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GERMANIA.

VIERTELJAHRSSCIIRIFT

FÜK

DEUTSCHE ALTEKTI1UM8KÜNDE.

BEGRÜNDET VON FRANZ PFEIFFER.

HEKAUSGE(iEßEN

VON

KARL BARTSCH.

EINUNDZWANZIGSTER JAHRGANG. NEUE REIHE NEUNTER JAHRGANG.

WIEN.

VERLAG VON CARL GEROLD'S SOHN.

1876.

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INHALT.

Seite

Die Augsburger Glossen. Vou Alfred Holder 1

Zur Mägus-Saga. Von K. Köhler 18

Zu (Egisdrekka. Von E. Kölbing 27

Zur Entstellung der Relativsätze in den germanischen Sprachen. Von demselben 28

Ulrich Putsch. Von J. V. Zingerle^ 41

Fro Bone. Von demselben ' 47

Zur deutschen Namenkunde. Von K. G. Andre sen 47

Noch einmal das jüngere Hildebrandslied. Von A. Edzardi 51

Kritische Beiträge zu dem sogenannten Anhang der Lauremberg'schen Scherz- gedichte. Vou F. Latendorf 53

Abermals Johann von Morsheim. Von R. Köhler 66

Kleine Mittheilungen, Von F. Lieb recht 67

Kleine Beiträge zur Mythologie. Von Lütolf 80

St.-Pauler Bruchstücke aus Notkers Psalter. Von A. Holder 129

Die Glossae San-Blasianae, Von A. Holder 135

Zum Heliand. Von O. Behaghel 139

Bruchstück einer Handschrift des Jüngern Titurel. Von H. Treutier 153

Bruchstücke von drei Handschriften des jungem Titurel. Von G. Mil ch sack . . 157

Zum Passional. Von A. Jeitteles 170

Die Stuttgarter Oswaltprosa. IL Von A. Edzardi 171

, Zu Walther von der Vogelweide. Von J. Zingerle 193

Zwei Bruchstücke einer bisher unbekannten Handschrift des Wilhelm von Orlens.

Von H. Palm 197

Der alte Hildebrand als Puppenspiel. Von R. Köhler 201

.Zu den kleinen altniederdeutschen Denkmälern. Von O. Behaghel 202

Von dem Hurübel. Von J. Bächtold 205

Die \5'inileod und zwei ungedruckte ostpreußische Varianten des LIerderschen

Volksliedes: Kein schönre Freud auf Erden ist. Von O. Steiner 209

Zur St. Jchannisminne. Von C. M. Blaas 213

Zu den Me^, eburger Sprüchen. Von E. Wilken 218

Über die Eig nthümlichkeiten der Sprache Wolframs. Von G. Bottiche r . . . 257

Die althochde; "chen Glossen zum Evangelium Lucae aus St. Paul. Von A.Ho 1 der. 332

Mittheilungen au Grazer Handschriften. Von A. Jeitteles 338

Ein guot gebet. "Non H. Lambel 347

Zum Meier Helmbrecht. Von R. Sprenger 348

Zu Reinke Vos. Von demselben 350

Kleine Bemerkungen. Von demselben ' 351

Zur mittelniederdeutschen Litteratur. Von demselben 352

Von den drei Frauen. Von F. Lieb recht 385

Zu Germ. XVIH, 456. Tpru, Part. Von demselben 399

Zur englischen Volkslitteratur. Von demselben 401

Zur Erklärung von Hartmanns Iwein. Von A. Baier 404

Volksthümliches aus Niederösterreich über Pflanzen. Von C M. Blaas 411

Der Lobgesang auf die hl. Jungfrau nach der Karlsruher Handschrift. Von A.

Holder 416

Zu Konrads Schwanritter. Von R. Sprenger 419

Zwei Tagelieder. Von K. Bartsch -421

Niederdeutsche Tischzucht. Von A. Lübben 424

Wolfenbüttler Bruchstück des jüngeren Titurel. Von F. Zarncke . . . . . . 431

LITTERATUK.

Bieling, Hugo, Ein Beitrag zur Überlieferung der Gregorlcgeudc. VonE. Kölbiug 81

Bernhardt, Ernst, Vulfila oder die gotische Bibel. Von P. Piper 83

Bemerkungen über neuere Eddalitteratur. Von E. Kölbing Ol

iSicvei-s. Eduard, Der Heliand und die angelsächsische Genesis. Von H. Paul 95

Leo, Heinrich, Angelsächsisches Glossar. Von E. Wilken 96

Smith, S. B., De tre aeldste danske Skuespil. Smith, S. B., Gravcns og Friherrens

Komedie. Von F. Liebrecht 97

Cederschiöld, G., Jomsvikinga saga. Von Th. Mob ins 103

llartmann, August, Weihnachtlied und Weihnachtspiel in Oberbaieru. VonSchröer 110 Blume, Ludwig, Das Ideal des Helden und des Weibes bei Homer. Von J. St robl, 117 Haupt, Josef. Beiträge zur Litteratur der deutschen Mystiker. Von J. Strobl. . 226 Ditfurth, F. W.. Zweiundfünfzig ungedruckte Balladen des 16., 17. und 18. Jahr- hunderts. Von F. Liebrecht 229

Bczzenberger, Adalbert, Untersuchungen über die gotischen Adverbien und Par- tikeln; Bezzenberger. Adalbert, Über die A-Reihe der gotischen Sprache.

VonE. Wilken. . 231

Much, Mathäus, Germanische Wohnsitze und Baudenkmäler in Niederösterreich.

Von Schröer 234

Zur Klage. Von A. Edzardi 235

Zur älteren romantischen Litteratur im Norden. II. Von E. Kölbiug 354

II. Osthoff, Forschungen im Gebiete der indogerm. nominalen Stammbildung.

Von W. Schlüter 368

K. Hildebrand, Die Lieder der älteren Edda. Von, E. Kölbing 376

A. Holtzmann. Althochdeutsche Grammatik. Von E. Wilken 378

Heinr. Kückert. Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. Von Schröer. 380

Karl Knorr. Über Ulrich von Lichtenstein. Von O. Behaghel 434

Zur mittelenglischen Legenden -Litteratur. Von Eugen Kölbing 437

Edda Snorra Sturlusonar. Von A. Edzardi 442

Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung. Karl Koppmann, Das

Seebuch. Von K. B 448

BIBLIOGRAPHIE.

Bibliogi-aphische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen

Philologie im Jahre 1875. Von Karl Bartsch 449

mSCELLEN.

Der Briefwechsel der Brüder Grimm mit Joseph GöiTes. Von J. B^chtold

(SchluG) ..'.... 118

Heinrich Rückert. Von'K. Bartsch 122

Germanistische Vorlesungen im Wintersemester 1875/76 , im Sf mmersemester

1876, im Wintersemester 1876/77 124, 248, 498

Personalnotizen 127, 384, 508

Handschriften in englischem Privatbesitze 127

Aufruf zur Errichtung eines Grabdenkmals für Heinrich Rückert 127

Zu mhd. lütbrechic. Von A. Jeitteles 250

Nachtrag zu Hartmans von Owe Heimat und Stammburg. Von H. C. v. Ow . . 251 Offenes Sendschreiben an Herrn Professor Svend Grundtvig in Kopenhagen. Von

F. Liebrecht 252

X für U. Von Floto 255

31. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner 256

Berichtigungen 256, 384, 508

R. von Raumer. Von Schröer 495

Deutsche Handschriften der Georgs-Bibliothek zu Dessau. Von W. Ho saus . . 500

Register zum neunzehnten bis einundzwanzigsten Jahrgang 503

DIE AUGSBURGER GLOSSEN.

Mitgetheilt von

ALFRED HOLDER.

Aus einer Handschrift seines Klosters gab der Stifts-Archivar und Bibliothecar P. Placidus Braun zu St. Ulrich und Afra zu Auirsburcr im Jahre 1792 im "z weiten Bande seiner Notitia historico-literaria de codicibus manuscriptis in bibliotheca liberi ac imperiaHs monasterii ordinis S. Benedicti ad SS. Vdalricum et Afram Augustae extantibus pp. 117 127 althochdeutsche Glossen heraus, welche seither für ver- schollen galten. Nach dieser nichts weniger als getreuen und vollstän- digen Ausgabe sind dieselben von A. H. Hoffmann (Althochdeutsche Glossen, p. XII, §. 7 und p. XLII, §. 107) und von Adolf Holtzmann (Germania XI, 32—34 und Altdeutsche Grammatik I 1, S. XII) be- sprochen worden. In der Stiftsbiblioihek der Benedictiner zu St. Paul in Kärnten gelang es mir diesen Codex in dem Sanblasianus membran, XXV. d. 82 wieder zu finden.

Die dem Ausgange des zehnten Jahrhunderts angehörige Pergament- Handschrift ist von Braun auf S. 1—4 seines Buchs im. Ganzen gut beschrieben. Sie enthält 248 Blätter in 31 Lagen geheftet, von welchen I bis XXX von alter Hand bezeichnet sind; XX, XXIIII und XXV sind Quinionen, XXVII ein Trinio, das übrige sind Quaternionen. Eingeschrieben steht: Monasterii S. Vdalrici Aug"". Das Schild trägt von einer Hand des fünfzehnten Jahrhunderts die Aufschrift: Ex- posicö quorüdä uobulorü biblie.

Die Handschrift beginnt Bl. l'' mit des h. Hieronymus praefatio in Pentateuchum ad Desiderium (u. a. bei Heyse und Tischendorf; Biblia sacra latina p. XXXIII gedruckt).

Eine eingehendere Besprechung und Verwerthung dieser Glossen für den altdeutschen Sprachschatz mir vorbehaltend, theile ich dieselben im Nachstehenden mit. Die mit * bezeichneten fehlen bei Braun.

GERMANIA. Neue Reihe IX. (XXI.) Jahrg. 1

A. HOLDER

BL 1' Incip chlosa ingenesis

PROLOGV.

gitmgida

2' * deleramenta.

4' (roth). ExPLiciT prologvs DEGENESi (bei Heyse u. Ti- schendorf, Biblia sacra la- tina p. XXXIII).

ö"" Lateres ziegal.

Vernaculos uassallus. Adleuä. adsinisträ

b^ quod afilo subteminis ide afadame. filo. i. fadam pro- curator maior. sata mez. Rogü ide sakkari. siclos monete munizzo. IV Incepit closea In|genesim.

12'' ... Nenias uanitates. l men- dacia seu mortiferos cant'. *f. lotes sparcha inplatonis dogma. i. que plato docuit unä immobilem mentem oma considerantem. . . .

12^ ... Glosa in librv ge"

NESIS ....

IS"" C&e eni greco uocabulo ob inmanitate corporis dicun- tur quia sunt ingentia ge- nera beluarü. & equalia mon- tib'. 1 insulis corporaq' in infinito manen oceano.

IV *Nemus. i. haruc.

18^ Sulphur potest nutrire ignem. Nam statim incen- ditur si prope fuerit. Erd- phuir enim sulphur uocatur quia igne accenditur Vr eni

ignis est Neq ; alia res

facilius accenditur nascitur ininsulis edis. instrue. i.

n

anakifolohen. aduena. i. zuo-

quemo.

Mon&e publice, id chunin-

lihes mul 19'" niz.

*Uernaculus innipurro.

adult matures gnarus. i. expertus. edulio uictui. esca 1 esu.

hidriam uuazzirfaz incanalibus. i. Inuuazzar- trogon 1 inuuazzarrinnon. ru- gitus. germiz zunga. *Placito dinc.

19^ Inaures. orringa. lentis, i. linsi. hospicium gast uuissi adultis giuuas shanan. aquauit gitrancta. Coire gimisgen. Posuisti mihi. i. trugi. Venatu. guago temo gratü Hub.

expediant. gibezziron. austu. gitrunche nemo. Expresserant. gibilidton. Industrius glouuar.

s

Gnarus uuizzo.

affinitate gimachidu.

Eiulatio uuofta.

gratis, ingimetton.

Intitulü. inceichan.

Venusto sco|| 20^" nemo.

Copule gimachida.

Potitis. noz.

Contemptui. firmananti.

Expostulans. dingonti.l gre-

mezzonti.

Placiti tempus dinc zit.

Altrinsecus. Ingagenandre-

mo.

Supinus ruchilingun.

scito pnoscens. vuizintar.

zz

*forauitis.

Prouecte. gitragenemo. Comite. sindote. Muliebria. regilziarida Cubitü restan. Uallare pifahen 20^ * Contemptui. fir|| mananti. Prosequerer. kilecti.

DIE AUGSßURGER GLOSSEN.

Fulua. eluuuaz.

furua. primat.

Populeas. salahino. l alba-

rino.

(das c vor s aus o)

Serotinus dees paiatton. facultate possibilitate. l eihti. *Non es passus. ni doletos. esto et situ, aiit at. & situ pu- taueris l ecce. l esto. 2V Admissura. gimisgida. sie delusa. so bitrogen. Placabo. gihuldo. Emarcuit. Ardorr&a. Plandiciis. flehon. Deliniuit. slitha. Oblatio. urspotin. Inclitus. frambari.

difFertur giborot. Increpuit. Erbalcsich.

Strubri. corruptele. t 22r *Pincerna. putegilare. 23" Binas stolas. id duas tonicas.

stola gruacaturquodsup emit-

tatur. i. ericium lat nomine appellatv quod uulgo mafortem dicunt

25'" EXPLICIT CLOSA DEGENESl| IN- CIPIT CLOSA ELLESMOT.

Elegantem, i. pulchrü. l fro-

nisgen.

Urbes tabernaculorü. id man-

sionü. i. üueldi puri.

*Inpapirione. binuz 25' *Rubus e uirgulti spinosi. i

braama inquo murberi cre-

scunt. 26' *Far gen' amne. (zu lesen

annone?)

Condixerat sprach, l consen-

tit aut statuit. 1 decreuit,

*sciniphe. i. musce minutis-

sime.

27"" *indigenis ciuibus 1 inde natis. i. gilanto.

2V *Scatere. i. ebullire. l chre- demin.

* lactuca uulgo nomine sarsa-

lia uocatur. quia dorsü ei' in-

modum sarr^ e.

Coliandri. cullentar.

Penui'ia zadal.

Oaque|| 28' ßemiss&. nidirla-

zit.

Sustentabant. id enthabeton.

strenuus id gambra.

inpeculium. sunt seaz. Caligine tuncli. Obruatur. gisteinot. Perstrepebat. prastata. fumebat. rouch. Contestare. firbuit. Sculptile grepthi.

29"^ desectis. gisnitiraan. Cultrum mezzras. subula. ala. Pugno. gifuustoot. Inpensas. gizuich abortiuam. eruuorfan.

SO' *aceruo. i. tumulos. t uimbon.

sipgustata id. erbizen. i. co-

mestum.

Mutuum. inlihen.

Siconductum. gimettit.

Maleficus. goculari.

auersor. leidizo.

Refriger&ur. gilabot. l requem

habeat.

*scrabones. horniz. 3()v *Oraculum & propitiatorium.

unum sunt ubi audiebantur

duina eloquia interra sileae.

id int anaglifamis silihange- stin. Rubricatas girottiu hian-

s

tinum logi. ut alii uolunt. Timiama. uuirouh. incultü. inubida. Circuli. ringa. Uectes. grintila. Propitiatoriü. id pleh aureum ductile. gislagan.

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acitabule. i. acinarios. ezich- faz.

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4V

A. HOLDER

*Sciplios. calicesjjSl'' maiores. } cofpbilm.

Emimcturia. i. chulupt ubi ignis portatur acandelabro. *J?elles ari&iim. id sine lana

ti

quasi par,cula idreaolite. *Acitabiila. id uasa modica. & qu§ c&um ferunt. id izanari.

31"' *Incastratura. id gitubilit. Cortina lachen. Retorta gizuirnat. ansula snÖra. Insertas ingitan. Circulos. ringa. Compago giii/Zgidse (giua 1. Hd., gio 2. Hd.) laminis. plehun. Contextum. giuueban. Inusus. innu zida. lebetasjl 32" caldarii. magni. chezila.

forcipes. zanga. Fuscinulos. craffon. *Reeeptacula. id ubi ignis portatur adaltare holocaustorü chella. uel ubi iacetur. Craticula Inqua assantur car- nes. id rosta.

R&is. id insimilitudine retis id nezzi.

Paxillus erdchegil. Oras. i. soum. l. ort. sculpes. grabas. Inclusis. i gicastot. Uncinos craflfilin.

e

32"" clauas nagal.

inlinies. anagiclebis.

Uitta. nestila. id quia constrin-

git capillos mulieris.

Mala punica genus e poraorü

dulce multü. & magnü quasi

duas pugnas. id fust. aliquo-

tiens rubeo colore.

Lamina plech.

33" Consparsa. gichnetin. l gi- sprengit.

intestina. Innouili. Reticolum. nezzi. Duos renes. lentipraton. Corium. hut. aruinam. ueiziti. Pectusculum. prustpeini. Laganal 33^^ sirailiter panis e inprima plasma longus postea curuatus finem ad finem. Co- quitur inaqua primitus inqua postea insartagine & oleo fri- gatur gigroubit *Tyra. pannus e incapite in-

chinni

transuersu usq' admentum uitte ei'.

34^ fususio. guz.

Papilio. id tentorium. inde dr

papilia. id uiualtra.

*Cateruam. i. c&us speculum.

spannilin.

Armilla rotunda erit. i. arm-

bouga.

*Dextralia ampla erT ante ma-

nicam. id ristallun. & possunt

ibi coniungere uno claue.

*feminalia bragas.

35"" Laxe ne fluerentur. id nizi- slifin. _

(rOth) EXPLICIT ELISMOT ID EXODVSl INCIP ÜAIECRA ID

LEVITICVS.JI

35"' üessiculam. i. crof. Ascellas. id feddah. Condies. salzas. Torres. derpaz. ilia. darma. id intercostas & uiscera. Reticolum adeps in- testini. id nezzi. Renunculi. duoparia.idneiron. *lubo suplumbos iacens caro. id lentipraton. distillare. troaphon.

36' "*"■ extorserit. aruuintit.

i

36"" *Aruinulis. uezti. *Patruus f&iro.

DIE AUGSBURGER GLOSSEN.

*Lugiibri. caragar. *Riiminat. iti ruchchit. ST' *ali&iim. erlügrez. Ali&um. similis aqiiile & maior. tarnen minor quam uultvr. strutionera. striiz. Noctuä. id quae nocte uolat. itt coruus marinus nocturnus. ict nahtram. l uuila. ut alii uolunt. alii lusciniam uoluerunt ee. Bubonem. qui rustice buf dr.|| 3V *i(1 huuo. l uuo. Mergulus. niger auis mergit sup aqiiam querere pisces. id tuhhari.

*larum genus auis & uoca- batur saxonicQ meum.

38"" *Porfirionem. id auis orientalis &S0I0 morsu bibit omne cibura aqua tingens. Deinde pede ad ostrum ueluti manu app&ens. } isarn.

(a ausradiert)

Upupa. uitihofa.

lericha

Caradrio. reliha.

herod. herodius uualhapuh.

38^ Uespertilione. fledarmus//. Brucus. cheuor. Migale. id mus longa, idharmo. ut quidam uolunt.

39' stelio. mol. est bestia uene- nata similis lacerte. Pustula, puilla. quasi lucens id uessicula. facit glostat. Pi- los inalbü mutatos colore ut grint facit.

*humiliorem. id tuolla. Caro uiua boc est rotat. Garrula agarrilitate uoce di- citur. id ruopb.

39"" flauus. falo.

Confectum. gimisgit.

Asolido festimo 1 atoto.

Uermicolum. uuormo.

* aque uiue. i. ursprinc. l quec-

brunni.

*UallicuIas. id talilin.

Radit. schirrit.

elatus. ernomen.

Papula, id puilla.

sagma. stuol.

inprecans. 1 soluans. i. fluoh-

henti.

indigena qui inde genitus e hoc

est gilanto.

Requietionis. id rauuua.

40'' aucupio. i. fogolonti.

Afiinitate. id consanguinitate.

gimahi.

inpelicatum. *cbebisod. huor.

pustula. gisprinc.

Scabies, glouuido.

*Pilos. id locca.

humiliore. id firsuuinen.

Obscurior. dunclor. id decre-

scens. inolita. 40"" anaclipeit. Inrecaluatione. id

a

hintana cal,uuar.

Dissuta. ungigurtit.

Stamen. qd stat. id uuarph.

subtem. id uuetaL quia in-

transuersum pstamen ducitur.

*Uallicula. id concaua loca

adsimilitudinem uallorum ap-

parentia papillarü scabearum.

id que dillono.

* Comas fahs. non nis nidant.

Cana. grauiamo.

i

41'" Nouerca. stuif moter.

Matertera. moma.

Amita. basa.

Incisura. ubiscurt.

gyppus. houirohtar.

lippus. surougar.

Inp&iginem. rudicb.

herniosus. holohtar.

*Testicola. ho////

*ferie. id firo.

pultes. polz. 41'' fasciculum.buntilin.ide sanga.

*Inumbraculis. id inloubon.

Uicarium uuehsal.

*preputia pomomorum.

6

A. HOLDER

42' Non ueni&. id futurü temp' in- dicatiui. niuircoufa. Condicione. gimachida. Non auguriamini» id niheli- soont. inquilinus. choeht.

42"^ EXPLICIT ÜAIEGRAITI. I.] LEVI- TICVS. INCIPIT UAIEBDAJ BEER. TD NVMERVS.

]\Iortariolas. i. morteras. mor-

sari.

Tridentes. i. uncinos. tres ha-

bens dentes. i. crouuil.

fuscinula. craffon.

43'" Uncinos. Craffilin.

Uatilla. i. chella. l *rechari

ignem.

Curiositate. forsgonti.

App&itur bizingit uuirdit.

Uexillü. guntuanon.

Excubias. i. uuarta.

Vatilla. i. pala ad focum. si-

milis uasis quibus aqu^ de-

nauibus proiciuntur. i. scherm-

scuula.

Acimum. i. unum. granum.

depotro. l drupilin.

funere. i. para.

43^ Nouacula. i. ferrü subtile, scari. *Coliandri & coriandri idem sunt chuUenter.

44' Perscelidas. id armille inpe- dibus aurei. hoc e sporon. ad- cauallü.

Murenulas. id catenas latas & spissas. diccho.

44"" Nemorosa. boumothi.

Area, chornhus. t *tenni. ut mos e inilla regione. quia non utantur horreis. Proceres, frambara.

45'^ Produxit. sluch.

inlamminas. inplech. Querimonias. stouunga. 1 mur- muratio.

* üastabat. incendium. id uuosta.

*Operculü upirlit.

p uiam publica, id heristraza.||

45^ Pertritam. gitrenanan. (lies: gitre tanam). Nausit uuillot. Percussi. gihacta. Promin&. trifi'& hoc e pertin&. *scopoli. felisono Sita e gelegin. Carpere. Zuigon. (g auf n) *Maceria. mura sine cemento. Rinocerotis. id einhurno. & e fortior leone & si uirgo ei oc- currit & reuelauit fe|| 46"' mi- nalia ei', statim corruit ad pedes ei'. ^Desitula. eimbri. Conplosis gislaganan. Intrieribus. incheolon.

V

lupanar. huor hus. Offendisti me. arpaletos mih.

* Replicauit]! 46^ i. infalta. hoc e exposuit.

Distulerit. gioberota.

*Expeditorum. garauciorum.

*ex quo. id ebono.

Periscelidas. peingueri. Alii

nedon.

Anulos. uingirin.

Dextralia. pouga. minores, l

gispan.

Murenulas. id menni gem-

mis factü.

* Alumni, acquemon. Stabula. criffa. exercuerat. gifrumita. Decli|| dann 1. Bl. ausgeschnit- ten.

4:T Inplanatioribus. slehteron. id incampestribus. Claui. nagala.

(roth). EXPLICIT ÜADEDEBER IDEST. NVMERVS.j INCIPIT DEV- TERONOMIVM.| IDEST SECVNDA LEX.

DIE AUGSBURGER GLOSSEN.

48' Procerior. frambara. Sequester, folgari. Protilentur id gilaucsamot.

48^ *Caluitium caluui.

49'' *Bubulii id cornua habens in- gentia. & similis e boue uui- son t

* Tregulafum. id similis capr^. id eleho.

49"" fenerabis inthlihis. Mutuü. inlehen. üiaticum. fartnest. Uentricolum. iuxta uentrem. id mago.

lustr&. durhcleitta. Incantator|| 50" glastrari. Arrogantia. ruomida. Demanubrio. fonahalba. Libellum repudii. id zuirslath- bouch.

Cartallo. corbilin. leuigabis, slihtas. l giebonos.

EXPLIC ADDABRARIM. IDE DEV- teron| INCIPIT IOSVE BENNVN. fenore. lehina.

50'' negare. firzihin.

*liminio. id repetitio. limen. drisguifili dr. quidam Co- dices habent. Exilio. id ihsili. flagit& deprecit. Sirenarum. meriminnino. } ge- lastrar o.

explicit prologvs. linistipula. bozon. Ripas. stad. aluei. runsti. Concisior. giscittit. Reposita. giporgenen. pallium coccineum. fellol. *Syrenarü cantus. id m&ricü maicas. sie fecit ulixes in in-

sule.

Regula, labeleia. id|| 51'' zein. Congesto. gifrumitemo. Pitacus huafFtaftin. 1 uuruisgi. Muttire grinan l glilon. subneruabis. Precide neruum.

equorum erhahsinos.

* Suasa gispanini. Suspirauit. arsuftoto. Ignauia. slaffui.

Lingua maris. id scahho. l

gero.

Conprobent. arsohant. } hir

forscont.

Progressionis aetatis. id fram-

gigangenes.|| 51' Altres.

Conubia. hiunga.

Sudes (aus Studes). stechen.

Optio pezzira.

Potissimum. meist.

* Budes, id precas.

(roth) EXPLICIT IESV| NA VE IDE IOSVE BENNVN. INCIPIT. SOPH- TIM QVEM NOS IVJDICVM NO- MIN AMVS.||

52' . . . Adinuentiones. id urdahti, Capnlum hanthabun. Inestiuo caenaculo. id insu- marlihero falan zon. Obfirmatis sera. id bispartan denserron. ut in basilica e. Per posticü id turlin.

52' Uomere. mitscaro.

Accitis. id giholontan.

53' Magnanimorü. id *rubenttano- rum. id mihil mottaro. *Clauum. nagal. Timpus. dunuuangi. l tempus ut quidä Codices habent. Stelle manentes. inordine. id ingabao. Conculca. trit.

(lies : seuisset)

Senuiss&.|| 53' *saata.

Deuastantes. id spoliantes. 1

uuostinti.

Jus. souf.

Nemora. harca.

Concam. labol. l narto. ut alii.

poblite. chinneorada.

fusi. gigozina.

Conplodere. id delidere. sla-

gon. l clafFon.

8

A. HOLDER

Bullas. id ringa. ^Inaures. oringa. latrocinium. scah.

i

Umblico. nabalo. itt de infimis|| 54'" locis.

Conpulit. firtreibt. Propugnacula. uueri. Problema. ratissa. Pronubis. framhiuungon. faces. facla. 1 scoub. Expectam. gisiuuo. Suram. uuadon. Mandibulam. chinni beini. quia manditur sorech. ubi uinü bonü nascitur ualde. Stuppa. id auuirchi. Jachambi. Putamine. Craffilin. & eo funes torquebitur. id giuuintanu uirdit. Litio. mituuilli. Molere. malan. Ediculam. husilin. diminu-

tium ab ede.

54^^ Conduxit. gimeitta. Obnixe. id agalizo. Ambutemur. id uuidirneoza- mas. Bacbati sunt uuatintiuuaron.

EXPLICIT SOPTHIM. INCIPIT RVTH.

öö' Obstinato animo. id inuuidar- gregilinimo momate. Cedo. id gilazzo. '^■Priuilegio suas scaro. id pro- pria lege.

explicivntI uerba. de. V.

LIBRIS. MOYSI. NVNC.| INCIPIT. DE MALACIIIM. QVEM NOSi RE- GVM INTERPETATI SVMVS.j DE PROLOGO. HIERO NIMO MAGI- STRr.| HOC EST. DE PROLOCV- TIONE. II

Öd'^ Censu. id shcerrunga.

56'" si gratus. obi indanche. Indefessa. ungimuataro. adcommodare. id pifelehen.

57^ *Commodaui. i. inthlec.

öS"" *Saturatiprius pro panibus se

i. sih fir sazton

locauerunt. id stat| gabon.

*famelici. hungrege sig. 59" fascinulam. id crouuil.

Lebetam magni caldiarii. id

chezzila,

Caccabü. id steinna. habens

pedes tres.

*Tonica. atonando dr. id|| 59"" rononti.

60^ *Demollire. firuuirchen.

62^ *Focarias fiurscuriim.

Cliuum id uallem. t uohaldi.

*Lenticolü olei. id modicum|| GS"" uas aeneum quadrangulü in-

latere aptv

64^ * statione id exer citum l uuarta .

65"" *uomerem scar.

Zwiscben 66"^ (Schluß ut an), und 67' (erstes Wort antea), ist ein Blatt ausgeschnitten.

67^ *Reditus. guuun.

*Eunuchis truitton.

*Ocreas incrurib.Intibusbein-

guuueri. 69^ *Inpsidio. id inloco munito

quem habuit ibi in saltum. id

inherda Innemore qu^ e in-

rama. 71'" *Sarculü houüa psumpti.

b od. h?

*scorranti. l baldanti. quam

par boum in die arare con-

sueuit. 72^" *amata. giringot. 72^ *Cauere. i. midin.

deiurare. id suuerien. l dene-

gare, tuuellen.

*Uue passae gidartui. 73' Abruptissimas. i. scarrantan.

Ibicibus. i. steingeizin.

*uItro. gerne. 74'' * Coniurastis. gizumftigitont.

Offerebant uianti id ocurre-

bant.

Insingultum gesgi zunga.

DIE AUGSBURGER GLOSSEN.

Pedis seq'. bein|| 74'' soggon. Eraserit. erscar.

EXPLICIT LIBER PRIMVS. INCI- riT LIBER SECVNDVS.

Tö" *Tenens fusum. spinnila.

75'' Spicas tritici. i. ut similarent se pacifice quasi de agro egre- dientes & colligentes spicas non arma porta!| ein Blatt ausgeschnitten.

76'" istud inualle salinarum. i. quia puteos salis habebat. Acö- mentariis 1 doctores i. quia causas cömendabat. 1. *can- zilari

77' delicatus. firzar|ter.

Inconclaui. i. incamera. habente pessulum. sloz. Pronuntio. potiscaf.

77"" *Conduxerunt gimeiton.

78'' * Ferrata carpenta giisinota uuagina

79" Coniuratio|| 79"" bi heiz zunga.

80' *inter duas palas. i. scufla.

*Pthisinas ueson.

frixum cicer. gibro hinu de-

uuizon|| 80"" aruuuz////. i. coc-

tum. 82'" *inpetrabis. irdiges.

85' *Cribrans. redm| ti.

.d.

90"" *Sicut teredo. nabeger.

92'" EXPLIC. LIB. IL INCIP. LIB.

fciüsll 92"" *Amicus regis trout.

93"' lato morum qui lapides ceder.

steinbozila.

*Tabulata. gibr&. 94"" ^Serrati. gisegota.

*Mare. i. luterem. 95'' * Plectras. lidro. Humeli ChrifFo

*Radii speibo. (lies: speiho)

*canti t'elgo.

*medioli naba. 95"" De auricalco orcalc.

Inargillosa tra. i. inleimogaro (o ausgestrichen) erd///.

96'' deuotatio. schelta.

Inpcatio. fluohunga (a aus- radiert).

h

Erugo scimbli. *Incorna.

Rubigo. rost.

lignis tynis. pinpom.

fulchra. i. penchi.

Uectigalia. zol.

Cedä uos scorpionib\ mita

filtrinan stabon.

fefellit eü. bitrouchinin.

*lecito. uas uitreü. insimilitu-

dine flasconis 1 panis factü

est.

*Iuniperü reo heiter.

*Aratro. i. geizza.

'''inumbraculis. loubon.

Habenas. zuhil.

EXPLICIT. LIBER. TER| TIUS. IN- CIPIT. LIB. QVART.

Oscitauit gesgizita.

VI. mit aureos. i. manc usa.

*Duorii burdonü. i. soumari.^

*stibio gimali. Latrinas. feldganc.

Cardus. i. distil.

(alte Numerierung 108) * Clau- sores mille. castaro. Trullas. id. kella.

EXPLIC. CLOSA. DE MALACHrM.| INCIPIT. DE PARALIPOMENON^

105^ *infastos. indignitates. arcea thina.

DE SALOMONE.

*Sumptuü. i. uictü. gizuic.

106"^ *Coneionatore. rectore 1 di- gnari. l mahilizzari. *Commdata giuazzot.

106^ *Redol&. stenchit. id ^ ma- nifestü iacit.

n

*Coacuaueri,t. i. ersurant. *deplo. trabis. quo pmunt\ apremendo uocatum.

EXPLICIT. DE PROLOGO.

*aculeo stacchil.

96"

97''

97^

99'- 100' 100" 101"

102"

103'

103" 105^

10

A. HOLDER

133^

134' 135'

135^

136^ 137'

138' 139'

139^

140'

140^

UV

EXPLICIT. CHLOSA. SVPER. EC- CLESIAS T.

DE lESU. FILII. SIRACH.

fascinatio. idburdhafti. zoubar.

lactantia geili.

lanugo floccon.

Protorace. prunna.

Habene. chanafa 1 corrigia

frenorü.

*Et adheremiam. uuit uualdi. *Simmatibus. g. clationib'. gi- uuerpf. quidä Codices habent sceptris.

Inspirante unguui fanit.

Inmuscipulis|| 137'' id inufallon. (lies : musfallon).

Malagma id (der Sti^ich durch das d von zweiter Hand) uf asgi.

Aceruatim. buofon.

* Tintinnabula & mala punica

depauef. id scutiscoton. id ti-

muef.

EXPLIC EXCERPTV FILII SIRACH CLOSA. INCIP DELIBRO SAPI- ENTIAE.

Euergetis regis receptacula.

antfanchlicb.

affabile. gisprahilen.

*Non acideferas. nizur lustos.

Insulos. Infurihen.

*Inagi.litate. inagi,zilitate. (lies : in agilizi).

Cacca'b. i. steinna. *Tenaci argimo. *Inplanaü giuns lihta. *Cömissio. misstat. *lasciuus. gectilosar.

*Stuppa. aacambi. *Lor. funis. Braciale armboucb. *oloratio. infrunite. Inmunis. uningolten. Si frustrauerit. i. triugit.

143^ 144^

14F Delaturam. meldunga. Zelotipa. bictiginu. Sipes. aporia. id abominatio. suuitiloth.

*Obripilatione. reca|litiü. *fide iussore. burigen. Asserü. id. latton///// (o aus- radiert).

142' Detra iectione. id funi uuidir uuerfenne.

Sophisticse. i. hinter skrenj clicho.

Ex|| 142^ ceptoria aquarü. ka- nali.

143' fax. faehila.

Precox. frumirifi.

EXPLICIT. CLOSA. DELIBRO. | lOB.

*Eschematis. menos. *arcturum. uuagan.

Murenula. i. niunougua.

DE TOBIA.

*Naason. i. mons bracie. che- uon.

145' Exsentera piscem. i. scurfi.

145^ DE lUDITH. DE PROLOGO.

*Expeditiones militü. id he- riuerti alibi stipendiü sigf.

146' *Experieris. i. piuindis. *Constantiam. baldi. *flores pulchras inmanu ge- hastari.

* ascopä. i. flascone similis utri decorus factam sie solent scot- tones habere.

(g auf u)

146"' *lampades. i. carici uiu effli.

DE HESTER. DE PROLOGO|| dann

3 Blätter ausgeschnitten. Vom mittleren ist noch er- halten : - Zeile 1 : D roth. Anfg. Zeile 2: R. Bl.\ Ende lecti a. i. ua lib.'

DIE AUGSBUEGER GLOSSEN.

11

149^ 150'

150^

0

iscit^

tu.

ib

P

it torum

MS' Teneritudine. zestida.

CHLOSA. DE ESDRA. ET NEE- MIA. INCIPIT

Abnuere. i. firzihen.

Quod dicturus sum Lamant

flizant.

arrog ent. ruoment. id lau||

148^ dat.

Mutuari. i. inhihen.

*Balbuti&. lalot.

Publicef^. i. enfronogiganna. *UectigaL gilstar. *Promoiiim'. i. huobon.

Adtenuat'. i. firarmit. Oppillate. pisperrit. (schwarz) explic. | (roth) incip

DELIBRO MACHABEORV

löl"" *mt amicos regis. i. ////// un- terdentruoton. Tegumta. i. sclit uuerida.

152'' *ordinib'. i. scaron.

152^ *fibulä. i. nuscon.

153^^ DE SECÜNDO. LIBRO.

153"^ *Delate. i. firmeldat. *Accitü giholot. *inexercit'. inhursgido.

154'' * Contrectabat. i. hantilota. liberalissimi. sih uiroston. Inlamtiis (tiis von 2. Hand in tis corrigiert). ungiglagotar. Hedera ebhoiiue. flagris geiseselon. flagitiosissimesuntigosto|| 154^ *Ludibrias. höh. Deproximo. i. primom. Fulmina blicchi. Uibrans. uueunenti.

155" Debilitarent^ i. bilemit uurton. EXPLIC. I CHLOSA AME. congre- gata deueteri testamto ntantü meis uirib'. illä studui. sed ceteris pueris pagere. (roth) Closa in librum esaiae prophetae.

löö"" *Alfatoriola. i. turibula dica deauro 1 deargento mulieres habent pro odore.

156" *Pilosi. i. incubi monstri.

löß"" *Uicitä. i. bisas agrestes in- serris.

*Lamia. deasiluse dr. habent pedes similes cauaUi. Caput & man' totüq' cor|| 157' pus sie mulieris. & uider illä multi & manser ea. *Apothecas. ellaria. * Cartino. i. ferrü duplex unde pictores faciunt Circulos. i. cabolrind.

157"" (roth) Closa dehieremiaproph 158" * lumbare. i. bragas modicas.

159" (roth) Incip closa inezechiele proph.

Paxillus. i. fusticellus qui in- stante pariete mittit^. i. negil- striuces. i. cgregationes.

160" *lappa chledtho.

(roth) Ite alia incip closa.

160^ (roth) De daniliele.

*Offa, i. morsus. i. palla.

16r *Cubitü. i. elina.

(roth) De iohel & ceteris mi-

norib' . proph&is.

*Torris. i. auriura. quse de-

igne rapitur.

*Trulla. ferrü latü unde pa-

rietes. linient. i. chella.

162" *hederä. ebihouui.

DE lONA.

*herba fullonü. i. borith. qui inde faciunt sapone.

DE OSE. CYNXPONION.

▲. BüLl

Kiuvariu.

^ rixtim. kirosti.

'luhir aeetinin -r«;init.

Anpctunt l'rrripitati'

ITK l>K I '

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(lies: i.

Oaccnilj. 1 *Ten;vci ai *lnplanaü i; *(V)niissio. *lasciuu8. gcci

^Stnppa. aacaiiii *Tj(H\ funia. Rracialc armbnuch. . *oloratio. iiiiVunito. f Innuniis. uningolttMi. Si tVustrnuerit. i triiurn

». i.

kfif. ^ A

IV

li GLOSSEN.

15

*cflaQ. kiranta. *lJul . ro8t

T' i. lauii

Arephensoribiis. sc« reu. Accusat.leidiscit. 1

C

:t'. kistillit 11

1 '

Cenbura. :ii. ki

Dep«Tit. tiriiuzzit. Kectitudiuf rihti. *Acumine. fame. *Otio8us. muozzi. Exadüso. dari- Tedio. ur

luxta ipso e. l>i imo Damnent 8( ' 'mc. zcli. ii mulationis. «litis. L' * lextu. ;

•cuiitur. aiii.iiL etUDt an a. mithaüiiit luu. "ti. scatto.

nme. iir -

iiqUO. luua uuu^

iu8. iinm a.

io. t

r. \

•n. Jih ez. (lie«:

QeDdar&. k

^'in.

•. ki'^mor-rit t:

rliusit stin

: ^t'>rit (, rv > i.

all

Deputent. bicellen. Adrninistrat dionot. Sud& suiz/.it. Supplumtü. follist. Mancipautur. bihoftit uuer- dent.

*Condempnent. scelten. Uendicaut. biualgen. Propitiatioue. pnnda.

elemosinä. lut iectam. untir

uuurtiina.

Sacrulü. socehil.

Pcriu,,/suiii. durichchilen.

Dissidt'ntes. missehollijta.

Gre^;i

tiin. bamunt.

Coüiit

. piiiiacho.

1

ue. sceitunpjo.

CoiMintos. saniint. uiiesiiito.

175'

Pro.

-. lopin.

1-

pat. I. !tillit

M

itus. iiiLTunto.

Abi

,..trr.

*

te. Arcfmut. Peri-

mit

uuiiöini::^u

Inliduuu anauirsto izzi,t. Cührrontia. ziiolialtenta. St - ulu. atu. I; diirihfcri*

I

t

.VM-rtionis. sn-'-^o,

Debriat. kitniiLiui.

lus dantis. kiuualt.

Glam. ruom.

Diriuentur. kisuht uuordent-

Infln-» Mb'' tlcozze.

* Aii.j...;adine. preiti.

Inuisus un^^isoum^r.

Maledicit'. biscoltin un'>'^it

Post ponit. nibiruochit.

Plantaria. Hanzara.

Itit. nipestiua;. iincif^o. (11^^*=

11! ,. >

T . irirri'^Tn rirmo

12

A. HOLDER

h radiert aus b

*Lappa depthon maiores. (roth) Closaelibri pastoralis*

167"^ Antiq' moris fuit csuetudo. quse tt usq. hodie inromana

a

eccl'a qsi inlege tenetur ab epis urbe rauenna psidentib'. sü- apricse sedis pontifice elegi. Intentione. vuillin. Rephendis. lastrost. Consideratione. bitrahtido. Allegationib'. redon. Distituat inzezze.

k

coEodtt giliube. Metire. bidenchin. Appetunt. keron. Preripitationis. gahi.

ITE. DE EODEM.

Intente ingrutigero. Affectant keron. Queritur. stouuot. Arbitrio. selbuueli. Prouehit giuurdirit. Detestat'^. leidicit. Oflfendant irb eigen. Sollerti cura giuuarero. Penetrant durihfaren. Conculcant finnan&. Pascebant*^ uueido|| 168''noton. Ordinis. uuihi. Temerari. frazari. Principari. herison. * Probrose itiuuiz lihes. Gubernacula. rihtunga.

Eneruit. uueicho. Retractationis. uuiderden- chido.

Diuerberat. zitribit. CoUigit'^ firnomin uuirdit. Insolente ungistuoma. Inquisitionis. frago. Districto ginotero. Arripe. hintir|stan» Precipitio. haldun.

Eximia. urmara. Exercitatione. uobido, Priuata. sumtrigu. Priuant. biteilint. Pastionis fuoro. Conuincit'^ ubirsegit uuirdit. Sortiri. inphabin. Inardescunt. irheizzant. Secretü. kisavasi. Secessü. suntrigi. Suppetunt. follictan.

16S^ Profuturus. bidirbin sculint. Obstinationis. einstritigi.

Prseuent'. furifangont. Liquide, offino. Abutriq. foneiovuedremo. Calculü. zanteren. Utrobiq. ieo uuederhalp. Metiendo. bidenchinte. Fau&. loboige. Conponat kistatoge. Expssionis irrechido. Deiinitur. kimarchot uuirdit. Supprimat firsiugoge. Oris. redo. Inbecillitate. uueohi.

(od, biuun)

Experimtü. buuintnussido.

a

EfFectus kitetti.

Damnabilit. scadahafto. Deprauat. kiuuirsero. ^ Lippus. plehinouger. 169" Gyppus. houirohter. Albugine. houuisal. Aduires. zimahten. Scabie, luchiden. * Inpetigine. cittirlus. Ponderosus. holohter. Conticiscent suuinten. fluxa csuetudo. unstatigu ki- uuoneheit.

auf Rasur

Remissas manus. slaffb. Idoneus. kimachar. Depliendit firstat.

*) Vgl. die Schlettstädter Glossen hsg, von W. Wackernagel in Z. f. d. A. V, S. 348—353.

DIE AUGSBURGER GLOSSEN.

13

Exsors. ateilo. Hebetes sleuua. Collirio. ougmale. Petulantia. ketilosi. pupulla. seha.

Repugnationis uuidir stantini. Aduires. ad uerenda. i. cigi- mahtin.

Ratio|| IGO"" nale iuditii. prust fanin.

Uittis nestilon. Examine. ursuoche. Exasperet. gigremme. Inportunitas. agaleizzi. Consensus. gihengida. Exigit^. kinotit uuirdit. Singularis. suntirikiz. Spectatores scouare. Respecto. bitrahtotero. Anteriora. fordiroren. Distincto. zuuiror. kiuaritemo. Torto. kizu Suirnetemo. Emic&. uzcome. l skine» Suggestiones. kiscuntido. Subigiraus untirtuomes. Abiecta. dihintirosten. Discret'. kiuntirsceitoter. Blandiunt^ lihlochon. Preconis. foribotin. Exigit. gigruzzit.

Cpage. kifuogida.||

170'" Tintinnabula. scellili.

Leuigat^. bismahit uuirdit.

Generat^. ^irrinnit.

Semini übius. uuorsao.

Inordinaü unredihafto.

Premisit. forekisprah.

Inportune. oportunse. aga-

leizze.

Destruit. kirrit.

Rimat". irfuor.

Koli fraudare. biscerigin.

r

Condiscensionis. irbamido.

Ualent. chreftigo. Condiscendendo.irbara mento. Ambigunt. forscont. Disserente. redinonte.

Efferunt. urburigent.

Suppetunt. ginuokin.

Lenocinante. slihtintero.

Componi. kiebinmezzot uuer-

din.

Recoluit. irkuit.||

ITO"" Ligam. celga.

Inuectio. rafsunga.

Laceremur biscoltinuuerden.

Rigida districtio. herterkidi-

uuing.

Mordeantur kiecit uuerden.

Teperamtü. faski.

Censeunt. ahton.

Inpulsus. kitribiner.

Exploratione. speho.

Contestando. bisuuerginte.

Conueniendo. manento.

Probauit. kichos.

Uoracitate. kitigi.

Dirimda. kisceidenne.

Non exigunt niguuinnint.

Concurrunt. helfent.

Consenior. ebinalto.

Precauetur. forebigomit uuer-

de.

Fide negau. triuua|| 147'' fir-

loginta.

Frigescunt. irchuolant.

Negligenti. sumigero.

Peradministratam. kiuuinnina.

Puluillus. phulu uuili.

Fauoris. lopis.

Resultare uuidirhellen.

Tenatia. araki.

Palliat. terchne.

EfFusio spildi.

Effusö. spildo.

Immin amit. grimmo. Inmature. uncitikirao. Differente. altasunto. Maturse. gidigino. Dissimulantur. intlihi| sot uu- erdent.

Quserit'^. clagot. Latere. ciogil. Sümopere alleromeist.

14

A. HOLDER

Arietes. phetinare. Circüspectis. giuvariu. Sartagine. padellam.||

171"' rostphanum. l rixura. kirosti. 1 maturitas. Ad excelsus. ciubir uestinin.

Exasperatus. irgremit. Manubrio. halibe. Non exp&it. nisuochit. Circüspectionis. guari. Circulos. ringa.

Uectes. grintila.

Operies. dechest.

. "^^'^ Fictis inmaginib'. trugibiliden

biliden.

Deliberando. cheosinte.

Adsatis factione. ziredo. l

zibichategna.

Tepestate. mitarbente.

Infestat. muoit.

fomta. faske.

Cdescenditur. irbarmiuuirdit. *Negotio. //// redo. (vor redo ist re ausradiert.)

172'" Conqueri. clagoD.

Obuiam' uuidirimartein'. Argumtü. list. Antiquatur aitat. Inuebendo. ressinto. Defascinatione. ougbinte. Uerecundantiü. scamalinero.

Cöpatiens. irbaramte. Refloniüstis. bichomint. Exlatere. undarlicbo. Incestus. unmuozhafti. Proteruä. frazari. Teneritudine. marauui. Preconiä. luimint. Inipsü. in em. 1. zisamene. Suspitione. uuane. Obstentare. ruomin. lactari. kiruomit vuerdan. Subicit. kidiomotit. Totü spm uuillin. Indignatio. zorn. Blasphemia scelta.

Surrectura. untirstansculinta. Aura lop. Agitat. uuegit. Excute. ursuoche.

172^ laculatione. anagi. uurfido. Exaggerans. huoffonte. Rediuiua. febris ithslahtigi. Recidiua. ithslaht. Stadio. loufte. Deuoti. uuilliga. Fautores. lobare. Aurigarü. uues kinaro. Strionü. loufono. Fauorib'. lopin. Effer. irburigint. Profectu. framdihsimin. Contabescunt. suuintin. Suffi-aget^. kiuoUistit. uuerde. Seminariü. anagenne. Neut cüq. nedazuuuht. Inpuri unreinna. Reticere. suuigen. Calleant. ficisant. Exerit. fin'echit. Exigunt. kiuuinnint. Aspse falsitis. giuuonerolugi. Ericius. igil. Spera. cliuua. J. sciba. Tergi uersatione. hintergrio-

Fictu.|| 173'' gitrugida.

intentat. minitat. rafsungo.

Suspecta. sorecsamiu.

Infastu. ingeili.

Sorte, teile.

Expenditur. kispentotuuirdit.

Tonsi. kebhinota.

Mallei. hamires.

Subiugale. fiho.

Liuor uulneris. kisuulst.

Inuestigat. spurit.

Nutrimento. zuhtQ. 1. merungo.

Si contuleris. poz zist.

Scorca. sinter.

Stagnü. ein. Inpila. stamphse.

Pilo, stamph. pluuile.

Mentitur. truginot.

DIE AUGSBURGER GLOSSEN,

15

*cflaü. kiranta.

*Rubigine. rost.

Tepens aqua, lauuiz. uuazzer.

Arephensoribus. 8cel|| 173'' ta-

ren.

Accusat. leidiscit. l. intuuerdit.

Cöpescit^. kistillit uuirdit.

Censura. sileutii. kiduuing.

Deperit. firfluzzit.

Rectitudine rihti.

*Acumine. fame.

*Otiosus. muozzi.

Exadüso. daringagine.

Tedio. ungivurti.

luxta ipso e. bi imo ist.

Damnent. scelten.

Inigne. zeli. inhezzi. zornes.

Aemulationis. ellinnodes.

Preditis. giotogoten.

Pretextu. mitgitarnti.

Insecuntur. ahtint.

Inpetunt. anagipichant.

Aüsa. mithabihemo.

Hasta. scafte.

Ininguine. inhegidrusi.

Exobliquo. fona undaralichi.

174'' Deiectius. unuverdira. Assertio. festinunga. Effrenatio. inlazzini. Fallitur. bitroginu virdit. Non circüferamur. ni umbi- uvrit. vuerden. Uariü. missalizzez. (lies: mis- salihhez).

Gram. cmendar&. kiliupti. Aculei. angin.

e en

Excitantur. kigruozzit uuirdit. Supstitione. ubirfengida. Deperit. firliusit. Pugnis. fiustin. Dissipatur. zirstorit uuirdit. Conderapnare scelten. Perpendant, ahtogen. *Comissa. missitate.

174^ Munifici. cinsare. 1. manaheita. Indigne. unuuerdsamo. Subrebat. zuo chrese.

Deputent. bicellen. Adrainistrat. dionot. Sud&. suizzit. Supplemtü. follist. Mancipantur. biheftit uuer- dent.

*Condempnent. scelten, Uendicant. biualgen. Propitiatione. ginada.

elemosinä. Int iectam. untir

ULiorfana.

Sacculü. secchil.

(n ausradiert)

Pertu///sum. durichchilen.

n

Dissidentes. missehelli,ta. Gregatim. samunt.

Cömittat////. gimacho. Discissione. sceitungo. Coeuntes. samint. uuesinte. 175'' Preconiis. lopin.

Discrepat. missihillit. Medullitus. ingrunto. Abnegata. firsegiter. *Motabilitate. AreJSunt. Peri- mit.

n

Inlidunt anauirsto izzi,t. Coherentia. zuohaftenta. Spiraculü. atü. Incidit. durihferit. Deteriorationis. uuirsirungo. Secuf. secoton. Assertionis. sagungo. Debriat. kitrenchit. lus dantis. kiuualt. Glam. ruom.

Diriuentur. kisuht uuerdent. Influat.jl 175^ fleozze. *Amplitudine. preiti. Inuisus ungiseun-er. Maledicit'^. biscoltin uuirdit. Post ponit. nibiruochit. Plantaria. flanzara. *Intempestiu8e. uncigo. (lies: uncitigo.)

Tricennale. trizzigia rigmo. Calamitatis. leidyuentigi.

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16

A. HOLDER

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SuccessiV. spuotin. Subsidia. foUist.

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* Rudis. n,iiuer. Inlonginquü. inlangsami.

176' Affluentib'. kinuhsamen. Obligati. bihafta. Inmansione. inselido. Suspecta. sorigsamiu. Extra, furdir. Copulse. kihileiches. Expeditiones. garauuaren. Cselibatus. raagitheit^. Inpedimto. irrideu. Molles. uuidillen. Improbe. unersamo. Resartiant. kicehon. Inlibatos. unbiuuollinüa. Subacta sunt, untirtan uurtln. (5ubiuguntur|| 176"^ untirtan- uuerdent. Inprobitate. unersami.

i

Recuperatione. ubirchobirda. Inpetuntur. anagibicchit uuer- dent.

Eunuchi. truta. Ultra habitü. ubirgarauui. ExcoUocta. fergrozziniu. Cerelei. blauarauuero. Pallenti. bleichentimo. Conglutina. kimiskit uuard. Deliguit. kibirnta. Addicit^. biduugin uuard. Optinuit. kiuuan. Frangant^. nigiselen. Lota. kisolotiu. Inuolutabro. mgisole.||

177'' Exigentib'. succhinten. Emendatior. gibuoztoro. Infundent naztin. Uabulauit. biuilta. Diiudicat. untirsceitot. Desuescant intuuonagen.

(1 auB r)

Amisso. clauo. stuornagale. Per. oblicü durech duuerehi. Ictü. stich.

Baratro. loch^. Sentina. scruntissa. Redoleant. stinchen. Inpcipiti. intolpatun. Palestrarü. ringono. Euertendi. ziuuentini. Opinari. Uuanin.||

177"" Attestatio. urchund^.

Uideamini. kilobot uuerdint.

Derogare. bisprechin.

Ductu. cuge.

Ex contrariis. föne uuidiruuar-

ten.

Exsistentem. uuesinta.

Obuiat. helfe.

Corda. seito.

Incapabile. unfirnüslich.

Uelat. hulta.

Assumit. nam.

Respectum. zuofirsiht.

uel flizit

Satagit. ilit.

Aterrit. firmulit uuirdit.

Rutilant. lohicent.

Innitentes. spirdirinte.

Pictor. malare.

Tabula, pret.

Inuigilo. arabeito.

Ambitus.|| 178" kirida.

Gula. kitigi.

Desideriü niot.

Ostensione. ruome.

Thori. Petti.

Laceratione. Intersceptam. un-

tir scifta.

Proruit. uzzenprast.

Auctoritatem. baldi.

Deliberatione churi.

Non expetat. niguuinna.

178^ INCIPIT GHOSA INLIBRVM Qül Dl|CITVK SAPIENTIAE*,*

ra

Inharandin&o. inro,he.

*Et spu|| 179'" ria uitulamina.

i. Umbrusca.

Lanugo, i. thistiles floccho.

Pi'otorace. i. peprunuiroche.

DIE AUGSBURGER GLOSSEN.

17

181'

isr

182'

Hauene. i. (die Glosse fehlt). Turbido vuiuuinta.

179^ Simmatibvs. i. giuuerafon. Coagulatvs. i. girunnener.

180^ * Uespas. i. hornuza (auf Ra- sur).

*Etuertitibus scruntisson. *Et inmuscipulum inuallum.

h

*Neq' malagma. i. facse. Excandescit. i. argluoit.

H

EXPLICIT CLOSA LIBRI SAPI-

ENTI^

INCIPIT CHLOSA INLIBKVM

QVI DICITVR lESV FILII SI

RAHC.

HAEC IN PR0L0GV3I EXCERPTA.

182'' *Et dedecus. i. unsubrida. 183' Marcidus. uuesaner.

n

Caucubus. stein a. Onager. i. uuildseresil. Palum. i. phal. Sollertia. i. giuuerida. Procax. i. frauder. Lasciuus. i. ungido uuiger.

Et fi'ustrauerit. i. pitriugit. *Caupo. i. tabernator. tauer-

nare.

t

Aporia. suuintiloh.

*Tabitudo. atabescendo. lisa-

lite.

*asserum. i. lattono.

* Splendidum. i. lagum. *acinos. i. ratinos *]orum. i. iuahelmo.

185' * Sophistice. i. farigo.

Propter delaturä. i. durch-

uzlettida.

*Transigit. i. arleuit.

*Et inuersutus. i. ut iteiriglouu. ISO"" Exceptoria. i. piuengida.

*Uirides sationes. i. cruanno-

sate.

Enigmata. i. ratissun.

* Procax. uuafrumerifazperi.

186^

TVR

EXPLICIT CHLOSA INLIBRV lESV ''' FILII SIRACH. QUI DICI- ECCLESIASTICVS.

183'

184

184

186^ Coacuerint. irsure,n.

GLOSA INLIBRV QVI DICITUR PROVERBIORVM.

188'" Umbilico. i. nabolo.

Tenellus. i. amabilis. sezeizer. Damula. i. stengeiz. aucupis. i. fogalares. Conseris. i. giglenchis. Apostata. i. freido. seu alie- na^tus. (n ausradiert.)

a auf o

procaci. i.|| 188^ fraualemo. Stertit. vacat. seu scherot. siue ruzit.

Concinnat. i. gimachot. Innoualibus patrü. inuiuriutin. Ebullit. uzarpulcit. Ascella. uchasa. Uades. uueiti. 189' *Clavo. nagale.

Dispendia. ungifuri. Penu|| 189"^ riam. i. zadal. Quidehcate. i. zartlicho. Inliciar. i. gispanan uuirdo. * Sanguis sug^. Egalun diaboli»

o aus u

*Cholum. chonagla.

EXPLICIT CHLOSA LIBRI QVI

DICIT*-*! PROVERBIORVM SALO-

MONIS.

HAEC PAVCIS EXCERPTA INLI-

BRVm| QVI DICITVR HEBRAICE

COELEHT. GRECE ECCLESIA-

STES. LATINE C0N|CI0NAT0R.

233' *hebetatü erit. ars lebetaz uui- sii

245' EXPLICIT LIBER ECCLESIASTEn||

HOC EST CLOSA EIVSDEM.|| 246' DO CRATIAS AM.

Dann: Septem sunt lumina- ria u. s. w. 248' .... Diabulos hebraice dr de- orsü fluens. quia & qui&tvs inc^li culmine stare ctempsit.

GERMANIA. Neue Reihe IX. (XXI.) Jahgr.

18 R. KÖHLER, ZUR MAGUS-SAGA.

Gerne benutze ich diese Gelegenheit, den ehrwürdigen Vätern Neu-Sanctblasiens im Lavandthal, insonderheit dem Herrn Decan P. Roman Sparl und dem Herrn Hofmeister und Archivar P. Eberhard Katz für ihre liebevolle Aufnahme und werkthätige Unterstützung bei meinen Nachforschungen in ihrer reichen Bibliothek meinen tief- gefühlten Dank auszusprechen.

ZUR MAGUS-SAGA.

Als Ergänzung der Abhandlungen von F. A. Wulff, Notices sur les Sagas de Mägus et de Geirard et leurs rapports aux Epopees fran- caises (Lund 1874), und von H. Suchier, Die Quellen der Mägussaga (Germ. XX^ 273 291), mache ich hier die folgenden Mittheilungen.

I.

Im 4. Capitel der Mägus-Saga (Wulff S. 15, Suchier S. 275) bringt Ermenga, die Tochter des Königs Hügons von Äliklagard, ihrem Bräuti- gam, dem König Hlödver, einen gebratenen Hahn und bittet ihn, den Hahn zwischen ihr und ihm, ihrem Vater und ihren zwei Brüdern zu theilen. König Hlödver gibt ihrem Vater, der das Haupt aller sei, Kopf und Hals, ihren Brüdern, die im Begriffe seien, ^ngge zu werden, die Flügel, ihr, welche die Stütze ihres Vaters und ihrer Brüder sein solle, die Füße, endlich sich selbst, der ihr aller Brust und Panzer sei, das Bruststück.

Hiermit vergleiche man die von mir in Benfey's Orient und Occident I, 444 448, und in meiner Anmerkung zu Laura Gonzen- bach's Sicilianischen Märchen Nr. 1 aus älteren, darunter mittelalter- lichen, morgen- und abendländischen Litteraturwerken und aus neueren Volksmärchensammlungen zusammengestellten Erzählungen und Märchen und ferner ein neugriechisches Märchen in den NeoüSKrvr/.ct Ava'Ke/.za^ Tf)(.ioc, ^' , QivpdÖLOv A' (Athen 1870), S. 25, Nr. 5, ein neapolitanisches, welches Vittorio Imbriani in dem Vorworte zu „'A 'Ndriana Fata, Cunto pomiglianese", Pomigliano d'Arco 1875, S. 4 mitgetheilt hat, und eins aus Barga in der Provinz Lucca in den Novelline popolari italiane, pubblicate ed illustrate da Domenico Comparetti, Vol. I, Torino 1875, Nr. XLIII.

In allen diesen Erzählungen und Märchen kömmt eine ähnliche Zerlegung und Vertheilung eines gebratenen Hahnes oder andern Ge- flügels vor, und zwar wird in allen dem Hausvater als dem Haupte

ZUR MAGUS-SAGA. 19

des Hauses der Kopf zugetheilt, und in den meisten werden die Flügel der Tochter oder den Töchtern, da sie durch Verheiratung aus dem Hause fliegen werden, und die Beine oder Schenkel oder Füße den Söhnen als den Stützen des Hauses zugetheilt. Daß in unserer Saga dagegen die Tochter die Füße und die Söhne die Flügel erhalten, ist offenbar eine Entstellung.

^ n.

Magus-Saga Cap. 5—12 (Wulff S. 16—17, Suchier S. 275—276): König Hlödver zieht ins Feld und stellt seiner Gemahhn, mit der er noch keinen ehelichen Umgang gepflogen, weil er ihr wegen der ihm durch die verlangte Zertheilung des Hahns nach seiner Meinung an- gethanen Kränkung noch zürnt, drei Aufgaben, welche sie bis zu seiner Rückkehr, d. h. binnen drei Jahren, bei Todesstrafe lösen soll. Sie soll nämlich 1. eine ebenso prächtige Halle bauen, wie die ihres Vaters ist, 2. ein Roß, ein Schwert und einen Habicht schaffen, welche ebenso werthvoll sind, wie Hlödvers Roß, Schwert und Habicht, 3. einen Sohn ihm zeigen, dessen rechter Vater er und rechte Mutter sie ist. Nach- dem Ermenga die Halle erbaut hat, zieht sie in Männerkleidung als Jarl Iring ihrem Gemahl nach Treviris nach und tritt dort bald als Jarl Iring, bald als dessen Kriegsgefangene, eine frigische Prinzessin, auf und weiß es zu veranstalten, daß sie als Jarl für Abtretung der gefangenen Prinzessin von Hlödver, der sich in sie verliebt hat, dessen Roß, Schwert und Habicht erhält, und daß sie dann als Prinzess drei Nächte in Hlödvers Umarmung verbringt und sich dabei seinen Ring aneignet. Hierauf verläßt sie heimlich Treviris und eilt nach Saxland zurück, und als endlich Hlödver heimkehrt, findet er die drei Aufgaben gelöst.

Mit dieser Erzählung vergleiche man den wahrscheinlich im 14. Jahrhundert verfaßten Prosaroman 'Le Livre du tres chevalereux Comte d'Artois et de sa femme, fille au Comte de Boulogne' *) und die Novelle von Gilette von Narbonne (Giletta di Nerbona) und Bertram von Roussillon (Beltramo di Rossiglione) in Boccaccio's Pecamerone (III, 9), welche bekanntlich die Grundlage von Shakespeare's Ende gut^ Alles gut ist**).

*) Publie d'apres les manuscrits et pour la preraiere fois [par J. Barrois], Paris, Techener 1837. (nur in geringer Anzahl gedruckt und deshalb ziemlich selten). **) An Shakespeare's Drama hat Wulff S. 16 erinnert, desgleichen Suchier S. 283. Letzterer hat in einer Anmerkung noch ganz kurz auf einige Werke verwiesen, „wo ähn- liche Stoffe nachgewiesen sind". In mehreren dieser Werke, zuerst in Grässe's Sagen- kreisen, ist auf den Roman vom Grafen von Artois hingewiesen worden, aber ohne

2*

20 R- KÖHLER

In dem französischen Roman verläßt der Graf Philipp von Artois aus Verdruß, daß ihm seine Gemahlin keine Kinder schenkt, sein Land und seine Gemahlin, um auf Ritterabenteuer auszuziehen, nachdem er beim Scheiden seiner Gemahlin erklärt hat: 'Je me partiray de cestuy paus, et n'y retourneray ne avec vous ne seray, jusques ad ce qua trois choses qui sont comme impossibles soient advenues: la premierc est teile que vous soyes grosse d'enfant de moy^ et si n'en saiche riens ; la seconde, que je vous aye donne mon coursier que moult ayme, et si nen saiche riens; la tierce et derreniere, que je vous aie donne mon dyamant aussi, et que je n'en saiche riens'. Die Gräfin zieht ihm nach einiger Zeit, von einem treuen Knappen begleitet, in Männertracht nach und findet ihn, der inzwischen verschiedene ausführlich erzählte rühm- liche Ritterthaten ausgeführt hat, in Valladolid am Hofe des Königs von Castilien. Sie wird unter dem Namen Philippot sein Kammer- diener und gewinnt sein Vertrauen in dem Grade, daß er ihr seine heimliche leidenschaftliche Liebe zur Tochter des Königs gesteht. Mit Hilfe der Gouvernante der Königstochter, der sie sich entdeckt, weiß die Gräfin es nun zu veranstalten, daß der Graf viele Nächte bei der Königstochter zuzubringen wähnt, während sie es in der That ist, die er umarmt. Als Philippot erbittet sie sich dann vom Grafen zur Be- lohnung ihrer Dienste den oben erwähnten Diamanten und erhält ihn auch. Inzwischen ist sie schwanger geworden, und bald bemerkt auch der Graf die Blässe und Appetitlosigkeit seines treuen Kammerdieners und befragt ihn deshalb. Philippot erklärt, das Unwohlsein sei wohl eine göttliche Strafe dafür, daß er eine gelobte Wallfahrt nicht aus- geführt habe, da er in des Grafen Dienst geti-eten. Er würde, fügt er hinzu, sie gern mit seiner Erlaubniss jetzt ausführen, wenn er ein Pferd hätte, welches ihn leicht (legierement) dahin bringe. Sofort bietet ihn der Graf sein eignes Roß dazu an, welches Anerbieten natürlich nicht abgelehnt wird. So hat die Gräfin ihre Ziele erreicht: sie ist von ihrem Gemahl guter Hoffnung und im Besitz seines Dia- manten und seines Rosses Blanchard, alles ohne daß ihr Gemahl etwas davon weiß. Sie kehrt nun nach Arras zurück, versammelt die Vor- nehmsten des Landes um sich und entdeckt ihnen das Geschehene.

seinen Inhalt näher anzugeben. Suchier hätte gewiß, wäre ihm mehr als der bloße Titel des Romans bekannt gewesen, auf seine große Übereinstimmung mit der Saga auf- merksam gemacht. Nebenbei bemerke ich, daß in Suchier's Anmerkung 'Dunlop-Lie- brecht ... 4.39' statt '539' verdruckt ist, und daß von Simrock's Quellen des Shakspeare die vermehrte und verbesserte zweite Auflage (Bonn 1870) zu citieren war, nämlich Bd. 1, S. 367 ff.

ZlIK MAGUS SA(}A. 21

Eine Gesandtschatt, den Bischof von Arriis an der Spitze, begibt sich nach VaUadolid, meldet dem Grafen die Erfüllung der drei Bedingungen und bittet ihn nun heimzukehren. Der Graf tliut dies auch, und nachdem er einige Zeit zu Hause ist, könnnt die Gräfin mit einem Knaben nieder, und zwar „pour oster toutcs suspicions, ainsi que Dieu le voult, eile en delivra droit au bout de neuf moys que son seigneur avoit geu avec eile premiereraent".

In Boccaccio's Novelle verläßt bekanntlich Graf Bertram die ihm aufgedrungene Gemahlin gleich nach der Vermählung und begibt sich nach Florenz. Zweien von ihr an ihn geschickten Abgesandten erklärt er, er werde nicht eher zurückkehren und mit ihr leben, als bis sie seinen Ring am Finger und ein Kind von ihm auf dem Arme trage. Die Gräfin zieht darauf als Pilgerin gekleidet ihrem Gemahl nach. In Florenz erfährt sie bald, daß er in die Tochter einer armen, aber edeln Dame sterblich verliebt ist. Sie geht zu der alten Dame, entdeckt sich ihr und gewinnt sie für ihren Plan. Nachdem der Graf zum Beweise seiner Liebe seinen Ring dem Fräulein hat schicken müssen, werden ihm heimliche nächtliche Zusammenkünfte gestattet, an die Stelle des Fräuleins wird aber immer die Gräfin untergeschoben. Die Zusammen- künfte werden so lange wiederholt, bis sich die Gräfin schwanger fühlt. Darauf verlassen Mutter und Tochter Florenz und ziehen zu Ver- wandten auf das Land. Der Graf, der inzwischen erfahren hat, daß seine Gemahlin Roussillon verlassen habe, kehrt dahin zurück. Die Gräfin bleibt so lange in Florenz, bis sie mit zwei Knaben niederge- kommen ist, worauf sie sich nach Roussillon begibt und dort, als der Graf gerade ein großes Fest veranstaltet hat, plötzlich in ihrer Pilger- tracht mit seinem Ring am Finger und den beiden Knäbchen auf dem Arm vor ihm und seinen Gästen erscheint.

Der französische Roman steht der Saga dadurch etwas näher als die italienische Novelle, daß in der Saga und im Roman die Gattin dem Gatten in Männertracht nachreist und eine Zeit lang als Mann (Jarl Iring, Philippot) unerkannt mit ihm verkehrt, während sie in der Novelle ihm als Pilgerin nachreist und nur anstatt der Geliebten mit ihm zusammenkömmt. Hinwiederum haben die Novelle und der Roman gegenüber der Saga das gemeinsam, daß in ihnen der Mann nur dann heimkehren will, wenn die Gattin die von ihm gestellten Bedingungen erfüllt hat, während in der Saga von der Erfüllung der Bedingungen nicht seine Heimkehr denn er denkt jedenfalls heimzukehren , sondern Leben und Tod seiner Gattin abhängen soll.

22 R- KÖHLER

III.

Mägus-Saga Cap. 76 und 77 (Wulff S. 43, Suchier S. 282) : Vil- hjälm ist in Griechenland am Hofe des Kaisers Kirialex. Dieser gibt alle Jahre zu Pfingsten ein großes Fest, wo drei Dinge verboten sind. Niemand darf nämlich, wenn das erste Gericht ein Lachs ist, diesen umwenden, das Messer so laut auf den Tisch legen, daß man es hört, und so laut reden, daß man ihn auf der andern Seite des Saales hört. Wer gegen diese Gebote handelt, ist nach sieben Nächten des Todes, darf aber vorher drei Bitten aussprechen, die ihm erfüllt werden sollen. Vilhjälm übertritt mit Ostentation die drei Gebote und spricht dann die drei Bitten aus, die letzten 7 Tage seines Lebens Kaiser zu sein^ die schöne Tochter des Kaisers sogleich zu heiraten und die Zeit über oberster Richter zu sein. Die Bitten werden ihm gewährt. Am letzten Tage läßt er alle, die an jenem Feste theilgenommen, sich ver- sammeln und stellt neben jeden einen oder mehrere seiner treuen Krieger. Darauf fragt er alle Anwesenden, einen nach dem andern, auch die Frauen, bei seiner Gemahlin beginnend: 'Sahst du mich den Lachs umwenden oder hörtest du mich das Messer hinwerfen oder laut reden?' Seine Gemahlin zuerst und dann alle übrigen, selbst der Kaiser, erklären nichts gesehen und gehört zu haben. ^ Warum soll ich also sterben? ruft Vilhjälm aus und fällt als oberster Richter das Urtheil, daß er Kaiser bleiben und fort regieren und der alte Kaiser bei ihm in hohen Ehren stehen soll. Der Kaiser willigt in Alles und Vilhjälm wird gekrönt.

Mit dieser Erzählung vergleichen sich zunächst zwei andere^ näm- hch eine in des Engländers Alexander Neckam's (f 1227) Werke De naturis rerum, im 40. Capitel des 2. Buches*), und eine in einigen Hand- schriften der Gesta Romanorum. Alexander Neckam schreibt also:

De pectine. Pecten a dispositione ossium dispositorum in modum dentium instrumenti illius, quo crines discriminantur, quod et pecten dicitur, nomen accepit. Pars piscis istius superior nigredine vestitur, pars aquis vicinior candore mitescit. Sic et fortuna geminam habet faciem, nubilam et serenam. Dum vultum praetendit obscurum, latet facies serena, quia fortuna, quae adversa censetur, tuta tranquillitate felix est,

*) Alexandri Neckam De Naturis Rerum Libri duo, With the Poem of the same Author De Laudibus Divinae Sapientiae edited by Th. Wright, Londou 1863. (Gehört zu der Sammlung Renim Britannicamm medii aevi Scriptores or Chronicles and Memo- rials of Great Britain and Ireland during the middle ages.)

ZUR MAGUS-SAGA. 23

interius inspecta. Fortuna vero, quae prospera censeri solet , raultis molestiarum insidiis respersa est.

Utitur autem consuetudo quorundam observantia liac, ut piscis dictus in disco repositus in mensa non vertatur, ne nigra parte ostensa, fieri videatur pisci injuria. Consuetudo autem ista longaevi teraporis auctoritate se munit, prout in relatione subjicienda continebitur.

Erat igitur civis, cui fortuuae clementioris diu arrisit prosperitas, tribus filiis felicissimus reputatus. Duo ejus filii, lucro et quaestui temporah'um diligentem operam adhibentes, patris auxerunt divitias. Tertius artium ingenuarum studio nobili feliciter eruditus diminuere parentum suorum facultatem potius visus est quam augere. Indignantes duo filii emancipari voluerunt, suis familiis provisuri. Sub umbra alarum parentum latuit scholaris, de rebus ipsorum sustentatus, qui ad inopiam arctissimam vergentes, latebras in partibus reraotioribus quaerere compulsi sunt. Duo namque filii opem pareutibus prorsus negavere, sed tertius filius eis ministravit. Tandem festivis epulis cujusdam im- peratoris nobilissimi interfuit scholaris cum utroque parente. Appositus est pecten, piscis scilicet praenominatus, seni patri scholaris, edicti com- munis ignaro. Exierat enim edictum ab imperatore, ut si quis pec- tinem in mensa reversarel, capitalem subiret sententiam. Insufficientiae enim argui videretur mensa imperatoris, si alba portio piscis dicti dis- cumbentibus non sufficeret. Edicti tamen rigor temperatus fuit cujusdam legis adjunctione, qua institutum est, ut damnandus tribus diebus im- peratoria majestate gloriaretur, et tria praecepta ad nutum ipsius execu- tioni sine aliquo obstaculo mandarentur. Damnati igitur patris senten- tiam in se subiit sponte filius, tribus diebus imperatoris fungens di- gnitate. Primo itaque die jussit dimidiam partem thesauri imperatoris dari pauperibus, ut pro ipso Dominum exorarent. Secundo die prae- cepit sibi filiam imperatoris adduci, ut ipsa pro voto uteretur. Tota nocte fovit puellam inter amplexus suos, sed honorem virginitatis deflorare noluit. Quod cum pater relatione virginis didicisset, acceptum habuit, absolutionem juvenis affectuose desiderans. Die t^rtio iraperavit illum suspendi, qui patrem suum piscem vertisse conspexerat. Inficiantibus singuhs, deliberativum genus causa«^ tractant magnates, et deficiente accusatore absolvendum esse tarn senem quam juvenem pronuntiatum est. Exultat animus imperatoris, et filiam libens et laetus nubere jussit juveni. Fit ovantis concursus populi, et mendici, quibus munifice thesaurus distributus fuerat, se exauditos esse a Domino laetantuV. Hinc consuetudo inolevit, ut piscis dictus dignitatem singularem obtineat.

24 R. KÖHLER

Die Erztählung in einigen Handschriften der Gesta Romanorum, wie sie H. Österley in seiner Ausgabe Nr. 194 gibt*), lautet:

Galliens in civitate romana regnavit prudens valde et super omnia jnstus, qui statuit pro lege, quicumque pectinem piscis [?] in scutella sua verteret morte moreretur sine aliqua misericordia, sed ante mortem peteret tria a rege et optineret, ita tarnen quod nulla illarum peticionum esset pro vita habenda. Racio erat hec quare legem constituit, quia erat tam largus quod nuUo modo volebat, quod in aula sua ossa cujus- cunque viderentur, sed quam cito homo partem albedinis de pectine comederet, nullo modo partem nigredinis verteret, sed ad coquinam mitteret et quia ei laute ministraretur appareret. Accidit quod quidam comes ad curiam imperatoris venerat ducensque secum filium suum. Ambo in mensam erant positi et de pectinibus ministrati. Comes cum esset famelicus, postquam partem albedinis comederat, vertit pectijiem ad partem nigredinis et comedit. Hoc videntes multi coram regem exeuntes eum apud regem accusabant quod mortem meruit quia contra legem editam deliquerit. Statim super tali transgressione correptus, ille vero quid diceret penitus ignorabat, filius vero ejus audiens quod pater nesciret se juvare, flexis genibus coram imperatore dixit: Domine mi reverende, numquid tibi placet quod pro patre moriar? et hoc peto instanter. Ait imperator: Michi bene placet, ita tamen quod unus ex vobis moriatur. At ille: Domine, multum tibi regracior quod michi concessisti quod debeam mori pro patre meo. Jam peto ante mortem meam tres peticiones secundum legem. Ait rex: Non possum tibi negare. Q.ui ait: Tantum unicam filiam habes, peto ut una nocte mecum dormiat. Ille vero concessit quamvis invitus. Tamen eam non deflorabat. In hoc ipse multum placuit imperatori. Deinde secunda mea peticio est: peto totum tuum thesaunim. Rex vero stupefactus tamen quod petivit optinuit. Accepit thesaurum totum et inter divites et pauperes dividebat ita quod voluntatem tocius populi optinuit. Tunc ait: Domine mi rex, tercia peticio mea est ista: peto ut omnes

*) Ich weiß nicht nach welcher Handschrift. Sie findet sich, wenn ich in Osterley's Handschriftenverzeichniss nichts übersehen habe, vom Kaiser Galliens oder Gallus erzählt, in vier lateinischen Handschriften XXXIV, 82 ; XXXVIII, 66 [Gallus] ; LIII, 200; LVII und in zwei deutschen CXIV, 115; CXXV, 44 und im deut- schen Augsburger Druck vom Jahre 1489, und von Alexander Magnus oder einem rö- mischen «Kaiser oder König Alexander erzählt, ebenfalls in vier lateinischen XL VI, 47; LXXI, 21; LXXXVI, 46; LXXXIX, 35 und wohl auch in zwei englischen Hand- schriften — CXXXVI, 38 und CXXXVII, 11. Vgl. auch Gesta Komanorum. New Edition, with an Introduction, by Th. Wright, London (1871), I, p. LXXXV.

ZUK MAOUS-SAGA. 25

oculi omnium horiim de capitibus eruantur, qui viderunt patrem meum pectinem in scutclla verteiltem. Hoc audiens imperator feeit inquiri quis vel qui viderint comitem vertere pectinem in scutclla. Facta est inquisicio. Cogitavit unusquisque: Si ego dixero amitto oculos meos, et sie seeuudus, tercius et quartus. Unde oranes timuerunt vcritatem dicere, ita quod non fatebatur unus se dixisse et vidisse illum vertere pectinem in scutclla. Imperator hoc audiens dedit pro judicio ut comes sine lesione transiret et filius ejus filiam ipsius unicam in uxorem du- ceret, et sie est factum. Decedens imperator, filius comitis factus est rex illius regni, qui satis prudenter regnum regnabat*).

Außer diesen beiden Erzählungen bei Alexander Neckara und in den Gesta Romanorum gehören aber auch noch zwei etwas ferner ab- stehende hierher, die eine in dem Werk des Mönchs von Sanct Gallen über Karl den Großen, welches zwischen 884 und 887 verfaßt ist, die andere in Jans des Enenkels Weltchronik, welche der Mitte des 13. Jahr- hunderts angehört*'^).

Der Mönch von Sanct Gallen (II, 6, in Ph. Jaffe's Bibliotheca rerum Germanicarum T. IV, S. 670) erzählt von Karls Gesandten an den König von Constantinopel unter anderm auch folgendes:

Tunc rex [Constantinopoleos] vocavit eum [sc. legatum] ad con- vivium suum et inter medios proceres collocavit. A quibus talis lex

*) In den drei unter sich sachlich übereinstimmenden, aber sprachlich ver- schiedenen alten deutschen Übertragungen der Geschichte bei Bodmer, Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger S. 250, aus Handschrift CXIV, bei Grässe, Gesta Romanorum II, 168, aus Handschrift CXXV, und bei Maßmann, Kaiserchronik III, 744, aus dem Augsburger Druck von 1489, bittet der Grafensohn als erste Bitte , daß ihm der Kaiser seine Tochter als Weib gebe, und zwar heißt es dabei noch in der einen Hand- schrift, daß ein Priester dabei sei, in der andern, daß er sie ihm mit einem Pfaffen sende, im Drucke, daß ein Priester ihn segne. Als dann keiner gesehen haben wilb daß der Graf den Fisch umgewendet habe , ist es die Kaiserstochter, die ausspricht, daß der Sohn billig freizulassen sei.

**) Österley hat in seinen 'Nachweisungen' zu Gesta Romanorum, Cap. 194, so- wohl auf Alexander Neckam als auf Enenkel verwiesen, nicht aber auf den Monachus Sangallensis. Wenn er zugleich 'Holkot, Moralit. Conti. 44' citiert, so ist damit die von ihm S. 246 251 seiner Gesta Romanorum näher beschriebene Coblenzer Hand- schrift der Moralitates des Robert Holkot gemeint, wo sich nach S. 250, Z. 1 auch die Erzählung des Alexander Neckam findet ('narrat Alexander de naturis rerum'). Auch in einer andern Coblenzer Handschrift, nach Österley S. 111, Nr. XXXII, einem Bruchstück einer besondern Redaction der Gesta Romanorum, findet sich, wie Österley S. 112, Z. 1, angibt die Geschichte aus A. Neckam ('Narrat Alexander de naturis rerum quod in domo cujusdam imperator is').

26 R. KÖHLER

constitiita erat : ut nullus in mensa regis, indigena sive advena, aliquod animal vel corpus animalis in partem aliam converteret; sed ita tantum, ut positum erat, de superiori parte manducaret. Allatus est autem piscis fluvialis et pigmentis infusus, in disco positus. Cumque hospes idem, consuetudinis illius ignarus^ piscem illum in partem alteram gi- raret, exurgentes omnes dixerunt ad regem: Domine, ita estis inho- norati, sicut nunquam anteriores vestri. At ille ingemiscens dixit ad legatum illum : Obstare non possum istis, quin morti continuo tradaris. Aliud pete^ quodcunque volueris, et complebo, Tunc, parumper deli- berans, cunctis audientibus in haec verba prorupit: Obsecro, domne imperator, ut secundum promissionem vestram concedatis mihi unam peticionem parvulam. Et rex ait: Postula, quodcunque volueris, et impetrabis; praeter quod contra legem Grecorum vitam tibi concedere non possum. Tum ille: Hoc, inquit, unum moriturus flagito: ut, qui- cunque me piscem illum girare conspexit, oculorum lumine privetur. Obstupefactus rex ad talem conditionem, iuravit per Christum, quod ipse hoc non videret, sed tantum narrantibus crederet. Deinde regina ita se coepit excusare: Per laetificam theotocon, sanctam Mariam, ego illud non adverti. Post reliqui proceres, alius ante alium tali se peri- culo exuere cupientes, hie per clavigerum coeli, ille per doctorem gentium, reliqui per virtutes angelicas sanctorumque omnium turbas ab hac se noxa terribilibus sacramentis absolvere conabantur. Tum sa- piens ille Francigena, vanissima Hellade in suis sedibus exsuperata, Victor et sanus in patriam suam reversus est.

Nach Enenkels Erzählung endlich bei Maßmann, Kaiserchronik HI, 743 hat der König Domicianus zu Rom den Tod eines sehr klugen Knaben, des Sohnes eines seiner Räthe, beschlossen. Er ladet deshalb die Räthe und den Knaben zu einem Gastmahl für den fol- genden Tag mit dem Befehl, daß keiner der Gäste den ihm vorge- setzten Fisch auf der Schüssel bei Todesstrafe umkehre. Am Tage des Gastmahls hält er erst mit den Geladenen eine Rathssitzung, die bis zum Abend währte:

daz tet er allez umbez kint,

daz ez der hunger machte blint. Als sie nun bei Tische sitzen, kehrt der Knabe den Fisch um, und ein 'meldsere' sagt es sogleich dem König. Der Knabe bittet dem König, ihm vor seinem Tod noch eine Gabe zu geben. Der König verspricht ihm seine Bitte zu erfüllen und fügt hinzu:

üf die triuwe min

du solt des gewis sin,

E. KÖLHING, ZU a:GlSDREKKÄ. 27

daz ich dins todes niht enger, unz ich dich diner bite gewer. Darauf bittet ihn der Knabe um die Augen dessen, der ihm gesagt habe, daß er den Fisch umgekehrt. Sofort flieht der Angeber in ein ander Land, und der König muli den Knaben am Leben lassen. Der Knabe ward später nach dem Tode des Domician von den Römern zum König gewählt. Er hieß Antiochus.

WEIMAR. REINHOLD KÖHLER.

ZU (EGISDREKKA.

(Egisdr. V. 19 schreibt Grundtvig (Edda, IL Aufl.): Loka ))at veit, at hann leikinn er, ok hann fjörg öll frjä und erklärt das p. L98 durch: det herer jo Loke til at vsere spegefuld, og alle vsesener have ham dog ka^r. „Loke har gjort sig guderne uundvserlig pa tusend mäder og ikke mindst ved sin vittighed, der vel bringer dem i harnisk, naar den som nu mod mälets ende, da ondskaben er ved at blive äbenbar, vender sig imod dem selv, men som dog forhen mangfoldige gange har moret dem kostelig."

Erstens wissen wir von diesem Amüsement , welches Lokis Streiche den Göttern bereitet haben, herzlich wenig und zweitens paßte auf eine solche beschwichtigende Rede der Gefion die harte Antu ort Loki's im folgenden Verse sehr schlecht. Doch aber glaube ich, daß Grundtvig in Bezug auf die Erklärung von leikinn ganz recht hat^ und möchte nur vorschlagen, statt frjä, fjär zu lesen, was durch ein- fache Umstellung von r gewonnen wird. Dann ist der Sinn der Stelle: „Das ist einmal Lokis Art, daß er ein Spötter ist und daß er alle Wesen haßt!" Dann ist Lokis Antwort gerechtfertigt. Die Schwierig- keit mit fjörg bleibt freilich bestehen.

Das. V. 24^ heißt es: ok draptu d vett sem völur. vsett oder vett erklärt Cleasby-Vigf. durch: the lid of a ehest ar shrine. Egilsson s. V. vett : n. plur., veneficia, id qu. vit, vitt : draptu ä vett = veneficia tetigisti, tractasti, contrectavisti.

Holtzmann (Die ältere Edda übersetzt und erklärt. Vorlesungen von A. H. Herausgegeben von Alfred Holder. Leipzig 1875) p. 208 sagt: Es scheint vett zu schreiben (sie), vsett nach Egilsson = vitt n. veneficia. drepa mit ä c. Dat. an etwas rühren (hendi) draptu ä vett veneficia contrectasti ; und Kopenh. vsett lesen und übersetzen (sie)

28 E. KÖLBING

sedes „und hast an die Häuser geklopft". Ganz wlllkührlich, oder vsett für larva defuncti. (!)

Daß drepa mit ä c. Dat. „an etwas rühren" heißen soll, ist ein- fach imrichtig. Vergleichen ließe sich allenfalls die Redensart: drepa ser ä tungu medalkafla = in gladium irruere, oder Hym. 30: drep vid haus Hymis, aber auch diese Stellen decken sich mit der unsrigen nicht. Und daß vsett = vit = veneficia ist, wird doch kein vernünftiger Mensch acceptieren.

Der Satz mit „oder" bei Holtzmann ist mir zu hoch. Das dine können wir uns aus seinen Erörterungen annehmen, daß die Über- setzung der Kop. Ausgabe „willkürlich" ist, denn das ist in der That der Fall. Und doch wird gerade dieser Sinn hier gefordert; vgl. Grimm, D. Myth. S. 375, wo es von der vala heißt : „Man glaubte, daß sie umherziehe und in die Häuser einkehre; dies „til hüsa koma" gemahnt an das: drepa ä vett sem völur; Saem. 63" wie auch anderwärts von weissagenden, begeisternden und heilbringenden Frauen angenommen wurde, daß sie durch das Land fuhren und an die Häuser der Menschen klopften, die sie beglücken wollten".

Ich schlage deshalb vor, für ä vett [denn so, nicht vsett, liest R] ä yegg zu lesen = an die Wand, d. h. ans Haus; vgl. innan veggjar =■ innan stokks ^ within walls, indoors (Cleasby-Vigf. p. 689''). So wird der geforderte Sinn dui^ch eine kleine Änderung gewonnen.

BRESLAU. E. KÖLBING.

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN GERMANISCHEN SPRACHEN.

I.

über die Entstehung der deutschen Relativsätze haben nach Erscheinen meines kleinen Buches: „Untersuchungen über den Aus- fall des Relativ-Pronomens in den germ. Sprachen, Straßburg 1872" ausführlicher gehandelt : Jolly , Ein Capitel indogerm. Syntax , in G. Curtius Studien, Bd. VI, und Oskar Erdmann in seinen Unter- suchungen über die Syntax der Sprache Otfrids, Theil 1. Halle 1874^ ersterer, wie es scheint, ohne meine Arbeit zu kennen^ während Erd- mann, dem dieselbe erst nachträglich zugegangen war, sich im Vor- wort p. VI ausdrücklich gegen dieselbe wendet. Beide vertreten be- treffs dieser Frage eine der meinigen strict entgegenstehende Ansicht

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN GERM. SPRACHEN. 29

und je sorgfältiger und überlegter im Allgemeinen besonders Erdmann's Buch gearbeitet ist, um so mehr habe ich es für meine Pflicht gehalten, die Sache nochmals unbefangen und gründlich zu erwägen. Das Resultat war, daß ich aus den unten summarisch aufgeführten Gründen mich Erdmann's Auffassung der deutschen Relativsätze nicht anschließen konnte.

Zwar, um dies vorauszuschicken, so weit, wie Ferr E. p. VI selbst meint, ist die Kluft zwischen den beiderseitigen Anschauungen zum Glück nicht. Ich kann in der That nicht begreifen, wie Herr P]. aus meinen Worten p. 52: „Hinsichtlich des althd. und mhd. ist zu- nächst zu berücksichtigen, daß ein dem jetzigen rel.Pron. entsprechendes Fron, dort auch in früherer Zeit^ als der Satzbau vorherrschend para- taktisch war, nicht gefehlt hat; es war sogar ihm gleichlautend, hatte aber demonstrativen Werth" hatte schließen können, ich nehme für das ahd. den Dualismus des dem. und rel. Pron. ohne Erklärung als gegeben an, während ich für die nord. Sprachen und sogar für das Gothische den dem. Charakter des ther betont habe. Ich habe viel- mehr p. 45 u. ganz direkt von der nach und nach vor sich gehenden Formation subordinierter Sätze durch „Übergang von dem. pronominibus in relativa" gesprochen; vgl. p. 43: „Sehr richtig bemerkt Steinthal, daß das deutsche Relativum nur das Demonstrativum ist, welches durch die Weise der Verwendung und Betonung relativen Sinn erhält. Vgl. auch p. 51 u. Daraus erhellt wohl zur Genüge, daß eine so thörichte Inconsequenz mir nie in den Sinn gekommen ist. Auch die zweite Behauptung Erdmann's ist unrichtig: ich erklärte die Fälle des nur einmal gesetzten Pronomens .... durch Wegfall des Relativi; denn betreffs des Hochdeutschen, um das es sich bei E. doch nur handelt, habe ich p. 43 f. ausdrücklich hervorgehoben, ein alle Stellen treffen- des Gesammturtheil lasse sich nicht fällen. Ich bedaure, daß Herr E. mein Schriftchen so flüchtig gelesen zu haben scheint.

Worin besteht nun aber die wirklich vorhandene Differenz ?

Herr E. will das im Ahd. entwickelte relative Satzgefüge nicht aus einer bloßen Rückweisung vom Nebensatze aus*) erklären, sondern vielmehr durch das Überwiegen der dem. Hinweisüng auf den gemein- samen Gegenstand im Hauptsatze, in der Art, daß der Nebensatz ohne eigene Bezeichnung dieses in der Vorstellung noch mächtigen

*) Mit welchem Rechte Piper Germ. XIX, p. 437 in einer Besprechung von Erdmann's Buch, betreffs der rel. Verbindung sagen kann, der Verf. erkläre dieselbe mit Windisch durch eine anaphorische Hinweisung des zweiten Satzes auf den ersten, ist mir unerfindlich. Gerade das Gegentheil ist der Fall.

30 E. KÖLBING

Gegenstandes und in einfacher Wortstellung sich anschloß. An die Spitze des Nebensatzes kann das dem Hauptsatze angehörige Demon- strativum treten, wenn der Nebensatz bei engerer Gedankenverbindung unmittelbar hinter dasselbe gesetzt wurde.

Für Stellen, wie 0. II, 2, 8 (vgl E. §. 102, von mir vollständiger gesammelt a, a. O. p. 45], wo es sich handelt um die Umwandlung des neutralen dem. Pron. in die Conjunction, gebe ich Erdmann's Satz unbedingt zu. Der spätere Nebensatz ist auf dieser Stufe vollständig mit Subject und Prädicat versehen, und bedarf, so lange er vollständig bleibt, einer weiteren Ergänzung nicht. Jeden andern später relativisch gewordenen Satz aber stelle ich mir ursprünglich so geformt vor, wie E. §. 216 mehrere aufführt: anaphorisches dem. Pron., Verbum, Object; wie wir jetzt noch sagen können: das ist der Mann: der begieng das Verbrechen; der muß bestraft werden. Dies einfach zu- rückweisende „der" ist das ursprüngliche Mittel der Satzverbindung. Sollte nun die logische Abhängigkeit des zweiten Satzes vom ersten volleren Ausdruck finden, so trat Inversion des Verbi an den Schluß des Satzes ein, welches zugleich unter Umständen in den Conjunctiv übertrat*). Dadurch wird auch das urspr. demonstrative Pron. zum rel., ohne natürlich in der Form irgend wie von jenem abzustehen. Die Umwandlung ist eben gewissermaßen eine innere. Wie ich mir daraus dann eine Form ohne Relat. entstanden denke, habe ich a. a. 0. p. 51 f. dargelegt, wie ich hoffe, ohne einen Mangel an historischem Sinne zu zeigen**).

Folgende Gründe, betreffs deren ich mich übrigens sehr gern eines besseren belehren lasse, bestimmen mich, an dieser vor reichlich drei Jahren geäußerten Ansicht festzuhalten.

1. Wenn unter dem Gewichte der demonstr. Hinweisung auf den gemeinsamen Gegenstand im Hauptsatze der Nebensatz sich ohne eigene Bezeichnung dieses Gegenstandes an jenen anschließt, so ist das doch wohl die allerengste Verbindung dieser beiden Sätze, die über- haupt denkbar ist, die auch dadurch nicht noch enger werden kann, daß das Dem. aus dem Hauptsatze in den Nebensatz übertritt, die aber dadurch gelockert wird, daß das aus dem Hauptsatze verschwundene dem. Pron. dort neu ergänzt wird, wie E. für gewisse Fälle annimmt.

*) Letzteres auch zuweilen in einem solchen Satze, wo einfach erzählt wird; vgl. außer E. §. 52 und 138 f. MS. D. X v. 1. LXX, 1.

**) Die Frage, ob z. B. in den mhd. Schaltsätzen mit „heizet" u. a. das dem. oder rel. Pron. ausgefallen ist, erscheint demnach nicht müßig (JoUy a. a. O. p. 230), ist aber durch die Wortstellung sehr einfach zu lösen.

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN GERM. SPRACHEN. 31

Dieser Verlauf stimmte aber übel zu der gewiß richtigen Vorstellung, die wir sonst von dem allmählichen Übergänge des parataktischen Satz- gefüges in ein hypotaktisches hegen, zu der Meinung, daß eine wis- sentlich engere Verknüpfung der Gedankenreihen auch zu engerem Zusammenschlüsse der Sätze, in denen jene zum Ausdrucke kamen, geführt habe.

2. Ich finde es inconsequent, die undeclinierbaren Relativpartikeln, wie goth. ei (dessen anaphorische Bedeutung von E. §. 90 zugegeben wird) und altn. (= er = fser. id), die unter Umständen auch allein ste- hend zur Andeutung der Relation genügen, als urspr. zum Zwecke der Differenzierung dem Nebensatze zugetheilt, anzuerkennen (p. X f.), das declinierte Pron. aber dem Hauptsatze zuzuschieben, zumal wir die Analogie des Griechischen zur Seite haben. Denn trotz der Unter- schiede, die Herr E. zwischen den rel. Fügungen im Griech., Scr. und Zend einerseits und dem Deutschen andrerseits an und für sich ganz richtig geltend macht (§. 83 ff.), halte ich doch die daraus gezogenen Consequenzen nicht für zwingend.

3. Wenn zugestanden wird, daß die den eben erwähnten Relativ- partikeln in den nord. Sprachen und im Ags. häufig vorausgeschickten declinierten dem. Pron., die sich im Casus nach dem Hauptsatze richten^ den Zweck haben, die Verbindung zu erleichtern und zu verdeutlichen (E. p. IX), wie sind solche declinierte Formen dann bei fehlender Partikel zu erklären, wenn diese als nie vorhanden ge- wesen, als von An'ang an fehlend zu betrachten ist? Vgl. meine Unters. p. 52 f.

4. Wenn wirklich bei nachfolgendem Nebensatze ein ther oder er im Hauptsatze erst dann gesetzt oder vielmehr wieder ersetzt worden wäre, als das urspr. allein den Übergang vermittelnde ther bereits ganz mit dem Nebensatze verschmolzen war und im Hauptsatze an anderer Stelle eine dem. Verweisung als erforderlich gefühlt wurde (E. §. 225), so hätten die Sätze, sollte man meinen, wo das Pron. des Nebensatzes noch in dem dem Hauptsatze gebührenden Casus steht, dieser Ergänzung am wenigsten bedurft, namentlich nicht unmittelbar daneben, wie z. B. Trist. V. 973 ff. rund alles des, des si geleit etc., wo noch dazu alles vorhergieng. Wenn das Pron. noch den ihm im Hauptsatze ge- bührenden Casus trägt, so ist es eben notorisch nicht mit dem Neben- satze verschmolzen. Und doch zeigen auch solche Sätze (E. §. 226, meine Unters, p. 27 fi".) sehr häufig das Pron. auch im Hauptsatze. Die bisher für diese Stellen von Grimm u. A. angenommene Attraction muß Herr E, von seinem Standpunkte aus natürlich verwerfen j läßt

32 E. KÖLBING

sich jedoch, so viel ich sehe, auf eine Widerlegung nicht ein, ja hält sie nicht einmal einer Erwähnung werth.

5. Wenn ferner ursprünglich in Nebensätzen ein dem jetzigen Rel. entsprechendes Pron. überhaupt nicht existierte und wenn dasselbe bei seinem Übertritt aus dem Hauptsatze zunächst von dem Casus, den das Verbum des Nebensatzes forderte, ganz 'unabhängig war, so ist nicht einzusehen, weshalb wie es die Probe ausweist das Rel. nur dann ganz fehlen oder sich im Casus nach dem Verbum des Hauptsatzes richten darf, wenn dasjenige des Nebensatzes einen Nom. oder Acc, nie, wenn es einen Casus obliquus gefordert hätte.

6. Nicht das spricht gegen Erdmann's Ansicht, daß schon die ältesten Denkmäler unserer Sprache, sowie die der verwandten Spra- chen, ein Pron. rel. aufzuweisen haben (Tobler, Germ. XVH, p. 259), wohl aber der Umstand, daß in mehreren germ. Sprachen dies Fehlen des Pron. rel. mit der Zeit zunimmt, während es im Anfange ganz sporadisch auftrat; so im Altnord., dessen älteste Denkmäler diese Erscheinung nur vereinzelt aufweisen, während die spätere isl. Poesie Belege in Menge bietet; ausführlicheres unten unter H; ebenso steht es mit dem Altengl. im Verhältniss zum Mittel- und Neuengl. Dies allmähliche Zunehmen der Belege scheint aber die Thatsache des Fehlens der Pron. durchaus nicht als eine sehr alte zu charakterisieren. Denn was die Annahme einer falschen Analogie betrifft, so glaube ich diese mit Jolly (a. a. 0. p. 226 f.) durchaus verwerfen zu müssen.

Noch eines sei hier bemerkt, da ich gerade bei Erdmann's Buch und bei der Syntax des zusammengesetzten Satzes bin. §. 78, Anm. 1 meint Herr E., Otfr. HI, 7, 36 leite joh nicht den Nachsatz ein, wie ich früher behauptet hatte, sondern dieser beginne schon mit der zweiten Hälfte von v. 35. Dagegen spricht einmal der Sinn der Stelle, dann auch die Vergleichung von v. 27 f. Daß hier die Inversion im Nach- satze eingetreten ist, was sonst nach Vordersätzen mit oha nicht der Fall zu sein pflegt (E. §. 170), erklärt sich hier vielleicht eben durch das vorgesetzte joh.

n.

Für den Ausfall des Relativ-Pronomens im Altnord, vermochte ich in meinen Untersuchungen nur einige wenige Belegstellen anzuführen; seitdem hat mir bes. das Studium der späteren isl. Poesie, die meist nur handschriftlich existiert, eine große Auswahl derselben verschafft. Bei der Erörterung von dergleichen Verhältnissen, über die Vorunter- suchungen nicht existieren, ist es aber gewiss wünschenswerth, möglichst

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN GERM. SPRACHEN. 33

viele Beispiele zur Verfügung zu haben; clelJhalb die folgende Auf- zählung; zweitens glaube ich auch a. a. O. die einzelnen Perioden der Sprache nicht streng genug geschieden zu haben. Es genügt näm- lich hier durchaus nichts eine Anzahl Belege aus den verschiedenen Zeiten und Litteraturgattungen durcheinander gewürfelt vorzuführen; man wird vielmehr gerade bei einer Sprache, die sich im Ganzen im Laufe der Jahrhunderte so ausserordentlich wenig verändert hat, gut thuu, die kleinen Licenzen späterer Zeit streng gesondert zu halten, um so allmählich eine isl. historische Syntax zu gewinnen. Es kommt ein anderes hinzu. Es ist bei derlei Untersuchungen viel weniger darauf Gewicht zu legen, ob die Belege aus inhaltlich sehr alten Quellen entlehnt sind, als darauf, ob wir sie aus einer alten oder nur aus einer rel. späten Handschrift entnehmen können. "\\^as die Grammatik anlangt so haben sich die Abschreiber isl. Handschriften bekanntlich in der Regel von ihrer Vorlage vollständig emancipiert. Ich erwähne dies ausdrücklich, da weder Lund noch Nygaard darauf Rücksicht genommen haben. Diese Methode würde sich am besten dadurch veranschaulichen lassen, daß man nicht nach dem Inhalte der Handschriften, sondern nach diesen selbst citierte.

Übersehen wir unter Berücksichtigung des eben Gesagten die uns vorliegende syntaktische Frage, so ergibt sich, wie oben schon an- gedeutet wurde, daß das Fehlen des Fron. rel. oder vielmehr der es vertretenden Partikel im Laufe der Entwickelung der altn. Sprache in stetigem Zunehmen begriffen ist.

Eine verwandte Erörterung sei den Belegstellen vorausgeschickt. Man wird bei Erwägung dieser Verhältnisse nicht am wenigsten die Conjunctionen mit herbeiziehen müssen, die ja doch sicherlich auch ursprünglich insgesammt demonstrativ zurückweisende Bedeutung hatten. In Betreff dieser fehlt es noch ganz an Zusammenstellungen. Auch ich will hier nur beispielsweise einige herausheben, ohne Vollständigkeit irgendwie zu bezwecken.

medan findet sich schon in den ältesten altn. Denkmälern, sowohl als Adverb „unterdessen", wie als Conjunction „während", d. h. m. a. W. sowohl dem. wie rel. Belege bei Cleasby-Vigf. Im goth. sind beide Bedeutungen noch getrennt, als mi})]Dan und mi})))anei. Aber {)an ist auch goth. schon rel. gebraucht, das griech. oze vertretend (Gr. HI, p. 166), während sonst das goth. bekanntlich sich gegen Verwendung des dem. Dentalstammes in rel. Function durchaus sträubt. Es kann deßhalb dieser Gebrauch im nord. nicht verwundern.

GERMANIA. Neue Reihe. IX. (XXI. Jahrg.) 3

B4 F>- KÖLBING

Etwas anders steht es jedoch mit dem, ebenfalls mit J^an zusam- mengesetzten, Adverbium sidan. Als Conj. ist es in der ältesten Zeit fast ausschließlich mit er verbunden, das ihm rel. Kraft gibt. In den Eddaliedern erscheint nur einmal sidan allein für unser „nachdem", Fjölsv. V. 16, und diese Stelle ist ohne Beweiskraft, da das Gedicht bloß in Papierhandschriften erhalten ist. Isl.-bok und Homiliu-bok edd. Wisen, Lund, 1872, bieten es nirgends. Später ist dieser Gebrauch ein sehr häufiger.

J)6 (= goth. ))ä-uh, = ags. ]3eäh, JjehJ im nord. verbunden mit at, ags. mit ]:>e = obgleich, ags. wohl kaum ohne j^e in dieser rel. Bedeutung, goth. nie. Jio at findet sich ebenso oft zusammenge- zogen in ]3Ött (aus J^oht) ; J^o allein im rel. Sinne findet sich im Cod. R. der Edda noch nirgends. Sigrdr. v. 35^: Ulfr er i ungum syni, })6 se hann gulli gladdr, haben wir nur in später Überlieferung: ebenso die drei bei Xygaard (Eddaspr. Syntax I, p. 88 f.) angeführten Stellen aus Solarlj. In Isl.-bok u. Homil. b. findet J)6 sich ebenso wenig so ge- braucht, erst in späterer Prosa, häufig auch in der Rimurpoesie, z. B. Cod. Guelf. bl. 4^: ro allr se ek af angri bleikrj efldr sarri pinu| hsetti ek ä etc.

svä heißt gewöhnlich nur in Verbindung mit at „so daß", zu- weilen auch mit er ^ aber selten, z. B. Hom. bok p. 20^: I dag ste grej^are värr til himna, svä er aller postolar säo. Isl. bok edd. Mob., p. 8'° fi". : vas ]3at mselt et nsesta sumar aj^r i lögom at menn skyl])i svä coma til alj^ingis es X vicor vsere af sumri. Dies at ist in ähnlicher Weise wie sonst oft es zuweilen enclitiscli mit svä verbunden, z. B. Hom. bok p. 6^^ f.: En gieret es hreint oc gagnsa^tt svät igegnom l^at ma sia. Ebenso p. 4"**; an derselben Stelle in Unger's Gam- meln, hom. b. p. 168^" getrennt geschrieben. Aber schon im Cod. R. der Edda findet sich an einer Stelle svä für svät; Oddr. gr. v. 6: Hann varj^i mey .... fimm vetr alla svä hon sinn faudur leyndi, wo man svä nur gezwungen demonstrativ fassen könnte; dagegen spricht die Wort- stellung und die Parallelstelle v. 14, wo svä at steht. Solarlj. v. 54 beweist aus dem erwähnten Grunde nichts; dag. Strengl. 12""; ... er seftir fallde skyrtu hans sua hvarki vidr kome knifr ne sox, wo wir es mit einer altnorwegischen Handschrift zu thun haben. In späterer Zeit wird dieser Gebrauch häufiger, z. B. in einer Mbr. aus der 2. Hälfte des 14. Jahrb.: GuU-roris s. p. 68^*": renndi ofan i qvidinn, svo ut fellu idrin. Egilss. p. 127®: En konungr er hinn reidasti, svä mer er vän, at värir menn sseti af lionum afarkostum, ef hann mä; ferner in der Pergament-Handschrift von c. 1500, nach der die Mägussaga ge-

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN GERM. SPRACHEN. 35

druckt ist (die überhaupt für die Prosa dieser Zeit ganz interessante Eigenheiten bietet), p. 43'-° f.: Heyr til endima, at Jni vilt eigi leggja vid tafl svo oss liki. Sehr häufig in den Papier-Handschriften des 17. Jahrb., z. B. Blnmstrv. edd. Mübius, p. 7''; Fassung II, ebds. p. 53. In der Sprache der linuir ist svä =: svä at sehr gewöhnbch, z. B. Cod. Guclf. p. 40'': Eg vil birta erendi min,| so allr mugrenn hlydi. Das. p. 64 <^: Reyndi lid, so raesis nid] taka geldr leigu.

Svc4 vertritt ferner zuweilen was ich bei Lund, Oldnord. OrdfojniDgsl. §. 93 ff. nicht angeführt finde und hier mit anmerken will das pron. rel. u. zwar in Verbindung mit den rel. Partikeln, schon in der Edda; Vaf])r. v. 22^, 36^ liest R: sva er ferr menn yfir? während A sd er bietet. Bugge folgt inconsequenter Weise an der ersten Stelle A, an der zweiten R. Vgl. EMS. VII, 103: Hon er svä af konum, er mer leikr heizt hugr ä. Vgl. auch Bps. I, p. 87G "'. Von diesen Stellen trennen möchte ich Stj. p, 272^": Hver fluga hvarf ok flydi brott af sjalfum honum svä sem at ])eim hafdi sott, insofern hier schon ein Pron. dem. im Vordersatze steht und deshalb svd sem als Vertreter von er angesehen werden kann. Solche Stellen mögen den Übergang bilden zu der folgenden, die freilich in ein späteres Zeit- alter fällt: Skald.-Helga R. IV, v. 41: Hvar er kvon, at heizt er von,| svä hug megi ä J^at leggja?

An einer Stelle vertritt sogar svd allein das Relativpronomen: Geir. R. II v. 8: Gnyr er nyrr so gekk um lönd,| gnustu ok brusta spj6t vid rönd. Hier ist die Beziehung von svd eine rein pronominale, stellt sich also zu den von Tobler (Germ. XVII, p. 290) angeführten deutschen und ags. Stellen, nur daß bei letzteren stets ein quantitativer Begriff vorherzugehen scheint. An eine Verderbniss der obigen Stelle ist nicht zu denken.

Ich wende mich zum pron. rel. und beginne mit den aus dem Dentalstamme gebildeten Adverbien, von denen einige Stellen genügen mögen, pd für pd er, Mäguss. p. 49*': Ok J)ä timi er üti, msetti Vera, at skogarvidinum vseri J^ä runnin reidi vid- ydr, und so oft. In den rimur, Cod. Guelf. f. 86^: annat sinn ])ü komt i kif,| klofna vard hin bjarta hlif. Ebenso f^r., Ism. v. 43 (p. 77^): Fegin vard hann, hann hoyrdi| Gräna hogvar ganga. pvi für pvi at. Blomst. 8^ f.: Ur ]3vi hann vissi, hann ätti ekki at vera höfudkonungr eptir födr sinn, ]3vi hanns brsedr vöru eldri, ])ä bad hann etc. Skidar. v. 160: En i })vi hann lifid let| Ijotlega tok at belja. Für par = par er vgl. Cod. Guelf. f. 4*^: Holdar })ar hird er kät| harda sorgar hlekka. Für die ältere Zeit ist diese Auslassung selte^^-

3*

^6 E. KÖLBING

Aus meinen früheren Auseinandersetzungen über den Ausfall des declinierten Pron. rel. geht hervor, daß in den germ. Sprachen derselbe am leichtesten dann eintritt, wenn das demonstrative Element desselben durch einen quantitativen Begriff verstärkt ist, oder wenn Haupt- oder Nebensatz einen Namen angibt. Diese Fälle werde ich also auch hier zuerst behandeln.

L Ausfall des pron. rel. nach einem verstärkenden Elemente im Hauptsatz.

1. Im Nominativ:

Cod. Guelf. f. 66": Hvert j^at högg, ä hilmi datt, Hromund skyldi greida. Das. f. 33^: Hverr daudr af Haddings ferd,| hopadi undir j^eirra sverd. Das. f. 119^: Er her nökkurr yta sä,| oss kann segja ))ar nökkut frä? Bragda-Magussaga (Kaupm. 1858) p. 72: })er er verst gefit J^at J^ik vardar mestu. Dvörgm. HI, v. 20 (Sjurdarkv. Kjöb. 1851, p. 94): Hvussu heita teir garpar tveir,| ä henda skogvin rida? Isl. Fkv. n, p. 110, Elja kv. in A: Sa er enginn gladur, eptir annan, jDreyr. In C an ders. Stelle: Sa er enginn gladr, sem eptir annan J)reyr.

2. Im Accusativ:

, Das älteste Beispiel hierfür dürfte sich finden in Strengleikar, S. 7P- f.: Janual hafde drepit sialvan sec ef hann msetti J)ui uidr koma i ])eim micla härm ]3a hafde hann. Jüngere Beispiele sind: Cod. Guelf. f. 5^': Haf J)ü f)ä ena hassta pin,| holdar vesta hlj6ta,| nema {)ü antar ordum min. Das. f. 6^: Vann hann einn med vopnum ]>ann,| vestan f^kk i heimi mann, wo freilich der verstärkende Begriff, hier ein Superlativ, zum Nebensatze gezogen ist. Sjür. kv. II, v. 165 (p. 30^): Henda sama reyda ring,| tu särt ä armi minum,| gav mar Sjürdur Sigmundarson.

n. Ausfall des pron. rel., wenn Haupt- oder Nebensatz einen Namen angibt.

1. Im Nominativ:

Cod. Guelf. f. 42^: Herra Priamus heitir sjä,| her er nu kominn til landa. Skäldh. r. VI, v. 8: Hringur het kongur,| fyrir löndum red. Cod. Guelf. f. 5": Saxi h^t sjä sveini änn. Das.: Ormar nefni ek audar tor,! enn mun koma i kvaedi. Das. f. 66': Hromund Gripsson heitir sjä,| h^r er kominn i skemmu. Isl. fornkv. (Antiq. Tidskr. 1849 51, p. 243): Sveinarnir J^eir drekka ok gjöra ser glatt, | svo gjör herra Verner, i turninum sat. Fser. kv. I, p. IP: Gramm kallar hann svördid,| a hallargolvi lä. Das. Ptagnarl. v. 72 (p. 65): Haki hat sa, firi räddi; Tgl. das. V. 78: Haki hat sä; id firi raddi.

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN OERM. SPRACHEN. 37

2. Im Accusativ:

Cod. Guelf. f. 42^: Baldiu'n fr{«kni bjo sitt ess,| bokiii Lupus nefnir- Cod. Guelf. f. 19^: Karitia het kurteis früj kongrinn hefdi fengit. Sjurd. kv. III, V. 86, p. 44'': Minnst tu nakad Sjürd hin unga,| tu legdi mar ä skeyt?

III. Ausfall des prou. rel. ohne verstärkenden Begriff im Hauptsatze.

Hier sind die Belegstellen zwar weniger häufig, als für I und II, aber in der späteren isl. Poesie wenigstens ist kein Mangel daran. Was die Edda anlangt, so hat für Vaf]ir. 49"* f.: hamingjur einar ]ieirra i heimi eru, Hildebrand s Übersetzung (Die Verstheilung in den Eddaliedern. Halle, 1873, p. 16 f.): „Schutzgeister sind sie, derer in der Welt", viel ansprechendes, gegenüber meiner Auffassung: Schutz- geister allein derer, welche in der Welt sind, wo ein er, als Vertreter des Nom., als ausgefallen zu betrachten wäre. Dagegen hat seine Vermuthung über Sig. I, v. 36: meyjar bidja ödrum til handa jieirrar ek Unna vel (a. a. O. p. 11), daß hier ])eirar = Jjeirarr = Jieirars anzunehmen sei, gar nichts für sich. Es soll das nämlich eine gra- phische Verschmelzung sein, wie jDeiro, ]>riro, ba))iro (vgl. Bugge: Tillseg zu Hav. 63), wo allerdings ein r ausgefallen ist. Jene Beispiele lehren aber bloß, daß die Formen des Hilfszeitwortes sich gern en- clitisch an das vorhergehende Wort anschließen, wo dann im Inlaute das Doppel -r vereinfacht wird. Aber es dürfte Hildebrand schwer geworden sein , auch nur ein einziges Beispiel dafür beizubringen, daß es in seiner Verschmelzung mit dem dem. Pron. zu r wird. Die Seltenheit dieses Ausfalles [in den alten Liedern wäre das das einzige Beispiel] beweist durchaus nicht seine Unmöglichkeit; man erwäge nur, wie wenige Beispiele für diese grammatische Erscheinung die reiche ags. Poesie aufzuweisen hat. Diese Stelle werden wir also als den ältesten altn. Beleg für den Ausfall des pron. rel. im Acc. ansehen dürfen. Ich gebe nun, wie oben, Belege aus der späteren Poesie, wobei ich absichtlich möglichst feine Unterschiede mache, da oft genug der Vers auf die grammatische Formation des Satzes Einfluß geübt haben mag.

1. Ausfall des pron. rel. im Nominativ:

a) das pron. dem. steht in der Mitte des ersten Verses, der Re- lativsatz beginnt mit dem zweiten: Cod. Guelf. foh 3P: Hafi J^ökk en Jjrifna hönd,| ]3egna frelsti lif ok lönd. Das. p. 44'': Kvedi ei um kvinnur mart,| köppum vil ek j^at bjo da | engan kennir afmorspart] ok ekki veit til fljöda. Sjiir. kv. II, v. 24 (p. 18): Hoyrt eg havi

38 E. KÖLBING

frä ti sagt,! ikki var eg hjä,| ta bann vann tann franarormj i Glitr- aheidi la.

h) das pron. rel. steht am Ende des ersten Verses, der Relativ- satz beginnt mit dem zweiten. Sjiir. kv. II, v. 229 (p. 36*) : Blodigan kissti hon munnin tann,| ä Sjiirdar hövdi lä.

c) Dem. und Relativsatz ist in einer Zeile vereinigt: Hrom. rima III: Storan leit^ sd styfdi sveit,| standa mann ä isi*j. Das. : Brandinn skok skyldr er Hr6k,| skyfir Haddings mengi. Cod. Guelf. f. 45": Loptit fann sa lydi vö,| ok Ijösa pella hringa. Das. f. 4P: Kaupmann einn sa kserr er frü,| kominn er J)ar vid löndin nü.

2. Ausfall des pron. rel. im Accusativ [a b c wie oben zu verstehen].

a) Sjür. kv. III, v. 38 (p. 62^): Prektigur var kl8edningur| kongurin ä seg tok.

h) Hrom. rimur: Sjäi J)er vid sverdi ]3vi,| sokt hefr kappinn hauginn i. Geir. rimur: Hann er kominn i hringu ])ä,j heidnir mei- starar gjördu.

c) Cod. Guelf. f. 64**: Kelling kappinn ä,| kempur röskar fseda.

IV. Unter dieser Rubrik stelle ich endlich noch einige Stellen zusammen, die sich von den vorigen dadurch unterscheiden, daß über- haupt kein dem. pron. im Hauptsätze steht, wo also auch die, so wie so unberechtigte Ausrede nicht stichhaltig ist^ das dem. pron. ver- trete, ebenso wie in anderen germ. Sprachen, so im altn., zuweilen das pron. rel.

Cod. Guelf. j f. 85": Mintist hann ä menja gätt,| milding hafdi svikna. Hrom. r. I: Hilmi spurdi Hromund nü,l i hauginn red at ganga:| Hversu skildist rräinn ok \)i\\ j^rautarglimu langa? Isl. fornkv. II, p. 25: tad heyrdi kongr, i tjaldi lä. Faer. kv. I, v. 13, p. 4: Eitr var i svordinum,! teir böru möti mar.

In all diesen Fällen würde das fehlende er Nom. oder Acc. ver- treten, nur drei Beispiele sind mir in meiner Leetüre vorgekommen, wo er im Dativ ausgefallen wäre: Cod. Guelf. f. 115^: Kom madr i kongsins höll,| kunnig vorn löndin öll. Das. f. 44*^: Kvomu menn j^eir, kajran baud,| kallza sin i milli. Sjiir. kv. II, v. 174, p. 31": Tu hevir svikid Hjodid tad,| tu firstur lovadi trü.

Diese Stellen lassen sich natürlich nicht emendieren, ebenso wenig aber können sie unsere Regel umstossen, daß das pron. rel. nur im

*) Die ersten 2 Zeilen, obwohl durch Reim getrennt, werden doch ohne Unter- brechung gesprochen oder gesungen.

ZUR ENTSTEHUNG DER RELATIVSÄTZE IN DEN GERM. SPRACHEN. 39

Nom. und Acc. ausfallen darf; diese Ausnahmen sind absolut nur durch die Annahme falscher Analogie zu erklären.

Alle die hier unter den einzelnen Rubriken zusammengestellten Belege erweisen deutlich, daß in der späteren nordischen Poesie das ursprünglich nur sehr sporadisch auftretende Fehlen der Relativpar- tikel immer häufiger wird ; am öftesten trat diese Erscheinung uns ent- gegen in den fseröischen Liedern: obwohl auch hier das er ersetzende id häufig genug noch vorgefunden wird. Gänzlich durchgedrungen und zur festen Norm erhoben ist dieser Ausfall in dem syntaktisch über- haupt in mehrfacher Beziehung interessanten Ljomur biskups Jons Arasonar, herausgegeben von Jensen in Aarboger for nord. Oldk. og Hist. 1869, S. 311 38, dessen Abfassung etwa in das J. 1550 fällt. Hier fehlt itt durchgängig, obwohl ich der ganzen Entwickelung dieses grammatischen Processes wegen nicht sagen möchte, der Dentalstamm selbst vertrete hier außer der demonstrativen Function auch die rela- tive. Vom Standpunkte der vergleichenden Syntax aus, die den Inter- essen des Herausgebers freilich wohl ferner gelegen haben wird, als mir, wäre es wünschenswerth gewesen, neben der fseröischen auch die isländische Fassung des Hymnus gedruckt zu sehen. Ich hebe nun die hieher gehörigen Stellen aus, da ich die Aarböger doch wohl nicht als allen Lesern zugänglich veraussetzen darf:

v. 1, 9 f.: Mser veit tu tad, Mariu sonurin riki: Msela eg kundi nakad, svä tser liki = Verleihe du mir das, reicher Mariensohn, daß ich etwas sprechen könne, was dir gefalle. Hier ist tact geradezu Neu- trum des pron. dem., eineConjunction fehlt*), v. 10, 10: Flytid tykkum og fangid tann eg kysti! = Eilt euch und fanget den, welchen ich küßte V. 13, 1 ff.: Td var noni nserri,| niflingr himins og landa| Iset sitt

*) Eigenthümlich ist der Gebrauch von tad in der faeröischeu Poesie überhaupt, zuweilen scheint es wie unser vdaß" als Conjunction verwendet zu werden; z.B. Sjur. kv. 1, V. 110 (p. 13): Sjürdur gav so vsent eitt högg, | tkd. öllum tokti undur. Ähnlich Sjür. kv. II, V. 36 (p. 19): Arla vär um morguninj solin rodar i ^üll,| täd ridur so mangur edilingur i Budla kongsius höU. Ferner Sjur. kv. II, v. 50 (p. 20), wo täd sogar mit ad abwechselt: Meg droymdi, tkd brast liudin min, j gull ok bügvid belti,| meg droymdi, at mitt göda svördj ä giltum hjalmi smelti. Etwas anders an folgender Stelle: Täd fyrsta Brinhild mundi Sjürd vid eygum sya mundi täd vsena vifl eina unga dottur fa. Wieder anders Gests rima v. 19 (p. 69"): Täd kom ein jomfru inn og rann. Ebenso v. 29. Es ist das ein ähnlicher Gebrauch wie in dem bekannten Vers- anfang: Täd var Gudrun Jukadöttir etc. Ganz eigen findet sich täd Sjur. kv. II» V. 225 (p. 35) gebraucht: Deydan töku teir Sjürd svein,| fö'rdu hann heim d skildi,| täd hevir so mangur lätid liv| helsfr äf kvinnu veldi; hier ist täd etwa = svä, auf diese Weise.

40 E. KÖLIUNG, ZUK ENTiSTEHUNG DEK RELATIVSÄTZE etc.

liv ä kross = Da war es gegen Nachmittag um drei, als der Herrscher des Himmels und der Erde ließ sein Leben am Kreuze, v. 15, 3 f.: hann tann helgan kross, | s^miliga hann sokti. = Er sah das heilige Kreuz, welches ihn mit Ehren angriff (?). v. 21, 1: Hvör er tann*); fridur er feddur? = Wo ist der, welcher schön geboren ist? v. 22, 5 f.* Lid minum taer r8entud| alt tad eg ädur gav. = Ihr raubtet meinem Volke alles was ich früher ihm gegeben hatte, v. 24, 9: Hvat er tad goda, taer gjördud mser imöti? = Was ist das Gute, das ihr gegen mich vollbracht habt? v. 30, 4 f.: tit skulud tiggja bsedij tad tit viljid vid öllu = Ihr beide sollt durchaus das erhalten, was ihr wünschet. An der einzigen Stelle wo id vorkommt, v. 31, 7 f.: Teirra ben mann iiri öllum ganga,| tann id linadi vara adferd ranga, ist es nach der isl. Form J^annin vom Herausgeber eingesetzt (vgl. d. Anm. ^> d. St.) und also mindestens bedenklich.

Seit die vorigen Seiten niedergeschrieben wurden, was jetzt schon fast ein halbes Jahr her ist, da eine längere Reise mich an Abschluß und Einsendung der kleinen Arbeit hinderte, ist von einschlägiger Litteratur mir nur Tobler's Anzeige von Erdmann's Buch (Ztschr. für deutsche Phil. VI, p. 243 ff.) zu Gesicht gekommen, die mich übrigens nicht veranlassen konnte, meine Ansichten irgendwie zu ändern**).

BRESLAU, im October 1875. EUGEN KÖLBING.

*) Bei J. Grimm (Gramm. IV, p. 378 ff.) wird das schwed.-dän, thän angeführt und so erklärt, daß urspr. Accusativfoi'm in den Nominativ getreten sei. Weder da noch bei Tobler (Über die scheinbare Verwechslung zwischen Nom. und Acc. Ztschr. f. d. Phil. IV, p. 385), noch in Cleasby-Vigf. (p. XXI oder 731 unter J)at) finde ich erwähnt, daß dies sporadisch auch in der isl. Lit. vorkommt und muß daher glauben, daß dies unbekannt ist; z. B. Mägussaga [Mscr. von 1500] p. 20^: Konungr tok })vi vel ok spurdi: Ertu pann sami jarl utan af Alimannia, er heldr strid oss i moti? Entschieden nicht hierher geliörig ist Mag. p. 75' f. : pat fylgdi ok her med, at }iann sama skipaher, er )ieir sau i höllinni, ))ä syndist ]ieim })vi meiii }iessi bardagi, sera rümit var meira i borginni. Hier ist der Abschreiber einfach aus der Construction gefallen. Dagegen gehört hierher: Skaldhelga R. VII, 5 : Hinn sem aldri aktar })rä| ok einskis hattar msedi,! Jjann skal hverfa ])essu frä| ok J^einkja a önnur frsedi. Herburt's R. (Germ. XX, p. 244): Hversu kunni hofmanns plag| heri'a pann sem skenkti i dag? Cod. Guelf. fol. 115*^: ptann er so margr ed Jiangat ferr:|)i6 er ein, af öllum berr. Das. fol. 39*: Hafi paiin land ok lauka bil| ed Isetur annan falla. Häufiger wird dieser Gebrauch in den fseröischen Liedern, z. B. Sjür. kv. II, v. 198 (p. 33*) Sjürdur so til orda tekur] kappin tann hin reysti. Gests R. v. 21 (p, 69*): Fäji tann skomm , id siti har. Ismal v. 18 (p. 75): Ti sväradi Hjalprek kongur, | tann hin riki alvur. Ganz durchgedrungen ist diese Vertauschung im Ljomur.

**) Die Bemerkungen Holzmann's über Erdmann's Buch, Ztschr. f. Völkerpsych. VIII, p. 478 ff., habe ich erst während der Correctur dieses Aufsatzes gelesen.

J. V. ZINGERLE, fLRlCH PUTSCH. 41

ULRICH PUTSCH.

In der Klosterbibliothek zu Wüten betindct sich eine Papierhand- schrift fol. 310 Bl. aus dem 15. Jahrhundert.

Bl. 1" Hie hebt sich an das puch, das da haisset compendium Theoloyce veritatis und ist der pesten puecher ains in der hailigen geschrift und ist getailt in siben püeher und pracht aus latein in täutsch und hebet sich hie an die tafcl über das erste puech in dem nainen des vaters und des sunes und des hailigen gaist Amen. Das ain got ist. Das alleine ein begin ist. Das der vater ist. Das der sun ist u. s. w.

Als Sprachprobe theile ich folgenden Abschnitt Bl. 199' mit:

Von Gog und Magog.

Von Gog und Magog sprechent ettlich, das sein zehen gesiecht und das dy sein verslossen enent des pergs in dem lant, das do haist Caspis, doch sind sy nit also verslossen, sy können aus wol, wer das man sy aus lies, wen dy kunig von Armeni lat sy nit aus, wen si lebent uudcr iren reich und gwalt und under iren gepot, und ditz spricht man, das dy aus suUen kömen vor dem eut der weit und siillen kömen gen Jerusalem und werden mit ierm Messias kömen und wcr- dent dy kirchen zustörn. Dy andern sprechen, das pei Gog und Magog zu versten sein das gsind des Antichrists, wen er komen sol an dem jüngsten ent diser weit und auch zustort wird dy kristenhait und wirt sy anfechten. Aber pei Gog nach der glos so ist [zu] versten dy mit dem Antichrist haimlich durchahtent wirt kristen, aber pei Magog sind zu versten, dy do pei des Antichrists zeiten die kristenhait des ersten anvechtent (Bl. 199*') haimlich und darnach offenlich. Aber nach sand Augustins werten so ist pei Gog zu versten dy haiden und pei Magog der teufel, wen pei Gog ist zu versten das gerechte und pei Magog das endeket.

Dies Werk endet Bl. 214' mit den Worten: „Da ist frad, frid, rue, freihält, sicherhait, jugeut der weis der sundt nit, sunder er pelabt gesund reich und wider raicht das lob der martrer und der lerer und dy magt dy verdienent das uberkronlein, und dy hundertvaltigen frucht und dy dreissigvaltigen frucht dy werden gegeben den magten, den witiben und den eeleuten, und von allen diser vor gesaiten freyden

42 J- V. ZINGERLE

soltii zusam lesen, das ettlich freyd zue gebörn den seilen alain und ettlich dem leib alain und ettlicb der zusamfuegung ir paider, dy ein ieder seliger enpbäcbt nacb seiner verdienung an alles ent. Amen amen amen Jesus ]\[aria."

Nacb zwei leeren Blättern folgt Bl. 218*:

„Von bimel send mir got kraft,

Leicb mir sünn und maisterscbaft,

Reine junkfro, gottes muotter.

Jesus dein sun vil guotter

Kan dicb niebtz verzeien.

Hilf, das er mir welle kunst verleicben,

Pis icb ditz piecblein geriebt

Fleissigleicb von latein zuo teutscb gediebt.

Außerweite cbünigin frei,

Raine keuscbe gottes amei,

Riebt unser leben zuo guottem end.

Ewigklicb uns als truren wend,

Rain und keinscb ist dein nam,

Czart vein und lobesam.

Erentrost, nu las micb nicbt,

Tail mir mit deinen gnaden sit.

Inmer will icb deiner wesen,

Ruen in dir und genesen,

Oft val icb Sünder als ein ficb,

Los micb dar auß, das bitt icb dicb. Tbetra gram a ton. Nun will icb die vorrede vabe an. Als icbs gescbriben funden ban. Es fuegt sieb, das ain babst was genant Jobannes, als icbs las, der zwaiundzwaiuzigste also genant. Der bat do zemal gesant auß Eemum ain biscbolf lobesam , Lugumerß was sein nam Zuo dem, der das bucb gemacbt bet. Des nam icb nicbt vinden solt, Wann er sieb nit nennen weit, Das das er spricbt vil eben, Em worden drei maister gegeben. Die treierlai spracben künden, Wo si die gescbriben funden. Leo, Amumlus und Severinus AYaren si genant alsus. Als icb dann vor gesprocben ban. Der babst gebot den selben man Bei geborsam und seinem segen. Er solt nit lassen underwegen. Und solt selb zuo im komen. Er spracb: icb bab vernomen, du babst ain buecb ge- macbt scbon. Das du gewinst den ewigen Ion. Das liecbt der sei sei es genant, Das solt du mir antworten zeband. Wann es mocbte yjl sere geletzen, Prunne ain liecbt under ain metzen, Das es der

ULRICH PUTSCH. 43

weit nicht leichten mag, Und wurd von dir ein grosse ehlag. Also ward das puch bestät Von dem babst, da er es hett. Nun solt ir wissen für war, Das doran neinundzwainzig jar*) Der erste maistcr gemachet hat, E ers zuo latein pracht, als es stat, Und hat in allen landen weit Pücher gezucht mit grossem streit. Darauß hat er gezogen, Den keren ungelogen. Der menschlichen sünnen sanft tuot. Sicher es ist ain biechlein guot. Darumb solt ir merken Und ewer sin darauf sterken Das ir wisset wer die maister wesen Der (BI. 218'') pücher [er] hat gelesen, Der erste haisset Hermes, De;: hat sich vermezzen des Von der wandelung der geleibten ding. Das ich sicher nicht wig ring. Das ander was ain lobHch puoch. Von den vier aufsteigenden das suoch In Algazel und Baiomans figur Und von den zaichen der uatur. Das dritte Galinus mit feiner kunst Und sagt von der vindung der kunst die worn . . . und fein Und wurden gemacht zuo latein. Czuo Dolet waren zwai biecher funden, Die gab ein Jud zuo den stunden. Die haissent Pu- blicus Celsus Und sagent von der weit erzten alsus. Centobius von der weit umkrais, Euax von den sigeln der stain vil waiß. Aristes von der weit außmessung wol schreibt. Westorius in dem oct . . . zirkel bleibt. Es wurden em auch von teuthschem lant Etlich pücher ainem kloster gesant. Das ist Archia Tharencius, der schreibt von den gesiebten der natur alsus, Alkabicinus (?) in der theorica der pla. neten, Theophilus in dem churtzen gespräch der kunst ze statten, Fon- tinus von der gemain geschreibung schreibt, Constantinus in der feucht der natur beleibt, Evencius von dem, das in der weit begriffen ist Und ward zuo Roma funden, als man list. Emphites ward funden in En- genland In ainer stat Psinona genant, Pandulfus von den gengen unter der erd, Das ist auch ain puch gar werd. Isiderus in den naturlichen hystorien, Solinus von der natur der ding hat glorien. Avicenna von dem puch der tyr und auch von dem fluß der wasser vyr. So wart ein von etlichen ertzten gegeben Johannes Mesne in der ersten prach- tica vil eben, Philarctus von des fiebers natur, Plinius in des natür- lichen spiegeis figur. Von Pareis wurden cm auch gesant Theosuastus von sülichem tail genant, Alforabius von der underschaid der reich Von der indruckuug des luftes si sagen. Commendator Averrois Avas in den tagen Von Arabia dem lant. Dem waren dise biecher wol bechant, Summa Themistz von natürlichen Dingen, Domit mocht ein wol mit gelingen. Auch worden em gereicht Pücher, do mit er nicht ward geleicht, Commenta Simplicii und Senonis, Aristotiles in ratsaln

*) iaur.

44 J. V. ZINGERLE

(Bl. 219') was genus, Ypocras in dem puech Epithimiore Johann Wicius zain ain zu from Calcidius von der natur des fünften wesen. Den hat er auch überlesen. Sunst sind vil maister der hailigen geschrift Auch be- griffen in der selben trift, Der nit not ist ze nennen, Sint wir si sunst wol kennen. So man das buoch beginnet zu lesen, Das maniger mensch an der sei müg genesen. Do mit will ich von der vorred lan Und das buoch vahen an.

Ditz buoch haisset „das Hecht der söl" und sagt von ersten von hochmütigkait und von hochvart".

Das folgende ist in reimloser Prosa abgefaßt und besteht meist nur aus Citaten. Der Schluß Bl. 306 ist aber wieder in Versen ge- schrieben:

„Hie haut das puch ain end.

Got uns sein gnad send.

Es ist geteutschet worden,

Do man zalt nach rechtem orden

Tusent und vierhundert jar

Und sechsundzwainzig für war.

Kantest du en nu geren,

Des will er dich geweren.

So lis am ersten anegeng

Die ersten puchstaben nach der long,

So vinstu seinen namen,

Des er sich nicht wil schämen.

Nur ist war, das ich han gehört,

Das ötlich maß wein sint betört,

Der biecher sollen zwar wesen

Gnant der söl, als man mag lesen,

Das gros und das klain.

Ich vand aber nur allein

Das klainer, als es hie vor stat.

Wer aber doraber ain vcrdriessen hat.

Den fleissig ich will pitten,

Das er mit gutem sitten

Das ander puch auch wel machen.

Ich han oft muost krachen,

Ee ichs zesamen hab klaubt.

Es hat mir oft mein sinn betäubt.

Doch will ich auch ainem andern ginnen wol

Und em danken, als ich sol.

ULRICH PUTSCH. 45

Wer auch sei ain guot gesöll

Und ditz biecLlein straffen wöll,

Dem will ich nicli verybel haben

Und bitten, das en well begaben

Got der allmächtig hörre;

Wann ich bin em villeicht ze verre,

Das ich im selben tank.

Wie wol ich bin an kunsche krank,

So han ich doch das böste gethan

Und will darumb kein Ion han,

Dann gotz und unser lieben frawen,

Das wir die ewigklich müsze schaweu.

Des helf uns aller heiigen namen.

Des sprach wir all Amen

Und dorzuo deo gracias.

Die muoter, die Cristum gnas,

Die muß unser allzeit pflegen,

Und des hailigen creitz segen

Halt uns in seiner huot.

All engel rain und guot

Und aller heilige pflege

Füren uns auf dem wege

Der ewigen säligkait,

Do wir als unser lait

Überwinden und frölich

Bei got beleiben ewigklich.

Das helf uns der nam,

Der am karfreitag sein tod am kreitz nam. Amen.

Per me Johannem Wetzle.

Das Acrostichon des Anfanges, worauf in den Schlußversen ver- wiesen wird, lautet: „Vlrikh pfarrer cze Tirol". Pfarrer zu Tirol war aber 1426 Ulrich Putsch, der im November 1427 zum Bischof von Brixen erwählt wurde und bis 1437 der Kirche von Brixen vorstand. Er ist demnach der Verfasser dieser Verse und der Übersetzer des Werkes „das Licht der Seele". Wir besitzen aber ausserdem noch eine für die Zeit- und Sittengeschichte bedeutende Schrift von Bischof Ulrich. Es ist dies sein Tagebuch, das er seit der Besteigung des bischöfl. Stuhles bis in den Sommer 1436, meist in lateinischer Sprache, geschrieben hat. Leider ist dasselbe, das sich im fürstbischöfl. Archive

46 J- V. ZINGERLE, ULEICH PUTSCH.

zu Brixen befindet, bisher imgedruckt, doch theilte Fr. A. Sinnacher in seinen Beiträgen zur Geschichte der bischöfl. Kirche Sähen und Brixen (Brixen 1828), VI, 97^ 160 höchst werthvolle Auszüge mit. S. 103 ersehen wir, daß der neue Bischof ausser zwei Meßbüchern eine kostbare Bibel, dergleichen keine zu sehen ist, ein Buch der Decrete und bei hundert andere Bücher an seinen Sitz mitgebracht habe. Er beklagt sich, daß er in der Burg keine andern Bücher, als ein gutes Meßbuch, zwei andere ganz zerrißene, die er binden ließ, und eines nach dem Ritus von Freisingen und zwei ungebundene Ponti- ficalien, sehr beschädigt, vorgefunden habe. Im Jahre 1430 schrieb er S. 126: ,, An Zahlungsstatt erhielt ich in diesem Jahre zwei Tagzeiten- bücher (Breviere) von Herrn Berthold von Naz , wovon der Sommer- teil etwas größer, der Winterteil aber kleiner ist, dann ein Psalterium und ein kleines Brevier um 20 Mark, weil doch die Burg aller Bücher beraubt war und ich keines in derselben fand." Wenn daraus sein Interesse an Büchern sich ergibt, so zeigt sich an andern Stellen seine Theiluahme an den Kunstbestrebungen jener Zeit. Er berichtet, daß er seine Capeile ausmahlen lasse und daß das Buch Catholikon schön und kostbar illuminiert worden sei. Im Jahre 1429 berichtet er: „In diesem Jahre habe ich meinen Grabstein aushauen lassen", (S. 109) worauf er sich die Inschrift setzte:

„Hie leit bischof Ulreich, Dem ist ditz pild geleich." Das Denkmal mit der Angabe des Todestages M. CCCC. XXXVIL mense Augusto. die XXIX steht nun neben dem Domportale zu Brixen. Die Feinde des thätigen und unternehmenden Bischofs, der ein Günstling des Landesfürsten war, gaben dem vielverdienten Ulrich ein Hufeisen mit in die Gruft, wohl mit Bezug auf den alten Spruch, daß ein jäher Mann den Esel reiten solle (Winsbecke 33, 8. Freidank 116, 25. ]\Ione Anz. VII, 506. Megenberg 286). Oswald von Wolken- stein, der Hauptgegner des Landesfürsten und deshalb lange Zeit ein Feind unseres Bischofs'''), nennt ihn spottweise XVI^ 3, 10 Pertzli Uli und auch die Strophe XVI, 2 ist auf unsern Ulrich zu beziehen.

J. V. ZINGERLE.

*) Vgl. Sinnacher VI, 113 und 158. B. Weber's Oswald von Wolkensteiu und Friedrich mit der leeren Tasche S. 406 412.

J. V. ZINGERLE, riiö nÖNE. 47

FRO BONE.

In den Erklärungen dieses Walther'schen Gedichtes L. 17, 25 wird das Wort Bone auch im neuhochdeutschen beibelialten und man denkt nun dabei an die gewöhnHche Bohne, phaseohis vulgaris L. Walther sagt aber:

sist vor und nach der none

fCd und ist der wibel vol

wan erst in der niuwe. Dies paßt auf unsere gewöhnliche Bohne gar nicht, denn die Milben sind dieser Hülsenfrucht so abhold, daß unsere Bauern den Spruch haben: „Würmer und Mäuse fressen die Fasöln (Bohnen) nicht." Die Stelle unseres Dichters meint die faba major, vicia faba L. die Sau- bohne, die wenn sie noch auf dem Stengel steht und nicht reif ist, schon von „Würmern" benagt wird. Noch die Schriftsteller des XVI. Jahrhunderts nennen die Saubohne einfach Bone, während sie phaseolus vulgaris mit Fasel, Faesel bezeichnen. Die Saubohne war einst, wie noch heutzutage, bei den Bauern der Gebirgsgegenden eine beliebte Speise und Tragus sagt noch, es sei in Deutschland „inson- derheit zu Collen, Metz, Speier und Straßburg nach den Erweissen kein breuchlicher Legumen oder köchset als die Bonen". (Vgl. .,A. Kerner, die Flora der Bauerngärten in Deutschland" in den Schriften des zoologisch-botanischen Vereins in AVien 1855, S. 30, 31).

J. V. ZINGERLE.

ZUR DEUTSCHEN NAMENKUNDE.

Nachdem seit der Veröffentlichung meiner Schrift über die alt- deutschen Personennamen in ihrer Entwickelung und Erscheinung als heutige Geschlechtsnamen eine geraume Zeit verflossen ist, will ich mir erlauben diejenigen wichtigern Formen deutscher Familiennamen zu verzeichnen, welche mir während dieser Zeit neu entgegengetreten sind. Ich folge dabei der in meinem Buche aufgestellten Anordnung.

Adal. Albrings (Albert); Appeus. Adelhelm. Edlich (Adalleih). Alms (Adalmar). Ahm (Ammo). Altz, Alisch, Ehlis (Alizo, Elizo).

48 K. O. ANDRESEN

Agil, Agin, Ag. Eichler (Agilher). Einwald (Aginold). Einig. Ehebrecht, Eibrecht, Iber (Agibreht). Echer, Eckher. Eimuth. Eggerichs (Agirich). Egholdt. Eckwerth (Agiward). Alp. Eibin. Angil. Engelgau (Ingalgaud, Engilgoz: Förstemann 94)?

Ans, As, Os. Asboth. Anshelm. Oser (Oshar). Ohse (Aso)?

Ar, Arn. Arnigard?

Arbi. Erber (Erphari)?

Bald, Bold. Pellmann (vgl. Peldram)? Bellraer (Baldemar). Pelle- rich. Bellof (Baldolf). Bolwig. Pahlke, Pohlke; Pahling, Böltink.

Ber, Bern. Bierwerth (Berwart)? Bersch (Berzo); Bierling. Bier- nert (Bernhard). Barnewold?

Beraht. Bertkau (Forst. 243 Bertgaud)? Beradt, Brech.

Bil. Biebel (Bibo). Bilieb? Billo, Biljes (Bilo).

Bind. Binnert? Pindol (vgl. Bindewald).

Blanc. Plencker?

Blid. Bleibel? Blieffert? Plitsch?

Bod, Bud. Bomm (Bodomar)? Boten; Budding.

Brid. Breithardt, Breidert? Brico, Briecke; Breiling.

Brod. Proppert? Bratring (vgl. Brader)? Prahl, Prahle?

Brun. Brummund?

Bun. Zu Bon: Bönhold, Bohne wald (Bonoald: Förstern. 276).

Burg. Buckardt, Bochard (Burghard). Busse, niederd. Koseform.

Dag, Tag. Tebart (Dagobert; vgl. Teibert). Dember (Dagin- bert)? Dege, Tack (Dago, Tacco) ; Dahle (Dagilo), Dahling. DenfFer (Daginfrid? Dancfrid?).

Dane. Dankoff (Danchof = Dancolf: Forst. 1152).

Degan. Dienelt (Deganolt)?

Diot, Diet. Tiebelt, Töpolt (Dietbald). Tüpper, Daubert (Diet- bert). Tepe, Toppe; Döbke; Döbeling. Daudert, Dauter (Diethard, Diether). Diemert = Diemer? Tittrich. Tille, Dolle, Dölle; Dutz, Dötsch; Dökel, Dilje, Tölcke; Dockes, Detjen, Tollens.

Diur, Tiur. Deuerlich, Theuerlich (Doirlich: Forst. 338)?

Drud. Drüker (Trudger). Dröder (Trudher). Drotleff? Dreuth (Drudo); Drutel, Trüll, Drull.

Ed. Eppert? Etmer.

Er in. Ehrenbrecht. Ernert?

Fl ad. Flatters?

Frid. Friedebold; Frebbe? Fretschkes.

Gar, Ger. Garbrecht; Garbs. Gehret (Gerhard). Gerlhoff (Gerolf).

ZUR DEUTSCHEN NAMENKUNDE. 49

Gast. Kessbold? Gesterliug. Jästen.

Gau. Gouwe; Jaukens; Köwing.

Gaud, Goz. Gosbeth. Kaiitzsch?

Gir. Gierelt (Girold).

God. Jobclmann (Godebald). Gottfert (Godafrid), Gopfer.

Grim. Gremmericb.

Grün. Grumpelt (vgl. Grumbreclit).

Gund. Giinkel; Güntjen.

Ha du. Havers; Heppermann (Hadupreht). Haddrat (Hadarat).

Hagin, Hag. Heckebold. Hegebart, Hebart, Hämpert. Heinker (Hagiuger?). Hichert (Hechard)? Heimnar. Hägerich.

Hard. Hartlef. Hartdegen. Hartwein.

Hari, Her. Herburg. Harfes (Harifrid)? Hermannes. Haarnagel? Erwig? Hörichs (Harico).

Helm. Helmdach.

Hild. Hiltpold. Hidber, Hieber (Hildibert). Hidlefi'. Uten (Hildo).

Hlod. Lobert, Lober ;, Löper? Klüber (Chlodobert). Lodowicks. Lülofs, LeufFeu (Hlodolf). Clauditz (Hludizo).

Höh. Hoffart, Höffert (HofFred). Hamuth.

Hörn. Hornhardt ?

Hraban. Rapmund (vgl. Rannemund: Fürst. 708)? Rabenhold, Krahnhold, Krannhols (Hrabanolt, Grannold).

Hring. Ringleff, Rinkleff (Hringolf).

Hrod. Ropohl (Hrodbold). Röbber, Reuper (Hrodebert). Robra (Rotbrand)? Grupen(Hrupo)? Ruhrich, Grüderich. Rotwitt? Grude (Hrudo).

Hug. Hubo. Hügal (Hugold, Huwald)? How^ardt?

Hun. Hunze.

Ingo. Ingebrandt, Ingenbrand. Ingold.

Irmin. Immer (Irminher , Emheri). Imrich. Imke, Immelen, Ehmling.

Isan. Isnard (Isanhard).

Jung. Junghart.

Kol. KuUrich?

Kun. Kienemund. Kunwald.

Kuon. Kiene; Kientsch.

Lind. Limper (Lintpreht). Lindenlaub (Lindolf)?

Liut. Leberecht (Liutpreht) volksetymologisch. Liffart, LifFers (Liudfrid). Liedewald (Liutold).

Mag an. Magener (Maginher). Macco; Mannek; Maitsch; Man- kel; Mäglin.

GERMANIA. Neue Reihe IX. (XXI. Jahrg.) 4

50 K. G. ANDRESEN, ZUR DEUTSCHEN NAMENKUNDE.

Mar. Marpelt. ^Merwart. Maring, Marung.

Mod, Muot. Muhlert.

Mon, Mun. Muenker (Muniger: Forst. 938)?

Nad. Namuth?

Nagal. Neil?

Nid. Niedger.

Od, Aud. Obens (Opo). Audiger (Forst. 169). Oeming.

Rad. Reddewig ^Redwig: Forst. 1005).

Rag an. Renvers (Raginbreht). Rheinarth. Reinehr.

Rieh. Ripphart, Ribarz (Richbert).

Sal. Seelert? oder aus Sigilhart?

Scar. Scharz.

Sig. Sepott. Sehmer, Zimmer^ Zimmerly (Sigimar). Sigmeth, Simetz (Sigimuot). Sichwald, Ziegold (Sigold).

Sind. Sinder. Sindram.

Smid. Schmittdiel (Smidilo)?

Snel. Schnellrath.

St am. Stampehl? Stamm.

Stein. Steinher. Steinwart?

Stid (Stind). Stibbe? Stinder.

Strud. Strufe (Strudfrid)? Strüh, Strühlein, Ströhlein (Strudo).

Swind, Suith. Schwipper. Schweikher (Swidger). Schwethelm? Schwietering, Schwiering.

Tras. Dresnant?

Uodal, Odal. Ubber (Uodalbert). Olfe, Ölfken (Uodalfrid).

Volc. Volbarth, Volber (Volcbert); Völpel^ Vöpel. Fölger.

Wal. Wollram, Wohlramm (Walram).

Wald. Wallbracht, Walbrach. W^allfried. Wolkerling (Waltger). Wahling, Walkling.

W^an. Wähneidt?

Warin, War. Wernet. Werheit? Wermund.

Wid. Witholz, Wietholz (Witold). Weitlof (Witolf).

Wig. Wibbelt, Wibbeld (Wigibald). Wychgram. Wiegland. Weg- meth (Wigimuot). Wegendt (Wigand).

Willi, Wil. Willebaldt. Wilbrink (vgl. Wilberding). Willhardt.

Win. Winet. Winolf.

Won. Wonnert; Wonner. Wondrich.

Zil. Zillhardt.

BONN. K. G. ANDRESEN.

A. EDZARDI, NOCH EINMAL DAS JÜNGERE HILDEBRANDSLIED. 51

NOCH EINMAL DAS JÜNGERE HILDEBRANDS- LIED.

1. In dieser Zschr. XX, 231 unten erwähnt Kölbing gelegentlich meiner Vergleichung des j. Hbls. mit der ts. und sagt dort in der An- merkung: „S. 321 hält Edzardi den schwedischen Text an einer Stelle für ursprünglicher als die Hdsehr. der fs. Aber wie ist das möglich, wenn , wie Unger (S. VIII) erweist, der schwed. Übertragung gerade A zu Grunde lag?"

Gerade A? Au der angeführten Stelle wird ausgeführt, daß M (die Membrane in Stockholm, Mmh nach Unger) zu Grunde gelegen; diese fehlt aber von p. 341, Anm. 2 der Unger'schen Ausgabe an bis p. 359, Anm. 4 (vgl. Einl. XIV). Da nun die dem Hbl. entsprechende Partie in diese Lücke fällt, sind wir für die Vergleichung auf die beiden arnamagn. Papierhss. A und B angewiesen. Ich vermag also nicht abzusehen, weshalb nicht die schwedische Chronik in manchen Les- arten AB gegenüber das ursprüngliche sollte bewahrt haben können, wo sie genauer zum Hbl. stimmt als AB.

So hat auch außer an jener Stelle, die ich hier nicht noch einmal bringen will, noch an einer zweiten Stelle die schwedische Bearbeitung, AB gegenüber zum Hlb. stimmend, offenbar das echte, nämlich:

Hbl. 10, 4: Den schlag lert dich ein weib.

Sw. : thz slagz Iserdhe tik en kono.

rs. AB: retta slag mun })er kent hafa ])in kona.

Eine eingehende Vergleichung von Sw. , die hier nicht beabsich- tigt werden kann, möchte vielleicht noch mehrere solche Fälle finden.

2. Es ist ferner zu beachten, daß S w. oft nicht zu der von Unger (wo M fehlt) zu Grunde gelegten Hs. A, sondern zu B stimmt. Ich hebe besonders hervor:

Sw. 352, 4: eller hwadh man foelgher tik?'

= B, Cap. 409, Z. 4: eda hverr er J)inn forunautr?

B, Cap. 409, Z. 8 : ok leggr sina bada arma um hals Hildibrandi^ fehlt A; vgl Siv. 352,7: ok fagnadhe vel mesther Hillebrand (= Hbl. A: Si nam hem in hären armen {Germ. XIX, 317)].

Sw. 272, 8 scheint genauer zu B, p. 345, Anm. 1 als zu A zu stimmen. Ferner B, p. 344, Anm. 15: ok riär i hrott (fehlt A) = Sw. Cap. 350, 1: Tha redh Hillebrandh sin vcegh. B, p. 345, Anm. 18: sua langa hrict] um hrid A; Sw. 351, 11 : saa Icenghe. 346, Anm. 7:

4*

52 A. EDZARDI, NOCH EINMAL DAS JÜNGERE HILDEBRANDSLIED.

en ef pat er eigi pa A] ella B = Sw. 351, 26; aUer[? euer], 346, Anra. 9: Ylfingr A] Ylfinga cettar B = Sw. 351, 28: äff ylioinga slmcthe.

346, Anm. 15: AUhrandr Aj hinn ungi B = Sw. 351, 37: hin vnghe.

347, 1 : AUhrandr A] hinn yngri B = S w. 351 , 44 : hin vnghe. 347, 3: Hilldihrandr A] Hinn gamli B = Sw. 351, 46: hin gamble. 347, 6: horgarinnar A] Bernar B = Sw. 351, 52: hcerna. 347, 5: minn faäir [Hilldihrandr Ylfinga meistari B] AB, S w. 352, 6 : myn fadher mesther hillehrand, Vielleicht ist hier auch anzuführen 347,2: yfirstigit A] yfirkomit B^ offner vinna Sw. 351, 46. Ich habe dieses Verhältniss zur Zeit noch nicht weiter verfolgen können, wollte aber doch darauf hinweisen*).

3. An einigen Stellen macht der schwedische Text den Eindruck größerer Ursprünglichkeit als der von A und B, während in den ent- haltenen Fassungen unseres Hbl's. nichts entspricht. Ich meine nament- lich 351, 34: tw haffver dyceffiiolinj tina handh, vgl. z. B. NL, Bartsch 1744, 1. Dagegen haben AB: Pu hefir fiandann % hendi per. p. 345 Z. 4: ok a pentiid {dregin B) horg AB, Sw. 350, 10: oh scripuith oppa en borgh skapft] som hcErn. Sw. 351, 3: Han hadhe hadhe hcegh ok hundh, abweichend in der Anordnung ist AB, Cap. 407, Z. 3. Ferner etwa noch Sw. Cap. 351, 17 und 21.

4. übrigens steht doch auch Unger's Behauptung, daß Sw. gerade aus M übersetzt sei, keineswegs so ganz unanfechtbar fest, wie man allgemein annimmt. Daß die schwed. Bearbeitung aus einer der Mem- brane (M) sehr nahe verwandten Hs. hervorgegangen, hat Unger aller- dings nachgewiesen; daß sie aber gerade aus M selbst übersetzt sei, scheint mir darum noch nicht nothwendig, wenn es auch das wahr- scheinlichste, das einfachste und natürlichste ist, so lange nicht etwa andere Gründe dagegen sprechen. In solchem Falle bliebe immer noch die zweite Möglichkeit zu erwägen, daß Sw. auch aus einer Hs. über- setzt sein könnte, die mit M auf dieselbe lückenhafte Vorlage zurück- gieng, also:

X (mit den Lücken)

!

- M Y

Sw Darauf könnte auch wohl die Notiz bei Unger (p. IX) führen, indem Y auctr statt aud7i haben konnte u. s. f. (s. das.). In der von

*) Vgl. Döring, Z. f. d. Phil. II, 70 (§. 6). = Treutier, Germ. XX, 165.

F. LATENDORF, BEITRÄGE ZU LAUREMBERG'S SCHERZGEDICHTEN. 53

ünger p. IX besprocheneu Stelle f s. Cap. 200 = Sw. 185 hätte dann der Schreiber von M das Fehleu des dritten Schildes nicht bemerkt und das lückenhafte Original getreu abgeschrieben, während Y die Zahlen änderte*). Auf eine Untersuchung der nicht seltenen Überein- stimmungen von Sw. mit den deutschen Quellen [Storm**) p. 147 150] kann ich hier nicht eingehn. Wenn übrigens, was Treutier nach- zuweisen sucht, die Anordnung der Capitel aus der äusseren Einrich- tung gerade der Hs. M sich erklären sollte^ worüber ich mir noch nicht ein entschiedenes Urtheil habe bilden können, so ist meine hier unter 4 angedeutete Annahme natürlich hinfällig.

LEIPZIG, im October 1875. A. EDZARDI.

KRITISCHE BEITRÄGE ZU DEM SOGENANNTEN ANHANG DER LAUREMBERG'SCHEN SCHERZ- GEDICHTE.

Die Germania hat mir die Freude gegönnt, meine ersten und zu- fälligen Beobachtungen über Lauremberg gastlich in ihren Spalten ge- borgen zu sehen. Dadurch ermuthigt habe ich die Resultate einer weiteren Forschung, so weit sie mir begründet und sicher schienen, in einer Festschrift zu veröfifentlichen gewagt, die ich unter dem Titel „Zu Lauremberg's Scherzgedichten, ein kritischer Beitrag zu Lappen- berg's Ausgabe, Rostock, Stiller 1875" der Rostocker Philologen- Ver- sammlung darbrachte. Der Zweck dieses Schriftchens, eine Art Ehren- gedächtniss einem heimischen Dichter zu stiften und der Ort, für den es bestimmt war, bedingten es gleichmässig, daß eine beträchtliche Menge kritischen Stoffes, der sich mir für die Anhänge der Lappen- berg'schen Ausgabe, d. h. für die späteren bei Lappenberg abge- druckten niederdeutschen Gedichte gesammelt hatte, vorläufig ausge- schieden und für eine andere Zeit und Gelegenheit zurückgelegt wurde. Nunmehr scheint es mir angemessen, auch jene Beobachtungen ans

*) Ist es übrigens nicht auffallend, daß in dem (nach Unger und Storm p. 153) hinzugefügten dreizehnten Schilde in Sw. en hi^k steht, wie auf dem (in M und Sw. ausgelassenen) dritten in AB ein haukr med gulli, während der Name des Trägers freilich nicht übereinstimmt. Beachtenswerth sind übrigens die von Döring (a. a. O.) und von Treutier (Germ. XX, 165) nachgewiesenen Übereinstimmungen von Sw. mit B oder AB.

**) »Sagnkredsene om Karl den störe og Didrik af Bern etc.« Knstian'a 1874.

54 F. LATENDORF

Licht zu geben; ich danke es der Güte des verehrten Herausgebers der Germania, dessen ausdrückliche Genehmhaltung ich zu meiner lebhaften Freude in den frohen und festlichen Tagen der Rostocker Versammlung persönlich einholen durfte, wenn ich auch für diese Nachträge, diese Postlaurembergiana, eine bereite Stelle in der Ger- mania gefunden habe. Der gute Schild des Namens Bartsch mag mich zugleich decken, wenn meine Mittheilungen hin und wieder zwar nicht aus den Schranken wissenschaftlichen Forschens und Erkennen» heraustreten^ aber doch von dem Pfade der guten Sitte scheinbar be- denklich abweichen. Ich gliedere meine kritischen Bemerkungen wie in der Festschrift über Lauremberg nach den drei Gesichtspunkten: der falschen, der unzureichenden und der fehlenden Erklärung. Als den gemeinsamen Grund dieser Irrthümer aber bezeichne ich die Thatsache, daß Lappenberg, obwohl seiner Geburt nach dem Norden angehörig, doch dem eigentlichen Kreise der niederdeutschen Volkssprache nicht lebendig genug nahe getreten ist. Es galt hier, was ja überall unser höchstes und ehrenvollstes Ziel ist, Litteratur und Leben in ihrer gegen- seitigen Beziehung klar zu erkennen und durch diese Erkenntniss wiederum eine ähnliche fruchtbare Verbindung der anschauenden und darstellenden, wie der praktisch wirkenden Berufsthätigkeit für die eigene Gegenwart herbeizuführen oder zu vermitteln.

I.

Falsche Erklärungen.

a) II, 85-100. 6)11,173—180. c) III, 113— 120. d)Y,bl—5S, e) V, 85—88. f) V, 89—100. g) VI, 43—48. h) VI, 73—82. i) VIII, 42. k) VIII,

83-85. 0 XI, 67—76.

a) Man undertüsken müt de brögara mores leren wo he wil sin Person den frowens commenderen; da müt de leve Jost man alltid spreken: ja! un wat de frowens segt, hübsch seggen achterna. De frowens krömet in, up't gelt löpt alles ut, süln se em trecken ok vam live gans de hut; de Staat müt holen sin, so segt de leve frowen, sült velen ok herna to Altna ins berowen. Lest het de brödigam dat dink so hoch gedreven, gi sünd jo wol wat mehr umb juw vor em to geven, lest het de Sunter Claes to sinen hochtidehren wol vertein dusent mark hübsch möten her spenderen.

BEITRÄGE ZU LAUREMHERG'8 SCHERZGEDICHTEN. 55

Wat wil den wi nich doon, wi sind van andren lüden:

wo düvel sol wi uns van enen laten brüdenV

Gi könt jo gelt genog da van den Juden halen

un dörft man acht proceut vam ganzen jalir betalen.

h) De rest ja nu de kost, da geit dat flien an: de da braf sohöleii kau, dat is de beste man. Da müt de bruet dat hüs, de brögam vor de heren mit aller tobehör de dönse hübsch staferen. De rulle de mut sin mit golden posimenten un da dat wapen in mit andren complimenten; een tresor mut da sin gestellet bi den aven, de glase möten sin up golden föte schraven.

c) ik wulle wol min lif bi ener deren wagen, wuir erenthalven mi mit twe dre kerels schlagen, wen'k moderlik alleen bim dummen düvel wer un sünderlik, wo'k hadd' im lif een stöfken beer.

Ik wuir sc, Summern krank't! de (iraatniöl so tokilen, den enen wull'k de nees, dem andern rein wegfilen de oren van den kop, dem drüdden'k weet nich wat. Ei, derens, raet eenmal! Wat schul wol wesen dat?

d) Dar geit it: de botter, de pötte sind ut, des wundert sik under der mutzen de bruet;

de täpper dörf drunden neen tunnen verspunden dat maket, de drunk is verrunnen, verschwunden^ De büdel de drupt sik, bruet, brödegam sorgt, dat pölken, dat beerken, dat brod is geborgt, de becker, de bruwer, de bure de kümt, de kok mit dem keiner, de piper de nimt.

e) Wowol de drüdde hal sik heemlick vor den lüden verborgen holen kan, kan sik so lange iiüflen,

noch is it wahr, na jahr'n klingt doch de bunge noch, wen oft de fruwe schriet: 0 man, schlach sachte, schlach!

f) Den danzet her Puckert den vörreih hop, hop, he klopt er dat ledder, he lapt er den kop,

makt pött', ok ut eiern een dubbelden dop, so oft he kumt, stolpern mit völligem krop; den ropet und lopet de balger herum, een falt sik tom kröpel, de ander bald dum. Se gnahbet und gnuhhet, se schubhet sik fluck, düt kranket und anket, dat ander heft juck.

56 F. LATENDORF

de balger de blarren, se ballern, se biiirrn, krüpt immer im schote, bald uppe den schull'rn; de rocke, de söcke van hacken tom nack'n beklacket, behacket, de moder mut rack'n.

g) Nee! nu wil ik min frierie ganz anders fangen an un sülvest min friwarver sin, den sülvenst is de man. Wat schul ik up so'n ölen rand min ganze wolfart buwen, min geld un reputation den krukendregers truwen? Nee, Matz, do stufst de ogen up un sök di ene ut! Sprik se sültst um dat jaword an, du krigst wol ene bruet.

h) Drup dacht he, dit wer ok van nix, he hadd' wol ehr gelesen, dat man in egen saken doch plegt meistens blind to wesen. Drüm ging he na den fründen hen, sprak de to warvers an un dacht, dat ene wäske wol noch wat besunders kan. Dit ging vör't erst so paslik goet, doch wul't nich lange waren, den ehr Matz Tap et sik versach, do muste he erfaren, dat sine leve truden bruet anm andern was versegt, de em en groten balken hadd' in sinen weg gelegt. Nu süt Matz Tap bi'er nese dael, un Cloddehack de brummet, dat so een dul und waischen deef em in't gehege kummet.

i) und süt, wo Jasper Block mit Gretken Kohl scheef hacket,

k) Hans Hohn de nestelde recht baven crem kop und sach mit lachen to, wo Henke Dudendop bi Talkeil Dreiers lag.

l) Glück to denn, uterlesen paar van olem schrot und kohrn, dat glück mut altid bi juw bioin und nimmer nich versohrn! Denn wo et altid heet und warm, dar kann keen winter kamen, dar kan keen schnee und frostig isz verdarven juwen samen. Hir kummt keen unvermodlich ryp, hier fallt keen hagel nich: drüm grönt ok juwe fröhlichkeit und wasst beständiglich. Doch hört! Gi mötet bi der hitt ok oftermals begeten und sehn to, dat dat planten nich bi juw mög' sin vergeten: so werd er na dre veerdel Jahr ok junge frucht upgahn und wi werd junge Pilsen sehn in juwer wege stahn.

a) Lappenberg bezieht die im Druck gesperrte Wendung auf Altonaer Capitalisten, deren Hülfe der Bräutigam zu den unsinnigen Hochzeitskosten beanspruche und die zu guter Letzt leer ausgiengen. Näher liegt es meines Bedünkens an den Bräutigam selbst zu denken, der sich wohl oft vor andrängenden Gläubigern in das Gebiet von Altena flüchtete, vgl. VH, 70:

BEITRÄGE ZU LAUREMBERG'S SCHERZGEDICHTEN. 57

wol weet et, segt he, of de vent nich alles heft verteret im of he nich nach Altona noch ehr man denket scheinet. In dem Siinter Claes sieht L. einen heiligen Nicolaus wie im holl. sinter Cl.y ohne die weitere Beziehung erklären zu können. Man wird an das holsteinische sUnder Claes, d. li. ein besonderer, seltener Mensch erinnern dürfen. Cl. Groth bedient sich der Wendung zweimal in seinem Peter Cunrad, s. Glossar zum Quickborn.

b) L. erklärt schälen hier := plaudern. Wegen der folgenden Hoch- zeitszurüstungen denke ich an die ursprüngliche Bedeutung von spülen, d. h. in diesem Zusammenhang putzen, säubern, reinigen.

c) L. sieht in draatmoel den salva venia Hintern bezeichnet ; ebenso Schiller-Lübben u. d. W. In der Volkssprache werden aber zunächst die Augen verkeilt, „du krigst glik enen in de finstern" und die nahe- gelegenen Theile des Gesichts. Sonach meine ich, bei draatmoel an den Mund denken zu müssen, der wenigstens als plaepermael öfter ge- nannt wird. Ob dabei zunächst an das langsame Sprechen, an das Ziehen, Drehen der Worte zu denken, wie bei plaepennoel an das rasche Reden, wage ich nicht zu entscheiden.

d) L. faßt pölken als Deminutiv von poel = Pfühl, was poelken wäre. Es stammt vielmehr von polk = porcus, der Beweis liegt in der nächsten Zeile; der Brauer fordert sein Geld für das geborgte Bier, der Bäcker für Brot und der Bauer nun dieser eben für das in natura gelieferte Schweinchen oder Ferkel.

e) hüden nach L. sich hüten, richtiger wohl sich verbergen, s. das nd. Wbch. u. d. W. hoden und die dort gegebene Begriffsent- wickelung.

f) läppen nach L. den Kopf zurechtsetzen; das ist zu glimpflich, es heißt vielmehr geradezu zerschlagen, wie in dem vorausgehenden klopfen. An der zweiten Stelle se gnahbet ff. sind drei Erklärungen möghch, von denen ich die dritte, d. h. meine eigene, für die wahr- scheinlichste halte. L. hat, wie aus dem Glossar „gnubben = mit den Zähnen schaben, knirschen'' zu schließen, an die geschlagene Frau gedacht; Schiller-Lübben s. v. gnabben bezieht es auf die verdrießlichen und murrenden Kinder. Ich beziehe das Wort auf das sich schiebende, stossende, schlagende Ehepaar. Bei knuffen und gnuffen, was Schiller- Lübben vergleicht, ist man in Mecklenburg wenigstens nicht mit bloßen Worten zufrieden; es sind schon fühlbare Realinjurien. Zwei Verse weiter finde ich ebenfalls einen raschen Wechsel des Subjects de balger (Kinder) de blaren; se (Eltern) ballern, se bullern. Se gnabbet nach

58 F. LATENDORF

holst. Sitte auch das Verb, im Singiil. Endlich hätte man wohl schwei- gend drei Zeilen vorher das Comma hinter kumt tilgen können; he kumt stolpern, wie ausserhalb des Reimes he kümt to gän, kumt riden, u. dgl.

g) krukendreger deutet L. Krückenträger. Die erste Silbe ist aber lang und so wird man richtiger an eine Topf- oder Kimgträgeinn denken müssen; sei es, daß das alte Mütterchen darin etwas bringt, Salben u. dgl., sei es, was wahrscheinlicher, daß sie etwas holt. Die Verehrer Reuters erinnern sich der „Fru Meistern Stahl" in der Franzosentid und wie sie Mamsel Westphalen die Stadtneuigkeiten zutrug, um dafür regelmäßig einen Henkeltopf mit Essen heimzubringen.

h) cloddehack bezieht L. auf den Schmutz. In Mecklenburg wird das Verbum klorrhacken noch heute vom schlottrigen Schuhzeug ge_ braucht „male laxus calceus in pede haeret" Horat. Dazu scheint mir auch der Name des traurigen Helden Matz Tap zu passen.

i) scheefkacken nach L., der übrigens falsch citiert, mit krummen Beinen tanzen. Da das Prädicat auf die Tänzerin passend mitbezogen wird, so deute ich es lieber auf die Art des Tanzes, als auf die des Tanzens oder der Tänzer; ich denke an den jetzt antiquierten sogen. Bummelschottisch, Hack und Zehen, eins, zwei, di'ei; wobei auch der eleganteste Tänzer die Hacke zu krümmen, d. h. im spitzen Winkel auf die Erde zu setzen hatte.

k) Talke Dreiers. L.: „Talke ist Tändlerin, Schwätzerin. Dreier der Dreher". Nur die letzte Bemerkung ist richtig; Dreier, als Eigenname nicht selten in Norddeutschland^ bezeichnet appellativisch den Dreher und demnach auch den Drechsler. Talke ist aber gleichbedeutend mit dem Vornamen Aalke =: Adelheid, s. das nd. Wb. u. d. W. Die Ge- netivbildung bei weiblichen Namen (vgl. Lappenberg zu v. 129) ist noch heute der niederd. Volkssprache eigenthümlich. J. Gerschow, Prof. in Greifswald um 1650^ sagt in seiner anziehenden Selbstbiographie, von der ich eine deutsche Ausgabe projectiere: copulata est mihi Me- doae fDorf bei Anklam) lectissima femina Ilscbe Bostelmans. Zahl- reiche Beispiele aus Stammtafeln jener Zeit und aus der heutigen Volkssprache habe ich und hat insbesondere der sei. Kosegarten ge- legentlich jener Autobiographie in den baltischen Studien XVH (1859), H. 2, S. 159 ff. mitgetheilt. Käme ich mit meiner Familie zur guten Stunde in das Bauerngehöft, wo meines seligen Vaters Wiege stand: so hieße meine jüngste Tochter, wie so manche Muhme vor ihr: Wisa oder Wising Ladendörps; jetzt freilich wird sie nur selten sich so nennen hören.

BEITRÄGE ZU LAUREMBERG'S SCHERZGEDICHTEN. 59

l) in juicer xcege. L. in eurem Wege. Er hat Masc. und Fem. yerwechselt. Es heißt einfach : in eurer Wiege. Es ist die letzte An- merkung Lappenberg's, leider nicht die beste.

n.

Unzureichende Erklärungen.

a) I, 45-50. h) I, 171-180, 191-194. c) II, 183—186. d) III, 49—56.

e) X, 53-58.

a) Wo sik de junge kerl heft schmartlik möten plagen straks in de erste tid, straks in den starken dagen, intmidden van der lust, dewil he schleep alleen, und hadde nemand mehr den ga-lof mit gemeen? Et was em alto suer so levelos to leven, bet em de leive Got de fruwen heft gegeven.

h) Van dat klagen, wan dat ropen, van dat wenen, van dat lopen. van dat lachen, van dat singen, van dat danzen, van dat springen, van dat wachten, van dat spreken^ van dat ringen, van dat steken^ van dat wrößeln, van dat schmiten, van dat Uckeriy van dat biten, van dat sitten, van dat töven, van't erfreuen, van't bedröven, is alles al gesecht, ist alles al geschreven vam ersten Adam her un aller minsken leven, herr brögamb, bet to juw, dar gi nu fanget an un wilt eens juwe macht bewisen as een man.

c) salveten sünd alleen man up der heren disken, de junfern mögt de band in ere hembde wisken; Un sül de wand ok sin da wesen hübsch und fin, mot allenthalven doch wat schulske deken sin.

d) Darmit so ward de bruet van buten upgefliet, van binnen ward se noch wat scharper erst gebiet: mut leren van dem mom'n, wat se noch nümmer kan, wo se sik schicken schal, wen se schlöpt bi dem man; mut altid sin to hues, sik ingetagen holen,

as enes pötjers schört gereten ut den folen,

60 F. LATENDORF

miit lisplen mit der tunge, den kop hübsch holen lik. ,

Sip! segt se den^ so is dat münken in dem schick.

e) De bruet is elfenbeen, mit huet un fleesk geschmücket^ een conterfei, darin de döget is gedrücket; de brögam süt ok ut glik als de marmelsteen, de wit^ wit överdrept den köuink Langebeen. O schöne, starke been, den goden dag to dragen! 0 schlenkers, de nich schlap, glik als de nettelkragen.

a) Die ganze Erklärung Lappenberg's lautet: Im Original: denn gah-loff. Suchen wir also ohne Führer unsern Weg. Adam hatte nach dem Dichter nichts als (den) einen oder den ga-lof bei sich. Ich sehe hierin eine imperat. Wortbildung. Die Lage des ersten einsamen Menschen war eine so traurige, daß ihm selbst nichts daran zu loben, daß ihm nur zu sagen blieb : Geh Lob, d. h. nichts Löbliches ist mein Genosse. Ahnliche Wortbildungen sind seit Grimm namentlich an Eigennamen der Vergangenheit und Gegenwart, aus Urkundenwerken und freieren Litteraturschöpfungen zahlreich an's Licht gefördert; we- niger aus dem Bereich der Volkssprache. Aus Mecklenburg kenne ich nur ein Analogon zu Ga-lof^ wo nämlich das beigesetzte Subst. im Nominativ steht. Hunger^ icehr di, Bezeichnung der Noth, auch Name eines ärmlichen Gutes, wie Rit-üt. Den beigesetzten Objects- accusativ zeigen dagegen viele Verbindungen, z. B. Piist-de lamp-iit, Bezeichnung eines großen Hutes, 'n rechten sla-dod, von starken, vier- schrötigen, auch wohl raufsüchtigen Menschen. Vertell-mi-wat, Be- zeichnung eines Schwätzers und sein Gegenstück, der allzu Neugierige Fang-up-den dreck, fidel up'n müs- oder gos-koetel; hrek isen un stäl, Hundename im Volksmärchen. Eine ganze Reihe ähnlicher Namen in dem Spruch vom Hausgesinde, klapper-mit-de-kann het min man; do- mi-recht het min knecht: spinn - nich - girn h. m. dirn; schit-voer- de-doer h. m. goer; gä-bet-to h. m. ko; daneben allitterierende Formen trippelträp h. m. schäp, trippeltraeg h. m. zaeg; krusekrul h. m. bull. Eine Kinderneckerei^ bei der die Haut oder das Fleisch zwischen Daumen und Zeigefinger gekniffen wird, mag den Schluß bilden: Wat is dit? flesch un blot. Wo kümt dat her? üt Amsterdam. Wo het de man? lütt Johann. Wo het dat wif? knip-int-lif. Wo het de gos? Lät mi los.

h) licken im Sinne von küssen im Glossar nicht nachgewiesen.

c) schülsche decken. L. gibt nur die sachliche Erklärung dieser heute sogen. Schutzdecken. Für die Bedeutung des Verb, schulen bietet er nichts; mir genügt der Hinweis auf Müllenhoff, zum Quickborn.

BEITRÄGE ZU LAÜREMBERG'S SCHERZGEDICHTEX. 61

d) Bei sif fehlt das genaue Citat im Glossar; bei dem Sprich- wort von der Töpferschürze, die ihrer Bestimmung gemäß gar nicht in Falten gelegt wird, vermisse ich die Bemerkung, daß noch heute das Sprichwort erbor as ne pötterschört gang und gäbe ist; auch Wander verzeichnet es hochd. unter ehrbar. Zu der ganzen Stelle aber konnte die Wendung von dem zierlichen oder gezierten Zuspitzen des Mundes gesetzt werden: de münd in de pünt setten. Von allzuzimpferlichen Personen heißt es geradezu: se kan nich zip (so, nicht sip, wenigstens in Mecklenburg) seggen. Dazu die Anecdote. Eine Frau wird von dem heimkehrenden Gatten gefragt: Fru, wat eten (resp. kaken) wi huet? Antw. hoenen. Wat? Hest nich huert: bonen. Ik häv min münt al acht dag inne pünt set't, un he rit's [reißt sie] wedder rüt. Bei hoenen, dem neumodischen selbstgemachten Wortgefüge ist das Mündchen na- türlich spitzer, als bei dem breiten und derben Bohnen.

Das inne pünt setten aber, fügte meine Gewährsmännin hinzu, eine meiner Basen, hätte hier der Vorbereitung zu einer Hochzeit gedient.

e) schlenker. Das Glossar bemerkt einfach: Bein. Kein Mensch bedarf dieser Erklärung^ wohl aber des Hinweises, daß das Bein als Träger metaphorisch so bezeichnet wird, daß also schlenker ursprüng- lich ein Terminus der Baugewerke ist, s. brem. Wbch. u. d. W. slenker.

ni.

Fehlende Erklärungen:

a) I, 127—130. h) HI, 71—74. c) VIII, 189-200. d) IX, 73-76. e) VI,

19—28.

a) A, 't was een gojen drunk, een winken recht to laven^ de aller gaste leed un schwermoet hübsk verschaveu.

Do schal den ersten dans Sönt Peter hebben dahn, as em van düjem drank dat hart anfing to schiahn.

b) De negsten van dat bloot

de stahn un sind so glat un holen sich so groot, as wen se't weren sülfst; de andern gähn so stive, as hadden se eefn pael er'n ander dink im live.

c) Wo mannig ehrlik man moet jamerlik verlaten

sin hues^ hof, land und sand, moet hüren frembde katen! De schinner nimt it hen wol vor ein botterbroet. Dat skul men strafen; men dat unrecht is to groet in disser argen weit: de riken deef entlopen, de armen hengt men up. Dar wil ik aver ropen,

62 F. LATENDORF

so lang ik lev und schwev\ Hei, is dat recht gedahn,

dat de noch bavenan moet allerwegen stahn^

de so veel land und sand^ holt, gelt und goet gestalen,

dat it mit dusenden wol kuem is to betalen?

Und ik bedröfde bloet moet vor een höhn eft twe

straks deef und galge sin! Dat deit mi alto weh.

d) Lapekens Amme de laven wol vele^ man mi gefeit se wol nich,

de farve de docht nich, se süter so gele^ mi dücht, se holter nich dicht.

e) He gript sik an un krigt tom dank een ölen band darvör, de ganz van schwete kleefrich is, verrottet un ganz mör;

den weet dat möderken dem vent so köstlich to beschriven, dat he em as een hilligdom mut stets vor ogen bliven. Dit, segt se, het dat leve kind lim eren lif gehat; wat dünkt jow, kam gi eens so wit as disse side sat? Wo watert Matzen den de mund;, wen he hört düsse saken! Dat hart, dat in der büchsen sit^ dat wil sik musig maken.

a) Es durfte oder mußte mit einem Worte auf den scheinbaren Gebrauch des Accusativs bei dem Verbum sm oder loesen hingewiesen werden. Diese Construction vermochte Höfer (Z. f. die Wissenschaft der Sprache I, 341) für die ältere Zeit nicht nachzuweisen; HofFmann V. F. eliminierte sie unkritisch an nicht wenigen Stellen seines Reineke Vos; bezügliche Nachweise bietet mein Programm über dieses Gedicht, Schwerin, 1865, S. 26 ff. (Exemplare stehen mir nicht mehr zu Gebote.)

h) Ein ähnliches Sprichw. weist Wander u. d. W. Pfahl aus dem Märkischen nach (Nr. 23 he het'n pal in'n rüggen); verwandt ist die bei Wander unter Elle nachzutragende Verbindung: Se (he) het ne Ell (Ael) overslaken. Die Elle ist dem oder der Stolzen gleichsam im Rücken stehen geblieben.

c) Auch diese Verbindung ist dem heutigen Niederdeutsch nicht fremd. Ich hörte eine Greisin über ihren Schwiegersohn mit den Worten klagen: sal dat noch Ixind un sand rüchtig waden, wo slicht wi uns rait'n anner stän! Bei Wander vermisse ich die Fügung unter den sprichw. Redensarten u. d. W. Land. Die heutige niederd. Volks- sprache bietet eine Fülle ähnlicher Wendungen; s. einzelne Nach- weisungen in meiner Schrift über Lauremberg S. 21. Folgende eigen- thümUche Beispiele nenne ich noch gleich:

BEITRÄGE ZU LAUREMBERCrS SCHERZGEDICHTEN. 63

Ik wull, dat he sik gm'k und gnaJc breken ded (oder der). De lued bebben nich kind oder kinid inne weit (bei Cl. Grotb kind un küken). Toev man, he sal ok harst un borst to bedd gan (so u. a. in und um Neustrelitz; ein Zuspruch an aufgebraclite Kinder); in Mantzel's bütz. Ruhest. XV (1764), S. 23 heißt derselbe Spruch barft un barß. Das erste Wort habe ich auch in Schwerin und Rostock gelegentlich wohl im Sinne von barfuß gehört, vorherrscht indessen auch hier barst. Diese Wortform ist direct nicht mitverzeichnet bei Schiller-Lübben u. d. W. barvot, barvet, barvt. Der ehrliche Mantzel verzweifelt an der Deutung der Verbindung; er weist mit Recht die Beziehung auf das Bildniß des Gottes Krodo, der mit bloßen Füßen auf einem Barsch stehe, zurück. Ich erkläre einfach = barfüßig nnd barärschig (also eine Contract. aus barors). Wer eine bessere Deutung weiß: cedara majori; Wander u. d. W. barfuß bietet nichts Einschlagendes. Zur Sache füge ich hinzu: wie eines Kindes Hand sich leicht füllen läßt, so stillt sich auch sein Zorn leicht in Aussicht auf die scheinbar harte Strafe seines vermeintlichen Beleidigers.

d) Lappenberg sieht in der Schlußsilbe von silier, holter und anderen Formen ein angeschlossenes er = dar. Ich erkenne viel- mehr eine rhythmische Ausfüllung, ohne daß eine besondere Bedeutung ersichtlich wäre. Ich verweise auf den Schluß meiner Bemerkungen über er und oder bei unbestimmten Zahlenangaben, s. GermaniaXIII, 206. Ein gleiches Princip erkenne ich in der Verlängerung der Adverbien noch, näst u. a. um die Silbe e?z; und ebenso in den zahlreichen Zu- sammensetzungen im Niederdeutschen mit der Mittelsilbe el: Kindel- bier, WascheldOk, Setteltid = Brutzeit u. dgl. Die von MüUeuhoff bei Groth im Quickborn gegebene Deutung der adverbialen Formen nochen u. a. erscheint mir demnach zweifelhaft. So nothwendig die Er- kenntuiß des früheren Standes einer Sprache ist, so wenig reicht die- selbe zur Erklärung aller heutigen Erscheinungen aus; und das frische Leben der Gegenwart läßt andererseits durchgreifende Gesetze er- kennen oder ahnen, für die in der Vergangenheit nur trümmerhafte Reste vorhanden sind.

e) Die unzüchtigen Anspielungen in dieser und anderen Stellen er- klären es ausreichend, wie nothwendig die Zuführung reinerer und lauterer Elemente für Litteratur und Leben war. Heute würden wohl in keinem Kreise der Gesellschaft ähnliche Hochzeitsgedichte willkommen sein. Nachdem aber die gemeinsame deutsche Sprache sich sittlich gleichsam regeneriert hat, war es geraume Zeit Mode, in dem niederdeutschen Dialecte mit Vorliebe eine besondere Befähigung für derben Humor

64 F. LATENDORF

hervorzuheben. Grothe und Reuter blieb es vorbehalten, den thatsäch- lichen Beweis zu liefern, daß auch reine und innigere Töne dem deut- schen Norden zu Gebote stehen. Jetzt braucht ein Freund der hei- roathlichen Mundart, der ihrem gemüthlichen Reize zumal im Kreise des Hauses offenes Herz und Ohr von Kindheit an entgegengetragen, keine Mißdeutung zu fürchten, wenn er ausdrücklich hervorhebt, daß in diesen sprachlichen Derbheiten neben einer Fülle gesunden Humors zugleich eine reiche Quelle der Erkenntniß sprudelt, daß seltene Worte, kühne und kecke Wortbildungen, rasche Reime den unbefangenen Beob- achter entzücken. Aus einer Sammlung von einigen fünfzig doppel- sinnigen Räthseln von großentheils naiver, theilweise auch gesuchter und raffinierter Sinnlichkeit wähle ich auf gut Glück die Musenzahl mit dem Musageten heraus; die schlimmsten lege ich noch einst- weilen zurück.

1. Ik ging na de kamer,

dor begegnet mi vatter sämer. He drükt mi danedder, dat kern mi nich towedder, dat ded mi so sacht, wo ken minsch an dacht (Aufl. Schlaf). 2.-4. (Aufl. Floh).

2. Ik leg inne for un duckert mi,

dun kern 'n ollen swarten man un puckert mi.

3. Hartman, swartman,

de bi uns maeken int bedd kam, wul uns maeken hipüken, dat maeken wul nich stilliggen. as dat maeken stil lag, hilpükt (sie) he de ganze nacht.

4. Ik ging mal oever t straetken, begegnet mi'n swart paepken. he böd mi fipfippern an

Ik saed, ik hebb allen'n man, de mi fipfippern kan.

5. De man de schint, de püs de grint.

de staken steit wappeln

un de kloeten de klappern (Bohnenstange mit Blüthen u. Frucht).

6. Dat bed is mäkt, de brüt is sträkt,

BEITRÄGE ZU LAUKEMBEHG'S SCHERZGEDICHTEN. 65

steit anne wand.

V

Iiiit'n stiben inne liaud, deit ümmer, as wen't up er losgan sal. (Eine Lage Korn auf der Schemidicle und der DresoluM- mit dem Flegel.)

7. JMin buekkeu iip din buek-keu

un min pipken in din purlok (Scldoß und Schlüssel). Dasselbe rafinnerter:

Unse knecht hiurich,

de stak sinen pinrich

in unser maeken flarre (fladde). (Die Lade des Mädchens durch den Schlüssel des Knechts geöffnet.)

8. De stridder de striller wenner wippert^ den willer; wo mir datter deit,

wo stiver datter steit. (Das Tuch in der ]\[ühle, worin das Mehl kommt.)

9. Nawersch, kan ik nich minen böller in dinen rugerenzel jagen? wen min ruirerenzel bestrenzelt is, kanst da dinen böller wed- der in minen rugerenzel jagen, (böller =: Kalb; der unbe- streuzelte rugerenzel soll die geschorene oder kahle , gemähte Wiese bezeichnen.)

10. Stün dorn man up'n breden sten,

här fivhunnert swin um sich,

de harn al'n pricken in'n nors,

de scheten al : snirt, snart.

As he saer: hfd wat,

wiren sin swin al kälswart. (Schlehdorn.) Ich unterlasse wohlfeile Verweisungen auf Simrock's Räthselbuch und einzelne märkische Räthsel, die Woestc vor Jahren in der Z. für deutsche Mythol. mitgetheilt hat. Ich Avünsche gerade, daß der Stofl' an sich unbefangen und ohne gelehrten Apparat .wirken möge.

Einen anderen Zusatz aber zu machen zwingt mich die litterarische Gewissenhaftigkeit. Ich habe Eingangs dieser Arbeit meiner Festschrift über Lauremberg zur Begrüssung der Rostocker Philologen- Versammlung gedacht. Ich bin jetzt im Stande hinzuzufügen, daß der zweite Abschnitt dieses Büchleins „falsche Erklärungen Lappenberg's" seinem wesent- lichen Inhalte nach in dem Programm von E. Müller zu Joh. Laurem- berg, Köthen, 1870, schon vorweggenommen war; nicht minder ein bio- graphischer Artikel über den Dichter, den ich unter dem Titel: Ein arithmetisches Problem aus dem Leben des Rostocker Dichters Johann

GERMANU. Neue Reihe IX. (XXI.) Jahrg. 5

66 I?. KÖHLER, ABERMALS JOHANN VON MORSHEIM.

Lauremberg und seine Lösung in der Meckl. Zeitung vom 30. Mai d. J., Nr. 144 veröffentlicht habe. Indem ich mich dieser Übereinstimmung mit einem verdienten Vorgänger offen freue, dessen Leistungen für Lau- remberg bleibende Beachtung erfordern, ist es mir zugleich willkommen, rechtzeitig den Schein der Priorität von meinen Schultern abzuwälzen, der sie nur mit seiner Wucht zu bedrücken, aber nicht ehrend zu schmücken vermag.

SCHWERIN, am 30. October 1875. FßlEDR. LATENDORF.

ABERMALS JOHANN VON MORSHEIM.

Mein Freund Prof. Dr. Karl Menzel in Bonn hat, durch meine neuliche Mittheilung über Johann von Morsheim XX, S. 383 f.*) veranlaßt, die Güte gehabt, mich auf H. E. Scriba, Regesten der bis jetzt gedruckten Urkunden zur Landes- und Orts-Geschichte des Groß- herzogthums Hessen, 3. Abtheilung (die Regesten der Provinz Rheinhessen enthaltend), S. 293, und auf A. F. Oefele, Rerum Boicarum Scriptores, T. II, pag. 492 und 493, zu verweisen. An erstgenannter Stelle ver- zeichnet Scriba unter dem 19. Dec. 1491 eine bei Würdtwein, Mona- sticum Palatinum, VI, 7, gedruckte Urkunde 'Anlaß zwischen Johan von Morsheym, Faut zu Germersheim, eines, und Prior und Convent der Augustiner zu Altzey andern Theils, wegen ihrer Irrungen um den Zehnten zu Nidern- Wisheim. D. Altzey uff montag nach Lucie . Hieraus lernen wir also, daß Johann von Morsheim, bevor er pfälzischer Hofmeister geworden, Vogt zu Germersheim gewesen ist. Die Stellen in Oefele's Scriptores sind aus den 'Ephemerides Belli Palatino-Boici ex Augustini Koelneri Chartophylacis Boici Libris III Operis inediti de Bello Boico concinnatae, V. Gl. Erasmo Vendio ab- breviatore', und in ihnen wird bei Verhandlungen zwischen der Pfalz und Baiern, die 1509 zu Worms und zu Ingolstadt stattfanden, bei ersteren 'Johann von Morshaim der Pfalz Hofmaister', und bei letztern 'Hanns von Morshaim Hofmaister' genannt.

\\TEIMAR. REINHOLD KÖHLER.

*) S. 38:^, Z. 7, lese man Kirchheimbolanden statt Kirchheimbslanden.

F. LIEHRK(;HT. Kt.F.lNK MITTMEIIitlNOEN. 67

KLEINE MITTHEILUNGEN.

1. Zur deutschen Heldensage.

In Benfcy's Or. und Occ. 3, 357 f. habe ich in Bezug auf die slavische Walthariussage nach Schiefner zwei russische Wendungen niitgetheilt, von denen die eine so lautet: „Michaila Potyk Iwano- witsch erblickt in einem Strom einen Schwan^ der^ als er auf ihn an- legt, sich in eine Jungfrau verwandelt und als Maria der weisse Schwan seine Gattin wird. Während er von Hause eilt^ erscheint aus Litthauen der Fürsteiisohn Fedor und wird ihr Gatte. Durch llja von Murom davon benachrichtigt, kehrt Potyk heim und wird reichlich mit Speise und Trank bewirthet. Als er nach dem Mahle eingeschlafen ist, schleppt man ihn in einen tiefen Keller, wo man ihn an die Wand nagelt; es befreit ihn Fedor's leibliche Schwester Anna, welche er heiratet und sowohl Fedor wie Maria tödtet."

Ausführlicher und mit verschiedenen Abweichungen gibt diese Sage Bistrom in seiner Abhandlung über das russische Volksepos (in Lazarus und Steinthal's Zeitschrift für Völkerpsych. 6, 145 f.) auf fol- gende Weise: „Von Michajlo Iwanowic Potok wird erzählt, dal3 er einmal, von Wladimir auf die Jagd geschickt, einen weißen Schwan erblickte, der sich, als er ihn tödten wollte, in ein schönes Mädchen ver- wandelte. Diese heiratete Potok, w^obei sie die Bedingung machten, daß bei dem Tode des einen von ihnen das andere mitbegraben werden sollte. Seine Frau, die Awdotja Lichowidjewna (Böses sehend) ge- nannt wird, starb zuerst und Potok ließ sich mit ihr lebendig begraben. Um Mitternacht erschien ein großer Drache, der den Potok verbrennen wollte; dieser tödtete ihn und belebte mit dessen Blute seine Frau. Sie wurden darauf ausgegraben und lebten ein.e Zeitlang glücklich, Bei einer der vielen Abwesenheiten Potok's kommt ein litthauischer Fürst nach Kiev und entführt Potuk's Frau. Zurückgekehrt, zieht letzterer sich wie ein Pilger an und begibt sich so an den Hof des Litthauers. Seine Frau erkennt ihn , täuscht ihn mit erheuchelter Liebe und verwandelt ihn in einen Stein. llja mit den andern Helden fahren aus um ihn zu suchen; der heilige Nicolaus zeigt ihnen den Stein und gibt Potok seine frühere Gestalt zurück. Potok kommt wieder zu seiner Frau, wird abermals von ihr getäuscht und an eine Wand genagelt. Die Tochter des litthauischen Fürsten, Anna, verliebt

5*

F. LIEBRECHT

sich iu ihu und befreit iiiii; worauf er seine frühere Frau tödtet u»d diese Anna heirathet."

Was nuu den in der letztangeführten Version erscheinenden Draclien, der Potok verbrennen will, betrifft, so ist nicht zu bezweifeln, daß unter demselben der in den russischen Wladimirsagen oft auftretende feuerspeiende Bergdrache Tugarin zu verstehen sei, dessen Tödtung, wie Bisti'om anführt, vielen Heldeugenossen Wladimir's zugeschrieben wird, wie dem Ilja, dem Alosa, dem Dük, dem Dobrinja, welcher letztere auch die von Tugarin geraubte Enkelin Wladimir's, Supama, aus des Drachen Gewalt befreit, indem er ihn nach dreitägigem Kampfe er- schlägt. Die gleiche That verrichtet, wie wir gesehen, auch Potok, und man könnte daher auf den Gedanken kommen^ daß sie sämmtlich nur Differenzierungen einer ursprünglich identischen Gestalt bilden. Wie dem jedoch sei, so bietet diese Sagenreihe in dem, was sie von Do- brinja und Potok berichtet, eine auffallende Übereinstimmung mit der deutschen Sage vom hürnen Siegfried, wie er Krimhilt, die der Feuer- drache geraubt hatte, aus dessen Gew^alt befreit, w^obei der Berg, in welchem Krimhilt gefangen gewesen (acht Klafter unter der Erde) an das Grab erinnert, worin Potok und seine Frau sich befunden; auch wird letztere sowohl wie Krimhilt wieder ins Leben zurückgerufen, jene durch das Drachenblut, diese durch eine Wurzel, die der Zwerg Eugel ihr in den Mund steckt. Es scheint also, daß eine nähere Verwandt- schaft der angeführten deutschen mit der russischen Drachensage nicht zu bezweifeln ist, und zwar dürfte wohl die deutsche die Priorität be- anspruchen. Ganz anders jedoch verhält es sich mit den übrigen Um- ständen der Potoksage, die außer der slavischen Walthariussage auch noch mit dem Grimm'schen Märchen, Nr. 16 .,Die drei Schlangenblätter" aufs Genaueste verwandt ist; Benfej, Pantsch. 1,454, hat letzteres bereits in diesen Kreis gezogen, wenngleich ohne Verweisung auf die genannte slavische Sagenreihe, welcher, um auch dies noch zu er- wähnen, sich Parthenius c. 8 gleichfalls anschließt, wie Landau, die Quellen des Decam. S. 94, bereits bemerkt hat.

2. Isländisches.

In Jon Arnason's Islenzkar tjodsögur og J^fintyri, Leipzig 18G4, II, f)72 wird folgendes mitgetheilt:

'Der nächste Monat nach Mittwinter heißt noch jetzt, wie all- bekannt, r orri, der nächste Monat nach diesem Goa, der letzte Win- termonat Einmanadur, der nächste Sommermonat H arpa. Die alten Sagas berichten, wie die beiden ersten Monate ihre Namen erhielten (s.

Ki.F.iNK Mri'nrr.iT.rNGEX. 69

FAS. II, 1. 17. FLH. 1, 21 -JJ. 211)/'), aber mir ist nicht bekannt, wes- halb die beiden letzten die ihrigen bekamen; jedoch bietet die mündliche Überlieterunji^ eine kleine Abwcieinin^: denn während in den Saga's rorri und Gnti Vater und Tochter «j;cnannt werden, macht jene sie zu Mann und Frau, deren Kind(M' Kinmanadr und llarpa sind. Es la nun den llot'besitzeru oh, rorri zu emj)t"angen (ad t'agna rorraj oder ihn in's Haus zu laden (bjoda lujnum i i^ard), wobei sie an dem ^Forgen, wo rorri anlangte, fridier als alle andern P>e wohner des Hofes auf den Beinen sein imd sobald sie aufgestanden, vor das Haus hinaus mulHen» im bloßen Hemde inid mit bloI.>en Beinen und Fiilien, indem sie nur in das eine Hobcnbein fuhren, während das andere am Boden nachschleppte. In diesem Aufzuge gieugen sie zur Iloftiiür, schlössen sie auf, hüpften dann aut einem Beine um das ganze Geholt und hießen rorri in Haus und Hof willkommon. .\ii einigen Orten des Nordlandes heißt der erste Tag des t*orri noch immer der „Hofwirthstag" (bon- dadagur), an welchem die Hausfrau ihren ^lann gut. verpflegen muß, und dieser Festtag heißt noch heute „Porriopfer (rorrabhU)''. Die Hausl'rauen mußten Goa ebenso empfangen wie ihre Männer den rorri; sie mußten nämlich am Morgen des ersten Goatages früher als andere Hausbewohner aufstehen und ganz leicht bekleidet, dreimal um das Gehöft gehen, wobei sie sagten:

„Sei willkommen, liebe Goa, geh' in das Geholt hinein;

Bleib nicht draußen in dem Wind den ganzen lieben langen Tag!"

(Velkomin sertu, Goa min, og gakktu inn i baiinn; Vertu ekki iiti i vindinum vorlangan daginn)

und an dem nämlichen Taire mußten auch die Hausfrauen ihre Nach- bariunen bewirthen. Auch die jungen ^läuncr mußten Einmanadr und die Mädchen Harpa auf dieselbe Weise empfangen, wie die Männer und Frauen f orri und Goa, und es ist kaum zu bezweifeln, daß diese ganze Sitte ein Überrest des alten f'orriopfers, Goaopfers, Einraanadr- opfers und Somraerbeginnopfcrs ist, obwohl sich jetzt nur noch geringe Spuren daran vorfinden'.

*) „Thorri war K^Jnig in Gottland und Finnland, von dem grolien Opfer, das er zu Mittwinter ordnete, hieß der Mouat porramanadr; als Göi, seine Tocliter, aus dem Lande gieng, ließ der König einen Monat später opfern und so begann goi. Land- nämabok 4, 7 meldet, daß Hrölfr G6 heiratete, nach welcher Göimänadr genannt ist. Vielleicht darf auch von ihrem Bruder Gor gormanadr gedeutet werden, wo nicht umgekehrt alle diese Personiticationen aus alten Monatsnanun entspringen." Grimm, Gesch. d. d. Sprache 93.

70 F. LIEBKECHT

Soweit Arnason. Obwohl nun die, eben mitgetheilte Stelle durch- weg in mehr als einer Beziehung, Anziehendes bietet, so ist es doch eigentlich nur der Umstand des nachschleppenden Hosenbeines, der mich zunächst veranlaßte, dieselbe hier wiederzugeben und jenen G-ebrauch, der so höchst seltsam scheint, zu besprechen. Es erklärt sich nämlich durch Grimm's RA. 98 ff., wo zur Bezeichnung einer schnellen Handlung unter Nr. 6 aus der Rastetter Dorfgerichts- ordnung folgendes angeführt ist: „und so ein gut verkauft würde und kinder oder fründ die natürlich löser weren, die dan ußlendisch und nit inlendisch weren, die haben ein jar losung , also mit dem gcding, sobald inen für kompt, daß seins vatters oder anderer geplüter fründ guter verkauft, die löser weren, den kauf erfaren, die sollen von stund an, so einer ein hose angethon und die ander nit, so soll er die, so noch nit angethon, an die hand nemmen und die losung thon ungeferlich." Die symbolische Handlung der alten Isländer sollte also die große Hast ausdrücken, mit welcher sie dem Gott, um ihn nicht warten zu lassen, entgegeneilten und zwar eine noch viel größere als die in dem Rastetter Weisthum ; denn während letzteres das noch nicht ange- zogene Hosenbein doch wenigstens aufzuheben und in die Hand zu nehmen gestattete, war dem Isländer auch dies nicht einmal erlaubt, sondern er mußte es herabhängen lassen und nachschleppen (lata hina svo lafa eda draga hana eptir ser ä ödrum foeti), wodurch allerdings der höchste Grad von Eile ausgedrückt wird. Eine weitere Hinweisung auf diesen symbolischen Ausdruck der letztern findet sich in dem mhd. Gedichte Mauritius und Beamunt in v. d. Hagen's Germ, oder Neues Jahrb. u. s. w. IX, 131 v. 1544 7, wo es heißt: „her Mauritius gienc vürbaz. siner hosen eine an dem gerehten beine erklanc üf dem esterich". Aus dem Angeführten erklärt sich nun auch leicht, warum die Isländer den torri im bloßen Hemde und barfüßig empfiengen; wiederum beides Zeichen großer Eile, wie es denn auch RA. a. a. 0., Nr. 8 heißt: „und wenne ein man von der vogtie gefangen wirt, so sol er (der herre von Ohsenstein) ane sume barrußig, ob das pfert nit ge- sattelt ist, und w^er er och an eime fuße harfiiß, er sol sich nicht sumen, unz er och den andern schuch angelege, und sol nachilen, den man zu errettende." Was aber den weiteren Umstand anlangt, daß der Is- länder beim Empfang torri's auf einem Beine um das ganze Gehöft hüpfen mußte, so scheint dies anzudeuten, daß selbst im Falle er wegen eines schlimmes Beines dasselbe nicht gehörig brauchen konnte, er sich gleichwohl dadurch nicht abhalten ließ, don Gott, so gut es eben gieng, aufzusuchen.

KLEINE MITTHEILUNGEN. 71

Noch will ich den Ausdruck vörlangann daginn iu der Ansprache der Frauen an die Göttin Goa hervorheben, der eigentlich „den früh- lingslangen Tag" oder „den langen Frühlingstag" bedeutet und worin eine Hinweisung auf das am 22. Febr. beginnende Frühjahr liegen könnte; jedoch seheint dies nicht der Fall zu sein und darunter eben nur ein langer Tag verstanden werden zu müssen, wie bei dem in altu. Eidesformeln vorkommenden Ausdruck „valr flygr vorlangan dag'^, ob- wohl mir nicht recht erhellt, warum hierbei nicht das doch auch vor- handene sumarldngr gebraucht wurde, da ein Sommertag doch noch länger ist als ein Frühlingstag; oder schienen die Frühlingstage be- sonders deswegen so lang, weil sie zunächst auf die kurzen Winter- tage folgten? Denn die von Uhland, Schriften 6, 155, nach Oken an- geführte Erklärung geht nur auf den Hochflug des Falken zur Frühlingszeit, läßt aber die in der altn. Formel und in dem Goa- gruße besonders hervorgehobene Länge des Frühlingstages unerläutert.

Obwohl nun hiermit die Besprechung der in Rede stehenden Stelle aus Arnason's Sammlung zu Ende ist^ so kann ich dennoch nicht umhin dieser vortrefflichen, höchst inhaltreichen Arbeit noch einiges Andere wenn auch nur Weniges von dem zu entnehmen, was mir be- sonders bemerkenswerth scheint, Weiteres nicht hierher gehörendes, mir für andere Orte aufbewahrend.

Bd. n, S. 8 wird unter Überschrift „Schiffs spräche (Skipa- mäl)" Folgendes berichtet: 'Zuweilen hört man es in den Schiffen knarren (marra), obschon es windstill ist und sie sich in den Schiffs- häusern (i naustum, gr. vetogorAoi) befinden. Man nennt dies die Sprache der Schiffe, welche zu verstehen nur Wenigen gegeben ist. Einer der so Begünstigten kam nun einmal an das Meeresufer, wo zwei Schiffe standen und hörte wie das eine zum andern sagte: „Wir sind jetzt lange zusammen gewesen, aber morgen müssen wir uns trennen." „Das wird nimmermehr geschehen, erwiderte letzteres, wir sind 30 Jahre bei einander gewesen und mit einander alt geworden; wenn aber wirklich eins von uns untergehen soll, so muß das andere mituntergehen." „Das wird gleichwohl nicht geschehen, entgegnete das erstere ; denn obschon heute Abends gutes Wetter ist, wird es doch morgen umschlagen und Niemand in See gehen, ausgenommen dein Capitän, während ich und alle andern Schiffe zurückbleiben. Du aber wirst abfahren und nimmer wieder- kehren, und mit unserem Zusammensein ist es für immer vorbei." „Nimmermehr, versetzte das andere; denn ich werde nicht von der Stelle weichen!'^ „Du wirst aber müssen, antwortete das erste, und dies ist die letzte Nacht unseres Zusammenseins," „Wenn du nicht

72 F. LIEBRECHT

fährst^ fahre ich auch nicht, rief endlich das »weite; es sei denn, daß der Teufel selbst seine Hand dabei im Spiele habe!" Darnach sprachen die Schiffe so leise, daß der im nahen Walde verborgene Lauscher ihr Flüstern nicht mehr vernehmen konnte.'

"^Am darauffolgenden Morgen war das Wasser sehr umwölkt und es schien Niemand recht räthlich in die See zu gehen, außer einem ein- zigen Capitän und seiner Mannschaft. Sie begaben sich daher ans Ufer und mit ihnen noch manche Andere von denen, welche zurück- bleiben wollten. „Legt an eure Lederkleider in Jesu Namen", com- mandierte der Capitän, wie es Gebrauch ist und seine Leute thaten also. „Vorwärts mit dem Schiff in Jesu Namen!" rief er weiter und jene stießen zu^ aber das Schiff rührte sich nicht vom Fleck. Da forderte der Capitän einige andere Seeleute, die dort umherstanden, auf, mitzuhelfen, was sie auch thaten, aber es half zu nichts, denn das Schiff wollte nicht vom Platze. Endlich bat er denn sämmtHche zur Stelle befindliche Leute hilfreiche Hand zu leisten und commandierte dann nochmals: „Vorwärts mit dem Schifft in Jesu Namen!" aber letzteres blieb wie festgebannt stehen, so daß er endlich mit lauter Stimme ausrief: „Vorwärts mit dem Schiff in des Teufels Namen!" und unverzüglich setzte sich das Schiff in Bewegung und lief so schnell vom Lande in die See hinaus, daß man es fast nicht mehr zurück- halten konnte. Bald darauf stieg die Mannschaft an Bord und fuhr ab ; das Schiff kam aber niemals wieder und ist wohl mit Mann und Maus untergegangen.

Zuvörderst nun will ich hiezu bemerken^ daß der Glaube an spre- chende Schiffe sich schon im alten Norden fand; Arnason verweist in dieser Beziehung auf die Floamannas. c. 36, wo die Schiffe Hinagautr und Stjakanhöfdi mit einander sprechen und von dem Schiff Ellida, füge ich hinzu, wird in der Fri])jofss. c. 6 wenigstens gesagt, daß es die Sprache der Menschen verstanden habe. Daß die Vorstellung von re- denden Schiffen übrigens viel älter ist, zeigt das Schiff Argo, dem man gleichfalls menschliche Sprache beilegte, wie ja überhaupt in der Urzeit alle Thiere und sonstigen Gegenstände für belebt und mit menschlichen Eigenschaften begabt gehalten wurden. Indes scheint bei dem in Rede stehenden Glauben doch auch noch eine Beobachtung der Wirklichkeit zu Grunde zu liegen; denn abgesehen davon, daß bei heftigen Stürmen das Gebälk und Mastwerk der Schiffe laut knarrt und ächzt, habe ich über- dies in einem Artikel des Spectator (1851) folgende Bemerkung ge- funden: „Man hat wahrgenommen, daß Schiffe, die nicht länger see- tüchtig und nahe daran sind in Folge des Andrangs von Wind und

KLEINE MITTHEILUNGEN. 73

Wellen ziisaramenzubrcchen, warnende, gleichsam klaffende Laute ver- nehmen lassen , wobei die Seeleute sich gar nicht vorstellen können wie dieselben entstehen oder von welchem speciellcn Flecke des Schiffes her sie kommen , obwohl sie nur gar zu gut wissen^ was sie bedeuten und deshalb allen Muth verlieren"*).

Von dem sonstigen isländischen Aberglauben theilc ich aus Ar- nason hier noch folgendes mit:

II, 547. Wann die chrdingull**) genannte Spinne von der Stuben- decke herabhängt, soll man sie nicht herunterreissen, sondern die um- gekehrte Hand darunter halten und sagen: „Hinauf, hinauf, Fischersmann (liskikarl) ; deine Frau liegt krank zu Bette***), 18 Kinder im Schoß" ; oder: „Rudre herab, Fischersmann, wenn du Gutes bedeutest, aber hinauf, wenn du Schlimmes bedeutest."

S. 549. Wenn man sich die Nägel abschneidet oder abschnippst, so soll mau jeden Nagel immer in drei Stücken abschneiden, ab- schnippsen oder abbeissen; denn sonst macht der böse Feind aus den Nägeln den ganzen Bord eines Leichenschiffes (heilt umfar i näskipi). Jedoch sagt man auch, daÜ wenn die Nägel im Ganzen abgeschnitten werden, der Böse daraus schöne Schiffe oder Ruderfähren mache. Andere sagen, daß er nur mit ihnen das Schiff zusammennagelt. In der Nähe von Jökull (Gletscher) gieng einmal eine Schiffsmannschaft etwas später als die andern Mannschaften in See und zwar auf einem Schiffe, welche sie für das ihrige hielte weil es an der Stelle desselben lag. Die Leute ruderten mit aller Anstrengung, denn sie glaubten zu lange geschlafen zu haben; als sie sich aber eine kleine Strecke vom Lande befanden, ging das Schiff unter und alle die sich darin befanden, verloren das Leben. Diejenigen aber, welche vor ihnen abgefahren waren, sagten aus, daß ihnen das Schiff aus lauter Menschennägeln zusammengesetzt, jedoch wunderschön gebaut zu sein schien.

Hierher gehört auch folgender von Arnason in einem früheren Abschnitte (S. 2) mitgetheilter Schwank , wonach Gott kaum den

*) „Sliips no longer seaworthy , when about to break up betwcen the straiu of vvinds and waves, have been known to give forth monitory sounds like wailing: the sailor cannot conjecture how the noisc is made, or the exact spot whence it pro- ceeds, bnt he knows too well its Import, and hU heart falls hirn.'^

**) oder dorgdinguU (aranea bipiinctata) ; sie heißt BiviGh. fiskikarl'^ beide Aus- drücke bezeichnen jetzt aber gewöhnlich eine Ameise. Dorg ist Angelschnur, dingnll Eiszapfen.

***) oder: „liegt auf der Erde^, d. h, ist in Wochen, weil bekanntlich Frauen in diesen Umständen ehedem dorthin auf Stroh gelegt wurden.

74 F. LIEBRECIIT

MeDschen geschaffen hatte, als auch schon der Teufel diesen beneidete und versuchen wollte, ihm Schaden zuzufügen. Er begab sich daher zu dem Allmächtigen und bat ihn um die vorstehenden Glieder von allen Fingern des Menschen, so daß letztere gleich lang würden. Unser Herrgott versprach sie ihm in dem Falle, daß die Finger bei geschlos- sener Hand nicht gleich laug wären. Da nun der Teufel sah, daß ihm dieses Versprechen nicht viel nützte, bat er ihn um den Koth, den der Mensch bei seinen Ausleeruno;en von sich gebe, und unser Herr schenkte ihm denselben auch wirklich, jedoch nur uüter der Bedingung, daß der Mensch nach Verrichtung seines Geschäftes nicht hinter sich blicke; man sagt aber, daß die meisten Menschen dies thun. Als nun der Böse sah, daß ihm auch dies nicht zu Theil wurde, bat er um die Nägel, die der Mensch sich abschneide oder abschnippse, und Gott ge- währte sie ihm, wenn die Nägel in einem Schnitt und nicht stückweise abgeschnitten würden; geschähe dies aber in drei Theilen, so sollte der Teufel davon nichts bekommen. Deshalb schneidet sich jeder Mensch *3ie Nägel in drei oder mehr Theilen ab; denn sonst sammelt der Teufel die im ganzen abgeschnittenen Nägel so lange, bis er sich daraus Schuhe machen kann, wie dies schon zuweilen der Fall gewesen ist. Arnason verweist hierbei auf das Schiff Naglfari und auf Vidars Schuh und bemerkt (S. 549), daß dieser Aberglaube in Betreff des Nägelabschneidens^ so wie der über die Sonne in Wolfsnoth*), abge- sehen von der noch bestehenden Gewohnheit aus den Schuhen, da wo die Zehen und Fersen sitzen, Streifen auszuschneiden, fast die ein- zigen Überreste der altheidnischen Religion in Island zu sein scheinen.

S. 550. Wenn eine Lichtputze nachglimmt, nachdem man sie zur Erde geworfen, so soll man sie nicht auslöschen, sondern von selbst ausgehen lassen, denn dies sei ein Werk großer Barmherzigkeit, und wer das nicht beachte, gerathe in schweres Unglück. Im Orient näm- lich soll irgendwo ein Volk leben, das nur so lange Ruhe und Rast hat, wie dergleichen Lichtputzen glimmen; andere jedoch sagen, daß die Eiben (älfar) ihre Lichter daran anzünden.

S. 552. Wenn eine Sternschnuppe bei einem Fenster vorüberfährt^ wo in der Stube gerade vor demselben ein Licht brennt, so fließt die Sternschnuppe mit der Lichtflamme zusammen und steckt das Gehöft in Brand. Dieser kann nur mit dem Blute von sieben ohne Unter- brechung hinter einander geborenen Brüdern gelöscht werden.

*) Wenn zwei Nebensonnen, die eine vor, die andere hinter der Sonne gesehen werden, so sagt man, die Sonne sei in Wolfsnoth (sdlin se i ülfakreppu) mit B«zug auf den Wolf Sköll in der Edda. Arnason II, 658 f.

KLEINE MITTHEILUNGEN. 75

S. 553. Wenn man auf der See zu wenig Falirwind hat, so soll man das Ilerad ausziehen und die Läuse aus demselben ins Segel setzen, dann wird der Wind alsbald zunehmen.

S. 554. Alan soll seinen Feind nicht wissen lassen, wo in Einem der Lebensfisch zappelt (d. h. wo eine Muskel zuckt) ; denn jener braucht bloß darauf zu schlagen, dann ist man todt.

Ebend. Sniervalsigill heißt bei Schafen und Kindvieh das Bein im Schenkel, wo derBaueriiknöchel (boiidahnüta) und der Schenkelknochen zusammentreffen; es heißt auch Schluckbein (gleypibein) und man darf ihn nicht den Hunden vorwerfen, denn es ist ein verwünschter Königs- solin und schützt vor dem Viehsterben, wenn man ihn entweder ver- schluckt (und daher sein Name) oder ihn in ein Loch der Wand steckt und dabei zugleich sagt: „Ich stecke dich in das Loch der Wand; schütze du mich vor dem Viehsterben, wie ich dich vor dem Hunde- rachen schütze." Wenn alle Menschen das thäten, wäre der schöne Königssohn bald aus der Verwünschung erlöst.

Ebend. Alle Schluckbeine (auch sm^rvalir, smcrvalsugir, smer- valsiglir genannt) soll man so tief in die Erde vergraben, wie es irgend angeht und dabei sprechen: ,,Schütze mich vor dem Höllenrachen, wie ich dich vor dem Hunderachen schütze."

Ebend. Der Nebel ist eine verwünschte Königstochter, die erlöst wird, wenn alle Schafhirten sich zusammenmachen und sie segnen. (Dies wird wohl nimmer geschehen.)

3. Bienenabe r glaube.

Oben Bd. I, S. 109 führt Höfer an, es sei *zwar lächerlicher, aber ziemlich allgemeiner Glaube, daß eine ihnen (den im Wegziehen be- griffenen Bienen) nachfolgende weibliche Person sie „durch Zeigen des blanken Hintern" zur Rückkehr bewegen könne'. Zur Erklärung dieses Glaubens bemerke ich, daß man wohl beachten müsse wie hier von dem Hintern einer weiblichen Person die Rede ist und vergleiche damit folgende Stelle aus Vintler's Blume der Tugend, v. 7534 7 (Grimm, Myth. l. Ausg., S. LIV; hier nach Tgnaz von Zingerle, Sitten u. s. w. des Tiroler Volks, Innsbruck 1871, S. 387): 'so sein etleich als unbesint, wenn man in frömde huener pringt, so sprechen sie: „peleib hie haim, als die fut pei meinem pain"'. Aus dieser Weise^ die Hühner an das Haus festzubannen, erhellt klärlich, daß auch bei dem Bienenglauben eigentlich und ursprünglich mit dem Hintern die fut gemeint sei, nicht aber umgekehrt; denn allbekannt ist, welch' eine wichtige Rolle letztere so wie überhaupt aphrodisische Gebärden

76 F. LIEBRECHT

in den alten Religionen gespielt haben, so daß es fast gewiß scheint, die von Vintler angeführte Formel, die ja auch bei den Bienen gar nicht in Anwendung kommt, sei erst später entstanden als das Verständniss der ursprünglichen Gebärde verloren gegangen war, welche auch aus gleichem Grunde bei den Bienen eine andere Form annahm. Hin- sichtlich jener verweise ich zur Vergleichuug hier nur auf Diod. 1, 85, wonach es während der 40 Tage, die der neugefundene Apis sich in Nilopolis aufhielt, nur den Frauen gestattet war ihn zu sehen, wobei sie aber vor ihn hintretend sich die Kleider aufheben und ihm xa eaiTOJv yevv)jiy.c( (.logia zeigen mußten. Anderes der Art übergehe ich.

4. Gooseberry.

In Betreff dieses englischen Teufelsnnmens, den ich obenBd. XVIII, S. 458 angeführt, s. noch Hoppe, Englisch-deutsches Supplement Lex Berlin 1871 s. v., woraus erhellt, daß derselbe auch ausserhalb Lan- cashire gebräuchlich zu sein scheint, wenngleich er von dort her- stammen mag, in welcher Beziehung ich folgende Stelle aus Southey's Doctor p. 348 (ed. 1849) anführe: „Lancashire is the county in which the gooseberry has been most cultivated; there is a gooseberry book annually printed at Manchester; and the Manchester newspapers, re- cording the death of a person and saying that he bore a severe illness with Christian fortitude and resignation, add that he was much esteemed among the class of Gooseberry Growers." Wie nun aber der Stachelbeerbau in Lancashire zu dem Spitznamen des Teufels Veran- lassung gegeben haben mag, ist allerdings nicht klar^ es sei denn, daß man den *^gentleman in blacks als in jener Grafschaft ganz besonders heimisch ansah, in welcher Beziehung ich an die zu Anfang des 17. Jahrh. ganz besonders berüchtigten Lancashirer Hexen erinnere; s. über diese unter anderm Harland and Wilkinson's Legends and Traditions of Lancashire. Lond. 1873, p. 247 ff.: „The Lancashire Witches."

5. Grashalm im Munde.

Gelegentlich meiner Anzeige von Elliot's Glossary of Indian Terms in den Heidelb. Jahrb. 1870, S. 748 habe ich folgendes bemerkt: „Wer den Zorn eines Andern beschwichtigen oder vollständige Unter- werfung ausdrücken will, nimmt einen Stroh- oder Grashalm in den Mund und steht dabei auf einem Beine. Diese Sitte ist nach EUiot ein Beweis der hohen Achtung, welche der Hindu vor der Kuh hegt: denn jene Handlung soll so viel sagen, wie 'ich bin deine Kuh und habe daher ein Recht auf deinen Schutz'. Eine Anspielung auf diese sehr

KLEINE MITTHETLUNGEN. 77

aitc Sitte enthält die Inschrift auf dem Lat Firoz Schah's zu Delhi: 'Thräneu zeigen sich in den Augen der Gattin deines Feindes; Gras- halme sind zwischen den Zähnen deines Gegners zu sehen. Ich denke jedoch nicht, daß die Kuh mit jener symbolischen Handlung irgend etwas zu schaffen hat, wie sie bekanntlich auch nicht auf einem Beine stefht, obwohl im Übrigen Elliot's Erklärung sicherlich ganz richtig ist Spuren der in Rede stehenden Symbolik linden sich auch sonst; so in Keller's Fastuachtssp. S. 125 f. wo Jemand sagt:

„Mir hat ein schone frau gezilt,

Sie wolt mir leihen iren schilt,

Do mau mit den speren einsticht,

Die sich piegen und keins abpricht.

Sie sprach: Wilt du in mein schilt stechen,

So must du mir das vor versprechen,

Das du das recht aug wollest zuthun

Und wollest ein jar mit einem aug gan

Und steck ein halm in den munty

Dobei erkenn ich dich alle stunt.

Das must ich thuu zwei ganze jar;

Also was ich ein narr und ein tor." Der Liebhaber mußte also die ganze Zeit hindurch den ihm von der Geliebten in Nachahmung früherer, minnedienstlicher Grillen aufer- legten Zwang (hier eines zugemachten Auges) ertragen und überdies durch den in den Mund genommenen Halm sich als ihren Knecht bekennen. Ferner heißt es in CampbelFs Populär Tales of the Western Highlands H, 304: „he went to the fair and he took a straw in his mouth, to show that he was for taking service.'^ An den Markttagen nämlich stellen sich an vielen Orten auch die dienstsuchenden Knechte und Mägde ein und nehmen dabei, wie wir sehen, im westlichen Hochlande Schottlands einen Strohhalm in den Mund , zum Zeichen eben, daß sie Dienst suchen, d. h. dienstunterthänig werden wollen. Damit scheint auch die alte Sitte, sich durch dargereichtes Gras für besiegt zu bekennen (Grimm RA. 112), in Verbindung zu stehen und der sich Unterwerfende trug also den Grashalm bald im IMuude bald reichte er ihn dem Herrn oder Sieger dar. Wenn beide Handlungen wirklich einander entsprechen, so muß die von Grimm gegebene Kr- klärung wohl moditiciert werden. Da es sich übrigens dabei von einer Verzichtleistung auf Freiheit und Unabhängigkeit handelt, so paßt hierher die Bemerkung Grimm's S. 127, der Halm sei „nicht bloß Symbol für die Auflassung von Grund und Boden, für Landräumung,

78 F- LIEBRKCFTT

sondern auch für andere Verhältnisse und Gelübde, wo irgend etwas auf- zusagen, freizugeben, zu verzichten ist", wogegen die specielle For- mel „mit Halm und Munde" (S. 124 ff.) ebensowenig hierher zu gehören scheint, wie die Redensart „in's Gras beissen", an die ich Heid. Jahrb. a. a. 0. dachte.

Die ganze Auffassung und Erklärung der in Rede stehenden symbolischen Handlung findet eine fernere Bestätigung durch das von Elliot erwähnte Stehen auf einem Beine von Seiten dessen der den Halm im Munde trägt, welches gleichfalls als ein Zeichen der De- müthigung und Ehrfurcht zu betrachten ist, wie auch Callaway (Nur- sery Tales etc. of the Zulus. Natal 1868. I, 199) anführt, daß der Marquis von Hastings während seines Aufenthaltes in Indien als Vice- könig einst eine Gesandtschaft aus dem Innern erhielt und den Ge- sandten auf keine Weise dazu bringen konnte, während der ganzen Dauer der sehr langen Audienz mehr als ein Bein zu gebrauchen.

6. Hochzeitsprügel.

Wie Weinhold, Deutsche Frauen S. 262 anführt, war es ein alter Brauch, daß der Bräutigam unmittelbar nach dem Zusammengeben von den anwesenden Männern unter furchtbarem Schreien gerauft und geprügelt wurde (Hätzlerin 260', Ring 14:^, Frank, Weltbuch CXXVIII). Anders in Litthauen, wo nämlich die Braut zwar bekränzt zu Bett gelegt wird, aber unter Prügeln von allen Seiten, so daß sie nur wohl durcbgebläuet zu dem Bräutigam kommt; s. Tettau und Temme, Volks- sagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens S.2Ö7. Der ursprüng- liche Sinn dieses deutschen und litthauischen Gebrauchs ist schwer anzugeben; weniger schwer vielleicht der eines portugiesischen. Wann Dämlich in Miranda do Douro ein Mädchen im Begriff steht sich zu verheiraten, so trifft sie kurz vor der Hochzeit zufälligerweise mit ihrem Bräutigam zusammen und dieser gibt ihr alsbald eine tüchtige Tracht Prügel. Allerdings nimmt sie diesen Beweis zärtlicher Liebe nicht mit Gelassenheit hin, sondern sucht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, indem sie aus allen Kräften auf ihren zukünftigen Eheherrn losschlägt, wobei zu bemerken ist, daß keiner der etwaigen Augen- zeugen dieses Zweikampfes sich in denselben einzumengen Miene macht; s. Os Fastos de Publio Ovidio Nasäo com traduccäo em verso portu- gues por Antonio Feliciano de Castilho, Seguidos de copiosas anno- ta9oes. Lisboa 1862. I^ 572. Hierbei also ist die Muthmaßung zulässig, daß aus dem Endergebniss dieses secundantenlosen Duells gefolgert werden sollte, welche von den beiden Parteien späterhin im ehelichen

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Leben die Hosen tragen würde; jetzt jedoch verlautet von einer solchen Folgerung nichts mehr. Übrigens berichtet auch Aelian V. H. 12, 38, es sei bei den Sakern Sitte gewesen, daß der eine Jungfrau Heiratende mit dieser einen Zweikampf bestehen mußte und der siegende Theil dann später Herr im Hause war. Vgl. auch Dunlop S. 257 und Anni. 331.

7. Eine gimpel hafte Frage.

Das deutsche Wort Gimpel hat folgende Bedeutungen: 1. mhd. pcnis; 2. nhd. ßluttiuk; 3. Tölpel*).

Dieselben finden sich auch zusammen im Roman.; 1. it. minchia, pinco, pincio =^ penis; 2. it. pincione, frz. pinson Fink; 3. it. min- chione, pincone, Gimpel, Tölpel.

Das deutsche Wort Schwanz bedeutet 1. cauda, penis; 2. Gim- pel, Tölpel**).

Es fragt sich nun, welches der Grundbegriff ist, aus dem diese dreifache Bedeutung sich entwickelt hat. Bei penis und Tölpel könnte man zur Erklärung an das griech. ttog^wv denken, welches nicht nur bene mutoniatiis, sondern auch Gimpel, Tölpel bedeutet, also in beider Beziehung ganz dem Begriff des Esels entspricht; wie aber verhält es sich hierzu mit der Bedeutung Fink, Gimpel? Ist diese etwa die zu Grund liegende und stammen aus derselben die andern beiden? Ich wüßte aber nicht, daß sich dieser Vogel durch einen besonders großen Schwanz auszeichne***); andererseits jedoch scheint mir nach dem Gesagten die Verwandtschaft von Fink, pinco und Pint (penis) fast unzweifelhaft zu sein; in Betreff derjenigen von k und t s. z. B. Max MüUer's Lectures etc. 6. ed. 2, 184 ff.

Ich gehe zu einem andern begriffsverwandten Worte über, welches auch etymologisch zu der obigen Gruppe zurückführt. Das lat. 7nen- tula nämlich halt ich für das sskr. ynanthalaj manthula Reibinstrument, Reiber; s. über dieses A. Kuhn, Herabkunft des Feuers u. s. w., S. 13 f. welcher dazu das altn. möndidl lignum teres, axis rotarum etc. stellt und wozu ich noch das altschwed. mantol penis (Grimm RA. 721 f.) füge. Die Wurzelsilbe von mentula und dem gleichbedeutenden (.idvöaXog (s.

*) Die Etymologie von Gimpel ist unsicher; Steub mutbmaßt es stamme von €rU7idprecht Schlachtenglanz.

**) Als Beleg letzterer Bedeutung dient auch Mittler, Deutsche Volkslieder Nr. 530, 10: „Was hat mir denn mein Haun gnutzt? Da war i ä rechte Schwanz; Wenn i son Racker zusammagebutzt, Machst du mim glei wieder ganz."

***) Beiläufig indes will ich daran erinnern, daß er eine Unterart der Sper- lingsvögel bildet und eine andere derselben, eben die Sperlinge, wegen ihrer Geilheit bekannt sind.

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F. LIEBRECHT

sondern auch für andere Verhältnisse und Gelübde, wo irgend etwas auf- zusagen, freizugeben, zu verzichten ist", wogegen die specielle For- mel y,rüitHalm und Munde" (S. 124 ff.) ebensowenig hierher zu gehören scheint, wie die Redensart „in's Gras beissen", an die ich Heid. Jahrb. a. a. 0. dachte.

Die ganze Auffassung und Erklärung der in Rede stehenden symbolischen Handlung findet eine fernere Bestätigung durch das von Elliot erwähnte Stehen auf einem Beine von Seiten dessen der den Halm im Munde trägt, welches gleichfalls als ein Zeichen der De- müthigung und Ehrfurcht zu betrachten ist, wie auch Callaway (Nur- sery Tales etc. of the Zulus. Natal 1868. I, 199) anführt, daß der Marquis von Hastings während seines Aufenthaltes in Indien als Vice- könig einst eine Gesandtschaft aus dem Innern erhielt und den Ge- sandten auf keine Weise dazu bringen konnte, während der ganzen Dauer der sehr langen Audienz mehr als ein Bein zu gebrauchen.

6. Hochzeitsprügel.

Wie Weinhold, Deutsche Frauen S. 262 anführt, war es ein alter Brauch, daß der Bräutigam unmittelbar nach dem Zusammengeben von den anwesenden Männern unter furchtbarem Schreien gerauft und geprügelt wurde (Hätzlerin 260'; Ring 14l^, Frank, Weltbuch CXXVIII). Anders in Litthauen, wo nämlich die Braut zwar bekränzt zu Bett gelegt wird, aber unter Prügeln von allen Seiten, so daß sie nur wohl durchgebläuet zu dem Bräutigam kommt; s. Tettau und Temme, Volks- sagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens S.2Ö7. Der ursprüng- liche Sinn dieses deutschen und litthauischen Gebrauchs ist schwer anzugeben; weniger schwer vielleicht der eines portugiesischen. Wann Qämlich in Miranda do Douro ein Mädchen im Begriff steht sich zu rerheiraten, so trifft sie kurz vor der Hochzeit zufälligerweise mit ihrem Bräutigam zusammen und dieser gibt ihr alsbald eine tüchtige Tracht Prügel. Allerdings nimmt sie diesen Beweis zärtlicher Liebe nicht mit Gelassenheit hin, sondern sucht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, indem sie aus allen Kräften auf ihren zukünftigen Eheherrn losschlägt, wobei zu bemerken ist, daß keiner der etwaigen Augen- zeugen dieses Zweikampfes sich in denselben einzumengen Miene macht; s. Os Fastos de Publio Ovidio Nasäo com traduccäo em verso portu- gues por Antonio Feliciano de Castilho, Seguidos de copiosas anno- taQoes. Lisboa 1862. I^ 572. Hierbei also ist die Muthmaßung zulässig, daß aus dem Endergebniss dieses secundantenloseu Duells gefolgert werden sollte, welche von den beiden Parteien späterhin im ehelichen

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KLEINE MITTHEILUNGEN.

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Leben die Hosen tragen würde; jetzt jedoch verlautet von einer solchen Folgerung nichts mehr. Übrigens berichtet auch Aclian V. H. 12, 38, es sei bei den Sakern Sitte gewesen, daÜ der eine Jungfrau Heiratende mit dieser einen Zweikampf bestehen mußte und der siegende Theil dann später Herr im Hause war. Vgl. auch Dunlop S. 257 und Anm. 331.

7. Eine gimpel hafte Frage.

Das deutsche Wort Gimpel hat folgende Bedeutungen: 1. mlul. penis; 2. nhd. ßlutfink; 3. Tölpel*).

Dieselben finden sich auch zusammen im Roman.; 1. it. minchia, pinco, pincio =^ penis; 2. it. pincione, frz. pinson Fink; 3. it. miu- chione, pincone, Gimpel, Tölpel.

Das deutsche Wort S chwanz bedeutet 1. cauda, penis; 2. Gim- pel, Tölpel**).

Es fragt sich nun, welches der Grundbegriff ist, aus dem diese dreifache Bedeutung sich entwickelt hat. Bei penis und Tölpel könnte man zur Erklärung an das griech. TroaO^wv denken, welches nicht nur bene mutoniatiis, sondern auch Gimpel, Tölpel bedeutet, also in beider Beziehung ganz dem Begriff des Esels eutspricht; wie aber verhält es sich hierzu mit der Bedeutung Fink, Gimpel? Ist diese etwa die zu Grund liegende und stammen aus derselben die andern beiden? Ich wüßte aber nicht, daß sich dieser Vogel durch einen besonders großen Schwanz auszeichne***); andererseits jedoch scheint mir nach dem Gesagten die Verwandtschaft von Fink, pinco und Pint (penis) fast unzweifelhaft zu sein; in Betreff derjenigen von k und t s. z. B. Max MüUer's Lectures etc. 6. ed. 2, 184 ff.

Ich gehe zu einem andern begriffsverwandten Worte über, welches auch etymologisch zu der obigen Gruppe zurückführt. Das lat. men- tula nämlich halt ich für das sskr. manthalaj manthula Reibinstrument, Reiber; s. über dieses A. Kuhn, Herabkunft des Feuers u. s. w., S. 13 f. welcher dazu das altn. möndull lignum teres, axis rotarum etc. stellt und wozu ich noch das altschwed. mantol penis (Grimm RA. 721 f.) füge. Die Wurzelsilbe von men tula und dem gleichbedeutenden (.lavöalog (s.

*) Die Etymologie von Gimpel ist unsicher; Steub muthmaßt es stamme von €rundprecht Schlachtenglanz.

**) Als Beleg letzterer Bedeutung dient auch Mittler, Deutsche Volkslieder Nr. 530, 10: „Was hat mir denn mein Haun gnutzt? Da war i ä rechte Schwanz; Wenn i son Racker zusammagebutzt, Machst du mim glei wieder ganz."

***) Beiläufig indes will ich daran erinnern, daß er eine Unterart der Sper- lingsvögel bildet und eine andere derselben, eben die Sperlinge, wegen ihrer Geilheit bekannt sind.

II

.so LÜTOLF, KLEINE BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE.

Passow s. V. Tvlog) nämlich ment (.lavöy entspricht aber der sskr. Wurzel manth Kreis , woran sich die weiteren Bedeutungen „in die Runde drehen, buttern, reiben" knüpfen (Kuhn a. a. 0. S. 11 fF.) Dieses ment, jtiai'd, manth nun weist wieder auf die Stammsilbe mincli im it. minchia, zu welcher es sich verhält wie Pint zu pinco.

LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT.

KLEINE BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE.

1. Aberglauben. h) Aus einer Handschrift medicinischen Inhaltes vom Ende des 14. Jahr- hunderts*).

Bl. 53\ Item ist dir ein frind**) gefangen. So lüg an einem samstag zu nacht^ so man das ave Maria lütt wenn du ein Brot in dem mund habest, dz selb brot nim vnd bind es in ein rein duch vnd leig es vff vnser Frowen altar bitz ix messen dar ob werden gesprochen. Die soltu alli frumen vnd opferen vnser lieben Frowen vnd mach dem gefangen ein wiß hemd mit einem zwifaltigen goller vnd tu im das ins goller ^Tid schick im dz, er wirt lidig.

Bl. 58^ Wer bücken by im treit. Dez mag kein vngehür zu band gon vnd beschicht dz darvmb also si geheiliget worden ist an der winacht nacht. Do vnser Herre Jesus Christ geboren wart, do wart er vff bücken geleit secundum aliquos in der kripfen^, vnd darvmb wer bücken by im treit, dem mag kein morder nit gethün, vnd stercket die glider die do zu fuß sint dz si wol mügen vber feit gon.

Bl. 3**. Zu wunden. Nim ein nüwen hafen vnd von einem fli^s-

senden oder springenden brunnen drin, vnd knüg gegen der sunnen

vnd mach dry crütz vber dz selb wasser vnd sprich denn den segen etc.

vnd hüt dich das du nit vfs wasser drettest oder ander liit wenn man

die wund hat geweschen.

LÜTOLF.

*) Es ist das dieselbe Handschrift die in der Argovia V, C9 und 347 ange- führt nnd einem Antoni Trautmann aus dem Aargau, der schon 1326, vor und nach, gelebt haben soll, zugreschrieben wird. Allein der Name ist entweder Trütmann oder Trübmann (das Wort ist fast verblichen) zu lesen und nach Bl. 10*' ist das Büchlein erst um 1390 geschrieben worden und zwar vermuthlich im obern Elsaß. Vorstehendes Zauberraittel ist in der Argovia nicht ganz richtig gelesen, weshalb sein Wiederabdruck gerechtfertigt ist.

**) So und nicht Kind, wie in der Argovia steht, ist das Wort zu lesen. Nebst- dem sind noch andere Unrichtigkeiten verbessert.

LITTKKATUK: II lUELlNG, EIN BEITKAG ZUR GKEGOKLEGENDE. 81

LITTERÄTUR.

B ieling", Hugo, Ein Beitrag zur Überlieferung der Gregorlegcnde. Berlin. Ed. Goetz. 1874. 2G S. 4^

Das Verdienst dieses Schriftcbens ist, auf eine in normannischem'^') Fran- zösisch geschriebene Handschrift der Gregoriuslegende aufmerksam gemacht zu haben, welche sich im Besitze des Britischen Museums zu London befindet. Als normannisches Denkmal ebenso wie in Kücksicht auf die Forschungen über die Quelle von Hartmanns Gregor ist dieser Fund von nicht geringem Interesse, und die Veröffentlichung dieser Fassung, die, wie Bieling nachweist, sich mit Ausnahme des verkürzten Schlußes eng an die Arsenalhs. anschließt, etwa mit letzterer zusammen sehr wünschenswerth. Daß H. Bieling diese selbst zu unter- nehmen beabsichtigt, erfahren wir p. 9. Nur erschien ihm dazu eine nochmalige Vergleichung der Hs. „wünschenswerth". Nach den Proben jedoch, die der Ver- fasser in den p, 11 ff. abgedruckten Stücken von seiner Kenntniss des Alt- französischen sowie von seiner Übung im Lesen und Verstehen von Handschriften ablegt, muß man ihm leider die Fähigkeit zur Durchführung dieser Aufgabe für jetzt absprechen. Der Leser urtheile selbst. Fol. 75 v. I, 19 liest Mscr.: üirs, B. iurz. II, 16 schreibt B evquerent und bemerkt dazu: L. : enriquerent. Die Hs. bietet enqeret '— enquierent. B. hat die erste Abkürzung mißverstanden. II, 18 Detieiigent B. Retiengent Mscr. II, 20 loir B. oir Mscr. Fol. 76. I, 9 nul B. mis Mscr. Was soll auch nul espeir an dieser Stelle bedeuten? II, 3 schreibt

B. iurment und merkt an: L.: trimenf. Die Hs. hat tment = torment, turment. p. 17. Zu Fol. 91. I, 18 sagt B: L. : le cunfe s perdu. Vielleicht le cunte si perdu. Die Hs. liest ganz deutlich si. I, 23 moins B. mains Mscr. II, 10 fud B. fust Mscr. II, 16 affamez B, afamez Mscr. Ein starkes Stück wird f. 92. I v. 6 geliefert. Die Hs. bietet: Fora del osfel p lus arie.re. Herr B. setzt plus in den Text und sagt dazu : L. : l>lus {^ = par, per), begreift also nicht, daß lus = VuSj und US = ostium ist! II, 21 de ulte B. de deinte Mscr. Das. mai B. mais Mscr. II, 25 sei B. seil Mscr. Fol. 92, 6. I, 13 we B. ni Mscr. II, 4 uois B. mit der Bemerkung: L. : uoil (mit undeutl. Z, das auch s sein kann). 8 ist unzweifel- haft in der Hs. II, 9: deus, fiz marie B. deus, li fiz marie Mscr. II, 11: un snm B. en sum Mscr. II, 17 Sire B. Si Mscr. II, 21 schreibt B. ueer und sagt unten: L.: ucer. Aber auch das erste e von ueer kann man unmöglich für c lesen. II, 22 E'i B. Enz Mscr. Das. un B. en Mscr. Fol. 93* I, 5: Ci B. Si Mscr. Fol. 93\ I, 5 : nul B. nuls Mscr.

Billigen kann man im Allgemeinen, was Herr B. über Hartmanns Ver- hältniss zu seiner Quelle und über den Helden der Legende selbst sagt, für den man freilich nach den Angaben von L (bei B. p. 25) Gregor den Großen nicht mehr wird halten dürfen.

Ganz mit Unrecht aber will Herr B. p. 10 die Notiz des Katalogs über die Hs.: „Imperfect at the beginning and end", berichtigen. „Fol. 1 und 98 haben offenbar lange als Umschlag gedient und sind in Folge dessen stark an- gegriffen, aber lesbar." Der Katalog täuscht durchaus nicht, denn vor fol. 1

*) So ist auch iu meinen „Beiträgen" S. 40 anstatt „anglonormannisch" zu lesen. GERMANIA. Neue Eeilie IX. (XXI.) Jalirg. G

82 LITTIORATUK: II. BIELING, EIN BEITRAG ZUR GREGORLEGENDE.

ist ein Blatt weggeschnitten, von dem noch eine kleine Ecke vorhanden, und auch dieß kann nicht der Anfang gewesen sein, weil es nicht mit einer Initiale beginnt. Auch der Schluß ist unvollständig.

Viel wichtiger indessen ist, daß Herr Bieling sich in einem ganz sonder- baren Irrthum befindet, wenn er sich (p. 1 1) schmeichelt, einen Verfassernamen für die Gregorlegende gefunden zu haben, der offenbar jenseits aller bisher bekannten Versionen liege. In den daselbst abgedruckten 82 Versen wird kein Besonnener etwas anderes herauslesen können, als die Notiz, daß der Dichter schließen will, weil seine Vorlage, das Buch des mestre Albri, das er in der Paulskirche gefunden hat, ebenfalls nur so weit reicht. Er weiß offenbar noch mehr Legenden, aber nur diese scheinen ihm hinreichend beglaubigt. Er widmet seine Legendensammlung einem Gregor, dessen clerc er sich nennt, zu dem er aber mehr in einem Freundschafts- als Abhängigkeitsverhältniss zu stehen scheint (fol. 76. I, 9 flP.) und schließt dann mit einem Gebete an die Maria und mit Amen. Darauf folgt mit rother Tinte die Überschrift: De saint Gre- gorie. Woraus schließt nun Herr Bieling , daß sich diese Angaben auch auf den Gregorius beziehen? Etwa aus den Worten fol. 75. IT, 6: Pur iceo ke io comencai Selunc le liure que ore numai, Dunt mestre albri en est garant etc., in dem Wahne, der Dichter wolle nun erst damit anfangen? Fast muß man es glauben. Übrigens erfahren wir ganz genau, wer dieser Autor ist, der nach der genannten Vorlage dichtet, an einer Stelle, die Herr B. nicht gelesen hat, fol. 2\ I, 21 flp. und die ich hier ganz ausschreibe, weil sie für die frz. Litteratur- geschichte von Interesse ist, nicht bloß für unseren Zweck. Es heißt da:

Del tuit uns uoil mun nun geir,

Pur ceo ke len seit estriuer,

Quenz liure se deust numer

Icil ki le liure translate,

Par tant iert li liure sanz barate.

Mut volentirs me numerai:

Adgar ai nun, mes el isai:

Li plusur me apelent will am e,

Bien le puent faire sanz blasme:

Kar par cel num fui primeseinet

E puis par adgar baptizet;

Pur ceo par raisun mest avis,

Ke enz es nuns nai rien mespris ,

Ne eil ki willame me claiment:

Ore me apelgent qi ke milz aiment.

E io dirai auant lescrit,

Mais nel uoil estre cuntredif,

Ke io de mei miracle i feine,

V raisun ke a bien ne ataigne.

Sil enquerent del essamplarie:

Jol ai de saint pol del al marie,

De saint pol de la noble iglise,

Ki en lundres est bien asise:

Tele nad en crestiente ,

Li clerc i sunt mut renume.

LITTERATUR: E. BERNHARDT, VULFILA. 83

De clei'gie ne s<ai lur pers, Si sunt chanuines seculers, E eleu leur duint suu parais. Auant dirai co kai apris Dune cite pnr nun papie: Meiueille i tist sainte marie etc. Daß diese Angabe und die von Bieling ausgehobene Stelle zusammen gehören, sieht mau auf den ersten Blick. Der Verfasser nennt sich William, mit dem Taufnamen Adgar, und bekennt sich selbst als Übersetzer, ohne Zweifel aus dem lateinischen Originale des mestre Albri. Die wichtigste dieser Legenden ist die von Theophilus (Fol. 22 32 incl.), welche beginnt:

Ainz ke la male gent de perse | vindrent a rume tant auerse [ pur de- struire cumunemeut | la dignete oue la gent | ert uns uisdanz mult rcnume | des celiens en la cite, | ki esteit adane clamee etc. Vgl. Paulin Paris 4, 70. AVo diese seine Vorlage abbricht, schließt auch der Dichter. Da in der lls. noch Raum war, fügte der Schreiber den verwandten Legendenstoff von Gre- gorius hinzu, sowie einige Fabliaux, ohne daß beides zu der vorigen Sammlung in irgend welcher Beziehung stände. Auch die Arsenalhandschrift (Beiles Lettres 325. fol.) enthält außer dem Gregorius fast nur kürzere Legenden und einen längeren Gesang über das Leiden Christi.

Damit wird natürlich alles hinfällig, was Herr B. p. 13 f. über Alberich von Besan9on als Verfasser des franz. Gregorius muthmasst.

Wie ich nachträglich sehe, hat Wright: Bibl. Britt. litt. Anglo-Xorm. per. Lond. 184G p. 474 f. Ms. und Autor kurz besprochen, wo man vgl. LONDON, Juni 1875. E. KÖLBING.

Ernst Bernhardt, Vulfila oder die gotische Bibel, herausgegeben und erklärt. Halle 1875. Waisenhausbuchhandlung, gr. 8. LXX und 654 S.

In der Einleitung gibt der Verf. des Buches zunächst im Anschluß an Bessel (Über das Leben des Ulfilas und die Bekehrung der Goten zum Chri- stenthum 1860), von dem er nur in Nebenfragon abweicht, einen Überblick über das Leben des Ulfilas. Dankenswerth ist es, daß die wichtigen Mittheiluiigen des Philostorgios (aus Photius) und des Auxentius (nach Waitz) eingeschaltet sind, freilich nur die letztere im Originaltext, die erstere in einer Übersetzung. An den Lebensabriß schließen sich Bemerkungen über die Diction des Ulfilas, über Fremdwörter, Anklänge an das Heidenthum und die Volkssitte in seiner Sprache, über seine Eigenthümlichkeit als Übersetzer und über die 'Vorlagen bei seiner Arbeit. In §.15 werden, sehr kurz, die in Frage kommenden griechischen Hss., in §.16 die gotischen ausführlicher beschrieben und charakterisirt, in §§. 19 bis 36 rechtfertigt der Verf. sein Verfahren bei Herstellung des gotischen Textes, in §.37 nennt er die bisher erschienenen Ausgaben des Ulfilas, in §. 38 endlich bespricht er die Einrichtung der seinigen.

Über die äußere Einrichtung des Buches ist zunächst zu bemerken, daß der Herausg. die Reihenfolge der Evangelien, wie sie der Cod. arg. bietet (Matth. Joh. Luc. Marc), beibehalten hat. Das Bestreben, in einer kritischen Ausgabe sich möglichst genau in allen Einzelnheiten der Haupths. anzuschließen, ist gewiß zu billigen ; doch da Bernhardt in wichtigeren Sachen , namentlich der

6*

34 LITTERÄTUK: E. BERNHARDT, VITLFILA.

Interpunction , sich von den Hss. entfernt hat, so liätte wohl auch hier die Bequemlichkeit des Gebrauchs zu Gunsten der gewöhnlichen Anordnung zur Geltung kommen können. Unter dem gotischen Text auf jeder Seite steht der entsprechende griechische, und darunter Anmerkungen zumeist kritischen und grammatischen Inhalts. Die Lectionen und Divisionen des gotischen Textes sind durch senkrechte Striche bezeichnet. Als im Jahre 1868 der Herausg. ein Specimen seiner geplanten Ülfilasausgabe bekannt machte , beabsichtigte er, sämmtliche Zeilenschlüsse der Hss. durch derartige Striche zu bezeichnen. Heyne tadelte in einer Beurtheiluug in der Zeitschrift f. d. Phil, diese Einrichtung mit Eecht als unschön und nutzlos, und Beruh, behielt sie nur für die größeren Abschnitte bei. Dabei sind aber leider eine Anzahl Ungenauig- keiten vorgefallen; so fehlt zu H. Kor. 12, 15 das Wort laiktjo, zu I. Tim. 1, 18 fehlt g = 3 und laiktjo; nicht bezeichnet sind die Abschnitte in H. Kor. 7, 12. 8, 5. 9, 8. 15. 10, 11. 12, 2. I.Thess. 2, 13. Verschieden ist das Verfahren Bern- hardt's, wenn der Leseabschnitt der Hs. mit einem Absatz im Texte zusammen- fallt, ohne daß derselbe durch eine Raudangabe gekennzeichnet wäre. Da steht bisweilen der Strich, wie H. Kor. 5, 1. 1 1, 1. I. Tim. 4, 1., bisweilen ist er wegge- lassen, wie Gal. 6, 1. Es fehlen auch die Divisionen des Cod. Ambros. C zu Mtth. 26, 67. tig = 313; und Mtth. 26, 69 tid = 314. Unnöthig war die Parenthese (Carol.) zu der Randbemerkung Rom. 12, 1, da dort nur der Carol. existiert: weggelassen, obgleich der Deutlichkeit wegen erforderlich, ist dieselbe Parenthese zu Rom. 12, 3. Die Angaben in Bernhardt's Ausgabe reichen also nicht überall aus, um nach ihnen die gotischen Leseabschnitte ohne Benutzung von Uppström's Schriften zu finden.

Für den gotischen Text konnte nach Uppström's Arbeiten kaum eine neue, epochemachende Leistung erwartet werden; Bernhardt hat sich aber viel- leicht gerade durch sein sehr zu lobendes Streben, seine Aufgabe neu und selbständig zu fassen, hier und da zu weit führen lassen. In den Abschnitten de)' Einleitung, welche sein kritisches Verfahren rechtfertigen, bespricht er zu- nächst die Verderbnisse, welche durch Vergleichung von Parallelstellen (§. 17), durch Glossen (§. 18), durch Abänderungen nach der Itala (§. 19) und end- lich durch Schreibfehler (§. 20) in den Text gekommen sind. Die dort ge- gebenen Sammlungen sind fleißig, obwohl sie Vervollständigung nicht aus- .schli essen. Dann folgen LTngleichheiten der Handschriften untereinander und in sich selbst, welche in der Lautlehre der gotischen Sprache ihre Erklärung finden §§. 21 28^ in Bezug auf die Bezeichnung des Nasals vor k, g, q (§. 21), über das unorganische j (§. 22), über die Buchstaben d und b vor auslautendem s (§. 23), über die Assimilation des auslautenden h (§. 24), über den Wegfall des h im Inlaut (§. 25), über die Verwechslungen von e, ei und i (§. 26), von au und u (§. 27), von u und o f§. 28). In diesen Paragraphen benutzt der Verf. natürlich die treffliche Arbeit von Leo Meyer über die Laut- gestaltung der gotischen Sprache, besonders die §§. 312. 160. 80. 38. 51. 409. 431. 434. Es handelte sich hier hauptsächlich darum, zu gleicher Zeit den Handschriften und der Grammatik gerecht zu werden, und es fragte sich, welche Lesarten in den Text zu setzen und welche in die Anmerkungen zu verweisen seien. Der Verf. laßt für seinen Text mehr als die früheren Her- ausgebei die grammatische Genauigkeit gegenüber der handschriftlichen Über- lieferung zur Geltung kommen. In den §§ 29 35 endlich sind die Unregel- mäßigkeiten besprochen, welche nach Bernhardt's Meinung reine Schreibfehler

LITTKRATUK: E. I5KKMIAKDT, VULFILA. 85

sind, die Verwechslungen von s. i u (§. 29), da« Auslasssen des einen von zwei Doppelbuchstaben (§. 30), die doppelte Schreibung einzelner Silben (§. 31), das Zusetzen von Buchstaben (§. 32), das Auslassen von Buchstaben (§. 33), von ganzen \N orten (§. 34), die Verwechslungen von n und m, t und )>, das Versetzen von Worten (§. 35). Der Verf. gibt in diesem Abschnitte einen er- schöpfenden Überblick der in Frage kommenden Erscheinungen.

Wichtiger war es , des Herausgebers Grundsätze der Textbehandlung können zu lernen, wo mehrere Handschriften vorhanden sind. Die beiden Stellen Matth. XXVI, 71— XXVH, 1, welche sich im Cod. Arg. und in Cod. Ambr. C, und Rom. XH, 17 XIII, 5, welche sich im Cod. Ambr. A und im Cod. Carol. findet, bieten kaum irgendwelche kritische Schwierigkeiten und komcnen nicht in Betracht; wohl aber laufen für große Abschnitte der paulinischen Briefe die Ambrosianischen Hss. A und B neben einander her (I. Kor. XV, 48 XVI, 11. XVI, 23. 24. II.Kor.I,8— IV, 10. V,l IX, 7. XII,1— XIII, 13. Gal.I 22— II, 9. IV, 19 23. V, 17— VI, 18. Eph.I, 1— II, 20. III, 9— IV, 6. IV, 17— V, 3. VI, 9 19. Phil. II, 26— IV, 6. Col. I, 10-29. II, 13 20. III, 8. IV, 4 19, 1. Thess.V, 23—28. II. Thess. I, 1—5. III, 7—17. I. Tim. I, 1—9. 18— III, 4. IV, 1-8. V, 4 10. 21— VI, 12. II. Tim. I, 5—18. II, 21 IV, 11. Tit. I, 9. 10). Bernhardt hat, abweichend von den früheren Herausgebern, seinem Texte der Episteln vorwiegend den Cod. Ambr. A zu Grunde gelegt. Da, wo durch Assimiiierung, Buchstabenausstossung, Abstumpfung von Vocalen A sich der Sprache des gewöhnlichen Lebens nähert, wird die Schreibweise des gramma- tisch correcteren Cod. B genommen. Bernhardt nimmt an, beide Hss. seien aus einer und derselben Vorlage entnommen. Ich habe mich von der Rich- tigkeit dieser Vermuthung nicht überzeugen können. Es scheint mir leichter zu sein, bei der Annahme einer verschiedenen Quelle der beiden Hss. die wenigen Übereinstimmungen, welche Bernhardt zum Beweise seiner Hypothese, beibringt, auf irgend eine Art ihrer Beweiskraft für seine Behauptung zu entkleiden (auf das Einzelne hier einzugehen, verbietet mir leider der Raum), als bei Annahme de.'^selben Cod. archetjpos die große Anzahl wesentlicher Abweichungen beider Hss. von einander einigermassen befriedigend zu erklären. Mit Recht zieht aber