungsberges besonders durch ihre gezwungene, verworfene Stellung aus.
Der Gneus scheint im Ganzen das Grundgebirge dieses Berges zu bilden; an seimem Fusse zeigen sich die kuppenartig abserundeten Gneusschichten in grosser Menge; sie sind dabei stark geglättet
67
und geschrammt, wie ich dies später schildern will. Hôher hinauf kommt man auf Stellen, die durch einen hervorbrechenden Albitoranit (1. c. d. d.) stark aufserichtet und verworfen sind, so dass er baïd unter 50° fällt, bald senkrecht steht. Aus- serdem wird der Gneus an anderen Stellen von Gängen des Feldspathporphyrs (1. c. e.*) durch- setzt, in denen ausser vielen Kkleinen Feldspath- krystallen hin und wieder Glimmer und Schwe- felkies bemerkt wird; zuweilen enthält ein Gang auch eine kalkige Beimischung.
Auf dem Gneuse lag wahrscheinlich der Alaun- schiefer , und ging da , wo er mit ihm in unmit- telbarer Berüubhrung war, durch Contractmetamor- phismus in Hornschiefer über. Der Alaunschiefer selbst wird von einem weisslich grauen Euryt- porphyre durchbrochen, dadurch in Kieselschiefer umgewandelt, oder blättert ab, wie ein ‘Tafel- schiefer, und enthält viele Kalkspathadern , vor- zuglich da, wo er mit dem Kalksteine (Ve. m') wechsellagert oder kieselig erscheint.
Der Alaunschiefer findet sich hier üuberhaupt in mannichfacher Schichtenstellung ; nach unten liegt er mehr oder weniger horizontal, hôher hin- auf wird er von weisslich grauem Eurytporphyre, der durch seine Schichten hervorbricht, gehoben, noch weiter wird ein Durchbruch des sogenann- ten Rhombenporphyrs (1. ce. &. c.) bemerkt, der sich an den Alaunschiefer lest oder seine Schich- ten ebeufalls durchbricht.
658
Der Eurytporphyr richtet jedoch an anderen Stellen den Alaunschiefer nur wenig auf, so dass dieser kaum 5° von der horizontalen Schichten- lage abweicht; aber er ist dabei oft stark gebo- sen und geknickt, was alles auf einen gewaltsa- men Durchbruch des Porphyrs hindeutet.
Ueberhaupt bildet der Alaunschiefer hier die hôchsten Kuppen, da er als das älteste Sediment- gebirge auf dem Gneuse liegt, durch Verwitterung an seiner Oberfliche leicht in einen neuen tertiären Lehm üubergeht, in dem auf Opslo noch lebende Arten von Muscheln in grosser Menge vorkommen, doch ist der Schiefer selbst auch nicht leer an Ver- steinerungen. Ich babe schon oben der Graptolithen gedacht, die ihn an den dort erwähnten Stellen erfüllen. An anderen Stellen enthält er, wie in Schweden am Hunneberg , wiewohl nur in geriu- ger Menge, den Olenus gibbosus, den Asaphus alatus, spinulosus , lateralis, die ïhm üuberhaupt eigenthümlich sind. [ch selbst fand im Alaun- schiefer des Festungsberges, da, wo er vom Por- phyr durchbrochen und etwas gehoben ist, einen neuen Agnostus Bæckii (s. Tab. IL. fig. 6. g*), der sich vorzüglich durch die gelappten Seiten- theile unterscheidet , wodurch eine neue Aehn- lichkeit des Agnostus mit den Trilobiten entsteht. Das kleinere Mittelstück ist durch 3 Querfur- chen in 4 einzelne Theile getheilt, von denen der vordere beiderseits 2 runde, doch wenig her- vorragende Érhabenheiten zeigt. Die Seitentheile
69
sind gelappt, die etwa 9 —7 jederseits befindlichen Lappen meist 2 theilig, was den Hauptunterschied macht und die Seitentheile wie fein gestreifterscher- uen lässt; die Linge beträgt 2, die Breite 1: Linie.
Ich sah auch in der schônen Universitälssamm- lung Keillhau’s in dem stark veranderten kieseli- gen Alaunschiefer, wie er im Norden an der Gränze des Granits ansteht , deutliche Muschelabdrüucke, namentlich gestreifie Orthisarten, wie sie sich bei Congsberg in der Umgebung von Landsvär finden. Weiterhin wird dort, vorzughich bei Hakedal, der Thonschiefer sehr hart, fast jaspisartig gebändert und erscheint deuthich hornschieferartig, aber im- mer nur an der Gränze des Granits. Dort fin- det sich auch in der Nähe des erhärteten Thon- schiefers der schônste Augitporphyr,der ihn wahr- scheinlich späterhin durchbrach und veränderte.
Ich sah ferner in dieser schônen Sammlung einen Feldspathporphyr (mit Rhombenkrystallen des Feldspaths), der allmählig in den von ihm durch- brochenen Granit uberging, und fast gar nicht von diesem zu unterscheiden war. Jaim Granite finden sich ganz âhnliche Rhombenkrystalle des Feldspaths, wie in diesen Pophyÿren. Ausserdem gibt es an anderen Stellen Norwegens einen Nadelporphyr, Wo nadelférmige Feldspathkrystalle untereinander büuschelfôrmig zusammengewachsen sind.
Ausser den Festungsberge ist westlich von Christiania noch ein anderer Berg, der Egeberg,
durch seine Schichtenstellung sehr merkwuürdig ;
70
er erhebt sich hier gleich hinter der Kirche Opslo, wo vordem eine alte Stadt gleichen Namens stand, und besteht auf der einen Seite durchweg, aus Alaunschiefer, der wie überall von S W nach NO streicht und fast unter 55°nachN W fällt. Der Alaun- schiefer enthält nur wenig Bitumen, so dass er ohne Holz nicht brennt. Hier liegen deutlich die Schichten des Anthraconits zwischen den Alaun- schieferschichten, die hôchst selten Agnostus pisi- Jormis enthalten und mit jenen wechseln. Der Anthraconit findet sich auch hier in Sphäroiden oder Ellipsoiden , die oft so regelmässig sind, als ob sie auf der Drehbank kuünstlhich gedreht wären, und in der Grôsse von 1—S5 Fuss variren; cinige siud dicht, andere stängelig abgesondert. Hin und wieder durchsetzen ihn Adern von Kalkspath,auch finden sich in 1hm nicht selten Schwefeikieskrystal- le, vorzüglich häufig jedoch ein Schwefelanflug, der gelbliche Bänder darstellt, die meist später durch
Beihulfe des Wassers entstanden sein môscen.
o
Weiterhin sieht man zwischen den Alaunschie- ferschichten den Eurytporphyr hervordringen. Die- ser ist weisslich grau, enthält ebenfalls viele feine Schwefelkieskrystalle, die in Brauneisenstein umge- wandelt sind, und zugleich eine Menge eckiger Alaunschieferstücke , die von ihm umschlossen werden , also in seiner Masse inne liegen, da er sie beim Durchbrechen des Schiefers mit sich in die Hôhe riss. Ausserdem liegen noch Quarzhruch-
stucke in 1him. An manchen Stellen ist der Por:
71
phyre braun von Farbe, wie gebrannt, und ausser den Schwefelkieskrysiallen, die ihn nach allen Seiten durchsetzen, enthält er noch viele recht- winklige Krystalle des Feldspaths und dadurch wird auch sein Name rectangulairer Porphyr ge- rechtfertigt. Da, wo dieser Porphyr den Kalkstein durchsetzt, zeigen sich die Feldspathkrystalle als Rhomben, oft von bedeutender Grôsse und er erhält alsdann, wie oben bemerkt, den Namen Rhombenporphyr.
An anderen Stellen durchbricht ein weisslich grauer Porphyr mit Albitkrystallen den Alaun- schiefer, und richtet 1hn auf; die Porphyrmassen werden um so bedeutender , je mehr man sich dem Ausgehenden der Schichten nähert, da wo an der Küste sich der Gneus zeigt, der die Kuppe des Egebergs und auch seine Hauptmasse bildez.
Sehr deutlich ist diese Schichtenstellung am Fusse des Berges hinter dem Gartenhause des Hafendi- rectors. Links zeigt sich hier der weisslich graue Albitporphyr auf der ganzen Bergkuppe, weiter hin rechis legt sich dieser Porphyr, wie ein Gewôlbe über die steil aufserichteten Alaunschieferschichten, die bald darauf wellenfôrmig gebogen erscheinen. Die Schichten sind zuweilen auch gänzlich umge- worfen, stehen aufangs vôllig senkrecht, und fallen unter almählig spitzerem Winkel ein, bis sie endlich horizontal werden, aber dabei die wellenformige Schichtung annechmen (s. Tab. EL fig. 4, wo a b den Alaunschiefer, € den Porphyr und d'eme Grotte in jenem bedeutet ).
12
Hôher hinauf zeigen sich überall Gneuskuppeu. Der Gneus ist feinkôrnig , zeigt deutlichen Glim- er, Albit und Quarz, und steht schon ein Paar hundert Fass über dem Niveau des Fjords auf dem Egeberg an, von wo er sich auch weiter süudwärts erstreckt.
Hinter dem botanischen Garten erheben sich einige Bergkuppen, von denen man eine vorzug- lich schône Aussicht auf den Fjord hat, so dass man hier den griechischen Archipelag mit allen seinen Inseln vor sich zu sehen glaubt. Hier sah ich aufs neue die sehr gebogenen, wellenformigen Schichten des Alaunschiefers, gleich beim Ein- tritte in den Hof eines Hauses, das dem Profes- sor der Physik, Hrn. Kaëser, gehôrt. Erst erschei- nen die Schichten senkrecht aufgerichtet und dann sehen sie allmählig in die wellenfôürmige Schich- tung über, die hier wohl von einem Seitendrucke bedingt ward. Geht man von da über die Land- strasse hinweg, so trifft man in nôrdlicher Rich- tung auf denselben Alaunschiefer, der mit Kalk- stein wechsellagert und durch einen 3 Faden machtigen Dioritgang steil aufeerichtet ist. Der-
gleichen, vielleicht nicht ganz zum Ausbruche ge-
kominene Diorithebungen môogsen wohl die Ursache
5 der dortigen gestôrten , meist wellenfôrmigen Schichtenstellung sein. Der Diorit besteht aus einem feimkôrnisen Gemenge von gruner Hornblende uud grüunlich weissem gemeinen Feldspathe. An ein-
zeluen Stellen ist ein femmkôrniger, rother Feld-
13
spath mit Hornblende verbunden und bildet da- durch kleine Syenitpartien, die in 1hm liegen und bei seinem Durchbruche durch den Syenit mit in die Hôhe gerissen wurden.
An jener Stelle bei Chrisiiania, wo der Durch- bruch des Diorits zu ‘Tage kam, werden noch mancherlei, der Erwähnung besonders werthe Umstände bemerkt. Zuerst erscheint der Alaun- schiefer stark verändert , kieselig hart und oft so sehr in den Kalkstein , dessen Schichten mit 1hm abwechseln, ubergehend, dass er kaum von ihm zu unterscheiden ist, um so weniger, da auch der Kalkstein kieselhaïitig und ebenso schwarz ist, wie der Alaunschiefer. Der mächtige Dioritgang (Tab. Il. fig. 7. b. b.) bricht zwischen den Alaunschiefer- schichten (1. c. a* a*) hervor, die an seiner Gränze sich vorzüglich durch ihre kieselise Härte und durch ihre scharfkantigen Bruchstücke auszeichnen ; sie wechsehn mit Kalksteiuschichten (1. ce. b* b*). Der Gang streicht von N N O nach S S W hora LE eben so ist auch das Streichen des Alaunschie- fers, so dass der Gang offenbar der leichteren Spal- tungsrichtung des Thonschiefers parallel läuft.
Der Diorit ist zuweilen einem Basalte täuschend annhch, grunlich schwarz und sehr hart. Die Hauptmasse des Diorits scheint eine grüune Horn- blendmasse zu sein; ausserdem zeigeu sich in 1hm nicht selten grosse Granithruchstucke, einzelne oft Fuss lang , die im Diorit inue liegen und oflen- bar bei seinem Durchbruche durch den Granit
14
mit in die Hôhe gerissen wurden. In den Granit- bruchstucken erkennt man deutlich Quarz und Feld- spath , der nach der Mitte der Bruchstücke hin weiss von Farbe ist, aber an den Seiten fleisch- roth erscheint. ‘Awischen beiden Mineralien wird sehr oft Glimmer oder ein grüner Pistazit stait Glim- mer bemerkt. Die Dioritmasse zeigt alsdann den Pi- stazit in kleinen Kôrnern durch die ganze Masse verbreitet und dadurch entsteht ein sehr einfôr- miges Gefüge, das nur zuweilen durch die grôs- seren Feldspathkôrner von Quarz und Glimmer- blättchen durchsetzt und unterbrochen wird.
Es ist jedoch merkwürdig, dass die Granitstücke (1. c. Taf. 7. à. a. a.) unverändert vom Diorite (I. c. b. b. b.) in die Hôhe gehoben wurden, da doch sonst seine Grundmasse aus den Gemengtheilen des Granits hervorging. Sie wurden vom fFeuer nicht ganz geschmolzen , sondern nur verändert, woher auch an den Rändern der grôsseren Gra- nitbruchstüucke eine andere Farbe, als in der Mitte bemerkbar ist. Eben so merkwurdig ist es, dass
nur — die eine Seite (die rechte ) des Ganges- die eckigen Granitbruchstücke enthält, wäbrend auf der anderen Seite, der Gang ohne alle fremde Bruchstüucke , und daher vôllig rein erhalten ist,
oder nur zahlreiche Schwefelkieskrystalle zeIgt.
Auf der entsgegengesetzten Seite der Stadt sieht man hinter dem Üniversitätsgebäude ainen ähnli-
chen, wiewohl bei weitem schmäleren Gang des
75
Diorits den Alaunschiefer durchsetzen. Wir ha- ben schon oben bemerkt, dass auch hier der Alaunschiefer mit dem Kalksteine wechsellagert , dass sie beide steile Schichtenstellung zeigen und sehr kieselhig erscheinen: alles dies hat hier offen- bar seinen Grund in den Gängen des Diorits, die den Alaunschiefer parallel seiner Schichtung durchsetzten. Der vorzuglichste Gang , den ich hier sah, war 2° Faden mächüg; er besteht aus einem sehr feimkôrnigen Diorite und erstreckt sich den Berg aufwärts zwischen den senkrecht auf- gerichteten Schichten des Schiefers , der zu bei- den $eiten des Ganges erscheint. Auch in diesem Gange glaubte ich die Gemengtheile des Granits zu erkennen, da dieser ohne Zweifel vom Diorite durchbrochen ward, der daher auch einzelne Gra- nitstücke mit sich in die Hôhe riss. Ueberhaupt bemerkt man ganz kleine Trümmerchen Granit üuberall im Diorite, als kleime rôthliche Feldspath- fleckchen, denen Quarzkôrner zugesellt sind ; aus- serdem finden sich auch hier in ihm Pistacit- krystalle, die auch dem Granite um Christiania nicht ganz fremd sind und auch häufig im Alaun- schiefer und Kalksteine vorkommen, Der Diorit mahm beim Hervorbrechen aus allen diesen Ge- birgsmassen einzelne Krystalle in sich auf.
Es ist uberhaupt bemerkenswerth, dass der Dio- rit immer den Thonschiefer und Kalkstein durch- bricht, nie den Gneus, während er sich auch in Schweden, als Dioritähnliche Basalitmasse , immer
76
über den Thonschiefer der Grauwackenformation ausbreitet.
Dagegen durchbricht der Granit und Syenit in der Nähe von Christiania beständig den verstei- nerungsfüuhrenden Grauwackenkalkstein und ver- andert 1hn an seiner Contactfliche in weissen kôrnigen Marmor, während zugleich diese grauen Kalksteinschichten von ïhm steil aufgerichtet werden.
Dies sieht man am schônsten 1: Meilen von der Stadt, nordwärts nach dem See Barnefjern. Der Weg dorthin führt meist über Thal und Huügel weg und uberall stehen da am Wege Alaunschie- ferschichten an, meist in stark wellenformiger Schichtung. Weiterhin nehmen die Hügel an Hôhe zu und ich erreichte eine kleine Bergkette, die sich von N O nach S W hinzieht. Dicht an jenem See stand der Hornschiefer an, sehr hart und fest, gleich einem durch'’s Feuer stark gebrannten, ver- anderten Alaunschiefer ; bald darauf zeigte sich der Kalkstein in sehr festen, harten Marmor umge- wandelt:; er ist feimkôrnig , krystallinisch und schwarz von Farbe, auf seiner Bruchfläiche finden sich Kalkspathkrystalle, die vorzuglich ganze Spal- ten in 1hm ausfullen. Als Marmor hat der Kalk- stein sogar seine fruhere Schichtung behallen ; die Schichten werden leicht an der Farbe, da sie weiss, grau oder schwarz sind, unterschieden , doch 16- sen sie sich nicht ab, wenigsiens nicht so leicht, wie im unveränderten Kalksteine. Der Kalkstein
ci)
ist hier eben so, wie der Alaunschiefer senkrecht aufserichtet, und wird bald vom Granite und Sye- nite, bald vom Eurytporphyr durchsetzt, der in ihm oft + Faden breite Gänge bildet; die Feld- spathkrystalle sind im Porphyr deutlich erkennbar, doch bestehen die Gänge zuweilen aus einer sehr harten homogenen Masse, die eimem Hornschiefer gleicht, oder sie enthalten, als Dicritgänge, in der feinkôrnigen Masse ausser vielen Schwefelkieskry- stallen noch eine Menge rother Feldspathkrystalle, die als kleine Flecke üuberall die yrune Pistazit- masse durchsetzen, ja zuweilen in Granit überzu- gehen scheinen.
[cn sah auch an einer Stelle einen fleischrothen Granit in emem Gange anstehen und in einer geringen Entfernung von da unter ihm den aus sehr feimkôrniger Grunstein- und Feldspathmasse bestehenden Diorit mit eimzelnen Krystallen vou Schwefelkies zu Tage kommen, obgleich der fleisch- rothe Granit, dessen L.v. Buch erwähnt, eigentlich in ganzen Kuppen erst bei Grafsenaas ansteht, wo er sich über den Kalkstein ausbreiten soll, wie dies je- doch von Keilhau nicht angenommen wird; dage- gen bildet der Granit deutliche Günge im Kalksteine.
Hôher hinauf bestehen die Felsen in dieser Ge- gend aus Syenit, durch dessen Hervorbrechen orade der Alaunschiefer erhärtete und seine Gänge (Taf. EL fig. 5. a. b.) in 1hn und in den Kalkstein ( Taf. 1. c. c. d.) drangen.
Der Syenit ist sehr feinkôrnig , enthält deutlich
18
schwarze Hornblendkrystalle, weissen Albit und Quarz ; er geht allmählig, sagte mir H. Boeck, der mich hieher begleitet hatie, ohne bemerkbare Gränze in den fleischrothen Zirkon-Granit von Grafsenaas über, wenn er statt des Glimmers Hornblendkrystalle aufnimmt, wie grade bei Graf- senaas , wo er auch im Kalksteine Gänge bildet, der durch diesen Durcubruch in Marmor umge- wandelt wird.
Auch hier finden sich Versteinerungen im er- härieten Kalksteine, ganz so wie hinter dem Uni- versitätsgebäude, aber nur seltene und wenig gut erhaltene.
Suchen wir nun das relative Alter der durch- brechenden plutonischen Eruptiv-Massen zu be- stimmen, 50 finden wir etwa folgendes.
Die älteste plutonische Masse, die deutliche Durchbrüche in der Grauwackenformation macht, ist hier ein Albit-Granit, und der allmählig aus ihm sich bildende und in ihn übergehende Syenit.
Die schônsten Durchbrüche dieses Albitgranits werden auf dem Festungsberge beobachtet; er durchbricht den Gneus und richtet seine Schich- ten mekr oder weniger steil auf; dadurch wér- den sie auf mannichfache Art gebogen und ver- worfen. Die Grauwackenschichten selbst berührt er jedoch hier nicht. Diese durchbricht er aber, wie oben bemerkt, 15 Meilen nordwäris von der Stadt am Barne-Fjern, da, wo der in Marmor um-
gewandelte Kalkstein der Grauwackenformation
79
von ibm gangartig durchsetzt und aufoerichtet wird, obne dass sich jedoch der Granit über sie ausbreitet, wie das von dem Granite am Irtysch bekannt ist, der sich dort nach 4. v. Humboldt meilenweit über den aufgerichteten Grauwacken- schiefer ausbreitet , und wie geflossen erscheint. Viel älter als der Granit von Christiania , ist ohne Zweifel der Granit des Ombergs. Hier werden durch ihn die untersten Schichten der Grauwackenforma- tion, das Sandstemconglomerat, der merglige Sand- stein und der thonige Kalkstein steil aufgerichtet, aber nurals Folge seiner eignen mechanischen Hebung durch andere,nicht zu Tage gekommene, jungere plu- tonische Massen, wie z.B. durch Diorit oder Basalt, der viele Bergkuppen in Schweden durchbricht. Ganz desselben Alters, wie am Festungsberge , schemt der Granit am See Barne auch nicht zu sein, da er micht die unteren Grauwackenschichten, die einen, mit dem kieseligen Thonschiefer wechseln- den, schwarzen Anthrakonit-Kalkstein, wie z. B.hin- terem Universitätsgebäude und auf dem Festungs- berge von Christiania bilden, sondern die jüungern, also hôher liegenden weisslich grauen Kalkstein schichten mit Orthoceratiten durchbricht und Gänge in ihnen bildet, zugleich aber auch hier in Syenit ubergeht, der die Hauptdurchbrüche macht, so dass lezterer jedenfalls um vieles junger sein muss , als der Granit. Der Syenit bildet eben so deutliche Gänge in den aufgerichteten Grauwa- ckenkalkschichten am See selbst.
80
Noch jüunger, als lezterer, ist der Porphyr , der sich vorzüglich durch seine Einschlüusse von Feid- spath in rechtwinkligen oder in Rhomben-Kry- stallen , auszeichnet und gewaltige Durchbrüche durch die unteren Grauwackenschichten von Chri- stiania macht, die er mannichfach aufrichtet und verändert. Dies sieht man sehr deutlich am Fe- stungsberge , wo er zwischen den Alaunschiefer- schichten hervordringt, wie der Granit zwischen den Gneusschichten am Festungsberge von Chri- stiania so wobhl, als auch in Schweden und Fimn- land, die von 1hm ebenso verandert werden, wie die Alaunschiefer- und die zu ihnen gehôrigen Anthrakonitschichten vom Porphyre bei Christia- nia. Dies ist namlich der ältere Feldspath- oder Eurytporphyr mit rechtwimkligen Krystallen des Feldspaths. Jünger als dieser gestaltet sich der Rhombenporphyr, der etwas schwärzlich erscheint und nur Rhombenférmige Krystalle des Feldspaths enthält; er durchbricht den Eurytporphyr und Ajaunschiefer , ohne sich zwischen dessen Schich- ten einen Weg zu bahnen, sondern diese Schich- ten nur quer von eimander trennend. Er drmgt aber zwischen den Gneusschichiten hervor, als schwärzlicher Porphyr, der viele Schwefelkieskry- stalle enthält, und geht an ihrer Gränze oft im grunlichen Porphyr über. Am Barne-See wird der Kalkstein auch durch seimen Durchbruch in sehr festen, feimkôrnigen Marmor umgewandelt.
Der Diorit ist ohne Zweifel noch jüunger, als
8 1
der Porphyr, da ibn, wie es scheint, jener durch- bricht und so durch die Grauwackenschichten zu Tage kommt. |
In Schweden kommen dergleichen Diorit-Gänge (sie werden dort Basaltgänge genannt) im Gra- nite von Schonen vor, in denen einzelne durch Verwitterung entstandene Vertiefungen fur Ru-. nen gehalten, ja als solche beschrieben worden sind. Ganz ahnliche Diorit- oder Basaltgänge sol- len auch in der Nahe von Stockholm im Granite beobachtet werden. |
Auch der Gneus-Granit Finnlands wird vom Diorite durchbrochen und dieser nahm Stücke von ihm mit sich in die Hôhe. In diesem Diorite findet sich auch das méiste Eisenerz auf Nestern, die durch den Dioritdurchbruch angefüllt wurden ; daher hôrt auch das Eisenerz da auf, wo der Dio- rit verschwindet. _ Die reichen Kupfer-und Zinnerze bei Pitkaranda am Ladogasee finden sich dagegen in einem Horn- blendschiefer , der auf einem kKklaftermächtigen, über zwei Werst langen Gange den Gneusgranit durchsetzt, einem Gange, der um s0 merkwuürdiger ist, da nirgends in Schweden, selbst nicht in Fah- Jun und Danemora, sich Erz-Gänge tinden, son- dern die reichen Eisenerze nur auf weiten Fel- dern vorkommen und daher offenbar von unten : wie im Blagodat, in die Hôke gestiegen sind. Nur in Wärmeland soll das Eisenerz auf einem Gançce
S gewonnen werden und ausserdem findet sich noch
N° 1. 1846. 6
82 Gold mit Schwefelkies und Quarz bei Aedelfors
in Smäland auf fussbreiten Gängen.
Die dem Nordcape in Norwegen so nahe gele- gene Gegend von Altengaard am Altenfjord hat in dieser Hinsicht die grôssie Aehnlichkeit mit Bogoslowsk im nôrdlichen Urale. Sie bildet dort nach Rusegger em weites Bassin, umschlossen von Gneus- und Glimmerschieferbergen , das zugleich grosse Uebergangsbildungen, Thonschiefer , Grauwacke, dichten Kalkstein enthält, wo auf Gängen im Dio- rite, der diese Bildungen durchbricht, der Ku- pferbergbau von Kaafjord betrieben wird, fast wie in Bogoslowsk, das: etwas weniger nôrdlich , aber ganz nach Ostenliegt. Hier durchsetzen ebenfalls Dioritgange die Grauwackenschichten, die dadurch steil aufgerichtet werden, während der Kalkstein an den Contactflächen in krystallisch-kôrnigen Mar- mor umgewandelt erscheint,
Die dioritartigen Syenitgänge im Gneusgranite von Podolien gehôüren gleichfalls zu diesen pluto- nischen Eruptivgesteinen, nur kônnten sie leicht alteren Ursprungs sem, als jene Dioritgänge.
Viel jüunger als sie und ohne Zweifel mit den Finnländischen und Bogoslowskischen von gleichem Alter sind die Dioritsgänge der unteren Grau- wackenschichten von Christiania, die hier den Gra- nit und Gneus und dann die auf ihnen ruhen- den unteren Grauwackenschichten auf vielen klaf- termachtigen Güängen durchseizen , Stücke der unterliegenden plutonischen Gebirgsmassen mit
83 sich in die Hôhe riessen und vorzüglich reich an Schwefelkies sind, der dem Eisenerze von Finn- lande an die Seite zu setzen ware.
Noch neuer und auch den äusseren Kennzei- chen nach von diesem Diorite abweichend, ist der Basalt Schwedens , der durch seinen Durchbruch am Halle- und Hunneberge und auf der Kinne- kulle besonders merkwuürdig ist, weil er, gleich dem Basalte des Meissners, die unteren Grau- wackenschichten durchsetzt, ohne Stôrungen :ih- rer: Schichten zu verursachen.
Diese Basaltdurchbrüche üuberhaupt gehôren ohne Zweifel zu den imteressantesten Erscheimungen der Felsstructur Schwedens und lassen sich nur 50 er- klären, dass der Basalt durch jene Schichten , die sich sehr weit ausbreiteten, in Gängen von ge- ringem Umfange hervorbrach, und daher nicht im Stande war, ihre horizontale Schichtenlage zu sto- ren. Eine Folge dieser Durchbrüche war die Er- härtung der durchbrochnen Schichten; sie wur- den in Kieselmasse umgewandelt und erhielten eine krystallinische Structur. Durch Zusammen- ziehen der noch heissen Basaltmasse beim Erkal- ten entstanden in 1hr grosse Spalten und Klüfte, die mit Wasser gefullt, Seen bilden und für Kra- terôffnungen genommen wurden, aber gewiss nicht den Kratern der Eifel zu vergleichen sind, aus denen einst vulkanische Laven uud Trass hervor- drangen, vulkanische Producte, die man in Schwe- den in diesen Basaltvertiefungen nicht findet, ob-
G*
84
gleich sie in der. Hinsicht , dass sie gegenwärtig grosse Seen bilden, mit den Eifelschen Seen ver- glichen werden kônnen.
Gehen wir nunmehr nach Schilderung der Erup- tivgesteme zur näheren Beschreibung der Grau- wackenschichten Scandinaviens und der westlichen Provinzen Russlands in paläontologischer Himsicht über, so finden wir leicht, dass die sogenannten oberen Schichten der Grauwackenformation sich vorzüglich auf den Inseiln Oesel und Dagô an der Kü- ste von Esthland, und um Hapsal, auf der äussersten Westspitze Esthlands, so wie in Podolien, um Ka- menetz-Podolsk, entwickelt zeigen, wie ich dies auch schon früuher angenommen habe (*). Ihnen gleichzeitig war ohne Zweifel die urweltliche Fauna Gothlands und die Fauna der vielen klei- nen Inseln, die süudwärts von Christiania im Chri- stianiafjord liegen. Dagegen besass das Festland Norwegens, selbst in der Nähe der Haupistadt, vorzüglich aber das Festland Schwedens, wie z. B. nordôstlich vom Omberge, der Halle- und Hunne- berg, die Kinnekulle, so wie auch die Insel Oeland die unteren Schichten der Grauwackenformation, wie sie sich von Reval über Narwa und Jampol bis nach Zarskoe Selo und Pawlowsk ausbreiten,
(*) S. meine Abh. über silurisch-devonische Schichten im Petersburger Gouvernement und auf den Inseln der Ostsee , in Leonhard’s und Bronn's N.Jahrb. für Mineralogie u. s w. 1844. Heft L. pag. 1.
89
in Gegenden also, die schon früher, durch viel- fache Beschreibungen (*) geschildert, bekannt genug smd und von mir hier ubergangen wer- den kônnen.
Ich will deshalb hier nur einige allgemeine Be- merkungen über die unteren Grauwackenschich- ten Scandinaviens und Esthland’s machen und als- dann vorzüglich die im paläontologischer Hin- sicht so wenig bekannten oberen Schichten von Kamenetz-Podolsk schildern und sie mit den goth- ländischen vergleichen.
Die älteste oder unterste versteinerungsfuhren- de Schicht Schwedens ist der Sandstein, der sich dort hauptsächlich durch Fucoiden auszeichnet ; so findet sich der F,. circinnatus im Sandsteme der Kinnekulle und von Norwegen ; der F. anti- quus dagegen in dem ihn deckenden Thonschie- fer von Billingen , also in einer etwas hôheren Schicht als der Sandstein. Daher ist auch der fein- kôrnige Grauwackensandstein Podoliens , in der Nühe von Minkowce, so merkwürdig, da sich in ihm fast ganz dieselbe Art von Fucoides , der F. antiquus B. gracilis findet, in welcher Abänderung sie auch in Dalecarlien vorkômmt, wo auch zum Theil untere Grauwackenschichten zu erwarten
(*) Dahin gehôren vorzüglich Pander's Beiträge zur Geo- gnosie KRusslands. St. Petersburg. 1830, und meinu silurisches Schichtensystem von Esthland. St. Petersb. 1840, so wie mei- ue Urwelt Russlands. 1 —2 Heft. St. Petersb. mit Kupf. 1840 —42
86
«md. Dieselbe Art Fucoides findet sich, wie es scheint, auch in einem Thonschiefer auf einer Insel des Christianifjord, und zeigt dadurch noch mehrauf gleichzeitige Bildung des Thonschiefers und Sandstems hin.Es ist jedoch sehr wahrscheinlich,dass der Sandstein, der an der Kinnekulle und am Hun- neberg bei Nygärd so sehr entwickelt ist, dem Obo- lensandsteine Esthlands entspricht, obgleich er sich dadurch unterscheidet, dass er die Obolen, die äl- testen bisher aufsgefundenen Thierreste, nicht enthält, und nicht auf einem ähnlichen blauen Thone ruht, wie der Obolensandstein Esthlands. Der schwedische Sandstein ruht vielmehr, ganz so wie der Podolische, auf einem granilartigen Sand- steine, wie an der Ostkuste des Wetterusees, bei Lugnos , zwischen dem Billingen und der Kinne- kulle, und an dem westlichen Abfalle des Om- bergs , wo er durch den Granit aufgerichtet und in ein Sandsteinconglomerat umgewandelt ist, das von einem mergelartigen Kalksteine und einer aussern Thonschicht gedeckt wird, während der Podolische Sandstein in ungetrubter horizontaler Lage auf dem granitartigen Sandsteine aufliegt. Die so mächtige blaue Thonschicht, die in Esth- land dem Sandsteine zum Liegenden dient, findet sich nicht in Schweden, oder liesse sich nur eiui- germassen in den aufgserichteten und mit einem merg- higen Thonschiefer zu vergleichenden Schichten des Ombergs annehmen. Ich habe schon obeu bemerkt, dass der thonartige Kalkstein, der hier auf den
87
granitartigen Sandstein folgt, von einer Thon- schicht gedeckt wird , die sich zum Theile auch als Mergelschiefer gestaltet und an dieser Stelle den westlichen Abhang des Ombergs deckt, ohne jedoch in so ausgezeichneter Entwickelung auf- zutreten , wie in Esthland. Daher sehen wir auch in Podolien auf dem granitartigen Sandsteine, der | dem Conglomeratsandsteine des Ombergs vôllig entspricht, eimen Grauwackensandstein und auf diesem einen Thonschiefer aufliegen und beide mit einander Wechsellagerung eingehen.
Es ist Jedoch noch môglich, dass auch unser blaue Thon in anderen Gegenden Schwedens nach- zuweisen wäre, da wir hier das Liegende der ganzen Formation nicht so genau, wie in Norwe- gen, kennen, obgleich nach der Felsstructur die- ses Landes zu schliessen , auch in Schweden nur Gneus oder Granit das Liegende des Sandsteins bilden kôünnte, und der blaue Thon Esthlands hier als in Thonschiefer umgewandelt anzusehen wäre.
In paläontologischer Hinsicht würden die un- teren Sandstein- oder Grauwackenschichten Scan- dinaviens und Podoliens weit cher mit eimander als mit dem Obolensandsteine zu parallelisiren sein, weil sie hier, wie dort, deutliche Reste von Fu- coiden enthalten, während jedoch der auf dem Grauwackensandsteine Podoliens aufliegende Thon- Schiefer bisher ohne alle Verstemerungen gefun- den worden ist, obgleich er in Scandinavien an
ihnen sehr reich ist. Demungeachtet muüssen dié
88
am Dnjester und seinen Nebenflüssen bechachte- ten Grauwacken- und Thonschieferschichten, den unteren Schichten der ganzen Formation in Scan- dinavien und Esthland entsprechen, nur mit der Ausnahme, dass es in Podolien nicht zur Entwicke- lung des Kalksteins der unteren Schicht kam, einer Schicht , die auf dem Festlande Scandina- viens an fossilen Thierresten besonders reich 1s1. Ganz so wie in Schweden zeigt sich die Entiwicke- lung des Kalksteins um Pawlowsk und in Esth- land. Nirgends sieht man dagegen weder in Esth- Jand, noch in Schweden, den Kaïlkstein der obe- ren Schicht, die jedoch auf den Inseln und um Hapsal so sehr entwickelt vorkommt, auf der un- teren Schicht aufliegen, ja sogar in der Nähe von Pawlowsk, wie z. B. an der Slawänka bei Onto- lowo, wird diese untere Kalksteinschicht unmittel- bar vom alten rothen Sandsteine bedeckt. Dagegen findet sich die obere Schicht des Kalksteins weit von ihr entfernt, ja selbst in grosser Entfer- nung vom Festlande Esthlands, auf den [nseln des finnischen Meerbusens und der Ostsee selbst, so wie auf den Inseln des Christianagolfs. Sollte dies nicht grade als Beweis dienen, dass die so- genante obere Schicht der Grauwackenformation schon existirte, als sich die untere Schicht nie- derschlug , oder dass beide Schichten als gleich- zeitis anzusehen sind? Weit passender würde da- her die obere Schicht als eine mit der unteren mehr oder weniger gleichzeitige Inselbildung
89
zu betrachten, und sie demnach durchaus micht im Verhältnisse zur unteren Schicht als eine jün- gere Bildung anzusehen sein. Nur 50 liesse es sich gehôrig und ungezwungen erklären , weshalb an der Slawänka, unfern Pawlowsk , am Wolchow u. a. O. der alte rothe Sandsteim unmittelbar die untere Schicht deckt und die obere hier fehlt und warum die ganze untere Kalkstemschicht, die sich sonst durch zahlreiche Verstemerungen aus- zeichnet, um Kamenez-Podolsk gar nicht entwi- ckelt ist und nur die obere Kalksteinschicht un- mittelbar auf dem Thonschiefer und dem Grau- wackensanastein , als der eigentlich unteren oder alteren Schicht , aufoelagert ist. Hier befand sich naämlich im urweltlichen Ozean ein grosses Koral- lenriff mit zahtreichen Inseln, wie auch an der Westküste Esthlands, an der Osikuste Schwedens und an der Südküste Norwegens, wo noch jezt diese Inselgruppen die Reste des vorweltlichen Korallenriffs darstellen. Die vielen, oft giganti- schen Korallen, die auf diesen Inseln im fossilen Lustande vorkommen, weisen ganz deutlich auf eine Riffbildung hin und vor Allem liefert die Insel Dagô den sprechendsten Beweis , dass hier die in zahlloser Menge aus der Dammerde ge- grabenen und oft fusslangen Cateniporen, Heliopo- ren, Calamoporen, Stromatoporen u. a. wahre Ko- rallenbänke bildeten, und das urweltliche Meer hier minder tief gewesen sem mochte, als es viel- leicht jezt ist. Die Insel Oeland mochte damals
90
noch mit dem Festlande Schwedens zusammenge- hangen haben , worauf schon seine Längsersire- ckung und seime Näühe an Schweden hinweist, und erst spaäter vom Festlande getrennt worden sein, so dass es sich jezt zwar als Insel gestaltet , aber in der frühsten Zeit semer Bildung die untere Sandstein- und ‘Thonschieferschicht der Grau- wackenformation, als den zulezt gebildeten Mee- resboden des Urozeans , mit dem Festlande von Schweden gemein haben musste.
Der auf der unteren Schicht der Grauwacken- formation, dem Sandsteine und Thonschiefer, auf- liegende Kalkstein Scandinaviens und Esthlands , so wie der Umgegend von Zarskoje Selo und Paw- lowsk enthält lauter Tlherarten , die nur Bewoh- ner des offnen, tiefen Ozeans waren, wie die Tri- lobiten , OUrthoceratiten, die Orthis- und andere Brachyopodenarten, die Sphaeroniten und ähnliche Crinoideen , mit denen sich nie jene grossen Ko- rallenstimme vereint finden, grade weil diese nur als Korallenriffe die seichten Stellen, in der Näbhe der Inseln des urweltlichen Ozeans , eimnehmen konnten und da fehlen mussten , wo der Ozean sich durch grundlose Tiefe auszeichnete. Als sich diese Tiefe des Ozeans allmählig durch unterirdi- sche Hebungen seinem jetzigen Niveau genähert hatte, hôrte das urweltliche Leben in 1hm auf; es bildeten sich durch Niederschlag aus ihm Kalk- stein-Schichten, die sich durch die mannichfacn- sten , ausgestorbenen ‘Thierreste auszeichnen und
91
nur dadurch das urweltliche Bestehen tiefer ozea- nischer Gegenden unter diesen nôrdlichen Breiten Europa's zuruckrufen,
Diese stürmischen Hebungen des Ozeangrundes, durch allerlei Porphyr-Diorit- und Basaltdurch- brüche begünstigt, verursachten in Norwegen und Schweden die mannichfachsten Schichtenstôrun- gen in der Grauwackenformation und auffallende Veränderungen im Cohärenzzustande der Schich- ten selbst ; leztere wurden mehr oder weniger verandert , kieselig hart und verloren durch den grossen Hitzegrad , mit dem jene plutonischen Eruptivgesteme durch sie durchbrachen, ganz und gar ihren früheren, weichen Cohärenzzustand. Gauz anders mochten die Hebungen in Esthland und im den Umgegenden von Zarskoje Selo und Pawlowsk gewesen sein; Sie waren hier von keënen plutoni- schen Ausbrichen begleitet und gingen nur allmäh- lig vor sich, etwa so, wie sich noch jezt die Ost- kuste Schwedens allmählig hebt ; dadurch konnten also die auf dem Granite oder Gneuse des Meeresbo- dens gelegenen unteren Schichten ihre Weichheit behalten. Daher zeigt auch der blaue Thon und der weiche Sand, wie er um Podolowo, ein sehr hohes, steiles Ufer an der Ishora bildet, so un- getrüubt seimen weichen Cohärenzzustand der er- sten Urzeitbildung , ohne auch nur im mindesten durch Feuer verändert oder gefrittet zu erschei- ven, eine Erscheinung , die aus jener so entfern- ten UÜrzeit an anderen Punkten der Erde nicht
92
Jeicht ihres Gleichen findet. Daher ist auch über- all die horizontale Schichtenlage ungetrüubt ge- blieben und von diesen Schichten gewiss nicht die Annahme statthaft , dass zwischen dem Eis- meere und dem finnischen Meerbusen aller Gneus aus silurischen Schichten der Transitionsformation durch Einwirkung des Granits entstanden sei (*). Hier sind diese Schichten, wie bemerkt, vôllig unver- ändert und erst gesen den Onegasee, vom Swir Petrosawodsk hin , wo die Durchbruüuche der dor- tigen Diorite beobachtet werden, mussten ähnli- che Veränderungen vorgehen, wie in Schweden, aber wohl nicht in den Grauwackenschichten, die hier längst nicht mehr zu Tage kamen, sondern in den sie deckenden Schichten des alten rothen Sandsteins, der hier durch Contactmetamorphis- mus mannich ach gefrittet und erhärtet erscheimt und an der Ostseite des Sees unverändert , aber steil aufgerichtet ist.
Der auf dem blauen Thone an der Ishora auf- liegende Sandstein zeigt in seinen oberen Schich- ten, also da, wo feine ‘Thonschieferchichten Wechsellagerung mit ihm eingehen, einen Reich- thum an Obolenresten, denen bhin und wie- der auch einzelne Lingulenfragmente zugesellt sind, wie dies an anderen, meist nur einzein vor- kommenden Thierarten der hôheren Schichten nicht beobachtet wird. Der Thonschiefer enthalt dage-
(*) S. Humboldt, Kosmos. Berlin, 1845. pag. 273.
93
gen seltene Reste einer Horn-Koralle, Gorgonia flabelliformis, wie sie ausser Esthland und der Umgegend von Zarskoje Selo und bei Congsberg in Norwegen, fast nirgends weiter m ihm beob- achtet wird.
Es ist ohne Zweifel der besondern Beachtung werth, dass der Thon- oder Alaunschiefer Schwe- dens und Norwegens eben so den Sandstein, wie in Esthland, überlagert, aber dort mit ihm nie, wie hier , Wechsellagerung eingeht , während er dagegen sich zum Kalksteine so verhält , wie der ‘Thonschiefer Esthlands zum Sandstein, d. h. er wechsellagert mit ihm in mehr oder weniger mächtigen Schichien und erweist sich dadurch als eine mit ihm gleichzeitige Bildung. In Scan- dinavien würde also der Kalkstein als gleichzei- tige Bildung des Thonschiefers anzusehen sein, während in Esthland vielmehr der Sandstein und Thonschiefer zu einer und derselben Bil- dungsepoche gehüren.
Daher ist es auch nicht auffallend, dass dieje- nigen Thierreste, die , wie die Sphæroniten, in Schweden besonders characteristisch sind fur den Thonschiefer, in Esthland sich in den unteren Schichten des Kalksteins finden, wie bei Pawlowsk und Reval; noch viel häufiger smd in Schweden und Norwegen Agnosten , die jedoch sehr selten um Pawlowsk in verwandten Formen in demsel- ben Kalksteine vorkommen, wie einige dieser Ar- ten die schône paläontologische Sammlung Seiner
94
Kaiserl. Hoheit des Herzogs von Leuchtenberg auf- bewahrt. Grade ihre Sielle scheinen um Paywlowsk, vorzüglich bei Podolowo, die Obolen einzunehmen, die nach Art der Agnosten, sich eben so Millionen- weise, vorzüglich in den oberen Sandsteinschichten finden , also grade da, wo der Thonschiefer von Esthland mit ihnen Wechsellagerung eingeht.
Ein andres, nicht mindéer merkwürdiges Ergeb- niss ist ferner, dass diese Schichten um Pawlowsk und in Esthland , mehr oder weniger, horizontal sind und durch feinen plutonischen Durchbruch gestôrt erscheinen. Während sie in Schweden von Basalt durchbrochen , aber in ihrer Schichtenlage nicht gestôrt sind, erscheinen sie in Norwegen nicht nur vom älteren Diorite und Porphyre durchbrochen , sondern auch oft steil aufgerich- tet und in ihrer Cohäürenz bedeutend verändert , wie dies schon früuher ausführlich auseinander gesetzt ist ; dabei sind sie alsdann mit Agnosten oder mit Graptolithen, aber immer an verschiede- nen Stellen, uberfullt.
Gehen wir nunmehr zur podolischen Formation über, so finden wir auch hier deutliche Wech- sellagerung des Grauwacken- oder Sandsteinschie- fers mit dem Thonschiefer , und beide durch den granitartigen Sandstein unmittelbar auf dem Gra- nite ruhend. Trotz dem, dass der Granit hier von Syenit durchbrochen wird und seine Güänge oft 10 Fuss mächtig sind, ist doch die Schichtenlage dieser unteren Gruppe an entfernien Stellen meist
95
ungestôrt, Ja nicht emmal in ihrem Cohärenzzustande verändert; 1hr Niederschlag erfolgte ohne Zweifel \erst dann, als schon die plutonischen Durchbrü- che vollendet waren. Nicht so verhalten sich diese Schichten am westlichen Abhange des Ombergs, wo sie durch den emporgehobenen Granit, am Wetternsee, wie oben bemerkt, steil aufgerichtet sind, während die hôheren versteinerungsfuhren- den Kalksteinschichten von Christiania durch ihn in Marmor umgewandelt und aufgerichtet wurden, und der Syenit selbst in den Kalkstein eindrang und Kkleine, sich bald auskeilende Gänge bildete (s ab. Il. fs. 8. c.).
Sehr merkwurdig ist es endlich, dass in Podo- lien bald der versteinerungsfuhrende Kalkstein als neuere Bildung vorherrscht und der Thon- schiefer und Grauwackensandstein nur sehr un- tergeordnete Schichten in ihm bilden, oder dass die Thonschiefer- und Sandsteimschichten als älte- re Bildung vorherrschen und zwischen ihnen die Kalksteinschichten als sehr untergeordnete Bildung inneliegen. Daraus lässt sich jedoch noch nicht auf eine der Zeit nach verschiedene Bildung fol- gern, sondern vielmehr annehmen, dass die als untere Gruppe bezeichnete Reihenfolge der Schich- ten des granitartigen Sandsteins, des Grauwa- ckensandsteins und Thonschiefers zu einer offnen Meeresbildung gehôrten, in der von urweltlichen Pflanzen nur Fucoiden bemerkt wurden, wie bei
Minkowce, und andere ihnen nicht ganz unähnli-
96
che Pflanzen-Abdrücke und zwar in sehr grosser Menge, bei Kaluss am Dnjester u. a. O., während der an den mannichfachsten Arten so reiche Kalk- stein, als obere Gruppe, jene oben erwähnte Insel- bildung darstellt, die jedoch in der Bedeutuug eines Korallenriffs im Urozean als eine später ent- standene, neuere Grauwackenschicht angesehen werden kônnte (*).
Ehe ich nunmehr zur Schilderung der re Jichen Fauna auf den Korallenriffen dieser Grau- wackenbildung Podoliens übergehe, will ich vor- her ein Paar Worte über die gleich den Agnosten noch nicht gehôrig gedeuteten Graptolithen be- merken, um wo môglich, ihren vegetabilischen Ursprung zu erweïsen.,
Aller Mühe ungeachtet ist es nämlich Nieman- den bisher gelungen, die Graptolithen mit Bestimmt- heit als Thiere zu deuten; selbst Geënitz (**), ihr neuester Monograph , hat durch nichts ibre Thierheit erwiesen ; am wenigsten gehôren sie
(*) Sehr richtig sagt a Blüde (in Beiträgen zur Geo- logie des südlichen Russlands in Leonh. uud Bronn’s N. Jahrb. zur Mineralogie 1841. pag. 513): eine directe Ueberlagerung der Kalkstein—über die Sandstein-Gruppe ist nicht zu beobachten, und kaum kann wohl auch die hier bemerkte Neigung als ent- scheidend genug gelten , dass jene wirklich statt findet, vor- züglich da im Allgemeinen die Verbreitungslinien beider fast einander mehr parallel liegen, als sich einander decken.
(*) Ueber Graptolithen , in Leonhard’s und Bronn's N. Jahrb. für Mineralogie. 1842. VI. pag 696
97 aber wohl in die Nähe der Cephalopoden, mit de- nen sie Geinitz zu vergleichen sucht; denn nir- gends werden deutliche Scheidewände, nirgends ein deutlicher Sipho beobachtet.
Betrachten wir einige Formen der Graptolithen, wie den G. pristis His. (*), etwas genauer , so wird Niemand in À brede stellen, dass dies Bruchstück der Fieder ( pinna) einer Farre, wie z. B. der Glo-
XX %
ckeria marathioides Güpp. (** ) auffallend gleicht; Niemanden wird es daher auffallen , unter den Graptolithen auch spiralférmig gewundene Exem- plare zu sehen, wie den Grapt. convolutus His., wodurch sie nämlich den eingewickelten Enden eines Farrenwedels täuschend gleichen, wie die- se sich sogar im fossiien Zustande an Farren gefunden haben (***).
Es fäallt allerdings auf, dass die spiralférmig ein- gerollten Fiederchen nur einrandig sind, d. b. dass die Zähnchen nur an einer Seite bemerkt werden, allein Geënitz {1. c. Tab. X. fig. 16. B.) bildet ein Exemplar ab, wo die Zähnchen paarig an einer Seite bemerkt werden, also dicht auf einander liegen. Er gibt zwar nicht zu , dass dies ein willkuhrliches Zusammenklappen sei, vweil
sonst, wie er bemerkt, einige Arten , die immer
a ———Ù— —_—_———— 2 ——
(*) Lethæa suecica. Tab. XXXV. fig. 5. Hisinger eo die Graptolithen Prionotus.
(**) Systema filicum fossilium Tab, XXXIX. fig. 2. 3.
(Jar Gôppert L. c. Tab. XXXVL. fig. 8.
Nr T01820. j
98
zusammengeschlagen vorkommen, sich auch manch- mal ausgebreitet oder auseinander gefaltet finden mussten: und doch führt er selbst vom Grapt,. scalaris (*) an, dass, obgleich diese Art ge- wôhnlich nur auf einer Seite gesigt vorkomme, sich in der Cottaschen Sammlung ein Exemplar be- finde , das ausnahmsweise auf beiden Seiten ge- zahnt sei. Dies Zusammenklappen würde dem zu- folge kein natürlicher , sondern ein gezwungner Zustand sein, d. h. die Graptolithen konnten ihre gefiederten Blättchen, gleich einigen Mimosen, nach äusserem Reize zusammenklappen und sie wieder aus einander falten, wenn der Reiz nachliess. Daher zeigen auch alle spiralgewundenen Arten nur eine Reihe Zähnchen , wahrscheinlich weil sie alle zusammengeklappt , aber beide Zahnreihen so innig verbunden sind, dass ihre Gränzen nicht gut erkannt werden.
Ich habe ferner im Thonschiefer von Christia- nia eine Àrt beobachtet, die einigermassen dem unbenannten Filicites Hisingers (1. c. Tab. XX XIII. fig. 2.) aus dem Grünsande vonllelsinghorg gleicht, deren Fiederchen jedoch noch weit runder, ihre Ränder noch viel stärker emgeschnitten sind, aber immer nur halbgefiedert erscheinen. Die Fieder- chen sind länger als breit, und an den Spitzen zugerundet; ich glaubte sogar hin und wieder
) 1. e. pag. 700.
99
Nerven zu entdecken und dadurch noch mehr Aehnlichkeit zwischen dieser Art und der Glo- ckeria zu sehen , einer Gattung, die sich in der Steinkohlenformation findet und dem Alter nach, den Graptolithen sehr nahe steht.
Nur ist hiebei noch ein wichtiger Umstand zu berucksichtigen. Die Graptolithen finden sich fast nie deutlich ästig, während die meisten Far- ren, und. mitluin auch die Glockeria, immer gefe- derte und daher gleichsam ästige Blätter zeigen; es. gibt auch einfache Farren, lebende sowohl wie fossile , mit denen also die Graptolithen zunächst zu vergleichen wären. Aber es finden sich auch seltene gestielte und daher wohl ästige Grapto- lithen, wie der Gr. geminus His. (1. ce. XXX VIII. fig. 3.), die sich demnach noch mehr den Farren nühern würden. Diese Art theilt sich gleich an der Grundfläche in 2 Fiederchen, die jedoch nur an der inneren Seite gezähnelt sind, während ihr äusserer Rand glatt und ganzrandig ist, so dass auch hier jedes Fiederchen als zusammenge: klappt anzusehen wäre.
Betrachtet man die einzelnen Fieder, so zeigen sich unter den vielen Exemplaren einige, die un- verkennbar den Fiedern der Glockeria gleichen, obgleich die Mehrzahl nicht breiteiférmige Aus- schnitte, sondern eher längliche und spitzige be- sitzt, auf denen hin und wieder der mittlere Nerv des Fiederchen erkannt wird. Die grôssere oder Mittelrippe der Glockeria stellt sich dagegen
pie
100
als glatter Längs-Rand in der gefalteten Fieder selbst dar.
Nach diesen allgemeinen Aehnlichkeiten wäre es daher eher môglich, in den Graptolithen aco- tyledonische Pflanzen anzunehmen , als sie in die Klasse der Thiere zu versetzen. Wenn gleich die oben erwähnten Aehnlichkeiten sie dem Bau der _Farren annähern, so ist daraus noch nicht zu folgern, dass es unbezweifelte Farren waren. Diese verlangen nämlich zu ihrem Aufenthaltsorte eine Insel- oder Uferbildung, Bedingungen die damals als die Grapiolithen existirten , wahrscheinlich noch nicht statt fanden, da sich Zingulen und Posidonom yen, also Thiere des offnen Oceans, mit ihnen zugleich finden.
Daher ist es weit passender, die Graptolithen als Fucoiden anzusehen, wofür sie auch schon Brong- niart (*) theilweise erklärt hat; so wäre dann ein Räthsel gelôsst, das diese urweltlhichen, aller- âliesten Organismen wie mit einem dunklen, bis- hér noch nicht gelüfteten Schleier umgibt. Wir kennen auch in der That eine den Graptolithen sehr nahe stehende Art von Fucoiden , den Fuc. serra ( Brongn. 1. c. Tab. VI. fig. 7. 8.), die eben so dichotomisch getheilt und ebenso an einer Seite glatt, an der anderen gezïhnelt ist, wie die Graptolichen Norwegens, ul die gleich ihnen in den Grauwackenschichten Canada's, unfern Que-
pra Végétaux fossiles, livrais. FE. Paris. 18.
101
beck , vorkommt. Die Graptolithen smd daher als ausgestorbene Bindeglieder der Farren und Fu- coiden anzusehen. ; Was endlich die Arten betrifft, so beruhen sie nur auf unwesentlichen Kennzeichen, und es liesse sich mit leichter Mühe eine noch grôssere Anzahl neuer Arten aufstellen, die meist alle in denselben Thonschieferschichten von Christiania vorkommen, aber wohl kaum als selbstständige zu betrachten
wären. Ich sah seltene Exemplare, die über :—;
la 2 Zoll lang, und 1 Lin. breit waren, während sie da- gegen im Thonschiefer der Kinnekulle, dicht un- ter der Basaltdecke, mehrere Zoll lang erscheinen, grade wie in England, wo sie ebenfalls in den unteren Grauwackenschichten vorkommen Sehr merkwürdig ist hier der Grapt. ludensis {* ); die schôn erhalteuen Exemplare liegen vollkommen parallel neben einander , wodurch eine auffallende Aehnlichkeit mit einer gefederten Farre erscheint; die Fiederchen sind hier, dem grossen Mittelner- ven entlang, auseinander gefallen und daher kôn- nen die Zahnchen nur an einer Seite erscheinen. Noch viel merkwürdiger ist der Grapt. folia- ceus (“*), dessen halbgefñederte Exemplare unge- mein deutlich einer Farre gleichen. Zugleich mit den Gr cptolithen finden . 1m Thonschiefer Christiania’s eine Lingula und eine
Be
() Murchison silurian System pag. 694. Tab. XX VI. fig. 2. Mic fief 3 lui
102
Posidonomya, ausser einem Hyolithus, der dem von mir von Reval beschriebenen H. acutus auf- fallend gleicht, obgleich er sich hier im Kalkstei- ne findet ; dagegen ist die esthländische Gorgonia flabelliformis von mir bisher nur im ‘Thonschie- fer von Eger , in der Nähe von Congsberg, be- merkt worden, von wo sie in der Sammlung der Universität von Christiania aufbewahrt wird.
Jene Muscheln sind in sofern merkwürdig , als sich die Lingula, in einer verwandten Art, auch im dichten Kalksteine Esthlands findet und die Posidonom)a der äusseren Form nach fast dem Obolus gleicht oder wenigstens seine Stelle in Norwegen einzunehmen scheint.
Die Lingula nähert sich einigermassen den L. attenuata Murch., unterscheidet sich von 1hr Jje- doch dadurch, dass sie länger , aber dabei schmä- ler ist; das Schlossende ist viel spitzer und die Oberfläche sehr fein quergestreift, die Sireifen sehr zahlreich und daher dicht gedrängt. Ihre Länge beträgt 3 Lin., ihre Breite 1° Lin. in der Mitte ; ich nenne die Art L. acuminata. Mit ihr zugleich findet sich die Posidonomya die der P. minuta der Trias und des permschen Zechsteins ungemein gleicht, nur viel kleinerist, als sie; sie ist zuweilen fast rund, nur nach dem spitzen Schloss- ende hin mit einem Ausschnitte versehen; die ganze Oberfliche ist sehr fein concentrisch ge- streift , die Streifen einander sehr genähert; ihre Länge beträgt 2£ Lin., ihre Breite 2° Lin., der un-
105
tere Rand ist vollkommen rund , so dass darnach einzelne Bruchstücke die grôsste Aehnlichkeït mit dem Obolus andeuten, und wenn er irgend wo in Schweden oder Norwegen zu finden wüäre, so wuür- de er sich ohne Zweifel bei Christiania, in der Nähe der Agerkirche finden; ja ich will sogar noch uicht behaupten, dass alle die Muschelein- drucke zu Posidonomyen gehôren, einige kônnten leicht vom Obolus ingricus herrühren, grade in der Form, wie sie S. Kaiserl. Hoh. der Herzog von.Leuchtenberg hat abbilden lassen (*).
Mit dem Thonschiefer wechsellagert bei Chri- stiania ein schwarzer Kalkstein, der ausser mehre- ren Ârten von #saphus, vorzüglich aus der Familie der Crinoideen die zu den ëältesten Gattungen ge- hôrigen Sphæroniten enthält, die auch um Pawlowsk uberall in so grosser Menge vorkommen; dahin gehôrt vorzuglich Sphæronites axwrantium und S. pomum (“*), die beide in deuselhen Schich- ten um Pawlowsk vorkommen. Auch ist die er- stere Art schon von Zinné auf der fnsel Oeland gefunden worden und dadurch diese Insel als Fortsetzung des Festlandes von Schweden anzuse- hen; sie kann also nicht, gleich Gottland, eine
(*) Beschreibung einiger neuen Thierreste u s. w, Petersb. 1819 Taf, LL. fg. 7.
(**) Die Art von Pawlowsk ist durch die Zeichnung derTä- felchen von Sphæroites pomum vôllig verschieden und gehôrt offenbar mit meinem Protocrinites oviformis in eine Gattung,
da in beiden die 5 riunenuartigen Spalten bemerkt werden.
10#
urweltliche Klippe oder ein Korallenriff in Mecre der Vorwelt gebildet haben, Sphaer. pomum fin- det sich nicht in Norwegen, aber Sph. granatum nicht selten auf Gottland :; diese ist bei uns noch nicht gefunden worden, während sich Sph. testu- dinarius His. auch selten um Pawlowsk, so wie auf Oeland findet. Fbenso wird Heliocrinus bal- ticus in der Gegend von Christiania beobachtet, so wie um Pawlowsk und in Esthland, jedoch dort nirgends ein Iemicosmites, Cryptocrinites, Gono- crinites oder ähnliche Arten, die unsere esthländi- schen Schichten so sehr auszeichnen.
An Brachyopoden ist der schwarze Kalkstein Christianias ziemlich reich; vorzüglich gehôren dahin die zahlreichen Arten der Orthis, wie O. elegantula Dalm. und distinctam, die ich bisher nur aus Fsthland Kannte; von Terebrateln gehôren dahin T. parambonites Buch. aus der Gegend von Pawlowsk, wo jedoch die Zahl der Orthisarten um ein Bedeutendes zunimmt: nächstdem von. Gasteropoden der Turbo antiquissimus, den schon vor mir Hisinger als T. ellipticus beschrieben hat, und 1. siluricus, die beide auch in Esthland vor- kommen. Von anderen Gasteropoden kommen um Christianta vorzuglich Euomphalus gualteriatus vor, grade wie in Esthland , ferner auch Phasia- nella, Bellerophon und Natica in sehr verwandten oder denselben Arten, wie in Esthland. Endlich sehôren hieher die Orihoceratiten, vorzuglich ©. trochlearis uud regularis, die sich auch in Schwe-
105
den und überall in Esthland finden, aber nirgends zeigt sich in Scandinavien O. vaginatus, eine ächt esthländische Art (*). Am zahlreichsten ist jedoch die Familie der Trilobiten, wie sie Bæck aus der Gegend von Norwegen beschrieben hat, z. B. 4sa- phus expansus, acuminatus , Illænus crassicauda , Trinucleus tesselatus und Bronnii, der zum Theil mit dem Tr. Spaskit zu vergleichen ist, wie er in Esthland vorkommt.
Dies môge genugen, um die Kalksteinschicht des:ofjnen Oceans, zu characterisiren. Auf sie schlug sich, nach Murchison (**), in Norwegen eine Schicht mit Gypidien ( Pentameren ) nieder, die fur jene Gegend sehr bezeichnend ist. Eine ähn- hche Schicht findet sich im westlichen Esthlande, Wo sie ganz und gar aus einer Art Gypidien ( G. borealis m.) besteht, wie z. B. in der Nähe von Hapsal und vorzüuglich bei Pantifer, wo der rôth- liche Dolomit lauter Steinkerne der Gypidia bo- realis enthält, auf denen eine Menge kleiner Do- lomitrhomboeder aufliegen. Einzelne Gypidien fin- den sich auch auf Dagô und in der Gegend von Kamenez Podolsk, so dass sie schon auf die Nähe dieser vorweltlichen Inselbildung hinweisen.
(*}) De J’erneuil hat den Orthoc. vaginatus von Pawlowsk gar nicht erkannt und dafür in Géologie de la Russie et des Montagnes de l’Oural. Paris. 1845. Tab. XXIV. den Orth. trochlearis abgebildet und beschrieben.
(ea In seiner Rede. St. Petersh. 1844. pag.
106
Die Inselbildung von Kamenez Podolsk erstreckt sich hauptsächlich längs dem Laufe des Dnjesters und seiner Nebenflüusse, vie des Smotrytsch, Shwantschik , Sbrutsch, der Tarnawa , Studnitza, Uschytza, Ladawa, Muraffa, so dass ihre Längser- streckung etwa 150 Werst, ihre Breite gesen 50 beiragen kônnte; sie endigt erst unterhalb Jam- pol am Dnjester, und ist hier sowohl, wie bei Mo- hilew, Chotin , Kalus, Jaruga, Orynin, Kamenez Podolsk und Czarnokosyntze besonders entwickelt. Der Kalkstein ist überall reich an fossilen Thier- resten des urweltlichen Oceans, obgleich nicht in dem Grade, als auf dem , noch jezt als Insel be- stehenden Gottlande, ‘wo die Zahl der fossilen Thiere weit grôsser ist, als auf der urweltlichen In- sel Podoliens. Jezt zeigt sich hier ausser den un- teren Grauwackenschichten des Fucoidensandsteins und Thonschiefers, noch ein grauer oder schwärz- hcher Kalkstein, in dem hin und wieder einzelne säulenfôrmige Anthraconitausscheidungen , in ge- ringer Masse, wie bei Chotin , etwa wie auf dem Hunneberg bei Nygärd, vorkommen.
Die bezeichnendsten fossilen Thierreste, wie sie sich gleichzeitig auch auf Gottland finden, sind um Kamenetz Podolsk (*) etwa folgende; von P flanzenthieren :
(*) Ich erwähne hier theils die von mir selbst dort beobach- teten, theils die von Blüde von da mitgebrachten und in der
Samminng des Bergcorps aufbewahrten Arten.
107
Stromatopora concentrica,vorzüglich im Sbrutsch- thale, ganz so auch auf der Insel Dagô.
Philodictya lanceolata von Orynin unfern Ka- menez Podolsk, ganz wie um Hapsal und im Wen-
lockkalke Englands.
Calamopora polymorpha, æstig, 2” dick mit grossen 5-6 eckigen Zellenôffnungen, ebenfalls' von Kamenez.
Calamopora spongites von Jaruga am Dnjester, ganz SO, Wie sie sich sonst in den untern Grau- wacken—Schichten von Zarskoje und Pawlowsk findet, der Polypenstamm ist klein, länglich, et- was gebogen und besteht aus feinen Rôhrchen.
Calam. fibrosa ir zahllosen Bruchstüucken, eben da.
Calam. gottlandica , ganz so wie auf der Insel Gottland, Dagô, in der Nähe von und in Esthland, bei Hapsal; sie findet sich hauptsächlich im Schwan- tschikthale.
Harmodites distans Fisch. ( Sÿringopora reticu- tata Goldf.) ist nicht selten bei Sawalle am Sbrutsch; eine ähnliche Art findet sich auf Gott- land.
Heliopora interstincta Gold. in sehr grossen Exemplaren von Kamenez Podolsk, ganz so wie auf Dagô und Gottland, so wieauf den Inseln des Christianiafjords mit der vorhergehenden Art.
Eschara scapellum, var. ma], etwas plattge- drückt, so dass der Querdurchschnitt oval ist ; die
runden, ziemlich grossen Oeffuungen sind quer-
108
gestellt und zwischen ihnen befinden sich auf den Scheidewänden kleine Poren; jederseits werden. etwa 4—5 Längsreihen der grôsseren Oeffnungen beobachtet. Sie fand sich bei Kamenez Podolsk und ist sehr bäufig um Hapsal, auf Dagô und in England.
Aulopora serpens findet sich zuweilen auf Cala- mopora gottlandica aufsitzend bei Kamenez Po- dolsk und auf der Insel Dagô.
Cyathophyllum helianthoides von besonderer Grôsse, 2: Zoll breit, aber sehr flach , kommt bei Kamenez Podolsk, ebenso wie auf Gottland vor. Mit ihm zugleich findet sich dort und hier Cyathoph. cæspitosum Goldf. von bedeutender Grôsse der einzelnen Polypenstôcke; sie sind im Kalksteime von Kamenez Podolsk zuweilen + Zoll dick, sehr Jang, längsgestreift und die Längsfurchen von sehr feinen und sehr dicht gedrängten Querstreifen durchkreuzt. Die hin und her gewundenen Poly- penstôcke sind büschelfôrmig an einander gereiht.
Cyath. ceratites findet sich in mehreren Abän- derungen, die ich früher Cyath. (Turbinolia) fa- stigiatum , gibberosum, septigerum nannte, bei Orynin und Satanoff; eben so häufig sind die Cyathophyllen auf Gottland.
Endlich gehôrt zu den Corallen ein neuer 4m- plexæus decoratus aus dem Kalksteine vom Flusse Smotrytsch, worin Jedoch der Polypenstock einge- wachsen ist und daher nicht ganz vollständig erkannt wird; daher ist es auch leicht môglich,
109
dass er gleich dem #mplex. ornatus aus dem No- vogorodschen Bergkalke zu den Orthoceratiten "gehôren Kônnte. Seine Dicke beträgt 21 Lin. die Länge ist nicht bekannt, da der Kalksteinm nur ein Bruchstuck einschliesst ; dies zeigt gleich gros- se Querrippen, die eine Linie von einander ent- fernt stehen und von viel feineren Längsrippchen rechtwinklich durchkreuzt werden; die Längsripp- chen sind zweierlei Art, grôbere, die + Lin. von einander abstehen, und feinere, die kaum bemerk- bar 1hre Zwischenräume einnehmen und mit 1h- nen parallel laufen; aber ausserdem ist der ganze Polypensiock noch sehr fein quergestreift, die Streifchen sehr zahlreich, aber so fein, dass sie nur durch die Loupe erkannt werden; sie laufen parallel den Querrippen und sind einander sehr genähert.
Von Strahlthieren sind nur deutliche Cyathocri- niten ziemlich häufig im Podolischen Grau- wackenkalke; vorzüuglich gehôrt dahin Cyath. rugo- sus Mill. mit bald kleinerem, bald grôsserem Nah- rungskanale und sehr fein strahlenférmig ge- streiften Gelenkflächen : die Wärzchen auf der äus- seren Oberfläche des Stiels sind deutlich erkennbar, ziemlich gross, aber meist abgerieben; die Stiele erreichen die Grôsse der Gottländischen Art und kommen bei Kamenez Podolsk, im Thale des Smo- trytsch, so wie auf Oesel, vor.
Auch die Tentaculiten (T. annulatus Schlotth.) oder die Huülfsarme des Cyathocrinites pinnatus
110
Mill. finden sich nicht selten im Kalksteine von Kamenez Podolsk.
Nicht minder zahlreich sind die Brachyopodon im Kalksteine Podoliens, aber alles Arten, die auch auf Gotitland und Dagô vorkommen ; dahin ge- hôren:
Terebratula prunum Dalm. von Orynin, ganz so stark aufgebläht, wie sie sich auf Gottland findet, mit eben so vorspringendem Wirbel, und ganz glatt, mit ausgeschnittenen Seiten und aus- geschnittenem Stirnrande.
Terebr. tumida fand sich bei Kamenez Podolsk, und ward von mir schon 1830 (*) beschrieben ; späterhin nannte sie Dalman Tereb. galeata (*). Sollte jedoch mein älterer Name bleiben, so muüss- te der Name der Dalmanschen Tereb. tumida, mit der eine ganz andere Art bezeichnet wird, eben- falls geändert werden.
Tereb. bidentata His. kommt bei Jaruga am Dnjester vor, ist aber auch nicht selten auf Gott- land.
Tereb. cuneata Dalm. findet sich beim Dorfe Laskowzy am Flusse Smotrytsch, eben so wie auf Gottland, und ist einfach gefaltet, obgleich durch Grôsse von der Dalmanschen Art etwas abwei-
chend.
(*) In der naturhist Skizze von Lithauen. Wilna 1830. pag. 202. (**) Hisinger Leth. Suec. 1836. Stockholm pag. 76.
111 Tereb. plicatella Wall. , T. borealis Schlotth.
nach. L. v. Buch , ist nicht selten an der Uschy- tza, so wie auf Gottland ; ich besitze sie ebenfalls in sehr schônen, ganz deutlichen Exemplaren vom esthländischen Strande , wo sie sich unfern Hap- sal in einem bhellgrauen Kalksteine findet ; die Wulst der untern Schale hat 4 stark vorsprin- gende Falten, und die 1hr gegenüberliegende Ver- Liefung der oberen Schale 3 Falten ; jederseits sind ausserdem 3—9 Falten sichthar, die sehr scharf- randig und schräg quergestreift sind. Der Wirbel springt spitz und stark vor.
Tereb. acutidens nannte ich schon 1830 (*) ei- ne kleine Art, die späterhin Bronn (**) als Abart der Ter. Wilson: ansah ; diese kleine Art ist fast birnfôrmig und unterscheidet sich durch diese Form sowohl als auch vorzüuglich durch den schma- len, stark vorspringenden Wirbel von der Ter. Wilsoni ; der Stirnrand ist stark aufeeworfen und verdickt, seine Zähne sehr lang und dünn, wie in der englischen Ter. Wilsoni; die eine Ârt hat ei- nen tiefen grossen Ausschnitt, in den der Vor- sprung der anderen Schale einpasst; sie fand sich mie grôsser, als 3 Lin. breit, 4 Lin. lang, und nach dem Stirnrande 22 Lin. dick ; und kann da- her wohl Anspruch auf Selbstständigkeit machen. Sie kommt im Kalksteine von Kamenez Podolsk vor.
(*) In meiner naturhist. Skizze pag. 202.
(“") fn der Lethaea geognost. pag. 71.
112
Die eigentliche Ter. Wilsoni, obgleich auch von ihr etwas abweichend und sich mehr in Gestalt und Grôsse der Ter. sphærica Murch. nähernd, fand sich dagegen unweit Chotin bei Babschin in einem sehr festen Kalksteine
Tereb. prisca Schlotth., vorzuglich in der Va- rietät der Ter. reticularis, die so vielfach abändert und daher auch von mir einen besonderen Namen, Ter. cancellata (*) erhielt, ist sehr häufig bei Ka- menez Podolsk im Smotrytsch- und Shwanetztha- le, so wie auf Gottland und in der Umgegend von Christiania, aber eben so auch in denselben äl- testen Schichten des Grauwackenkalksteins von Schweden, am Nôsseberg, und von Pawlowlk, ob- gleich hier sehr selten. Sie ist jedoch besonders häufig im alten rothen Sandsteine des Pskowschen und Novogorodschen Gouvernements.
Spirifer cyrtæna Dalm. findet sich im Kalk- steine von Jaruga am Dnjester und ganz so auf Gottland ; die podolische Art hat jederseits 3 — 4 weit abstehende, dicke, breite Rippen; die Ver- tiefung (der sinus ) ist breit, tief, glatt und ganz ohne Falten.
Spirif. dimidiatus m., octoplicatis Murch., hat 5—7 Rippen jederseits und in der Mitte eine Ver- tiefung in der einen, so wie eine Wulst auf der anderen Schale ; die Wulst ist in der Mitte, wie
(*) In der naturhist. Skizze pag. 202 und in der Zoolog. spec. vol. I. Tab. IV. fig. 11.
115
getheilt, als ob sie zweirippig wäre. Sie fand sich bei Kamenez Podolsk und dieselbe Art kommt auch im Wenlockkalke Englands vor; ich beschrieb sie schon 1830 (*}, und mein Name wurde daher die Priorität haben.
Orthis striatella Dalm. ist die einzige Or- this aus dem podolischen Grauwackenkalksteine ; sie ist fein gestreift, die Streifen nach dem Stirn- rande hin dichotomisch getheilt; in der Mitte zähle ich etwa 60 Streifen, die daher einander sehr senähert sind, die Schale ist fast halbkreis- fôrmis, der Schlossrand vollkommen grade und fast breiter, als die Ränder der Schalenmitte; sie fand sich vorzuglich deutlich bei Kalüss und auch auf Gottland. Sie gehôrt zu Fischer’s Gattung Chonetes, so wie die Terebratula tumida zu Gypidia.
Orthis striatula Schl. kenne ich nicht aus Po- dolien, obgleich Pusch in seiner Palacontologie Polens pag. 28 behauptet, dass sie dort in ausser- ordentlicher Menge vorkomme. Er scheint sie aber mit meinem Spirifer dimidiatus verwechselt zu haben und daher mochte wohl sein Irrthum ent- standen sein. Eben so wenig habe ich im podoli- schen Uebergangskalksteine Spirifer speciosus und Orthoceratites vaginatus gefunden, die Pusch ge- wiss auch mit verwandten Arten verwechselte,
Von anderen zweischaligen Muschela, den Ace-
(BA e., pag. 202. MN I. 1846. 8
11
phalen, sind mir nur üundeutliche Abdrücke Kkleiner Cypricardien und der Siemkern meines. Mytilus planus bekannt, ganz s0 wie er sich auf der Insel Odinsholm findet. Der Steinkern ist jedoch nach dem Wirbel hin nicht 50 flach, wie in diesen Exemplaren, sondern etwas hôher, d. h. die Hôhe des Wirbels der einen Schale beträgt allein 4 Lin. also für beide geschlossene Schalen (vielleicht) das Doppelte; die Länge der Schale zeigt 2 Z. 1 Ein. , 1hre grôsste Breite 1 Z. 3 Lin. Der Wirbel liegt ganz an der Endspitze und ist stark herab- gebogen ; auf der Oberfliäche werden nach dem breitern Rande hin kaum einige concentrische Streifen bemerkt.
Die Famihie der Gasteropoden ist weniger reich an Gattungen. Euomphalus cornu arietis, so aus- gezeichnet für die Schichten Gottlands, findet sich ebenfalls ziemlich häufig in ganz deutlichen Exem- plaren in der Nähe von Kamenez-Podolsk, so wie auf Dagô. Er ist sehr gross, bat hohe, stark vor- stehende Windungen und auf ihnren Querrippen, deren Anzahl fast grôsser ist, als in der Hisinger- schen Art; man sieht jedoch an einzelnen Stellen deutliche, feine, unter rechtem Winkel von ihnen abgehende Querstreifen, so dass über die Identität dieser sonst stark abgeriebenen Exemplare mit dem Euomph. cornu arietis kem Zweifel bleibt. Die Oeffnung ist vôllig rund.
ich habe auch früher eine Turritella bei Ka- wenez-Podolsk beobachtet, die sich zunächst an
119
T. (Murchisonia ) cingulata His. anschliesst, aber nur als Steinkern vorkomint.
Orthoceratiten sind im Podolischen Kalksteine sehr selten und nur in einzelnen Abdrücken be- merkbar; ich fand unter ihnen am deutlichsten Orth. gregarius Murch., der am Sbrutsch, grade so wie im Ludlowkalke Englands, vorkommt.
Ausserdem beobachtete ich noch Bruchstücke eines sehr grossen Phragmoceras und zwar ziem- lich äbnlich dem Pr. pyriforme Murch., der eben so zum unteren Ludlow Englands gehôrt. Dies Bruchstück zeigt ganz deutlich die schnelle Zu- nahme der Kammern, deren grôssie eine Breite von 1 Z. 9 Lin. von vorn nach hinten, also der Quere nach, besitzt, wahrend sie von den Seiten, von links nach rechis, nur 1 Z. 5 Lin. beträgt, wodurch eine eiformige Gestalt der Kammern ent- steht; die Hôhe der Kammern beträgt 21 Lin. Der Sipho findet sich am hinteren Ende der län- gern Queraxe und nmeben ihm erscheinen feine Querstreifen , wie sie vorzüglich diese Art aus- zeichnen. Die sehr grossen Bruchstucke der von mir früher in meiner Skizze erwähnten Orthoce- ratiten gehôren alle zu dieser Art (*). Eben so
(*) Der durch seine Versteinerungeu sich sehr auszeich- nende Kalkstein von Wesenberg enthält auch ein neues, sehr gierliches Phragmoceras conulus, von kegelformiger Gestalt ;
die Bruchstücke sind oft {1 Z, 10 Lin. lang, unten fast 8 Lin.
S*
116
finden sich sehr grosse lPhragmoceras gar nicht selten auf den Inseln des GChristianiafjords, zu- gleich mit schr ausgezeichneten Lituiten, vorzüg- lich dem Lit. lituus His., der vielleicht der Spi- rula nodosa Bronn’s entspricht; seine ersten Win- dungen stehen etwas ab, und die lezte nimmt schnell an ÜUmfang zu und ist daher nach dem Ende viel breiter; die vielkammerige Schale ist stark quergestreift.
Endlich findet sich unfern Kamenez Podolsk bei Krasnoischafzy der Abdruck eimer kleinen, Je- doch ziemlich undeutlichen Clyÿmenia, von der nur ein kleines Segment der lezten Windung er- scheint ;. sie gleicht den allgemeinen Umrissen nach der Clym. Dunkert Mäünst.; es werden auf dem halbzoll langen Bruckstücke jener Windung 8 Rip- pen bemerkt, die sich nach dem Ruücken etwas zur Seite biegen und dann plôtzlich aufhôren, ohne den (wie es scheint) scharfkantigen Rücken selbst zu erreichen. Die Clymenien sind sonst auf Dagô und Odinsholm sehr häufig, ja an zierlicher Gestalt und Grôsse , wie die Clym. antiquissima , besonders ausgezeichnet, so dass es nicht auffallen wurde, auch um Kamenez Podolsk C/ÿmenien zu
breit, oben #4 Lin.; das breitere untere Ende ohne Scheide- wände hält ebenfalls 4 Lin. in die Breite, die Kammern sind etwa 1 Lin. hoch und in den einzelnen Bruchstücken oft 8 der Zahl nach; der Sipho ist schmal und ganz am
Rande.
117
sæhen, um so mehr da sich auch sehr grosse Clymenien auf den Inseln des Christianiafjords finden.
Es sind auch Conularien von besonderer Grôsse, wie die Con. Sowerbyi Defr. Englands , im Kalk- steine von Kamenez Podolsk gefunden worden, eine Gatiung, die auch in Ostrogothien, aber noch nicht auf Gottland , beobachiet worden ist ; eine verwandte Art kommt auch auf den Inseln des Christianiafjords vor.
Zu den Gliederthieren dieser Inselbildaung der Grauwackenformation gehôren vorzuglich die Cy- therinen, z. B. Cytherina phaseolus, die sich in grosser Menge 1m schwarzen Kalksteine von Tscher- nokosyntze findet und hier die Agnosten Schwe- dens ersetzt; sie ist eben so häufg auf Gottland zugleich mit der Cytk. balthica, die viel grôsser als jene, in ziemlich deutlichen Abdrücken, eben- falls in Podolien, vorzuglich bei Sawalle, vor- kommt.
Sehr merkwuürdig ist der schône Eurypterus tetragonophthalmus Fisch. aus dem Kalksteine des Smotrytschthales, der fur diese Schichten sehr be- zeichnend ist.
Ausserdem bevbachtete ich noch einzelne Bruch- stucke von Trilobiten, vorzuglich von Calÿmene macrophthalma Blum. oder einer ihr verwanditen Art; sie findet sich auch auf Gotiland, Oeland, in Dalecarlien, in Norwegen, England (im Ludlow- kalke ) und um Pawlowsk, scheint also den Schich-
118 ten des offnen Oceans und der Inseln gemeinsam ZU sein.
Ich besitze endlich noch das Schwanzschild einer anderen Calÿmene, die sich wohl der Cal. macrophthalma nähert, aber noch mehr der Cal. subcaudatata Murch. aus dem Ludlowkalke gleicht und daher mit ihr zu vereinigen wäre, wofern nicht Cal. subcaudata selbst zu jener Art gehôren würde. Das Bruchstück hat 8 Querrippen, die nicht sehr hoch sind und sich nicht bis zum Ran- de erstrecken, der Rand ist hier etwas vertieft und die Rippen sind etwas breiter , als ihre Zwi- schenräume. Ich beobachtete die Art bei Chotin.
ALTER ROTHER SANDSTEIN.
Als das sudliche Norwegen und das Innere Schwe- dens ( West- und Ostgottland ) sich, schon längst dem Meere entzogen, zu einem Festlande vereinigt batten und die dortigen Grauwackenschichten durch Porphyr und Dioritmassen durchbrochen waren, befanden sich die Korallenriffe im Christianiafjord, so wie Gottland , Dagô, Oesel und Odinsholm wahr- scheinlich auch nicht mehr unter Wasser, behiel- ten aber ihre horizontale Schichtenlagen bei, da sie nicht im Mindesten von plutonischen Durch- brüchen gestôrt wurden. Als sie sich hoben, befand ‘ sich das Festland von Lievland, Pskow und die Umgegenden der Ishora und Slawänka noch nun- ter Wasser; es schlug sich hier der alte rothe Sandstein nieder und zwar unmitielbar auf die Schichten der Grauwackenformation , da hier der tiefe, unergründliche Ocean vorherrschte, der ganz anderen Arten von Thieren Aufenthalt und Nah- rung gewährie, als weiter westwärts hin, wo sich flache Meeresgegenden zeigten und Koral- lehriffe erhoben. Ganz so mag es auch mit dem sudlichen Norwegen der Fall gewesen sein, wo der alte rothe Sandstein sich , so wie im Norden
120
von Norwegen, ohne alle Vesteinerungen, auf den Grauwackenschichten niederschlug.
Ich hatte ibn jedoch hier auf meiner etwas ei- ligen Reise nicht beobachtet, da ich jene Loca- litäten nicht berührte: doch sah ich Stücke die- ses Sandstein’s in der Universitätssammlung. Er ist meist rôthlich, sehr fest und femkôrnig, wie ge- frittet und gränzt fast üuberall, wie auch in Holme- strand, an einen Melaphyr, der 1hn—und auch nur 1hn, durchbricht , sich also uberall da findet, wo der Sandstein seine Gränzen zeigt. Zwischen den Melaphyr und Sandstein legt sich meist ein hell- graues, grobkürniges Conglomerat, das offenbar aus dem Sandsteine entstand, als dieser vom Mela- phyr durchbrochen ward. So zieht sich dieser Sandstein längs der Küste von Skaneaas über Gou- sen und Holmestrand nordwärts nach Sande hinauf, längs der Westkuste der Sandebugt. Nordwärts tritt er in Beruhrung mit dem Grauwackenkalk- steine und scheint anf ihm zu lagern, so dass die- ser durch ikn auch kieselig hart und schieferig ward.
Die Einwirkung des Melaphyrs auf den Sand- stein ist eben so bedeutend, als die Emwirkung des Porphyrs auf die Grauwackenformation. Der Sandstein wird nicht nur géhärtet und sehr fest, sondern nimmt auch eine gesenkte Schichten- stellung an, wodurch seine Schichten von den Seiten nach der Mitte einschiessen, also die Sand- steinschichten unter den Porphyr fallen, was um
121
so cher geschehen musste, da der Druck in der Mitte weit grôsser war, als nach den Seiten hin, und da überhaupt durch Mangel an Widerstand der noch weichen Sandsteinmasse ihre Senkung in der Mitte befôrdert ward. Ganz anderes verhalt es sich dagecen mit dem Durchbruche des Gra- nits durch den Grauwackenkalkstein ; ‘er wird von jenem immer gehoben , so dass seine steil aufge- richteten Schichten mehr oder weniger vom Gra- nite wegfallen, grade weil dieser sich nie über den Kalkstein ausbreitet und ihn daher auch nicht durch seine Schwere hier hinunter drücken konnte. Der Sandstein ist zuweilen ganz schwarz, wie bei Falkenstein, im Nordwesten von Horten im Christianiafjord, wo der Porphyr ebenfalls an ibn gränzt und seine Schichten zum Senken bringt. Der Sandstein ist hier sehr hart und fest, enthalt nur kleine Quarzkôrner und zwischen ihnen, wie es scheint, einige undeutliche Pistazitkrystalle. Ganz von derselben Schwärze findet sich der alte rothe Sandstein, nur mit vielen Fischverstei- nerungen , im Gouvernement Orel, wo er ebenso feinkôrnig ist und schon im Jahre 1841 vom Professor Blasius (*) beobachtet wurde, ohne dass jedoch seine Schichtenverhältnisse, wegen des ihn üuberall deckenden Schnees, damals genau er- mittelt werden konnten. Dies sollte erst den Som-
(*) Reise im europäischen Russlande. Braunschweig. 1844.1E. pag. 343.
199 mer darauf geschehen, wo man diesem Fingerzei- ge schr leicht nachgehen konnte.
Noch weit merkwürdiger ist endlich das Wie- dererscheinen einer grossen Sandsteinbildung im Norden Norwegens. In der Nähe des Nordcaps, jedoch etwas 6stlich von ihm, zeigt nach Keilhau’s mteressanten Untersuchungen (*) die Nordseite des Varanger-Fjord, von der kleinen Insel Vad- sôe nach Westen, die mehr oder weniger senk- recht absebrochenen Ausgchenden von Schichten,
welche sich mit einer im Ganzen genommen schwachen nôrdlichen Neigung von dem Fjord sen-
ken. Zu unterst liest hier eine schwarze dick- blättrige Thonschieferbildung (offenbar zur Grau- wackenformation gehôrig), die auf diesem Stri- che nur am Fusse des Vorgebirges Klubben zu Tage ausgehend gefunden wurde. Darauf folgt ein grauer, feinkôrniger , fast dichter Sandstein, der sich auf den zu Tage liesenden Flächen stets bräunlich roth zeigt; dieser bildet die Vads-In- sel ( Vadsüe) und die ihr gegenuüberliegende Ku- ste und man sieht ihn bei Klubben auf dem schwarzen Thonschiefer ruhen. Er entspricht dem rothen Quarze bei der Insel Vard ( Vardôe ). Eini- ge Schichten dieses Sandsteins auf Store Vardôe und Klubben sind bemerkenswerth wegen einer Menge darin vorkommender Concretionen eines etwas grobkôrnigeren Sandsteines, Massen, die zum
(x) L c. pag 9360. Christiania 1844.
193
Theil sanz unfôrmlich erscheinen, die aber meist Kugeln und Knollen mit einer scharfen und ge- nau concentrisch schaligen Absonderung bilden. Oberhalb dieses grauen , zu Tage rothen Sand- steins folet auf Klubfjeld ein viel loserer, weisser Sandstein mit einer Menge Ockerpuncte, in wel- chem die Quarzkôrner viel sparsamer als in je- nem vorhanden sind ; oben, gegen den Gipfel des Berges hin, sind sie von bedeutender Grôsse, wie Nusse, und die Gebirgsart ist hier petrogra- _phisch ganz gleich der bei Skolnës, der Landspitze des Festlandes, zwischen den beiden Inseln Vardôe und Vadsôe.
Im Westen von Klubben, gegen Mortensnäs hin, scheint es, als wenn sich die beiden Sandstein- bildungen nach und nach gegen den Fjord senken, so dass es hier bei Mortensnäs selbst die Fort- setzung von der nach oben auf dem Klubfeld lie- senden, congiomeratartigen Ablagerung sein dürf- te, welche man nun dicht am Meere findet, je- doch bei Mortensnäs ist das Bindemittel dieser Ge- birgsart ein grauer, dichter Kalk, und Kalkbruch- stucke kommen zwischen den Kôrnern des Quar- zes vor. Dieses Conglomerat breitet sich am Ran- de des Fjords westlich bis Nässebye aus, wo es eine Halbinsel bildet. Erst in einiger Hôhe über Mor- tensnäs wird darauf ein rother feinkôrniger Sand- steinschiefer mit feinen Glimmerschüppchen be-
obachtet, der sich auch weit nach Westen er- streckt.
124
Bei Karlebotn, am westlichen Ende des Varan- gerfjords, hôren die Sandsteinbildungen auf und man betritt die Urgneusformation. |
Sebr richtig nimmt Keilhau (*) an, dass diese grosse Sandsteinformation, die sich durch ganz Vargak-Njarg und von da westwärts am Tanaelf entlang erstreckt, dem alten rothen Sandsteine am meisten zu vergleichen sei. Auchistes von einem geographisch-geognostischen Gesichtspuncte aus, bemerkt Keilhau, sehr wahrscheinlich, dass die uber die Seen Peipus, Ilmen und Onega laufende grosse Zone von devonischen Schichten bis Fin- marken ôstlich und nérdlich um russisch Lapp- land fortgesetzt ist, wo die sogenannte Fiskerôe und vielleicht noch ein Paar andere, dort so mar- kirt vorspringende Halbinseln denselben Bau, wie das Land bei Vardôe haben und wo man wirk- lich auch devonische Gebirgsarten angegeben hat (**). Bei dieser Annahme ist ferner auch das Auf- itreten des Bergkalkes im Fismeere, nôrdlich von Finmarken, zu erinnern, doch kann die Frage we- gen des alten rothen Sandsteins erst dann zur volligen Entscheidung kommen, wenn zu ihrer genauen ÂAltersbestimmung erst organische Reste in 1hr entdeckt werden.
So weit Keilhau. Vs bleibt in der That sehr
ROME AC pas. 207. mr) Erman’s Archiv L 90. Æ. Erman ist jedoch, wie Keil-
hau bemerkt, mit Unrecht anderer Meinung.
merkwürdig, dass auch im Norden Finnlands sich ein Quarzfels und ein sehr fester Sandstein ost- wärts nach Russland hinein zieht, der dort von Torneï bis nach dem Wyborgschen, also von N W nach S O streicht und einen bedeutenden Hô- senzug bildet (*) Der Quarzfels ist vorzuglich mächtig um Kemi, wo es den Kiwalobergrücken bildet , ferner um Kujana, weiter sudôstlich um Kawi und Nilsi; er wird endlich sehr mächtig um Oeno und im Ilmanschen, so wie im Soujer- wischen Kirchspiele, wo er an der Gränze des Wyburgschen und Olonetzschen Gouvernements sich in grossen Kuppen erhebt und in den quar- zisen Sandstein übergeht, der durch den Durch- bruch der Dioritmassen am Onegasee ebenso ver- ändert und erhärtet ist, wie der Sandstein, der sich an der Gränze Finnlands und Russlands vom Onegasee bis zum weissen Meere hinzieht.
Noch merkwürdiger ist wohl eine andere Be- obachtung, die ich, so wie die früuheren über das nôrdliche Finnland, theils H. Nordenskiold, theils dem geschickten Bergmanne H. Albrecht in Hel- singfors verdanke, dass der Quarzfels eine wellen- fôrmige Oberfläche und senkrechte Schichtenstel- lung zeigt, was Alles mit seiner Umänderung durch einen Durchbruch der an ihn gränzenden plutoni- schen Felsmassen leicht zu erklären ist. Nach oben wird der Quarzfels gewôhnlich kôrnig, und geht
(*) S meine Urwelt Russlands. Heft II. pag. 193.
;
so in eine grobkürnige Sandsteinbildung über, die schon immer mehr den Charakter des alten rothen Sandsteins an sich trägt.
Im Euraschen nn findet . sogar ein rother, sehr fester Sandstein von dichtem Quarz- seluge, der offenbar zur Gruppe des alten rothen Sandsteins gehôrt, nur durch die nahen plutoni- schen Durchhrüche umecändert ist.
Auch hier, wie am Varangerfjord, gränzt an ihn der Thonschiefer, den oft Gänge durchsetzen, die zugerundete oder eif6rmige Bruchstücke des Quarzes enthalten; der Thonschiefer ist ohne Zweifel ebenso verändert durch plutonische Durchbrüche und daher auch senkrecht aufoerich- tet, gerade wie die Thonschieferbreccie ( der So- re kamern), ein unbezweifeltes Reibun
or conglomerat am Onegasee.
Es ist leicht môglich, dass die sich sudwestlich von Gefle -also ostwärts von Fahlun - findenden Geschiebe von Sandstein, wie sie nirgends in Schweden selbst anstehend vorkommen, zu einer ahnlichen Formation gehôren. Dieser Sandstein scheint auf den untermeerischen Finngrunden- Klippen im bothnischen Meerbusen, ostwärts von Gefle, anzustehen, und wieder von diesen Klip- pen losgerissen, an die Kuüste Schwedens gewor- fen zu werden. Die Westra- und Oestraklippen liegen 3 Fuss unter dem VWVasser. Ein femkôrniger Sandstein der Art findet sich auch als Geschiebe auf den Scheeren zwischen Abo und Helsingfors ;
127
er ist deutlich geschichtet und zeigt zwischen den feinen Quarzkôrnern, wie es scheint, kleine rothe Feldspathkôrner , aber nirgends Glimmer- blättchen, so dass er vielleicht zum Sandsteincon- glomerate der Grauwacke gehôren kônnte, der viel- leicht im finnischen Meerbusen unter dem Was- ser auf dem Granite oder Gneuse aulfliegt.
Es muss allerdings auffallen , dass weder im hohen Norden Scandinaviens und Finnlands, noch im Suden Norwegens fossile Thierreste in diesem alten rothen Sandsteine gefunden worden sind ; allein ziehen wir in Erwägung, dass uberall seine Schichten verändert, ja senkrecht aufgerichtet erscheinen, dass plutonische Massen ihn sehr oft durchbrachen, so wird alsdann diese Erscheinung einigermassen etwas von ihrem Auffallenden ver- lieren. Hier mochte damals in dem grossen Scan- dinavischen Bassin noch eine sehr bedeutende, der Fauna also ungünstige Tiefe des Oceans ge- herrscht haben, während seine westlichen und ôstlichen Ufer (in England und in Lievland ) sich immer mehr und mehr der Herrschaft des Mee- res entwunden hatten und sich auf dem flachen Meeresgrunde Niederschläge zeigten , die schon weniger den plutonischen Einwirkungen ausgesetzt waren und daher auch den hier lebenden Meeres- bewohnern eine für Jahrtausende dauernde Hulle gewähren konnten.
JURA-KREIDE- UND MOLASSENBILDUNCG.
Gehen wir jezt vom alten rothen Sandsteine zu den neueren Formationen Scandinaviens uber , so finden wir hier, so wie in Esthland und über- haupt in den Ostseeprovinzen , eine bedeutende Lücke zwischen ihnen und den Grauwacken- schichten.
So wie wir auf die Grauwackenbildung und auf den alten rothen Sandstein in Lithauen erst den mittleren Jura und bei Grodno die Kreide aufoelagert sehen, so beobachten wir dasselbe auch in Scandinavien, nämlich eine Eisensandbil- dung, die gleich dem Wealden der Engländer auf Whitby, Sphärosideriten in grosser Zahl, Ab- druüucke von Farrenkräutern, Pecopteris Pingelii, eine Nilsonia und dergleichen unbekannte Gat- tungen enthält, wie dieser Jura in seinen mitt- leren Schichten bei uns erst im südlichen Russland unter der Kreide auftritt, 2. B. bei Petrowskaja am Donetz. Auf ihn lagert in Schweden eine Tufkreide mit Conferven , Sargassen u. a. Arten von Tangen nebst einem Grünsande mit Terebra- tula pectinaea und Catillus.
Das sudliche Schweden, vorzüglich Schoonen und Bornholm, und nächsidem die Inseln von Dänemark,
sind von dieser Jura und der Kreide elngenommen.
129
Dr. Beck, einer der ersten Conchyliologen Eu- ropas , hält die dänische Kreide für Junger, als die Kreide von Schoonen, die er der Pariser und englischen gleich setzt.
Die unterste Schicht auf den Inseln und in Dänemark selbst ist siets eine weisse Kreide, oh- ne dass jedoch ihr Liegendes bekannt ist; auf Seeland ist diese Schreibekreide an 60 Fuss mäch- tis ; darauf liegt eine Kreide mit Korallen und sie wird wieder von einer festen kalkartisen Krei- de gedeckt, die sich oft 150 und mehre Fuss er- hebt, wie bei Stevensklint (*). Auf diesem Kreide- kalke liegt hin und wieder an der Westküste als neueste Molassenbildung ein dem Londonclay ähn- liches Gestein. Diese Lehmbildung deckt vorzuüg- Lich in den Thälern die Kreide, während die nackien Huügelketten der Kreide zu beiden Seiten der Thäler sich steil erheben und nicht vom Leh- me bedeckt sind.
Auch auf der Insel Môen im Süden von Stevens- klint findet sich zuunterst die weisse schreiben- de Kreide , auf der hier eine festere Kreide mit schwefelsaurem Baryte liegt und darauf der Lehm mit den Gerôllen von Granit, Diorit und ähnli- chen plutonischen Felsmassen Scandinaviens, die oft in regelmässigen horizontalen Schichten liegen.
(*) Alint heisst im. Dänischen das schroffe, steile Ufer, al- so grade dasselbe Wort, das in Esthland , als Glint gebräuch- lich, ohne Zweifel scandinavischen Ursprungs ist.
N° 1. 1846. 9
130
Da die Kreidefelsen sich meist steil in die Hôhe heben, so verwittern sie leicht und Stuüucke der Kreide fallen von ihnen herab : diese bilden als- dann, mit den Gerôllen gemischt, eine Schicht, auf die sich bald durch neues Herabstürzen an- derer Kreidestüucke eine zweite Schicht legt und so immer Weiter. |
Die Kreide ist reich an fossilen ‘Thieren und gleicht nach den Arten der Thierreste sehr der Kreide von Meudon, weniger der englischen, die etwas älter sein kônnte; sie enthalten auch an- dere Polypenstimme und andere Bryozoen.
Ich erhielt von D." Beck folgende Arten aus der weissen Kreide von Faxôe: die Spiropora elegans Lam.*, Îdmonea disticha Bl., Hornera striolata Beck., Pustulopora madreporacea und remota Beck., Heteropora dichotoma BI, Retepora sp. Eschara fibrifera Morr., calceola und margi- nata Beck., Turbinolia cornu , Caryophyllia fa- æoensis Beck, Ventriculites sp., Terebratula car- nea Cuv. und subglobosa Cuv., Arca sp., Cypræa bulla Schlotih., Fusus faxoensis Beck, Nautilus danicus Schlotth. und Brachyurus Schlotth.
Auf der Insel Moen finden sich in der weissen Kreide Spongia lobata Benn., Achilleum globosum, Turbinolia cornu Beck. , Cidaris claviger , Anan- chytes ovatus und cretæ, Conulus albogalerus, Pentacrinus albulus und lœvis, Pentasonaster qua- dratus, Gryphœa vesicularis, Catillus Cuvieri und mytiloides, Podopsis truncata, Plagiostoma elegans
131
Magas pumilus, Terebratula lœævigata Nils. (octo- plicata Nils., em älteres Individuum), subplicata und pecéinata ( wohl beide einerlei), Belemnites Scaniæ u. v. a. |
In der weissen Kreide an anderen Stellen von Seceland finden sich dagegen andere fossile Thier- reste , vorzüuglich Zollgrosse Lamnazähne, die Man- tell früher zu £. cornubica rechnete, die aber nach Agassiz einer neuen Art angehôren; mit ihnen zugleich Pecten lœvis, Escharen u. drgl. Poly- parien. Diese Kreidebildung mit Polyparien ist, wie oben bemerkt, vorzüglich ausgezeichnet auf Seeland bei Faxôde , westwärts von Stevensklint, etwas mehr landeimwärts; es ist dies ein Mittel- olied zwischen weisser Kreide und Limsteen (Kalk- stein) der Dünen; sie enthält vorzüuglich Polypa- rien in Menge, als Îsis faxoensis, Caryophytllia te- nuis, Hornera, Idmonea, Seriatopora und Krebse.
In dem jüungsten Kreidekalke über der Schrei- bekreide findet sich dagescen Cidaris alata auf Saltholm, Terebratula ovata, Gryphæa vesicularis, u. a. Die Feuerstemmassen im ïhr sind splittrig von Bruch und ganz matt, also vôllig verschieden von den Feuersteinmassen in der Schreibekreide mit Ananchytes cretcæ.
Es ist sehr merkwuürdig, dass sich einzelne sonst zur Kreidebildung gehôrige Versteinerungen (als Gerôlle) nicht selten sehr fern von den anstehen- den Schichien unter den Thierresten der Grau- wackenbildung finden; dahin gehôrt vorzuglich
D O*
132
Siphonia p'æmorsa, die sich zuweilen um Paw- lowsk und auf Gottland , aber auch an der Düna unfern Duüunaburg, bei Grodno in Lithauen und in der Mark Htdenbat bei Potsdam u. a.a. O. findet, wahrend die Schichten, aus denen sie herrühren, ohne Zweifel erst in Scandinavien auftreten , so dass sie von den Wellen des urweltlichen Oceans an ihren Fundort gelangt sein kônnten. Es ist je- doch merkwürdig , dass meist nur diese Kreide- versteinerung , oder andere Polyparien, nie aber Seeigel oder Muscheln der Kreide von den Wel- len sudwärts verfuhrt worden sind.
Auf die Kreide folgt in Scandinavien die neue- ste Molasse, die sich vorzüglich durch die vielen Geschiebe und durch mancherlei noch jezt in der Nordsee und im ÆEismeere lebende Muscheln aus- zeichnet.
Zuerst von den Geschieben , die als grosse un- fôrmliche Blôcke von Granit und Gneus meist in grossen Massen oder Haufen beisammen liegen, ja in der Regel ganze Hugel bilden , die zu kleinen Ketten verbunden, sich als Aser gestalten. Die so- genannten Aser sind nichts weiter als Sand oder Lehmhügel, die im Innern lauter Geschiebeblôcke enthalten und sich oft in ganzen Reihen nach al- Jen Richtungen durch Schweden und Finnland hinziehen (* ). :
= : Fe ë o . O : US: LS aDer INCTKWUrTAIS ass SIC ergiel en Ias S” *} Es ist ab kwürdig, d b dergleichen fast às
139
Ich sah sie schôn in der Nähe von Stockholm, auf dem Wege nach Alkistan, wo sie sich am Brunswikensee entlang hinziehen. Schon 1! Werst von der Stadt sieht man hier die 4ser sde Sand- rüucken anstehen. Rechts vom Wege erhebt sich ein sehr hoher Sandberg oder Huügel, der an 12— 15 Klafter hoch, ganz und gar aus zugerundeten Granitgeschieben besteht, deren kleinere Blôcke meist nach unten, die grôsseren, oft viele Fuss langen, nach oben liegen ; — alle sind zugerundet, fast nirgends sah ich eckige Blôcke ; alles Granit und Gneus. Weiter finden sie sich links vom Wege in einem Thale, wo sehr grosse Geschiebe der Art, zu einer bedeutenden Hôhe auf einander gehäuft, liegen, aber immer befindet sich Sand zwischen den Geschieben und so entstehen die Sandrücken oder ÂAser , die in grosser Zahl und in fast regelmässigen Ketien Schweden und Finn- land durchziehen. Agassiz sieht diese Âser, so Wie
arlige Sandberge auch in Esth- und Lievland , selbst in Kur- land und Lithauen finden; alle die dortigen Hügel bestehen aus Sand., die Geschiebe von Granit einschliessen , selbst der 27 Klafter hohe Bekiesz oder Festungsberg bei Wilna , auf dem früher eine alte Ritterburg stand und der jezt den Te- legraphen trägt, besteht aus einem ähnlichen Sande mit vielen Granitgeschieben, die wahrscheinlich in einer Verbindung mit den Rocou Schwedens stehen. Selbst die vielen Geschiebehügel zwischen der Ishora und Slawänka im Gouvernement Peters- burg gehôren hierher; nur sind sie bedeutend kleiner und nie-
driger, als die schwedischen.
134
die erratischen Blôcke ,° nicht als Moränen au, weil sie nicht in engen Thälern , wie diese, lie- gen, sondern über grosse Flächen weit und breit zerstreut erscheinen.
Die Felsen sollen bier üuberall an der einen Seite zugerundet, an der anderen, der entgegengesetz- ten, eckig sein; ich suchte mich während der Excursion mit den Scandinavischen Naturforschern zur Zeit ihrer Versammlung in Stockholm auch davon zu überzeugen ; allein es gelang mir nicht, die Leeseite gehôrig von der Stossseite unterscheiden zu lernen; mir kam es vor, als ob in den Gegen- den, die ich sah , beide Seiten der Granitmassen gleichmässig zugerundet seien,—ich sah uberall nur deutlich abgerundete Oberilichen.
So gelangten wir in der Nähe von Alkistan an das Gasthaus, wo dicht am Wege ein sehr ge- glätteter und zugleich stark geschrammter Felsen bemerkt ward. Zuerst mass ich das Streichen der Schrammen im Gneus; sie strichen von N nach S mit einer gerimgen ôstlichen Abweisung, also nicht westlichen, wie überall in Finnland. Die Abwei- sung betrug 19° nach Osten. Der Gneusfels war hier an der Ecke einen Fuss tief ausgehôhlt, vôllig abgerundet und glatt geschliffen: da, wo ich ihn jenseits der Ecke aufs neue untersuchte, wi- chen die Schrammen über 30° nach O ab, was nach Berzelius Ansicht , der uns hieher begleitet hatte , nur so zu erkliren sei, dass hier der (an- gebliche) Gerôlisirom um die Ecke bog und die
1
135
Schrammen in einer anderen Richtung zurückliess. Ich glaube, die verschiedere Richtung der Schram- men lässt sich hier auf ungezwungenere Art durch schwimmende Eisblôcke erklären, die während ihrer Forthbewegung im Meere nach verschiede- ven Richtungen die ans dem Ocean hervorragen-
5 de Felsen schrammen mussten.
Ueberhaupt simd die Aser oft regelmässig ge- schichtet, und bilden Sandberge , in denen ausser den Granit- und Gneusgeschieben, auch noch deut- liche jezt in der Ost- und Nordsee lebende Mu- scheln vorkommen, vorzüglich häufig sind Tellina balthica und Cardium edule , die sich überall auf Hôhen in Schweden, oft sehr entfernt vom Meere finden,—so auch am Mälarsee, weit über ihrem jet- zisgen Niveau ; als Zeichen , dass sich vordem bis hierher das Salzwasser der Ostsee erstreckte und das Meer mit dem Maelarsee zusammenhing. Bei Stockholm fand Lell auf einer Hôbhe von 100 Fuss Cardium edule, Mytilus edulis, Littorina lit- torea , Tellina “balthica, Paludina ulvæ Flem., (PB, balthica Nils., worunter 2 Arten stecken) Neri- {ina fluviatilis und einige Limnæen.
Sehr merkwurdig ist in dieser Hinsicht auch der 20 Fuss lange Unterkiefer eines in der Mitte Schwedens gefundenen Wallfisches, der einer Ba- læna longimana einigermassen gleicht und am Ge- lenktheile 1: Fuss breit ist; beide Kiefertheile sind gleichmässig, wiewohl nur wenig, gebogen; am Alveolarrande bemerkt man die vielen grossen
136
Lôcher und Kanäle für die Unterkicfergefässe, wie bei allen Cetaceen. Dies grosse, merkwürdise Stüuck hat sich in der Nähe von Skara, unfern der Kinnekulle und nicht weit von Wetternsee, also in bedeutender Entfernung vom Kattegat ge- funden bis wohin jezt nur, und auch nur selten, Wallfische verschlagen werden. Das Thier , dem diese beiden Unterkieferhälften zugehôrten, konn- te damals noch bis zum Wetternsee gelangen und Skara selbst môchte damals noch an der Seeku- ste gelegen haben.
In Schoonen werden sehr häufñg Knochen, ja ganze Skelette und Schädelstücke des Bos primige- nius und priscus aus den Torfmooren gegraben, wie Nilson erwähnt. Ich sah im Museum für scan- dinavische Alterihüumer in Christiania grosse Trink- hôrner mit messingenen Ringen und oft mit einem Deckel versehen, die nach den altlateinischen Schriftzugen auf ihnen etwa aus dem 13“° Jahr- kbunderte herrühren mochten; sie lauteten auf dem Messingreifen des breiten Endes an einem Horne so: Jesus, Nazarethi rex, und auf emem zweiten Horne las man: Melchior , Balthasar, Gaspar. Der Gestalt nach schien mir das kürzere Horn wenig verschieden zu sein vom Bos priscus (dem Stamm- vater des noch lebenden Bos urus L.), während die lingeren viel stärker gekrummten Hôrner, offen bar zum Bos primigenius gehôrten und ohne Zweifel damals verfertigt wurden , als beide Thiere noch Bewohner Norwegens waren.
137
Um wie vieles hat sich seit der Zeit das Klima von Schweden geändert und das Land gehoben ; wie bedeutend sind diese Hebungen, selbst in re- lativ neuerer Zeit gewesen !
So zeigte man mir in Gothenburg die Stelle, an der früuher die Stadt lag und vom Meere bespult
ward ; das Land hob sich allmählig aus dem sich zurückziehenden Meere und die Bewohner des Landes mussten den Bewegungen der See folgen, weil ihr Leben an das Leben der See gebunden ist. Da, wo nordwärts vordem Gothenburg lag, wird diese Gegend noch Jjezt die Altstadt (Gam- lastaden) genannt, obgleich dort kein Haus, über- haupt keine Spur der früheren Stadt zu sehen ist. Der Eingang in den Hafen zu der Altstadt wur- de vordem von ® hohen Thürmen beschützt, von denen der eine ( Lejonet ) noch jezt N O von Gothenburg, der andere ( Kronun) S W davon be- merkt wird. Ueberall finden sich dort noch lebende Muscheln, fern vom Ufer, fossile.
Ich hatte früher die Felsen auf den Scheeren an der Sudkuüuste von Finnland, ferser andere zwischen Waxholm und Stockholm zugerundet gefunden und unternahm daher auch die kleine Fahrt zwi- schen den Scheeren von Gottenburg nach Udde- walla, um auch hier die Oberfläche der Felsen auf ihnen zu beobachten. Nachdem wir Gottenburg verlassen hatten und westwärts gesegelt waren, blieb uns Gamlasitaden weit landeinwärts im N zu- ruck, während Lejonet sich noch Im weiter Ferne
138
im O und Kronun im S von Gothenburg zeigte. Bald kamen wir beim ältesten Thurme von es thenburg, der Festung Elfsborg vorbei, fuhren dann nach der Insel Hisingen nordwärts hinauf, bis wir nach Marstrand gelangten, wo wir lande- ten ; dann fuhren wir von da zwischen der Insel Tjôrn und dem festen Lande hin. Die Durchfahrt war sehr schmal und die Wellen der Nordsee hatten hier ganz ihre Wirkung verloren. Endlich kamen wir bei Orust, einer grôssern Insel, und dem festen Lande vorbei und da wurde die Durch- ‘fahrt noch viel schmäler ; rechts und links sahen wir auf der Insel, auf dem festen Lande, so wie auch schon früher überall auf den Scheeren zugerurdete Granitkuppen, was um so deutlicher war, da wir,den Ufern so nahe vorbeifuhren; ich sah links sowohl, als rechts in dieser Durchfahrt nur zugerundete Felsen, obgleich doch dort die Leeseite und hier die Stossseite angenommen werden musste. Endhich erreichte ich Gustavsberg, den sehr besuchten Badeort vor Udäewalla, wo ich das Dampfboot verliess, und nun den Weg zu Lande nach Uddewalla bergaufwärts einschlug. Ueberall stand hier Granit am Wege an, seine Oberfläche war stark zugerundet, aber nicht geschrammt. Bald hatte ich die grôsste Hôhe erreicht und sah von da Uddemwalla tief unten im Thale le- gen. Das Städtchen liegt an einem kleinem Flüss- chen, das sich hier in den Meerbusen ergiesst und etwas salziges Wasser hat; im Wasser des Flusses
139
lebten Hytilus edulis und Paludina achatina, wäh- rend im Sande, einige Fuss über dem Niveau des Flusses, die Zahl der Muscheln viel bedeutender war: hier fand ich Cardium edule und rusticum, einen Donax, eine ÂMactra, auch Tellina balthica, und es scheint daher, dass sich noch jezt die Fauna des Meeres ändert und andere Muscheln er- näbrt, als vielleicht noch vor einem Jahrhunderte in ihm lebten, wofern nicht diese Muscheln auch noch jezt weiter an der Küste in der Bucht vor- kommen solliten. |
_ Weiter hin stand überall Granit in hohen abge- rundeten Kuppen an; meist geht er in Gneus über, der ziemlich starkes Fallen zeigt und vom Granite durchbrochen wird: nicht selten werden Gneusstüucke im durchbrechenden Granite be- merkt: er fällt meist unter 20° nach O und zeichnet sich durch Vorwalten des Feldspathes aus. Auch der Granit, der oft ganz in der Nähe des Gneuses ansteht, hat vorherrschenden Feldspath in seinem Gemenge.
Endlich evrreichte ich die hôchsten Kuppen und war sehr üuberrascht, hier auf eimer Kôhe von 200 Fuss über dem Meeresniveau Sand- und Lehm- hügel mit einer Menge fossiler Muscheln zu fiu- den ; es sind wahre Muschelbänke, üàie sich auf einem Ümkreise von einigen tausend Schritten ge- bildet haben. Sie bestehen meist aus einem gelben Sande, der nach unten ganz fein ist und nach oben
O
allmählig in eine lehmige Beimischung und endlich
140
in einen meist schwarzen Lehm üubergeht. Hôher wird der Lehm aufs neue gelblich von Farbe und sehr weich und erdig, so dass man ohne Mühe die dicht an einander liegenden Muscheln aus den
Schichten heraus nehmen kann.
Die Schichten erheben sich da, wo sie durch- stochen sind, zu einer senkrechten Hôhe von 4—5 Faden , die durch und durch aus fossilen Mu- scheln bestehen. Selten finden sich zwischen den Muscheln Granitblôcke und zwar meist nur klei- ne, fusslange, selten lingere, die nur einzeln, als grosse Seltenheit , in den Sandschichten bemerkt werden.
Die Schichten sind alle vüllig horizontal und die Zahl der Muscheln so gross, dass man vor lauter Muscheln kaum irgendwo die dazwischen legende Lehmschicht bemerkt; vorzuglich häu- fig sind Balanen, nicht weniger häufig der Myti- lus edulis fin grossen Exemplaren, wie er Jezt nicht mehr in der Ostsee vorkommt, selten be- merkte ich Cardien, die doch jezt so häufg in der Nord- und Ostsee leben : dagegen ist Mya truncata (*) und Saxicava rugosa gar nicht sel- ten ; dazwischen finden sich Astarten, Venus, Pa- tella und andre Arten , die jezt nur im Eismeere
psp
{*) Diese Art findet sich nicht in der Ostsce, hier lebt nur M. arenaria; aber jene Art lebt noch jezt in der Nordsee und findet sich auch fossil bei Uddewalla.
141 leben oder auch fossil an der Müundung der a- ga in die Dwina endlich sind die
grossen Buccina, Serpulen und Echinen merk- würdig , wie sie noch jezt im nôrdlichen Ocean
vorkommen ;
leben.
Die Arten, die ich selbst sammelte, sind fol-
gende :
Cellepora membranacea L. Echinus saxatilis Z. Serpula spirorbis Z. Balanus tintinnabulum Z, — sulcatus Z. Mytilus edulis L. Pholas crispata Z. J'ellina calcarea Lgm. ee balthica Li Mactra solida L.
Anomida spec.
Mya arenaria Z.
Venus gallina Z.
Saxicava rugosa L.
Nucula rostrata Lam. Cyprina islandica Lam. Patella virginea Lam. Pileopsis ungarica Lam. Sigaretus haliotoideus Lam. Fissurella græca Lam. Turbo rudis Mont.
Trochus cinerarius Z,
Astarte borealis JMils. Fusus costatus His. -
— striata Brown. — antiquus Lam.
Pecten islandicus L. Buccinum undatum Z.
Mya truncata L. Tritonium Listeri Lam. Tritonium Lister: kommt bei Uddewalla vor und unterscheidet sich etwas von dem sehr ähnli- chen Triton. islandicum und Olafii aus dem Fismeere von Grônlaud. Tritonium glaciale findet sich dagegen an der Waga fossil, lebt aber noch im weissen Meere, wo auch Trit. norvegicum vor- kommt. Buccinum undatum geht bis 76° N B. hinauf, findet sich aber nicht nn Mittelmeere, nur
142
uoch eïinzeln an der Küste von Portugal und im atlantischen Ocean. | Eben so merkwurdig sind die vielen fossilen Muscheln, die sich auf dieselbe Art in Norwecen finden ; auch hier heben sich einzelne Gegenden mehr, als andere, und zeigen dann viele, den schwe- dischen ähnliche Muscheln im neuesten Molassen- sande; sie gleichen aber auch den noch jezt in der Nordsee lebenden Arten, die jedoch hier nur in sehr bedeutenden ‘Tiefen leben. So sah ich sehr grosse Buccina, Turbo, Pecten, Mytilus, Cy- prinen , Tellinen und viele andere Gattungen in denselben Arten, wie bei Uddewalla. Die meisten finden sich in der Nähe der Westkuste, ir Sand- hügeln, die sich 100 und mehr Fuss erbeben, andere auf geringern Hôhen, wie bei Opslo, dicht bei Christiania, kaum 20 Fuss über dem jezi- gen Niveau der Nordsee: die hôchsten Hügel der Art erheben sich 370 Fuss, sudwestlich von CAri- stiania, bei Smoleen im District Aremark, etwa 8 Maeilen vom Meere entfernt, was die weiteste Ent- fernung von der Seeküste, und die grôssie bis jezt bekannte Hôhe ist, während Uddewalla nur 1 Meile vom Meere entfernt hiegt; bei Leckum finden sie sich 200 Fuss uber dem Meere; die Muschelzahl ist desto grôsser, Je näher sie dem Meere liegen. In der Nähe von Trollhätta hat man einen Anker anf einer Hôhe von 180 Fuss über dem Meere in einem Sandhügel gefunden uod Berzelius glaubt, darin ein Zeichen zu schen,
143 dass hier vordem Seegrund war, dass also noch in. historischer Zeit das Land unter Wasser gewesen sein musste.
Es war mir interessant, ® lebende Arten Ser- pulen, $. triquetra und vermicularis, dem Grau- wackenkalksteine hinter Opslo bei Christinnia, also weit vom Christianiafjord so fest ansitzen zu sehen, dass ich sie davon nur mit Mühe vollstän- dig ablôsen konntie. Sie sassen hier auf den gebo- genen Kalk- und Alaunschieferschichten fest, vor- züuglich auf dem Wege von Opslo nach Barne/fjern ; die Gegend mochte sich hier ohne Zweifel noch in historischer Zeit bis zu 20 Fuss gehoben haben.
Die Hebungen und Senkungen waren überhaupt in der Vorzeit an diesen Kusten viel zahlreicher und viel bedeutender, als jezt, und daher haben wohl die Traditionen , dass Seeland mit der Kuüste von Schoonen einst zusammenhing, einigen Grund ; hier soll vordem ein Fahrweg gewesen sein und dies ist um so wahrscheinlicher, als die Meerenge zwischen Helsingür und Helsingborg in der That sehr schmal ist und dadurch sehr leicht dieser Zusammenhang angenommen und erwiesen wer- den kann.
Die so allgemein verbreiteten Schrammen von Norwegen und Schweden, von Finnland und Esth- land (wo sie auf dem anstehenden Grauwacken- kalksteine von Hapsal und Dagôü, so wie selbst in Lithauen, im nôrdlichen Lievland und in der der Gegend von Pskow beobachtet werden) kôn-
144
nen nicht als etwas Zufälliges gelten, sondern ste- hen ohne Zweifel im Verbindung mit einer allge- meinen Naturerscheinung, um so mehr, da sie sich auch auf den Bergen der Schweiz unter den heutigen Gletschern finden und so auf ihren Ur- sprung selbst hinweisen. Die Gletscher reichten hier, ebenso wie noch jezt im Nord-Westen Nor- wegens in der Gegend von Hammerfest , bis zum Meere hinab: daher ist der Grauwackenkalkstein dicht an der Küste, ja selbst unter dem Niveau des Meeres, geschrammt, da sich die Küste hier offenbar gesenkt hat (* ).
Wie häufig die Schrammen in Schweden sind, wissén wir aus den Beobachtungen Sefstrüm's. Ich habe schon oben erwähnt, dass sich die schôn- sten Felsschliffe mit den deutlichsten Schrammen bei Grästorp und Nyebro in der Nähe des Hunne- bergs finden. Nicht minder schôn werden sie bei Christiania auf dem Festungsberge beobachtet,
(*) Es ist eben so ein Beweis für die frühere Kälte jener Gegenden, dass sich fossile Rennthiergeweihe in Jütland fin- den, mit Geweihen von Hirschen, Elennen, Hornern von Och- sen, (wahrscheinlich U. primigenius) in grossen Torfmooren— also in Tundren , an denen noch jezt, wie in Sibirien , die Rennthiere leben. Nur im hohen Nurden finden sich derglei- chen Tundren, wie sie jezt im nürdlichen Jütland unter dem Dünensande ausgegraben werden; in diesen Torfmooren werden auch nicht selten Pfeilspitzen von Feuerstein ge- graben.—S. Bronn's und Leonhard’s N.Jahrb. für Mincralogie 1841. pag, 16.
145
auf dem Gneus sowohl, wie auf dem Porphyr. Der Berg ist hier sehr steil und schwer zu ersteigen ; er zeigt jedoch eine Menge Absätze, die das Er- steisen erleichtern. Diese sind überall abgerundet, glatt geschliffen und mit Schrammen bedeckt, wie die Felsen der Schweiz unter den Gletschern.
Die runden Absätze machen oft Vertiefungen oder Senkungen, die kleine Hôhlen Nischen bilden und an der untern Seite sowohl, wie an der obern, geschrammt sind, und zwar ziemlich gleichartig, so dass die Schrammen uüberall, selbst in den Ni- schen, von N nach S$S mit einer geringen Abwei- chung nach W streichen. Vielleicht waren die Felsen ursprüunglich so gruppirt, wie jezt, und Gletscher, die sie bedeckten, mussten sich offen- bar auch in 1hre Vertiefungen hinemziehen und sie hier eben so schrammen, wie ausserhalb der Nischen., Es liesse sich vielleicht auch anneh- men, dass die Vertiefungen erst spätern Ursprungs sind, dass die Felsen ursprüunglich vôllig eben und geglättet waren, dass sich jedoch durch Zusam- - menziehen oder Einsinken die Felsen immer mehr vertieften ; daher werden diese Vertiefungen noch jezt überall am Festungsberge bemerkt; daher mussten die Schrammen überall an den Wänden der Vertiefungen erscheinen, da sie auf ihnen schon fruher vorhanden waren.
Die Schrammen finden sich hier nicht nur ‘auf dem Gneuse, sondern auch auf dem Eurytporphyre und selbst auf dem Diorite, der hinter dem bota-
Ne Tr 1846. 10
146
nischen Garten die Grauwackenformation durch- bricht und den Alaunschiefer sowohl, wie den Kalkstein steil aufrichtet ; ich sah die schônsten Beispiele davon auf ibm und nahm auch ein sehr deutlich geschrammtes Stuck dieses Diorits für die Sammlung der medico-chirurgischen Acade- mie nach Petersburg mit , in der sich auch alle von mir gesammelten fossilen Thiere und die Ge- birgsproben Scandinaviens als Belege für meine Beschreibung finden.
Die Porphyrkuppen auf Tyveholm sind eben- falls stark geschrammt, abgerundet und schôn ge- glättet ; hin und wieder fallen sie steil nach dem Meeresufer, aber zeigen selbst auch da in der Nä- he zugerundete Kuppen , so dass also die entge- gengeseizten Seiten ganz gleiche Rundhôckerbil- dung besitzen. Die Schrammen laufen auch hier von N nach S und weichen etwas nach W ab. Nach Daubrée (*) sind in den hohen Gebirgs- gegenden Norwegens die Felsfurchen und Strei- fen nicht mehr parallel, wie in dem tieferen Hu- gellande Scandimaviens (von 700 bis 1200 Fuss ), sondern folgen meist, wie in der Schweiz von den Spitzen aus, der Richtung der Thäler, wie man dies in den von den Schneekuppen des Bergen- stifts ausgehenden ‘Thälern wahrnehmen kann, (etwas was doch gewiss fur den Gletscherur-
(*) $. Leonk. und Bronn’s N. Jahrb. 1844. pag. 113.
147 sprung dieser Schrammen spricht}). In andern Theilen der scandinavischen Alpen haben Keil- hau’s und Sefstrôm's Beobachtungen bis zu 4000! Seehôhe zum nämlichen Resultate gefuhrt. Zu- weilen werden auch die Granit- und Gneusfelsen am Ufer von einem aufseschwemmten Thone be- deckt, der uberhaupt sich sehr weit an dem Ufer des Chistianiagolfs hinzieht und lebende Muscheln der Nordsee einschliesst. Die Felsen unter 5hm sind dort meist geglättei und geschrammt und an ihnen sitzen überall die Serpulen ; der Thon konn-
te sich erst nach der Glättung der Felsen nieder-
schlagen und während des Niederschlags die Ser- pulen umschliessen. Zuweilen finden sich Felsen, die über 200 Fuss hoch, von diesem Thone be- deckt erscheinen, die eben so geschrammt und mit vielen Serpulen besetzt sind; dieser Fels ist, so wie der Festungsberg bei Christiania, auf einer seiner steilen Wände stark geschrammt , und zeigt hier viele Ser pulen ansitzend ; die Wand ist nicht nur auf seinen geneigten, sondern auch auf seinen senk- rechten Flächen, ja sogar unterhalb einer unter 45° üuberhängenden Karniese gestreift.
Dieselbe Thonablagerung fand Keilhau auch im SO Norwegens in einer Hôhe von weit über 550 Fuss über dem Meere und in emer grossen Ent-
fernung vom Mecre. Um so merkwurdiger ist es
5 daher, dass die längs der Kuüste liegenden Schee-
ren, vorzuglich in der Näühe von Friedrichswärn, sehr stark abgerundete und geschrammte Ober- | LO*
148
> $ 0] flichen haben, die sich unter dem Niveau des Meeres hinziehen.
Aus diesen Beobachtungen scheint doch mit ziemlicher Gewissheit zu folgen, dass zur Zeit der Glättung und Schrammung der Felsen der Boden Norwegens hôher lag als zur Zeit, wo der Thon sich absetzte; er muss sich daher gesenkt haben, ehe seine neue, noch jezt fortdauerede allmäblige Hebung begann. Ein anderer, eben so mächtiger Beweis, dass sich das Land bis zum Absatze der Molassenbildung über dem Wasser befand, ist der, dass sich, Schoonen ausgenommen, nirgends jun- gere Formationen finden. Scandinavien hatte da- her nach den Beobachtungen scandinavischer Geo- logen in neuerer Zeit 2 entgegengesetzte Bewe- gungen gehabt, eine sinkende und eine steigende, die auch Forchhammer für Danemark annimmt. Schoonen dagegen, das jezt allein in Senkung begrilfen ist, war seinen neueren Ablagerungen zu Folge, zur Zeit der Molassenperiode wahrschein- lich vom Meere bedeckt und musste sich daher noch gehoben haben, ehe es seine jetzige Senkung begann.
Diese in Scandinavien so allgemein verbreite- ten Schrammen, so wie die vielen in Schweden und Russland Moränenartig verbreiteten Geschie- beablagerungen, (*) wie z. B. am Hunne- und Hal-
2 as.
(*) Die Moränenartig verbreitcten Geschiebeblôcke habe ich
149
leberg und die Aser überhaupt, lassen wohl mit ziemlicher Gewissheit auf ein früuheres , kälteres Klima jener Gegenden schliessen, eine Annahme, die noch dadurch unterstüutzt wird, dass sich bei Uddeivalla und an anderen Orten, so wie auch an der Jaga im Archangelschen Gouvernement, Muscheln im fossilen Zustande finden, die noch jezt im weissen Meere, im Eismeere, vorzüglich aber um Grônland , leben und dadurch erweisen, dass ehemals auch hier sich grosse von Eisblôcken
noch viel weiter in Lithauen und selbst in Volhynien beob- achtet , als sie Æ. v. Meyendorff auf seiner geognostischen Karte von Russland angibt und zwar unter solchen Verhäit- nissen, dass man dort ein altes Seeufer zu sehen glaubt. Es herrscht nämlich im Südwesten von Pinsk eine sehr ausge- breitete, weite Sandsteppe vor, die nur aus tiefem Flugsande besteht, wie die preussische Nehrung oder der Weg am Stran- de der Ostsee in Preussen. Der Flugsand zwischen dem Dorfe Swidniki und Kowel, so wie von da nordwärts, ist so tief, dass man nur mit Mühe den Weg findet und ihn passiren kann; ausserdem zeigt auch der viele Sumpfboden die Nähe von Pinsk an, wo ehemals, und wahrscheinlich noch zu Xe- rodots ‘eiten, ein grosser See lag, der vielleicht ein Ueber- bleibsel einer vorweltlichen Verbindung mit der Ostsee war.
Hier in diesem Sandboden fand ich auf meiner Reise durch Volhynien die ersten Granitgeschiebe, oft grosse Blôcke in bedeutender Anzahl, dem Aeussern nach, zunächst mit dem finnländischen Granite zu vergleichen; aber mit ihnen zugleich lagen auch Feuersteingeschiebe im Sande umher, die offen- bar auf die Kreide nach Grodno hinwiesen, aus der sie her- rühren mochten.
150
bedeckte Meeresstellen befanden, die ähnlichen atmosphärischen Einwirkungen ausgesetzt waren, wie das heutige Eismeer und daher auch ähnliche Thiere ernähren mussten. Auf diesem Eismeere, das offenbar mit dem Jjetzigen Polarmeere in Ver- bindung stand, schwammen ähnliche Eisblôcke umher und konnten da, wo sie von den Wellen der Ufer an die Kusten geworfen oder über den aus dem Meere hervorragenden Klippen bewegst wurden, diese sehr leicht gläiten und mit den an ihrer Unterseite festsitzenden Quarzkôrnern schram- men, und da die Stromung von N nach S gimg, so musste die Richtung der Schrammen vorzuüuglich diese sem, obgleich auch jede andere Richtung dadurch nicht ausgeschlossen wird.
Es ist allerdings sehr merkwuürdig, dass einzel- ne dieser Muscheln, die noch um Grônland und im Eismeere leben, sich sogar fossil auf Sicilien fin- den, z. B. eine Panopæa , die mir Beck in Kopen- hagen zeigte. Dies lässt wohl eine ziemlich allge- mein verbreitete Kälte von N nach S annehmen, obwohl sie viel bedeutender in Scandinavien, als in Sicilien gewesen sein mochte.
So ist auch das jetzige Klima der Westküste Norwegens ebenso verschieden von südlicheren und ôstlichern Gegenden Schwedens, und Zzeist deut- lich, wie nahe noch jezt der Contrast der Kälte des hohen Nordens an die Wärme des Westens von Norwegen gränzt. Ich war erstaunt um Chri- stéania ein so mildes Klima zu finden (oben ha-
151
be ich des eben so milden Klimas auf der West- seite der Kinnekulle erwähnt); uberall in den Gärten von Christiania fand ich die schônsten Kirschen, ohne dass sie besonders cultivirt wer- den, uberall wuchsen Wallnussbäume und trugen reife Früuchte. Der türkische Waizen ( Zea Maÿs) kam sehr gut fort und war dieses Jahr üuppig em- porgeschossen. Prunus padus blühte uberall und trug reife Früuchte ; eben so kamen Fraxini, Acer und italienische Sträucher aller Art im Freien sehr gut fort. Der Weinstock trug im botauischen Garten am Spalier sehr schône Trauben und wird im Winter nur wenig bedeckt. Auch Pfrsiche werden im Freien am Spalier gezogen und tragen Früuchte ohne besondere Pflege. |
Die Wallnussbäume kommen selbsi weiter nord- wärts von Christianssuna im W von Drontheim gut fort, selbst am Hardanger- und Sogne/fjord, bis zu welchem die Gletscher des Snceäüttan und Sognafield ganz nahe hinabsteigen, wo selbst, gleichsam an ihrem Fusse, die Kirschhaume wild fortkommen. Getraide wird noch in Finnmarken unter dem 70° N. B. am Altenflusse, der sich bei Altengaard in dem Altenfjord ergiesst, gezogen und gedeiht gut (*}); aber etwas weiter davon,
(*} Bei Altengaard wachsen nicht nur Birken, Fichten und Tannen, sondern es wird oft sogar Gerste reif ( Russeger } ; wie sehr verschieden von diesem Landstriche Norwegens, in
Altengaard, sind andere Gegenden, z. B. Grünland und Sibi
192
nämlich 17 Grad nordwärts hinauf, liegt das Nordcap. |
Dieses schône Klima ist durch den grossen Golfstrom sehr leicht zu erklären: er bringt die Wärme aus sudlicheren Gegenden, aus America mit, und mit ihm erscheinen sogar Thiere an der Kü- site von Norwegen, wie Physsophoren und Pela- gien, deren Vaterland der mexicanische Meerbu- sen 1st.
Ebenso mochte es vielleicht auch in der Ür- _welt gewesen sein Da, wo die grosse Strômung von Norden her mehr Eisblôcke und auf ihnen jene grossen Geschiebe mit sich führte, musste das Klima der an sich schon unter Eis begrabenen Gegend rauher und kälter gewesen sein, als dort, wo ein àähnlicher Golfstrom von Westen oder Su- den her der Gegend Wärme zufuhrte. [ene Strô- mung bedingte auch eine andere Fauna, als diese. Jene gestaitete nur den Muscheln der nôrdlichen Breiten 1hren Aufenthalt in den eisigen Gewäs- sern des Nordens, während diese ihnen allmäblig Schalthiere des Südens zufüuhrte und eine uüuppi- gere Vegetation hervorrief, wie sie zum Theil noch den Westen Norwegens an den Kuüsten aus- zeichnet. Kam dazu noch die innere Erdwärme,
rien, unter dem 70° und 71° N. 8. Hier werden nur Eis- und
Schneemassen bemerkt, während man in den Häfen von
Tromsüe und Hammerfest im Winter nie Eis hat: kein Eis in
der Nähe des Nordcaps, wenu sich der Sund und die Ostsee mit Eis bedecken.
153
die sich hier näher zur Oberfläche erstreckte, als hôher nordwärts hinauf, wo die Erdschicht durch fruher hervorquellende und abgekuühlte plutoni- sche Massen, Granit, Gneus, Glimmerschiefer, Thon- schiefer viel dicker sein mochte, so musste dort weit eher das Land seiner Eishuülle beraubt wer- den, als hier, wo ‘sie Kinger bestehen konnte und wo daher durch sie die Felsen weit mebr abge- schliffen, geglattet und geschrammt werden muss- ten, als dort, wo die Schnee- und Eisdecke der Felsen lingst weggeschmolzen war, und schon der Flora grosse Flächen angewiesen hatte.
Ée Petersburg. | D. 15 Juli 1845.
ERKLÆRUNG per ABBILDUNGEN.
Faf, L be.
Ce
b.
der Omberg.
. Granitartiger Sandstein.
. Kalkstein.
. Thonschiefer.
. Sandstein.
. Granitgneus des Ombergs.
. Horizontale Kalksteinschichten.
. Wetternsee.
a. a. Granitdurchbruch bei Gothenburg.
. Gneusstücke, im Granite liegend und vom durch-
brochenen Gneuse (e) losgerissen.
. Reine, krummschalige Anscheidungen von Gneus,
im Granite liegend.
. Granitstücke, im Gneuse (e) inueliegend.
Feldspathstücke , zuweilen kleine Partien von Gneus enthaltend, im Granite liegend.
Gneusfelsen.
. Gneuskuppe bei Gobberuh, unfern Gothenburg,
. Granit, den Gneus durchbrechend und durch
vielen rothen Feldspath ausgezeichnet.
stark gebogene Schichten.
c—d. Quarzader.
d.
g, 4. a. b. Alaunschieferschichten, bei Christiania vom
Eurytporphyr { c) durchbrochen ; b. eine künst- liche Grotte in ihuen.
Syenitdurchbruch bei Christiania durch den Kalkstein.
159
a. Syenit mit Verästelungen (b. b.), die in den Schiefer (c) und Kalkstein (d) dringen.
Taf IL fig. {. Durchschnitt des Hallebergs.
fig.
a, Kieseliger Alaunschiefer, unter dem Basalte (f) des Hallebergs.
b. Stänglich abgesonderte Anthrakonitschichten.
c. Anthrakonitkugeln , im Thonschiefer inne lie- gend.
d. Alaunschiefer.
e. Sandstein.
2. Ein anderer Durchschnitt am Halleberg.
a. Alaunschiefer.
b. Stänglich abgesonderter Anthrakonit.
c. AnthrakonitKalkstein mit Agnosten an seiner Unterseite.
d. Agnostenschicht, an der Unterseite des Anthra- konits ansitzend.
e. Alaunschiefer in wellenfôrmigen Schichten e° derselbe, Anthrakonitkugeln enthaltend.
f. Anthrakonitkugeln. :
g. Sandstein.
. 3. Wellenfôrmige Schichten des Anthrakonits (e)
vergrôssert, mit Anthrakonitkugeln (f ).
* 4. Drehrunde Anthrakonitkugel, mit concentrischen
Absätzen , aus dem Alaunschiefer von Hellekies.
me D. Cylinderfôrmige und gebogene Anthrakonitmas-
se, von chen daher.
. 6. Durchschnitt des Festungsberges bei Christiania.
a. Gneuskuppen in horizontaler Schichtenlage. b. Gueus. aufgerichtet. |
c. Steilstehende Gneusschichten, wellenférmig. e. Albitsranit, durchbrechend.
e. Eurytporphyr.
Taf. IL fig.
Pa
RP LL 2-1 PTE LMNNCRRESE RUE nd CAL APT ANUS — 92 — a 2
g. 25 Zeite 9 von oben
10 von oben —
156
e" Eurytporphyr, die horizontalen Gneusschichten durchbrechend , e** glimmerreicher Eurytpor- phyr.
f. Hornschiefer.
g. Schräg aufgerichtete Alaunschieferschichten.
g* Horizontale Alaunschieferschichten.
h. Kalksteinschichten, schräg aufgerichtet.
h° Dieselben mit Agnostus Boeckii.
i. Rhombenporphyr.
k. Festungsmauer.
7. Dioritdurchbruch durch den Alaunschiefer hin-
ter dem botanischen Garten von Christiania.
a Alaunschieferschichten. b* Kalksteinschichten , beide mit einander
selnd und durch den Dioritdurchbruch aufgerichtet.
wecha«
steil
a. Granitbruchstücke, im Diorite inneliegend. b. Diorit.
—“sm»#rÔem——
A]
DRUCKRFERLERANZEIGE.
statt Fig. L e
9 von unten —
lies Frg. If. Riesenkopf — Riesentopf.
0 vonäs] VVana —— von VVadstena
11 von oben — ährlich — jäbrlich
} von unten — einzelnen — einzeln
5 von oben — Fauna — Flora
6 von oben — chwarz — schwarz
40 von oben — Petropawlowsk — von Petropawlowst
5 von unten — Lingulenfrag- — Orbiculenfrag- mente mente
45 von oben — Fig. 8. c. — Fig. 5, b.
ne om
GOLEOPTERA MYAMECOPHILA FENNIOA
AUCTORE
Freprico GuiLigzmo MzæxLin.
Novisssimis temporibus, quum studio msectorum vitæ rationem cognoscendi ephemerides entomo- logicæ magnum sane attulerint adjumentum, in- secta quoque myrmecophila, eorum insigni viven- di ratione, oculos animosque in se converterunt naturæ scrutatorum, et jam materiam et arçgumen- tum varis dederunt dissertatiomibus. Quantum vero ex his omnibus conjici potest insecta illa 1m pri- mis metamorphosin subeundi causa in formicetis aut in eorum vicinitate habitant ; et jam De Geer et Linné haud ignoraverunt Cetoniam auratam plerumque in domiciliis Formicæ rufæ primum agere vitæ statum. Hanc rem eliam probant non tantum specimina immatura insectorum myrme- cophilorum, quæ persæpe in formicelis obveniunt et certum semper præbent testimonium insecta
158
illa iisdem Jocis subire metamorphosin (*), sed etiam larvæ ex. gr. generis Cetoniæ, Clythre, etc— D. Märkel quidem in opere à Cel. Germar edito: «Zeitschrift für die Entomologie» Tom. V dicit Staphylinos (**), excrementa formicarum investi- gantes, quærere socielatem earum , et quamquam hæc res uullo modo repugnat naturæ Staphyli- norum; tamen non possum, quin dubitem eos tan- tum rapinæ causa in vicinitate formicarum ver- sari, quum persæpe specimina eorum legerim im- matura cum Form. rufa et fuliginosa ; et D. Mär- kel ipse quoque adnotavit specimina immatura Aleocharæ angulatæ Erichs. ab IIL D. Comite Mannerheim in formicetis lecta fuisse. — Omnes tamen insectorum species, quæ in formicetis lectæ sint, haud ibidem subire metamorphosin res om-
(*“) Differentia animadvertenda est inter specimina immatu- ra et variationes dilutiores; illa enim colorem dilutiorem brevi tempore in saturatiorem permutant,
(**) Denominationes familiarum : «Staphylini », « Pselaphi », etc. quum sæpe efliciant ambiguitates , mutandæ sunt; et jam Willdenow et Illiger graviter iuvecti sunt in denominatioues, familiis et generibus communes. Me quidem judice nomen Mi- croptera |. Brachelytra , quamquam elytra abbreviata etiam in aliis Coleopterorum familiis obveniunt , ut jam antea imposi- tam, multo melius fuisset ; nam si denominationes familiarum eam ob causam abjicere volumus ,; quod etiam cum aliüis spe- ciebus conveniant , omnes facillime improbari possunt. Præte- rea e contrario nomen Staphylini (otagrA) cum omnibus ad hanc familiam pertinentibus generibns et speciebus non con-
veuit,
159
nibus est notissima ; et præterea false sane multæ insectorum species, quæ casu quodam in formi- cetis interdum obveniunt , in numero myrmeco- philorum referuntur, præsertim eae, quarum lar- væ in truncis putridis vel sub cortice arborum emortuarum inveniuntur ; nam , ut omnibus , qui aliquam huic rei animi attentionem impenderunt, notum est, formicæ iruncos, cortice soluto, occu- pant et larvæ 1isdem locis jam antea habitantes sæpe sine impedimento metamorphosin subire pos- sunt. Si vero cortex solutus plane e truncis avel- litur statim Form. fuliginosa ex. gr. larvas insec- tatur Lamellicornium , Xylophagorum , etc. sub cortice arborum emortuarum habitantium. Larvæ vero Cetoniæ auratæ et aliorum insectorum , ut D. Märkel optime animadvertit, in acervis Fe ru- fæ asylum inveniunt tutum et siccum; et Form. rufa verisimile ipse ova Cetoniæ auratæ in domi- cillum secum portat, nam 1psis imaginibus quam maxime infesta est. D. Märkel etiam asserit specimina mutillata Lomechusæ strumosæ interdum occurrere in acervis Form. rufæ, et mihi quoque interdum contigit invenire Specimina mutillata insectorum myrmecophilorum et cum F. rufa et cum F. fu- ligemosa , sammaque admiratione species generis Myrmedoniæ, in vicinitate nidorum Form. Juligi- nosæ circumvagantes (*), semper summa cum di-
(*) In ipsis cuniculis F. fuliginosæ subterraneis numquain
imagines Coleopterorun inveni,
160 ligentia omnem cum ipsis formicis evitare contac- tum vidi. Quæritur itaque omni jure sintne for- micæ multuis horum insectorum infestæ, quæ ta- men tanta immensa multitudine domicilia earum frequentant , ut die 99% mensis Aprilis anni præ- terlapsi ad Urpala (*) plus quam mille individua Coleopterorum im superficie unius formiceti lege- rim ?—Speramus tamen hoc ænigma brevi tempore ini solutum a D. Mäürkel, qui experientia fretus indefessa et observationibus omnium fere naturæ scrutatorum suffultus optimam sane præbere po- ierit hujus rei explicationem. — Lomechusam pa- radoxam Grav. vero sæpe summa concordia in societate cum Myrmica rubra habitantem inveni ; et impetu a magna multitudine Form. herculeanæ in domicilia Form. fuliginosæ facto Lomechusam eandem medium sodalium quærentem et omnibus isdem aut fugatis aut interfectis, in fugam se convertentem vidi. Res tamen certissima est in- secta myrmecophila magis amare et quærere acer- vos et nidos formicarum, quam ipsas formicas. Düicit enim JÙl. Comes Mannerheim in enumeratio- ne sua Coleopterorum, quæ ad Kavantholm in F. rufæ acervis lecia sunt, species insectorum myr- mecophilorum in nonnullis acervis copiose obve- nire, quæ in als omnino desiderantur. Perscru-
(*} Al. D. Com. Mannerheim in Bull. de la Soc. Impér. des Natural. de Moscou jam mentionem fecit de Kavantholm, Kir-
jola et Urpala. De Ylane vide Sahlb. Insecta Fennica.
16!
tando vero facile invenias diversitatem materiæ acervi hanc obcausare diversitatem incolarum. Sic ex. gr. Myrmecoxenus subterraneus Chevr. præser- tim in acervis resinosis occurrit ; Scydmæni vero numquam, etc. Præterea in acervis etiam ab ipsis formicis relictis magnam copiam insectorum, præ- sertim tempore vernali invenire possumus.
In pagellis sequentibus enumerationem attuli- mus omnium Coleopterorum, quæ hucusque in Fennia in formicarum acervis vel in proxima vici- mitate eorum lecta sunt; et speramus quoque so- cietatem Moscoviensem, pro scientia natural in- stitutam, eandem actis suis inserere haud esse de- négaturam. — Carabicos ubique sub lapidibus in societate cum formicis obvenientes ; præeunte D: Märkel, silentio transivimus ; duos tantum, in Form. rufæ acervis Captos, attulimus. Multæ præ- terea Coleopterorum species verisimile e numero myrmecophilorum abjiciendæ fuissent ; sed quum nobis non satis persuasum sit, ah casu quodäm in formicetis occurrant, an non, omnes enumera- vimus. Lubenter quoque ceteros ordines Jnsecto- rum et Arachnoidorum attulissemus ; sed defectu librorum coacti fuimus eosdem silentio transire. Denominationes vero Cofeopterorum, quæ in hocce tirocinio enumerata sunt, rectas esse speramus, quum nobis , liberali et humana benevolentia IL. D. Comitis Mannerheim occasio data sit ad consu- lendam non tantum bibliothecam de his rebus di- tissimam , sed etiam collectionpem, Goleopterorum
N° 1. 1846. 11
162
in Finnia facile primam ; quare nobis etiam liceat publice gratias agere quam maximas non solum IUT. D. Comiti Mannerheim, cujus consilia nunquam defuerunt, sed etiam D. Doctcri Sahlberg, D. Mag. Blank et D. J. M. a Tengstrôm, qui nobis occa- sionem dederunt insecta, ab 1isdem in acervis for- micarum inventa, videre; ideo nobis etiam con- Ugit nonnulla præbere additamenta ad cognitio- nem distributionis geographicæ in Fennia horum
insectorum.
* 1. Dyschirius gibbus Fabr.; in acervis Form. rufæ , ad Yline a D. D." Sahlberg semel, ad vi- cum Hoplax prope Helsingforsiam a me bis captus.
* 9, Bembidium 4-maculatum Limné; cum F. rufa ad Yläne a D. D. Sahlberg individuum uni- cum lectum.
* 3. Myrmedonia canaliculata Payk.; specimina matura et immatura in societate cum Myrm. ru- bra , sub lapidibus et muscis , fortasse per totam Fenniam sat frequens ; cum Form. flava et F. fu- liginosa raro mihi obvia.
* 4, Myÿrm. limbata Payk.; in societate cum F. flava, ad vicum Hoplax prope Helsingforsiam, ra- rius capta; cum F. fuliginosa ad Kirjola et Ur-
pala rariSsiMAa.
{*) Coleoptera, asterisco notata, in Feunia etiam extra for-
miceta Jlecta sunt.
163.
* 5. Myrm. humeralis Grav.; specimina matura et immatura cum . rufa et F. fuliginosa ad Kirjola sat frequens, ad Urpala rarius ; ad Kavan- tholm pluria specimina mense Septembri, in acer- vis F. rufæ, legit D. Com. Mannerheim.
6. Myrm. cognata Märkel; ad Urpala in vicini- tate nidorum Æ. fuliginosæ rarius occurrit, ad vicum Hoplax quoque unicum legi specimen; ad
Kirjola a D. J. Alfthan semel capta.
* 7. Myrm. funesta Grav.; ad Urpala, in socie- tate cum À. fuliginosa , specimina et matura et immatura sat frequenter occurrunt.
8. Myrm. lugens Grav.; specimina et matura et immatura cum præcedenti, isdem locis, sat fre- -quens.
Var. b. Thorace punctis duobus impressis; ra- rissima. |
Var. c. Duplo major, elytris testaceis , angulo apicali exteriore late nigro. À Myrm.(Zyras) Haworthi Steph. punctura elytrorum differt. Rarissima.
9. Myrm. laticollis Märkel ; cum præcedente, usdem locis, rarissima.
10. Myrm. latiuscula Mann. ; ad Kavantholm in acervo F. rufæ unicum invenit specimen D. Com. Mannerheim ; mihi quoque ad Kirjola semel obvia.
* 11. Myrm. collaris Payk.; in societate cum Myrmica rubra et M. vaganti ad Urpala et ad vicum Hoplax rarissime capta.
11*
164
* 19. Falagria sulcata Payk.; im acervis FE. ru- fœ interdum rarius obvia.
* 13. Fal. obscura Grav.; in societate cum F! . fuliginosa, ad Kirjola et Ürpala, rarissima.
* 14. Bolitochara lunata Payk.; in cuniculis F. flavæ nonnulla specimina, ad Urpala, leoi. 15. Tachyusa atra Grav.; in acervo F. rufe ad Urpala semel capta. _
* 16. Tach. cœrulea Sahlb. (chalybæa Rudd.);
in acervo À. rufæ, ad Ürpala, uricum tantum in-
Li
veni specimen.
* 17. Homalota circellaris Grav.; occurrit in- terdum im societate cum F. rufa.
* 18. Hom. hepatica Erichs.; ad Kavantholm in acervo À. rufae semel obvia, D. Com. Manner- heim.
* 19. Hom. sodalis Erichs. : in societale cum F. rufa, ad Kirjola semel capta. |
* 20. Hom. gemina Erichs.; im cuniculis F. nigrae ad Kavantholm raro occurrit, D. Com. Man- nerheim. | |
* 91. Hom. clancula Erichs. ; in acervis F. ru- fae ad Kavantholm interdum minus frequenter obvenit, D. Com. Mannerheim. :
#29 Horn, inconspicua Erichs.; ad Kirjola im societate cum F. rufa semel tantum obvia.
23. Hom. parallela Mann.; ad Kavantholm et ad Urpala in acervis F. rufae primo vere vulgaris, ad vicum