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'v ^? o AELTEEE TlßOLISCHE DICHTER ■«tCfo" DRITTER BAND: HUGO VON MONTFORT MIT ABHANDLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN LITERATUR, SPRACHE UND METRIK IM XIV. UND XY. JAHRHUNDERT HERAÜSOEOEBKN VON J. B. WACKBÜNifiXiL. •-o%%o- INNSBRUCK. VERLAG DER WAGNER'SUHEN UNIVERSlTlTS-BUCHHANDLUNG. 18 8 1. 0 ';. ' ' HUGO VON MONTFORT MIT ABHANDLUNGEN ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN LITERATUR, SPRACHE UND METRIK IM XIV. UND XV. JAHRHUNDERT herau&6£ge:ben yoN J. E. WACEEBNELL. — *%*t^ INNSBBUCK. VEBU6 DER WAGNEB'SOHEN UNIVERSITÄTÖ-BÜGHHANDLÜNO. 18 8 1. f7 5-/3. "3 6. S- V' - ^^;- MAY 31 1B38 .< • DJIDOf DU WASMER'SCBEM CMITIBSirlTS-BUOHDBDOCKBRI, ^^ ''Y DEM HOCHVEREHRTEN LEHRER HERRN PROFESSOR RICHARD HEINZEL IN DANKBARER UND TREUER GESINNUNG GEWIDMET. VORWORT. Das Buch besteht aas zwei Teilen, welche sich schon äusser- Hoh (larch die verschiedene Pagioierang von einander abheben Im Vordergründe stehen die Abhandinngen; denn bei diesen spätem Dichtern, deren Producte nur sehr geringen künstlerischen Wert be- sitzen, ist es hauptsächlich das Seelenleben, die Sprache und Metrik jener Zeit, welche unser Interesse fesseln : und dafür ist Graf Hugo von Montfort eine reichliche Quelle. Aber noch ein anderes hat er voraus: kein süddeutscher Dichter seines Jahrhunderts ausser Oswald von Wolkenstein darf sich an politischer und dynastischer Bedeu- tung mit ihm messen; in der Geschichte Vorarlbergs und Steier- niarks tritt sein Name hervor. Daher waren es auch Historiker, Vanotti und Bergmann, welche zuerst sein Leben in Untersuchung zogen. Die von ihnen gesammelten Urkunden Hugo's blieben neben seinen Dichtungen auch das Material für die spätere biographische Arbeit Weinholds. Wollte ich Unsere Kenntnis nach dieser Richtung hin weiterführen, so musste ich vor allem die mühselige und kost- spielige Urkundensuche wieder aufnehmen. Die mir dabei von den Archivvorständen überall bereitwillig gewährte Unterstützung er- möglichte es, dass ich die 38 vor mir benützten Urkunden mit 127 vermehren konnte. Besonders zum Danke verpflichtet bin ich hier Sr. Excell., dem Hrn. Prof. Dr. Alfred Ritter von Arneth, Director des k. k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien; dann dem Hrn. Prof. Dr. Franz von Löher, Director des k. bairischen Reichsarchives in München, dem Hrn. kais. Rat Dr. David Schönherr, Vorstande des Statthaltereiarchives in Innsbruck, dem Hrn. Prof Dr. Josef von Zahn, Director des Steiermark. Landesarchives in Graz und dem Hrn. Prof Josef Zösmair in Feldkirch. — Ueber die Behandlung der Urkunden genügen ein paar Bemerkungen. Vollständige Abdrücke oder läa^ere — 8 — Aaszüge davon zu geben, hatte ich keinen Raum, ich werde das später an geeigneter Stätte tan: hier habe ich überall nur das, was für unsere nächsten Zwecke das wichtigste war, herausgehoben ; zur Datierung wurde natürlich Weidenbach benützt. — Was die Ur- kunden für Hugo*s politische Geschichte, das waren seine Gedichte für die innere Entwicklung. Durch gleichmässige Benützung dieser beiden Quellen suchte ich zu einer zusammenhängenden Biographie zu gelangen, verwies daher alle Discussionen, welche nur Mittel zum Zwecke waren, unter den Strich und die Chronologie der Gedichte, welche den Zusammenhang der Darstellung fortwährend unterbrochen hätte, in Abh. III, wo sie zugleich noch einem andern Zwecke dient. Als Einleitung behandelte ich übersichtlich die Geschichte der altern Montforter und rechtfertige das nicht dadurch, dass an- dere in ähnlichen Fällen ähnlich taten, sondern durch meine we- sentlichen Abweichungen von den früheren Darstellungen derselben und durch die urkundlichen Berichtigungen, welche ich nachtrug; dazu kommt noch, dass auf Hugo die politischen Traditionen seiner Vorfahren von massgebendem Einflüsse gewesen sind, und somit jedes Falles in Betracht gezogen werden mussten. Die IL Abhandlung ist die Ergänzung und der Abschluss der I. Hier, bei der Behandlung von Hugo*s Persönlichkeit, war auch sein Stil heranzuziehen, denn , der Stil ist der Mensch ^. Um aber die Einseitigkeit, welche in diesem Satze liegt, zu vermeiden, habe ich überall jene Charakterzüge, die sich aus Hugo's Lebensgeschichte und seinen eigenen Aussprüchen ergeben, in den Vordergrund und ihnen jene des Stils ergänzend an die Seite gestellt Dass es aber bei der Untersuchung des Stils unzulänglich wäre, nur jene stilisti- schen Motive, Bilder und Vergleiche, welche diesem Dichter speciell eigen sind, auszulesen, ist evident; denn jeder Dichter, welcher in oder nach einer literarischen Blüteperiode schafft, steht vor einer kloinen Unendlichkeit stilistischer Formen, und in dem, was er da- von auswählt — oder besser: in dem, was ihm davon hängen bleibt, offenbart sich sein Geschmack, die Richtung seiner Phantasie, seiner Denk- und Gefühlsweise. Es ist wohl für ihn und beson- ders für seine Fähigkeiten charakteristisch, aber zu seinem Cha- rakter nicht notwendig, dass er darin auch originell sei. Es hat mioh daher jedesmal überrascht, wenn ich — wie erst jüngst wieder — die Behauptung las, dass bei Stiluntersuchungen nur das dem Dichter spco. eigentümliche in Betracht käme. Mit Recht — 9 - aasgeschlossen bleiben nnr jene figürlichen Ausdrücke, welche sich von ihren ursprünglichen Vorstellungen losgetrennt haben und rein formelhaft geworden sind. Wenn ich z. B. sage: , dieser Mann ist zu Grunde gegangen', wer erinoert sich da, dass ich ein Bild gebraucht habe, welches vom Schiff auf dem Meere herüber^ genommen ist? — Im zweiten Teile dieser Abhandlung wagte ich den Versuch, Hugo*s Charakter aus seiner Zeit und seiner Umge- ^ bung zu erklären und damit seinem Bilde einen culturhistorischen Untergrund zu geben. Die HL Abhandlung untersucht die äussere und innere Ueber- lieferung von Hugo's Gedichten und schafft die Grundlage fOr die folgenden Abhandlungen und die Textkritik. Dabei galt es be- sonders nach einer Seite hin der neueren Forsohungsweise gerecht zu werden : unsere altern Musterausgaben haben die paläographische Untersuchung der Hss. fast ganz vernachlässigt, und erst in neuester Zeit haben wir sie von den Historikern gelernt. Vielleicht ist es mir gelungen zu zeigen, welche eminente Berechtigung diese neue Art besitzt, wie die Untersuchung der Hss. nicht nur für die Her- kunft und das Alter derselben, för die Echtheit und Unechtheit der Gedichte entscheidend sein kann, sondern auch für die Her- stellung des Textes. Bei der Untersuchung über die Sprache eines Dichters be- schränkt man sich in den Ausgaben meist auf eine Zusammen- stellung der Reimformen, gewiss sehr zum Nachteile der gramma- tischen Forschung, denn die Reime sind zum grösseren Teile tra- ditionell und den jungem Dichtern mit den altern gemeinschaftlich; gerade bei Hugo zeigt es sich deutlich, welch kleiner Bruchteil vom ganzen Wort- und Formenschatze in den Reimen belegt ist Um aber die Sicherheit der ausser den Reimen liegenden Formen zu prüfen, war es notwendig, die Sprache der alem. Dichter und Ur- kunden in weitem Umfange herbeizuziehen; und ich Hess mir das um so mehr angelegen sein, weil ich damit zugleich die alem. und mhd. Grammatik ergänzen und teilweise auch berichtigen konnte. Nach demselben Grundsatze arbeitete ich auch bei der Metrik. Hugo steht nur im Mittelpunkte der Untersuchung: überall habe ich ihn mit anderen Dichtern vom Ausgange des IS. Jahrhunderts bis hinab zu Braut verglichen, um so zu allgemeineren Resultaten über die Metrik dieser spätem Zeit, welche noch niemals bearbeitet worden ist, zu gelangen; dabei durften neben den Lyrikem natür- — 10 — lieh auch Didaktiker und Epiker nicht aasgeschlossen werden, schon deswegen nicht, weil Hugo selbst solche als seine Vorbilder nannte. Ich möchte das nicht gern verkannt sehen. Mein Text will ein kritischer sein. Bei allem, was von der üeberlieferung corrigiert wurde, war vorerst nachzuweisen, dass es den Schreibern angehört. Correcturen, welche auf den beliebten Grundsätzen ^^um das Lesen zu erleichtern^, ,,um eine geregelte Orthographie herzustellen^, j,xim die Lautzeichen in organischer Weise zu regeln*, »im Interesse der mhd. Schreibung* u. dgl. fussen, sind subjectiv und verwerflich. Wer sich die Sprachent- wicklung vom 13. — 16. Jahrhundert näher angesehen hat, dem ist es nicht gleichgültig, ob er got oder gott, nim oder nimm^ zwei/ oder zwölf, swarz oder schwartz schreibt. Jeder unbegründete Eingriff in die überlieferte Schreibung, jedes Uniformieren, das nur vorgenommen wird, um dem Denkmal ein besseres mhd. Aussehen zu geben, ist unkritisch ; und durch nichts bat man in den Texten dieser spätem Dichter so viel Unheil angerichtet als dadurch. Soeben hat uns z. B. Kinzel wieder gezeigt, wie v. d. Hagen die Erzählung vom , Junker und dem treuen Heinrich* nach seinen besten Kräften in das Mhd. umgeschrieben und dadurch die meisten charakteristi- schen Sprachformen dieses md. Gedichtes aus dem 14. Jahrhundert kritiklos zerstört hat. Auch beim Montforter hat man sich in dieser Hinsicht arg versündigt. Gerade die Formmannigfaltigkeit, das Durch- einander von alt und neu ist für unsere Periode kennzeichnend ^ und für die Sprachentwicklung von Bedeutung. Statt auszugleichen erwächst da dem Grammatiker die Aufgabe, in diesem Nebenein- anderherlaufen verschiedener Formen das Aussterben der alten, das Eindringen, Umsichgreifen und endliche Siegen der neuen Lautver- hältnisse zu beobachten und nachzuweisen — eine Aufgabe, die wichtig ist, aber schwerlich gelingen wird, wenn man die jüngeren Formen in den Ausgaben nicht stehen lässt. Jede Emendation der Hs. war in den Varianten zu verzeich- nen; Lichtenstein hat (Anz. f. d. A. VI, 61) mit Recht betont, dass gerade bei Veröffentlichung von Denkmälern, wo sich unser Interesse hauptsächlich auf Spmche und Metrik concentriert, Genauigkeit und Vollständigkeit in der Wiedergabe der Hs. besonders anzustreben sei. Ya hatte mich daher nicht zu kümmern, ob die Varianten durch das vollständige Verzeichnis der bair. ei (= t\ ai (=^ ei\ au (= ow und ö) in eine gewisse Eintönigkeit verfallen; sie hätten — II — nur dann weggelassen und mit einer einmaligen Bemerkung abge- tan werden können, wenn sie die Schreiber consequent für die alem. Laute eingesetzt hätten, was aber nicht der Fall ist. Wegzulassen waren nur die rein graphischen Varianten wie v = w etc.; und wenn ich die J, j == i anmerkte, geschah es bloss, weil darin ein Kenn- zeichen der verschiedenen Schreiber liegt. Rechts vom Texte habe ich die Paginierung der Hs. angesetzt und zwar deswegen, weil die alem. Gramm, darnach citiert; fiir die Zukunft ist sie selbst- verständlich wertlos, weil jetzt, wo die numerierten Gedichte und die gezahlten Verse vorliegen, hoffentlich niemand mehr in der alten Weise eitleren wird. Die Anmerkungen boten zunächst Gelegenheit für textkritische Erörterungen, ausserdem suchte ich hier unsern Wörterbüchern zu nützen durch Nachweise seltener Wörter und Ausdrücke, die ich bei der eigenen Leetüre gesammelt, und zwar habe ich besonders jene Quellen beachtet, welche unserem Dichter zeitlich und örtlich nahe stehen, wo directe Entlehnungen stattfinden konnten und tatsächlich auch stattgefunden haben. Die Citate gab ich immer in der Schreibung, in welcher sie sich vorfanden, also z. B. die aus Teichner nach Lassbergs LS. oder der Hätzlerin oder den Auszügen Karajans, die Suchenwirts nach Primisser, Oswalds nach Weber u. s. w. Zu Textänderungen fehlten die zwingenden Gründe und nö- tigen Anhaltspunkte, sie sind Sache der künftigen kritischen Heraus- geber, welche die Reiraregister, Hss. u. dgl. Mittel zu Händen haben müssen. . Hoffentlich ist diese Bemerkung für die meisten überflüssig ; dass sie es aber nicht für alle ist, beweisen jene, welche auch die Citate wie die Texte rücksichtslos ins Mbd. übertragen; so hat z. B. neulich jemand die Belegstellen aus Büheler so vermittel- hochdeutscht, dass man einen Dichter des 13. Jahrhunderts vor sich zu haben glaubt. Alle Aenderungen dieser Art führen ins anbestimmte und blaue hinein und bleiben besser unterwegs, zumal es meist nur auf den Inhalt der Citate ankommt. Dasselbe gilt für den Gebrauch der Längezeichen (vgl. Abhandl. IV, p. 150) and die Citierungsweise der Urkunden, daher min neben rmn, Ursala neben Ursula, Pekow neben Pekhaw u. dgl. Damit sei das Buch dem Wohlwollen der Fachgenossen em- pfohlen ; ich habe dafür keine Zeit und keine Mühe gescheut. Dass aber auch bei aller Gewissenhaftigkeit ab und zu ein Versehen passiert, das wissen gerade genaue Arbeiter am besten; viel- — 12 - leicht zieht man auch die Schwierigkeit der Arbeit in Betracht: denn es ist ungleich schwerer und leichter auf einem noch fast ganz unbebauten Gebiete Entdeckungen zu machen, und ich bin den schweren Fragen niemals mit jener beliebten Entschuldigung: , dar- auf näher einzugehen fehlt mir der Baum " ausgewichen , viel lieber wollte ich fehlen; Raum zu sparen aber suchte ich durch engen Druck, von dem sich nur die Anm. nach dem Texte ausnehmen, weil für sie die Cursivlettern der üblichen Notenschrift nicht in genügender Anzahl vorhanden gewesen wären. Die letzten Zeilen, mit denen ich dieses Buch, dessen Druck sich durcli zwei Jahre hinzog, beschliesse, seien dem Danke ge- widmet, den ich reichlich schulde: so zunächst Herrn Prof. W. Seh er er in Berlin, der mir mit dem Thema auch manchen treff- lichen Wink zu dessen Behandlung mitgab; am meisten aber Herrn Prof. R. Heinzel in Wien, der mit gewohnter Güte einen grossen Teil meines Manuscriptes durchprüfte. In paläographischen und hi-^ storischen Fragen wandte ich mich öfters an Herrn Director von Zahn und Prof. Zösmair, niemals vergebens. Ausserdem haben meine Freunde in Wien und Berlin die Arbeit im ganzen Umfange mit ihrer Teilnahme begleitet und, wo immer sie konnten, mit ihrem Rate und ihrer Hilfe unterstützt. Mögen sie nun ihre Bemühungen gut angewendet und ihre Erwartungen erfüllt sehen. Dr. Wackerneil. ABHANDLUNeEN. Wacker nell, Montfort, L HUGO'S LEBEN. L Herknnft nnd Geburtsjahr. Wenn da an einem schönen Sommertage von Bregenz ans^ der Stadt am Bodensee, den kleinen in ihrem Rücken gelegenen Gebhardsberg besteigst, gewinnst du eine jener unsäglich anmutigen Femsichten, die nur die Alpenwelten bieten, wo auf beschränktem Räume Wasser und Land, Gebirg und Ebene um die Wette ihre Reize entfalten. Um dich ruhen die Trümmer einer zerfallenen Feste; vom Nordwesten blickt der klare Bodensee in heiterer Majestät herauf; im Süden breitet sich das herrliche Rheintal aus : soweit dein Auge reicht, nur Au an Au und Feld an Feld, über- sät mit Häusern, Dörfern und Ruinen halb und ganz zerfallener Bargen. Jenseits des Rheins, im fernen Westen, erheben sich die mächtigen Schweizeralpen, königlich mit ewigem Schnee gekrönt, während im Osten die sanfteren Allgäaer Berge von der Ebene aufsteigen und deinem schweifenden Blicke die Grenze setzen. Die frische Seeluft streicht langatmig zu dir herauf, umweht dich mit ahnungsvollem Rauschen wie der Geist vergangener Zeiten — : Du hast den schönsten und bedeutendsten Teil von Vorarlberg gesehen, jenen Teil, auf dem seine Geschichte spielt. Seit dem 10. Jahrhundert gehörte dies Ländchen, das den rechten Flügel der tirolischen Alpenfeste bildet, zum Herzogtum Schwaben, und die Grafen von Bregenz (später Montfort) waren das herr- schende G-eschlecht dieser Gegend. Sie traten schon frühe in der deut- schen Geschichte hervor, eroberten sich schnell Macht und Ansehen, erfüllten das Land mit ihrem Ruhme: Fürsten und Könige bewarben sich um ihren Anhang, und die grossen Schlachten, welche über den Besitz der deutschen Krone entschieden, schlugen sie fast alle mit; nur der deutsche Kaiser und der Herzog von Schwaben standen üb^t vr ihnen. Unter ihrer Herrschaft worden Wildnisse urbar, bevölkerten sich Einöden, entstanden Dörfer und gelangten die Einwohner Vorarl- bergs zu Wohlstand und Sicherheit Nicht selten aber auch ge- schah es, dass sie das eigene Land zum Schauplatz blutiger Kriege machten, die nicht geführt wurden zum Schutze der Untertanen sondern aus wilder Leidenschaft der Herrscher. Bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts war dieser Stamm abgestorben bis auf den weiblichen Sprössling Elisabeth, welche durch ihre Heirat mit Hugo von Tübingen eine neue Generation begann, deren Geschichte wir den äussern Umrissen nach bis auf Hugo den Minne- sänger zu verfolgen haben. Elisabeth's jüngerer Sohn Hugo wurde (1182) Erbe der Herrschaft und des Namens der Montforter in Vorarlberg und der Stammvater des neuen Geschlechts. Er war ein ge- walttätiger, habgieriger Herr, als wäre er der verkörperte Geist seiner raubsüchtigen Zeit. Wir wissen wenig von ihm, aber das wenige reicht leicht aus zu seiner Charakteristik. 1206 über- fiel er zur Zeit des Gottesfriedens meuchlings die Burg seines fried- lichen Nachbars Heinrich von Sax; gleich darauf erhob er eine un- gerechte Fehde mit dem Abt und Kloster St. Johann im Thurtale und raubte noch in demselben Jahre einen Zug italienischer Kauf- leute aus^). Doch bald erreichte ihn die Nemesis: seine Sünden waren Gewalttaten, und eine grauenvolle Gewalttat war ihre Rache. Hugo hatte eine seiner Töchter an den Grafen Friedrich von Tog- genburg verlobt; aber in der Nacht des 12. December 1226 wurde der Bräutigam von seinem eigenen Bruder aus gemeiner Habgier ermordet. Das Entsetzen über diese Tat war allgemein : der Kaiser ächtete, der Pabst bannte, das Volk sang grause Lieder. Unstät und verabscheut irrte der Mörder herum mit dem Kainfluche be- laden, den er noch auf seinen Sohn Kraft von Toggenburg, den Minnesänger, vererbte. Hugo von Montfort hat diesen Schlag nicht lange überlebt. Unter seinen beiden Söhnen Budolf und Hugo^) teilte sich das Geschlecht in zwei Zweige. Die Nachkommen Rudolfs erhielten ^) ^fi>'* ZOsmair, politische Geschichte Vorarlbergs im 13. und 14. Jahrh. unter den Grafen Ton Montfort nnd Werdenberg (Programm der Staatsmittel- schalen in Feldkirch I Teil 1877, II Teü 1878, III Teil 1879) I, 6, 7 nnd 11- *) Der dritte Sohn Heinrich trat in den Dominikanerorden. Vgl. Z6B' mair I, 12, Besitz und Namen von der Grafschaft Werdenberg, während die Hngo*8 auf den alten Stammsitzen den Namen der Grafen von Montfort weiterführten. Wir lassen die ersteren ausser Acht und folgen nur der geraden Linie, aus welcher unser Dichter hervorgieng. Hugo IT war friedlicher und rahiger geartet als sein Vater: wohl mochte er sich aus dessen Leben die richtige I^ehre gezogen haben. Wir hören bei ihm wenig von Krieg und Streit, trotzdem die immer mehr verwildernde Zeit öfter denn je Änlass dazu ge- boten hätte; nur zum Schutze seiner Oberherren, der Herzoge von Schwaben, die damals auch die deutsche Königskrone trugen, griff er zu den Waffen. Als Pabst Innocenz IV auch am Bodensee gegen die Staufen das Erenz predigen Hess und darauf hin viele, insbesondere Aebte und Bischöfe, von ihren rechtmässigen Lehens- herren abfielen, rückte ihnen Hugo zu Leibe ^). Freilich vermochte er damit die lange vorbereitete Katastrophe, welche über das Helden- geschlecht der Staufen hereinbrach, nicht abzuwenden : er sah noch den Untergang Kaiser Friedrichs und König Konrads. Sein Tod erfolgte gegen Ende der Fünfzigerjahre. Die drei Unterbliebenen weltlichen Söhne teilten das väter- liche Erbe: Rudolf erhielt die Grafschaft Montfort- Feldkirch, Ul- rich Montfort-Bregenz mit Sigraaringen und H n g o Montfort-Tett- nang und Scheer^). Damit beginnt ein neuer, aber trauriger Abschnitt in der Geschichte der Montforter. Diese schädlichen Teilungen allein würden ihr Ansehen und ihre Macht noch nicht gebrochen haben, wenn sie unter sich Frieden gehalten und ihre Waffen gemeinsam ge- gen die äussern Feinde gekehrt hätten, die jetzt in „ der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit' von allen Seiten auf sie eindrangen Aber statt dessen begannen die Bruderkinder, die Montforter und Wer- denberger, einen zügellosen blutigen Krieg, der mit geringen Unter- brechungen vier Decennien lang wütete, zu förmlichen Schlachten und zu grauenhaften Verheerungen des ganzen Landes führte. — Das waren Hiebe ins eigene Fleisch. Doch auch diese Wunden wären vernarbt, die Saaten wären wieder aufgestanden und die Menschen wieder nachgewachsen, hätte nur eine unglückselige Tat I) ZOsmair T, 16 und 17. *) Vgl. I. N. Ton Yanotti (Geschichte der Grafen Ton Montfort nnd Ton Werdenberg 1845) p. 51, 56, 58 und ZOsmair I, 2S. VI der Werdeuberger angeschehea gemacht werden köDoen: diese hatten, als sie sich den Montfortern nicht mehr gewachsen fühlten, die Habsburger znr Hilfe herbeigerufen. Das kam den kriegstüchtigen Schweizergrafen sehr erwünscht. Schon seit Jahren strebten sie in die verwaisten Besitzungen und Rechte der Staufen zu gelangen und selbst das Herzogtum Schwaben wieder herzu- stellen; aber die Montforter standen ihnen im Wege: sie waren vielleicht das einzige Geschlecht der Umgegend, das im Stande sein konnte, ihre Pläne zu Schanden zu machen. Und nun zer- fleischten sie sich selbst und boten noch Gelegenheit zur Ein- mischung! Nichts ist charakteristischer für das Vorgehen der Habsburger, als dass der Krieg der Montforter mit den Werden- bergern sich nun zum Kriege der Montforter gegen die Habsburger umgestaltete, mit denen die Werdeuberger verbunden blieben. Den Montfortern musste alsbald die Einsicht aufgehen, dass sie nunmehr um ihr Sein oder Nichtsein zu ringen hatten. Mächtig bäumten diese stolzen Grafen sich auf, und wir finden sie in der Folge bei- nahe ohne Ausnahme als Bundesgenossen der Feinde Habsburgs. So kämpften sie mit Löwenmut zuerst gegen Rudolf, auch noch, nachdem er deutscher König geworden war, und zerschlugen dessen Absichten auf das Herzogtum Schwaben ; dann hielten sie zu Adolf von Nassau und fochten bei Göllheim (1298) mit verzweifelter Tapferkeit gegen Albrecht M. Ihr Hass verfolgte Albreohts Regierung bis zur Bluttat an der Reuss, an welcher sie wahrscheinlich nicht ohne Schuld gewesen sind. In dem folgenden Tronstreite zwischen Friedrich dem schönen und Ludwig dem baier waren sie wieder Gegner des erstem. Wenn während dieser langen Kriegszeit auch kurze Pausen des Friedens eintraten, so waren es doch nur Momente völliger Ermattung. Der fortwährende Kriegsbedarf erschöpfte die Kasse der Montforter und zwang sie, Besitzungen zu veräussem. Aber auch das verstanden die Habsburger zu ihrem Vorteile auszubeuten. Sie waren mittler- weile durch die deutsche Krone in den Besitz der österreichischen Herzogtümer gekommen, die ihren Finanzen aufhalfen, erschienen nun als die eifrigsten Käufer und brachten Sigmaringen, Scheer und andere Besitzungen an sich^). Vor den Waffen ihrer Feinde hatten 0 Vgl. darüber Yanotti 64 und ZOsmair I, 36 und 39. «3 Vanotti 62. vn sich die Montforter heldenmötig gerettet, aber sie erlagen ihrem Säckel : das Endresultat war das gleiche ; nnr der Uebergangsprooess wurde zwei Jahrhunderte lang verzögert. Gegenüber diesen weittragenden äussern Vorgängen treten die Familienereignisse in den Hintergrund zurück. Wir wollen flüchtig daran vorübereilen. Hugo von Tettnang hatte nur einen Sohn Wilhelm, dem er, als er den Abend seines Lebens gekommen sah und sich nach all den erlittenen Wechselfällen lebensmüde fühlte, die Regierang überliess (1309)^). Bald darauf legte er sich in die Gruft seiner Väter. Wilhelm, damals noch jung, übertrug das Regiment seinem altem Vetter Hugo IH, dem einzigen Sohne Ulrichs von Montfort- Bregenz. Das ist ein Beweis, wie man jetzt zur Ueberzeuguug gelangt war, dass die Rettung des Hauses nur im innigen Änschluss und in der Vereinigung der geteilten Kräfte möglich sei; vielleicht waren die Tettnanger gerade zu der Zeit neuerdings von ihren Feinden hart bedrängt. 1338 starb Hugo ohne Leibeserben, und seine Güter fielen an Wilhelm^, der somit die beiden Linien von Montfort - Tettnang und Montfort - Bregenz wieder vereinigte. unter Wilhelm I strahlte das G^chlecht der Montforter noch einmal in seinem vollen Glänze. Er paarte Tapferkeit mit Umsicht und Klugheit mit Ausdauer. Die Greschichtsschreiber seiner Zeit melden einstimmig mit grosser Begeisterung sein Lob; selbst ein Anhänger der Oesterreicher, Albert von Strassburg^), sagt von ihm: .Ludovicus Imperator Mediolanum Wilhelme de Monte forti comittens. . qui in virilibus gestis valentior hujus mundi aestimaretur^. Aehnlich preist ihn Tschudi, preisen ihn alle Taten seines Lebens. Er wird namentlich aufgeführt, wenn er den Fahnen seines Kaisers Ludwig folgte, was stets geschah, sobald sich dieser in Not und Bedrängnis befand. Dafür ward ihm aber auch königlicher Lohn zu Teil: er wurde kaiserlicher Reichsland- vogt in Schwaben und bald darauf kaiserlicher Statthalter über Mailand, erhielt 1330 und 1331 die Erlaubnis, den Flecken Tett- nang und das Dorf Ertingen mit Mauern und Gräben zu befestigen *) Vgl. die Urkunden im Ansznge bei Vanotti p. 626, Nr. 372 und 373. *) Nur ein Teil vnrde für die Montfort-Feldkircher ausgeschieden. Vgl. ZOsmair n, 19. *) Alb. Argenti Chronioon apud Urstit H, 124. YgL YanQtti WS ^« vm und Stadt- and Marktrechte zn errichten^). Er starb spätestens am 8. Oktober 1350^). Seiue Söhne besassen nicht die Einsicht und Tüchtigkeit ihres Vaters; denn sie teilten wieder die Besitzungen: Wilhelm wurde Graf von Bregenz, Heinrich Graf von Tettnang^). Wilhelm H war der Grossvater unseres Dichters. Mit ihm beginnt eine Umgestaltung der äussern Politik, die sich auf seinen Sohn und Enkel vererbte, und die wir daher näher ins Auge zu fassen haben. Die Lage dieser beiden neuen Montforter Linien hatte sich sehr verschlimmert. Schon durch die Teilung an sich war ihre Macht geschwächt und gelähmt; aber das Uebel wurde noch vergrössert durch die ungeschickte Durchführung derselben: Wilhelms Besitzungen standen von drei Seiten dem Angriffe offen. Dazu hatte sich die Zahl der alten Feinde um einen neuen ver- mehrt: zu den Habsburgern und Werdenbergern kamen — nicht weniger gefährlich als die beiden — noch die Schweizer, welche die schwäbischen Herren, deren Besitzungen in ihrer Nähe lagen, unausgesetzt bedrohten : Wilhelm war einer der nächsten Nachbarn. Es war daher nur eine Tat reiflicher üeberlegung, wenn er die Ver- söhnung mit den Habsburgern suchte, um nun mit ihnen dem gemein- samen neuen Feinde zu begegnen. Die Habsburger giengen darauf ein, weil die Schweizer gegen sie insbesondere ihre Waffen kehrten. Schon 1354 finden wir Wilhelm neben andern schwäbischen Rittern im österreichischen Heere, das Herzog Albrecht im Sommer dieses Jahres gegen die Züricher führte*). So waren die Grafen von Montfort-Bregenz Bundesgenossen der Habsburger geworden und blieben es auch in der ganzen Folgezeit. Und wenn die Habsburger schliesslich dennoch den Montfortern die Besitzungen abgewannen, so geschah es in redlichem Kaufe, langsam, langsam, ohne andern Druck als durch den der Freundschaft. Ja einer der Epigonen ») Stalin, Würtemb. Geschichte HI, 193. ') Die allgemeine Ansicht, dass Wilhelm am 8. Oktober 1353 oder 1354 gestorben sei (vgl. Bergmann, Sitz. Ber. der Wiener Akademie IX, 803 und Yanotti 109), ist unrichtig ; denn nach einer Originalurkunde des Mehrerauer- archlTS im Bregenzer Museum (Fase. I, 43) erscheinen die Sohne Wilhelms schon am 3. April 1351 als Herren Ton Bregenz und Vögte Ton Mehreran. Ich Terdanke diese Berichtigung einer Mitteilung Zösmair^s. 3) Die beiden andern Brüder Hugo lY, der sich auch einen Herrn zn Bregenz nannte, und Ulrich I starben schon frühe. Vgl, die Stammtafel bei ZOsmair. *) ZOsmair II, 37. IX Wilhelms, gerade unser Minnesänger, brachte sein Haus unter dem Schutze der österreichischen Fürsten noch einmal zu hohem Ansehen. iSald knüpften auch Bande der Verwandtschaft das neue Verhält- nis. Wilhelm vermählte sich das zweitemal (nach 1352) mit der Gräfin ürsala von Pfirt-Hohenberg *), deren Schwester Johanna die Gremahlin Herzog Älbrechts H von Oesterreich war. Im übrigen ist von Wilhelms II Regierung sehr wenig rühm- liches zu sagen. Er trat seltener als seine Vorfahren öffentlich auf und dann nur im Dienste und Interesse Oesterreichs, dem er namentlich bei der Erwerbung Tirols (1363 — 69) gute Hilfe leistete^). Seine Besitzungen verminderten sich bedeutend; er Hess Pfandschaften einlösen, verpfändete und verkaufte selbst^). Dass dabei die Habsburger den Hauptteil davon trugen, lag — wie wir nun wissen — in der Natur der Sache. Er starb am 19. Oktober 1369^). Dass dieser Bregenzer Graf in Wien starb, und dass seine letzten Taten, von denen wir hören, ein Verkaufsact und die Stiftung eines ewigen Lichtes in der Wiener Minoritenkirche waren, ist för ihn sehr bezeichnend. — Er hinterliess einen einzigen Sohn gleichen Namens von seiner ersten Frau^). Wilhelm HI besass beim Tode seines Vaters bereits selbst zwei Söhne: Konrad und Hugo. Hugo — wie sich aus der vor- ausgegangenen Ableitung ergeben wird, der V. Bregenzer Herr dieses Namens®) — war der jüngere '') und hatte damals bereits sein elftes *) Was Vanotti 162 ff. Ton den Frauen Wilh«lm8 II schreibt, ist un- richtig, desgleichen alles folgende, weil er Wilhelm II und dessen Sohn Wil- helm III für dieselbe Person hielt. Erst Bergmann hat in seiner Abhandlung : „Ueber das Wappen der Stadt Bregenz und der Torarlbergi sehen Herrschaften, und über die Grafen Ton Montfort-Bregenz-Pfannberg bis 1596** (Sitz. Ber. der Wien. Ak. IX, 791 ff.) Licht hieher gebracht. «) Vgl. Zösmair III, 13—15. «) Vgl. Vanotti 163 ff. ^) Nicht 1368, wie noch Bergmann (Sitz. Ber. IX, 804) glaubte. Vgl. Zösmair III, 15. *) Die aber nicht Freiin von Schwarznnberg hiess, wie Bergmann a. a. 0. 803 meinte; denn diese war Wilhelms 1 Gemahlin, was Lang-Freiberg, Begesta Boica VI Bd. pag. 165, bezeugt. Vgl. die Stammtafel bei Zösmair. •) Weinhold : „Ueber den Dichter Graf Hugo VIII von Montfort'' (Mit- teilungen des historischen Vereines für Steiermark VII, 127 — 180) nannte ihn mit Vanoeti den VIII; Bergmann a. a. 0. den IV; Zösmair den III; Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg (IV, 173 u. öfter), und Weber, Oswald Ton Wolkenstein (pag. 4), den II. ') Konrad wird in gemeinschaftlich ausgestellten ütkMwdftik «iH «t^\«t Lebeosjahr hintef sich. & ist in der politischen Geschichte einer der bedeutendsten, im ganzen der bedeutendste seines Geschlechts : der Ritter mit Leier und Schwert, dessen Leben und Wirken dar- zustellen wir unternommen haben , so gut es mit dem noch erhaltenen Reste der ledernen, unbehilflichen Urkunden und den kargen Andeutungen in seinen Gedichten gelingen mag. Seine Mutter war Ursala Gräfin von Pfirt-Hohenberg*), das Jahr seiner Geburt 1357 2). Damals hauste sein Vater auf der Burg Bregenz : dort mag Hugo's Wiege gestanden, mag er die Jahre der Kindheit verlebt haben. t Engo's Jugendzeit. Im väterlichen Hause Hugo's war der Kriegslärm seltener ge- worden: Wilhelm III war ein friedliebender Mann, was für die Erziehung seiner beiden Söhne sicher vorteilhaft war, denn arma et musae wohnen selten unter einem Dache; insbesondere scheint man an den Unterricht des jüngeren Sprösslings grössere Sorgfalt Stelle genannt nnd trat bereits 1372, also vor Hugo, selbständig anf. Ygl. Fürstenberger ürkundenbnch IT, 441. ^) Also die Tochter seiner Stiefgrossmntter. Die Terwickelten Beziehungen wird eine kleine Stammtafel klar legen : Ulrich, Graf Ton Pfirt, starb am 10./3. 1324. Seine Gemahlin war Johanna, Gräfin von Mömpelgart. Johanna, IJrsala (21./10. 1301 geb.) seit dem Mai 1324 mit Termählte sich zuerst 1333 mit dem Gra- Herzog Albrecht II Ton fen Hugo y. Hohen berg nnd, nachdem Oesterreich Termählt, dieser zwischen 1352 und 1354 gestorben starb 16./1 1. 1351. war, neuerdings mit W i 1 h e 1 m II, G r a f e n Ton Montfort-Bregenz. Sie starb Tor 3. Februar 1367. Aus erster Ehe hatte sie die Kinder Hugo. Ursala Termählte sich vor 1357 mit dem Grafen Wilhelm III Ton Montfort-Bregenz und war dieMutterHugo^s, des Minnesängers. Sie starb 1368. *) Das ergibt sich aus einer Stelle in seinen Gedichten. 38, 141 Uagt er: o s seht zig jdr sind swer uf minem rt*ggen minder drier. Nach ^, 185— 18& entstand das Gedicht am 4. JoU 1414. XI gelegt za haben. Wir fiuden später neben einer ausgiebigen Bildung in ritterlichen Dingen bei demselben Kenntnisse, die für einen welt- lichen Herren der damaligen Zeit noch selten waren, ja wenn man zerstrente Andeutungen Hugo's in seinen Gedichten beachtet, wie etwa 29, 89, wo er die Frau Welt, erstaunt über sein Wissen, aus- rufen lässt: ich wcund^ du weriat ein ritter gwesen: wa bist du nu in Studium gestanden f du hast gar guoü buoch gelesen, so möchte die Vermutung Raum gewinnen, dass er sogar eine „ gelehrte Bildung*)* erhalten habe. Auch eine äussere Veranlassung dazu konnte vorliegen. Es war üblich, dass man den jüngeren Söhnen geistliche Pfründen zu verschaffen suchte; die Montforter hatten seit jeher diesem frommen Brauche eifrig nachgestrebt : es ist kaum einer von den vielen Zweigen dieses Geschlechts, aus dem nicht einige Domherren, Aebte oder Bischöfe hervorgegangen sind. Dann wäre es freilich leicht erklärlich, wie Hugo noch in seinen spätem ^) Vielleicht im nahen St. Gallen? Von den altern Montfortern .wenigstens wird es ausdrücklich hezengt, dass sie ihre Söhne in St. Gallen er- Biehen Hessen, „wie in einer Schale'^ (Martini Crusii Chron. Snev. I, 307). Aher freilich war das Kloster damals sehr herabgekommen, weswegen Zösmair das wahrscheinlichere haben wird, wenn er dafür hält, „dass Hngo seinä höheren Kenntnisse auf seinen Wanderungen, etwa auf der nenerrichteten Wiener Universität gewonnen habe^. So war auch Hermann von Sachsenheim als fahrender Schüler zu seiner gelehrten Bildung gekommen (Martins Ausg. p. 14). Schon Weinhold hat die Frage aufgeworfen, ob Hugo auch die „Grund- lage aller gelehrten Bildung, die Kenntnis des Lateinischen in sich trug.^ Er operierte dabei mit den lateinischen Ausdrücken in den Gedichten. Ein neues Argument dafür liefert Hugo*s Bibelkenntnis, die er nicht nur „darch die bildlichen Darstellungen und die geistlichen Gedichte des 12.— 14. Jahrhunderts erhalten^, sondern aus der Bibel selbst geschöpft hat; denn 4,90 sagt er: ich hdn in der gsehrift vernomen. Die gsehrift ist die heilige Schrift (ygl. Lexer, Wb. I, 906). Auch anderweits macht Hugo gern Anspielungen, die das erkennen lassen, so 5, 206 ; 24, 123; 27, 52 u. ^. Dabei lag ihm doch sehr wahrscheinlich der allgemein gangbare lateinische Text und nicht eine üebersetanng Tor, die im 14. Jahrhundert gewiss noch sehr selten zu finden gewesen wäre; vgl. darüber Kehrein, die Bibelübersetzungen Cap. I und II, und insbesondere Suchenwirt XU, 1622, welcher die Kenntnis der hl. Schrift geradezu Ton der Kenntnis des Latein abhängig macht: die heilig gehrift ist mir unehunt: ich ehan laider nicht latein. Siehe auch Primissers Einl. XXI. Ob H. ausserdem noch einer andern Sprache, etwa des Italienischen mächtig gewesen, wird sich mit Gründen weder beweisen, noch in Abrede stellen lassen ; aber italienische Worte begegnen in seinen Gedichten einigemal ; femer mag man daran denken, dass damals ein reger Handelsverkehr mit Norditalien bestanden, und dass Hugo selbst sich mehrmals dort auigekaXt^n \l%.\i. xn Jahren »mit Behagen auf seine theologischen Kenntnisse zurück- blicken konnte*'^). Wie dem auch sein mag, gewiss ist, dass er wie einst Hartmann die Kunst besass zu lesen ^), was er , an den buochen gesohriben vand ', und dass er diese Fähigkeit zur Leetüre der berühmteren Rittergedichte und Minnelieder benützte, wie uns seine eigenen Producte bezeugen. Er hat Kenntnis von Parcival und der Gralsage, von Helena, Hector und der Zerstörung Troja's, von Artus, seinen Rittern und Frauen und seinem ganzen JHofe; hat von Kriemhilt, von ihrem und ihrer Helden Schicksal gelesen; weiss vom Priester Johannes, von Aristoteles, Alexander, Karolus magnus, vom Riesen Egge (in Nr. 7, einem der frühesten Gedichte) ; kennt Hadamar, dann Suchenwirt und andere zeitgenös- sische Dichter und deren Dich tungsweise^). Die Leetüre wird denn auch besonders dazu beigetragen haben, ihn in die schwärmerische Richtung jener Zeit zu drängen, in der man oft in überspanntester Weise daran gieng, den Mustern der Buchhelden nachzuleben und in blinden Aben- teuern seine Kraft und den eigenen Wert zu versuchen. Das glänzendste Beispiel davon liefert sein jüngerer Zeitgenosse und Landsmann Oswald von Wolkenstein, der mit zehn Jahren, drey Pfenningen m dem pewtel und ainem stuckUn prot romanerfüllt die Heimat ver- liess und auf Abenteuer auslief*). Aber auch Hugo war erst vier- zehn Jahre alt^), als er 1371 auszog, die grosse Welt zu probieren. Wie das Gedicht Nr. 2 erzählt, hatte diese erste Ausfahrt auch noch ihre besondere Veranlassung. Er fühlte bereits zarte Neigung zu einer Frau ^), nahm Wohnung auf , Sehnenberg" und sann auf Mittel, der Liebsten Huld zu erwerben. Zu günstiger Stunde machte *) Weinhold, in den Mitteilungen VII, 146. «) Er versichert das wiederholt: 15, 157; 29, 89; 33, 69; 24, 37. üeber die Beweiskraft derartiger Aussprüche vergleiche Karajan : „üeber Hein- rich den Teichner«. Denkschriften der Wien. Akad. VI, 104. ') Vgl. darüber Weinhold a. a. 0. 147, weiter die Abhandlung II und die Nachweise in den Anmerkungen. '*) Weber, Oswald von Wolkenstein pag. 4. In ähnlicher Weise erhielt Ulrich von Lichtenstein schon in seiner frühesten Jugend durch Leetüre die Impulse ^zu ritterlichem Streben und Minnelust«. Knorr, Quellen und Forschungen IX, pag. 19. ^) 5, 136: ich hatt der tag min viertzehn jar, sid hdn ich wun^ ders vil gesehen ete. ^) Dass diese Frau nicht seine nachherige Gemahlin Margaretha gewesen seJa kann, ergibt sich aus dem weitern Hergang der Dinge von selbst. xm er sich auf, am ihr ein Geständnis seiner Flamme abzulegen: ich wolt da gerne achowen^ wie mir min red gelükhen weit (2, 42). Allein anstatt ihn zu erhören, las ihm das selig wih ein soharfes Gapitel : er treibe es wie andere seiner Gesellen, die liegen, triegen fruo und spät Dieser Empfang kam ihm zu unerwartet: die Röte schoss ihm ins Gesicht, er erschrack und stotterte (2, 68, 70). — Aber gerade daraus erkannte die frowe so vtn die Aufrich- tigkeit seines Geständnisses und nahm ihn zu Gnaden an. In ihrem Dienste musste er sich nun durch ritterliche Taten hervortun und sich ihrer Neigung würdig erzeigen: so wollte es die Sitte der Zeit. Hugo zog zuversichtlich mit ihrem Segen in die Welt; denn er besass aussergewöhnliche Körperkraft ^). Ueber Jahr und Tag ritt er herum, bis er fand, was er gesucht: ritterschaft ein michel teil^ graveuj frien, herren geil^ die waltend iriben ritterspil, tur- nieren^ stechen zuo dem zil 2, 99. Wohin er seine Schritte gelenkt, ist mit Bestimmtheit nicht zu sagen, doch wird man zunächst wohl an den Wiener Hof denken. Auch die Zeitdauer dieser Wanderschaft können wir nur der obern und untern Grenze nach bestimmen. Sie hat nicht vor 1371 (5, 136) begonnen und nicht über 1373 gedauert; denn in diesem Jahre giengen in seinem väterlichen Hause Veränderungen vor sich, die seine Anwesenheit notwendig machten. unter Wilhelm H sind die Güter der Bregenzer Grafen be- trächtlich verkleinert worden, unter Wilhelm IH waren sie bisher noch nicht viel gewachsen! Der erste Act, welcher von ihm ur- kundlich gemeldet wird, ist eine Verpfändung in Gemeinschaft mit seinem Vater. Seine Gemahlin Ursala, die Tochter des Grafen Hugo von Hohenberg, hatte ihm die Städte Heigerloch und Ehingen als Heiratsgut zugebracht Am 9. Februar 1367 nun versetzten zu Scheer die beiden Wilhelm (Vater und Sohn) von Montfort diese Besitzungen, auf welche die Hohenherger schon früher Ver- zicht geleistet, um 11.000 8^ Pfennige an den Grafen Eberhard von Würtemberg^). Wie die vorhandene Quittung bezeugt, hat Eber- hard noch in demselben Jahre die Ptandsumme flüssig gemacht^), wodurch der Verlust dieser Städte für die Moutforter zur unwie- derruflichen Tatsache geworden war. Ein Ersatz dafür schien sich *) 5, 93: und hdn ms kraft denn daz merieil der weit •) Vgl. Vanotti pag, 163 und im Anhange die Urkunde Nr. 86. Zös- mair.^SEb 14 ^) Vanotti ibid. XIV einstellen zu wollen, als 1368 die österreichischen Herzoge][Leopold und Albrecht den Montfortern Ehingen, die, Stadt an der Donau, und die Herrschaften Berg und Schelkingen verpfändeten; allein schon am 8. März 1370 wurden die Pfandschaften zum grössern Teile wieder eingelöst ^), und die Lücke in Wilhelms III Besitzun- gen blieb, bis es ihm in anderer Weise gelang, die erlittenen Schäden gut zu machen und seinem Hause einen Machtzuwachs anzubahnen, der von entscheidendem Einflüsse war für die ganze folgende Geschichte desselben. Es geschah durch wohlverstandene Heiratsverbindungen mit dem reichen Geschlechte der P&nnberger in Steiermark. Ulrich in, Graf von Pfannberg, Marschall in Oesterreioh, Landeshauptmann von Kärnten, beschloss am 23. Oktober 1354 sein ruhmreiches Leben ^) und hinterliess einen einzigen Sohn Johann, der die Gräfin Margaretha von Schaunberg zur Ehe nahm^j. Er gewann mit ihr nur einen Sohn N und eine Tochter Margaretha, welcher, als 1362 ihr Vater und bald darauf auch ihr Bruder starb, das ganze Erbe zufiel. Margaretha die ältere war noch heiratslustig, und Wilhelm HI von Montfort, dessen erste Gemahlin 1368 gestorben, gab in ihr 1368 oder 69 seinen beiden Söhnen eine Stiefmutter; während um dieselbe Zeit Margaretha die jüngere, noch in zartem Alter, vom Grafen Johann von Gilli heimgeführt wurde. Doch diese Ehe hatte nicht lange Dauer: schon am 28. April 1372 starb Johann von Cilli kinderlos^), und es waren mit der Hand der jungen Witwe auch die ausgiebigen AUodial- güter der Pfannberger in Steiermark, Oesterreich und Kärnten neuer- dings zu erwerben, was sich ihr Schwiegervater Wilhelm sehr an- gelegen sein liess. Da er selbst zum zweitenmal verheiratet war, sein älterer Sohn Konrad gleichfalls schon Agnes von Tosters zum Weibe genommen hatte ^), so blieb nur der sechzehnjährige Hugo übrig, der denn auch noch 1372 oder 73 mit Margaretha ehelich verbunden wurde®). ^) Yanotti pag. 164. •) Er wurde Ton Sachenwirt besangen, bei Primisser Nr. XL 3) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 807. ^) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 809* ^) Nach Zdsmairs Ansicht bald nach dem 22. Juli 1371, als die grosse Fehde zwischen den Werdenbergern und Feldkirchern, wobei es sich aach um das £rbe der Gräfinnen Ton Tosters handelte, definitir beendet wurde. *) Die Beziehungen gestalteten sich also folgendermassen : XV So war Hugo za einem Weibe gekommen und ein reicher Herr geworden: die Pfannbergischen Lehensherrschaften, die Festen, Dörfer, Leute and Güter zu Pekaw, Luginsland, Ghaisersperg und Grünberg fielen ihm nun rechtlich zu 0» die Bregenzer Grafen traten damit in den steirischen und österreichischen Herrenstand und erlangten eine Macht, welche die aller andern Montforter Häuser weit überflügelte. War das nicht eine ausserordentlich glänzende Heirat? Steht nicht von vorn herein zu erwarten, dass Hugo in der Freude über den unverhofften schönen Gewinn eine emsige Regierungstätigkeit und mit seiner Gemahlin, die damals in der schönsten Jugendblüte stand, ein glückliches Familienleben begonnen habe? Wird er nicht, da ihm nun einmal Lieder in die Brust ge- legt waren, mit denselben dieses junge Glück gefeiert haben? — Doch von all dem keine Spur! Wenden wir das Blatt und blicken nach den Triebfedern dieser Heirat, so erheben sich dunkle Schatten. Nicht die Stimme des Herzens, nicht die gegenseitige Neigung hatte hier das ent- scheidende Wort geführt : die Diplomatie hatte den Bund geschlos- sen, unbekümmert um jene, bloss geleitet vom Verlangen nach Besitz; es war eine Gonvenienzehe im verwegensten Sinne des Wortes. Demgemäss ist auch Hugo*s Haltung in den folgenden Jahren: er geht ganz andere Wege als jene, welche häusliches Glück und die Liebe zur Gemahlin zeigen; als wäre er gar nicht verheiratet, erblicken wir ihn in heissen Bemühungen um die Gunst anderer /rou;en und töchterUn^ wie seine Gedichte beweisen, welche — Ulrich m, Grf. r. Pfannberg, f 23./10. 1354. Katharina f 1374. Magaretha. Elisabeth. Johann f zwischen 11./1. und Gem. Memhard VIT, 25./11. 1362. Seine Gemahlin war Grf. Ton Görz, f 1385. Margare tha, Grfn. r. Schaun- b e r g , in zweiter Ehe mit Wil- helm III, Grf. T. Montfort- Bregenz, Termählt. Aus erster Ehe Margaretha, Erbgnräfin ▼. Pfannberg. Ein Sohn N, der bald nach seinem Ihr erster G^emahl war Grf. Johann Yater starb. T. Cilli (t kinderlos am 29./4. 1372), ihr zweiter Grf. Hugo ▼. Montfort- Bregenz. 0 ^S^* Bergmann, Sitz. Ber. IX, 810, und dazu die Urkunde F (pag. 844). XVI 80 weit sie wenigstens hier zunächst in Betracht kommen — ganz sicher wirkliche Erlebnisse zum Inhalte haben. Man fasse zuvör- derst nur Nr. 3^) ins Auge, das wie ein Actenstück unmittelbar aus der Situation herausspricht: es ist ein Brief an die entfernte Geliebte und zwar (nach V. 46) nicht der erste, der zwischen beiden gewechselt worden. Auch Geschenke hat er ihr yerheissen und gegeben (41). Das Verbot, ihn in ihren Briefen mit Namen zu nennen (45), zeigt deutlich genug, dass es sich um heimliche Liebe handle; daher auch an sie und ihren Schreiber die ange- legene Ermahnung zur Verschwiegenheit (53 — 68) : nur ihrem getrüwen buolen darf sie ihr Herz öffnen und dann dem — Mehliger! Die Formstudien, die er an ihrem Leibe gemacht (25 — 32), deuten auf einen scharfen Zug von Sinnlichkeit in diesem Verhältnisse, so dass seine Gemahlin bei eingehenderer Kenntnis desselben kaum erbaut gewesen sein dürfte, und er alle Ursache hatte, das Geheimnis zu hüten. Es bleibt eine offene Frage, ob diese Angebetete noch dieselbe ist, mit deren Segen er (nach Nr. 2) zuerst in die Welt hinausgewandert war, oder ob sie ihren Platz in seinem Herzen bereits einer andern geräumt hatte; wahrschein- lich letzteres, da er nach 5, 6 ff „ Wechsel' liebte. Nr. 6 und 7 gewähren einen Blick in die Fortsetzung dieses Liebesverhältnisses, das eine Störung erlitten hat, und zwar moss der Misston vom Dichter ausgegangen sein : aus irgend einem Grande, vielleicht weil sie ihm versprochene Geschenke nicht gegeben^) (6, 17), erhob er unmutvollen Zweifel (wohl an ihre Treue) and verlor dadurch ihre Huld. Wie er inne wird, dass er sich ge- täuscht, ist sein Unmut zerronnen, und er sucht Versöhnung. Diese zu erlangen ist Nr. 6 bestimmt : sich an min rüw^ nim von mir puo88, durch gott tuo mir vergeben. Alle Freuden der Welt ver- möchten nicht, sie bei ihm in Vergessenheit zu drängen ; mit ihrer Liebe stürbe ihm auch die Lust zu leben. Wirkungsvoll kehrt der erneute Eid seiner Treue beständig im Refraine wieder: und 8olt ich leben tuaent jdr, so bin ich doch din eigen knechL Allein die Geliebte grollte fort und sparte harte Vorwürfe nicht, was ihm (ruren brachte (7, 6); darum finden wir ihn auch in Nr. 7 bemüht, den Sturm zu stillen : wer wird alles gleich ^) UebüT die Entstehungszeit und die Beihenfolge der Gedichte rgl. Ab- handlung JII. ') Auch 3, 41 deutet auf don Austausch tod Geschenken xvn so za Unmut nehmen, beschwichtigt er, sei frohen Mutes und mir wieder zugetan. Auch hier trägt der Refrain die Pointe des ganzen Gredichtes: zum Teufel mit der Untreue! Gehört auch noch Nr. 8 in dieses Verhältnis, so waren die Bemühungen des Dichters schliesslich doch mit dem schönsten Er- folge gekrönt In dieser knapp gehaltenen Tagweise, einem der frbchesten Lieder Hugo's, singt er von den nächtlichen Abstechern in die Kemenate seiner Liebsten. Frohen Herzens sieht er der Ankunft des Abends und der Nacht entgegen; denn dann wird ihm vergönnt, dass er ir guet aolt sehen an, — Die Freuden währen bis der Morgenstern sich erhebt (8, 19), das Avemariaglöck- lein erklingt, und der Bargwächter den Tagrebell bläst (8, 8); da wird beiden noch ein hdsen und ein lieplich kusa ze Idn, und er trennt sich von ihr mit dem tröstlichen Gedanken hinwider ze kon. Damit verschwinden die Spuren dieser Liebesgeschichte : viel- leicht löste sie sich von selbst auf, vielleicht gieng sie auf Kriegs- fahrten unter, zu denen die Siebzigerjahre reichliche Gelegenheit boten. Und dass Hugo wirklich solche Züge getan habe, ist un- zweifelhaft; denn einer davon ist glücklicher Weise durch das verlässliche Zeugnis des kundigen Suchenwirt verbürgt: der Kreuz- zug ins Preussenland. Hier lag mitten im Herzen des christ- lichen Europa eine heidnische Oase, welche in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, wie früher Palästina und Spanien, der Ziel- punkt phantastischer RitterfiEihrten wurde. Schon 1370 war Herzog Leopold von Oesterreich dahin gefahren, aber mit einem glänzenden Fiasco in die Heimat zurückgekehrt. Nun unternahm 1377 sein Bruder Albrecht einen neuen Zug, in welchem auch Hugo war, der ausdrücklich secundo loco nach dem Herzoge mit vollem Namen genannt wird: da rayt graff Haug von Munfurt^ dem trew noch eren nie gepra^h^). Grosse Kriegstaten wird er dabei nicht verrichtet haben; dazu war das ganze Unternehmen gegen die halbwilden Völker ohne Waffen und Heer nicht angetan. Man zog über Laa nach Breslau, Thorn, Marienburg und Königsberg. Ueberall wurde bei fusannen unde phei/en schal tapfer getafelt, gehoft und wol gelebt^ bis es dem zusammengewürfelten Heere endlich waz tzu den haiden gach. Auf dem weitern Vormärsche in das glaubenslose Samaiten- und Reussenland betrugen sich die ^) Saohenwirt, bei Primisser 4, 26. Wackernell, Montfort. xvm Gottesstreiter sehr unhöfiscli und nnchristlich : sie brannten, raubten and mordeten kannibalisch in frommer Wut und begiengen dann wieder zur Abwechslung Tafelfeste und Ritterweihen. So schlug Hermann von Gilli den jungen Herzog Albrecht zum Ritter, und dieser gab wieder vier und siebenzig andern Edeln den erenreichen alag. Nicht unwahrscheinlich war auch Hugo darunter, der damals bereits das zwanzigste Jahr, also das richtige Alter für diesen Act erreicht hatte. — Das Kriegsgluck wandte sich bald: es begann zu regnen, die Sümpfe wurden grösser und so gross, dass die werte Ritterschaft in Gefahr geriet, buchstäblich zu ver- sumpfen. Man kehrte den freiaufatmenden Wilden den Rücken und eilte nach Königsberg zurück, wo man vom Herzog Ehren- geschenke, vom deutschen Orden gute Bewirtung und reichen Dank für die erprobte Tapferkeit entgegenahm; am Schlüsse des Jahres sass man wieder zu Hause. So endete dieser erbärmliche Kreuz- zug. Suchenwirt freilich macht davon viel Rühmens; allein der war zum Lobe da. Gerade seine Aufzeichnungen liefern, wenn man ihnen die ausschmückenden Beschreibungen abzieht, die cha- rakteristischen Merkmale dieses Zuges, die da sind: leerer Glanz, hohler Buhm, wilde Grausamkeit und kein Erfolg. Auf jugend- liche Gemüter, die der Schein gern blendet, wie das Hugo*s damals noch war, mochte er allerdings Eindruck machen und auf seine Schätzung des äussern ritterlichen Glanzes, die wir später noch be- rühren werden, Einfluss genommen haben; denn es ist kaum je- mals so viel Gepränge und ritterlicher Pomp bei so wenig Erfolg zur Schau getrag« >n worden wie hier. Was aber die ruhigeren und gereifteren Männer darüber dachten und sprachen, steht beim Teich- ner zu lesen ^). Eine moralische Besserung, die doch zunächst er- wartet werden dürfte, hat Hugo nicht er&hren: es findet sich keinerlei Anzeichen, dass nunmehr das Verhältnis zu seiner Ge- mahlin inniger und glücklicher geworden sei; im Gegenteil, wenn Nr. 9 in diese Zeit fällt, was wahrscheinlich ist, so können wir dem guten Teichner nur recht geben, wenn er klagt, dass die Ritter von solchen Gottesfahrten nicht frömmer und besser, sondern mit den alten Untugenden behaftet zurückkommen. Hugo hat sich wiederum mit erneutem Eifer auf Liebeswerbungen geworfen; aber die Erfolge glichen dem des Preussenzuges: zweimal ist er schon ^) Karajan, Denksehr. der Wien. Ak. VI, 94 und 102. XIX abgeschlüpft (9, 2) ; vergebens beteuert er der Ersehnten seine Liebe und Treue: sie gibt ihm keine Antwort Doch das Bewusstsein seiner gesellschaftlichen Tugenden (9, 7) hält ihm das Vertrauen auf den endlichen Sieg aufrecht, und ihr Widerstand reizt nur noch mehr seine Eroberungssucht, Es spricht etwas wildes, un- bändiges aus diesem Gedichte, in dem er seine Liebeswerbung mit einer Jagd vergleicht, auf welcher er mit den Hunden Wiüe, Trüwe, Witnne und Ha/rre das junge tiei* hetzt, das Jagens noch nicht kundig ist. Der Refrain mit seinen Imperativen wiederholt nach jeder Strophe den Eindruck seiner ungestümen Leidenschaft, die ihn uff niemana tröwen achten lässt (9, 31). Ob das , uner- fahrene Tier' dem jagdkundigen Jäger entrann oder in die Falle gieng, bleibt verborgen; denn dieses Gedicht, das sich ausnimmt wie ein Selbstgespräch auf einem Tagebuchblatt, steht vereinzelt da. Mit ihm brechen die Nachrichten für seine jugendlichen Herzens- angelegenheiten auf einige Zeit ab, und wir benützen die Lücke, um den Blick auf seine anderweitigen äussern Verhältnisse zu richten. Hugo besass an seinem Vater einen sorglichen Vormund, der bisher die Verwaltung geführt und die beiderseitigen Besitzungen in Ordnung und gutem Zustand erhalten hatte. Ein solcher war dem jungen, leichtsinnigen Gemahle Margaretha*s sehr notwendig, sollte er nicht nur dem Namen nach, sondern auch factisch in den Besitz des Pfannberger Erbes kommen ; denn zur Zeit seiner Heirat lag der grösste Teil desselben noch in den Händen der Gillier. Mit der zweiten Vermählung der Erbgräfin hatten diese allerdings alle Ansprüche darauf verloren: das war für jeden, der das Gewohn- heitsrecht kannte, sonnenklar. Aber eine so rentable Grafschaft, für deren Verbesserung man auch schon manches getan haben mochte, herauszugeben, war schwer und für einen erwerbgierigen Bitter der damaligen Zeit, welcher eine bedeutende Kriegsmacht und nicht weniger kriegerischen Mut besass wie Hermann von Gilli, der Vater des verstorbenen Johann, doppelt schwer: er brachte diesen Gedanken nicht übers Herz und hielt die Besitzungen in seiner Gewalt Allein nicht deswegen hatte Wilhelm III von Montfort in so fliegender Eile die Heirat seines blutjungen Sohnes mit Margaretha zu Stande gebracht, um nun ihre Hand zu be- halten, ihr Erbe aber fahren zu lassen! So kam es zu krieg und stözz mit dem edelnherren^ Oraf Herma^nn von Cili^\ wobei grosse ^) ^S^* ^^^ Urkunde bei Bergmann p. 843. Kosten beiderseits daraufgegangen sein müssen, ohnedass ein endgül- tiges Resultat erzielt worden wäre; wenigstens hatte Hermann auch noch nachher Pekaw, Luginsland, Kaisersberg, Grnnberg und Mans- perg mit den dazu gehörigen Leuten, Gütern, Briefen, Handfesten u. dgl. inne und suchte seine Ansprüche darauf in eine rechtliche Form zu kleiden, indem er vorgab, er hätte auf den Gütern liegende Geldschulden getilgt und von „ Christen und Juden '^ Pfandbriefe ge- löst. In dieser Lage nahmen die Montforter ihre Zuflucht zu den Habsburgern: am 16. Juni 1316 erschienen sie in Graz vor Her- zog Albrecht und baten um seine Entscheidung in dem Streite. Es treten in der betreffenden Urkunde^) auf: Graf Wilhelm und seine Gemahlin Margret die ältere und Margret ihre Tochter, Oraf Hugen von Montfort euch wirtinn^ und geloben für sich und den genannten Grafen Hugo, den Spruch anzuerkennen, welchen der Herzog fallen würde. Auch am Schlüsse der Urkunde wird aus- drücklich hervorgehoben : wir haben auch vertröst für den obge~ nanten Oraf Hugen^ daz er diaen gegenwurtigen anlos sol mit sampt vns stät haben in aller weise, als hie vorgeschrieben stat. Noch an demselben Tage entschied Herzog Albrecht den Streit dahin, dass Hermann alle Pfannberger Besitzungen herauszugeben habe bis auf die Feste Mansperg, die er als Pfand für 2000 fl* so lange behalten dürfe, bis die Montforter dieselben erlegt hätten^). Hermann hatte sich also durch seinen Widerstand doch etwas her- ausgeschlagen. Damit war der Streit zu Ende, und nur einige Nachwehen machten sich in den nächstfolgenden Jahren noch bemerkbar. Der zähe Hermann suchte auch jetzt das ein und andere zurückzu- behalten. So besitzen wir eine Urkunde vom 4. Februar 1375y worin Hugo von Montfort den Gillier ernstlich mahnt, seinen Diener Heinrich von Laubenberg lösen zu lassen^). Doch allmäh- lich haben sich auch diese kleinern Reibungen verzogen, und wo wir später Beziehungen zwischen beiden Häusern begegnen, sind sie durchweg friedlicher, ja freundschaftlicher Natur. In diesem Streite hat es sich gezeigt, wie Wilhelm III für seinen Sohn dachte und handelte. Aber das nahm mit einemmale, 1) Bei Bergmann Sitz. Ber. IX, 843, Urkunde E. <) Ibid. Urkunde F. ^) Orig. Urk. im k. k. geheimen Haus-Hof- und Staatsarchive zu Wien Jlep, I. Es ist die früheste bekannte Urkunde Hugo*s. vielleicht unerwartet bald, ein Ende: schon im Jahre 1378^) kam Wilhelms Sterbetag. Wilhelm III hat in den letzteren Jahren seines Lebens eine glückliche Regierungstätigkeit entfaltet nnd das Ansehen seines Hauses gehoben; zu dem, was wir soeben gehört, sind uns noch zwei Daten überliefert, die davon das sprechendste Zeugnis ablegen. 1370 ernannte ihn Kaiser Karl IV zu seinem kaiserlichen Hof- richter und befreite ihn und seine Erben und deren Leute von den Land- und andern Gerichten, so dass von nun an die Grafen von Montfort^Bregenz nur mehr dem kaiserlichen Hof- gerichte unterworfen waren^). Als 1373 zwei ältere Zweige der Montforter, die von Werdenberg-Sargans und die von Feldkirch, in heftiger Fehde lagen, suchten sie Bundesgenossen und schlössen mit ihnen Bündnisse und Gegenbündnisse, welche gegen jedermann gerichtet seien, nur nicht gegen «den Kaiser, die Herzoge von Oesterreich und Wilhelm von Montfort-Bregenz*). Um so mehr hatte Hugo Ursache, den Hingang seines Vaters zu betrauern. Jetzt war er auf eigene Füsse gestellt, er musste auf die Bühne treten, sein Tun oder Nichttun hatte unvermeidliche Folgen, die sich alsbald in Gewinn oder Verlust an Besitz und Ansehen offenbarten. Nun musste es sich zeigen, wie weit er seiner Aufgabe gewachsen sein werde. Wir betreten damit einen andern Boden, beginnen eine neue Periode seines Lebens. Wollten wir bei diesem Marksteine zurückblicken und Hugo's bisheriges Leben charakterisieren, so erhielten wir wenig anders als ein Bild lustiger Wander- und Flegeljahre. — Aber ihm war noch ein menschenalterlanges Wirken beschert: was ein guter Wein werden will, braucht seine Periode der Gärung. *} Die bisherige Ansicht, dass Hngo's Vater in „der ersten Hälfte von 1379 gestorben sei (vgl. Bergmann IX, 810; Weinhold, in den Mitteilungen VII, 132), erledigt sich damit, dass irir unten eine Urkunde vom 14, Februar 1379 beibringen, nach welcher die beiden Söhne Wilhelms schon das räter- liche Erbe geteilt hatten. Die Angabe des t. Arz, dass im Jahre 1379 Wilhelm t. Enne oder Ende im Namen Wilhelms t. Montfort dem Landgerichte zu Feldkirch yorgesessen sei, worauf die frühere Ansicht sich stützte, ist nach einer gütigen Mitteilung Herrn Dr. Wartmanns, der die betreffende Urkunde im St. Gallener Archive eingesehen, unrichtig: es steht darin aus- drücklich ^Graf Rudolf ▼• Montf ort-Fe Idkirch**. >) Vgl. ZSsmair IE, 17 und die Urkunde bei Zellveger II, Nr. 106. s) ZOuDair m, 24. XXII 3. Hago's Hannesalter. a. Die Zeit bis zum Tode Margaretha*s. In herkömmlicher Weise teilten die beiden hinterlassenen Söhne Wilhelms bruoderlich das vätterlich erbe. Nach der ersten uns erhaltenen Teilungsurkunde, datiert vom 14. Februar 1379*), er- hielt Hugo die Besitzungen zu Schaunberg, Sulzberg, Subersch, Rieden, Lachenreit, Langenegg, die Fischung in der Rottach und Weissach, dazu noch eine Reihe vereinzelter ausserhalb dieser grössern Gomplexe liegender Aecker und Wiesen. Konrad dagegen erhielt die Gerichte Lingenau, Steig, Albersohwende, Hohenegg, die Aohlös in der Bregenz, die Fischung in der Bogenach, Subersch und in einem Teile der Rottach, dann gleichfalls einige andere zerstreute Güter. Weiter wurde beschlossen, dass die diesmal un- geteilt gebliebenen Besitzungen gemeinsam verwaltet werden sollen; och sullen die getauten lewt nit zuaamenheiraten. Bald nach- her teilten sie laut einer neuen Urkunde^) die Weingärten, die alle einzeln aufgezählt werden, und vereinbarten nach einer weitorn Ur- kunde^), dass das schloss Bregentz ayf dem f eisen ^ die zwei Wächter^ der Torwärtly die Gistern^ der Brunnen^ die Tore^ die Mühlen und die Höfe zu Ämmansreut vnd zu der Halden ge- main vnd ungetailt sein sollen. In ähnlicher Weise bestimmten sie in einer vierten Urkunde^) vom 8. Juli 1379, dass auch die Stadt Bregenz und alles, was zu deren Gericht gehörte, weiter die Vogtei über das Benedictinerkloster zu Bregenz in der Au (Mehrerau), welches jährlich ze rechtem vogtreht git vier vnd zwainzig pfunt Pfenning Costenzer Mims vnd zwai fuoder Lantweins, dann eine Pfandsumme beim Constanzer Bistum ungeteilt bleiben und gemein- sam verwaltet werden sollen. So sei es auch in Zukunft von ihnen und den beiderseitigen Nachkommen zu halten. ^) Im k. k. geh. H. H. nnd Staatsarchive zu Wien Rep. I (Cop.). Ein Auszug Tom Or. auch im Innsbr. Schatzarchiy lY, 665. *) Im Innsbrucker Schatzarchiy IV, 576. Leider hat der Copist den Aus- stellungstag nicht eingetragen, was hier auch für den folgenden und die meisten andern ürkundenauszüge des Schatzarchivs bemerkt sein soll. ^ Im Innsbrucker Schatzarchiy lY, 576. *) Abgedruckt yon Bergmann in den Sitz. Bejr. IX, 846, Urkunde G. xxm Mit dieser Teilung gieng das Greschleoht der Montfort-Bregenzer wieder in zwei Zweige auseinander: Hngo gründete eine neue Bre- genzer Linie, welche die andere Hälfte ihrer Macht im fernen Osten hatte und berufen war, alle übrigen Häuser der Montforter zu überdauern. Am Ausgangspunkte ihrer vierhundertjährigen Ge- schichte stehen die beiden Brüder Xaver und Anton. Xaver, der ältere von beiden, heiratete dreimal, aber erzielte keine existenz- fähigen Kinder mehr; Anton der jüngere starb ledig anno 17 87, nachdem die Oesterreicher schon lange vorher auch noch den aller- letzten ärmlichen Rest der gräflichen Besitzungen für eine geringe Jahresrente an sich gebracht hatten : und so war auch der Stanmi Hago's abgewelkt mit Ast und Zweig. Der verwitweten Gräfin Margret blieben die Schaunberger Güter als Witwensitz, deren Genuss ihr Herzog Albrecht 1379 oder 1380 garantierte^), womit diese Teilungsangelegenheit ihren Abschluss erreicht hatte. Das erbaulichste in derselben war die Eintracht der Brüder, die bei einer Gemeinsamregierung notwendig vorausgesetzt wird: überhaupt finden wir beide Zeit ihres Lebens von brüderlicher Liebe und dem guten Geiste der Zusammengehö- rigkeit beseelt. Aber einen solchen Teilungsaot, einen solchen Regentenwechsel ohne jeden Streit gab es damals selten: war das doch für die vielen erwerbgierigen Nachbarn der günstigste Zeitpunkt, mit alten oder neuen Ansprüchen auf einen Teil der verhandelten Güter her- vorzutreten. Auch Hugo sollte nicht unangefochten in den Gesammt- besitz seines Erbes kommen. Die Grafen von Werdenberg-Heili- genberg erhoben Ansprüche auf die Kellerhöfe zu Weiler und Scheidegg und die dazu gehörigen Leute, welche von den Werden- bergern den Grafen von Bregenz verpfändet, aber nicht mehr ein- gelöst worden waren. Doch gelang es rechtzeitig, den offenen Krieg durch ein Schiedsgericht^) hintanzuhalten, welches am 22. Novem- ber 1379 den Streit zu Gunsten Hugo*s entschied: derselbe soll die Kellerhöfe behalten, so lange sie nicht abgelöst werden. Weil das niemals geschah, blieben sie auch fortan bei Neubregenz. ^) Die Urkunde ist undatiert; vgl. Lichnowsky, Begesten zum lY Bd. seiner Gesch. d. Hauses Habsburg, Nr. 60, und Bergmann ES, 812. *) Unter dem Vorsitze Gaudenz^ von Loybenberg. Vgl. Schriften des Vereines für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung III Heft (1872), pag. 38; ein ausführlicher Aaszug auch im Innsbi. SchsktiZiMC^^ YST^^^^. XXIV Nnn hatte Hngo seine Besitztümer gegen aussen gesichert nnd Hess sich die innere Ordnung derselben angelegen sein : Vögte und Verwalter wurden installiert, die Lehen bestätigt oder neu vergeben ^), die Tadinge festgestellt und alle Abgaben der einzelnen Höfe und Güter genau fixiert^). Wir haben keinerlei Andeutung, dass Hugo in den Jahren 1379 und 1380 auch nur ein einziges- mal seine Besitzungen für längere Zeit verlassen und in fremden Angelegenheiten zu tun gehabt hätte: es war die Zeit der Sammlung seiner Kräfte. Am 14. April 1381 erscheint er das erstemal in auswärtiger Beziehung: am genannten Tage stellt Herzog Leopold IH von Oesterreich dem Bischof Leopold von Freisingen, dann , dem edeln Grafen Hang von Montfort, unserm lieben Oheim*, und einigen andern Herren Entschädigungsurkunden aus, weil sie für ihn die Bürgschaft um 4000 ^ Wiener Pfennige übernommen haben ^). Dieses Actenstück ist wichtig und zwar weniger durch das, was es unmittelbar nahe legt, dass nämlich Hugo*s Kasse nicht leer stand, wie es bei seinen Vorfahren nur zu oft der Fall gewesen, als vielmehr durch die weite Perspective, die es uns auftut, indem es zeigt, dass er die habsburgfreundliche Politik seines Vaters und Grossvaters fortsetzte und mit dem mächtigen Fürstengeschlechte nähere Beziehungen angeknüpft hatte. Dieses Verhältnis zu den Habsburgern war von unverbrüchlicher Dauer und bestimmte seine ganze äussere Tätigkeit: jede Beurteilung derselben muss von diesem Standpunkte ausgehen. So haben wir gleich die Veranlassung zu seinen nächsten Kriegstaten davon herzuleiten. Die österreichischen Herzoge entfalteten eine unermüdliche Tätigkeit fär die Ausbreitung und Vergrösserung ihrer Macht, be- 0 Das Fischlehen zu Bregenz gab Hugo 1379 dem Hannsen Michel, der dafür den Grafen und dessen Gefolge anf dem Bodensee fahren müsse, als oft und dik dieser befehle. Innsbr. Schatzarchiv lY, 701. *) üeber die Ordnung, in der sich nachher die Besitzungen Hugo's im Osten befanden, legt besonders das rom steiermärkischen Landesarchir in Graz bewahrte Urbar Hugo*s Zeugnis ab. ') Hugo wird unter den weltlichen Herron zuerst angeführt, ihm folgen Otto Ton Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein, Hartel von Pettau, Gottfried Müller, Hofmeister; Heinrich Gessler, Kammermeister u. a. Die Urkunde im Notizenblatt (Beilage zum Archire für Kunde österreichischer Geschichtsquellen) IX, pag. 203, Nr. 227. Vgl. auchMachar (Geschichte des Herzogtums Steier- msrlO yn, 20. sonders eifrig ergriff der nimmermhende Leopold III jede Gelegen- heit zu neuen GebietserwerbuDgen. Diesmal waren es sogar Be- sitzungen an der Nordküste des adriatischen Meeres, nach denen er seine Hand aasstreckte. Hier lagen die Yenedaner schon lange mit ihrem alten Erbfeinde, den Genuesen, im blutigen Streite. Der Yerzweiflungsmut des Lagunenvolkes rettete die Republik und er- zwang vom Feinde einen Frieden, in dem aber der verwegenste und mächtigste Bundesgenosse desselben, der Herzog von Padua, Fran- cesco Carrara, welcher die venetianischeTrevisaner-Mark erobert hatte und besetzt hielt, nicht mit eingeschlossen war. Venedig fählte sich zu sehr erschöpft, um an eine Wiedergewinnung dieses Ge- bietes denken zu können; aber auch der verhas^te Feind sollte es nicht behalten: und so trug man es am 17. Februar 1381 dem österreichischen Herzoge Leopold an, wenn er dafür Bundesgenosse Venedigs sein und Carrara bekriegen wolle. Einem so glänzenden Angebote gegenüber gab es bei Leopold keine weitere Ueberlegung, ob das ferne Besitztum auch zu behaupten und die Verpflichtungen, die daran hiengen, bei der gegenwärtigen Lage seiner Verhältnisse auch zu erfüllen seien: er schlug ein, rückte am 28. April schleu- nig mit Heeresmacht über die Alpen und hielt am 8. Mai seinen Einzug in Treviso, das Carrara auf die Nachricht vom Anmärsche der Deutschen verlassen hatte. Ob Hugo schon diesen ersten Zug mitgemacht, ist nicht nachzuweisen, aber wahrscheinlich ; denn nach der vorhin erwähnten Urkunde befand er sich am 14. April in der Umgebung des Herzogs, der damals bereits die allernächsten Vor- bereitungen zur Expedition getroffen haben muss; noch viel mehr aber spricht dafür der hervorragende Anteil, den er nachher an diesem Kriege genommen hat. Als Leopold Treviso sich unterworfen sah, kümmerte er sich um Carrara nicht weiter, legte in die Stadt und die festen Plätze eine Besatzung und kehrte am 12. Juni nach Tirol zurück. Aber kaum war der Herzog weg, als die Paduaner wieder herNrorkamen und die Feindseligkeiten gegen Treviso und dessen Besatzung be- gannen. Bereits am 30. August klagte die Stadt bei Herzog Leopold über die ihr täglich von den Feinden widerfahrenden Un- bilden^), der darauf hin den Grafen Hugo von Montfort mit 0 ^sl» Terci, Storia della Marca Tnylgiana e Yeronese. Yenezia 1790, tom. XVI, 3 ff. XXVI andern Edellenten zu Hilfe schickte. Von den Taten, die sie hier verrichteten, wird nichts gemeldet; doch hören die Klagen der Trevisaner vorläufig auf, und am 22, Januar proolamieren dieselben, dass jeder, der dem Herzog den Eid der Treue noch nicht ge- leistet, dies binnen drei Tagen tun oder ihr Gebiet räumen müsse ^) : jedenfalls also waren einige Erfolge errungen, und die Feinde ge- nötigt worden, die bedrängte Stadt zu verlassen. Schon Ende Januar 1382 kehrte Hugo mit vielen andern über die Alpen zu- rück. Im April erhoben die Trevisaner wieder ihre Hilferufe^). Leopold beruhigt und vertröstet: er werde ihnen demnächst Hilfe bringen. Am 10. September kommt die Botschaft, dass Garrara wieder die Stadt bedränge. 20 Tage nachher schreibt der Her- zog von Graz aus an Treviso: er werde spect abilem et atre- nuum Comitem Ugonem de Monteforti,^ av unculum nostrum dilectum, et gener osos ac strenuos viros Flaconem de Rischach et Äinricum Geslear^ magistrum Camere^ cum genr Uhus armigeris et electis zur Hilfe vorausschicken und dann per- sönlich mit Heeresmacht nachfolgen'). In der Tat rüstete der Herzog jetzt ernstlich und meldet schon am 3. Oktober den Be- drängten : er habe ihren Gesandten darum so lange zurückgehalten, damit dieser sich mit eigenen Augen überzeuge, welche Streit- macht ihnen unter dem Grafen Hugo von Montfort zu Hilfe käme^). Bald darauf marschierte Hugo mit 900 Lanzen dem Feinde entgegen. Auf die Nachricht davon hob Carrara wieder die Belagerung auf und zog sich zurück, so dass die Deutschen bei ihrer Ankunft nur rauchende Brandstätten und Trümmer, aber keinen Feind fanden; am 27. Oktobfer rückten sie in Treviso ein. So war die Stadt zwar befreit; aber der grosse Mangel an Nah- rungsmitteln, der hier schon lange geherrscht, steigerte sich durch die Ankunft des Entsatzheeres noch mehr: statt einen Feind zu schlagen, musste Hugo sorgen, die seinigen vom Hungertode zu erretten. Am 2. November unternahm er daher mit 250 Wagen und starker Bedeckung einen Beutezug dem Feinde entgegen in ») Verci XVI, 15 ff. *) Vgl. Verci XVl, 16—34; Lichnowsky, Begesten zum IV Bde. seiner Geschichte des Haases Habsbarg, Nr. 1662, 1667 und weiter 1677, 1686* 1692 und 1696. 8) Lichnowsky, Beg. zu lY, Nr. 1720; Bergmann, Sitz.Ber» IX, 813. ^ Lichnowsky, Reg, zu IV, 1721. xxvn der Richtang Yon Cittadella und Bassano und von da gegen Gastel Bomano, Massolente und St Zenone, nahm Vieh, Wein and Ge- treide and was sonst brauchbares sich vorfand. Auf dem Heimwege wurde er vom Feinde angefallen; schlug ihn jedoch zurück, ver- folgte den fliehenden bis Castelfiranco und brachte über 400 reich beladene Wagen nach Treviso zurück. Die Fortsetzung des Krieges verliert unser Interesse, weil Hugo nicht weiter mehr persönlich hervortritt, und es genügen einige ab- schliessende Sätze. Wenn bei diesem ganzen Unternehmen kein günstiges Resultat erzielt wurde, so fällt die Schuld etwa nicht auf das deutsche Eriegsvolk und dessen Hauptleute, sondern ledig- lich auf den Herzog, der durch Geld — Zeit — und allerlei andere Mängel gehindert war, in dem schwierigen, von den Central punkten seiner Macht so weit abgelegenen Krieg einen entscheidenden Schlag zu fahren. Das wasste der schlaue Italiener und zog sich jedes- mal zurück, sobald die Deutschen heranrückten, und kam abermals hervor, sobald diese, vom Herzog ohne die nötige Unterstützung gelassen, wieder abziehen mussten. So wurde Leopold bald des Strei- tes müde, und am 25. Jan. 1384 tat der sonst so biedre Fürst zu Trient, was er niemals hätte tun sollen : entgegen seinem einst Vene- dig gegebenen, den Trevisanern wiederholten Worte schloss er mit Franz von Carrara Frieden und gab in demselben für schnödes Geld die unglückliche Stadt schonungslos ihrem grausamen Tod- feinde preis — die Stadt, welche über drei Jahre unter namen- losen Leiden und Verlusten mit unerschütterlicher Treue bei ihm ausgeharrt hatte! Welchen Eindruck mag diese verkehrte Tragödie, in der er selbst eine so hervorragende Rolle gespielt, auf Hugo gemacht haben ? Aber von diesem Trientner Frieden bis zur Schlacht bei Sempach liegen nur zwei Jahre! Nachdem dieser Kriegslärm vorüber, finden wir Hugo einige Zeit auf seinen Besitzungen — häufiger auf den westlichen — im friedlichen Verkehre. Am 21. Januar 1385 gibt er die Toch- ter des Hans Mark von Neu - Ravensburg als Leibeigene an Mehrerau^). Am 29. Oktober 1385 schlichten er und Rudolf von Pemekk, als die von Herzog Leopold designierten Schiedsrichter, einen Streit zwischen Heinrich von Ehrenvöls und dem Kloster *) Die Urkunde im Bregenzer Maseum. Vgl. Hummel, XVII Jahres- bericht des Breg. Mns., p. 48. xxvm Seggau, betreffend die landwirtschaftliclie nnd forstliche Benützung von Grundstücken um «Cammern*. Dasselbe wiederholt sich an dem nämlichen Tage zwischen Stift Göss und Heinrich von Ehren« völs in ähnlicher Angelegenheit^). 1386 belehnt Hugo «Hannsen Müller' mit dem äussern Freithof zu Rieden^). Am 7. Januar 1387 überlässt er dem Nicias Schenk von Osterwitz, Hauptmann in Steier, einen Hof zu Eibiswald sammt Zubehör^). Am 29. Sep- tember 1 389 ist er Zeuge Herzog Albrechts, als dieser die Lehen des Stiftes St. Lambrecht empfängt; beachtenswert ist dabei, dass Hugo unter den angesehenen Zeugen wieder an erster Stelle ge- nannt wird*). Am 3, September 1390 schlichtet er einen Streit zwischen dem Abte Rudolf von Weissenau und dem H. (?) Jakob, Pfründner der Pfarrkirche zu Bregenz, wegen Heizung einer Stube ^). Mitten in diesen Werken des Friedens aber musste sich Hugo zur Wehr stellen, um Ansprüchen auf seine Besitzungen zu begegnen. 1385 war Graf Meinhard VH^) von Görz, der Katharina von Pfannberg, die Schwester Johanns, zur Gemahlin gehabt hatte ^), ge- storben. Seine Söhne Heinrich und Johann Meinhard erhoben nun durch ihren Vormund, den Bischof Johann von Gurk, An- sprüche auf die Pfannbergischen Festen Heunburg und Greifenberg in Kärnten. Wodurch und wie weit ihre Rechtstitel begründet waren, ist nicht ersichtlich, aber es erhob sich Streit, der eiiien gefllhrlichen Charakter angenommen haben muss; denn Hugo über- trug damals dem Herzog Leopold und gleich nach dessen Falle bei Sempach dem Herzog Albrecht den Schutz über seine Kinder s). Dadurch hatte sich der Montforter für jeden Fall der Hilfe der mächtigen Oesterreicher versichert. Die Görzer konnten es unter solchen Umständen kaum wagen, die Waffen zu erheben, sondern ^) Beide ürknndeii im Steiermark. Landesarchive Nr. 3537a und 3537b mit des MoDtf orters und Pernekks Siegeln. *) Innsbr. Schatzarchiv IV, 688. 3) K. K. geh. H. H. und Staatsarchiv in Wien Rep. XXIV. ^) Muchar (Gesch d. Herzgtms. Steierm.) VII, 39. Die Reihenfolge lautet : Hugo ▼. Montfort, Wilhelm t. Cilli, Ulrich t. Liechtenstein und Hanns T. Stadeck. ^) Hummel im XVII Jahresbericht des Bregenzer Museums p. 48. ^) Nicht der III; vgl. die Stammtafel im II Bde. von Krones' Ssterr. Gesch. ') Siehe oben (p. 15) die Stammtafel. ^ Am 19. Juli (nicht Juni, wo Leopold noch lebte) 1386. Lichnowsky, Bejg^. zu lY, Nr, 2004. mossten yielmehr aaf eine friedliche Lösung der Frage Bedacht nehmen, oder gleichfalls den Herzog in ihr Interesse zu ziehen Sachen. Letzteres geschah: am 4. Februar 1387 tat auch der Bischof von 6urk für seine dienten etwas ähnliches, was Hugo für seine Kinder getan, indem er dem Herzoge versprach, mit allen Besitzungen der Görzer ihm gewärtig zu sein, wenn er die jungen Grafen schirmen wolle ^). Damit war der ganze Streit in Albrechts Hände gekommen. In kluger Weise benützte Hugo diese günstige Situation und suchte durch einen herzoglichen Schiedsspruch den Knoten ohne Schwert zu lösen: am 29. Juli 1387 compromittierte er mit seiner Gemahlin auf Albrecht ^), den Schutzherren seiner Kinder, der den Montfortern damals wegen der Vorgänge in Schwaben, die wir sogleich berühren werden, noch insbesondere verpflichtet war. Albrecht liess sich die Sache an- gelegen sein und lud bereits am Hl. Dec. d. Js. den Bischof von Gurk zur nächsten Hoftaidung künftigen Montag über 14 Tage in der Montfort - Görzischen Angelegenheit nach Wien^), wo am 22. Januar 138» auch der Schiedsspruch erfolgte, welcher, Albrechts Stellung zn den beiden Geschlechtern und wohl auch dem Rechte entsprechend, durch die Mitte hindurchgieng: er gab und nahm beiden: die Görzer behielten die beiden Festen, mussten jedoch die Montforter mit 2000 ^ guter Wiener Pfennige entschädigen*). So fand dieser Streit sein Ende. Die Aussöhnung zwischen beiden Geschlechtern war vollständig: noch oft zog der Montforter und Görzer Panier friedlich und freundschaftlich hinter dem Habsburger Löwen gegen den gemeinsamen Feind. Hugo muss diesen Frieden, der nicht zum geringsten Teil das Werk seiner klugen Umsicht war, sehnlichst herbeigewünscht haben ; denn gleichzeitig waren von einer andern Seite her schwere Kriegs<- wolken über seine Besitzungen iui Westen und über das ganze Schwabenland heraufgezogen. £s wurde schon oben (pag. 8) darauf hingewiesen, welche Feinde den Habsburgern und dem schwäbischen Adel in den Schwei- *) Lichnowsky, Reg. zu IV, Nr. 2037. *) Laut UrkuDde von St. Yeit in Kärnten. Lichnowsky, Beg. zu IV, Nr. 2062. Muchar VH, 36. «) Lichnowsky, Reg. zu IV, Nr, 2114. ^) Lichnowsky, Reg. zu IV, Nr. 2119. Vanotti*8 Regest pag. 488, Nr. 125 ist unrichtig. zem erwachsen. Sie waren die trotzigsten und mächtigsten Ver- treter des emporgekommenen »gemeinen Volkes*, wie andrerseits der ihnen gegenüber stehende Adel Schwabens die Traditionen der alten Ständeverhältnisse aus der Staufenzeit am treuesten bewahrt hatte und am nachdrücklichsten vertrat. Hier mussten diese Ge- gensätze, welche besonders in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts immer schärfer hervortraten, mit aussergewöhnlicher Wucht auf einander stossen. An der Spitze des Adels standen naturgemäss die Habsburger, welche insgesaramt — man weiss, wie das gekommen — den Schweizern zürnten; am meisten aber von allen war Herzog Leopold HI gegen sie erbittert: seine Ab- neigung grenzte an Hass, seine Geringschätzung an Verachtung. Schon lange hatte er einen Rachezug geplant für die viele Unbilden, welche die Schweizer seinem Hause angetan. Als sie 1385 sich neuerdings erkühnten, die habsburgpflichtige Stadt Sempach in ihre Eidge- nossenschaft aufzunehmen, da gedachte er einen Schlag gegen sie zu führen, der ihr Loos für alle Zukunft entscheiden sollte und auch entschied — nur nicht im Sinne des Herzogs. Alle Freunde und Anhänger und Lehensleute Leopolds, der ganze österreichfreundliche Adel in Schwaben, in Tirol und an der Etsch, in Elsass und Burgund schlössen sich dem Zuge an, der eine weltgeschichtliche Bedeutung erlangt hat. Man kennt den Verlauf der Schlacht bei Sempach am 9. Juli 1386, wo das glänzende Heer der Eisenmänner von den Eidgenossen aufs Haupt geschlagen wurde. Die Schweizer blieben noch fernerhin die Geissei der schwäbischen Ritterschaft. Wenn Hugo hier nicht direct als Teilnehmer genannt wird, so hat das wenig auffallendes; denn viele hundert andere Herren aus den mächtigsten Geschlechtern, die mitgezogen, werden gleich- falls nicht namentlich angeführt: der ganze Feldzug gieng rasch vorüber und war überhaupt nicht danach angetan, den einzeben persönlich hervortreten zu lassen; dazu sind die Detailnachrichten spärlicher, als man erwarten • sollte. Dennoch wurde darauf hin die Meinung laut, dass er diesen Zug nicht mitgemacht, sich viel- mehr jetzt und auch fortan zu den Schweizern in ein möglichst gutes, a freundnachbarliches Verhältnis* gestellt habe^). Dagegen 0 Weinhold in den Mitteilongen YII, 133 ond dann Bergmann in der Landeskunde Vorarlbergs (1868) p. 102. sprechen aber schon Hngo*s Beziehungen zu den österreichischen Herzogen und zu Leopold insbesondere, wie wir dieselben bisher kennen gelernt haben. Ferner konnte dem Grafen kaum verborgen bleiben, dass es sich hier nicht nur darum handle, vergangenes zu rächen, sondern auch darum, für die Zukunft die eigene Haut zu sichern: das vermochte ein Blick in die Greschichte seiner Väter ihn zu lehren. Dagegen spricht dann, dass in der Fortsetzung dieses Krieges 1388 Feldkircher und Bregenzer ausdrücklich als Teilnehmer genannt werden^). Wenn endlich Hugo von Mont- fort 1388 als österreichischer Land vogt im Thurgau, Aargau und auf dem Schwarzwald erscheint^), also eine der wichtigsten Yertrauensstellen^) bekleidete, so zeugt das wohl nicht so sehr für das gute Verhältnis desselben zu den Schweizern, als vielmehr dafür, dass die österreichischen Fürsten an Hugo einen Mann kann- ten, auf den in jeder Gefahr ein Verlass war. Zu dem allen bringen wir noch eine Urkunde, die das, was wir suchen, deutlich ausspricht: am 1. März 1388 erklärt Graf Hanns von Werden- berg, dass er mit seinem Vetter Hugo von Montfort übereinge- kommen sei, den österreichischen Herzogen durch ein Jahr in dem gegenwärtigen Kriege wider die Schweiz zu dienen*). Von freundschaftlichen Beziehungen Hugo*s zu den Eidgenossen kann also keine Rede mehr sein. Es versteht sich von selbst, dass man es als eine heilige Aufgabe ansah, Leopolds Tod zu rächen. Allein die damaligen Schuldenlasten der Oesterreicher und die Unordnung nach Leopolds Untergange waren zu gross, dessen Söhne noch zu klein, als dass es zu einem durchgreifenden, erfolgreichen Kriege hätte kommen können, der 0 Archiv für Kunde österr. Gesch. Quellen Bd. I, Heft III, 131. Zösmair III, 34. *) Das wusste man bisher bloss aus Vanotti*s Angabe p. 181. Da man aber alle unbelegten Aussagen dieses Historikers nur mit grosser Vorsicht ent- gegennehmen darf, ist ein erneuter Nachweis wertvoll; denselben gibt eine Urkunde des k. k. geh. H. H. und Staatsarchivs vom 1. März 1388, worin es ausdrücklich heisst: Oraf Hug von Montfort herre ze Bregentz, des hoeh- erbornen f unten hertzog Älbreehis zu Oesterreieh lantvogt ze Ergow, ze Thurgow und uff dem Swartzwald. Rep. VI. 'J Erst 1379 hatte Le opold die Landvogtei in Ober- und Niederschwaben um nicht weniger als 40.000 Goldgulden von den bairischen Herzogen gekauft und sie seitdem meist in der eigenen Hand behalten. Vgl. Krones, öst. Gesch. II, 189. ^) K. k. geh. H. H. und Staatsarchiv Kep. VI. xxxn das, was verloren war, wieder gebracht hätte. Um die Eidgenossen in der Ausnützung ihres Sieges aufzuhalten, sah man sich ge- zwungen, mit ihnen bis zum Februar 13S8 Waffenstillstand zu schliessen. Als mit Ablauf desselben der Krieg wieder losbrach, fehlte den Oesterreichern und dem damit verbundenen Adel alle ruhige Besinnung, und ihren sonst so kriegstüchtigen Waffen alles Glück, wie immer, wenn sie gegen die Schweizer geführt wurden. Sie begannen mit der berüchtigten Mordnacht zu Wesen, wo sie die ganze eidgenössische Besatzung niedermetzelten; zum Lohne dafür holten sie sich bald darauf eine neue Niederlage bei Näfels am 9. April 1388. Damit entsank den Herren die letzte Hoffnung, die Schweizer zu demütigen. Beiderseits fühlte man sich erschöpft und machte Frieden. Es folgten ein paar Jahre der Stille nach dem Ungewitter, in denen nur friedliches und unbedeutendes geschah. Man eilte nach Hause, curierte die zerschlagenen Glieder und suchte den Geld- beutel wieder in ehrbaren Zustand zu bringen. Auch in die Bur- gen Hugo's kehrte Ruhe und Stille ein, die nur durch friedliche Beziehungen und die Folgen eines doppelten Todfalles bewegt wurde. 1387 war Hugo's einziger Bruder Konrad gestorben. Ihm folgte sein ältester Sohn Wilhelm*) in die Regierung der Graf- schaft Alt-Bregenz. Dem väterlichen Beispiele entsprechend suchte er die intimen Beziehungen zu seinem Vetter Hugo aufrecht zu halten. 1390 beschwören beide einen zwanzigjährigen Burgfrieden, der sich auf Burg und Stadt Bregenz, die ungeteilt bleiben, erstreckte und ein ähnliches Verhältnis herstellte wie die Urkunde vom T.Juni 1379 zwischen Konrad und Hugo: kein Teil darf ohne Wissen des andern fremder Macht Einlass geben, die Angreifer und Be- schädiger der Stadt sollen beide Teile mit geeinter Macht abtreiben, die Untertanen haben beiden Herren gewärtig zu sein, die Burg- grafen, ihre Knechte und Diener diesen Burgfrieden zu beschwören*). Es scheint, dass Hugo seinem Neffen tätig an die Hand gegangen sei und ihm manche Wohltat erwiesen habe: so schliesst Wilhelm *) Konrad hinterliess 3 Kinder: Wilhelm, Hugo, den später in Urkan> den oft genannten (Johanniter) „Meister" (der häufig mit Hogo, dem Minne- singer, verwechselt worden ist, z. B. in der Urkunde von 1393, bei Yanotti Reg. Nr. 136), und eine Tochter Magdalena. *) Innsbr. Schatzarchiv IV, 661. [XXXIIl von Montfort-Bregenz am 24. März 1393 mit Hermann von Schwar- zach einen Bürgschaftsvertrag und nennt als Gewähren seinen Vetter Hngo^); andern Zeugnissen werden wir weiter anten noch wiederholt begegnen. Viel schwerer als dieser eine Todfall traf ansem Dichter ein anderer. Es zeigt sich kein Ereignis in seinem Leben, das mit solcher Gewalt auf ihn eingestürmt, eine solche Revolution in seiner Denk- und Gefiihlsweise hervorgebracht hätte, wie dieser. Um das zu begreifen, müssen wir vorerst darzulegen suchen, wie neben der äussern Geschichte dieser Periode seine geistige Ent- wicklung einhergieng. Plötzlich, mitten im jugendlich leichtsinnigen Treiben, kam Hugo die Notwendigkeit an, auf die Bühne des öffentlichen Lebens zu treten. Ganz unerwartet übernahm er seine Aufgabe mit Kraft und Umsicht, bestellte sein Haus, richtete tatenbegierig den Blick nach aussen und eroberte sich schnell Bedeutung und Ansehen. Wer sich in die politische Geschichte der Montforter gründlich eingelebt hat, wird erkannt haben, wie unter Hugo's Vater und Grossvater der Schwerpunkt derselben auf Heinrich von Montfort- Tettnang ruhte; aber nicht über 1380 hinaus. Von hier an tritt Hugo von Montfort-Bregenz entschieden in den Vordergrund Er zeichnet in herzoglichen Urkunden seinen Namen vor den übri- gen Grafen und weltlichen Herren, tritt als erbetener Schiedsrichter auf, führt ein herzogliches Heer an, bekleidet in gefährlicher Zeit ein hohes Vertrauensamt. — Was weder Heirat noch Kreuzfahrt* in ihm bewirkt, das hat der Ernst des Lebens getan: Hugo war zur Reife gelangt. Mann geworden^). Was aber noch viel mehr bedeutet als alles das, ist, dass er sich durch diese äussern Er- folge nicht verflachen liess, dass er auch den Blick in sich selbst hinein kehrte und die schwerere Aufgabe der Selbstläuterung und Selbstbildung begann. Denn alles, was wir gewinnen, erlangt dock erst wirklichen und bleibenden Wert, wenn es auch dem innern Menschen, dem Charakter zugute kommt Wir freuen uns, wenn wir so unverhofft Hugo's rasche Carriere auf der politischen Lauf- bahn erblicken; aber unsere Achtung erobert er erst, wenn wir *) Mehreraiier Archiv des Bregenzer Museums Face. 11 , Nr. 75* Unter den Sieglem auch Hugo. *) Darum haben wir die neue Periode nicht mit Hugo's Heirat, wie man erwarten könnte, sondern mit 1379 begonnen. Wtke}iernelJ, Montfort, % xxxrv der Seelenkämpfe gewahr werden, in denen er seine jugendlichen Leidenschaften besiegt and sich za einem höheren sittlichen Stand- punkt »nporringt Und darüber geben seine Gedichte aus dieser Zeit ein unwiderlegliches Zeugnis. In Nr. 11^) regt sich bei ihm zuerst die strafende Stimme des Grewissens, die ihn aus den jugendlichen Torheiten aufschreckt wie der Wächter beim Morgengrauen zwei Liebende aus verbotenem Genüsse. Wann willst du einmal Ruhe geben und aufhören Tanz- lieder^) zu machen? lässt er sich vom Wächter strafend zurufen. — Der Dichter verspricht von den Tanzliedern abzulassen und hat sein Wort auch treulich gehalten : Nr. 9 blieb das letzte dieser Gattung. Aber im übrigen erleidet der mahnende Wächter dies- mal noch eine entschiedene Niederlage. Das Frauenlob kann er nicht aufgeben; denn selge wib die sind der weit doch leid ver^ tribj ach gott^ wie lieb und za^tl Und dann, Wächter, — fährt er fort — merke dir: gegenüber der Gunst zarter lieber Frauen ist alles andere auf Erden im Grunde genommen doch ganz windig: nichts hält dieser Stand, weder Frömmigkeit noch Weisheit noch Stärke noch Schönheit; sie obsiegt allem, das hat sich schon oft bewahrheitet: nu dcur ir eeUgen wib\ Hatte somit auch der Reiz des bisherigen Lebens seine fesselnde Gewalt über ihn behauptet, so war dennoch der erste bewosste Schritt einer neuen Richtung entgegengetan; die weitere Ent^- wicklung folgte rasch. In Nr. 10 und 12 erhebt sich dieselbe warnende Stimme wieder: du hast dich noch nicht gebessert (10,, 8)? — Gewissensbisse ängstigen ihn sehr (10, 25). Er wird ge- wahr, wie er bereits den Mittag seiner Lebenszeit erreicht hat (10* 6), und die Todesnacht ihm entgegenrückt (10, 10), während er noch herbergslos dasteht Religiöse Motive drängen sich herein: auf der Erde ist deines Bleibens nicht (10, 13); ihn überkommt ^) Ueber die Reihenfolge der Gedichte vgl. Abh. III. *) i2tM> haben ist moralisch za deuten. Unter den Tanzliedern meint er natürlich solche wie die Torangegangenen, welche mit yeH>otonem Liebes- dienste zusanimenhiengen, indem sie, an eine bestimmte Adresse gerichtet, directe Werbung oder bereits geheime Stelldichein (Nr. 8) zum Inhalte hatten. Desgleichen zielt auch das lob der seligen wib, tou dem er spricht, auf die Erwerbung ihrer Gunst, die möglicher Weise auch bis dahin gehen konnte, wo man morgens einen Wächter brauchte, damit der frowen und töehHrlin fr und sioluer lib vor böser Jklafer zung behuetet werde» XXXV der trostlose Gredanke von der Vergänglichkeit alles irdischen Wesens: Schönheit, Kraft and Verstand, alles nimmt der Tod hinweg; aber deine Seele mass ewig leben (10, 15)! Das geht ihm tief zu Herzen. Das Lob der Schönheit und der Frauen hört auf, an dessen Stelle tritt der Preis der muoter maget her und der Majestät und Unendlichkeit Gottes, der zugleich auch unend- lich barmherzig ist und um die Schulden der Menschen den h*irten wiWg tSt erlitten hat (12, 23): 0 möchte er einst Gnade für Becht ergehen lassen (12, 27). — Immer lauter und entschiedener bricht die Stimme der Umwandlung und Reue hervor. In Nr. 13 schaat er sich selbst als einen Schiflfbrüchigen itff wag des bittem mer. Die stürmenden Wogen der Sünden haben seiner ^Unschuld Schiff' zertrümmert; nur in den Gnaden der Kirche, in dem Bei- stand der mamerin erblickt er noch Trost und Rettung: Beicht, wahre Reue und Busse geben seinem Anker wieder sichern Halt in den Fluten des Lebens. Gott, der dem Menschen das Him- melreich geöffnet hat, für ihn in die Marter gieng, wird wohl gnädig und barmherzig sein! Das die Umwandlung des Dichters nach seinen eigenen An- deutungen. Man sieht, wie sie ihn in das Geleise kirchlicher Moral lenkt, wie es für damals ja auch kaum anders zu erwarten war: darin offenbart sich eben der Einflnss jenes religiösen Geistes seiner Zeit, von dem wir noch hören werden. Doch glob dn werch ist halber airij lautete ein Grundsatz Hago*s (4, 110): der umgewandelten Gesinnung müssen auch die Werke entsprechen. Freilich liegt zwischen beiden erst die Höhe des Kampfes, auf der die Niederlage droht; denn ist auch der Glaube und Wille stark, das Fleisch ist noch stärker! Aber Hugo vermochte es, mit den bestehenden Verhältnissen zu brechen, so weit sie jetzt seiner bessern Ueberzeugung widerstritten. Diesen harten Sturm zwischen den Wünschen seines Herzens und den höhern sittlichen Anforderungen von Gewissen und Vernunft hat er selbst in Nr. 17 geschildert. Es ist der Abschied vom ver- botenen Minnedienst: lebent scheiden das tuot we^ noch wirser dann ein senfter todl Das Herz will ihm die Seele verleiten (17, 9, 13, 17); aber er bietet alles auf, den Sieg zu erringen: fährt das Schreckbild des Todes ins Feld (17, 11), erinnert sich an die Hilfe Gottes (17, 15), ruft den Schutzengel zum Beistand an , von dem eß heisst, dass er dem Menschen zum. SdiVim&i \i\A XXXVI Hüter beigegeben sei (17, 21): nümer tuon ist grosse luoss! — Ihn überkommt der Gedanke an seine Gemahlin die ihm stets Liebe nnd Treue bewahrt hat (17, 34, 36, 39, 43), und der Kampf ist ent- schieden. Er ist aus bösem Traum erwacht, in welchem er seiner ehe- . liehen Pflicht vergessen nnd fremde „ Frauen und Töchterlein ' gefeiert hatte(17, 29); er erkennt den Wert treuer wahrer Liebe, die nun in seinem Herzen grünt (17, 49 — 5'^). In dieses Lob seiner Ge- mahlin und der rechten Liebe stimmt auch das folgende Gedicht (Nr. 1) ein, von dem schon Weinhold treffend gesagt hat: «es ist gedichtet in der Erregung eines Herzens, das sich mancher Schuld bewusst ist, und im Frühlingshauche erwachender echter Liebe« *). Damit haben wir den Ausgangspunkt dieser Entwicklung er- reicht Das Verhältnis zu Margaretha und damit das zur übrigen Frauenwelt hat sich vollständig geändert, und Margaretha*s un- wandelbare Treue war nicht der unansehnlichste Beweggrund zur Umkehr gewesen — ein schöner Zug in Hugo*s Charakter. Es ist für das Resultat einerlei, ob bei derselben die erlangte geistige Reife, oder ob das erwachende religiöse Bewusstsein den endlichen Ausschlag gegeben habe: in jedem Falle gieng did erstere der letzte- ren voraus. Nun liebte er nach seinem Herzen und nach dem Gebote Gottes zugleich (1, 15 — 18). Das gab ihm jene Heiter- keit und Friedensseligkeit, die aus dem ganzen Gedichte (Nr. 1) spricht. Jetzt mögen die Gefahren kommen, wie sie wollen, er fühlt sich stark genug, sie abzuschlagen; die ganze Welt ver- möchte nicht, ihn in seiner Treue wankend zu machen (1, 59): min herfz das ist verslossen mit trüwen und mit stetiheit^ zarte frow^ bin ich bereit (1, 83). Von seiner ersten Jugendliebe spricht er alsbald (Nr. 2) in ruhiger Heiterkeit, wie man etwa von Erlebnissen erzählt, die vorüber sind uud in keiner Form mehr wiederkehren. Da ihm Margaretha auch Kinder geschenkt hatte ^), war das eheliche Glück vollkommen. Aber nicht lange sollte es währen, 80 kam darein ein swartze van^w und gel, daz ist der tod so snel — 1391 oder 1392^) ist Margaretha gestorben. ^) In den Mitteilnngen YII, 135. *) Nach der oben (pag. 28) angeführten Urkunde bei Lichnovsky (Beg. zu lY, Nr, 2004) besass er 1386 schon Kinder. 'J 1390 darf man sicher nicht ansetzten. Denn nach 5, 52 war Hngo XXXVII Naoh dem voraasgegangenea ahnen wir, wie den Dichter dieser Tod getroffen haben wird. Seine Tätigkeit ist auf einmal gelähmt: aas li591 und 1392, also aus zwei Jahren, können wir keine einzige Tat Hago*s nachweisen. Der fröhliche, vergnügte Ton der letzten Gedichte (Nr. 1 und 2) ist auf einmal verschwunden, und schwere döstere Stimmung lagert sich über die Producte dieser Zeit (4, 15 und 5) ^) : ein völliges Ungenügen, ein starker lieber- druss an dieser Welt spricht aus ihnen, ein asketischer Mönchsgeist fast, welcher in Weltabgeschlossenheit, in einer vita contemplativa Ruhe suchen will und entschlossen ist, dem freiwillig zu ent- sagen, was er doch nur dem Untergang geweiht sieht; denn über- all Wankelmut, Täuschung, Unbestand, Tod. — das bedacht ich snell und bald: vor unmuot luff ich in ein wald und wolt da sin beliben^ die weit han usgeschiben, vor ir unstet und fruffeni dunkh ich mich in der wiUnust fri (5, 63). Es ist sehr be- zeichnend für seine Gemütsverfassung zu beobachten, wie er in seinem nunmehrigen Lieblingsbuche, der Bibel, das traurigste Ca- pitel aufschlägt und sich mit Wohlbehagen darin ergeht: es kommt der Tod und dann jener Tag, wo der Herr erscheint mit allen seinen Heerscharen und ein schreckliches Gericht hält über alle, die aus den Gräbern aufgestanden sind. Da Hlfet weder kunst noch list^ pett und almuosen ist denn ze spät (4, 128, 130): alle Misse- taten werden offenbar, nichts bleibt ungerächt. Die guten wird er zu seiner rechten Hand sammeln, die bösen aber zu seiner linken ; diese stehen da in Nacktheit und Schande, vor schrihhen helleva/r^ und rufen die Berge an, über sie zu fallen und sie zu bedecken, bis sie der Herr verflucht zu ewigen Höllenqualen (4, 120 — 196). Auch in Nr. 15 zeigt sich dieser weitabgewandte Sinn, wieder- holen sich die Klagen über die finstere Gewalt des Todes, der alle ohne Unterschied hinwegrafft (15, 7, 8, 14, 19, 51, 59, 115), schon drei und dreissig ein halbes Jahr, als er sich zu Gott bekehrte und den Terbotenen Minnedienst verliess. Das kann also frühestens in der zweiten H&lfte Ton 1390 geschehen sein. Nan zeigt die vorausgehende Darstellung, dass er darnach doch noch einige Zeit in glücklicher Ehe mit Marga- retha lebte. — Dass der Tod nicht nach 1392 erfolgte, ergibt sich aus der Chronologie dieser Rede in Abh. III und ans den Versen 5, 64 — 69, die in der glücklichen Zeit der £he mit Margare tha (Nr. 17 und Nr. 1) unmöglich gewesen wären. ^) Weinhold bezog (a. a. 0. 136) auch Nr. 27 hieher, was aber, wie sieh zeigen wird, kaum geschehen darf. xxxvni auch jene, die durch ihre Vorzüge alle andern ihres G^ohlechtes hoch überragten. So ist David mit seinem edeln tchten^ Saio- mon mit seiner Weisheit, Aristoteles mit seinen Künsten vorüber; auch der grosse Karl musste in Todes Sarg; König Artus und der ganze freudenvolle Hof mit Ritterschaft und Frauen, Tschinachti- lander, der mannhafte Paicival: sie alle hat der Tod gepfändet. Wie der Hefrain in einem Gedichte so kehrt hier der Gedanke stätig wieder, den 15, 46 f. am deutlichsten ausspricht: ich habe die Welt genau kennen gelernt; aber all ir sack das ist zer- ganJclich leben^ und ist och nicht wan ach: ein wil ein fr Öd — darnach Jeans truren geben! Nur einen Meister hat der Xod, das ist der künig ob nun kören ^ der die Riegel der Gräber auf- schliesst, wenn er dereinst am jüngsten Tage rufea wird: surgite, stehet auf, ihr Todten (15, 128)! Diese durch einen plötzlichen Unglücksfall hervorgerufene und in das Extrem getriebene Stimmung, die Hugo*s gesunder Anlage, seinem tatkräftigen Wesen und insbesondere seinen Jahren ganz zuwiderlief, war ein krankhafter Zustand, der unmöglich Dauer haben konnte und entweder vorwärts zu wirklicher Weltentsagung ^) oder wieder zurück zur Genesung führen musste. Hugo bestand die Krisis. Die Natur ist immer ihr eigener Arzt: Schmerzen, die sie nicht zu beseitigen vermag, lässt sie sich müde stürmen und nimmt ihnen so allmählich ihre Schärfe. In dieser Weise heilte sie wohl auch hier. Dazu waren die Fäden zu mächtig, die Hugo mit der vita activa verbanden : auf seinen Schultern ruhte das Re- giment zweier mächtigen Grafschaften, ihn hielten die durch ein Jahrzehnt angeknüpften und gekräftigten Beziehungen zu den nach- barlichen Herren und Fürsten fest; vor allem aber wird noch ein anderes Band seine oft bewährte Haltkraft bewiesen haben: Hugo besass Kinder. Etwa um diese Zeit entstand Nr. 14, jenes verein- zelte Gedicht, in dem ein Vater auftritt, der für die Zukunft seines Sohnes besorgt ist. Wenn man sich Hugo's Dichtungsweise, die *) Dass diese im Mittelalter und gerade im 14. Jahrhundert, das hierin das 11. und 12. noch übertrifft, bei ähnlichem Schicksal und auch ohne ein solches gar wohl möglich war. weiss jeder, der z. B. K. Schmidts Leben des Ni- colaus Ton Basel gelesen hat. Vgl. Abhandl. II. Auch Oswald t. W. hatte eine solche Anwandlung 1, 4, 1: mein iummes leben wolt ich V0rkem, dat ist wärt und ward ain halber tüeghari wol zbay gantze jdr . ., und Teichner jrJJJ alles üiehen, was nach der Welt jsich stellt. Kar. 118. XXXIX aaf wirklichen Eriebnissen fitsst» gegenwärtig hftlt, so liegt es nahe» beim jungen herren^ dem der Vater Lehren der Lebensweisheit gibt, am ihn vor Yarirrangen zu bewahren, an sein^ Sohn Ulrich am denken, der damals zwischen dem 16. und 20. Lebensjahre stand ^X also in einem Alter, wo solche Lehren am Platze waren, wo er vielleicht wie einst sein Yater in die grosse Welt hinaos- zog, sich Ritterschaft zu erwerben. Gegen die Mitte der Neunzigerjahre beginnt die aasgebreitete T&tigkeit der achtziger abermals: die Zeit brachte neuen Lebens- mut und selbst einen Ersatz für Margaretha wieder. Damit be- gmnt ein neuer Abschnitt in Hugo*s Leben, der reicht b. bis zum Tode Glementia*s. Krieg und Friede sind die Flut und Ebbe der Gesohidite, nur ist im Mittelalter diese stets kürzer als jene. Aus den zahl- reichen Streitigkeiten in den Alpenprovinzen*) und im Reiche draussen am Anfange und in der Mitte der Neunzigerjahre treten zwei von grösserer Bedeutung hervor und verlangen kurze Auf- merksamkeit, weil Hugo zu ihnen Stellung genommen hat. In Böhmen sammelte sich das Ungewitter über dem gesalbten Haupte eines argen Missetäters, König Wenzels. Man kennt sein Sündenregister^). Der ganze höhere Adel und ihm voran die österreichischen Her- zoge waren gegen ihn erbittert. Dass auch Hugo unter den Missr vergnügten war, beweist Nr. 5, worin er eine scharfe Sprache führt gegen diesen kilng von Pehem land; denn an ^echt^ an fürstlich Zucht und sitt^ der wont gar wenig hi im itt(bp 241) . . er Hess die weit verderben, e dna er kern ^nm Präge i5, 244)/ Es ist be-? kannt, wie alsbald die offene Empörung ausbrach, wie man den König ') Ulrich kann idi liereits 1389 nrkandlich nachweisen: am 20. Juli d. Js. bestätigt der Bischof Johann zu Seccaw dem Grafen Ulrich ron Montfort, Herrn zn Bregentz, aaf dessen persönliches Ersuchen einen ge-. mecMkrief^ in welchem Graf Ulrich die von dem Bistnm herrührenden Lehen auf seinen Vater, den Grafen Hugo ron Montfort, Herrn zu Bregentz, überträgt. K. bairisches Beichsarchir Fase. XV. ') In Vorarlberg ist Ton besonderer Wichtigkeit die Entstehung eines Yolksbnndes, einer Art ^,vorarlbergi scher Eidgenossenschaft^ (ZOsmair III, 37), welche Torgeblich gegenseitigen Schatz und Frieden bezweckte, aber der Natur d«r Sadie nach gegen die Herren sich richtete, wie wir später sehen werden. ^ Vgl. auch die Chronologie in Abb, HI. XL gefangen nahm (1394) und ihm die Klanen beschnitt. Wie Hngo darüber urteilte, hat er nicht mehr niedergeschrieben. Drohender und unserem Dichter viel näher kam ein Streit der österreichischen Herzoge. 1395 wurde Albrecht III ins Grab ge- legt und damit auch die lange von ihm sorglich gehütete Einigkeit der Habsburger Fürsten. Albrechts Sohn, Albrecht IV, und seine Vettern Wilhelm und Leopold entzweiten sich bei der Teilung des Erbes. Dem guten Brauche ihrer Väter, dass der älteste, jetzt Wilhelm, das Oberregiment führe, widerstrebte der junge Al- brecht, verlangte Selbstregierung und vollständige Teilung des Be- sitzes. Die (jemüter erhitzten sich: alle grösseren Städte und Herren, die mit den Habsburgern irgendwie im Contacte standen, nahmen Partei, und ein grässlicher Bürgerkrieg schien unvermeidlich. JDie Aussicht auf solches Elend bewog Albrecht doch zur Nach- giebigkeit. 1395 entstand der Hollenburger Vertrag, welcher den Streit zwischen Albrecht und Wilhelm beseitigte^). Nun blieb noch das Verhältnis zwischen Wilhelm und Leopold zu ordnen. Auch hier wurde ein friedlicher Austrag erzielt: am 30 März 1396 kam ein Vertrag über die Teilung der Verwaltung zwischen beiden Brüdern zu Stande. Hugo's Verhalten in dieser Angelegenheit erforderte doppelte Vorsicht, da die eine seiner Grafschaften im Regierungskreise Wil- helms, die andere in den Vorlanden lag, die Leopold verwaltete. Ein Krieg beider Herzoge, in den er mit hineingezogen wurde, konnte ihn eine seiner Grafschaften kosten. Ihm musste daher vor allen an einer friedlichen Lösung der Frage gelegen sein, und er wird seineu ganzen Einfluss, der wenigstens auf Leopold^) sicher bedeutend war, aufgeboten haben, eine solche herbeizuführen. Dem gemäss erscheint er auch im vorerwähnten Friedensinstrumente von 1396, das unterzeichnet ist von den beiden Herzogen, dem Bischof Berthold von Freisingen, Kanzler Herzog Wilhelms, den Bischöfen ^) Vgl. das nähere darüber bei Lichnowsky, Geschichte 4 ff., und Mayer, Geschichte Oesterreichs I, 182. ') Das nahe Verhältnis Hugo's zu Leopold III hatte sich auf seinen Sohn Leopold lY vererbt. Am 5. April 1393 war Hago mit einigen andern Herren diesem Mitgülte gegenüber Ulrich von Ems für eine gemeinschaftUch aufgenommene Schuld. Die Orig. Urk. im Statthalterei- Archive zn Innsbruck; Bftg. im Anzeig. f. Schweiz. Gesch. 1864, pag. 26. Andere und stärkere Be- lege bringen die folgenden Blätter. XLI Georg Ton Trient und Ulrich von Brixen, Kanzler Herzog Leopolds, Yon dem Grafen Hugo von Montfort, dessen Hofmeistert und yon Heinrich von Hotembarg, Hauptmann an der Etsch ; weiter noch von den beiden Hofmeistern Herzog Wilhelms und den nenn Kammermeistem der beiden Herzoge^). So war dieser Kelch der Prüfong an Land und Fürsten ungeleert vorübergegangen. Diese Urkunde vom 30. März 1396 gibt uns zugleich den Beleg, dass Hago in diesem Jahre die eine der höchsten Würden am Hofe Herzog Leopolds bekleidete. Dieselbe besass er nach drei andern Urkunden auch im Jahre vorher und im Jahre nachher. Am '^0. Juui 139') scbliesst eine grosse Zahl geistlicher und weltlicher Herren in den Vorlanden ein Bündnis mit Herzog Leopold gegen die Grafen von Werdenberg vom Heili- genberg, welche die ersteren langtzit und noch teglch irrenU vorhaben und bekriegend wider Merkt. Dabei wird auch bestimmt, dass die Ansprüche der Katharina von Werdenberg auf die Feste und Stadt Werdenberg von ihrem Gemahl Heinrich von Vadutz und vom Bischof Hartmann von Chur vor den edeln unsern lieben Oheim^ Grafen Haug von Montfort^ unsern Hofmeister^ gebracht werden sollen, damit dieser mit vier andern Räten darüber entscheide^). Am 24. November 1395 unterwirft sich Hans von Luphen zu Stulingen, nachdem er mit Herzog Leo- pold übereingekommen, ihm alle seine Habe, stürbe er ohne Söhne, zu vermachen, dem Ausspruche eines Schiedsgerichtes, dem der herzogliche Hofmeister, Graf Hugo vonMontfort, vorge- sessen, und das bestimmt hatte, was ihm df^r Herzog über die bereits gezahlten 300 fl. desshalb noch zu geben habe 3). Am 10. April 1397 wählt der Markgraf Bernhard von Baden im Einverständ- nisse mit Herzog Leopold von Oesterreich dessen Hofmeister Hugo vonMontfort m. a. zum Schiedsrichter in seiner Streit- sache mit den österreichischen Städten und Beamten der Grafschaft Hohenberg, Rottenburg und Horb*). *) Vgl. Lichnowsky, Gesch. V, 11, und die Urkunde bei Kurz, Albrecht IV, I, 163. Hngo steht an der Spitze der weltlichen Herren. *) Die Urkunde bei Moor, Codex diplom. IV Bd., Nr. 201 ; ein mangel- hafter Auszug, dazu noch falsch datiert, bei Lichnowsky, Reg. IV, 2493. 5) K. k. geh. H. H. und Staatsarchiv in Wien Rep. VI. *) Herrgott, Genealogiae diplomaticae aug. gentis Habsburgicae II Bd., n TeU, p. 776, Nr. 898. XLII Der Hofmeister war der oberste Leiter des geaammten Hof- hund Yerwaltungswesens des Herzogs; daza wurden selbstverständ- lich nur tüchtige und vertraute Männer auserlesen, welche das volle Vertrauen des Fürsten besassen und sich einer allgemriuen Achtung und eines weiten Ansehens erfreuten. Die angeführten Urkunden, in denen Hugo durchweg um seinen Schiedsprucb an- gegangen wird, genügten an sich, das zu beweisen. — So wirkte Hugo wieder mitten im öffentlichen Leben. Auch seine erneute Tätigkeit in der Verwaltung der eigenen Besitzungen und seine Beziehungen zu den nachbarlichen Herren können wir an der Hand einiger Urkunden verfolgen. Am 11. März 1399 ist er bei der Vereinbarung der Gebrüder von Schellenberg und des Grafen Heinrich von Montfort-Tettnang tätig und besiegelt die diesbezügliche Urkunde ^). Im December d Js. bezeugt und besiegelt er mit dem Grafen Heinrich von Montfort-Tettnang uijd Hans, dem Truchsäss von Waldburg, eine Urkunde seines Neffen Wilhelm IV von Bregenz, worin dieser den Leuten des Grafen Donat von Toggenburg im Thurtale, Neckartale, Litisburg etc., die er als Gemahl Kunigundens, des letzten Sprösslings des gen. Toggen- burger, alsbald zu erben hoffce, die gewohnten Rechte und Frei- heiten verbürgt^). Am 31. Aug. 1395 gelobt Geryg der Neckar, Bürger zu Lindau, den Bürgern daselbst, welche ihm die Stadt verboten haben, den Brief zu halten, welchen er seinem Herren, Graf Hugen v. M., gegeben habe^). Am 6. Juni 1396 verkauft Hans der Orter mit Erlaubnis seines Lehensherren Hugo v. M. Haus und Hof an Rudolf von Pernekk^). Ebenso verkauft Ott der Chrottendorffer 1 398 an Hans von Winden die Güter zu Samekk, Gharperg, Saichenekk und Strobelberg, die sämmtlich Lehen von Hugo waren ^). Am 19. Aug. 1396 vergleicht sich Hugo mit seinem Vetter Wilhalm von Bregenz hinsichtlich der eigenen Leute Heinrich Mul und Claus Leber und deren Weiber und Kinder^). 1397 verträgt er sich mit dem Prälaten Heinrich von Mebreraa ^) Lang-Freyberg, Reges ts Boica XI Bd., 150. *) Toggenburger Archiv, Urk. Nr. 3; Zösmair III, 46. ^) Lang-Freyberg, Begesta Boica XI Bd., 50. ^) Steiermark. Landesarchir Nr. 3883a. &) Steiermark. Landesarchiv Nr. 3932. ^ Lan^-Freyberg, Begesta Boica XI Bd., 81« XLIII •Waffen Leibeigene durch ein W^'chsel^); im Juni 1399 gestattet er dem P&rrer Ton Bregenz eine Schenkung an Mehrerau^); am 21. März d. Js. bestimmt er dem Benedictiner Abt Deinrich za Bregenz in der Au and dem Gonvente daselbst, als ihr gnädiger herr^ die Rechte über die eigenen Leute des Klosters umb Taler- do^'ff^ Qruenfnpa(h und Möttenpach, gibt ihm die Erlaubnis, die Holz- und Heuwüster zu strafen, fixiert die Abgaben, welche die Bauern dem Kloster geben müssen. Alles ist gewissenhaft und aocurat detailliert, besonders auch die Verpflegung des Abtes: wo dei Abt auf einem Hofe zwischen fünf und zehen acht Hing Pfenning gelte haf^ da soll man in beherbergen und auaehalten mit dem' besten^ so es der Pawer im Ilauss hat, und nach wein und weissbrot ausscJifkhen auf ain pferd und ainen fuessknecht und ainen hundt. Wo er aber über zehen scMlUng gelts hat^ da soll solhe underhaltung beschehen auf drew Pferd järlich ainest. Item mag der Abbt nit reiften, so mag Er ainen Mvr- nich für in schlichen^ solh herbergen dermassen einzenemen^ doch in das gotzhauss ze schaffen^). Seit 1395 erblickten wir Hugo wieder in mancherlei Streitigkeiten, aber nie war er selbst Parteimann, stets nur Friedensrichter und Vermittler. Imgleichen waren seine Beziehungen zu den Nachbarn und eigenen Leuten nur friedlicher Natur. Das zeugt nicht zum ge- ringsten von Hugo^s Ansehen und Macht; denn diese beiden waren damals wie heute die mächtigste Schutzwehr gegen Feinde jeglicher Art. Auf seinen vorarlbergischen Besitzungen lebte man damals, wenn auch nicht lange, eine glückliche Zeit: die Verbesserung der Münzordnung, viele Käufe und Verkäufe, Bestätigungen gewohnter Rechte und Freiheiten, Heiraten und Erbschaften bildeten die Gre- sohichte dieser Gregend. Es ist, als hätte sich ein Widerschein von Hugo^s eigenem Glücke, in dem er seit Mitte der Neunziger- jahre lebte, darüber verbreitet Sein Herz hatte sich wieder er- wärmt, und frische Neigung darin zu keimen begonnen, welche der jungen Gräfin dementia von Toggenburg, der Tochter des Grafen Diethelm und der Gräfin Katharina von Werdenberg, galt. Neuer- dings erwachte die Sangeslust; wir hören wieder das Lob der seligen ^) Mehreraner Chronik ron 6. F. IUnsp«rg pag. 86. ') Im XVn Jahresbericht des Bregenzer Maseums pag. 49. ») Innsbr. Schatzarchiv IV, 702. XLIV Frauen, die den Mut erhöhen (16, 56), Trauer und Leid ver- scheuchen (16, bO, 74). Nr. 16 wird die erste Blüte dieser neuen Liebe sein. An einem schönen Maientag kommt dem Dichter liebe Botschaft zu. Das macht ihn fröhlich und wohlgemut. Die lachende Frählingsnatur passt zu seiner Stimmung, und er hebt eine lustige Rede an, worin er den Vergleich des Maien mit den i>Yauen durchführt, selbstverständlich sehr zu Ungunsten des er- steren: was bedeutet des Maien ganze Pracht gegen schöne Frauen? Ein süsser Ton aus ihrem Munde geht über Vogelsang und Glocken- klang ( 1 6, 32 ; allen Blumenglanz überstrahlt das rote Möndlein, aus dem die feinen, weissen Zähne leuchten; und dann erst die Blumen der lieben, klaren Augen, welche die Herzen fesseln (16, 40)! Wie der Dichter beim Preise der Frauen von der Mehrzahl in die Einzahl übergreift, merkt man, dass sich vor seiner Seele ein bestimmtes Bild von der gepriesenen Gattung loslöst und in den Vordergrund tritt ^). Das Recht, dabei an dementia zu den- ken, geben die folgenden Gedichte und deren Zusammenhang. Nach Vers 45 und 46 waren die beiden damals noch kaum vermählt. Dasselbe scheint auch ein sinniger Zug in der Zeichnung der Initiale anzudeuten: im M sitzt eine jugendlich zarte, grün gekleidete Frau, auf den grünen Kranz niederlächelnd, den sie in ihrer Hand hält. In der Initiale von Nr. 19 hat die Frau in derselben Kleidung mit demselben Kranze bereits ihr Haupt geschmückt. Das Jahr, in welchem die Ehe geschlossen worden^), ist mit Bestimmtheit nicht anzugeben, wahrscheinlich 1395; gewiss ist nur, dass sie 1396 bereits verheiratet waren ^). Diese Verbindung war vom Anfang an bis zu ihrer Lösung durch den Tod eine sehr glückliche; das beweisen alle Gedichte, die in dieser Zeit entstanden sind. Nr. 18 spricht von grosser Sehnsucht nach der fernen Gemahlin. Sie erscheint ihm nachts *) Darauf weist auch die Initiale derHs. mit der Franenfig^nr. Solche Zeich- nungen begegnen nie, wo der Dichter nnr von den Frauen im allgemeinen spricht, sondern nur bei Gedichten, die an eine bestimmte Fraa gerichtet sind (Nr. 16, 19, 20, 29). ') Da Clementia*s Yater schon seit 1385 todt war, übernahm ihr Bruder Friedrich VI, der letzte Graf von Toggenburg, die Aussteuer. Darunter war hauptsächlich eine Schuldverschreibung von 4000 fl., von der noch wiederholt die Rede gehen wird. ^J Vgl Weinhold a. a. 0. VII, 136. XLV in Traamen, er glaubt sie in seinen Armen, erwacht und hält das Kissen umhalst (6). Seine Liebe und Treue kann nicht mehr überboten werden, er will sie bewahren bis zum Grabe (107). Aber ein trüw hilft dn die andern nit (33): auch sie soll die Liebe graben mit Treue in ihr Herz^), dann ist froher Sion ihr beider Irohn (59); Gross ist die Gewalt der Liebe (61 ff.): alle Greaturen der Erde fühlen sie, ja selbst über das irdische reicht sie hinaus: ze Mmel und ze hell ist liehi mit dem rechten ..ge- puwen und gesprochen hat liehi als volbracht; aus Liebe verliess Gott selbst den Himmel und wurde Mensch. — Das wirkt gerechti lieb. Ihr Schattenbild ist die ungerechti liebf welche die Welt betört und zur ewigen Verdammnis führt. Bei diesem Gedanken ziehen böse Erinnerungen an ihm vorüber: Aon ich ie unrecht lieb ghebt hi^ herr got^ tuo mir vergeben (93) / ^) Mit einer längeren moralisatio gelangt er wieder zum Preise der Frauen, die die grössten Helden bezwungen, welche jemals das Schwert in die Hand genonmien haben. Schliesslich wendet er sich zu Gott, der seine Liebe kennt (178), mit der Bitte, ihnen beiden seine Gnade zu be- wahren und ein glückliches langes Leben zu schenken (161 ff.)» Nr. 19 und 20 sind Briefe an dementia. 19 ist ge- dichtet in grosser hell; aber die Gedanken an seine ferne Frau hitzen sein Herz, machen ihm den Winter maiengleich. Ihr Bild lebt in ihm unauslöschbar, als wäre es in Edelstein geschnitten; sie ist ihm das teuerste von allem, nur Gott allein ausgenommen (18); mit reinem Gewissen kann er ihr Grass und Treue entbieten. Nr. 20 fahrt in demselben Tone fort; die nämlichen Beteurungen seiner Liebe und Treue, seiner grossen Sehnsacht, die er nicht zu schildern vermag, wiederholen sich, dementia hatte seinen firüheren Brief bereits beantwortet (40 ff.) und ihn darin gleichfalls ihrer Liebe und Treue versichert: des ich ir sicher danken sol- *) Wenn Hugo in diesem Gedichte um Zeichen ihrer Treue und Gegen* liebe bittet, so geschieht es nicht etwa aus Misstrauen gegen ihre Beständig- keit: ich hdn zuo ir doeh allen tröst (187) — und nu hin! ich getrüw ir zwar des betten , , . ti bedarf mir tne keinn bürgen setzen, ir er behuet der ewig got (269). Es liegt eben in der Natur des Menschen , sich durch äussere Zeichen fortwährend Tom wirklichen Besitz eines Kleinods zu über- zengen. *) Schon aus dieser Stelle allein würde sich ergeben, dass Hugo damal^ gereehti Heb hatte, d« h., dass die Heirat bereits TcUzogen "WSiX. XLVI Die öftere Abwesenheit Hugo's von seinem Hanse, welche die drei letztgenannten Gedichte dartun, erklärt sich leicht, da oben urkundlich nachgewiesen wurde, dass er von 1395 — 97 Hofmeister Herzog Leopolds und somit häufig an dessen Umgebung gebunden war. Nr. 21 wird in Glementia's Nähe entstanden sein. Ihr schöner Leib erfüllte ihn mit sinnlicher Glut, und er beginnt ^ ein neues Genre, das nur in Nr. 3 sein Analogen hat, aber dasselbe weit überbietet. PYeilich war nun das zu Grunde liegende Verhältnis ein ganz anderes: damals war es nach Hugo^s Auffassung sünd- hafte, nun gerechte Liebe; daher die naive ungestörte Freudigkeit, mit der er entzückt den Vorhang aufhebt und Clementia*s Vorzüge zeigt. Der folgende^) datierte Brief (1396) aus Ensisheim (Nr. 23) liefert ein Seitenstück dazu; zwar ist diesmal das Gemälde nur zum Brustbilde gediehen, dafür aber sind neben den körperlichen auch geistige Vorzüge aufgetragen: sie besitzt frauenhafte Zucht, Sittsamkeit und Selbstbeherrschung, die Zierde eines edeln Stam- mes, dazu Gottesfurcht und ein zartes Gewissen : sie ist ein tadel- loses Weib an Geist und Körper. • Die folgenden Gedichte Nr. 24, 22, 25 und 26 fallen ab von der heitern Weise der fünf vorausgegangenen. Es ist, als hätte sich eine längere Pause dazwischen gelegt, die zwar des Dichters Liebe und Treue zu seiner Gemahlin und seinem ehelichen Glücke nichts anzuhaben vermochte, aber die Unbefangenheit im Genüsse weggenommen und dafür neuen Ernst und erhöhte Frömmigkeit gebracht habe. Das bedeutet wieder eine Schwenkung in jenem langen Kampfe, den Grott mit der Welt um unsern Dichter führte. Wir haben gesehen, wie in seiner Jugend die letztere ihn ganz allein besessen, wie aber dann die zunehmende Reife und der er- wachende religiöse Sinn ihn allmählich in die kirchliche Moral und zu Gott hindrängte, und wie endlich der Tod Margaretha*a eine vollständige Niederlage der Welt mit sich führte. Allein die Zeit, die andern oben berührten Verhältnisse und besonders dementia bewirkten eine Versöhnung zwischen beiden Mächten, so dass sie sich nun neben einander vertrugen: der Dichter genoss, was er für erlaubt hielt, dachte dabei an Gott und betete; ja in Nr. 2L und 23 gewann es den Anschein, dass die Welt neuer- dings das Uebergewicht erringen sollte. Aber alsbald folgte eine ^ üeher diese Reihenfolge TgL Abh. III. XLVII Beaction, deren Aasbreitang zanimmt mit den Jahren des Dichters. Eine ttberreligiöse Anschaaangsweise beginnt sich wieder gel- tend zu machen, eine Peinlichkeit des Gewissens, die in das öber- triebeoe geht: er will alles meiden, was aach nur den Schein eines Unrechts, aach nar die leichteste Gefahr zur Sünde mit sich brin- gen könnte. Aach seine Umgebang will er auf diesen Standpunkt bringen; der Hang zar Didaxis ist in ihn gefahren: anstatt die Grewalt der Frauen über die Männerherzen zu preisen, die Vor- züge seiner Gemahlin zu schildern, wie er vorher getan, setzt er sich in den folgenden Gedichten die Aufgabe, dieselbe und alle, die ihn lesen, zu belehren und zu gottesfürch tigern Wandel zu \ ermahnen. Frau, willst du wissen, so beginnt er Nr. 22, was auf dieser Welt dein Glück, deine Ehre, dein Gut ausmacht? — Das ist Gott allein. Nur auf seinen Dienst musst du bedacht sein. Den freien Willen, den er uns gegeben, müssen wir hier dazu anwenden, uns dort vom ewigen Tod zu erretten. Wer eiteln Freuden nachgeht, erfährt oft schon hier den bösen Lohn dafür and bringt Bitterkeit in seine alten Tage. Darum ist die Gottes- furdit der Anfang der Weisheit ; denn wer diese im Herzen trägt, der meidet jede Sünde. In Nr. 24 wird die Frage behandelt, woher die Haaptübel auf der Welt kämen. — Von wiben und giti- keit Er belegt das mit Beispielen. Um Helena, die schöne von Grie- chenland, ward Troja gebrochen; ihretwegen Hess mancher Held and selbst Hektor das Leben. David, Salomon, Samson, Absolon a nd Aristoteles zogen schöne Frauen ins Verderben. Zu Etzelburg, wo Dietrich von Bern seine Mannhaftigkeit bewährte, stürzte Eriemhielt, die schöne vom Rhein, alle Helden in Drangsal und Untei^ang. So haben die Frauen der Welt grosses Leid getan. Aber er will sie nicht schelten; denn es gibt unter ihnen auch selffü iJüib mit rechtem muof^ die Gott liebt, und die der Welt grosses Glück bringen. Das Supplement zu den üblen Weibern bildet der Geiz (24, 72 ff.), der mit Mord, Meineid und Verräterei die Welt verwüstet. Wer sich vom Herrn Geiz ergreifen lässt, achtet weder Ehre noch Seele. — Das habe ich, versichert der Dichter wiederholt, durch vieles Nachdenken gar wohl erkannt: nur wankel- lose Rechtschaffenheit führt zum guten; den Freuden der Welt folgt grosses Leid, all ihr süsses Geigen bringt am Schlüsse doch nor sdilimmen Lohn. So bleibt dem Menschen nur Entsagung. Damm will Hago jetzt selbst von den weltlichen Ged\c\k\;^Ti\9c&;äföv^^\& XLvm er sie bisher seiner Gemahlin gemacht (24, 97 nnd daza 24, 5—16). Schon früher hatte er einmal dieöen Vorsatz gefasst; allein seine Frau wolt haben suesd wortj mit rimen schon ge* messen. Ihrem Wunsche vermochte er nicht zu widerstehen : min hertz wil doch nun wie si wil (11); aber jetzt soll der Vor- satz gehalten werden. Freilich fallt es ihm auch nunmehr schmerz- lich : ach gotj sol ich der frowen min suessi wort nicht tichten merl — Aber es muss sein, es tueje wol oder we (107). Man merkt die zunehmende Ueberspannung, in die er sich gegen sein gesunderes Gefühl hineinraissonniert. In ähnlicher Weise wie in Nr. 18 (160—172) wendet er sich in Nr. 24 zu Gott mit Bitten für sich und seine Gemahlin ; während er aber dort auch um leib- liche Güter und zeitlichen Segen flehte, liegt ihm hier nur das Heil der Seelen an. Der Vorsatz hielt nach: auch die nächstfolgenden Producte sind nicht der Welt zur Lust, sondern zur Belehrung gedichtet Von Nr. 22 haben wir schon gesprochen. In Nr. Ü5 stellt der Dichter in einem Beinhaus bei Todtenschädeln und nacktem Ge- bein Betrachtungen an. Vor seiner Phantasie erhalten die Knochen wieder Fleisch und Leben, wie sie es ehedem besessen; sie er- heben sich und sprechen. Zuerst ein Weib, die einst grosse Schön- heit hatte und viel Geist. Aber sie war hoffartig und wankel- mütig, die Lust war ihr Gesetz, ihre Liebe lag nicht in der Ehe; daher ist sie verloren für immer. Alsdann spricht ein Herr. Auch er war einst Wohlgestalt an Leib und Antlitz, besass Verstand und grosse Macht über Land und Leute. Aber er missbrauchte seine Macht zu Ungerechtigkeiten, seinen Verstand zu diebischer Schlau- heit und brach seine Ehe. Nun hat er dafür ewiges Leiden ohne Ende. Diese beiden stellt der Dichter als abschreckende Bei- spiele hin für alle, die hier noch in Sünden wandeln. Eine dritte Gestalt erhebt die Stimme, eine Frau, die einst schön und gottes^ fürchtig war. Sie liess sich von falscher Minne nie betriegen, lebte in heiliger Ehe, war demütig, massig, wohlerzogen, emsig und mild- ^*ig gegen die Armen, floh Neid und Hass, verderblichen Klatsch, Luxus, ungerechtes Gut und tat mit Gebeten dem Teufel weh: so erreichte sie ein vergnügtes Leben, ein hohes Alter und liess ihren Erben Ehre und Gut zurück. Als man sie in die Erde legte, führte Gott ihre Seele zu den ewigen Freuden. In gleicher Weise erzählt ein Herr sein frommes Leben, wofür er eingehen durfte io XXIX die ewigen Freuden, die auch allen denen bereitet sind, die seinem Beispiele folgen. Auch bei aller Trübseligkeit dieses Gediohtes glänzt noch das Lob einer glücklichen Ehe, die Ilago selbst lebte, durch die Zeilen. In Nr. 26 wendet sich der Dichter in briefähnlicher Form wieder direct an dementia mit Lehren zu einem gnten, gottgefälligen Lebenswandel £s ist das letzte Gedicht, in dem sie noch lebend erscheint; wohl schon am Beginne des neuen Jahrhunderts^) kam ihr Todestag. ^) Das Todesjahr Clemeiitia*s lässfc sieh urkundlich nieht belegen. Berg- mann (Sitz. Ber. IX, 816 und 817) dachte an 1401 ; denn er glaubte an einen Brief, welchen Hugo 1401 ^an seine Gemahlin (dementia) aus Wien in rielen Geschäften^ geschrieben, und wusste, da[ss Hugo 1402 bereits zum dritten Male verehelicht war. Allein der angezogene Brief ist von 1402 und an seine dritte Gemahlin gerichtet. — Weinhold (a. a. 0. 137j setzte dementia* s Tod gleichfalls in die ^Mitte oder das Ende 1401^ , weil sie bei der Ent- stehung von Nr. 31 (1401) noch lebte. Nr. 31 müsste demnach vor Nr. 28, worin Hugo ausdrücklich dementia als gestorben anführt (313 ff.), gestellt werden, was aber mit entscheidenden Gründen abzulehnen ist (siehe Abb. III): damit haben die bisherigen Ansätze ihre Grundlage verloren, und die Datierung muss von neuem beginnen. Ausgangspunkt bleibt dabei immer Hugo's dritte Ehe mit einer Witwe Anna t. Neuhaus. Dafür ergeben sich als zwei uvkundlich gesicherte Grenzen der 6. September 1399 (der Todestag von Anna's erstem Gemahle) und der 4. April 1402 (wo Anna urkundlich als Gemahlin Hugo^s auftritt). Die letztere Grenze lässt sich noch enger ziehen durch Nr. 34, einen Brief Hugo*s an seine dritte Frau, der gegeben ist ze Wienen in der vasten 1402. In diesem Jahre fiel aber Ostersonntag schon auf den 26. März ; dazu ist bekannt, dass man 9 Wochen Tor Ostern nicht heiraten durfte (Weinh., deutsch. Frauen p. 248), und es bleiben für den Abschluss der Ehe höchstens ein paar Wochen Ton 1402, Wollte man nun an- nehmen, dass dementia erst in der zweiten Hälfte von 1401 gestorben sei, so wäre es doch sehr auffallend, dass Hugo ^das Andenken an seine geliebte dementia nicht durch einen längern Witwerstand geehrt hätte^: zwischen der ersten und zwei- ten Ehe lagen wenigstens ein paar Jahre. Wir müssten einen ausreichenden Gnind haben, um dieser Annahme Glauben schenken zu können; allein der fehlt, rielmehr erscheinen Andeutungen, welche den Tod Clementia*s bedeutend Ton der dritten Heirat zurückschieben. Sieben der längsten Gedichte Hugo^s, ein Vierteil seiner sämmtlichen Yerse, fallen dazwischen, die sicher nicht alle in einigen Monaten entstanden sind. Dazu haben wir innere Gründe dafür, dass diese Gedichte noch durch Pausen Ton einander getrennt sind: 27, 173 ergab sieh der Dichter mit seinem Schicksal , gegen das er vorher sich auf- gelassen, in den Willen Gottes; 28, 335 sagt er: ich hans längs got «r- geb^n^ and die darauffolgende Strophe ist sicher nicht unter dem Gedanken einer baldigen neuen Heirat entstanden. In Nr. 31 nimmt eT ^VOdl ^q\> ^-aji Wackern eil, Montfort, ^ dementia mnss nach den Andeutungen, die der Dichter frei- gebig von ihr ausstreut, ein treflFliches Weib gewesen sein. Aus altem angesehenen Edelgeschlechte entsprossen, stand sie zur Zeit ihrer Ehe mit Hugo noch in jugendlicher Blüte, besass seltene Schönheit des Körpers und Geistes, hohe Bildung^) und Vorliebe für Dichtungen, die in besseren Adelskreisen noch immer als besonderes Zeugnis, feiner Sitte galt Nach ihrem Tode hat ihr Hugo in Nr. 28 ein Denkmal gesetzt, wo er von ihr rühmt: sie war gottesfürchtig, bescheiden, züchtig, friedfertig und kannte weder Eitelkeit noch Leichtfertigkeit; wie zart ihre Jugend, so gross war ihre Tugend und Frömmigkeit: unter den vielen Frauen, die er in seinem Leben gesehen, hat er ihresgleichen nicht gefunden (28» 341—351). Daher also das dauerhafte Glück dieser Ehe und die Schwere des Verlustes, den der Tod neuerdings dem Grafen anrichtete. In sieben langen Gedichten (Nr. 27 — 33) oflFenbart sich sein Schmerz über Glementia*s Tod. Nr. 27 klingt wie ein Requiem auf dem frischen Grabe seiner Gattin. Die Erde erscheint ihm als eine öde Heide (27, 107), auf der jede Freude zur Betrübnis wbd. Der weise Salomon, ruft er aus, hat wahrlich recht gesprochen, wenn er sagt: die Welt baue auf Eis, schon von Adam her sei hier nichts als Jammer und Not und dann Sterben (121). Das musste er neuerdings erfahren ; denn Dichten ganz zu lassen ; denn Mut und Kraft dazu ist ihm vergangen. Einige Zeit wenigstens wird er den Vorsatz gehalten haben, bis er Nr. 32 mit einem hinwider heb ich tickten an begann. Es ist demnach Clementia*8 Tod wohl be- deutend Tor Mitte oder Ende 1401 anzusetzen; aber Anhaltspunkte, welche ein bestimmtes Jahr dafür bezeichnen Hessen, finden sich nicht, oder dürfte man Tielleicht anführen, dass Hugo mit seinem Vetter Wilhelm am 3. März 1400 auf dem Schlosse Hohenbregenz eine ewige Messe stiftete und am 27. April d. Js. eine Messenstiftung auf dem Altare zu den hl. DreikOnigen in der Pfarr- kirche zu Bregenz, die ihr verstorbener Vetter Hugo gemacht, rehabilitierte (Tgl* über diese Urkunden Hummel im XVIII Jahresberichte des Bregenzer Mu- seums p. 46) ? Bekanntlich geschahen solche Acte besonders gern bei nahe gehenden Todfällen, um damit den Seelen der Abgeschiedenen die Strafen des Fegfeuers zu erleichtern (vgl. Kummer (Minist. Geschl. d. Wildonier) im Arch. f. öst. Gesch. 69, 202), wie denn auch Hugo 27, 201 Gott bittet, er mSge der Seele seiner yerstorbenen Frau (dementia) U88 der witsen quel helfen. ') Sie schrieb auch die Briefe an ihren Gemahl wahrscheinlich mit eigener Sand, wie 20, 41, verglichen mit 3, 49 f., vermuten lässt. LI er hat gross lieh verlorn mit sterben hie uff erden ( 1 29), ja so gross hertzeleid ist über ihn gekommen, dass dagegen alle Freu- den, die er jemals genossen, ganz verschwinden (132). Wie er so in seinen Gedanken alle Freuden und Leiden abwägt, die er erlebt, ergreift ihn der Zorn; denn dreifaches Leid folgte jeder seiner Freuden nach (141). Das ist zu viel! Er tut eine ironi- sche Frage über sein bitteres Schicksal: ist das tust? — das kan ich nit bekennen (145)! Aber gleich findet er die Fassung wieder und hält inne: — Das war ja Murren gegen Gottes Vor- sehung? Reuig bittet er um Verzeihung : vergib mir, werder gott^ da ich mich hdn vergessen vor grossem unmuot , .; bitte für miob, Himmelskönigin, beim höchsten Gott, dass er meine Trauer stille (151 ff.). Er ergibt sich ganz in den Willen Gottes: min herr, min vater, min hus^ min hof^ all min hoffnung Ut an dir (17ö), erbarm dich über mich jammervollen (178), hilf mir, dass ich ersterbe in deinem Gebote (187). Schliesslich betet er für das Seelenheil seiner verstorbenen Frau, seiner Eltern und an- derer. In Nr. 28 nennt er ausdrücklich den Namen seiner Frau, deren Tod er beweint : grefinn Ment (Cleraentia) was si geheissen (374). Er hat sich schon lange in den Willen Gottes ergeben ^\ allein die Erinnerung an sie schwächt sich nicht ab, presst ihm das Herz zusammen (340). Die folgenden fünf Gedichte setzen diese Klagen fort in ähnlicher Art, wie wir es in Nr. 4, 5 und 15 gesehen haben; dieselben Ausdrücke, ganze Strophen und Zeilen wieder- holen sich, auch die Neigung zur vita contemplativa tritt wieder hervor, und er ist sich dessen bewusst, denn in Nr. 29 lässt er sich von der Frau Welt zurufen : und hast du dann ein kutten ges- sen oder wilt du in ein kloster vamf (25) . . . une hast du dich verkeretl (42). Die Klagen, dass hier nur Verwesung hause, dass froher Mut, Schönheit und Kraft, alles vom Tode hinweggerafft werde, wiederholen sich unaufhörlich. 33, 113 ff. taucht wieder (wie in Nr. 4) die Erzählung vom jüngsten Ge- richt auf; wieder begegnen häufige Anzeichen, dass er mit Vor- liebe theologischen Meditationen nachhieng über die Allmacht, Weis- heit und Unergründlichkeit Gottes, über den Ursprung des Guten und Bösen und den freien Willen des Menschen (Nr. 30); er polemisiert gegen die Juden, die an Christi Geburt nicht glauben *) Vergleiche 28, 335 und dazu 27, 173. Ln wollen (32, 93 ff.), gegen die Heiden mit ihren Götzen (33, 105 ff.), gegen den Leichtsinn und Unglauben der Welt überhaupt (Nr. 29). Dazwischen vernehmen wir Gebete zu Gott und seiner Mutter um Reue und Busse und insbesondere um Beistand in der Stunde des Todes (30, 101 ff.). Damit haben wir in Hugo*s Leben wieder ein Stück Freud' und Leid, eine Periode zurückgelegt. Die Charakteristik derselben wurde, so weit sie die geistige Entwicklung des Dichters betrifft, schon gegeben; die seiner politischen Tätigkeit aber lässt sich in wenige Worte zusammenfassen: sie war im wesentlichen nur eine folgerichtige Fortsetzung der unmittelbar vorangegangenen. Wie auf Leopold III Leopold IV gefolgt war, so hatte sich das nahe Verhältnis Hugo*s von jenem auf diesen vererbt, und wo er in bedeutenderen Äctionen hervortrat, geschah es in der Umgebung und im Interesse des Oesterreichers, von dem er wieder eines der höchsten herzogl. Äemter erhalten hatte. Auf seinen Besitzungen war er diesmal von allen Feinden und Anfechtungen verschont geblieben : es war nach aussen die ruhigste und glücklichste Periode seines Lebens gewesen. 4. Hngo's letzte Lebenszeit nnd insgang. Das augenfälligste Merkmal, das gleich vom Anfang an die- sen letzten Leben»abschnitt von allen vorangegangenen unterscheidet, ist der Wechsel des Schauplatzes seiner politischen Tätigkeit Bis- her hauste er vorherrschend in Vorarlberg: hier wurden die mei- sten und wichtigsten seiner Urkunden ausgefertigt, alle Aemter, die er bekleidet hatte, trug er von jenen Herzogen, welche Tirol und die österr. Vorlande verwalteten. — Von nun an aber ist er mehr in Steiermark tätig, empfängt vom steierischen Herzoge die Aemter, wie auch hier die meisten und wichtigsten seiner Urkunden ent- stehen, so gleich die erste derselben vom 4. April 1401, nach welcher Hugo als erwählter Schiedsrichter einen Streit der Stuben- berger mit Otto von Lichtensteiu entscheidet^). Diese Tatsache will ihren Erklärungsgrund haben und wird denselben in der wei- tern Darstellung finden. Beim Tode Glementia's nahte Hugo erst den mittleren Vier- ') Dt. Leoben. Im Notizenblatt (Beil. zum Arch. f. Rande Ost. Geschichts- o) IX- T>. 254. Nr. 301. gaenen) IX, p. 254, Nr. 301. Lm zigeijahren, stand also noch in kräftigem Lebensalter, was es leicht motiviert, dass er zum drittenmale heiratete. Seine neae Ge- mahlin war Anna von Neuhaus, die Witwe des letzten männ- lichen Stadeckers (f 1399) '), der nur eine Tochter, Namens Guta, hinterlassen hatte, welche gleichzeitig mit Hago^s Sohn Ulrich vermählt wnrde. Diese Doppelehe muss Ende 1401 oder anfangs 1402^) geschlossen worden sein. Dadurch erhielten die Mont- forter einen doppelten Rechtstitel auf die Stadecker Erbschaft, den sie auch sofort geltend machten. Allein es kostete grosse Anstrengungen, in den factischen Besitz derselben zu gelangen, da auch andere Ansprüche darauf erhoben. Bald nach dem Tode Hansens von Stadeck hatten nämlich die österreichischen Herzoge dessen ganze Hinterlassenschaft als erledigte Fürstengüter einge- zogen, und am 28. Juli 1400 schenkte Herzog Wilhelm von Oester- reich alles, was von dem jungen Stadegger ledig worden^ es sein Vestj Herschefft Heuser^ Merkt^ Dörffer^ Leüt und güter^ fva die gelegen oder wie die genant sindy mit allen im zugehörun" gen seinem Bruder Ernst ^). Mit dieser Urkunde war der armen Guta das ganze väterliche Erbe genommen. Aber Hans v. St. hatte bei seinem Tode, vielleicht Gefahren vorahnend, ihr einen mäch- tigen Herren, den degenhaften Hermann H von Cilli, zum Vor- mund gesetzt. Der brachte, um solches Unglück von der ver- lassenen Waise abzuwenden, die ganze Angelegenheit vor König Wenzel und wusste es hier durchzusetzen, dass er für Guta mit der Stadecker Feste Rorau belehnt wurde (23. Aug. 1400) ^) ; auch Chraniperg und andere Güter rettete er auf demselben Wege. Als ') Den Beweis liefern zwei Urkunden im Steiermark. LandesarchiTe Nr. 4079 nnd 4105. Nach der ersteren Tom 28. April 1402 besitzt Anna Ton Nenhaos Briefe, in welchen ihr Hans Ton Stadeck „Heiratsgnt nnd Yermächtnis^ bestimmt hatte; in der zweiten Tom 18. Februar 1403 wird Anna Ton Neuhaus ausdrücklich gemaehel Hannsens von Stadeck selig genannt. Die erstere Urkunde liefert auch in so fem einen Nachtrag zu Weinhol d*s Abhandlung über die Stadecker (Sitz. Ber. d. Wiener Akad.XXXy, 152—186), als sie uns die erste Gemahlin Hansens t. Stadeck nennt: es war Anna Gräfin Ton Maidburkch. *) Denn Ton da an treten die Montforter mit ihren Ansprüchen herror ; Tg], auch die Anm. zu pag. 49. •) Vgl. Weinhold, Sitz. Ber. XXXV, 177 f. und die Urkunde J bei Bergmann, Sitz. Ber. IX, 848. *) TgU Weinhold, Sitz. Ber, XXXV, 178 und Mitteilungen^ Yll, U^^» LIV Dun Ende 1401 oder Beginn 1402 die Heiraten Anna's und Gu- ta's mit den Montfortern abgeschlossen wurden » traten naturgemäss diese an Hermanns Stelle und als Bewerber um die Stadecker Besitzungen hervor. Am 28. April 1402 entledigt Ulrich von Mont- fort Hermann von Cilli der Vormundschaft über Guta; letzterer übergibt den Montfortern alle Güter und fahrende Habe Guta*s, die er von den Stadeckern inne hat*). Eine zweite Urkunde von demselben Tage'^), in der Hugo an der Spitze steht« gewährt ge- nauere Daten : Hermann gibt heraus die Veaten Roraw und Chrani- perff mit andern vesten vnd guetem von wegen vnd auch an etat der edeln frawen Gueten von Stadekk; dafür versprechen die beiden Montforter und ihre Gemahlinnen, dass sie, ob daz he- echech — da got vor sey — daz fraw Ghieta von Stadegk mit dem tod abging^ ee das dem vorgenanten^ unserm lieben frewnde vnd öhaim^ S'^^^f Hermann etc. das gemecht volfueret wurdCy daz im tun sol dy vorgenant fraw Oueta^ die er des vnaem brief hat^ daz wir dann im oder seinen erben dy vor- genenent paide veste . . antwurten sullen wider in ir gewmlt vn~ geuerlich, doch nur unter der Bedingung, dass dann Hermann innerhalb der zwei darauffolgenden Monate das Heiratsgut Anna's von Neuhaus, das ihr Hans von Stadeck auf Rorau angewiesen, ausfolge. Es lässt sich nicht angeben, wovon Hermanns For- derungen herrühren : hat er sich vielleicht für seine tapferen Dienste bezahlen lassen? Zur Herausgabe dieser Güter kam es nie mehr: die Montforter werden Guta's Verpflichtungen alsbald getilgt haben ^). Dadurch war dieser Erbstreit noch lange nicht beendet; denn es fehlte noch vieles vom G e s a m m tbesitz der Stadecker, wie ihn einst Hans innegehabt hatte. Aber der gänzliche Mangel an Nachrichten macht es unmöglich zu verfolgen, wie die Montforter ihre Sache weiter durchgefochten haben. Als Abschluss dieser ganzen Angelegenheit erscheinen die beiden Urkunden vom 26 April *) Bei Bftrgmann, Sitz. Ber. IX, 849, Urkunde K. *j Im steiermärkischen LandesarchiT Nr. 4079. Dt. CiUi. ') Damit mag aber in Verbindung stehen, dass Guta 1407 ihrem Gemahle und ihrem Schwiegerrater Borau, Krems bei Voitsberg und Kranich- feld urkundlich übermachte und dasselbe 1412 nochmals bestätigte (Bergmann, Sits. Ber. IX, 820) : war sie nämlich damals noch kinderlos, so stand immer- hin zu befürchten, dass die CiUier im Falle ihres Todes Ansprüche erheben könnten. LV 1404, womit K. Ruprecht za Heidelberg den Grafen Hugo von Montfort, dessen Sohn Ulrich und die PYau Guta mit den Stadecker Gütern belehnt, die von dem riche ze lehen rurent und die lange tyt verewigen vor dem riche in etwa vil jaren wurden^ da van auch die selben lehen und sloase dem riche verfallen aint Es werden aufgeführt: die öde veste und das Bwrgstal^ genant Stadecke hei Oraz^ it. Rorau die veste und herrschaft im lande Oesterreich, it die veste Tewffenbach^ die gueter zu StraUche und die gueter in dem MürztaU hei Langenwanckh mit allen Freiheiten, Gerichten und Mannschaften^). Wenn wir die hier und in der vorausgegangenen Urkunde an die Montforter gelangten Stadecker Güter mit dem ehemaligen Ge- sammtbesitze Hansens von Stadeck vergleichen''^), fehlt nur noch die Feste und Herrschaft Krems bei Voitsberg; dass aber auch diese in die Hände der Montforter kamen, beweist das Urbar Hugo*s3). So hatten die Montforter ihre Ansprüche durchgesetzt, während die Herzoge von Oesterreich leer ausgegangen waren. Man weiss nun sehr gut, dass diese sich durch die kaiserlichen Schieds- sprüche von ihren zum Teile wenigstens ganz sicher begründeten Rechten nicht hätten abbringen lassen. Wenn sie aber dennoch mit dem Ausgange dieser Dinge einverstanden waren^), so werden wir darin eine Frucht von Hugo's äusserer Politik , wir werden darin eine Belohnung Hugo*s von Seite der Habsburger zu erblicken haben für das, was er und seine beiden Vorgänger schon wieder- holt für sie getan hatten. Dass ihnen die Montforter anderweitige Entschädigungen an G«ld u. dgl. geleistet haben werden, ist wahr- ») VTeinhold in den Mitteilungen VII, 139 und Sitz. Ber. XXXV, 178; aber es sind zwei Urkunden und beide Tom 26. April, nicbt August ; Tgl. Chmel, Begesta Ruperti Reg. Rom. Nr. 1730 und 1731. «) Bei Wpinhold, Sitz. Ber. XXXV, 177. ') Fol. 65 ff. werden die Abgaben Tom Ampt Krems, vom Schloss Krems und allen dazu gehörigen Besitzungen und Lechner angeführt. *) Am 24. Deoember 1406 bekennt Herzog Leopold für sich und seinen Yetter Albrecht, die Grafen Hugo und Ulrich tou Montfort anstatt des Hans Ton Stadegg sei. Tochter, Grafen Ulreichs ehlicher Wirtin, bei ihren Rechten an dem Dorf zu Rauchenwart bleiben zu lassen, wie das auch des Herzogs Bruder Wilhelm und dessen Vetter Albrecht, welche mit dem von Stadeck darüber in Streit geraten waren, nach dessen redlicher Weisung getan hatten. K. bair. Beichsarohi? Fase. XVIII. LVI scheinlich, und vielleicht mag es davon herkommen, dass Hugo noch am 2. Januar 14220 dem Herzog Ernst mehrere von den Stadeckern herrührende Güter und Einkünfte, so das Hans zu Prunn, 7 Höfe und 21 Hofstätte im Dorfe daselbst, weiter Höfe, Aecker, Wiesen und Weinberge zu Piesting, Walenstorflf, Stallhofen, Leiding, in der Sletten etc., überlässt. Zu diesen Eigenbesitzungen hatten sich auch die alten Lehen- güter der Stadecker eingestellt. Am 18. Februar 1403 bezeugen die Grafen Hugo und Ulrich und ihre beiden Gemahlinnen, dass der Erzbischof Gregori von Salzburg ihnen von sundem gnaden verliehen habe alle Lehen, die Hans von Stadegh seliger Oedächtnuss ingehabt haU als da sind: Khrems pey Voitsberg den vorder tail mit aller zugehorung, it, die gueter in Puaterwald^ it die veat Freunczperg und alle dazu gehörigen Güter, it. die vesie Endricz und das Nyderdorff^ it. Abgaben an Wein, Geld, Getreide etc. von den Festen Wechkrennekg und PayerdorflT^). An demselben Tage bestätigen die beiden Montforter dem Erzbischof Gregori von Salzburg, dass sie von ihm auch die Lehen inne haben, die becho^ men sindt von dem wolgepornen herren, dem grafen von Phann^ perg saligen^). Am 3. Juni d. Js. bezeugen dieselben, dass sie auch vom Abt Rudolf von St. Lambrecht zu Gunsten der Frau Guten Lehen erhalten haben und zwar daz purhchstal ge- nant Preymespurkch mit aller manschafft^ nützen^ rechten^ eren und wirden, it, die vest Piberstain^ it die gueter im Sale^ it, die gueter imPibertal^). Dazukamen noch mehrere andere Vogteien und Lehen, welche Prälaten und geistliche Herren der umliegenden Stifte und Klöster dem mächtigen Grafen anvertrauten, so der Abt zu Neuberg, der zu Sekkau, zu St. Andrä und der Pfarrer zu Polan in der Feistriz u. a.^). So vereinigten die Montforter nun die gesammten Herrschaften *) Bei Weinhold (Sitz. Ber. XXXV, 179) steht 1412, was ohne Zweifel nur Druckfehler ist. Auch Bergmann (Sitz. Ber. IX, 851) datiert die Urkunde un- richtig; Muchar (Geschichte d« Herzgt. Steierm.) YII, 163 Terkehrt sie gans: bei ihm ist Ernst der gebende, Hugo der empfangende. *) Steiermark. Landesarchiv Nr. 4105^ Beg. bei Muchar YII, 83; aber unrichtig datiert. *) Steiermark. LandesarchiT Nr. 41050* ^) Steiermark. Landesarchir Nr. 4123. ^) Im Urbar werden alle diese Güter einzeln aufgezählt. Lvn der Pfannberger und Stadeoker und vermehrten sie noch mit neuen Besitzungen. Das gab einen dominierenden Gütercoraplex in Ober- steiermark, dessen' Verwaltung und äussere Sicherung die ganze Kraft eines Regenten in Anspruch nahm^): hier im Osten lag jetzt die Masse von Hugo*s Macht, der die Güter von Halbbregenz in Vorarlberg nicht mehr das Gleichgewicht zu halten vermochten, und es erscheint daher nur als eine notwendige Folge, dassHugo jetzt auch den Schwerpunkt seiner politischen Tätig- keit nach Osten trug^). Um auch die entfernten vorarlbergischen Güter in Ordnung zu halten, schloss Hugo mit seinem Neffen Wilhelm Verträge ab, die diesem die Verwaltung derselben überliessen, so übergab er ihm 1403 seinen Teil der Feste, Burg und Stadt Bregenz, dann den Sulzberg, die Süberischen und die übrigen Besitzungen auf zwei Jahre^). Nachdem 1405 der Vertrag zu Ende gegangen, wurden sie ihm neuerdings auf zwei Jahre in phlegnuzz wiaz anvertraut^), zugleich wurde damals der Burgfriede von 1390 wieder erneuert*) und nach einer zweiten Urkunde d. Js., in der auch Ulrich von Montfort erscheint, auf die ausserhalb Bregenz liegenden Besitzun- gen ausgedehnt^). Als Graf Wilhelm am 21. August 1405 in Herzog PYiedrichs Dienste gegen jedermann trat, nahm er aus den römischen Kaiser und secundo loco seinen Vetter, Grf. Hang von Montfort, vnd instinderhait den Burgfried mit dem ge^- nanten vetter^ das der alweg beleiben und gehalten soll werden nach ir brief sag vngeuer"^). ^) In einer Urkunde Hago*s vom 29. März 1409 werden Ton seinen Beamten auf Pfannberg genannt : der ^edel herr Ortolf yon Pernegg, unser phleger ze Pekgach, der Test und from Peter Gradner ritter, unser phle- ger zu Krems, Wilhalm Dümerstorfer, unser purggraf ze Kranichperg, Mar- quart Bybracher, unser phleger ze Hymelberg, Dyebolt Kellermaister, unser pUeger ze Fürstenfeld, Hertlin Reuter, unser purggraf ze Yestenburg, Ulrich Dümerstorffer, purggraf zu Manspcrg^. Mone (Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins) XVII, 383. ') In Vorarlberg treten seitdem Wilhelm ▼. Montfort-Bregenz und die Grafen Ton Montfort - Tettnang an Stelle Hugo*s in den Vordergrund. Vgl. pag. 33. ') Urkundenauszug im Innsbrucker Schatzarchiv IV, 669. ^) Die Urkunde im Innsbrucker Statthaltereiarchire. ^) Innsbrucker SchatzarchlT IV, 661. *) Innsbrncker SchatzarchiT IV, 662. ') Innsbrucker Lehenarchir, Copialbuch I, 299. Lvni In solcher Weise hatte Hugo seine Besitzungen geordnet and sein Hans bestellt. Er war damit gerade rechtzeitig zu Stande gekommen, als neuerdings über ihn und seine Untertanen im We- sten und Osten Kriegsstürme hereinbrachen, so wild and grausam, wie er bisher noch keine erlebt hatte. In den letzten zehn Jahren hatten die demokratischen Ele* mente in den Schweizerbergen und den angrenzenden Provinzen ge- deihliches Wachstum: die steigende Anzahl der Bünde zwischen Städten und Bauern waren die untrüglichen Anzeichen der Rü- stung und Auflehnung gegen die Vorherrschaft des Adels; es be- durfte nur eines äussern Anstosses, die aufgestauten Massen zu ent- fesseln. Den gab das Hirtenvolk der Appenzeller, das sich von sei- nem Gotteshause St. Gallen freimachte und mit den Schweizern ver- band. Solch kecken Abfall konnte Herzog Friedrich von Tirol und der Adel nicht dulden: man zog vom Leder und rückte ihnen zu Leibe. Aber der Bauern Mut und Tapferkeit war so gross wie ihre Freiheitsliebe; am 17. Juni 1405 schlugen sie auf den regen- feuchten Berghalden am Stoss den Herzog und die seinen. Das warf frisches Holz in die Flammen: von allen Seiten kamen den Siegern Bundesgenossen entgegen, auch der vorarlbergische Volks- bund'), der sich 1391 »um guten Schirmes und Friedens willen*, wie man damals sagte, zusammengetan, war unter den Zuläu- fern. Durch die Erfolge ermutigt, durch die raub- und rachsüch- tigen Bundesgenossen aufgestachelt, brachen die Appenzeller im Sommer 1405 in starken Heerhaufen aus ihren Gebirgen in die Länder ihrer Gegner ein, warfen die Burg Grimmenstein und die Feste Zwingenstein nieder, setzten siegestrunken über den Rhein und belagerten die Feste Neuburg bei Götzis, welche damals Hugo von Montfort-Bregenz besass^). Hugo war in einer üblen Lage: Neuburg, auf niederem Hügel, weder von Natur be- sonders befestigt noch für den unvorhergesehenen Ueberfoll ge- nügend mit Mannschaft und Kriegsbedarf versehen, stand nun mitten im Feindesland, von aller Hilfe abgeschnitten. An eine erfolgreiche Behauptung derselben war auf die Dauer nicht zu denken. Da tat Hugo, was sich in dieser Lage am vorteilhaftesten tun liess: ^) Wir haben schon pag. 39, Anm. 2 darauf hingewiesen. *) Vgl. darüber Bergmann, die Edlen Ton £mbs (Denkschriften der Wiener Akad. 1860), pag. 107. LIX am 16. Oktober 1405 schloss er mit den Verbündeten einen fQr ihn verhältnismässig sehr günstigen Vertrag: Neubarg bleibt ein Jahr lang neutral^ dem Grafen ist gestattet, bis zum 16. Oktober 1406 die Feste nach Belieben mit Kriegsvorrat, Lebensmitteln und Mannschaft zu versehen, die Leute, welche zur Burg gehören, aber sich im Bunde befinden, sollen wie bisher die Zinsen und Frohnen dem Grafen leisten; endlich wurde noch hervorgehoben, dass kein zur Burg Grehöriger fernerhin gezwungen werden dürfe, dem Bunde beizutreten*). Es ist schwer zu sagen, was die Verbündeten bewogen habe, einen für. sie so wenig bedeutenden Vertrag abzuschliessen , wenn es nicht ihre Raubsucht gewesen, die viel stärker war als die Lust, einige Wochen müssig vor Neubarg zu liegen. Nun ergossen sie sich wie ein reissender Bergstrom über das ganze Vorarlberg und trugen sich mit keinem geringeren Plan, als Land und Leute appenzellerisch zu machen. Trümmer zerstörter Burgen des Adels, niedergebrannte Dörfer und Flecken, Jammer und Not bezeichneten ihre Wege. Aber noch viel schlimmer als das war, dass die Bau- ern allerorts vom gleichen wilden Taumel mit fortgerissen wurden und, anstatt zu verteidigen, gleichfalls anfiengen zu brennen und zu rauben und ihrer Herren Macht zu brechen. Am meisten von allen Adeligen litten die Habsburger und Montforter: die Feste Schattenburg wurde erstürmt, Altmootfort, Altems, wo einst Rudolf, der Ependichter, gesessen, zerstört; Dornbirn, der Bregenzerwald, das ganze Rheintal bis Sargans und Vaduz und das ganze lUtal bis auf die Höhe des Arlberges trat zu den Appenzellem über : im ganzen Kriege wurden über 60 Städte und feste Orte genommen und gegen 30 Burgen gebrochen 2). Mitten in dieser Flut undMeuterei standnurBre- genz fest in alter Treue. Diese Stadt mit der befestigten Clause im Rücken wurde nun der Ausgangspunct des Appenzellerkrieges; hieher richteten sowohl die Verbündeten wie die schwäbische Ritterschaft ihr Augenmerk. Fiel Bregenz, so stand den zügellosen Schaaren ganz Schwaben offen, wo das Landvolk gleichfalls schon in Gärung war. Bereits ') Die Urkunde bei ZellwAger (Geschichte des AppenzeHer Volkes) CLXXX. *j Stalin (Würtemberg. Gesch.) III, 391. LX 1406 griffen die Appenzeller Bregenz an; der Sturm wurde sieg- reich abgeschlagen, doch gieng die ganze Vorstadt dabei in Flammen auf. Wilder Grimm erfasste nun Ritter und Bauern, durch ganz Schwaben und Tirol flogen Boten her und hin, von Burg zu Burg die Schrecken zu melden und Hilfe herbeizurufen : alles rannte zu den Waffen. Während sich die Herren unter dem Georgenbanner sammelten, stürmten die wütenden Bauern wieder auf Bregenz los: diese Stadt sollte zerstört, die Einwohner aus- getilgt und so dem Widerstände und Kriege in dieser Ge- gend für immer ein Ende gemacht werden. Aber die tapferen Bre- genzer hielten unter Wilhelms von Montfort kluger Leitung festen Stand ; alle Stürme waren vergebens, und die Belagerung zog sich in die Länge. Unterdessen hatte der Adel sich zusammengefunden und rückte unter Rudolf von Montfort-Tettnang und dem österreichi- schen Hauptmann, Grafen Hermann von Sulz, zum Entsätze herbei. Am St. Hilariustage (13. Januar) 1408 *) drangen sie zu Wasser und zu Land auf die Belagerer ein, brachten ihnen eine vollstän- dige Niederlage bei und trieben sie in die Flucht: Bregenz war den Grafen von Montfort gerettet 2), Schwaben frei, der Volks- bund aufgelöst, alles, was die Appenzeller auf dem rechten Rhein- ufer erobert, mit einem Schlage verloren und diesseits des Rheins das alte Verhältnis wieder hergestellt. — Solch ein Ende nahm dieser schreckenvolle Krieg. Es muss aufgefallen sein, dass Hugo nach 1405 nicht mehr persönlich in diesem erbitterten Kampfe hervorgetreten ist. Dass er den Krieg mitführte, das heisst, dass seine vorarlbergische Streitmacht in den Reihen der Kämpfer stand, kann niemand ernst- lich in Zweifel ziehen, der erwägt, dass man sein Land verwüstete, seine Hauptstadt belagerte und zum Teile schon niederbrannte, dass seinen Untertanen, die so glänzende Treue bewiesen, das *) Vgl. die Urkunde im Fürsfcenberger Urkundenbuch, Bd. HI, Nr. 43. ') Bei der Bettung der Stadt nahm eine Frau G u t a henrorragenden Anteil, wofür sie der Yolksmund yorherrlicht hat. Bergmann trug wiederholt die ansprechende Vermutung vor, dass unter dieser Heldengestalt G u t a von St ad eck, Hugo's Schwiegertochter, zu erblicken sei. Vgl. Sitz. Ber. IX, 7 ff. und 820; Denkschriften der Wien. Akad. X, 187; Archiv für Kunde österr. Gesch. I, 101. Sogar Stalin hat diese Ansicht in seine Würtemberg. Gresch. (Ul, 392) aufgenommen. LXI schrecklichste Verhängnis drohte*). Aber die Frage bleibt offen: wo war Hugo 1406 und 1407, wenn er nicht in Bregenz war? und hier war er nicht, denn sonst hätte er und nicht Wilhelm das Yerteidiguugsheer commandiert. Glücklicher Weise geben uns die Quellen gerade so viel sichere Nachrichten, um durch deren Gombination die Frage entscheiden zu können. Den Besitzungen Hugo*s in Steier drohte nicht geringeres Un- heil als denen in Vorarlberg. Es gab kaum ein Uebel, von dem dieses Land seit der Mitte des ersten Decenniums im 15. Jahr- hundert nicht wäre heimgesucht worden: 1404 grosse Ueber- schwemmungen, 1405 schwere Hungersnot und Seuchen, dazu die Herzoge Leopold und Ernst dem offenen Bruderkrieg nahe und zahlreiche Ritter im Lande unter einander in blutiger Fehde. Raubritter und Wegelagerer, verlotterte adeliche Strolche wie der Hofkircher und Lichtenegger in Obersteier nahmen das verkommene Gesindel von der Strasse als Söldner zu sich und bedrohten alle wohlhabenden und ehrlichen Besitzer; Städte mussten ihre Tore sperren und die Mauern besetzen, um diese Banden sich vom Leibe zu halten, der Landesfürst selbst war davor nicht mehr sicher: kurz man war hier so recht zur Blütezeit des Faustrechtes zurück- gekommen. Zu all dem kam nun noch die Unsicherheit der Landesgrenzen ! Die Raubschaaren der Ungarn, die 1405 im Lande ob der Enns hausten, wurden auch bereits in Steier fühlbar, wäh- rend vom Süden her die Schrecken der Türken immer näher rück- ten. Aber die allernächste Gefahr drohte vom Norden, von Böhmen und Mähren, wo die unabhängigen Landherren sich zu wohlor- ganisierten Räuberhorden zusammentaten, um in die reichen süd- lichen Nachbarländer einzufallen. 1406 trat einer aus ihrer Mitte hervor, der dieses Raubgeschäft im grössten Masstab begann: Johann Sokol von Lambach aus Mähren, ein Spiessgeselle des Dürrnteufel. 1407 fiel er in die Donauländer ein und erstieg am 20. Mai die Mauern der Stadt Laa, die er zur Operationsbasis seiner weitern Raubzüge machte. Mit unerhörter Grausamkeit verheerten seine immer mehr anwachsenden Schaaren die Gegenden nördlich und südlich der Donau, so dass selbst die streitenden ') Dazu war Hugo sammt seinem Vetter Wilhelm Mitglied des Adels- bandes Yom St. Georgenbanner (vgl. Bergmann , die Edlen von Embs. Denkschriften der Wiener Akad. X, 104) und hätte schon als solches die Yerpflichtong getragen, diesen Krieg mitzukämpfen. Lxn Herzoge Leopold in Oesterreich und Ernst in Steier es fftr gut fanden, mit vereinter Macht gegen diesen geföhrlichsten aller Feinde zu ziehen. Im Sommer 1407 kam aus Steiermark ein Aufgebot und damit auch Hugo von Montfort, wie das Chronicon Millicense bezeugt^): tandem circa festum St. Jacobl ohsesaa est civitas (Laa) per dominum JEpiscopum Frieingeneem et per dominum Comitem de Muntfort campiductorem. Wir wissen also, wo Hugo gewesen, und was ihn gehindert hat, in eigener Person seine westlichen Besitzungen zu verteidigen. Ist die oben erwähnte Vermutung Bergmanns über die ,£hre Gutta* richtig, so hat Hugo seinen Sohn Ulrich dahin gesandt, und sämmtliche Streitkräfte der Bregenzer Grafen standen dann unter Wilhelms Befehl, dem derselbe sowohl als dem altern als auch nach den Verträgen von 1403 und 1405 zukam. Aber kaum war dieser Zug gegen Sokol beendet und die dro- hende Gefahr durch einen Vertrag der österreichischen Herzoge mit Jodocus von Mähren (9. Okt. 1407), in dessen Einvernehmen Sokol gehandelt hatte, beseitigt, als Hugo nach Bregenz eilte. Vielleicht kam er noch rechtzeitig zum Hilariustage, sicher aber war er am 28. März 1408 in Vorarlberg; denn an diesem Tage erteilte K. Rupert zu Constanz ihm, seinen beiden Neffen Wilhelm und Hugo und den Bürgern zu Bregenz mehrere Rechte und Frei- heiten^). Am 2. Januar 1409 gewährte dann Hugo gemeinsam mit Wilhelm den Bregenzern für die grosze Frombkeit und Man- lichheitj mit der sie unser Statt behebt haben vor den Appen- zellem, im Aidgenossen und Helfern gänzliche Steierfreiheit auf fünf Jahre; die darauffolgenden fünf Jahre aber brauchen sie nur 100 ^ jährlich und erst nach zehn Jahren wieder den alten Steuer- satz zu entrichten^). 1) Bei Pez I, 251; Bergmann, Sitz. Ber. IX, 815. ') Unter anderm auch, dass kein Angehöriger der Stadt ror ein kOn. Landgericht, mit Ausnahme des kais. Hofes und des Landgerichtes zu Rott- weil, vorgeladen werden dürfe, sondern sein Recht jederzeit ron den Richtern zu Brpgenz nehmen könne; ferner ist es der Stadt erlaubt, Geächtete aufzu- nehmen, doch untpr der Bedingung, dass sie die gegen dieselben vorgebrachten Klagen untersuche und richte. Im Archiv der Stadt Bregenz. Regest auch bei Vanotti p. 493, Nr. 166. 8) Vanotti p 494, Nr. 168 und Urkunde Nr. 33, aber falsch datiert; vgl Mone (Zeitschrift für Gesch. des Oberrheins) XYII, 383 und 384. Lxm Diese Urkanden bezeugen, wie man sichs angelegen sein Hess, die erprobte Treue der Bürger mit bedeutenden eigenen Opfern zu belohnen. Aber Hugo begnügte sich damit nicht, sondern tat noch mehr als die andern: am 3. Februar 1409 beschenkten er und sein Sohn Ulrich ihren Stadtteil noch ausserdem mit Privilegien wegen der ihnen und ihren Vorfahren bewiesenen Treue und be« sonders, weil sie sich so standhaft geweigert hatten, den Appenzellem zu huldigen. Die Untertanen auf dem Lande dürfen in der Stadt Bre- genz Bürgerrechte erwerben und sich mit den dortigen Bürgerstöchtem vermählen, auch Leute aus Städten oder vom I^ande, die keine Untertanen Hugo*s und Ulrichs sind, dürfen in Bregenz als Bürger aufgenommen werden; umgekehrt können die Bürger in Bregenz ihr Bürgerrecht aufgeben und anderswohin ziehen, und der Bürger- schaft steht es dann zu, nach eigenem Ermessen die Grösse des Abzuggeldes zu bestimmen, das zu gleichen Teilen der Bürgerschaft und den Grafen zufallen soll. Den Bürgern dürfe von den gräf- lichen Amtleuten ohne der Grafen Einwilligung weder an Leib noch Gut Gewalt angetan werden, es handle sich denn um die Be- strafung eines Verbrechens; ferner sind die Bürger für die nächsten 10 Jahre ganz steuerfrei und nach Ablauf derselben für alle Zeiten nur zu 1 00 8 jährlich verpflichtet *). Am 29. März und am 9. De- oember wurden die Privilegien neuerdings bestätigt und mit einigen andern geringeren vermehrt. Wichtig sind diese beiden Urkunden aber noch wegen einer Zusatzbestimmung, in welcher Hugo und Ulrich an die gegebenen Rechte die Bedingung knüpften, dass die Bürger alle sechs Jahre schwören sollen, ihre gegenwärtigen Grafen und deren Nachkommen jederzeit als die rechtmässigen Erbherren anerkennen, sich denselben mit Leib oder Gut nicht entfremden und ohne deren Einwilligung weder anderswo Bürger werden noch Bündnisse schliessen zu wollen^). Daraus geht her\ror , dass es den Grafen in jenen sturmbewegten Zeiten notwendig schien, durch *) Aus dem Copialbuch der Stadt Bregenz im k. bair. KreisarchiTe zu Neuburg Fol. 2—4. ') Die erste Urkunde hat Yanotti p. 580 angeblich nach dem Originale des Bregenzer Stadtarchires mitgeteilt, doch mit vielen Fehlern und mit Weg- lassang gerade der Hauptpunkte, weswegen sie Mone in seiner Zeitschr. für Gesch. des Oberrheins XVII, 381 fT. neuerdings abgedruckt hat; die zweite nahm ich ans dem Copialbuche der Stadt Bregenz im k. bair. Krelsarchive zu Neuburg Fol. 4—7. Lxrv den erwähnten Schwur ihre Territorialrechte auf Bregenz, wohl be- sonders den Eidgenossen gegenüber, deren Gefährlichkeit nur zu- rückgedrängt, nicht gebrochen war, zu wahren : die Bregenzer hat- ten die Möglichkeit der Auswanderung, aber dadurch, dass sie noch an die Erlaubnis ihrer Herren geknüpft war, blieb diesen ein Mittel, dieselbe nach Gutdünken zu beschränken. Unterdessen war der zwischen Hugo und Wilhelm 1403 ab- geschlossene und 1405 erneuerte Yerwaltungsvertrag schon lange abgelaufen. Als man jetzt nach beseitigter Feindesgefahr zur Ab- rechnung schritt und Wilhelm alles wieder abgeben sollte, was und wie er es empfangen, stellte sich heraus, dass er im Kriege und vor dem Feinde besser zu brauchen war als bei der Ver- waltung : er hatte mehreres von Hugo's Besitzungen verpfändet und überdies noch allerlei andere Schulden gemacht. Man könnte viel- leicht zu seiner Entschuldigung anführen, dass der letzte grimme Krieg manches davon verschlungen haben mochte, wüssten wir nicht aus vielen andern Belegen nur zu gut, dass Wilhelm das Muster- stück eines verschwenderischen Herren war. Es ist leicht begreif- lich, dass Hugo ob solcher Wirtschaft sich ungehalten zeigte. Ende 1408 kam zwischen beiden folgendes Abkommen zu Stande: Graf Wilhelm soll Graf Hawgen tvider eingeben^ was er Ime an Bregentz entwendt hat, auch die Pfanndischaft Ho^ henegg mit zwaitausend Pfund Hallern wider zulösen; Hugo soll dagegen beim Mair zu Lindaw und im Hof zu Costentz Wil- helms Schulden zahlen und die in Beschlag genommenen Besitzun- gen Wilhelms ledig geben; die Gesellschaft vom St. Jörgenschild soll denjenigen, der den Vertrag bricht, an Leib und Gut und Ehren strafen *). Nach diesen Erfahrungen scheint Hugo wenig Lust verspürt zu haben, dem Neffen neuerdings die Verwaltung seiner Güter anzuvertrauen ; wir hören nie mehr davon, und schon am 2. Januar 1409 begegnet uns eine neue Teilung von Stadt und Leuten zu Bregenz*) mit Vernennung aller Burgen und auf- fürung, wie es mit Gericht^ Recht, wacht, Besetzungen und in ander weg gehalten werden solle. *) Innsbrucker Schatzarchiv IV, 669. ') Die Urkunde ist nur mehr in Copien vorhanden : Innsb. Sehatzarchiy IT, 670, k. k. geheim. Haus- Hof- und Staatsarchiv Bep. I; vgl» nun auch den ^yjll Jahresbericht des Bregenzer Museums p. 40 — 45. LXV Ausser dem langwierigen Stadecker Erbstreit, den darauffol- genden schweren Kriegsereignissen und dem Verwaltungsstreit mit Wilhelm sind uns auch anderweitige Beziehungen Hugo's durch vereinzelte Nachweise belegt. Im December 1402 leistet er der Elisabeth von Puchhaim und dem Hans von Stnbenberg Zeugschaft in deren Erbangelegenheit ^). 1404 stiftet er mit seinem Sohne Ulrich in der Kapelle ihrer Burg zu Peckau eine ewige Messe mit einem Messpriester^). 1405 geloben die Grafen von Montfort- Bregenz und -Tettnang mit den Grafen von Werdenberg und Sar- gans eidlich, den Bischof Hartmann von Ghur nicht zu unterstützen, wenn dieser die dem Herzog Friedrich geschworene Urfehde bräche'). In demselben Jahre quittiert Hugo dem Herzog Leopold 200 fl^ welche ihm dieser für Salzlieferungen aus dem Haller Phannhause schuldig geworden war*). Im August 1406 schwört der Pfiarrer Stephan zu Valkenstein, gewesener Kanzler Herzog Friedrichs, der durch den Bischof von Brixen (Ulrich), durch den Grafen Hugo von Montfort-Bregenz und andere beim Herzog in Ungnade ge- kommen, alleij diesen Urfehde*'*). Im Oktober 1407 vergleicht sich Hugo von Montfort mit dem Abte Erhart zu Newnperg wegen eines Lehens, da Peter am Hoff auff gesessen ist^). 1408 be- lehnt er Änna^ Hannsen Pfrsters selig weih^ mit dem Gute an der Steig ^. 1410 stellt er einen Willbrief aus über die von Ul- rich Jäger im Jahre 1405 zu Seckau mit Lehengütern Hugo's ge- machte geistliche Stiftung®). — Grössere Wichtigkeit als die ange- führten Angelegenheiten besitzen zwei andere, die eine in Vorarl- berg, die andere im Steierlande. Friedrich von Toggenburg sollte — wir wir gehört — an Hugo 4000 fl., das Heiratsgut für seine Schwester dementia, auszahlen. Aber 1403 war dasselbe noch nicht geschehen; denn als in diesem ») Notizenblatt IX, 255, Nr. 310. •) Muchar VII, 84. — 1428 wurde diese Stiftung von Anna v. Neuhaus für Hugo's Seelenheil mit einigen Gütern wieder aufgebessert. Die Ur- kunde im k. bair. Reichsarchiv (Signatur : Montfort, gräfliche Familie) Fase. XX. 5)' Innsbr. Schatzarchiv IV, 612. *) Innsbr. Schatzarchiv II, Nr. 82. ^) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 319. •) Steiermark. Landesarchiv Nr. 4323. "*) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 475. «) Muchar VII, 113. Wackerneil, Montfort, \ TLXn Jahre der Toggenburger mit Herzog Friedrich abrechnete, übernahm letzterer die Verpflichtnngy die besagte Schuld an Hugo von Mont- fort innerhalb Jahresfrist zu begleichen ^). Damit hatte sich freilich Hugo*s Aussicht, zu seinem lang entbehrten Eigentum zu kommen, nicht viel gebessert, da die Herzoge von Gestenreich damals selbst dutch die bestandigen Kriege, durch die unaufhörlichen neuen An- käufe und durch die gesteigerten Yerwaltungskosten in eine grosse Schuldenlast geraten waren. 1404 wurden zwar die Zinsen an Hugo gezahlt, der Schuldbrief jedoch blieb ungetilgt, und Herzog Friedrich versprach am 12. August dem Toggenburger neuerdings, die Zahlung innerhalb Jahresfrist zu leisten^). Aber 1405 und 1406 gieng es wie 1404 nur mit dem Unterschiede, dass in diesen beiden Jahren auch nicht einmal die Zinsen gezahlt wurden und die Schuld in Folge dessen immer mehr anwuchs, während andrer- seits die Herzoge sich neuerdings beim Toggenburger um 3000 /., die dieser auegeben hat auf Krieg wider die Appenzeller^ ver- schuldeten^) Selbst noch im Jahre 1408 hatten die Oesterreicher weder die alte Schuld an Hugo von Montfort noch weniger dem Toggen- burger die neue vom Appenzellerkri^e gezahlt^}. Da scheint Hagen endlich die Geduld ausgegangen zu sein; denn ^lie grossen Kosten der 'llberstandenen Kriege in beiden Länderteilen, die leichtsinnige Versetzung seiner Güter von Seite Wilhelms hatten auch seine Kassen erschöpft, so dass er zu einem von ihm sonst nie gebrauch- ten Auskunftsmittel greifen musste, indem er Ende 1408 das Schloss Schaumberg an die Lindauer Bürger Konrad und Lenz Sieber verkaufte^) : er unterstützte nun seine Forderungen mit Gre- walt und besetzte eine Burg seines unverbesserlichen Schuldigers, des Gfh. Friedrich von Toggenburg. Das geht aus einem Briefe hervor. ^) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 260. *) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 228; Reg. aach bei Lichnowsky zn y, 717^ (Nachtrag), aber falsch datiert. *) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 344. ^) Vgl. k. k. geheimes Haus- Hof- und Staatsarchiv Rep. H (Reg auch bei Lichnowsky zu Y, 1059), dazu den Gegenbrief und den Versatzbrief ebenda. Um wenigstens den Toggenburger vorläufig zu stillen, verpfändeten ihm die Herzoge Sargans und versprachen, ihm noch 1000 fl. als Vergütung für erlittenen Schaden auf die frühere Schuld zu schlagen. ^) Yanötti pag. 183; aber nicht auch Sonnenberg. Vgl. Bergmann, Sitz. Ber. IX, 622. txvn deq Herzog Friedrich Beginn 1409 dem Toggenbarger gab, worin «r neuerdings versprach: unib die 4000 ß, hauhtgut suüen unr in (den Friedrich von Toggenburg) gegen den Orafen Hawgen von Montfort mit sampt den zins^ so davon au/stet und umb cMen redlichen schaden und hosten^ so von laistung od ander redlich nmd kinüicher wegen darauf ist gangen ^), entledigen und abtragen in söUcher mass, daz der egenant Qraf Hawg ain benügen daran gewünnund die Burg von scha- den entledige an geverd^). Hngo*s Ernst hatte Eindmok gemacht: am 21. Januar 1409 verpfändet Herzog Friedrich zu Feldkirch seinem Kanzler, Bischof Ulrich von Brixen, Friedrich von Toggenburg, dem Ritter Markart von Emptz, Walther Hauen und einigen anders den Zoll zu Feldkirch Tür 1500 ^ Qaller, die sie für ihn sogleich an den Grafen Hawg von Montfort entrichten^), und bereits am 23. Januar d. Js. bestätigt Fried- rich von Toggenburg, dass ihm der Herzog seine Schuld bei Hugo von Montfort mitsammt den Zinsen und Schäden gezahlt^), und verzichtet in einer weiteren Urkunde^) auf den Ersatz der Schäden, welche er selbst durch Leistung, Botenlohn, Zehrung u. dgl. dabei genommen habe. Damit hatte sich diese langwierige Geschichte glücklicher Weise noch in gutem Frieden abgewickelt, denn hier war fOr Hugo grosse Gefahr vorhanden gewesen, die Schuld oder die Freunde zu verlieren. Bald nennt ihn der Herzog wieder — was in den letztem Urkanden nicht mehr der Fall war — seinen lieben Oheim und der von Toggenburg seinen lieben pruoder. Nicht so glatt verlief die Angelegenheit in Seiermark, wo Hugo mit dem bekannten Raufbold Bernhard von Losenstein in eine gefährliche Fehde ^j geraten war. Die Losensteiner standen ') Wie sich aus eiper anderen ^H^kande vom 23. Januar ergibt (k. ,k. geh. Hans- Hof- und Sjkaatsarchiv Rep. XXIY, Beg. auch bei Lichnowsky zu y, Nr. 1070), erreichten die Zinsen und Kosten die Höhe von 1250 fl. *) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 344. f).E.. k. geh. Hans- Hof- ,und Staatsarchiv Rep. I, Beg. bei Lieh- Bowiky zu y, Nr. 1069. ^) Laut Urkunde im Innsbr. StatthaltereiarchiTO Nr. 2598. ^) K. k. geh. Hans- Hof- ,9j;^ JS^atsarchiv Bep. XXiy, Beg. bei Lichnowsky zu y, Nr. 1070. *) ^Grayes lites^ sagt C&sar Afi^il. in seinen Annal. Duc. Styriae, Tom. H, 658. Lxvm mit den Stadeckern in nebensächlicher Verwandtschaft^). Das ge- nügte dem händel- und habsüchtigen Bernhard von den Erben Johanns von Stadeck neben dem ihm gebührenden Lehensanteil an Freundsberg anch die Stadecker Güter auf dem Aigen bei Graz zu beanspruchen. Solchen Anforderangen konnten die Montforter un- möglich nachgeben. Wann die Fehde begann, ist nicht nachzu- weisen, jedenfalls nicht zu lange nach der Besitznahme der Stadeck- schen Güter durch die neuen Erben. Die Montforter erhoben auf gesetzlichem Wege, vor der Schranne des Landesgerichtes in Graz, ihre Klage, wo der ungerechte Ruhestörer abgewiesen wurde^). Allein der Losensteiner gab seinen Plan nicht auf, sondern versuchte sogar mit Waffengewalt zu erlangen, was ihm der Rechtsspruch versagt hatte, und schickte an Hugo von Montfort den Absagebrief. Um einer blutigen Fehde vorzubeugen nahm Herzog Ernst die Angelegenheit in seine Hand, gebot dem Losensteiner Frieden und lud ihn am 22. April 1410 auf die nächsten Pfingstfeiertage vor sein Gericht nach Wien^). Ohne Zweifel fiel auch hier die Ent- scheidung zu Gunsten Hugo*s aus, der darauf, wie es üblich war, den Absagebrief zurückschickte. Allein der Losensteiner hatte die Händel nicht deswegen angefangen, um sich vom Herzoge noch einmal wiederholen zu lassen, was ihm schon vor der Landes- sohranne gesagt worden war, dass er nämlich im Unrechte sei, nach Hause gehen und Ruhe geben solle: er beharrte nach wie vor in drohender Stellung und suchte die Montforter zu schädigen, so dass ihn Herzog Ernst 1412 neuerdings durch ein Schreiben zurechtwies ^) , welches der Losensteiner aber gar nicht be- antwortete und nicht weiter beachtete. Als Hugo davon Kunde erhielt, schrieb er am 26. August 1413 von Graz aus an den bösen Verwandten einen Brief, der die ganze perfide Haltung seines Widersachers klar legt: da nun der hochgebom fürst hertzog EmsU 'mein gnediger lieher herr^ mit mir rett, er wolt dein gewaltig in der sack aein^ und das ich die sach av^h ahUess 1) Anna, die Schwester Bernhardts ron Lesens tein, war mit dem Sohne der Elisabeth Ton Stadeck, mit Burkart von Winden, vermählt. Vgl. Wein- hold (der Minnesänger von Stadeck) Sitz. Ber. XXXY, 171. *) Vgl. Weinhold (der Minnes. von Stadeck) p. 179. ^ Steiermark. Landesarchiv Nr. 4417a- ^) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 820. ^ Bezieht sich anf die Yorladnng und Entscheidung des Herzogs Tom LXIX von deiner absag wegen^ die du mir getcm hetteeU das tet ich also und gab darauf den äbsagbrief^ den du mir gesandt hettest^ kern Sannsen von Winden und waiss nicht anders^ wann das dir den her Hanns wider geben haib. I^amach langt mich an in lanimärweyse^ du soltist noch Unwillen gen mir haben und mein schaden trachten, des ich nicht glauben wolt und noch nit glauben wilj du lassest mich es dann vor wissen , und bracht doch die sa^h also an meinen gnedigen herren herzog Ernsten ete^ der hat dir dwrumb verschriben, als man mir gesagt Aa^ dem habest du chain antwurt darüber geben, da las in ich ver" schriben wissen an dHnem brief by dem mein potten, wes ich mich zu dir versehn suUe^). Hier brechen für uns die Spuren dieses Streites ab, und wir wissen nicht, ob man den Uebeltäter zu Paaren trieb, oder ob er endlich selbst zur Einsicht kam, dass es besser sei, von seinen ungerechten Ansprüchen abzulassen; ge- wiss ist nur, dass er nichts erreichte und Hugo sein Eigentum behauptete. - Damit sind wir über die drangsalvollste Zeit in Hugo*s poli- tischem Leben hinausgekommen. Besondern Kriegsruhm hat er nicht gesammelt, vor Laa wenigstens sorgte schon die Unfähigkeit des Oherfeldherren, des Erzbischofs von Freisingen, redlich dafür*), dass solches nicht geschehen konnte ; im ganzen aber hat er seine Pflich- ten treu und mannhaft erfüllt und seinem Hause die bedrohten Besitzungen vor den offenen und heimtückischen Feinden in ihrem vollen Umfange gerettet. Ueber die Herzensangelegenheiten und das Familienleben des Dichters in dieser letzten Periode erfahren wir weniger als in den beiden vorausgegangenen, denn die Gedichte lassen zwischen 1402 (Nr. 34, 35 und 36) und c. 1414 (Nr. 37 und 38) eine klaffende Lücke — begreiflich: das war keine Zeit gewesen zam Verse- machen ! Die Ehe mit Anna von Neuhaus war wieder sehr glück- lich: sie wirkte verjüngend auf den Dichter und brachte ihm wie einst dementia neue Tatkraft und ßrischen Lebensmut, so dass er noch mit 57 Jahren aaf dem Rücken (38, 141) und unter grauen Jahre 1410: Hugo recapituliert hier die einzelnen Stadien des Streites, die wir oben ans Urkunden constatierten. *) Steiermark. Landesarchiv Xr. 4533^' ') Vgl. Kurz, Albrecht II, I Bd., p. 57. LXX Haaren (37, 40) glaubte, «r Jiab noeh vil der jugeni (38, 8). Er preist die Tugendeti und Güte seiner Gemahlin, dber dass sie vorzügliche körperliche Schönheit besessen, hebt er nicht hervor, wie er es bei dementia getan. 27, 187 ff. hatte Hugo den Tod Cle- mentia*s als eine Fügung Gottes hingenommen, so betrachtet mx jetzt auch die Freuden dieser neuen Ehe als ein göttliches Geschenk, für das er danken muss (34, 5 ff). Am 4. Oktober 1413 gebar ihm Anna einen Sohn, der den Namen Stephan erhielt*). Vielleicht / hat dieses glückliche Ereignis ihn, der zwar nicht mehr dichten sollte (38,97), begeistert, seiner Frau eine TagWeise-(Nr. 37) and eine Rede (Nr. 38) zu machen. Sie bilden den Schks& von Hugo's Gedichten. Ob Vorsatz, ob Bewusstsein der gesunkenen Dichier- kraft (31, 216) oder die Lasten der Geschäfte ihn an der ferne- ren Production hinderten, wer könnte das mit Sicherheit sagen? Jedenfalls aber haben die letzteren einen Teil der Schuld daran getragen; denn schon 31, 112; 3ö, 21 hat sie der Dichter selbst als ein solches Hindernis bezeichnet, und nun werden sie sich be- deutend vermehrt haben, seit er das höchste politische Amt im Herzogtum Steiermark bekleidete, wie wir nachzuweisen vermögen. Das steiermärkische Landesarchiv verwahrt eine , Landes- hauptmanns-Chronik* 2), welche Fol. 57 die Notiz bietet: Oraf Haug von Montfort^ herre zu Bregentz, hayptmann in Steyer anno 1413, Dasselbe ist auch urkundlich bezeugt. Schon in dem oben angeführten Schreiben an Bernhard von Losenstein (26. Au- gust 1413) nennt sich Hugo hauptmann in Steyer. Am 22. Juli 1414 bestätigt Herzog Ernst alle Handfesten und Freiheiten des Marktes Mürzzuschlag und beauftragt seinen Landeshaupt- mann in Steier, den Grafen Haug vonMontfort, diese Bestätigung kräftigst zu handhaben^). Am 22. April 1415 spricht Herzog Ernst über die Raubritter Riegel, Leopold und Albrecht von Trackenberg die Acht aus vor den Herren: Graf Haug von Montfort, Hauptmann in Steier, Abt Rudolf von St. Lambrecht, Rudiger, Pfarrer zu Brück a. d, Mur, Jörg Hagen- reiter, Pfarrer zu Laibach, Hartnid von Rattendorf, Hans von *) Nach Vanotti, Tabelle C. ') Papierhandschrift aus der Wende des 16. bis 17. Jahrhunderts. Vgl. Emil Kümmel in den Beiträgen zur Kunde steierm. Geschichtsquellen XY, 67—73. 9 Jkfnchar VII, 130. LXXI Eberstorf, Leopold von Kreig, Friedrich von Fladnitz, Hofmeister^). Von 1413 — 1415 also war Hugo Landesliaaptmann in Steier* mark^) und als solcher zugleich Bat d^s Landesfürsten und in dessen Abwesenheit aach Statthalter, wie er andrerseits den Vorsitz im Landesgerichte führte und die herzoglichen Verord- nungen zu vollstrecken hatte. Neben den angeführten geben noch einige andere erhaltene Urkunden fragmentarische Hinweise auf diese vielseitige Tätigkeit. Am 22. Januar 1414 erteilt Herzog Ernst dem Landeshauptmann in Steier, dessen Stellvertreter und allen Obrigkeiten den Auftrag, das Stift Admont, das durch den Richter von Marburg arg beschädigt worden, auf allen seinen Be- sitzungen in Eigentum und Rechten zu beschirmen^). Nach Grusii Annal. Suev. dod. tert. 388 erschien Hugo in diesem Jahre auch auf dem Gonstanzer Goncil^), vielleicht als Stellvertreter Herzog Emst*s, der später selbst dahin kam. Am 7. Februar 1415 entschei- det Hugo zu Graz als Landeshauptmann von Steier den langwierigen Streit und die blutige Fehde zwischen den Lichtensteinem und Stubenbergem^). Am 4. Februar 1415 ernennt Herzog Ernst den Bischof von Seckau, Sigmar von Hollneck, zu seinem Kaplan^); die- selbe Gunst erweist er am 5. Februar d. Js. dem Probst Ulrich von Seckau, nimmt das ganze Stift in seine besondere Huld und Gnade und befiehlt dem Grafen Hugo von Montfort, Landeshaupt- mann in Steier, die Chorherren auf Seckau in allen ihren Rechten und Freiheiten zu schützen^. Am SO. October d. Js. ernennt ,E}rzherzog' Ernst den Abt von Rein zu seinem Rat und Kaplan und beauftragt seinen gegenwüriigm haubtmann in Sieir^ dm liehen oheim Hugo von Montfort^ sich da/mach zu halten^). Dieses Triennium zeigt unsern Dichter auf dem Höhepunkte seiner politischen Laufbahn; damals wird er auch die Insignie des *) Mnchar VII, 133; Hugo steht nun auch den geistlichen Herren und den übrigen Hofbeamten voran. *) Er war es aber auch nicht länger; denn nach Muehar VII, 135 er- scheint 1416 schon Rudolf von Lichtenstein in dieser Würde. 3) Muehar VH, 129. ^) Ygl. Uhland, gesammelte Schriften II, 211. S) Notizenblatt IX, pag. 298, Nr. 358; Muehar VII, 135, aber falsch dat. •) Nach Lichnowsky, Beg. zu V, Nr. 1516. 7) Muehar (VII, 132) hat beide Urkunden in eine zusammengezogen. ') Steiermark. Landesarchir (Nachtrag). Lxxn österreichischen Drachenordeas erhalten haben ^). Er stand vor der Schwelle der Sechziger; vieles war über ihn hingegangen, seine Haare waren grau geworden und jene Jahre der abnehmenden Kraft nnd des Niederganges gekommen, die einem nicht mehr gefallen. Nunmehr verengt sich der Kreis seines Wirkens : er zieht sich von den öffentlichen Aemtern und Angelegenheiten zurück, trotzdem wir ihn hier gerade jetzt tätiger als je erwartet hätten; denn in Böhmen erhoben sich die blutigen Religionskämpfe gegen die Hussiten, welche die österreichischen Herzoge raitfochten ; in Tirol und Schwa- ben entbrannte der verhängnisvolle Krieg König Sigmunds und seiner Anhänger gegen Herzog Friedrich mit der leeren Tasche, in dem alle bedeutenderen Herren dieser Gegenden Partei nahmen, Hugo's Sangesgenosse Oswald von Wolkenstein und Hugo's nächster Ver- wandte Wilhelm von Montfort-Bregenz eine hervorragende Rolle spielten. Doch unsern Dichter, der bisher selten in solchen Krie- gen der österreichischen Herzoge gefehlt hatte, suchen wir ver- gebens. Nur noch ein einzigesmal sehen wir ihn in einem fremden Streite friedenstiftend auftreten: am 11. August 1418 entscheidet er in Gemeinschaft mit Hermann von Cilli und Bernhard von Pet- tau einen Streit zwischen Hans von Eberstorf und seiner Schwester Barbara einerseits mit Hans von Winden andrerseits^). Doch auf seinen Gütern und in der Sorge für sein Haus können wir seine Wirksamkeit verfolgen bis zu seinem Tode. Wie das Urbar ausweist, hat Hugo seine Besitzungen, abge- sehen von dem Zuwachse der Stadecker Herrschaft, bedeutend ver- mehrt. So kaufte er Güter von dem HoUnekker^ den Tewffen- bacherriy den Krottendorffem, löste andere von den Mewtern von Losenstain^) und erhielt von Herzog Ernst die Stadt Fürsten- feld u. a. verpfändet*). Am 26. Januar 1418 kaufte er Güter und Gülten im Dorfe Rauchenwart, die Eigentum der Hofkapelle zu ^) Dass Hugo diesen Orden besass, bezeugt das Wappen in der Hand- schrift seiner Gdichte : Tom Helm hängt an goldener Kette ein goldener Drache, der sich in den Schwanz beisst. Dass dies nicht das Abzeichen der preussi- sehen EidechsengeseUschaft (vgl. Weinhold in den Mitt. p. 131), sondern das des österreichischen Drachenordens ist, steht nach den Auseinandersetzungen K. ▼. Sava's (im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1857, pag. 291 ff.) ausser Zweifel. Ich verdanke den Hinweis auf Sava einer gütigen Mitteilung Prof. Weinholds. «) Notizenblatt IX, p. 302, Nr. 373. 8) Vgl. Urbar 120 f., 159 f., 160 ff. *) Muchar VII, 246. Lxxm Wien gewesen waren ^), während er sohon früher Neuburg in Chur- walchen als Pfand von Oesterreich erhalten hatte^). Diesen be- deutenden Erwerbungen gegenüber fällt der Verkauf einiger kleine- ren Güter zu Rinnberg an Wolfgang von Wurmbrand ^) nicht in die Wagschale, ebenso wenig wie ein paar Vergabungen an Kirchen, die Hogo jetzt zur Wohlfahrt seiner Seele machte: 1422 stiftet er in der Frauenkapelle zn Riedern eine ewige Messe mit einem Kaplan^) und gründet am 3. Mai d. Js. mit seinem Sohne Stephan auf dem Hirschberge südlich von Möggers zu Ehren St. Johannes des Täufers ein Frauenkloster Dominikanerordens^). Viel- &ch belegt sind ausserdem Belehnungsacte Hugo*s: so belehnt er am 23. August 1415 Burgkardten von Lochen mit der Feste Reitenau^); am 19. Februar 1416 den lek Gesell gesessen ze Hütä mit des alten FüglVs guot"^); am 7. December 1417 Haintzen GSch mit einem walderb^); in demselben Jahre auch Hanni Hartmann mit ehern und Twfstetten auf Riedenfeld^ bei Steinberch und Murach^); den Niklas Hundsheimer in der Rorau über sechs Pfund Gülts zu Scharndorf*^). 1418 erteilt er Lehen an Konrad den Wildungsmaurer * *), an Claus und Hans Ebenhoch ^2), 1422 an die Lindauer Bürger Kunz, Lenz und Os- wald Siber^^). In demselben Jahre überlässt er Kaiharinen, Han- sen Krottendorffers selig Tochter, die Lehen ihres Vaters ^^). 1418 gibt er dem Ernst Frewssinger^^), 1419 dem Hertel Lembsmtzer^% 1422 dem Melchior von Teufenbach^^) die Er- ») Vanotti p. 496, Nr. 182. *) Dasselbe wird auch im Burgfrieden Ton 1415 ausdrücklich als pfa/nd von Oesterreieh angeführt. 8) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 823. *) Innsbrucker Schatzarchiy IV, 703. ') Bergmann, Landeskunde von Vorarlberg p. 33. *) Innsbrucker Lehenarchiv, Copialbuch I, 463. ^ Innsbrucker Statthaltereiarchiv. ^) Innsbrucker dtatthaltereiarchiv. •) Innsbrucker Schatz archiv IV, 689. *") Bergmann, Sitz. Ber. IX, 822. **) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 860, Urkunde L; aber 11., nicht 10. Mai. **) Innsbrucker Lehenarchiv, Copialbuch I, 475. *•) Hohenemser Archiv. *^) Steiermark. Landesarchir Nr. 4901a. ") Steiermark. Landesarchiv Nr. 4699. ") Ibid. Nr. 4759. *') Brandrs Urkundenbuch der Teufenbacher p. 197, ^x. Vi^, LXXIV laubuis, die von ihm erhaltenea Lehen aa andere zu verhandeln, während er hinwider sich selbst 1421 vom Abt zu Kempten, Friedrich von Laubenberg, neuerdings mit der Feste Hoheneck im Algau belehnen lässt*). Nahezu ein halbes Jahrhundert haben wir nun seine Wirk- samkeit nach allen Seiten hin verfolgt, aber auf diesem ganzen weiten Weg kein einziges Anzeichen gefunden, dass er, jemals von seiner Strafgewalt in aussergewöhnlicher Weise gegen ungehorsame Untertanen Gebrauch machen musste, wozu er jetzt wiederholt ge- zwungen ward. Von den Lehensmannen auf Schloss Krems hatte der Graf keinerlei Abgaben gefordert, damit H aalten dinstlich sitzen mit harnasch vnd hengaten^ wenn ma/n ir bedörffte zuo der Veste oder in der Veste; das si aber nicht geton häben^ noch getun mochten^ und sazzen ah wnder holden vnwerleich^ und darumb und davon haben wir in zina auf die gueter geslagen^). Am 24. Juni 1416 bezeugt Mert von Lauterwein urkundlich seine Widersässigkeit und seinen Ungehorsam, weswegen ihn Hugo's Pfleger Walther von Zwingen auf der Feste Chrani- perg in vankknuz genamen^ daz ich wol verachult hob. Als ihn dann frum lewt cms derselben vankknuz gepeten^ stellt er einen Urfehdebrief aus, sich nie mehr mit Worten oder Werken seinem gnädigen Herren Hugo vonMontfort ungehorsam zu erzeigen^). Noch viel schlimmere Dinge aber werden von den Bregenzern gemeldet. Im November 1415 kamen Vertreter der Stadt zu ihren Herren Hugo und Wilhelm und brachten die Klage vor, das man daz gericht und den amman amächt und in in ir aid und ürtail redt Darüber gerät Hugo in grossen unwellen^ den er in einer Malefizordnung ausspricht, welche er mit Wilhelm erlässt: wer die gewesen sind, die sich solches zu Schulden kommen liessen — steht da zu lesen -^ die sollen an den Buw der atatt vervallen sin lOU dn all gnad; zahlt aber ein solcher Uebeltäter die Strat- summe nicht, so soll er umb ain fuoss an sinem Hb komen sin, den wir im ouch schaffen sollen abzeslahen von sinem Hb dn all gnad^). Wer ferner den vom Ammann in einem Streite zwi- 0 Innsbrucker Schatzarchiy IV, 718. Schon 1418 hatte Hugo (laut Inns- brucker Schatzarchiv IV, 717) die Vogtei über Hoheneck inne. ^) Urbar (späterer Nachtrag ron anderer Hand) Fol. 73. 3) Steiermark. Landesarchiv Nr. 4632. ^ Dieses Urteil, das unser heutiges Gefühl empOrt, ist nicht auf LXXV sehen zweien oder ludireren gebotenen Friedea bräche und diesem wide^prieht, def soll mit 50^ bestraft werden oder, wenn er nicht zahlt, seinem Herren mit Leib und Gut verfallen sein, der ihn be- handeln wird wie einen Todtschläger^). Diese Dinge mochten den vielgeprüften Mann sehr kränken; aber was folgte, war nicht tröstlicher. Hugo hatte seit jeher das, was seine Vorfahren an den Ratid des Verderbens gebracht, sorglich gemieden: den Streit mit den nächsten Verwandten, der nun noch in seinen alten Tagen über ihn hereinbrach. Wilhelm von Montfort hatte nur eine einzige Tochter Elisabeth, welche mit dem Grafen Ebw^hard von Nellenburg^) verehelicht war. Da seine Besitzungen Reiohslehen waren, fielen sie nach seinem Tode an die männliche» Nachkommen des andern Zweiges, an Hugo und dessen Söhne. Wilhelm wollte das hindern und gegen Gewohn- heit und Recht seine Güter auf Elisabeth vererben. Er machte grosse Anstrengungen bei Kaiser und Reich und setzte seine Absichten durch; dena er hatte sich in den Kriegen der letzteren Jahre auf mancherlei Weise um die deutsche Krone verdient ge- macht^). Da die Montforter des andern Zweiges dagegen prote- stierten, 'kam es zur Waffengewalt. Ueber den Verlauf dieses Kampfes bleiben wir im Dunkeln; doch ist es bei Wilhelms ver- wegener Art wahrscheinlich, dass er Hugo*s Teil von Bregenz über- rumpelte und besetzte, um diesen so zur Anerkennung der weib- lichen Erbfolge zu zwingen. Darauf weist besonders die Tatsache, dass Wilhelm bei seinem Tode, der ihn noch während dieser Fehde (am 6. März 1422) ereilte, in unrechtmässigem Besitze desselben war, wie die grosse Friedensurkunde vom 27. März 1422^) be- sagt. In derselben erscheint ein Schiedsgericht von 7 Richtern: Rechnung von Hugo*s Grausamkeit, sondern des damaligen unmonschlicben StrafTerfahrens überhaupt zu setzen. Solche Dinge begegnen nicht selten. So liess z. B. Herzog Friedrich einige Jahre vor diesem Ausspruche Hugo's dem Züricher Bürger Burkard Slatter die Augen ausstechen, die Zunge ausschnei- den und dann sein Gut nehmen. Vgl. Lichnowsky, Reg. zu V, Nr. 1342. ') Grosse Originalurkunde im Innsbr. Statthaltereiarchive. Dt. Bregenz. *) Dieser starb 1 420 und hinterliess eine Tochter Kunigunde , die sich mit Johann you Lupfen vermählte. ') In dem Streite K. Sigmunds mit Herzog Friedrich stand er auf Seite des erstem; aber nach der Begnadigung Friedrichs trat er zu diesem in ein nlberes YerhAltnis. ^) im Innsbraoker StatthaltereiarchiTe. Dt. RaTea^bwi^. LXXVI Hans Cunrat von Bödmen^ Uenhart von Jüngingen^ Caspa/r von Klingenberg und an ihrer Spitze Johannes Truchsesa zu Wal' purg^ Reichslandvogt in Schwaben, als Schiedsleute des grau ff Hugen von Montfort^ herre zuo Bregentz und zuo P/annenherg^ — und Wolf vom Stain^ Cunrat von Haimenhofen und Töllentzer von Shellenberg als Schiedsleute Hugo's von Montfort - Bregenz, des Johannitermeisters in Tüfschen landen^ als Bruder, und der Elisabeth von Neuenbürg, als Tochter des verstorbenen Wilhelm von Montfort-Bregenz. Beide Parteien geloben vor dem Schieds- sprüche mit schweren Eiden zuo got und zuo den haiügen mit uff geholten vingern^ das getrüwlich^ waur^ vest und stete zu halten, was da entschieden werden wird, damit so alle zwayung^ stösse und Unwillen^ die sich erhebt haund und uff er standen sind zwi- schen grauff Hugen und grauff Wilhelmen — dem got barmhertzig sy — von der herrschaft^ lüte und guot wegen zuo Bregentz* abgetan seien und dafür ein gantzer, luterer suon gesetzt werde. Es wird nun von allen Siben ainhellenglich entschieden: Hugo^ der Maister, und sins bruoder grauff Wilhalms selige tochter müssen dem Pfannberger sinen tail an der bürg und statt tmd an der gantzen herrschaft zuo Bregentz mit lüten und guoten^ es sy in der statt oder uff dem lande^ ah jm die denn zuo getailt worden ist nach uszwisung der tailbrieff^ dne verzug ivider in geben und zuo sinen handen in antwurten dne andern intrag ungeverlich Ferner sollen alle Untertanen Hugo's, des Pfannbergers, welche entweder Wilhelmen oder seinem Bruder, dem Meister, oder beiden gehuldigt und geschworen haben, ohne allen Verzug ihres Eides erlassen und verhalten werden, zu ihrem recht- mässigen Herren zurückzukehren. Desgleichen soll alles andere, was dem Pfannberger genommen worden, es wer kost, gezüg, hnsz- raut oder anders^ demselben wieder Zurückgegeben werden. Die weitern Bestimmungen behandeln das jus retractus und den Burg- frieden. Daraus erhellt zweifellos, dass Wilhelm sich unrechtmässiger Weise des andern Teiles von Bregenz bemächtigt und Hugo's Leute veranlasst, ja vielleicht gezwungen hatte, ihm den Treueid zu lei- sten ; denn in einer weitern Clausel dieser Urkunde wirf noch her- vorgehoben, dasz der grauff Hug von Pfwnnenberg^ sin erben und nachkommen die armen lüte^ die im zuo gehören, es sy j^uo ^re^entjg in der statt oder uff dem lande, der Verhandlung e^ Lxxvn so sich »ao Bregentz verloffen hantj nit enfgepen lausaen^ sunder sy gnediglichen halten sol als ander sin armen lüte aun all geverde. Es wurde also der Status quo ante bellum wieder her- gestellt, aber Elisabeth beerbte ihren Vater. Das Zeugnis, dass beide Teile die Entscheidung anerkannt haben, gibt eine zweite Urkunde desselben Tages ^), worin Hugo von Pfannenberg, Hugo, der Maister, und Elisabeth den Burgfrieden von 1405, der am 3. September 1415^) erneuert worden war, wieder aufnahmen und auf die Dauer von 20 Jahren ausdehnten. Zu diesem einen Streite kam noch ein zweiter mit dem Stifte Rein über Wäldergrenzen am Hirscheck,' der erst nach Hugo's Tode auf Herzog Ernst's Befehl durch den Hauptmann von Steier, Ulrich Schenk von Osterwitz, entschieden wurde ^). Aber damit noch nicht genug: 1419 wurde Hugo's ältester Sohn Ulrich in der Vollkraft der Jahre und bald darauf sein Enkel, Stephan der jüngere, noch im Kindesalter vom Tode hinweggenommen*). Das waren also lauter trübe Nachrichten aus Hugo*s letzter Lebenszeit. Leid war die Grundfarbe seines Lebens gewesen, das hat er uns selbst gesagt; vermehrtes Leid verdüsterte die letzten Tage seines Alters* Und ^ wenn er am Rande des Grabes, besorgt für die Zukunft der beiden unmündigen Träger seines Geschlechts, die er allein zurückliess, den Blick in die Zeiten lenkte, die da kommen würden, so konnte sich ihm nur ein düsteres Bild auftun, ja vielleicht mochte ihn schon die Ahnung beschleichen, dass der Glanz und die Bedeutung seines Hauses einem raschen Untergange nahe sei; denn damals wurde im Tirolerlande diesseits des Arlberges vom Herzoge und den Landständen die Macht des Adels gebrochen, in Vorarlberg selbst bereiteten sich neue Bündnisse vor, die ihren Schwerpunkt in den Gemeinden hatten, während hinter ihnen die Schweizer wieder ihre Schwerter wetzten : kurz, es erhob sich da- mals eine Reihe untrüglicher Anzeichen, dass es mit der Adelsherrschaft überhaupt alsbald vorüber sein werde für immerdar! *) Bei Bergmann, Sitz. Ber. IX, 853, Urkunde N. *) Die Urkunde beiYanotti pag. 585, Nr. 38; aber nicht vom 6. Sep'pmber. ») Muchar Vn. 168. ^) So blieb aus der Ehe Ulrichs mit Guta nur ein noch unmündiger Sohn Hermann, welcher, da Hugo's Sohn, Stephan der ältere, 1437 nnvermählt starb, allein das Geschlecht der Montfort-Brogenz-Pfannbergcr {ott^^twvVLV^. Lxxvm Mit diesen Misstönen verklingt die Geschichte von Hugo's Leben. Er starb am 4. April 1423 und wurde in der Kirohe der Minoriten zu Brück an der Mur begraben^). Noch lange gedachte man mit rühmlicher Anerkennung des Gründers der neuen Montforter Linie von Bregenz-Pfann- berg. Am 18- Mai 1426 schenkt Kaiser Sigmund in Erinnerung der Dienste des verstorbenen Grafen Hang von Montfort dessen Sohne Stephan und dessen Enkel Hermann, die noch nicht rmmtpar sind, die besondere Gnade, dass sie bis zu ihrer Mündigkeit im Besitze der vom Keiche und der Krone Ungarn herrührenden Lehen bleiben dürfen^) Herzog Ernst übernahm selbst die Vormundschaft über Stephan und Hermann^). Am 20. Juli 1430 erteilt Herzog Al- brecht V den Grafen Hermann und Stephan von Montfort mehrere Lehen »um der Dienste willen die dieser Montforter Vordem* den Oesterreichern geleistet haben ^). Und noch heute nennt das Volk den G^bhardsberg hinter Bregenz, von dem aus wir im Eingange dieser Abhandlung den schönsten und bedeutendsten TeSl Vorarlbergs überblickten, welcher zum grossen Teile Hugo^s Eigentum und der Schauplatz seiner Tätigkeit gewesen, nach ihm den Pfannenberg, 1) Den Todestag fand Bergmann; Tgl. Sitz. Ber. IX, 824. ') K. bairisches Reichsarchiv Fase. 20. *) Vgl. Bergmann, Sitz. Ber. IX, 824. Da der Herzog schon 1424 starb, erhielt Graf Hans yon Lupfen, Landgraf zu Stieglingen, die Gerhabschaft über die beiden Erben Hugo*s laut einpr Urkunde vom 3. März 1425 (im bair. Reichsarchiy Fase. XX) und einer andern Yom 27. März d. Js. (Hohenemser Archiv). ^) Lehenbuch Albrechts Y im Notizenblatt IX, 283. IL HUGO'S PEESÖNLICHKEIT, STIL UND CHARAKTER Nach dieser Darstellung von Hugo's Leben, welche die dürf- tigen Quellen in engen Grenzen hielten, müssen wir das Bild seiner Persötilichkeit und seines Charakters ergänzen, müssen darzustellen sncheti, welche Anlage, welche Fähigkeiten, welche Bildung dieser merkwürdige Mann besessen, und wie er sich zu den geistigen Strömungen verhalten habe, die seine Zeit durchwogten. Das ist einer der wichtigsten Teile unserer Aufgabe besonders deswegen, weil Hugo eines der Endglieder in einer langen historischen Kette, einer der letzten ritterlichen Sänger des Mittelalters ist. Ihm folgt) nur Oswald von Wolkenstein und in weiter Ferne noch Fürst Heinrich von Würtemberg *). Wir haben uns Hugo vorzustellen als eine mächtige Gestalt (5, 95), als , einen starken Mann von Blut und Saft*, wie Gervi- nus sich ausdrückte (G. d. d. D. II 5, 428). Zu dieser körperlichen Constitution stimmt die gerstige. Hugo ist ein Mann mit starkem Willen und grosser Tatkraft, heftiger Leidenschaft fähig. Sein Leben bot Beweise genug. Ihm wird die üeberzeugung sofort zum G^bot und dieses zur Tat. Wechselt er seine Anschauung, so geschieht es jäh und bis nahe an das Extrem. Er geht weit im G^nuss der Jugend und in der Enthaltsamkeit des Alters, ist überschwänglich in der Freude und im Leid. Jene *) Von ihm kennen wir nnr drei Gedichte; denn das erste Ton den Tieren, welche Holland und Keller Tmter seinem Namen ans einem S a m m e 1 - codex herausgegeben haben, ist wahrscheinlich unecht: Heinrich setzt näm- lidi seinen Liedern am Schiasse — wie es damals üblich war — den Namen des Dichters bei, der aber bei Nr. 1 fehlt; dazu treten noch sprachliche Differenzen herror. LXXX Gedichte, wo er in rahiger Heiterkeit, in leidenschaftslosem Lebens- genüsse erseheint, stehen ganz vereinzelt; meist finden wir ihn in der Aufregung unverhoffter Freude oder unter dem Drucke tiefen Schmerzes. Und er mag das selbst gefühlt haben, wenn er 27, 191 den ihn bezeichnenden Ausspruch tat: ietz weinen und denn lachen das ka/n die blöde menscheit an uns machen. Diese leidenschaftliche Erregtheit seines Gemütes ist es auch, die Hugo zum Dichten bringt, die ihn nötigt, den überwältigenden Gefühlen Luft zu machen. Darum singt er trotz Gewissensangst (16, 4"v, 18, 193; 24, 105) und Kunstbangigkeit (2, 133; 15, 165), trotz seiner vielen Geschäfte (31, 157) und der harten Zeitläufe (31, 109); trotzdem er es verredet (31, 106 und 32, 1) und trotzdem seine ret in straffen ob dieser Zeitversäumnis (31, 112). Daher kommt es auch, dass er so selten blosse Dichtun- gen macht: ihm tritt stets das Herz auf die Zunge; weitaus in den meisten Fällen ist er selbst, sind die eigenen Zustände und Verhältnisse Gegenstand seines Gesanges, ja auch in jenen Pro- ducten, welchen er eine allgemeinere Fassung zu geben sucht (z. B. Nr. 15, 27, 28), dringen die persönlichen Momente überall hervor. Seine Dichtungen sind wahr im eigentlichen Sinne des Wortes, denn er hat sie gelebt und war sich dessen auch be- wusst: ich hdn es (das Gedicht) ie darnach gemachen^ als mir do was ze muot: wem wes das hertz hegerend ist^ det* mund tuots dikche sagen 31, 135. So stehen denn die Gedichte auch da, bald fröhlich bald traurig als Zeugnisse, wie die Gefühle zogen durch seine Brust. Man kann e rwarten, dass die Leidenschaftlichkeit auch in sei- ner Darstellungsweise sich bemerkbar machen wird: sie ist unruhig, sprunghaft und dann wieder überladen; er wird nicht müde, den Grundgedanken, der ihn bewegt, immer von neuem zu wiederholen (z. B. Nr. 15), ihn nicht nur einem, sondern mehreren Gedichten als Thema zu Grunde zu legen (z B. Nr. 10, 12, 13 und die Reden nach Clementia's Tod). Auch in Einzelnheiten seines Stils ist sie zu erkennen: von ihr werden die zahlreichen In terj ac- tio neu und Ausrufe kommen, wie nu dar 5, 223; 18, 101 ; nu hin 18, 269; o 17, 21; 27, 1; ach 4, 12; ach gott 4, 63 ; 11, 12; 17. 45; y 4, 7; 17, 9; pA^ 24, 79; phuch 2, 64; 24, 79; 0 phuch 29, 40; mordajo 5, 343; o mortjo 5, 201 u. v. a. — von ihr ä'ie ürberfüUe von Anrufungen, Häufungen, Gradationen, LXXXI welche oft nooh mit Asyndeton and Anaphern verbanden sind : trut hehertri 1, 4; min höchste hünegirme 1, 45 ; min höchster hört 1, 90; 0 liepUch zarf^ du suesse^ mins hertzen fröd und tust 3, 25. ir ir^ ir zucht^ ir sitt 18, 143; nu dar^ min fröd^ min umnn^ min heil 18, 101; got ist din glükchy din ^r, din guot 22, ö; min gUik^ min heil^ min seiden kind 1, 61 ; min herr^ min vcUer^ min hus^ min ho/ 27, 173, u. auffallend v. a. — von ihr die starkenHyperbeln und Vergleiohe: min dienst und gruozz me tusent» stunt^ denn gestüpp ist in der sunnen 6, 1 ; zwar und kern der Türken her^ ich Hess mirs nieman werren 7, 19; hundert mil so tuend si zuohin schlichen 38, 24 eto., welche sein Eifer bis ins unschöne treibt; 32, 56 z. B. sagt er: wer es unternähme, die Gottheit zu ergründen, wäre ebenso unverständig wie der, welcher die regens tropfen zählen wollte, die hinfür vollen werden. Der Vergleich ist gut, aber dem Dichter nicht genug; er will die Un- möglichkeit noch durch einen starkem dartun und setzt hinzu: und wie der, welcher die sunnen ml durchstopfen mit einem Stabe hinuff von der erden, und das ist platt; vgl. ferner 15, 140; 20, 51 ; 22, 39; 27, 17; 30, 36 u. a. — von ihr auch die zahl- reichen eifervollen Beteurungen mit sicher, sicherlich^ werlich, fürwahr, an zwifel, mit gantzer wa/rheit, es wer unmügelichj des glob zwar mir etc. — und kräftigen Schwüre, welche von den Flick- versen dieser Art wohl zu unterscheiden sind : des getar ich frilich sweren 35, 16; uf minen eid 3, 19; 18, 18; 27, 27, 135; das swer ich zwar bi minen truwen 33, 107; das sag ich bi den eren min 18, 32; des swer ich wol bi minem Hb 37, 53; des setz ich üch min hopt ze phand 5, 122 etc. — daher endlich die heftige Art seines Tadels und seiner Polemik. Gegenüber den beiden schismatischen Päbsten sagt er: der tiefel hat gesellet werlich sich zuo dem einen 5, 196; von den geizigen Cardinälen : die blasent iren dien zuo der sach durch gitikeit 5, 213; von den geschwätzigen und unverschämten Liebhabern: die schreien und wiehern als esel in dem meien 5, 300; von den Beginen: der tiefet wird si pinen 29, 148; bei seiner Verteidigung der abso- luten Willensfreiheit: wer anders redt, der glicht sich einem äffen 27, 91 u. a. Das die Momente, welche Hugo's Naturell und Temperament bestimmen helfen. Suchen wir nun nach seinen Fähigkeiten und seiner Bildung, soweit sein Leben und seine Dichlww^'fcw K.v\ia\\Ä- WackeroeJiy Montfort. ^ Lxxxn punkte dafür bieten» In den Vordergrund tritt sein offener Sinn f&r die Dinge und Vorgänge der realen Aussenwelt, sein Streben nach Welt- und Menschenkenntnis, dem er sich schon von froher Jugend auf mit dem vollen Bewusstsein, darin ein reiches Bildungs- mittel des Geistes zu finden, hingab. In den spätem Jahren ver- sichert er dann wiederholt und mit sichtbarer Befriedigung, dass seine Bemühungen Erfolg hatten: ich hdn die weit gesehen wol und nicht durch einen acJUiemen 27, 113; ich hdn die weit ge^ wandelt vil und hdn ai gar wol gesehen 29, 21 (vgl. auch 27, 181); ich hdn gross wunn und fr öd gesehen von mannen und von wiben 33, 57 ; ja so eingehend hat er die Welt zum Objeote seiner Beobachtung gemacht, dass er sagen kann: hdn ich da icht vergessen^ so bekenn ichs doch : das dunkel mich ein wun- der 15, 48. Daher liebt er in seinen Gedichten besonders auch Wendungen wie die weit die hdt 18, 249; so spricht die weit 26, 19; die weit die tuot 33, 1; die menscheit kan manchen 27, 192 etc. — oder gibt Erfahrungssätze als Lebensnormen: hue^ tent üch vor gehlem zom, (denn) mit gueti endt man vil 26, 53 ; davon schetz ich einn steten muot ein gruntfest wol der ere^ wann wer den hdt eta 18, 221; ie klueger sinn ein man doch hdt etc. lö, 145—152; die Lebensregeln in Nr. 14*) wie die didaktischen Gedichte an seine Frauen zeigen manchen tüchtigen Erfahrungssatz, 5, 175 und die ff. Verse seinen Blick in politische Situationen. Wenn wir dann noch seine politische Tätigkeit ins Auge fassen und ihn in successiver Reihenfolge als »capitano ge- nerale' in Italien, als Landvogt in Schwaben, an der Spitze des gesammten herzoglichen Verwaltungswesens in den Vorlanden, end- lich an der Spitze der Landesregierung Steiermarks erblicken, so dürfen wir wohl schliessen, dass wir einen Mann von bedeuten- dem Fähigkeiten vor uns haben, der auch das besass, was damals nicht weniger als heute eine Hauptforderung an einen tüchtigen Träger solcher Vertrauensämter ist: Welt- und Menschenkenntnis, wie er sie eben für sich in Anspruch nimmt. Hervorragende Weltkenntnis aber im obigen Sinne hat neben der Beobachtung selbstverständlich auch eigenes Nachdenken, tiefere Reflexionsfahigkeit zur Voraussetzung, und Hugo betont gerade diese Seite noch besonders: ich hdn die weit gemessen^ oh ich es ^) Vgl auch Weinholds Urteil darüber a. a. 0. 145. LXXXIII hän beaunnen etc 15» 46; ich hän nach aachen (naoh dem moralischen Weltlaaf) vil gedacht 24j 93. Aach dafür liefert sein Leben einige bestätigende Aohaltspankte : es zeigt uns in Hngo eine tiefer angelegte Nator^), einen Menschen, der tiefere Blicke in das Leben und in die eigene Brust getan und versucht hat, sich selbst zu erkennen und sich im Zusammenhange mit der Welt za begreifen. Jene lebhafte Frömmigkeit seiner reifem Jahre ist ihm nicht auf dem mühelosen Wege überlieferter Gewohnheit auf- geblüht, sondern aus strenger Selbstprüfung und aus innem Kämpfen : sie war kerne äusserliche und angelernte, sondern eine überzeugte Frömmigkeit 2), wie schon Weinhold hervorgehoben hat Wir werden dann gleich unten sehen, wie er auch über subtilere Fragen der duristlichen Lehre nachdachte, dieselben einheitlich zu erfassen sachte und gegen Andersgläubige Stellung nahm. Philosophische Speculationen konunen dabei freilich nicht heraus; allein es fallt bei seiner Charakteristik schon ms Gre wicht, dass er, der reiche Graf, der weltliche Herr des 14. Jahrhunderts, sich überhaupt mit solch höhern Fragen beschäftigte. Die anderweitigen Anhaltspunkte für seine Fähigkeiten und Bildung sind spärlich, lieber seine Kenntnis weltlicher Dichtungen, d^ Bibel und lateinischen Sprache haben wir schon p. 11 und 12 gesprochen; über seine Stein- und Wappenkunde vgl. Wein- hold .p. 148. In Nr. 30 erwähnt er mit grosser Teilnahme der Astronomie; er ist dieser Kunst zwar selbst nicht mächtig, kennt aber genau ihre Aufgaben. Angesehen werden seine Rechtskennt- nisse gewesen sein, was vom Vorsitzenden eines Landesgerichts zu erwarten ist, und die vielen Fälle andeuten, in denen man ausser- dem um seinen Schiedsspruch einkam. Hervorzuheben ist dann noch sein längerer Discurs über die loica in Nr. 31. £r spricht da über die formale Logik, wie wir heute sagen würden, welche je nach ihrer Anwendung gebraucht werden kann ze hilf dem rechten gentzlich ebenso wie zur Fälschung des Rechts. Daraus wird man wenigstens auf eine teilweise Vertrautheit mit derselben schliessen dürfen, obgleich ihre praktische Verwertung in seinen Gedichten nicht bedeutend ist. Zwar beweist Hugo oft und viel, aber nicht durch logische Schlussreihen, sondern meist durch Sätze 1) Siehe Weinhold 142. ') Wie anders z. B. LichtensteiD ; Tgl. Koorr (Qaell. u. Forsch. IX) 36 ff. Lxxxnr seiner Welt- und Lebenserfalirung, denen er die Bernfangen auf die iatori^ auf die buoch^ die geschrihen sind vor mengen Aun- dert jaren^ an die Seite setzt. Das bleibt ein unterscheidendes Merkmal Hugo's von den s. g. gelehrten Dichtern seiner Zeit : diese übersetzen und schöpfen aus Büchern, Hugo aber vorzüglich aus dem Leben, obwohl auch er in Studium gestanden und gar guoU buoch gelesen (29, 90), also in seiner Jugend mutmasslich eine gelehrte Bildung empfangen hat (vgl. p. 11). Besonders und ausführlicher untersuchen müssen wir endlich seine Fähigkeiten und Kenntnisse als Dichter. Grehen wir dabei wieder aus von seinem Verhältnisse zur realen Aussen weit, zur Natur, und sehen, wie er es veVsteht, diese zum Gegenstande seiner Phantasie zu machen: wie er Vorstellungen und Anschauungen zu sinnlichen Bildern verbindet, deren der Dichter nimmer entraten kann. Hier zeigt Hugo nicht geringe Begabung: mit Geschick werden oft abstracte Dinge und Vorgänge verbildlicht, so setzt er z. B. statt des abstracten „der wird es bei seinem Tode erfahren* lieber gleich den bildlichen Vorgang des Begräbnisses: der wirt wol gewar^ so man in treit^ gar Tcleglich in die erden leit 5, 341; statt «sie (die Frauen) haben die grössten Helden bezwun- gen*: si hand bezwungen der türsten lib^ die swert in dhand ie hdnd genomen 18, 156; statt „vertraue niemanden*: nieman offen dines hertzen grund 3, 64. — Die Wirkung der Hoffnung und des Zweifels versinnlicht er: über aller leide back ist recht hoffnung ein steg^ zwifel ist ein imgemach und ein böser weg 38, 121; seine beginnende Liebesneigung: si (das selig wih) schozz mit füres flammen in mines hertzen Musen 2, 20; seine Liebessehnsucht : gen Senenberg behusen ward ich do ze stunden trArig gentzlich funden und in grossen sorgen da 2, 22; den Geiz der Gardinäle : grosse hoptprelaten die blasent iren dten zuo der sach durch gitikeit 5, 211. Wie er den Verlust der Gnade Gottes und die Mittel, sie wieder zu gewinnen, verbildlicht, zeigt Str. l und 2 von Nr. 13. — Das menschliche Leben ist ihm der Tag, der Tod die finstere Nacht, das ewige Leben die Herberte 10, 6, 10, 11. Er ist reich an Metaphern, Metonymien, Synek- dochen, Personificationen, von denen ich nur noch eine kleine Aus- wahl zur Charakteristik hiehersetzen kann : dinr claren ogen nimm ich war 9 die bschliessent eren porten 23, 15; din hertz das fyme^ mit recht ein hrön mit saphim von Orient 23, 2 1 ; dine LXXXV wart soU du muren 14, 26; wan si aehmt wol und we und jamer in der Sünden se 4, 187; hilf^ das mich der seiden tag in dinen gnaden hescMn 5, 378; ah ist der fr öden anger 15, 59; wir söllintz (die Liebe) graben mit trüwen in die hertzen 18, 57; urir wonent uff einer wilden heid 27, 107 und ir varent uff eim wilden se davomen uff der erden 28, 219; schlaff ich in sündf o heiss mich wider wachen 28, 708; 38, 180; also wirst du in torheit gra und puwst ein irre Strassen 31, 35; wib^ prinnende vakel in mannes gemuete 38, 65; wib schiiessent uff muot uss hertzen f orten 38, 100 ; o sechszig jdr sind swer uff minem ruggen 38, 141. — tuost du din zungen lenken durch mtnen willen wider recht 5, 286 ; wer mit rechter stim . . für in (den Pabst) hem 5, 19. — ich fröw mich gen des dbentz kunft der nachtj wenn si her sUchen tuot 8, 1, ähnlich 10, 10; der m£i mit fr Öden da erschein, mitt aUer sinr gezier 28, 7, ähnlich 16, 7; 2/ gitikeit^ du bitter hört! du stiftest mein^ du stifftest mort und hast vil böser artikel 4,7; frow Er die muosz dich überkrönen I, 41, ähnlich 1, 81; 37, 27. Andere Personificationen und Allegorien sind fro Welt 29, 1 ff.; fro Dichtlundei und Womkelmuot 18, 218; her Git 24, 73; Trüw 9, 24; Untrüw 7, 10; Wille 9, 26; Wunne 9, 30; Harre 9, 35 etc. Auch die Vergleiche fliessen vorzüglich aus dieser Quelle sinnlicher Wahrnehmung: so singt der goch mit der nachtgall in dem meien, also ücht ich och 15, 165; so sitzt der herr gar unversmogen angesichts aller weit gliche als uf eim regenbogen 83, 125 und 4, 159; min wer doch schier vergessen, als man tuot des meien gras 33, 18; die weit ist ein glesin hus^ der gla/ntz ist bald zerbrochen, das man muoss gan* schneU darus und in der erden sochen 33, 53; das wurd in sinen sinnen cldr^ recht als die sunn kmU mit schönem liechtem morgen 80, 75 und andere. — Desgleichen gehen seine Epitheta mit Vorliebe auf die Sinnlichkeit: der helle tag 1, 35 ; die vinster nacht 10, 10; gebluemte wehe wort 31, 5; die zarten münd^ die roten 25, 4; die röselochten wcmgen 25, 8; starkher gott 4, 87; 18, 173; Öd red 25, 114; des bittem mer 13. 1; herten sturmes winden 13, 6 ; wilden heid 27, 107 wilden se 28, 219 u. a. — Mit be- sonderer Vorliebe werden die körperlichen und geistigen Vorzüge der Frauen illustriert: ir Haar ist feiner als Seide ^5, 19; ist gel für bluomen schin 16, 41; unter der Stirn so hat geben der element LXXXVI des liiff^ gemacht mit cldrem guft^ iwei ogm wol geschikhet 5, 24, es sind die claren ogen 21, 9; 23, 15; 16, 37, welche mit acharpfen liehen blikken 16, 38 Tieiss machen 5, 34 und ainn und mvot in rechter lieh entzünden ?, 12; ir wengli ist wies nach berlen a^rt 5, 35 ; ir mündli, lieplich entsprungen, leuchtet in rechter ruhins röti 5, 40, es ist der zarte mund^ rot^ roaenvwr 23,13, ist r6t für hluomen schin 16, 33 und hrehet ah das abent rSt 21, 6; aus ihm glänzen die zenli lieh, wiaz recht ah ein helfenhein 5, 42; 21, 11, erklingt die süsse Stimme schöner als vogehang 16, 55. Das angesicht der Geliebten ist des Dichters aunnen schtn 2, 11; sie ist sein maienhluet 35, 27, sein ros, sein blue^ jender hag 1, 25; 18, 188. — Dass Hugo auch för andere Schön- heiten der Frauen noch lebendige Bilder wusste, beweisen Nr. 3, 21 und 23. Am meisten charakteristisch aber ist Nr. 16, wo — wie schon Uhland hervorgehoben hat — , seine Geliebte, leiblich und geistig, ein Inbegriff wird von Blumen aller Farben**). Und so konnte der Dichter selbst mit Recht behaupten, er habe van rasen und van hluomen die farwen gen frawen gemessen 31, 9. Die bisher angeführten Vergleiche und bildlichen Ausdrücke sind meist wohlgelungen und zieren seine Dichtungen ; daneben er- scheinen aber auch einige andere, welche dieselben veranstalten: in schmdcht der minne Zunder 15, 67 ; (ich) varen uff der frö^ den wagen 17, 28; du schlechst mit seiden ruoten 21 y 71; mich stach der unmuat dam 27, 131; hilf miner sei uss böser Sünde ruasse 32, 156; Vemis hebt die lieb mit sfarkchen zangen 38, 28; min frow hdt . . . mich angezundt mit minne zünden 38, 29; almechtig gott^ hilf mir uff seiden pruggen 38, 144; das sind sihen stükchy der tades sünde schauere 38, 116; tr schlahent hri für gebratens dar 29, 49 und andere. Auch diese Tropen und Vergleiche ruhen auf sinnlichen Vorstellungen, tragen aber den Stempel der Mache, sind carikierend, derb, ohne Ange- messenheit und Würde : Hugo zeigt sich hier eben von einer dich- terischen Modetorheit seiner Tage angesteckt, welche den Stil dieser Epigonenzeit charakterisiert. So singt Müglein (Lieder und Fa- beln ed. Müller) : 2, 9 das ich si (die Geliebte) vor allem w(be Swig an mtns hertzen want mit der trüwe pinsel schrfbe 3, 12; 1) In den Abhandlangen über hoch- nnd niederdeutsche Volkslieder, ges. Sehr. III, 436. LXXXVII 80 binde ich an mtns hertzen aat dina trdstes mast und fwre mit freuden winde. Saohenwirt: 3, 33 den edlen fiiraten . . . den nie vereert der schänden dorn; vom EUerbaoh singt er 10, 24, dass er alle eeine tag gefürttet hat der eren grünt recht als ein willig jagunt hunt^ der rechter vert nicht abgeetat; 41, 742 den nie beruert der Sünden schimel; 21, 154 wenn sy der schänden phlaster pinden auf der erenpein, Hätzlerin: J» 103, 39 ich bin gesetzt uff traurens rick. Mnscatblut (Hätzl. I, 127, 87): dein lieb durch raisz mein hertz so haisz^ der mynne schwaisz dringt durch meine hertzen garten; von der Mutter Gottes sagt derselbe Dichter (Hätzl. I, 129, 31): in goües hag bist du der gnaden Stengel. Oswald v. W. : 73, 2,6 in meines hertzen teich; 46, 2, 23 ich pßig tegltch steter mynne rtmst; 54, 2, 4 dein Mld in schänden latz; 70, 19 aus unge- JücJees masche, Sachsenheim, Moerin344: und speck nit under spenen henst n. a» Diese Distellese aus den Gredichten von bessern Zeitgenossen Hago*8 habe ich nicht angef&hrt, um ihn zu rechtfertigen, sondern nur, um ihn zu erklären. Man wird finden, dass die verzeichneten Beispiele jene Hugo*s an Geschmacklosigkeit noch um ein gutes Teil übertreffen. Besonders wird hier auch der jüngere Titurel, den Hugo unterweilen nachahmte, von üblem Einflüsse auf ihn gewesen sein, denn da wimmelts von solchen Platitüden^). G^hen wir über auf Hugo*s Naturgefahl im engern Sinne. Auch hier können wir ihn nur im Vergleiche mit seinen Vor- gängern und Zeitgenossen würdigen. »Die lyrischen Dichter des dreizehnten Jahrhunderts, zumal wenn sie die Minne besingen, reden oft genug von dem milden Mai, dem Gesang der Nachtigal etc.: aber immer nur in Beziehung der Gefühle, die sich darin abspie- geln sollen*^). Die Zustände des liebenden Herzens werden mit dem Leben der Natur in Beziehung gesetzt und zwar auf zweifache Art: die Stimmung des Gemütes steht im Einklänge mit der Farbe der Jahreszeit: der farbenreiche Sommer ist die Zeit der Freude, der düstre Winter die der Schwermut — oder aber (und das ist schon reflectiver und individueller) im Gontraste: draussen die Trauer des öden Winters, im Herzen Freude oder umgekehrt. Im 1) y^. amsh Weinhold 151. *) 8o sagt Wilhelm Qrlmm in Humboldt's Kosmos (Ausg. t. L874\ 11^ Z^. LXXXVIII 13. Jahrhundert waren diese Traditionen allgemein^). Aber auch in die folgenden Jahrhunderte hinein pflanzten siö sich fort, und wenn der Wildonier die letztere Art nicht mehr recht zu treffen weiss (Kummer's Ausg. p. 85), so kommt das nur auf Rechnung der Persönlichkeit; denn seinem Zeitgenossen Lichtenstein z. B. gelang sie im Frauendienste noch ganz gut (vgl. ühland, Sehr. V, .127), und dem Hadloub (ed. Ettmüller Nr. 23, 25, 27, 28, 29, 31 u. d. ff.) macht der Mai mit seiner Wonne das Minneleid nur um so empfindlicher, bringt der Winter doppeltes Leid, während dem Dürner (Bartsch LD^. 90) der kalte Winter, welcher Vögel und Blumen kränkt, nichts anhat, denn die Geliebte, deren Wan- gen rote Rosen auf weissem Schnee tragen, ist sein blühender Mai. Auch Müglein arbeitet in seinen Fabeln und Minneliedera ganz nach altem Schnitt (ed. Müller p. 22, 27 u. a.), und bei Hugo vernehmen wir gleichfalls die Nachklänge dieser alten Weisen : Verse wie 1, 25 frow^ du bist min hluej ender hag^ entsprossen in mim hertzm^ oder 38, 93 mins hertzen frow die han mir unmuot stören für vogelsankch und meien Um und andere sind aus dem- selben Vergleiche des freudigen Herzens mit der freudigen Natur hervorgegangen wie Nr. 16, wo ihn der Anblick der Maiennatur mit Freude erfüllt, aber noch mehr der Anblick der Frauen und besonders der einen, die er meint (41 f.). Ebenso ist der Contrast bei ihm noch rein gezeichnet. Nr. 19 dichtet er in Schnee und Wind, bei grosser Kälte; aber das hertz das tet sieh hitzen von gedenken, die ich nach ir Jiett, ich wand, ich wer im meien; der sehne was mir ein suesser mett, ich acht nicht windes weim* Aehnlich singt Oswald 1, 5, 15 : kelt, regen, snee tet nie s6 wee, mit frostes eyl ich hrunne^ wann mich hitzt die lieh sunne (die Geliebte); vgl. bei ihm auch 33, 1; 34, 2; 84,1,2,3 u. a. Wir sahen also, wie sich eine Ausdrucksweise des Naturgefühls, allerdings eine sehr nahe liegende, bis auf die letzten ritterlichen Sänger des Mittelalters fortpflanzte ; hier tiberlasse ich andern den Faden. Aber auf einer andern Seite hat das 14. und 15. Jahr- hundert einen Fortschritt aufzuweisen: es entwickeln sich nämlich die deutlichen Anfänge von Naturschilderung, welche unabhängig von anderweitigen in sie hineingetragenen Gefühlen den Eindruck *) Vgl. Erich Schmidt, Eeinmar von Hagenau (Quell, und Forsch. IV) 92 ; Bartsch, Lied. Dicht.«, Einl. p. 11, und Strauch, Mamer (Q. F. XIV) 41. LXXXIX der Landschaft selbst auf das Gemüt beabsichtigt und nur ausser- lieh noch die Form der Einkleidung eines Gedichtes mit anderm Inhalte annimmt. Anknüpfungspunkte an die ältere Poesie und schon an den ältesten Minnesang fanden sich auch hier. Walther z. B. beginnt L. 94, 11 mit dö der sumer komen was und die hluomen dur daz gras wihnnecUchen Sprüngen^ aldd die vögele sungeriy dar kom ich gegangen an einen anger langen etc. — 2ö. Diese 10 Verse enthalten Naturschilderung ^) als Einleitung zum Gedichte. In einem Jüngern Producte (Hätzlerin II, 27) findet sich eine ähnliche Einleitung, ja V. 1 — 4 sind wörtlich wiederholt; die ganze Naturschilderung aber ist weiter ausgeführt und umfasst 36 V. statt der 10 bei Walther: wohl weil die Neigung zu sol- chea NaturschilderuDgen zugenommen hat? Entsprach sie doch auch dem Gesammtcharakter der Poesie dieser Zeit, welche in die untern Volksschichten hinabzog, denen die Natur näher liegt als Buch und Idee. So werden im 14. und 15. Jahrhundert diese Natursohil- derungeu stets gebräuchlicher und umfangreicher; vgl. z. B. Suchen- wirt 25, 1—34; 46, 16—51. Hätzlerin II, 47, 1—26; II, 20, 1—38; 11, 6, 1—45; I, 28, 7—63, auch grössere Erzählungen: Sachsenheim, Moerin 5 — 22; Spiegel 29—79, u. a. bei Wacker- nagel LG.2 374, wobei aber immer noch wechselnde Züge indi- vidueller Anschauung hervortreten. Sie pflanzen sich durch die Meistersänger fort, bis sich aus ihnen die spätere Idyllendichtung entwickelt, wie schon Gervinus gezeigt hat. Auch Hugo hat 28, 1 — 50 einen Beleg solcher Schilderung. Sie überschreitet bei ihm wie bei andern gleichzeitigen Dichtern weit die Grenzen einer gewöhnlichen Einleitung und steht mit dem eigentlichen Gedichte in keinem Innern Zusammenhang, dient auch nicht zur Folie oder Anknüpfung anderweitiger Gefühle, wie wir das in der vorerwähnten Gattung zu constatieren hatten: trennt man sie von dem Gedichte ab, mit dem sie V. 49 nur ganz äosserlich verbindet, so hat man eine reine Naturschilderung, welche um ihrer selbstwillen da ist und nur die Freude des Dichters an der Landschaft dartut, die einige auch ausdrücklich betonen: Su- chenw. 25, 29 die lust mir durich mein hertze brach; Hätzl. I, 28, 57 darvon mein hertz ward fröden satt u. a. ^) Es ist dabei ganz nebensächlich, ob er gerade damals ein bestimmtes Natnrbild copierte oder tVL Terschiednen Malen erhaltene Natureindrücke com- ponierte. xc Endlich haben wir noch einen andern Ausdruck des Natur- gefühls zu beobachten, der in dieser Art gleichfalls erst seit^ dem 14. Jahrhundert hervortritt: die Farbensymbolik^). Hugo deutet Grün, Gelb (und Schwarz \ Blau und Grau; dabei gibt er uns einige merkwürdige Anhaltspunkte, diese Farbendeutung aus der objectiven Naturbetrachtung herzuleiten. Am sichtbarsten ist der Hergang bei ^xü n. Der Frühling ist der Spender neuen Lebens und "Wachstums und Giün, womit er Berg und Tal über- zieht, seine charakteristische Farbe. Es ist nun ein einfacher, täg- licher Gedankenvorgang, das auf das Hauptmerkmal zu übertragen, was vom ganzen gilt, und so symbolisiert Grün dasselbe wie der ganze Frühling: Grün = der grüne Frühling = das Sinnbild vom Anfang neuen Lebens und "Wachstums Den Beweis für die Rich- tigkeit dieser Herleitung gibt ein Gedicht von der Grönen varbe (Hätzl. n, 20): grön macht die weit fräden vol: so uns nascht die Summer zeitig so sieht man veld und anger weitt mit grön schon über zogen . . . grön ist ain frölich anfangk . . das mercJct an des Mayen kunsL Aehnlich sagt Hugo 16, 5: vil sa^h die vacht mit gruenem an^ damit die weit sich neren tuot^ der mei (erg. kommt) mit fröden uff den pldn^ davon so habent hohen mnot Wird Grün auf ein bestimmtes Verhältnis bezogen, so be- deutet es immer dasselbe, also z. B. auf die Minne, junge Minne: grön ist der mynn ain anfangk (Hätzl. H, 19, 9). Daför bietet Hugo kein Beispiel, wohl aber eines, wo es auf die Gesundheit (Frische, Lebhaftigkeit) der Geliebten bezogen ist (16, 43): gruen ist si gsund und ital vin = sie ist gesund wie das Grüne = wie der grüne Frühling. Auf demselben Wege, den wir bei Grün verfolgen konnten, wird auch die Deutung der andern Farben zu erklären sein. Gelb und Scliwarz sind das Sinnbild des Absterbens und Todes, bedeuten also gerade das entgegengesetzte von Grün, was von selbst darauf führt, dass ihnen auch das entgegengesetzte Natnr- bild, das des Herbstes, unterliegt, wo die absterbende Erde die heitern Farben des Frühlings und Sommers in fahles Gelb und welkes Schwarz verkehrt. Jede einzelne Pflanze zeigt an sich selbst ') Ueber die aUmilhliche £ntwicklang and Ansbreitnng der FAibensym- bolik Tgl. Wackernagel (Farben- und Blumenspraohe des Mittelalters) kl. Sehr. J, 143 ff., and Uhland, ges. Sehr. III, 430 ff. XCI die Wandlung der ganzen Natur. Wieder wird dann das charak* teristische Merkmal des Herbstes für diesen selbst gesetzt. Hugo bietet in Nr. 5« wo er vom Leben und Absterben seiner Liebe spricht, einen interessanten Beleg: wtis trugnüas in der weite waSy daz glich ich zeinem gruenen gras : der anevang ist hübsch und t4n (Frühling), hcdd« so kumpt snell darin (im Herbst) ein swartze varw und gel^ daz ist der tod so snel (55)^). Blau ist das Sinnbild der Stätigkeit Als Urtypus des Blauen gilt seit uralter Zeit die Himmelsbläue. Mit dem Worte Himmel ist durch festgeknüpfte Ideenassodation der Begriff des Blau ver* bunden, denn das ist seine charakteristische Farbe, obgleich er ge* legentlich auch anders gef&rbt sein kann; daher himmelblau, blau wie der Himmel etc. von Alters her bis auf unsere Zeit stehende Ver- gleiche sind. Könnte nun nicht wieder die Farbe die Trägerin der symbolischen Bedeutung des Himmels sein, der sich als das ewig feste und stäte, als das am meisten gepriesene Zeichen göttlicher Allmacht über die vielbeklagte Wandelbarkeit der Erde wölbt? Das hiehergehörige Beispiel Hugo's ist 28, 24 : die blawen varwe sehet z ich für die besten : stet wa gerechten dingen doM sol man beliben. Stätigkeit in der Liebe nennt man Treue; auch dafür hat Hugo einen Beleg: bla etat in irem (der Geliebten) hertzen 16, 42. Braun ist das Sinnbild des Schweigens und steht mit Schwarz im Zusammenhange, ja kann geradezu für Schwarz stehen (Wacker- nagel a. a. 0 165). Der Zusammenhang aber zwischen Schwei- gen, Absterben und Tod ist ohne weiteres evident. Hugo's Bei- spiel lautet: die brune varw betütet nu ein ewigen 28, 28. Ich habe die Herleitung dieser Art Farbensymbolik 2) versucht, weil es bisher über vereinzelte Andeutungen hinaus nicht gesche- hen ist Dass dabei auch Blau (= Stätigkeit, Treue) seine Er- klärung findet, was bei Wackernagel nicht der Fall war, kann ihr gleichfalls zur Stütze dienen. Das aber wird jedenfalls sicher ^) Wenn er fortfährt oder ab fr trugnütt und wanketmtwt, das oeh die liebt zertrennen tuoU bo ist dies dasselbe und nur wieder auf ein bestimmtes (das MiDoe-jYerhältms bezogen mit einer Metonymie, indem statt (Minne-)Tod die Faetoren angeführt werden, welche denselben herbeiführen. *) Anderer nnd älterer Herleitnng sind die Bedeutangen Gelb =: Neid, Rot :=s Liebe etc., Tom menschlichen Antlitz genommen, wie das Wackernajrel in der «ngezogenen Schrift dargetan hat. XCII sein, dass diese Symbolik, wie sie auch Hugo gebrauchte, von objec- tiver Naturbetrachtung ausgieng : Anschauung und Vorstellung flös- sen zusammen , , man 1 a s die Farben, wie sie in der Natur gegeben waren, und deutete sie^. Damit ist auch der Standpunkt Hugo*s in dieser Frage charakterisiert gegenüber vielen andern Zeitgenossen und Nachfolgern, welche sich des Zusammenhangs der Farben mit der Natur nicht mehr bewusst waren, sie abstract nahmen, ganz subjectiv deuteten, auf Kleidungen, Blumen und andere Gegen- stände übertrugen. Der Minner z. B., der gelbes Kleid anhatte, be- kannte damit, das ihm ain minickUches wih ir zarten minick" lichen lib git für aigen; Schwarz bedeutete Zorn etc.^). Da ist von einem Zusammenhange mit dem Naturgefühle selbstverständ- lich keine Rede mehr. Diese Sinnlichkeit und Bildlichkeit in Hugo*s Darstellung macht den vorzüglichsten Schmuck seiner Poesie aus und gibt Zeugnis von seinem offenen Sinn für die Natur, von der Treue und Innig- keit, womit er ihr Leben beobachtete und erfasste. Und in diesem Sinne konnte Gervinus sagen: »der Duft der frischen, freien Natur ^) J. y. Zingerle hat (Germania YIII, 497—505) Beispiele fär diese Farbendeutungen gesammelt, auf die man häufig Terweist. Bei Braun und Grau bemerkt er : ^für die Bedeutung von Braun konnte ich nur eine Stelle finden, ebenso bei Grau^ (bei letzterm hat auch Lexer Wb. I, 1064 die Bedeu- tung in der Farbensymbolik nicht angegeben). Ich trage daher einige Belege nach, bei denen die Bedeutung entweder direct ausgesprochen oder leicht zu erschliessen ist. Braun ^ Schwarz (= Untreue, Trennung, Tod) : Ambr. LB. 58, 58 von dir mtis ich mich seheiden, zart edeh frewelein . . in hraun wil ich mich kleiden ; Hätzl. I, 104, 33 wolhin^ urlauJ> ist mir beraittf wie elain iehs hän begeri, wcmn er sieh hat in praun geelaidt und mir mein pot ver- ehert; Ambr. LB. 39,21 gros ist mein klag, aeh gott, wie weh thut schei- den . . . sehwartz braun will ich mich kleiden; Tgl. dazu noch Frankfurter Archiv III, 288 und Uhland, ges. Sehr. III, 527. Braun (= Verschwiegen): Lassb. LS. III, 251, 22 an der (Frau) ich prun erekante . . 52 ich sag dir minen namen her : ich haisz verswigen yemer mer , da von trag ich prune eldid; Cod. gcrm. Mon, Fol. 153b: so wil ich tragen praun: praun wedeut versehwigen (ühl. 628). — G r a u = Schwarz : Ambr. LB. 57, 37 grawe färb bringt mir pein mit seufzen und mit klagen etc.; Hätzl. I, 119 zwuo junokfrawen kamen zescrnimen, aine truog rott an und was fröUeh €t^ • • die ander truog graw an und wand traurielieh ir hend ete,; Hadamar (ed. Stejskal) 231, 4 $ö trage ieh wol in grdwe wize strifen ; 529, 5 jd grd trag ich mit leide ; vgl. dazu Stejskals Anm. zu 234, 4. Grau und Braun wieder im Frankf. Arch. ; Tgl. noch Uhland 433 und die betreff. Anm. in Wackemagels LG*, 374, 90, ferner Stark, Germ. IX, 437, und Weinhold, deuUohe Frauen 438. xcm liegt über Eago*s Dichtnngen ausgebreitet^ (11', 429). In seiner Anfirichtigkeit bat Hngo selbst einen Ausspruch getan, welcher auch äusserlich sein schönes Verhältnis zur Natur beleuchtet: 80 hän ich vil geüeht in weiden und in owen und darzuo ge^ ritten 31, 147, wobei an die häufigen Her- und Hinreisen zwi- schen seinen westlichen und östlichen Herrschaften zu denken sein wird. Es gewinnt für ihn, wenn wir uns den Grafen vergegen- wärtigen, wie er an den Ufern der Drau, über den Brenner, den Arlberg durch jene schöne grossartige Natur, die seinen Geist be- lebt und kräftigt, einsam seinem Gefolge voranreitet, seinen Ge- fühlen freien Lauf schafft und in Lieder gestaltet, was ihm das Herz bewegt. ^ Wie versteht es Hugo nun, seine Gredanken und Bilder zu beherrschen und zu ordnen? Hier lautet das Urteil weniger günstig, als man nach dem vorausgegangenen vielleicht erwartet hätte. Zwar war es zu streng geurteilt, wenn man behauptete, dass ihm eine Ordnung und Gliederung seiner Gedanken j, ganz unbekannt * gewesen sei. Um das Gegenteil nachzuweisen, wähle ich Nr. 5 und zwar deswegen, weil es eines seiner längsten Gedichte ist, die Gompo- sition also verhältnismässig schwieriger war als bei den übrigen, und dann, weil er hier einige Andeutungen fallen lässt, welche unver- kennbar auf eine berechnete Composition schliessen lassen. Vers 18 hiemit hept eich du red an teilt das vorausgegangene als Ein- leitung von dem folgenden, der eigentlichen Rede, ab. Dem entsprechend hat das Gedicht auch den eigenen geplanten Schi US s von 361 — 384, der auch äusserlich durch einen Absatz gekennzeichnet ist; 3S5 — 388 bilden ein berichtigendes und er- klärendes Nachwort, das Hugo's Wahrheitsliebe dem Leser nicht vorenthalten konnte. In der eigentlichen Rede (19 — 360) beab- sichtigt der Dichter zweierlei : J) Nachricht zu geben von sich und seinem bisherigen Leben, II) von dem gegenwärtigen Zustand in 1. Kirche, 2. Staat und 3. Gesellschaft. I zerlegt sich wieder in zwei Teile: 1. Minneleben (bis V. 51), 2. die Zeit seiner Umkehr zu Gott und was darauf folgte (bis V. 68). Das Auftreten Parci- vals leitet zu H über, doch behält der Dichter zunächst noch die Ergänzung von I im Auge: spricht von seiner Körperkraft 93 f., von seinem Glauben 105 fi^, von seiner ersten Ausfahrt, die Welt zu sehen 135 S. — Mit Parcivals Aufforderung: gib mir der ersten frdg (über den Weltstand) ein end 174 ist H an I ange- xcrv knüpft, beginnt die Schilderung des Weltstandes. Dabei ist ed ihm nicht gleichgültig, in welcher Ordnung er die Stände behan- delt, wie Vers 184 deutlich zeigt: nu heb ich mit dem höchsten an. Demgemäss spricht er zuerst von dem Pabst (resp. den Päb- sten) und seinen hopfprelaten^ dann vom Könige, den Fürsten and ihren Räten (229 ff.), von den Priestern (269 ff.) und (277 ff.) von den Herren. Der zweite Abschnitt dieses zweiten Teilea, den er wieder durch einen Absatz kenntlich gemacht, kehrt die gesellschaftlichen Verhältnisse im besondern hervor; auch die hilrger und gebüren werden angeführt und ein Bild sittlicher Verdorbenheit entworfen, dem er jedoch einen beruhigendem Abschluss gibt durch die Ver- sicherung: man vint noch mangen hiderma/n^ priester twd och Uten wolgeta/n . ., und noch meng wipUch wib^ die in eren haltet Iren Hb 349 ff. Man sieht: das ganze ist überlegt und geordnet, wenngleich nach ziemlich äusserlichen Gresichtspunkten. Dasselbe lässt sich mehr oder weniger in den meisten Gedichten nachweisen. Am zweifelhaftesten ist die Gomposition in Nr. 27, 28, 30 — 33, am besten in den kurzen Jugendlirdern. In Nr. 25 ist sie wieder durch Abschnitte, in Nr. 10, 29 und andern durch die wechselnden Reden und Gegen- reden sichtbar gemacht. In dieser Hinsicht also ist unser Dichter besser als das bisherige Urteil über ihn. Aber wenn wir über die Anlage des ganzen hinaus und auf das einzelne seiner Darstellung gehen, zeigt sich nur zu oft, dass er den Gedanken, die auf ihn eindringen, zu wenig logische Kritik entgegensetzt. VT'enn ihn z. B. 5, 104 Parcival um den Glauben fragt, was gerechtfertigt ist, antwortet er : ich hdn ie cristan globen. Statt aber dann seinem Plane gemäss weiter zu fahren, erweckt das Wort crist eine ganz fremde Ideenreihe, welche er bis 124 abspinnt, wo er endlich mit einer neuen Frage Parcivals (125 — 131) wieder in den richtigen Weg einlenkt. So zeigt sich Hugo von augenblicklichen Einge- bungen und zufälligen Einflüssen bestimmbar, welche den geord- neten Gang der Darstellung fortwährend unterbrechen, Ungleichheit, Verworrenheit und unmässige Breite in seine Rede bringen. Bei ihm gilt in noch weiterem Umfange, was Karajan vom Teich- ner sagt: „aus manchen seiner Gedichte Hesse sich durch blosse Kürzung ein ungleich besseres machen* (Denkschr. VI, 150). Aber noch viel schlimmere Dinge kommen von dieser Kritiklosig- keit. 14, 31 z. B. ermahnt der Vater seinen Sohn zur Massig- xcv keit im Essen und Trinken. Das ist dem jungen Herren gegen- über sehr am Platze; denn man weiss, was die alten Rittersleute in diesem Punkte zu leisten vermochten. Wenn er aber 46, 46—48 dieselbe Ermahnung seiner schönen, zarten, tugendhaften de- mentia zu Teil werden lässt, so erlaube ich mir, das für eine kleine Albernheit zu halten^), die ihm deswegen passiert ist, weil die verwandte Situation in beiden Gedichten ihm denselben Ge- danken zuführte, dem keine prüfende Kritik gegenüber stand. Daher kommen auch die vielen Wiederholungen ganzer Zeilen und Strophen in seinen spätem Gedichten: vgl. 4, 159 und 149 fP. mit 33, 125 und 134; 5, 107 mit 32, 89; 15, 43 mit 27, 73; 22, 9 mit 30, 85; 28, 185 mit 385; 28, 193 mit 393 u. a. Wo eine Aehnlichkeit der Situation, eine gleiche Gefühlslage vorhanden war, traten schon da gewesene und nun appercipierte Yorstellungs- massen aus dem Gedächtnisse hervor, welche eine höher gehende Phantasie oder ein ausgebildeter kritischer Geschmack durch neue poetische Gebilde verdrängt hätte. Die poetische Darstellung hatte aber noch andere Anforderun- gen, die Hugo's Kräfte und Ausbildung überstiegen : Beherrschung der Sprache, Gewalt über die rhythmischen Formen und Reime, vollständige musikalische Ausbildung^). Da liegen seine wundesten Punkte, zeigt sich recht augenfällig, wie sehr ihm die Zucht des Künstlers fehlt. Der Musik wird er entweder gar nicht oder nur m geringen Grade mächtig gewesen sein; denn er überlässt die (Komposition seiner Lieder dem getreuen Diener Bürk Mangolt zu Bregenz (31, 183) und zeigt uns hiemit schon unser modernes Verhältnis der Ton- zur Dichtkunst. Aber auch im Kampfe mit den beiden andern Anforderungen sehen wir ihn fortwährend unter- liegen. Hugo hat oft tiefe Gedanken, aber ihm fehlt die geübte und gestählte Kraft, diese Lichtgestalten von seiner Seele loszuringen and durch das spröde Material der Sprache zu plastischer Fülle und Klarheit hervorzuarbeiten; und nun sollen sie erst in die Reim- und Strophenschemen eingepasst werden! Dazu werden sie neuer- dings gedreht, verzerrt und verstümmelt, oder es werden ohne ^) Auch wenn sich einzelne Hinweise finden mögen, dass die Edeldamen hin und wieder rersnchten, den Beiispielen ihrer Ritter kräftig nachzustreben. Weinhold, deutsche Franen p. 347. *) Der Dichter hatte zam wort auch die wUe zu machen, Tgl. Wil> manns zn Wallher p. 20; Ettmüller zu Hadloub 8, 3; Wackernagel LG.* 335. XCVI weiteres fremde Gedanken, nichts sagende Flickwörter und Verse eingefügt. Er überbietet hierin Müglein, Teichner, Suchenwirt und Oswald um vieles. Kein Tadel ist herb genug gegen die unge- \ schickte und auch leichtfertige Art, mit der er oftmals Reime und Verse zusammenflickt. Daherkommen die zahlreichen verschro- benen Satzconstructionen und Anakoluthe z. B. 10, 13, 14; 4,97—101; 16, 61; 18, 75; 35,32 - die Parenthe- sen 4, 168; 5, 332; 14, 42; 15, 109, 125, 152, 159; 18, 231; 25, 138; 28, 459, 578,608, 686; 29, 62 — Tautologien 5, 30; 22, 4; 25, 33; 27, 43; 28, 71, 106, 204, 544; 29, 62; 31, 39 . . und noch viel anderes seelenloses Gerede, durch das man oft nur mit Mühe zu erblicken vermag, was er ursprünglich sagen wollte. Hier wird besonders deutlich, wie Hugo auf der äussersten Grenze der ritterlichen Kunstdichtuug steht und schon . zu jenem Geschlechte von Natursöhnen, "Wandrern, Kriegsleuten und Jägern hinüberleitet, welche geringe Kunstfertigkeit besitzen und wenig mit dem Gedanken als solchem zu tun haben: ein i schönes Bild, ein Klang zartern Gefühles, ein guter Gedanke, der ■aus all dem groben Gestein hervorblickt, muss uns oft für eine lange seichte Stelle entschädigen. Da treten eben auch die Schat- tenseiten von Hugo's äusserer Dichtungsweise hervor: er hat sich selbst als einen Stegreifdichter (vgl. Weinhold 150) charak- terisiert, der viel in Wald und Au gedichtet und darzuo geritten hat 31, 147. Wenn sich Hugo damit herausreden will, so könnte man ihm füglich entgegnen : warum hast du dann diese unfertigen Entwürfe zu Hause nicht besser ausgeführt und gefeilt, wie es guter Dichter Pflicht und Brauch ist? Warum hast du sogleich sie geheiasen achriben an (31, 29)? — Aber auch dafür weiss er einen Entschuldigungsgrund: er hatte gross sacken ze schaffen (31, 157)! Diese äussern Hindernisse wird man in Betracht ziehen müssen, wenn man über seine Fähigkeiten urteilt. So zeigen in der Tat jene Jugendlieder 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12, welche entweder bei Lebzeiten seines Vaters oder in den ersten Jahren seiner Regierung, wo der Andrang der Geschäfte noch kleiner war, entstanden sind, die besprochenen Fehler in geringerem Grade ; desgleichen sind seine Reden in Reimpaaren, also in leichterer Form (Nr. 1, 2, 4, 5, 14, 25), etwas besser als die strophischen. Gegenüber solchen Grundmängeln wollen einige gute stilistische Motive, die er seinen bessern Vorbildern nicht ungeschickt abge- xovn laasclit hat, wenig bedeuten. Um die Lebendigkeit seiner Rede zu heben, identifidert er den Leser mit sich selbst; vgl. z. B. das sonst sehr fahrlässige Gedicht Nr. 16. Im Emgang schreit er den Leser an: wol uff und waekf est an der zit, spricht dann von sich und ihm zugleich: wir hand eta und fahrt in der eigenen Person fort: min tag mir uff dem ruggen lit, des möcht ich schrien wdffen, wendet sich im folgenden ohne weitern Uebergang wieder an den Leser: sich uff etc. und spricht 184 wieder: wir muossent. Kein Rhythmus und kein Reim kann ihn zu diesem Personenwechsel veranlasst haben. Andere ähnliche Mittel sind: rhetorische Fragen z. B. 5, 76; 18, 153; 23, 29; 29, 144 — Dialoge (be- sonders gern) in Nr. 2, 10, 11, 12, 25, 28, 29, 31 — Contraste undAntithesen: 18, 158 z.B stellt er sich als toren^ welchen ein Weib bezwungen hat, den türsten gegenüber, denen es auch nicht besser ergangen ist; Nr. 25 und 29 sind ihrer ganzen Anlage nach auf den Gontrast berechnet Sehr häufig werden die Antithesen in kleinern Sätzen einander gegenüber gestellt; hett ich dinhddj ich furcht din zom 6, 5 ; tc/a mir ist lieby da ist mir leii 6, 25 ; was min nit wil, das liebet mir 9,2; als hoch hinab^ als hoch hinuff 12, 13; ir bkent mich nichts ich bkenn üch wol 16, 73; du ma^ihst mir halt, da machst mir heiss 20, 7 ; den /runden hold, den vinden gram 14, 37 ; fr Öd du hast^ truren ist verges- sen 15, 27. Damit wird auch die Neigung in Verbindung stehen, ein- &ch6 Begriffe mit zwei gegensätzlichen zu umschreiben: für stets fruo und spät 2, 62; fruo oder spät 18, 147; 24, 83; 26, 3; bi tag und och bi nacht 37, 22; lebent und och tot 29, 106; für überall in hüsem od uff gössen 34, 44; imden und och oben 28, 12; für alle wib und och den manen 18, 246; 29, 152; die armen als die riehen 26, 31; 27, 75; gen jungen und gen alten 16, 122; 27, 39; gen künden und gen gesten 28, 370 u. v, a. — Ferner bedeutsame Wortstellung 2, 22; 11, 22, 35; 12, 7; 18, 242; 28, 7 — Polysyndeta 19, 23; 25, 15, 49, 149; 26, 13 u. dgl. m. — Der geschickte Gebrauch des Refrains in Nr. 6, 7 und 9. Hervorheben müssen wir noch die häufigen Allite- rationen ^j mit verschiedenartiger Yerschlingung der Stäbe i'Uff ^) Hier wie bei allen diesen fipätern Dicliteirn kann man zweifeln, ob sie beabsichtigt oder nnr durch das nnmittelbare Gefühl für Klang entstanden sind; Tgl. J. y. Zingerle, die Alliteration bei mhd. DicUteiTv 1%^^. WackernelJ, Montfort 1 xcfvm mich 80 macht du murm 3, 40; de^ wÜ ich wol befWtr^n 26, 36; noch tuot mich trü/we twingen d6, 22; in midngmr nuMf gemessen 18, 66; wilt du wissen^ was es ist 22^1; als hoch hinab als hoch hinuff 12» 13 ; est Wunder in der weite wit 17, 51 ; in rech^ ter rvJnns tötifiukht 5, 41; daz glich ich zeinem gruenen^ gras 5^ 56; du wellist werden wild 29, 41 ; und wil das wol mit war" heit jehen 27, 136. — 2. der kirnen %al der %tunden lil 2, 132; %uon ich recht, ich iantz den rechten rAen 15, 1G8. — 3. von hXettem hXuomen ^tuonden schon 28^ 13. — 4. eim %uo down goU sin gnad ze teil 28« 607. Im ganzen habe ich 84 Alliterationen gesammelt. Aber auch Assonanzen erscheinen häufig: liegen^ triegen fruo und spät 2, 62; sich an ein liephch uApUch bild 29, 43 and zugleich mit Alliteration verbunden: die swert in dhsohd ie hknd genomen 18, 157; du wenst die weit die weU zergan 29, 58; und weren selge^ w^de wtt 37, 58: der selben sei wird selten frS 5, 344; und hilf uns liU uf er- den hin 18, 164 und andere. Damit wird diese Aufzählung zu Ende sein: des guten ist eben weniger als des rerdorbenen, besonders in den Reden, die überwiegend episches Gepräge haben« Um aber zum Schlüsse die-^ ses Teiles unserm Dichter gegenüber den richtigen Massstab in der Hand zu be&alten, müssen wir no^h ein negatives Gharakteristikoo anführen und auf jene hervorstechenden stilistischen Motive hindeu- ten, welche zu seiner Zeit im Schwang waren« von ihm gekaimt^ aber entweder gar nicht oder nur im beschränkten Masse gebrandit wurden. Es wurde schon oben constatiert, wie er sioh von jener allgemeinen Entartung der Farbensymbolik fem gehalten hat; dasselbe ist auch der Fall bei jener albernen Buch Stab enap-i« - 1er ei, an der diese jungem Dichter ihre Freude Haben: Hätel. I, 14, 14 das schaffet als ain werdes JB; II, 11, 9 das griM das zart E von mir; Lassberg LS. 7, 108 ach zartes K^ ich hiU dich; Oswald 56, 2, 1 o seuberltches Q-; 72 3, 6 äviserwelies M; Ambraser LB. 11, 15 o einziges J3; 35, 10 msin heriziges A n. V. a. Hugo gebraucht sie nur in einem einzigeü und zwar sehr bezeichnend in seinem allerletzten Gedichte: 88^ 37, 41 mins herzen A, min liebes E, — Ein Kennzeichen der niedergehenden Poesie dieser Epigonenzeit ist ferner die wachsende Neigung zu realistischer, ins Detail gehender Personenbeschreibung. Hogö zeigt deutliche Spuren davon in 5, 19 — 45 und in Nr. 21, wird |XG£S abei^ darin von atidefti \reit übertrofFen. Bün oWakteristisohes Beispiel da^on bietet Zingerle *) aas Sendlinger, dem Kaplan tihd Dichter des kanstfreuDdlichen Nicolaas von Vintler, Hugo*s Zeitgenos- sen und Landsmannes. Sendlioget beschreibt in 36 Versen den Kopf Mariens and zwar die pra^ die Mrneehal^ die Aar, die äugen al$ ein cherJienUöhty die lebe (== lefs), zend^ wängel and den mimd^ dann anch noch ir ztipf lank^ groz and elehU wol geflochten und gerehty ir nas siecht und wol getan^ ir chinn sinibel und weiz alz ein eemel mel: knrz alles und nnr die Ohren hat er vergessen; das macht aber Sachenwirt gnt, der 25, 167 — 222 die vraw Ahentewr beschreibt und tu den andern Schönheiten (onter welchen anch der rofc, den do di fnaget truog^ und das neeel an alle mail erscheinen) noch die zwai orel dn ir haubet cHainy nach wwneche wol geentuk^t dat^ anfügt. Andere Dichter giengen darin schon noch welter, bis endlich das Heer der echten Meistersanger kam und den Teafd durch Beelzebub austrieb. Braucht Hugo 5^ 1 9 ff. anch 26 Verse, den Kopf seiner Geliebten zu beschreiben^ so hält er sieh dabei dennoch in den Bahnen besserer Traditionen. -— Desgleichen hielt sich Etngo fem ton den Wortspielereienj wie er sie besonders in seinem Vorbilde, dem Tit. (z. B. 818 eie hiezzen briefe schriben v(Mfi lande landen hin Zu lande*, 27 des guet ob aller guete hat über g\ietet\ oder bei Hadamär (z. B. 465 tö^, daz von wi hdt wi und wt min wesen) und andern gefhnden hätte; ebenso von den Vers- t(nd Reimverküni^ielangen, welche besonders seit Konrad in Umläaf kamen und z. B bei Suohenwirt in Nr. 34 und 44; B&tzL I, 7t u. 9. begegnen, oder womit Oswald, Muskatblat ü. a. sO meisterhaft ihre Dichtangen verderben wie der Mönch von Salzburg die seinen mit den Abecedarien (ed. Ampfe- rer p. 18 ff.). Allerdings könnte man denken, dass Hugo*s ge- ringeres Fötmgeschick ihn glücklicher Weise von dieser mühseligen Unart bewahrt habe. Allein der Dichter, der sich unterfieng, die kbitistlicfae Titnrelstrophe nachzuahmen, dessen Strophenschemen überhaupt verhältnismässig noch sehr manigfaltig waren (darüber Abh. V), der auch hin und wieder Anfalle dichterischen Selbst- bewüsstseins hatte (18, HO; 31, 5 — 15), würde sich auch hier- in versucht haben, wenn er daran Gefallen gefunden und ihn ^) Tirols Anteil an der poetischen Nationalliteratar im Mittelalter (Programm) p. 14. 7* nicht vielmehr ein Eömlein gesunden natürlichen Sinnes ^) davor bewahrt hätte. Das waren also, soweit sie sich ermitteln Hessen, die Anlagen, Fähigkeiten und Kenntnisse Hago*s. Es mnss nun noch der Yer- snch gewagt werden nachzuweisen, wie weit die Zeit und Um- gebung, in welcher er lebte, auf seine Entwicklung, seine An- schauungen und seinen Charakter gewirkt haben, um ihnen eben jene bestimmten Formen zu geben, die sie zeigen; denn Hugo würde am Eingange des 13. Jahrhunderts z. B. oder in Norddeutschland ein anderer gewesen sein, als er am Ausgang des 14. in Vorarl- berg war. Ich setze hier voraus, dass man wisse — und habe schon in Abh. I einige Andeutungen gegeben — wie seit dem Untergange der Staufen alle staatlichen Institutionen des Mittelalters entarteten, wie das Pabsttum und deutsche Königtum von ihrer Höhe herabsanken und die alten Ständeverhältnisse aus ihren Fugen wichen; wie die strengere Zucht und Sitte mehr und mehr ver- schwand, der Clerus verweltlichte, der Ritter verwilderte, die öffent- liche Ordnung und Sicherheit dem Faustrechte erlag, das immer üppiger emporblühte, so dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Zerrüttung in Reich und Kirche trostlos, die Sittenverderbnis in allen Schichten der Bevölkerung grauenhaft war''^). Zu diesen jammervollen socialen Zuständen kamen noch alle Schrecken der Natur in einem Masse wie niemals vor- noch nachher: Erdbeben, Heuschreckenzüge, Misswachs, Hungersnot, Seuchen jeglicher Art und endlich der furchtbarste von allen, die Pest, welche um die Mitte des 14. Jahrhunderts so wütete, dass die Hälfte, nach andern sogar zwei Dritteil der Menschen hinweggerafft wurden. So sah man alles wanken, stürzen, untergehen — alles, was der Mensch von den weltlichen Gütern gebraucht und begehrt und erstrebt Diese Erschütterung des ganzen Daseins musste notwendig neue Lebens« grundsätze erzeugen. Aber wie weit giengen diese auseinander! 1) Auch das bietet dem Ausspruche Gervinus* über Hugo (LG.* 248) : ^doch dringt in seiner guten Natur ein frischer gesunder Sinn überall lebhaft dorch^ eine, wenn freilich zu schmale Grundlage. *) Lehrreiche Belege, wie es damals in Tirol ausgesehen hat, bietet die soeben durch B. Schwitzer herausgegebene Chronik Marienbergs Ton Goswln (TL Bd. der tirol. Gteschlchtsquellen), welche der etwas spfttem Satire ^des Teufels Netz^ die richtige historische Unterlage bietet. CI In den einen erhöhte der Anblick von der Flüchtigkeit der irdi- schen Freuden nur noch mehr die Genusssncht und Verkommen- heit, sie machten Philosophie des Lasters: was ich nit han ge- wenden^ der Borgen ich nit will nur der Augenblick, den du lebst, gehört dir, geniesse ihn, so viel du kannst und kümmere dich um den nächsten nicht, der vielleicht nicht mehr dein ist. — In den andern, den tiefer angelegten Gremütern aber machte die Macht des religiösen Elements sich geltend: sie sahen in dem Unglücke, das über die Welt hereingebrochen war, die strafende Greissei Gottes, flüchteten sich mit schwerem Schuldbewusstsein von der objectiven Welt in das eigene Innere, um hier Grott zu suchen und Trost zu finden. Ihrem Bewusstsein gieng die ESoheit von Natur und Greist, von Leib und Seele, weiter denn je^) in einen klaffenden Dualis- mus auseinander: jener ist das sündhafte, vergängliche, diese das bleibende, welches für das ewige Leben zu retten ist; und die prak- tische Folgerung dieser trüben Weltanschauung war: zwischen Sinnenlust und Seelenfrieden bleibt dem Menschen nur die bange Wahl. Das erweckte in ihnen eine innerliche Zerknirschung, einen schwärmerischen Andachtseifer und brennenden Bussgeist, der sich vorzüglich an den extremen Auswüchsen dieser Richtung charak- terisiert, an den Mendicanten, den Gottesfreunden, den Greisslem und den zahlreichen andern Secten und Religionsgenossenschaften, die besonders dem Rhein entlang ihre Wohnsitze aufgeschlagen hatten. Wir sehr diese auch in einzelnen Grundsätzen auseinandergehen und sich alle zusammen wieder von den ruhigeren und gemässigteren Laien unterscheiden mochten, das Eine war ihnen allen gemeinsam : die christliche Idee der Weltüberwindung, jenes ernste schmerzhafte An- kämpfen gegen die Sündhaftigkeit der Welt und die Gelüste des Fleisches, wodurch allein der einzelne Trost finden, die bestehenden Verhältnisse zu bessern Zuständen geführt und die Zeit aus ihrem Verfeile gehoben werden könne. Machen wir hier Halt und blicken auf Hugo*s Leben zurück. ^) Mit dem Zerfalle des altclassischen Geisteslebens trat der Bruch zwi- schen der objectiTen nnd sabjectiven Welt ein (Schwegler, Gesch. d. Philos. 125). Dieser Dnalismus war die Klippe, an welcher die alten Philosophien zerschell- ten. Das Christentum nahm dasselbe Problem wieder auf; aber alsbald trat er wieder herror, bald mehr bald weniger, je nach den helleren oder trüberen Verhtitniiien der Zeit. Auch im 13. Jahrhundert Ternehmen wir b«i DVfibL^ATDL seine Stimme. YgL Bekpiele hei Bartsch LD*, 21. cn Wir haben die Zeit seiner SQndenblüte keunea gelernt, ^ber dann gesehen, wie er sp9>ter die Vergänglichkeit der Welt und 'ihx^V Freaden erkannte, wie in ihm die Macht des reUgiö^u EJlement^ sich geltend machte und eine tiefe ß^ue über seine Sünden, jener Bussgeist, jene Angst für das Heil seiner Seele erwachte, die ihn alles meiden hiess, was zar Sünde führen könnte, selbst dlQ welt- lichen Gedichte! Von nun an erblickten wir ihn fort und fort im Kampfe gegen die eigene Begierlichkeit und die sündhaften Ver-^ lj>ckungen von aussen. — Ist das nicht der asketische Geist jener Zeit, der Hugo*8 Umwandlung, Hugo*8 ganzem spatera Leben seinen Stempel aufgedrückt hat? Auch viele Aeu sserangen iq seinen Gedichten bestätigen das. In den Plagen der Welt sieht er di^ Strafe ihrer Sünden 5, 138; 13, 47; 24, 121. Den Gegensatz zwischen der Welt, die sieh um Gott und Seele nicht kümmert, deren Grundsatz lautet; lass vögelli sorgen . • . spring initfröden cm den tantz etc., und zwischen demjenigen, der in besserer JEr- kenntnis ihre falschen Freuden flieht, auf den Tod denkt und für das ewige Leben sorgt, hat er zum Eptwurfe eiijes eigenen Ge- dichtes (Nr. 29) gemacht (vgl. ^qch Nr, 17), Die dualistische Anschauung jiit bei ihm scharf ausgeprägt; nu bin ich fleisch bein und pluot, daz züht den elemenfen ndch, zuo göttlichem dienst ist im nit gdch 4, 52; wer sinern glust nach volgen wiU natii/rlich ah es ist geborn^ sinß ungelimpfs wurd gcur ze vil^ ein sei die wurd darumb verlorn; aber dazu hat der Mensch auch Vernunft und Gewissen, damit er in beständiger Selbstab- tödtung die sündlichen Begierden unterdrücke: sin hertz das sol einß bissen (sein Fleisch abtödten) mit geeckten dingen nacht und tag (18, 125 ff.), ein Satz, der dem strengsten Asketen Ehre machen könnte. So finden wir Hugo von der einen jener Zeitströmungen pait- fortgerissen, die wir vorhin charakterisierten, und es handelt sich nun um seine Stellung innerhalb derselben, Das unterscheidende Merkmal der einzelnen Parteien, in welche diese Richtung ausein- andergieng, bietet vor allem ihr Verhältnis zur herrschenden Kirche. Man hätte vielleicht erwarten können, dass sie alle einmütig nach den Satzungen und Geboten derselben ihre Bussübungen und ihren Lebenswandel eingerichtet hätten. Wenn es anders kam, so liegt ein grosser Teil der Schuld in dem damaligen Zustande der Kirche. Männer wie Geraon, Peter d'Ailly, Nicolaus v. Glemange, Heiorioh Gm ▼. liangeDstein, Math&aa v. K.mkau, der Dichter von . des Teufels Netz * u. a. entwerfen ein trauriges Bild von ihr. Es bildeten sich dr^i Grup- pen : d^ einen, an den Päbsten und ihren Aposteln irre geworden, schlössen von der äussern Erscheinung der Kirche auf ihr Wesen über- haupt und glaubteUf dass das Pabsttum mit all seinen Gnadenmitteln nicht vermögend sei, den Menschen zum Heile zu verhelfen; sie such- ten daher nach eigenem Gutdünken den Weg zum Heile. Ihnen ge- genübw standen die Fro]|imgl|L.ubigeTi, die sich mit den bestehenden Verhältnissen der Kirohe ohne weiteres abfanden und sich ihr rackhaltslos in die Arme warfen; in der Mitte zwischen beiden stand die s. g. B§£oniipartei, welche im allgemeinen auf den An- schauungen und Lehren der Kirche fussten, aber ihr bessernde Kritik entgegenbrachten und sich unter einander wieder mannigfach abstuften, je nachdem sie nur ihre äussern Zustände oder auch ein- zelne ihrer Lehrsätze prüften und bekämpften. Hieher gehört der grösste Teil der damaligen Gelehrten wie Gerson, d'Ailly etc. und Dichter wie Teichner, Suchenwirt, Vintler, Oswald, Sachsenheim, der von , des Teufels Netz ' . . und auch Hugo. Bei jedem einzelnen muss erst festgestellt werden, wie weit er hierin gieng. Hugo richtet sich vor allem gegen die Habsucht der höheren und niederen Geistlichkeit (5, ^11, 270), gegen ihren Wucher und ärgerlichen Handel mit geistlichen Dingen (5, 269) ; dazu bringt er in Nr, 29 neue Ansohuldigungf^n: die pfaffm hahent hrieg^ tmhüach und git (137). Gegen die Klöster richtet er sich noch besonders; denn darinn ist nid und Jiaes (29, 134), selbst im dritten orden nach sant Francissen regel hält man sich nicht eben: diese Mönche tuot vnhüseh etwenn betriegen (29, 158); ja soweit ist es ge- kommen, dass kein Orden mehr zu finden, er hob ein galten^ es si dann Mtzel oder vil (29, 161). Am meisten erregt der Skandal jener Zeit, das Schisma (seit 1378), seinen Zorn: zwei Päbste sind auf dem Stuhl Petri, einer von beiden muss den Teufel bei sich haben (5, 196). Hugo greift die Wahlvorgänge an, über die er sich genau unterrichtet zeigt: die Bestechlichkeit der geizigen Gardi- näle hat diesen Jammer angerichtet Bezeichnend ftLr seine inner- liche Auflhssungsweise aber ist es, dass er nicht für oder gegen einen der beiden Partei nimmt, wie das damals sonst allgemein, auch bei den österreichischen Herzogen, der Fall war; denn die äussern Wahlvorgänge entscheiden allein nichts, ihm kommt es vielmehr auf die Gesinnung der Päbste an ; welcher glaubt, daa er II cnr rechter bähest ai^ der mag da wol beliben bi; tet er es aber umb fjdb od guot^ zwdr der hat ein bösen muot (5, 217). Es könnten demnach vor Gott beide gerecht oder beide verworfen sein. Wichtig ist dann die folgende Aeusserung Hugo's (5, 223 — 228), weil sie einen Lichtstreifen wirft auf seine Ansicht über das Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht, indem sie jene Frage tangiert, ob die weltliche Gewalt in gewissen Fällen über den Päbsten und ihrem Collegium stehe, welche durch das Schisma neuerdings in lebhafte Disoussion geraten war.^ Von den Frommgläubigen wurde sie unbedingt verneint, von den Reforma- toren bejaht, besonders war es die Pariser Universität mit ihrem Kanzler Gerson, welche die Ansicht vertrat, dass gegen unrecht- mässig gewählte, die Einheit und den Frieden störende Päbste die weltlichen Fürsten zum Einschreiten befugt, ja sogar berechtigt seien, über schismatische Päbste zu Gericht zu sitzen ^). Wie weit sich diese Meinung verbreitete, zeigte sich später deutlich auf den Concilien zu Pisa, Constanz und Basel. Dass auch Hugo diesen Standpunkt inne hatte, beweist sein eifervoller Aufruf an die Könige und Fürsten, mit ihrer macht behende dieser- Zweiung, welche die Christenheit zu Grunde richtet, ein jähes Ende zu bereiten. Re- formatorischer Einfluss auf Hugo scheint sich endlich auch in seiner starken Betonung der Bibel zu offenbaren. Die Unsicherheit der christlichen Traditionen durch die Entartung ihrer Träger führte auf die Bibel, als die Urquelle der christlichen Lehre, zurück. Es gibt keinen bedeutendem Reformator dieser Zeit, der nicht ihre Autorität mitunter sogar der Kirche und den Concilien gegenüber betont hätte. Wenn Hugo auf eine Lehrmeinung anspielt, ge- schieht es meist mit Verweis auf die Bibel, z. B. aiU Lucas sagt 4, 99; als sant Matheus sagt 32, 79 oder sant Johans ewan^ gelist der hdtz geschriben 5, 120 etc.; er beteuert ihre Integrität 27, i>2 und hält sie dem Doppelpabsttum entgegen 5, 206. Soweit ist Hugo*s Kritik gegen die Kirche in seinen Gedich- ten zu verfolgen. Sie richtet sich, wie man sieht, mit Ausnahme von einem, vielleicht zwei Punkten, nur gegen ihre äussern Schäden; ihrem innern Baue, ihren Dogmen und Institutionen gegenüber verhält er sich durchweg conservativ. Er zieht z. B. wiederholt gegen die Priester los, aber nirgends gegen den Priesterstand,^be- 1) Theol. Bibl. Ser. I, 14. Bd. ; Hergenröther, Kirch. Gesch. II, 68. ov tont vielmehr die Würdigkeit und Notwendigkeit desselben (ö, 361). Aach die Geheimnisse der kirchlichen Lehre gelten ihm für un- antastbar, obgleich wir sie nicht zu begreifen vermögen^); nur in ihren Gnadenmitteln liegt wahres Seelenheil: Abtödtung des Flei- sches, Basswerke und Rene über die Sünden müssen sich mit der Beichte verbinden etc. 4, 22; 5, 187; 13, 9, 27 u. a. In all diesen Dingen war Hugo ein treuer Sohn der Kirche und fasste dem entsprechend auch Stellung gegen jene Reformatoren, welche weiter giengen, indem sie deren Lehren selbst anfochten und sich zum Teil auch vom äussern Kirchentnm lossagten. Dabei mochte auf Hugo neben seiner Ueberzeugang auch eine andere Rücksicht wirken. Weitergehende reformatorische Bewegungen der angedeute- ten Art haben mehr oder weniger immer ein plebejisches Element; , denn die Selbstbefreiung der Laien von der Aristokratie der Geist- lichkeit hat übereinstimmendes genug mit der Selbstbefreiung des Volkes von einer politischen Aristokratie^) •. Es kann dem zu einer gewissen Stütze dienen, dass er sich besonders gegen jene antikirchlichen Glaubensmeinungen richtet, welche in ihren prak- tischen Gonsequenzen demokratischen Bewegungen zum Ausgangs- punkte werden konnten und tatsächlich auch wurden: gegen die Läugnung der menschlichen Willensfreiheit und die Behauptung, dass Gott der Urheber auch des üebels und der Sünde sei: wer spricht, das got ein schöpf er ei der silnd tmd och des liden^ dem wanet grosse torheit hiy wan seid die muoss in miden. er hat uns gehen eigenn muot (13, 41) ; ausführlicher erscheint der letzte Satz 22, 9: got hat uns eigen wiüen gehen uff erden hie ze werhen; wir mugent aher also lehen^ wir muoseent ewig sterhen (vgl. auch 4, 47 ; 27, 85), und 30, 95 fögt er noch hinzu : davon ist er unschuldig daran, wer kunt in helle hrimst^ woraus erhellt, dass er sich gegen die Prädestinatianer richtet. John Wiclif baute aus den Elementen der Apokalyptiker, der Lehre des Wilhelm von Occam, des Marsilius, Bradwardinus einen pantheistischen Realismus, dessen Spitze die Prädestinationslehre ^) Selbst ein so hervorragender Geist wie Gerson schreibt: ^Wahrheit sei Dar dnrch die Offenbamng zu erkennen: sicherer als alle menschliche Forschang führe Basse and GlaabeizurjEinsicht*^ Üeberweg, Gesch. der Philos* U, 226. Aach Teichner kommt nach langen Meditationen zar Einsicht , dass mit di&muot «invoUteelühen geiouben am besten sei. Karajan, Denkschr. VI, 113.* «) Wackernagel, die Gottesfreande in Basel, klein. ^(ikii.W, W^» CfVI war: alles beherrseht eine unbediugte NotWi^ndigkeit, auch da« Böse geschieht mit Notwendigkeit; der göttliche Wille bestimmt mit Notwendigkeit den geschöpfliohen «od nötigt jedes einzelne tätige Geschöpf zu jedem seiner Acte: demselben fehlt also der freie Wille, mit dem er sich nach eigener Wahl Himmel oder Hölle ver- dienen könnte, beides ist ihm von Gott vorhergesehen und vorher- bestimmt^). Wiclifis Lehre machte seit 1381 (damals beiratete Wenzel Richards H Schwester Anna) in Deutschland rasche Fortschritte, weil sie hier vorbereiteten Boden fand. Schon die Mystiker hatten mehr oder minder reife pantheistische Elemente ausg^streat, dann die Brüder des freien Geistes (besonders in Rhätien), welche lehr- ten: alles was der Mensch tut, geschieht aus göttlicher Anord- nung etc.^); vor allem aber ergriflfen und verbreiteten die zahlrei- chen Waldenser, die im 14» und 15» Jahrhundert in Böhmen^) und dem ganzen Rhein entlang ihre Gemeinden hatten, den ver- wandten Wiolifitismus^) ; unter ihnen waren auch viele Beginea, welche die Lehrmeinangen der Waldenser aoceptierten, so dass man beide Secten auch mit dem gemeinschaftlichen Namen der Beginen zusammenfasste. Es ist schwer zu sagen, ob sich Hugo*s Polemik gegen diese Richtung im allgemeinen oder gegen bestimmte Secten derselben kehrte. Ist letzteres der Fall, so wahrscheinlich gegeu die Beginen; denn dafür spricht schon die örtliche Nähe, dann besonders der Um- stand, dass er auch 29, 146 dieselben direct angreift: mhischen Fahrlässigkeit zu tun haben. Der Standpunkt würde sofort rer- ftndert, wenn sich in Hugo's Gedichten ein Heim ü \w> naohwQisen. Ua&^q« cxvm 103, 125, 131, 166, 173, 213, 214, 326, 371; must 1, 47; 4, 58; muas 5, 171, 324; musat 11, 15; trugihlug 2, 15, guten 17, zu 55, 102; 4, 21; 5, 95, 101 ; gemuten 2, 98; klugen 3, 6; 6, 339; tund 3, 72; tun 5, 4; tutb, 163; 11, 6; ^ 11, 4; tunt 5, 250, 322; wn^r«^«*w6? 5, 112; wuchere 5, 315; nacJU- gruben 9, 27; muter 10, 20; ruw 11, 2*). B dagegen hält im Ansätze der Punkte grosse Ordnung, ein Versehen passiert ihm selten. Also auch diese Untersuchung stellte die Verschiedenheit von A und B ausser Zweifel. In den zuletzt unter 4 angeführten Eigentümlichkeiten von A sehen wir eine (epött) bis 12, 8 vordringen; es folgen noch 4 Verse auf dieser Seite (12^), welche gleichfalls von A geschrieben sind, wie die zugespitzten / beweisen. Mit 12, 13, der ersten Zeile auf Fol. 13, also mitten in einer Strophe setzt B seine plumpere Feder an.. Aus der Beschreibung der Hs. (pag. 112) wissen wir, dass mit Fol. 13 eine neue Lage beginnt, und erhalten da- mit auch einen mutmasslichen Erklärungsgrund für den Wechsel: es wird das Pergament ausgegangen sein, das damals lagenweis gekauft wurde, sehr kostspielig und nicht immer zu beschaffen war; unterdessen mochte den guten Schreiber A ein anderer Herr, vielleicht der Tod zu sich genommen haben, denn wir finden weiter- hin keine Spur mehr von ihm, und schon die Spaltenlinien des neuen Sextemio sind von B gezogen, wie die oben angeführten Messungen ergaben. G setzte die .Arbeit von B fort, schrieb aber nur ein einziges Gedicht (Nr. 38), weswegen selbstverständlich die Summe der Ghründe für seine Existenz kleiner ist als die bei A und B, doch erlaubt auch sie einen sicheren Schluss. C hat Merkmale mit B gemein : er setzt 1) gleichfiälls ey und meidet die ay; schreibt 2) kch: dikch 8, wikohen 20, wakcher 61. 8ta/rkchen 28, vogehamkch 95 etc.; 3) die doppelten ff: hüff 144, 171, 174; 4) die unechten t in niemant 182, 184. Diese üeber- einstimmungen mit B beweisen, dass G nicht A sein kann; allein G ist auch nicht B, denn ^) An einigen andern SteUen sind die Punkte rerblasst und abgeriebeirr aber mit dem Mikroskop noch gut zu erkennen, z. B. mut 1, 10, hui 31 ; ^wfeti 5, 5; j:i« 4, 64. CXIX 1) B schreibt conseqaent t für d in bediuten und donner: htütz 24, 120; betewtet 28, 450, 459; hetewtent 28, 465; hetewt 28, 689; betewten 30, 14; tonr 28, 586 — G aber nur bedewt 76 und donr 27. 2) Das grosse 22 für kleines r begegnet bei A einmal, bei B neunmal, aber auffallend häufig bei C: Rechter 12, Rechtes 40, Red 101, Rechter 105, Ä^cA^e 122, Äö(i« 135, Rechten 140, Rungen 142, Ätf6? 185, 190: es trifft also bei C ein R auf 10, bei B auf 250, bei A auf 1146 Verse. 3) Für die linguale Fricativa 8S im Auslaute schrieben A und B nur lange ff, C aber schreibt auch es : muoss 12, gschosa 22, gruosB 88, haas 115, puo88 176, haias 180. Weitere Beweismomente liefert wieder die paläographische Un- tersuchung : 1) Die Tinte sticht ab. B fabricierte seinen »Schreibsaft* schlecht wie die meisten Schreiber dieser Zeit, aber C noch schlech- ter: seine Buchstaben sind alle blassgelb geworden. 2) Seine Züge stehen denen von A näher als denen von B. 3) Auch einzelne charakteristische Buchstaben lassen sich her- ausstellen. Bei A und B glich der Fuss des g einem griechischen Delta; G dagegen macht einen offenen Hacken mit spitzerem Win- kel und verlängertem zweiten Schenkel Besonders auffallend ist femer der Fuss des g in der untersten Zeile der Spalte, welcher gai* keinen Winkel bildet, sondern mit einer grossen Schwingung endet, die weit über die Zeile in den leeren Raum hinausläuft, so in gaiael 51, hppigen 82, sorgen 166. Damit diese g aber noch mehr ins Auge stechen, hat er wunderlicher Weise in der Schwin- gung auch zwei Ringe angebracht, die in ähnlicher Art auch bei der Abbreviatur für ^, en (z. B. wachn 104, trawn 131) wieder- kehren. Bei A und B begegnet nichts analoges. Auch grosse Buch- staben am Anfange der Zeile und Spalte haben Auffälligkeiten: ein oben zugespitztes O z. B. wie das in G — Ot^ ein so vielfach gegliedertes G wie das in Got am Beginn der zweiten Spalte von Fol. 48 ist im vorausgegangenen nicht zu finden. Die Summe dieser Gründe wird erweisen, dass G von A und B verschieden ist. Wie auf p. 112 zu lesen, beginnt auch G wieder mit einer neuen Lage, die er vom ersten bis zum letzten Blatte zubereitete; denn die Spalteulinien zeigen durch den ganzen Quatern die gleiche Tmte, geschrieben aber hat er nur 7 Golumnen, dann kommt die vierte cxx Hand, der Schreiber D, mit Nr. 39 und 40. Seine Verschie- denheit von A, B und G brauche ich nicht des längern zu be- weisen, da sie schon von meinen Vorgängern erkannt worden ist: er schreibt in grundverschiedenem Charakter 42 Zeilen in die Spalte. Nur eines will ich hervorheben, weil es überhaupt bemerkenswert ist : A, B und G haben die Stollen und Abgesänge in den Liedern nicht gekennzeichnet, während sie D jedesmal durch ein grösseres Zeilenspatium dem Auge sichtbar macht, was sonst erst durch die Meistersänger in häufigeren Gebrauch kam*). Dieser « Umstand zugleich mit dem Gharakter der Züge beweist, dass die Abschrift dieser beiden Gedichte um einige Decennien jünger ist. Ich will das hier vorläufig bemerken, unten aber darauf zurück- kommen. Diese Tatsache der vier verschiedenen Hände ist von ent- scheidender Wichtigkeit und gibt das lösende Wort für eine Reihe von anderen Fragen über die Initialen, die Melodien, die Correc- turen, die Herstellung des Textes. Die Initialen können entweder von den Schreibern der Hs. selbst oder einem eigenen Maler herrühren^). Letzteres ist hier der Fall; denn kämen sie von den Schreibern, müsste ihr Cha- rakter mit denselben wechseln, was aber nicht geschieht : alle von Nr. 1 — 37 stimmen sowohl in der Zeichnung als im Farbentone überein und sind sicher von derselben Hand. Wir haben zwei Gruppen derselben zu unterscheiden: solche, wo die grossen An- fangsbuchstaben nur mit Farben und Ornamenten geschmückt, und solche, wo in oder neben denselben auch menschliche Figuren an- gebracht sind. Von der letzteren Art ist die vor Nr. 1. In der Wölbung der blauen Initiale A auf rotem gold marmolierten Grunde sitzt auf einem Tron mit Löwenköpfen eine Frau in violetter Klei- dung, mit goldner Krone auf dem blonden Haupte und einem Li- lienstängel in der Hand; darüber ist in einem Kleeblattomament der Montforter Wappen gemalt. Von den Verästelungen des A aus winden sich Arabesken über alle vier Ränder und umranken den ganzen Text dieser Seite. Aehnlich sind auch die Initialen vor Nr. 16, 19, 20, 29 ausgeführt, nur fehlen die Arabesken. In der 0 ^S^* ^' Orimm, Meistergesang pag. 42. ') Vgl. Wattenbach, Schriftwesen 210 ff. CXXI Wölbung des roten M voit Nr. 16 steht auf blauem weiss damas- oierten Grunde eine blonde jugendliche Frauengestalt in grünem Kleide, auf den grünen Kranz niederlächelnd, den sie in ihrer Hand hält. Im blauen M vor Nr. 19 steht die Frau in derselben Kleidung auf rotem Grunde, doch hat sie jetzt mit dem Kranze ihr Haupt geschmückt In derselben Farbe und auf demselben Grunde steht das D in Nr. 20, in dessen Höhlung eine Frau auf teppich- belegtem Trone sitzt; ihre Kleidung ist veilchenblau, ihr Haupt mit einem roten und grünen Bande geschmückt, die rückwärts frei hin- abfliegen. Nr. 29 endlich zeigt eine hochaufgerichtete Frauenge- stalt mit violetter Kleidung und einem Schappel auf dem Haupte, die rechte Hand ist warnend erhoben, die linke mit dem Spruchbande fraw werlt gesenkt; das F ist blau, der Grund grün, golden mairmoliert. Blumen- und Laubwerk und die spielenden Farben bilden den Schmuck der übrigen Initialen, welche wechselnd auf rotem, weissen, blauen oder grünen Grunde mit goldenen Marmolaturen oder auch auf blossem Goldgrunde stehen. Man hat besonders dieser Seite unserer Hs. grosses, wohl all- zugrosses Lob gezollt. Die Gomposition der Miniaturen zeigt nichts originelles, ist aber überlegt und reich, ohne überladen zu sein. Die Figuren haben Ausdruck und beziehen sich auf den Inhalt der Gedichte^), was in andern Hss. damals noch oft nicht der Fall war. Die Zieraten sind lebhaft, gewählt und auf dem knappen Räume massvoll gruppiert Sie lassen bereits romanischen Einfluss erkennen: so begegnet, um nur eines hervorzuheben, häufig das Akanthus-Ornament (die Blume mit dem grossen hohen Frucht- knoten in Form eines gewundenen Kegels), besonders in den Ara- besken auf der ersten Seite. — Die Harmonie der Farben, die wenig gespart und noch jetzt von ausserordentlicher Frische und Lebendigkeit sind, die Sauberke^ und Sorgfalt der Ausführung im einzehien ist preiswürdig: der Mann hatte das Malen gut gelernt. Aber weniger vermochte er im Zeichnen. In der Behandlung der Fi- guren reicht er nicht zu den besten Traditionen hinan : sie sind noch bocksteif, lang und hager, ihre Hände hässlich, die Faltenwürfe ihrer Kleidung ärmlich und unentwickelt; selbst die Zeichnungen *) Was die fraw werlt vor Nr. 29 betrifft, so ist das evident ; über die Frau Tor 16 und 19 vgl. p. 44. CXXII der Buchstaben sind nicht durchweg correct, Kreis- und Spirallinien zu machen, verstand er nicht, das beweisen alle M und (?. Diese Mängel halten seine Arbeiten in der Sphäre handwerksmässiger Nachahmung. Auch die kleinem farbigen Initialen der Strophen und Absätze wechseln nicht mit den Schreibern, kommen daher gleichfalls vom Maler, was auch ihr Farbenton beweist, der mit dem der Miniatu- ren stimmt. Genau so verhält es sich mit den roten Strichen durch die grossen Anfangsbuchstaben der Zeilen und den übrigen Spuren farbiger Tätigkeit, die sich noch in manigfacher Weise kund geben : 6, 22 machte der Maler rote Punkte in die Federzeichnung, mit welcher A den Kopf des d (in das) geziert hatte; 2, 3 — 18; 5, 120—147; 25, 159—203; 35, 35—40 und in Nr. 36 rote Punkte an das Ende der Zeilen. Er unternahm auch wichtigere Dinge: 6, 13; 7, 8, 12, 21, 33 hat er i2 (= repet) vorgesetzt; vor Nr. 7 hatte der Schreiber vergessen den Baum für die Miniatur zu lassen, als er nun mit seinen Farben, nach dem Anfang des neuen Gedichtes suchend, die Spalte herabkam und sah, was A angerichtet, blieb ihm nichts anderes übrig, als den Anfang des neuen Gedichtes ausser der Spaltenlinie an den Rand zu notieren, er schrieb mit roter Tinte: a/ader lied. 10, 8 hatte A zweimal als geschrieben ; der Maler, der das im Vorbeigehen bemerkte, durch- strich das erste mit seiner roten Tinte; umgekehrt gewahrte er 27, 122, dass dem Satz das verbum auxil. fehle, und corrigierte hat rot ein; 32, 153 malte er in Ich die rote Initiale und mit demselben Pinsel das e auf dem danebenstehenden rw/, welches B vergessen hatte; dasselbe geschah 3, 33 in Furhas^ wo er das rote F und mit derselben Farbe das Umlautzeichen über u setzte. Das ist also die fünfte Hand, die ihre Tätigkeit an unse- ren Codex legte zu einer Zeit, als die Schreiber ihre Arbeit schon getan hatten. Von der Miniatur O (rot auf Goldgrund), welche Nr. 88 be- ginnt, war bisher nicht die Rede; ich habe sie absichtlich von den übrigen ausgeschieden, weil sie von einer andern Hand her- rührt. Das beweist die abweichende Art der Schattierung und Farbengebung; besonders auffallend ist das Weinrot für das brennende Lichtrot des früheren Malers. Auch dieser zweite Maler hat zu- gleich die kleinen Initialen in den Strophenanfängen gemacht und nahm sich überhaupt seinen Vorgänger zum Muster : die möglichst CXXIII gleichmässige AasstattuDg gehörte ja auch zu den Haupterfordernissen einer schönen Hs. Trotzdem vergass er eines ganz, was jener fleissig besorgt hatte: die roten Striche durch die Anfangsbuch- staben der Zeile, die in Nr. 38 durchaus fehlen. Ob dieser Maler der neue Schreiber von Nr. 38 selbst war oder ein anderer, das mit Sicherheit zu entscheiden, fehlen die Anhaltspunkte, doch halte ich letzteres für wahrscheinlicher; denn unter den oben (pag. 119) angeführten Eigentümlichkeiten für C stehen die Ringe im g : ver- gleicht man nun die Initiale O vor Nr. 38 mit der Initiale O vor Nr. 3, so ergibt sich, von Farbe und Ornamentik abgesehen, als Unterschied im O vor 38 ein Ring. Wichtiger als das aber ist za constatieren, dass von diesem Maler auch das Wappen auf Fol. 54* stammt, wie schon die Wiederkehr der Weinfarbe in der Umrahmung desselben (weinrot, blassrot, gold) dartut. Damit stehen wir vor einer Frage: warum schreibt C nur ein einziges Gedicht und nicht auch Nr. 39 und 40, da er ja noch mehr als einen halben Quaternio Pergament vorliegen hatte? Warum malt dieser zweite Maler (resp. auch der Schreiber) nur die Initiale vor Nr. 38, dann die Inschrift auf Fol 53^ und das Wappen auf Fol. 54* und nicht auch die Initialen zu den dazwischen liegenden Gedichten, auf dass auch diese beiden so ausgestattet wären wie die übrigen der Hs.? — Die Antwort liegt nahe: Nr. 39 und 40 waren damals noch nicht zum Absohreiben vorhanden und wurden erst bedeutend später von fremder Hand nachgetragen, als der Maler und Schreiber von Nr. 38 nicht mehr in den Diensten desjenigen standen, der den Codex mit so grosser Sorgfalt und Gleich- massigkeit hat herstellen lassen. Auf dieselbe Ansicht führte schon oben die jüngere Schrift und die Bezeichnung der Stollen and Abgesänge. Kämen nun Nr. 39 und 40 von Hugo, so müss- ten sie dem Schreiber und Maler von Nr. 38 schon vorgelegen haben; bei Nr. 40 wenigstens ist das nachweisbar, denn das Ge-. dicht entstand auf der Kreuzfahrt des Dichters (nach Palästina), die, weim Hugo derselbe wäre, in den Neunzigerjahren des 14. Jhds.^), *) Vgl. Weinhold in den Mitteilungen VII, 138. Nach 1414 schon ▼egen der gefährlichen Streitigkeiten nicht, welche sich zwischen ihm und teinen Verwandten und auch andern erhoben und bis in seine letzten Lebens- jahre dauerten ; dazu ist in Abh. I in jedem Jahre mehrmals und zu den Ter- sehiedensten Jahreszeiten seine Anwesenheit in Steiermark oder in Vorarlberg urkundlich nachgewiesen. CXXIV in keinem Falle aber nach 1414, wo Nr. 38 (vgl. 38, 185 t) entstanden, gemacht worden sein könnte. Das sind die äassem Gründe für die ünechtheit von Nr. 39 und 40, denen unten die innem nachfolgen werden. Ungleich häufiger als die erwähnten roten Correcturen erschei- nen schwarze, und es handelt sich vor allem darum, zu beweisen, dass darunter auch solche, welche nicht von den Schreibern, sondern von fremder Hand herrühren; dabei werden uns die vorhergepflo- genen paläographischen Tüpfeleien gute Dienste leisten. 25, 165 lautete ursprünglich nur: die seligen priester hatt^ der Schreiber hinterliess also eine unvollständige Zeile. Nach ihm kam der Initialenmaler mit seinen Farben, machte die grosse Miniatur, die kleineren Initialen, die roten Striche in den Anfangsbuchstaben der Verse und, wie er auch sonst hin und wieder tat (vgl. p. 122), von 25, 159 — 203 einen roten Punkt am Ende jeder Zeile, also auch nach 25, 165. Später bemerkte ein Leser hier die Lücke und schrieb in andern Zügen ich wert hinzu, so dass heute der rote Punkt, der ehemals wie die übrigen am Ende des Verses stand, mitten im letzten Worte wert zu sehen ist. Dasselbe be- weist 35, 39, 40. An das Ende jeder Zeile der letzten und vorletzten Spalte, die dieses Gedicht aufnehmen, hat der Maler wieder den roten Punkt gesetzt, ausgenommen sind nur die bei- den letzten Verse — doch wohl nur deswegen, weil sie da- mals noch nicht vorhanden waren und erst später von anderer Hand nachgetragen wurden: so dürften wir schliessen, auch ohne die bedeutend blassere Tinte und die fremden Züge, die sofort auffallen und weder mit denen von A, B, G noch D stimmen, ge- sehen zu haben. Das wird genügen, und ich zähle noch die übrigen Correcturen von fremder Hand auf: 18, 193 h vor Won; 20, 41 d vor Mein; 22, 5 das^ er darüber geschrieben; 22, 25 w vor Der; 26, 9 ä vor Sand; 27, 45 t vor Kund; 28, 105 woU man Uden nachgetragen; 28, 229 Tc vor Her; 32, 40 ichy und t eincorrigiert. Ob alle diese Correcturen von ein und derselben Hand, ist nebensächlicher und mag ich nicht erörtern, weil aus- reichende Anhaltspunkte dafür fehlen; denn jeder weiss, wie der blosse Augenschein gerade hier gern täuscht, wo oft schon die aussergewöhnliche Handlage eines Correctors Verstellung der ge- wohnten Züge bewirkt. Das ist also (zum wenigsten) die sechste Hand. oxxv Greringere Bedeutung haben die eigenen Gorrecturen des je- weiligen Schreibers. Ich verzeichnete: 2, 91 verhaissen^ das erste s auf. Rasur; 4, 153 da aehent^ ursprünglich das^ aber s wegradiert; 5, 15 tohen^ o aus a; 5, 119 wurde i9t unter der Spaltenlinie nach- getragen; 5, 152 muy<, der zweite Fuss des u eingeflickt; 5, 199 vaUchen^ l aus /; 5, 212 hlaseni, s auf Rasur; 5, 280 dee m7, fdt klein übergeschrieben; 5, 252 hindan^ an auf Rasur; 5, 274 8if^ doch steht vor S noch /» der Buchstabe eines andern Wortes, das er schreiben wollte; 5, 285 gedenken^ e wohl aus a; 5, 354 Uh^ doch ist h deutlich aus p corrigiert, dessen Fuss noch stehen geblieben ist; 6, 30 &jr, y corrigiert aus m; 9, 26 lanty t aus d; 11, 8 miV, i auf Rasur, wahrscheinlich stand früher mer; 11, 21 Dauid^ i auf Rasur; 11, 36 zung auf Rasur; 15, 17 hrone^ e der Lange nach durchstrichen ; 15, 155 hacMhU h auf Rasur; 16, 49 ffeiffer^ r aus n; 16, 55 vogelsang, zwischen o und g die Lücke eines wegradierten Buchstaben; 17, 20 wol, l auf Rasur; 17, 23 qvsl^ e aus a; 21, 21 hieng an klain noch ein Buchstabe, der weggeschabt wurde, dasselbe geschah 28, 361 bei ergib; 24, 98 nicM mer ächten mer^ das erste mer durchstrichen; 24, 119 beschiht^ 8 und c auf Rasur (er hatte das c vor dem 8 geschrieben) ; 24, 132 tievelj e Gorrectur aus u; 25, 52 antleut, t auf Rasur; 25, 91 hatt, tt auf Rasur; 27, 91 gleicht, t eincorrigiert; 28, 80 ich^ ch auf Rasur; 28, 113 beschneiden, die beiden letzten Silben auf Rasur; 28, 330 die lass dich lass rewen^ das zweite las8 durchstrichen. 28, 343 vnfrid^ zwischen n und / die Lücke eines wegradierten Buchstaben. 29, 116 Nichit^ das ganze Wort auf Rasur; 30, 8 vnbedenkleich^ e aus d; 34, 12 fuegen, die beiden ersten Buchstaben auf Rasur; 37, 53 wob^ doch ist die Schlinge des b weggestrichen; 38, 103 wollte C wieder zwei Verse in eine Zeile setzen und hatte schon ir vn geschrieben, als er den Fehler bemerkte, die beiden Wörter wegstrich und damit die nächste Zeile begann, wie sichs gebührte. Von diesen Gorrecturen sind be- sonders 5, 354; 9, 26; 11, 8; 15, 17; 24, 132 hervorzuheben. Die Tinten von A, B und G haben der Zeit nicht Stand ge- halten, sondern sind, wie die meisten derartigen Fabrikate seit dem 13. Jahrhundert^), schon frühe verblasst Das veranlasste einen spätem zur Renovation mit schwärzerer Tinte. Er überfuhr ein- •) Seitdem massenhafter geschrieben wurde; vgl. Watth. Schriflw. 137. CXXVI zelne Buchstaben, Wörter, Zeilen und ganze Seiten. Ich will nur einige Stellen auslesen, welche zugleich zeigen sollen, wie plan- und geschmacklos er dabei zu Werke gieng. 1 , 42 ist in musz dich der erste Teil des u, der Kopf des d und das folgende i überfahren, während die übrigen Buchstaben noch in der blassen llnte des Schreibers dastehen; 5, 93 mertail^ nur das i überfahren; 5, 241 /ör, wurden alle Buchstaben, aber bei / nur der mittlere Teil über- fahren, das r wurde dabei verklext; 5, 247 alle hdder^ wurde das zweite ganz, vom ersten Worte nur das e renoviert; 17, 28 auff der fröd^n wagen^ alle vier deutlich überfahren; 29, 133 closter^ l und st zum Teile überfahren. Fol. 31* hat er ganz überklext. Auch Correcturen nahm er vor, die sich deutlich von denen der übrigen Hände unterscheiden lassen, besonders evident ist die 28, 317, wo er an mch das weggebliebene t eincorrigieren wollte, bei seiner Eile aber in die falsche Zeile geriet und dasselbe über dich 28, 318 setzte, jedoch den Fehler bemerkend wieder weg- strich und an den gehörigen Platz brachte. Weiter stammen von ihm 4, 139 aU^ s auf Rasur; 18, 52 nichts t eincorrigiert; 28, 5 und durch atain auf Rasur; 18, 76 liehf der Kopf von h auf Rasur; 36, 17 ahtrünig^ i zu ü gebessert. Zweifelhaft ist 13, 6 hands, entweder ist s von ursprünglicher Hand ganz klein ein- corrigiert und vom Renovator überfahren worden oder kommt ganz vom ihm. Das ist (zum wenigsten) die siebte Hand in un- serem Codex. Endlich haben wir noch auf die Melodien einen Blick zn werfen. Zunächst ist hervorzuheben, dass hier schon ein Noten- system mit 5 Linien vorliegt, wie es im 14. und 15. Jahrhundert noch selten ist und erst im 16. Jahrhundert allgemein wird (vgl. Böhme, Germania XXV, 227). Die Noten sind quadrat- und rautenförmige Punkte; auf jedem System ist der Schlüssel (f und c) angegeben. Sie wurden nicht vom Gomponisten Bürk Mangolt (vgl. pag. 95), sondern von den Schreibern über den Text gesetzt; denn Tinte und Charakter wechseln mit denselben: die von B sind derber und schwerfälliger als die von A wie seine Schrift. A und B hatten kein Verständnis dafür und beachteten den Zusammenhang zwischen Text und Noten nicht. Das zeigt z. B. 10, 1, wo were nur eine Note hat. Da man damals so wenig wie heute auf zwei Silben eine Note zu componieren pflegte, muss cxxvn im Originale wer gestanden haben. Auch 37, 7 stehen aaf ir ge-- liikch nur zwei Noten, so dass er glukch herzustellen ist. In sol- chen Fällen also gibt die Melodie ein gewisses Gorrectiv für die Textconstracdon. Nicht ist das aber amgekehrt der Fall. Stehen z. B.. 37» 2 über tdn 2 Bauten, so folgt daraus nicht, dass im Original das Wort zweisilbig gestanden. Man sieht gleich, in wie fern das Beachtung verdient. Hätte z. B. g(e)lükch 37, 7 zu- fällig im Originale zwei Noten getragen, würde der Schreiber auf jede Silbe eine solche gesetzt haben, und der Schluss, dass jede Silbe mit einer Note auch im Urtexte vorhanden gewesen sein müsse, wäre unrichtig. Dazu war die Copie der Rauten selbst nicht immer sorgfaltig genug; es begegnen auch hier Ciorrecturen : 10, 8 z. B. schrieb A zweimal als und über beide eine Note, der Initialen- maler tilgte das erste ah mit roter Tinte, während die Note dar- über erst von einem andern mit schwarzer Tinte ausgestrichen wurde; 8, 1 standen die Schlüssel c auf der zweiten und f auf der vierten Notenlinie , wurden aber weggekratzt und in die erste und dritte gesetzt. Damit liegt die eine Seite der Ueberlieferung hinter uns. Sieben Hände sind bei der Herstellung, und Verschönerung dieser Hs. tätig gewesen. Aber man weiss, und Wattenbach hat es in seinem Sohrifbwesen noch besonders betont, dass die Ausstattung häufig in umgekehrtem Verhältnisse mit der innem Güte steht: solche Hss. waren eben kalligraphische Schaustücke, bei denen mehr Sorgfalt auf Ausstattung als auf Ciorrectheit verwendet wurde. Wie es im C!od. Pal. mit der letzteren bestellt sei, wird man schon bei der Erörterung über die verschiedenen Schreiber teilweise gemerkt haben, und ist jetzt, gestützt auf die bereits gewonnenen Resultate, ge- nauer zu untersuchen; wir wollen nur vorher einen eiligen Blick werfen auf die Geschichte der Hs. und — was damit zusammen- hängt — auf die bisherigen Arbeiten über Hugo. Zwei Jahrhunderte lang fehlt uns jede Nachricht von der Es.: wie die anderer, grösserer Meister wird sie zur Zeit des humani- stischen Gelehrtentums unbeachtet im Staube gelegen haben. 1622 finden wir sie im Besitze der Heidelberger Universitätsbibliothek. Im folgenden Jahre wurde sie von da mit den vielen andern unter dem Schutze der «heiligen Liga^ in den Vatican nach Rom ver- schleppt. Dort fand sie Friedrich Adelung 1792. Er schrieb cxxvm von sämmtliohen Gedichten den Anfang, von einigen auch ScUnss und einzelne Strophen, Nr. 7, 8, 21 ganz ab und veröffentlichte seine Arbeit 1796 in den Nachrichten von altdeutschen Gredichten ans Rom ü, 215 — 239. Schreib- und Druckfehler, auch andere Unrichtigkeiten finden sich darin in seltenem Reichtume; doch die Umstände, unter denen er den Codex benutzte, entschuldigen alles. 1816 gab der Vatican das fremde Eigentum zurück. An der Heidelberger Universitätsbibliothek stand nun der Cod. Pal. 329 den einheimischen Gelehrten zur freien Benützung offen. Zuerst kam Gör res. Er übersetzte Nr. 7 : » Was zeihst du mich, mein liebster Buhli'^ und nahm es mit der selbstgemachten Ueberschrift «Zu- spruch* in seine » altdeutschen Volks- und Meisterlieder" auf ; was er in der Einleitung XVII über Hugo sagt, ist entweder bedeutungs- los oder unrichtig. Der nächste war Lassberg, der in seinem Liedersaal (I, p. VI) des Herren von Bregenz gedenkt. Die ersten aber, deren Urteil ein tieferes Studium unseres Dichters aus seiner Hs. bekunden, sind Gervinus und U bland. Die Haus- und Seelen- geschichte Hugo*s, sein Charakter, der einfachere und gefälligere Ton seiner Briefe und Reden gegenüber der verkünstelten oder ver- bauerten Weise anderer Zeitgenossen zogen unsern Literarhistoriker an bis zur einseitigen Auffassung und Ueberschätzung^). Gervinus' Aussprüche wurden gangbare Münzen, und von nun an fehlt Hugo in keiner bedeutenderen Literaturgeschichte mehr. Uhland bot in seinen Vorlesungen einige beachtenswerte Züge aus Hugo's Leben ^), die er mit Gedichtproben belegte; ihn zogen offenbar die volkstümlichen Elemente an, weswegen er die Hs. auch zu den Ab- handlungen über die Volkslieder benutzte^). Weiter brachte Wa- cker nagel in seinem Lesebuche (Spalte 1151) die Rede Nr. 24 und den Brief Nr. 36, der Anzeiger des german. Museums 1832 (Spalte 178), 1833 (Spalte 281, 29c5) und 1834 (Spalte 200) zerstreute Notizen und die Inhaltsangaben etlicher Lieder; Pischon in seinen Denkmälern (H, 95) den Brief Nr. 36 und *) Gesch. d. deutsch. Dicht. II ^ (1836), p. 224, 260 und 298, und später noch erweitert und verbessert II*, 427— -429. «) ühlands ges. Sehr. H, 210-217. ») ühland a. a. 0. in, 435, 438 und Anmkg. 239, wo er auch 8 Strophen aus Nr. 16 abdruckte. CXXIX (n, 127 S.) die Reden Nr. 25 und 28 zum Teil und die Lieder Nr. 12 und 40; Kurz in seiner Literaturgeschichte Nr. 16 and 36. Bibliotheken Hessen die ganze Hs. oopieren, so die za Donauesohin- gen, zn Berlin und zu Graz; die beiden letzteren habe ich selbst mit meiner Absohrifit verglichen. 1846 schrieb dann v. d. Hagen in den Jahrbüchern der Berliner Gesellschaft für deutsche Sprache und Altertumskunde eine Abhandlung über Hugo mit einigen zu- treffenden Bemerkungen. Ein Mann von Hugo*s politischer Be- deutung zog auch Historiker zur nähern biographischen Unter- suchung an: wir kennen Yanotti*s und Bergmanns Arbeiten schon aus Abh. L So standen die Forschungen über Hugo, als 1857 Weinholds schon wiederholt genannte Abhandlung in den Mitteilungen des historischen Vereins für Steiel'mark VII, 127—180 erschien. Sie ist nicht nur die umfangreichste, sondern auch die gehaltvollste von allen: im biographischen Teile fasste er die Arbeiten seiner Vor- gänger zusammen und tat selbst ansehnliches hinzu; was er über Hugo*s Persönlichkeit und Charakter gesprochen, war grundlegend, und wenn ich ihn ergänzen, weiter ausführen und teilweise auch berichtigen konnte, geschah es nur auf Grundlage neuen Materials, welches das seine wenigstens um das fünffache übersteigt; mit Nr. 1, 6, 9, 13, 16 und 40 hat er auch die Herstellung eines kritischen Textes versucht. Dass nach dieser Arbeit ein zwanzigjähriger Still- stand eintrat, gibt das beste Zeugnis für ihre Brauchbarkeit. Erst in neuester Zeit wurde Hugo ein vielumworbenes Forschungsobject. Gleichzeitig und ohne von einander zu wissen, unternahmen drei eine vollständige Ausgabe desselben, welche zwei vollendeten. Die Ausgabe von Bartsch erschien im Stuttgarter lit. Verein (1880, 4. Publication; p. 1—24 Einl., 25—227 Text), also nicht un Buch- handel. Es wäre schon deswegen untunlich gewesen, meine Ab- handlungen an seinen Text zu binden; dazu haben wir uns ganz andere Ziele und Grenzen gesteckt: ihm handelte es sich nach dem Muster der andern Vereinspublicationen um einen Textabdruck, wenig um Hugo's Leben, Persönlichkeit, Sprache und Metrik, was mir die Hauptsache war, so dass sich unsere Arbeiten nur zum kleineren Teile decken; auch Text und Varianten meiner Ausg. sind vielfEich in anderer Gestalt und nach andern Grund- sätzen angebaut Nach dieser notwendigen Abschweifung fahl« \c3;i \a ^X^\- WackerneJ], MontforL % cxxx suchang der Hs. fort, indem ich die wichtigste aller hiehergehöri- gen Fragen aufwerfe : ist der Cod. Pal. Original und, wena «nicht, in welchem Verhältnisse steht die Abschrift zu demselben? Original wäre im vorliegenden Falle jene erste Niederschrift, welche entr weder von Hugo*s eigener Hand oder von einer andern unter seiner revidierenden Aufsicht seiner Sprache und Schreibweise gemäss ge- fertigt worden ist Von den Gründen, welche den Cod. PaL als Abschrift erweisen, bringe ich nur jene herbei, welche auf Unter- suchungen ruhen, die uns gleichzeitig auch Resultate anderer Art zufahren. Es ist klar, dass Hugo seinen jeweiligen Schreiber nicht nur mit der Hs. beschäftigte, sondern ihm auch andere Schreibereien zuwies^), was es nahe legt zu vergleichen, ob etwa in den erhal- tenen, datierten oder datierbaren Montforter Schriften eine Hand aus dem Liedercodex wiederkehre; denn damit gewännen wir einen festen Anhaltspunkt, die Entstehungszeit desselben zu bestimmen. Selbstverständlich richtet sich das Hauptaugenmerk auf jenen Schrei- ber, der am meisten Aufiäliigkeiten zeigt, auf A. Ich ÜBuid ihn im Urbar Hugo*s, wo er auf Fol. 160 Nachträge machte. Da ich den Cod. Pal. und das Urbar gleichzeitig in Händen hatte, war ein genauer Vergleich möglich, der beiderseits dieselben Züge, die- selbe Lage, dieselben auffallend langen und zugespitzten f, p und /, auch dieselben Schreibgewohnheiten in allen dafür charakteristi- schen Wörtern erkennen Hess. Die Nachträge verzeichnen neue Zinsen und lauten gewöhnlich: (ItemChunratSalherdaczVczendorf)^) dient Geori ain halb phunt, MichaheUs ain halb phunt phening vnd drey pon phening von der huben^ da er avf sitzt — oder (Item Jekel an des Droscholben hoflein) dient dauon Oeori fünf vnd dreissig phening^ Michahelia drey Schilling^ vier vnd zwaintzig phevdng^ drey pon phening etc. Das wiederholt sich noch eini- ^) Seine Schreiber waren nicht regellos ab- und zugehende Lohnschrei- ber, sondern Beamte, die ihren rechtlichen Titel führten. Einen Beleg dafür liefert Brandls ürknndenbnch der Teufenbacher : in Nr. 216, p. 187 nrknndet am 10. Mai 1416 in Prodersdorf HansBernger als ^meins gnedigen herm Gra£f Hawgen Ton Montfort Schreiber.^ — So wird es anch bei seinen Naeh- folgem gewesen sein. ') Was eingeklammert und nicht cnrsiv gedruckt ist, kommt Tom Schreiber des ürbars, dessen Schrift einen wesentlich andern Charakter und eine viel grössere Verrohung der Formen aufweist als die Liederhs. OXXXI gemal unter anderm Namen. Von charakteristischen Schreiban- gen, die zu A stimmen, begegnen darin: pA (vgl. p. 115, Punkt 4) vierzehnmal; dreissig neben drey^ cdn etc. (vgl. ibid., P. 8); huben^ fünf (Tp. 117, P. 4). Da A mit Nr. 12 aus der Liederhs. verschwindet und nachher nicht mehr erscheint, darf nicht angenom- men werden, dass diese Nachträge später gemacht seien als Nr. 12, weil es ganz unerklärlich wäre, dass der Graf diesen guten Schrei- ber von der Hs. (auf die man besondere Sorgfalt legte) entfernt, ihn anderweits verwendet und einen schlechteren an seine Stelle gesetzt hätte. Somit ist das Alter der Hs. von dem des Urbars abhängig, das aber in keinem Falle vor 1402 enstanden ist, weil es bereits die Abgaben von den Stadecker Gütern enthält*). Der Schrift nach ist eine nähere Fixierung nicht tunlich, denn fast jede rein paläographische Zeitbestimmung gibt einen Bewegungsraum für 15 — 25 Jahre frei; aber ein anderer Anhaltspunkt findet sich, der die obere Grenze, um die es sich hier handelt, enger zieht Ich überlasse dabei einem Paläographen wie v. Zahn das Wort, der mir darüber schrieb: «sichtlich ist der Einband gleichzeitig, notwendig aber bald, sehr bald nach Abschluss der Reinschrift des Urbars erfolgt Nun werden sie selbst bemerkt haben, dass auf der Innenseite des Vorderdeckels das Fragment einer Urkunde auf- geklebt ist^), und von dieser hat sich das Datum erhalten, nämlich 1414.« — Somit ist das Urbar nicht oder nicht viel vor 1414 hergestellt, der Nachtrag auf Fol. 160 und das letzte Gedicht von A (Nr. 12) nicht früher geschrieben worden. Der weitere Schluss ist einfach. Nach 31, 169 und 209 hat Hugo 1401 schon ein btwch vor sich, in das 30 seiner Gedichte eingetragen sind: dies Buch kann nicht das unsrige und das unsrige somit nicht Original sein, weil darin die Gedichte von 12, 13 an nicht vor 1414 geschrieben worden sind^). Zu demselben Re- sultate führt eine andere Untersuchung. ^) Diese kamen erst von 1402—1404 an die Montforter. Vgl. Abh. I, p. 54—57. *) Selbstverständlich schon bei der Eerstelinng des Einbandes, zu dem •s notwendig gehört. Eine ähnliche Datierungsweise bei Sommer, Flore p. 36. ') Man sieht, wie schon mit dem Nachweis, dass das ürb. nicht Tor 1402 — 4 enstanden sein könne, zugleich anch der Beweis erbracht ist, der Cod. Pal. sei nicht Or., und ich führte die Deduction nur weiter, weil es sich amch um die Zeitbestimmung der Hs. überhaupt handAVt. ^* cxxxn Die angeführte Rede (Nr. 31) lässt die Entstehungsweise jener Hs. von 1401 erblicken. 165—174 zählt der Dichter die Pro- dacte auf, die er gemacht: es seien 30 Stücke; nun ist aber die Rede selbst schon das 31ste. Man hat daher geschlossen, dass ein Gedicht verloren gegangen sein müsse, doch ohne Grund: Hugo zählte die Gedichte, die im , Buche* waren, Nr. 31 aber war noch nicht fertig und daher auch nicht eingetragen, während Nr. 30 bereits in der Sammlung stand. Die Gedichte wurden also einge- tragen, wie sie entstanden, und die Reihenfolge in jenem Codex von 1401 war eine chronologische^). Lässt sich nun er- weisen, dass in unserer Hs. diese Ordnung nicht mehr vorhanden ist, so kann sie nicht das „Buch^ von 1401 und somit auch nicht Original sein. Das muss versucht werden, denn die Folge der Gedichte ist auch wichtig für die Kenntnis von Hugo*s Leben, weswegen ich in Abh. I wiederholt auf diese Stelle verwies. Ich hebe bei Nr. 5 an, weil hier die Datierung nach äusseren Anhaltspunkten geschehen kann. 5, 239 £ spricht der Dichter von einem regierenden Jcüng von PeJiem Umd. Solcher Könige gab es während Hugo*s Lebenszeit drei : Karl lY, Wenzel und Sigmund, und zwar muss Wenzel gemeint sein, weil nur er bei seiner Wahl noch ein Knabe war (231): das Gedicht fällt somit zwischen 1378 und 1400. Diese beiden Grenzen lassen sich weiter zusammenrücken. Nach Vers 52 und 53 hat . Hugo schon 33^/2 ^^^^^ hinter sich, und Nr. 5 kann nicht vor Ende 1390 entstanden sein, wenn Hugo in der ersten Hälfte, und nicht vor 1391, wenn er in der zweiten Hälfte von 1357 geboren ist; bedenkt man, dass es 5, 53 heisst: 33 V2 j^ der was ich aU^ der Dichter also jetzt einiges darüber hinaus ist, so kann man in jedem Falle 1391, als die eine Grenze annehmen. Die andere ergibt sich, wenn man nähor ins Auge fasst, wie Hugo die Regierung dieses Königs charakterisiert. Wenzel war in seiner Jugend ein besse- rer Regent gewesen als in den späteren Jahren: er hatte sich des Reiches angenommen, hatte Massregeln getroffen gegen die immer weiter um sich greifenden Bündnisse der Städte und Her^ ^) Anch ohne diesen bestimmten Anhaltspunkt würden wir das Reeht haben, auf chronologische Reihenfolge der Gedichte zu schliessen, sobald wir nur erfahren, dass sie in ein Buch geschrieben wurden, ja man ist gewohnt, in jeder Originalhs. ohne weiteres chronologische Reihenfolge anzunehmen; vgl Karajan, Teichner (Denkschr. VI) 155. cxxxin ren, gegen das Schisma a. s. w. Aber die geringen Erfolge verleideten ihm diese Geschäfte mehr und mehr. Seit dem Aus- gange der Achtzigerjahre zog er sich ganz auf Böhmen zurück, kümmerte sich um das Reich gar nicht mehr und verrohte, so wie ihn Hugo schildert. Das erregte grosse Unzufriedenheit; die vom höheren Adel wurden überdies noch dadurch aufgebracht, dass der König seine Räte nicht aus ihrer Mitte wählte, sondern niedere Günstlinge und Schmeichler mit hohen Aemtem begabte. Seit den rohen Gewalttaten des Frühjahres 1393 aber war unter den geist- lichen und weltlichen Herren, besonders auch in Oesterreich, die Ansicht allgemein: «einem solchen Manne zieme es nicht, die deutsche Krone zu tragen **; es bildete sich eine offene Opposition, der im Dea d. Js. auch König Sigmund von Ungarn beitrat; im Mai 1394 wurde der König selbst gefangen genommen. Halten wir nun zu diesen Vorgängen 5, 243 — 45. Wäre Nr. 5 nach dem Ausbruche der Opposition entstanden, so wäre Hugo*s Aufforderung, der König solle in das Reich kommen, ganz sinnlos ; denn es war jetzt nur zu begreiflich, warum er Böhmen nicht verliess. Das andere Verlangen Hugo's, Wenzel solle sich die Kaiserkrone holen, passt nach 1393 noch viel weniger; denn seitdem die Erbitte- mng gegen Wenzel und die Ueberzeugung von dessen Regierungs- unfahigkeit so allgemein war, konnte Hugo im Ernste keinen solchen Einfall haben; eher würde er, der Anhänger der öster- reichischen Fürsten, welche auch im Complot gegen Wenzel waren, ihm geraten haben, auch noch die deutsche Krone niederzulegen. Es bleibt also 1391—1393 für die Entstehung von Nr. 5. Das ist die Zeit, wo bei Hugo schon der männliche Ernst eingekehrt war, wo er sich vom fremden Minnedienste weg und (wie er 5, 54 selbst sagt) zu Gott gewandt hatte. Nun stehen aber die Blüten seines Minnedienstes, die Lieder Nr. 6, 7, 8,7iind 9, die offenbar denselben begleitet hatten, nach Nr. 5, und die Ordnung der Gedichte in unserer Hs. kann nicht mehr chronologisch und diese mithin nicht Original sein. Daraus erwächst die Aufgabe, die gestörte chronologische Ord- nung der Gedichte, so weit möglich, wieder herzustellen; dabei wird jeder Nachweis der Aenderung in unserer Hs. auch wieder ein neuer Beweis, dass sie nicht Original sein kann. Es werden sich Resultate mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit herausstellen, denn einerseits sind directe Beziehungen und Verweise zwischen den ein.- CXXXIV zelnen Gedichten zu Anhaltspankten gegeben, andrerseits werden die Gredichte ans derselben Zeit durch den Grundton ihrer Ge- sinnung, durch die Gleichartigkeit der Denk- und Darstellungsweise ihre Zusammengehörigkeit herausfühlen lassen. Auszugehen ist von dem bereits gesicherten Punkte, von Nr. 5. Nr. 4 passt gut zu Nr. 5, neben dem es in der Hs. steht. Beide berühren sich durch die Klagen des Dichters über die gitiheit (4, 7 und 5, 201), durch die Beteurungen seiner Bechtgläubigkeit (4, 43, 105 t und 5, 105 f.), durch den Hinweis auf die Vergänglichkeit alles irdischen Wesens (4, 104 und 5, 56, 324), auf das jüngste Ge- richt (4, 121 f.; 5, 171 f., 200, 222, 272 und besonders 4, 128 und 5, 274); dazuhaben sie dieselbe Darstellungsweise und Form. Nr. 2 und 1 zeigen eine andere Gemütsverfassung des Dichters, die aber leicht zu erklären ist (p. 36 f.) und nicht hinreicht, sie ans der überlieferten Stellung zu entfernen, zumal noch Gründe für dieselbe sprechen, denn auch in Nr. 2 steht der Dichter schon in den reiferen Jahren und blickt wie in Nr. 5 auf seine verliebte Jugend zurück, ja 5, 135 f. behandelt wie 2, 92 f. die erste Ausfahrt in die "Welt; auch in Nr. 1 sehen wir den Dichter schon von den Abirrungen seiner Jugend reuevoll zurückgekehrt zu Gott und zur Liebe zu seiner Gemahlin, dazu hat es dieselbe Form wie Nr. 2» 4 und 5. Mit denselben Gründen aber, mit welchen wir hier die überlieferte Reihenfolge aufrecht halten, scheiden wir Nr. 3 aus. Es ist nach Inhalt und Darstellung ein Jugendproduct, in dem der Dichter noch heimliche Wege verbotener Liebe wandelt, d. h. eben das tut, was er in den genannten Gedichten Nr. 1, 4 und 5 in seiner Jugend getan zu haben bereut; auch die strophische Form weicht von jener in Reimpaaren ab. Alle Momente, die es aus der überlieferten Nachbarschaft fortschaffen, weisen es zu den Liebesliedern von Nr. 6 — 9, an deren Spitze es von selbst stehen bleibt, weLn wir Nr. 1, 2, 4 und 5 zu den Producten der spätem Zeit zurückstellen, wohin sie gehören. Nr. 6, 7, 8 und 9 sind Tanzlieder im ganz gleichen Genre, zeigen die gleiche Anschauungsweise und die gleichen Liebesbe- mühungen des Dichters, von denen wir p. 16 ff. gehört, stammen folgerichtig aus der gleichen Lebensperiode und bleiben in der über- lieferten Stellung. Sie bilden einen Gyclus, indem sie eine be- stimmte Periode der Denk- und Dichtungsweise Hugo's umfisussen^), ') Eine chronologische Abgrenzung der einzelnen Gedichte ist nicht mftg- GXXXV ebenso wie die folgenden Wächterlieder Nr. 10, 11 und 12, welche mit ihrem moralisierenden Tone die Periode der Umwandlung (p. 34 ff.) charakterisieren, nur unter einander ist ihre Stellung um eins verrückt worden: Nr. 11 muss vor Nr. 10 gedichtet worden sein; denn 11, 4—6 ermahnt der Wächter den Dichter, dass er aufhören solle, Tanzlieder zu machen. Wäre Nr. 10 vor Nr. 11 gedichtet, käme diese Ermahnung zu spät, weil Nr. 10 schon ein moralisierendes Taglied ist; aber wohl passt Nr. 11 hinter Nr. 9, das letzte Tanzlied: die unmittelbare Aufeinanderfolge zwischen 9 und 11 wird daraus evident sein. Aber noch eine weitere Beziehung beweist, dass Nr. 10 hinter Nr. 11 zu stellen ist: 10, 8 sagt der Wächter zum Dichter: du bist doch noch^ als ich dich lie. Wie das Gedicht dasteht, hat die Stelle keinen Sinn; denn die beiden fanden wir ja noch nie beisammen! Ganz anders jedoch, wenn Nr. 11 vorausstand, worin der Wächter den Dichter ermahnte, eine andere Lebensweise zu beginnen; da er aber da- mals bei ihm wenig ausgerichtet, kommt er in Nr. 10 abermals, findet ihn noch nicht gebessert und kann jetzt sagen : du bist doch noch^ als ich dich lie. Daraus ergibt sich die Reihenfolge 9, 11, 10,' 12; aber noch ein weiteres: der enge Zusammenhang zwischen 9, 11 und 10 schliesst aus, dass 1, 2, 4, 5 zwischen diese beiden Cyclen (6, 7, 8, 9 und 11, 10, 12) hineingestellt werden; sie müssen dem letzteren nachfolgen, was auch andere Gründe dartun : 11 — 12 nämlich zeigen den Uebergang zu einem neuen religiösen Leben, der in 1 — 5 schon geschehen ist; femer sagt der Wächter 10, 6 zum Dichter: du hast uff mitten tag dtnar zit gelept uff erden Me. Des Menschen Tag ist das Leben, und mit den Dreissi- gerjahren beiläufig beginnt ihm der Mittag. Demnach fallen Nr. 10 und die zu ihm gehörigen Gedichte in den Ausgang der achtziger, während oben Nr. 1, 2, 4, 5 dem Beginne f der neunziger J. zuge- wiesen werden konnten. — Nr. 13 bietet keine dierecten Anhalts- punkte zur geni^ueren Mxierung, aber Inhalt und Form bewahren ihm seine Stellung nach Nr. 12, so dass sich folgende Ordnung als die ursprüngliche ergibt: 9, 11, 10, 12, 13, 1, 2, 4, 5. lieh, aneh entbehrlich; es genügt zu wissen, dass sie während der Ehe mit Margaratha entstanden sind und nicht dieser galten: das beweist seine Reue in den spätem Jahren und Nr. 17, wo er ausdrücklich heryorhebt, dass er seiner Frau Tergessen und andern frowen und töehterlin gedichtet habe. Auch Weinhold teilte diese Ansicht. CXXXVI 0 Nr. 14 kann stellen bleiben, Nr. 15 dagegen scheint mir in der Nähe von Nr. 4 oder 5 besser zu passen, als nach Nr. 14« weil es den Eindruck, den Margaretha's Tod auf den Dichter ge- macht, lebendiger zeigt als 5 und 14; doch das ist Vermutung, bei der wir uns nicht aufhalten wollen. Dieser ganzen Gruppe fehlt noch ein Gredicht: Nr. 17 ist in seiner Stellung zwischen Nr. 16 und 18 ganz unhaltbar; denn Nr. 16 zeigt die beginnende Liebe zu dementia, welche Nr. 18, 19 etc. fortsetzen, während Nr. 17 den Abschied von der verbotenen Minne und Minnedichtung schil- dert, die er in dm tron gen der liebsten frowen gepflegt hat. Das kann sich nicht auf dementia, sondern nur auf Margaretha beziehen, und Nr. 17 findet daher seine Stellung nach Nr. 11 — 13^). So hat sich folgende chronologische Reihenfolge ergeben: Nr. 3, 6, 7, 8, 9, 11, 10, 12, 13, 17, 1, 2, 4, 15 (?), 5, 14. Es gereicht derselben nur zur Bestätigung, dass so die Ge- dichte ein vollständiges, scharf markiertes Bild von Hugo^s innerer Entwicklung geben, wie wir dasselbe in Abhandlung I zu entrollen versucht haben. Nr. 16 — 26 umfassen eine neue Lebensperiode von c. 1394 bis c. 1400, es sind die Gedichte an dementia, deren Zusammen- hang in der überlieferten Ordnung aus Abh. I (p. 43 — 49) ersichtlich sein wird; nur Nr. 22 ist zwischen Nr. 21 und 23 unmöglich, weil diese sich inhaltlich eng an einander schliessen, während in Nr. 22 eine ganz andere Gemütsverfassung des Dichters zu Grunde liegt: es ist diesselbe, welche sich in Nr. 24, 25 und 26 fortsetzt; es müsste daher wenigstens nach Nr. 23 stehen. Dass es aber auch hier nicht am Platze sei, zeigt der Eingang von Nr. 24, wo Hugo klagt, dass er aus Liebe zu viel gedichtet und zwar — wenn man 24, 106 dazuhält — der weit ze lustj nachdem er es schon einmal ver- schworen habe, was 18, 205 f. geschehen ist, dem dann Nr. 19, 20, 21 und 23 nachfolgten, die wirklich der Welt zur Lust gedichtet worden; aber nicht gilt das für Nr. 22, das bereits der Welt zur Belehrung dasteht wie 24, 25 und 26. Die angeführte Aeusserung des Dichters bestätigt also einerseits Nr. 19, 20, 21 und 23 an ihrem gegenwärtigen Platze und weist andrerseits Nr. 22 hinter Nr. 24 zurück. ^) Ich befinde mieh auch hier in Uebereinstimmnng mit Weinhold, der (p. 135) Nr. 17 gleichfalls auf Margaretha bezog ; nnr ist es tot, nicht nach Nr. 1 zu setzen. CXXXVII Der nächste Cyclus umfasst Nr. 27- 33, die Gedichte nach dem Tode Glementia^s, von c. 1400 - 1402. Zu einer Verstellung zeigt sich keine Veranlassung^). Auch die letzten fünf Producte (Nr. 34 — 38) bleiben in der überlieferten Ordnung. Sie sind datiert mit Ausnahme von Nr. 37 : die ersten drei entstanden 1402, Nr. 38 erst 1414; dazwischen fällt also eine grosse Lücke mit Nr. 37, das wegen Vers 40 eher zu Nr. 38 als zu den vorausgegangenen Briefen gehört. Man könnte viel- leicht darauf verfallen, die mehr als zehnjährige Lücke durch den Verlust einiger Gedichte zu erklären; doch spricht 38, 101 da- gegen, wo Hugo die Gedichtarten aufzählt, in welchen er seiner (dritten) Frau gedichtet habe: es sind die brief^ tagwis und redy und wir haben 3 Briefe, die Tagweis und die Rede (vgl. p. 69). So hat die Reihenfolge des Originals im Cod. Pal. manche Aenderungen erfahren^). Aus der Art derselben lässt sich einiger- massen auch die Absicht vermuten, in welcher man sie vornahm: es sollten die gleichförmigen Gedichte zusammengestellt werden. Vor- aus setzte man die einfachsten, die Reden in Reimpaaren, Nr. 17 wird davon ausgeschieden und zum gleichgebauten Nr. 16, eben- so Nr. 15 von den Reimpaaren weg und zu den strophischen Ge- dichten gestellt. Dann folgen die singbaren Lieder, dann die übrigen strophischen Gedichte. Später werden die Aenderungen seltener, weil eben fast alle Gedichte dieselbe Gestalt hatten. Wenn die *) Nr. 27 mit Weinhold auf den Tod der ersten Frau zu beziehen, geht nicht an, wie sich aus der geführten Untersuchnng nun von selbst er- geben wird; dazn klagt der Dichter 27, 129 — 136, dass ihm durch Sterben grosses Herzeleid geschehen sei. Wir wissen ans dem Zasammenhange, dass er damit den Tod Clementia*s meint. Er setzt aber hinzu: ieh wandt mir möeht doch niemer also werden: dasselbe ist ihm also schon einmal geschehen, womit er doch nur den parallelen Fall von Margaretha*s Tod meinen kann. Auch Nr. 31 wollte Weinhold yersetzen und zwar vor Nr. 28. Das darf ebenso wenig geschehen; denn in Nr. 31 zählt Hugo seine bisher gemachten Gedichte auf: 30 an der Zahl. Stünde Nr. 31 vor 28, 29 und 30, wären diese damals auch nicht gedichtet gewesen, und wir hätten dann nur 27 fertige Producte voraus, also um 3 zu wenig. Dazu hat Nr. 31 mit 32 eine directe Anknüpfung: 31, 213 f. sagt er, er wolle das Dichten lassen, denn er werde nan alt und besässe nicht mehr die Kraft dazu. Als ihm aber wieder die Lust dazu kam, beginnt er das nächste Gedicht (32) mit einem hinmder heb ieh tiehten cm. *) Im Texte habe ich die überlieferte Ordnung stehen gelassen, wie auch andere Editoren in ähnlichen Fällen getan haben. CXXXVIII ganze Anordnung nur mangelhaft durchgeführt ist, so kann das wenig anfiallen: sie war ja ein Unternehmen der Schreiber, die alles, was sie anfiengen, nur halb und schlaaderhaft durchführten, wie wir noch genugsam sehen werden. Der Gedanke der Schreiber war damals nichts weniger als neu : die Göttinger Hs. des Mügeln z. B enthält die Lieder nach Tönen geordnet^), dasselbe haben die Hss. Oswalds v. Wolkenstein ^) , so ordnete auch Beheim seine Lieder^). Besonders bei Praohthandschriften lag es nahe, durch eine solche Anordnung die Gleichartigkeit und Schönheit zu erhöhen^). Unser Cod. ist also nicht nur nicht Original, sondern auch keine treue Abschrift desselben. Das wird noch deutlicher aus der Untersuchung seiner Sprache, wobei uns die festgebundenen Reime zunächst die Anhaltspunkte geben, die ursprünglichen Formen von den verdorbenen der Schreiber loszulösen. In der Hs. begegnet häufiger Wechsel zwischen i und dessen Gunierung ei^ z. B. I, 12 meiner; 18, 125 seinem; 1, 44 dein; 1, 2 mtn^ 21 din etc. Die jungem Formen erscheinen in der Zeile sogar in der Ueberzahl. Allein die Reime m^mleichidich 14, 43; dein i hin (Adv.) 15, 119; gütleich : mich 18, 6; bin : sein 18, 25; ewenkleich : ich 25, 30; subteil : pappir 28, 593; gentzleieh: mich 31, 46; dann schiben : siben 4, 75 und die andern Abh. rv, p. 147 aufgezählten i : i beweisen neben den vielen (besonders bei A) richtig erhaltenen i die Aenderungen der Abschreiber. Da sich femer kein ei (alt) mit ei (= i) bindet, so ist evident, dass alle ei (= i) spätere Verderbnisse sind. Wie mit i und ei so verhält es sich mit ü und seiner Gu- nierung au. Wir finden mawr^n : lekt seiner Heimat, die Schreiber dagegen den bairisch- österreichischen ^), wo diese neuen Diphthonge schon lange gangbar waren, während sie in den alemannischen erst gegen Schluss des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, ja vielfach erst noch später eindrangen (vgl. Weinholds MG. § 91, 97, 117 und AG. § 51, 57, 96, 99 und 131)2). Für die Construction des Textes ergibt sich daraus alsobersterGrundsatz: alle Formen, welche bairischen Charakter tragen, müssen getilgt und die entsprechenden alemanni- schen dafür hergestellt werden; alle specifischen Alemannismen dagegen müssen ungeändert bleiben, selbst auch dann, wenn sie bloss grobem mundartlichen Erscheinungen angehören sollten, ob- gleich man versucht sein könnte mit Weinhold') zu schliessen, dass Hugo, der gebildete Ritter, sich von solchen fern gehalten habe. Wir können nun auch die bairischen oi, die sich in der Hs. für altes und neben altem ei finden (z. B. laid 5, 13: beraiten 17, 15) ^) Aujch das dentet darauf, dass ansere Hs. anf den Pfannberger Gütern entstanden sei, wo Hugo erst seit 1402 beständigen Hof hielt wie früher in Bregenz; Tgl. Abb. I, p. 52 ff. ') Weinholds mittelhochd. Gramm, bezeichne ich mit MG., desselben alem. Gramm, mit AG., bair. Gramm, mit BG. s) In den Mitteilungen VH, 164. CXL den Schreibern zur Last legen; denn sie kamen eben mit dem ei (= ^) in Brauch, um den alten Diphthong vom neuen zu unter- scheiden; vgl. Scherer GDS. p. 42, MG. § 89, BG. § 64. Allein das durch die Reime gewonnene Kriterium reicht nicht aus: es bleiben noch viele, zum Teile sehr rohe Formen, welche um diese Zeit dem bair. wie dem alem. Dialekt gemeinsam waren, wobei die Reime, auch wenn sie zahlreicher wären, nichts beweisen könnten, ebensowenig wie die Metrik. Es bliebe in diesen Fällen nichts übrig, als auf den Grundsatz zurückzukommen, den Heinzel in ähnlicher Lage (bei Heinrich v. Melk, Vorrede p. 5) aufgestellt hat: bei jeder P'orm der Hs. ist zu fragen, ob sie in der Zeit und in der Heimat Hugo*s möglich gewesen. Dieser Grundsatz ist hier um so berechtigter, je näher unsere Hs. dem Originale steht. Die Quellen, die zu Bäte zu ziehen, sind selbstverständlich alem. Dichtungen und Urkunden aus dieser Zeit. Dabei darf man sich freilich einen Nachteil nicht verhehlen: Frank hat noch jüngst mit gutem Grunde betont (Zs. f. d. Altert. XII, 34), wie jeder Dichter seinen eigenen Wortschatz, seine eigene Ansicht über die Zulässigkeit einer Form in der Schriftsprache hat. Und das ist gerade in Hugo*s Zeit, wo der individuelle Geschmack weniger als jemals von einem allgemeineren Sprach- und Schreibgebrauch ein- geengt wurde, besonders zu beachten. Der eine Dichter gestattet sich, was der andere, ja oft die meisten andern meiden. Da wir nicht von diesem oder jenem alem. Denkmale, sondern nur von der Gesammtheit derselben das Mass nehmen können, so ergibt sich daraus eine Summe von Auswüchsen und Verrohungen, aus welcher sich auch die misslichsten Formen und Schreibungen belegen lassen. Bei diesen Zweifeln wird nun der oben gegebene Nachweis wichtig, dass Hugo^s Gedichte von drei verschiedenen Händen ge- schrieben sind, welche, verschieden an Fähigkeit und Fleiss, das Original mit wechselnder Genauigkeit copierten, so in ihren Fehlern divergieren und sich gegenseitig zur Goutrole werden. Das regelt die Ueberlieferung ähnlich so, als lägen uns drei verschiedene Hss. vor; nur haben wir statt des Nebeneinander ein Nachein- ander. Das Verhältnis lässt sich durch folgendes Bild veran- schaulichen. CXM 0 A (1—12, 12) B (12, 13-37) C (38) Als Original werden wir das buoch von 1401 anzusehen haben, dessen Entstehung wir ja (p. 132) teilweise beobaohten konnten. Von einer Hs. zwischen jener and der unsrigen erscheint keine Spar. Auch über die Beschaffenheit des Or. ist einiges zu ermitteln: es war, wie zu erwarten, im alem. Dial. geschrieben, das beweisen die vielen noch erhaltenen alem. Formen im Cod. Pal. (vgl. Abh. IV) *) ; es hatte ferner fortlaufende Zeilen, in denen nur Punkte die Verse von einander trennten. Daher also kommen in unserer Hs. die vielen Punkte am Versende (p. 113), die von A, B und G mechanisch abgeschrieben worden waren, daher auch die vielen zusammengeschriebenen oder falsch getrennten Verse bei B und C. Von den Schreibern besitzt A den grössten Wert; er ist der gebildetste und fleissigste, schreibt schöner und treuer: bei ihm finden sich unvergleichlich mehr ursprüngliche i*, 6, o und ü^ rich-^ tigere Verwendung der Gonsonanten und weniger Fehler bei Apo- kope, Synkope u. dgl. m. Die eine Unart aber, die ihm anhaftet, die diakritischen Zeichen über u (= üy uo und ue) wegzulassen, wird ihm von B und G nachgewiesen. So ergeben sich schon sieben von den oben angeführten Differenzen der Schreiber als ebenso viele Arten von Verderbnissen, welche aus dem Texte zu streichen sind, was ohne den Nachweis der verschiedenen Hände nicht hätte ge- schehen dürfen, da z. B. die ff, gk^ i/, dartzuo^ iemant, niemant^ ghikfy die u für ü, uOy ue etc. in alem. Urk. jener Zeit bereits za belegen sind. Andere werden sich bei weiterer Vergleichung noch ergeben, wozu Abh. IV und die Anmerkungen Grelegenheit bieten. ^) Dafür haben wir auch eine äussere Stütze. 31, 183 sagt Hago, dass seine Lieder Bürk Mangolt, der zs Pregeniz gsesssn isU componierte : sie sind daher wohl auch dort geschrieben worden. cxLn Auch die Gedichte Nr. 39 aad 40 liegen nicht im Originale, noch in einer treuen Abschrift vor, wie die Reime mynniglwh : rychen 39, 2; atwreifüre {atürifür durch die Melodie geboten) 39, 23; strenge ; gedreng 39, 53; swnderjnn ; mynne 39, 80; jnnen : jnnen : mynn 39, 87 ; trage : tag : frage 39, 101 ; sture : fuwer 40, 30; kam : wamme 40, 38; band : lande 40, 80; gerne: entern 40, 108; gewynnen : sinn : endrinn 40, 165 u. a. beweisen. Ich habe oben (p. 123) die äussern Gründe fQr ihre Unecht- heit angeführt, die Innern vereinige ich mit dem Nachweis, dass sie, so wie sie sich bieten, überwiegend mitteldeutsches G^ präge haben, was die Reimformen, so weit diese überhaupt reichen, bestätigen. u^) für uo:zu 39, 23, 43, 54, 91; 40, 20, 30, 38, 72, 78, 105, 107, 118, 157, 158; zun 39, 34. tun 39, 12, 107; dut 39, 30. bust 39, 84; drugen 39, 89; fürt (Praet) 39, 40; 40, 44; musz 40, 114, 137; thu 39, 99, 108; 40, 111. muter 39, 105; ruffent 40, 90; gethun : sun 39, 83; behut:gut: frutiblut 40, 51 und besonders noch dartzu:ruinu:1hu 40, 107. u für üe^ iu^ üifuszen 39, 34; gut (= güete) 39, 6^\ fugen 40, 138; gebuszen 40, 64; tufel 39, 44, \0%\ fuwer 39, 117; sture: fuwer 40, 30; nun {= niun) 39, 21; stuwer 40, 107; crutze 40, 155; sunder 39, 54, 58; sunde 39, 74 : lunde 39, 100; stucken 40, 118; für 39, 106, * 117, 118; 40, 76 u. a. dazu der beweisende Reim hulde : sunde 40, 164, der in Hngo*s Gedichten kein Analogen hat. 0 für oö : lose 39, 44 ; frolich 3Ö, 47 ; zurstoren 39, 65. i für e : meris 39, 76; 40, 66, 96; uszerweUis 40, 67. Auch Hugo gebraucht i für ^, aber in ganz anderer Weise, dar- über in Abh. IV. i für ie (MG. § 73, m)\ licht 39, 28, 34; üt 39, 11; lichter 39, 33; 40, 66; liplich 39, 45; üb 39, 96, 108; gs- dinet 40, 146; dann UU 40, 116; hing : entphing 40, 165 (MG. § 340). Daneben begegnet einigemal ie für i : hiemeUseh 39, 23 ; Uemels 39, 36; 40, 1; yet 39, 112 (ycÄ< 39, 129), die wohl zu tilgen sind, wie der Reim vil : ziel 40, 145 und die Verse 39, 23, 69, wo der Rhythmus himel statt hiemel fordert, anzu- 9 Von der Bezeichnnng der Länge ist abzusehen. cxmi deuten scheinen. Anders mag es sich verhalten bei beschrieben 40,48; wieder AO, 84; diesen 40, 116; vgl. darüber Rinzel, «der Janker nnd der treue Heinrich * p. 20. Charakteristisch für das Md. sind die M für « im Präfix zer : zurstoren 39, 65; zurbrach 40, 118; zurstoszen 40, 122 (MG. § 52, Lexer IH, 1060) — ferner die 0 fftr w und ü : ander 39, 120; onderscheit 40, 13; fcom- mer 40, 62; sonn 39, 33; sanes 39, 128; 40, 51; gewonn AO, 109; off 39, 56 (ffir u = ü): vorwar 39, 92 (MG* § 44 und die analogen Belege bei Kinzel a. a. 0. p. 20). t in die Tiefe gefärbt bis zu u : ummer 40, 110 und 114; öfters erscheint das Wort nicht (MG. § 52, Lexer IT, 1414). eu für öuifreud 39, 51; freuden 39, 96; 40, 158; dann auch jungkfreulichem 39, 22, 125; freulin 39, 88; leuwen 40, 15 (MG. $ 109). Ebenso steht bei Kinzel a. a. 0. p. 21 freuden, erfreuwen. au für ou : äugen 40, 150; gelauffen 40, 132; auch 39, 29, 38, 71, 78, 87, 88, 90, 97; 40, 6, 11, 18, 22, 25, 29, 38, 42 etc.; aber nur far ou, ebenso im ^ Junker u. d. treue Heinrich* (Kinzel p. 21). Aus dem Gonsonantismus : d für Mm Anlaut: gedieht 39, 1; 40, 85; det 39, 4; 40, 33, 108; detest 39, 66; detist 39, 72; dott 39, 57; 40, 55, 148; dottsunden 39, 75; drugen 39, 89; erdruncken 39, 76; erdrenckt 40, 45; drucken 40, 44; drost 40, 159; dieff 40, 96; dragen 40, 137 ; dnres 40, 55 ; drutz 40, 46. Daneben steht fA;^«<Äun 39, 83; thu 39, 99, 108; 40, 111; gethon 40, 82, 125. Beides auch bei Kinzel p. 22. ch für g in beweisenden Reimen: durchluchtlch : sich 39, 15; lach : manigfaxih 40, 96; daher auch slach : gemach 40, 131 (MG. p. 190); dazu in der Zeile manche 40, 12; manchen 100; m^n" eher 120. Dasselbe bei Kinzel p. 23. Endlich noch^) der Reim ^ (=^vlShe):me 39, 73 (derselbe auch bei Müglein, Fab. 12, 11), der nach Wagner, Mönch von *) Die € für ae, die Apokopen des n {kyrieleiso{n) : fro ; do 39, 50 ; volhr%ng6{n) : ttimme 39, 11 ; , 58. Es tat meioer Meinang keinen erhebliehen Eintng, wenn einzelne Formen in dieser Zeit auch in andern Dialekten za finden rind; denn sie stützt sidi auf die grosse Somme derselben, welche bei so geringer Verszahl in einem nicht md. Denkmal kaom wird nachgewiesen werden können. Manche wird überdies noch der Schreiber, den ich wie auch meine VcM^anger für einen Alemannen halte'), beseitigt haben; so lasst sich direct zeigen, wie er Umlaatzeichen gegen das Or. einsetzte, 39, 45 z. B. steht schon (Ady.) : krön (corona); 40, 42 schreibt er 9ü$z (= sus); 39, 65 zürstoren o. a.; besonders beachtenswert ist der Schnörkel über dem u in atruchen 40, 128, wo an ein struochm oder strueehen nicht zu denken, and der deswegen als der D-Strich der jungem Correntschrift za erklären ist, welche damit das u (als u) Yom n anterscheidet (vgl. darüber Wölker, Franko Stadtdialekt, m PB. Beitr. IV, 25, and Weizsäcker, deatsdie Beichstagsacte, EinL p. 76). So wird es sich aach in andern Fällen yerhalten, and wenn 40, 107 die Reime darUu : rü : nü : (hu erscheinen, so wird man neben den vielen andern u = tio der Hs. nidit ein guzruo: nuoithv, sondern vielmehr einen Beleg für ru:nu za oonstatieren haben, zamal in der Zeile überall nu za erblidLen ist. Für die kurzen ü hat schon Weinhold, aaf den Beim hulde sumde 40, 164 gestützt, u gesetzt. Nr. 39 and 40 in die Sprache irgend einer md. Hs. des 14. oder 15. Jahrhunderts umzuschreiben, wird mir niemand zumuten. 1) Was sich leicht erklärt, da der Cod. jedenfalls in den Händen Ton Hogo*s Nachkommen war, welche von ihm anch die Bregenzer Besitzungen geerbt hatten. IV. SPEACHE. ^Zwischen meiner Darstellung des Mittel- und Neuhoch- deutschen wird eine Lücke empfindlich sein ; manigfaltige Ueber- gänge und Abstufungen hätten sich aus den Schriften des rier- zehnten so wie der drei folgenden Jahrhunderte sammeln und erläutern lassen . . . Die Schriftsteller dieser Zwischenzeit Ter- grobem stufenweise die frühere Sprachregel und überlassen sich sorglos den Einmischungen landschaftlicher gemeiner Mundart; oft weiss man nicht, ob ihre Besonderheit von der alten reinen Sprache her übrig geblieben oder aas dem Gebiete des Volks- dialektes eingedrungen ist. Genügende Darstellungen solcher Besonderheiten würden weitläufüge Anstalten und Erörterungen ▼erlangen. Vielleicht dass andere nach und nach die gar nicht nnanziehende Arbeit Tornehmen, ich meine, alle Grammatikalien jeder herrorragenden Masse sorgfältiger Prüfung wert halten'^. Deutsche Gramm. 1*, X — Xf. Diese Worte Jakob Grimms stellte ich als Motto voran, weil sie karz und klar den Standpunkt bezeichnen, welcher in der fol- genden Abhandlang einzanehmen ist: die sprachlichen Erscheinun- gen unseres Denkmals sind zu befragen nach ihrer Stellung zwischen dem Mittel- und Neuhochdeutschen einerseits und zur Mundart des Dichters andrerseits. In beiden Fällen also bleibt das gute Mittel- hochdeutsch Ausgangspunkt der Untersuchung. Jede neue Sprachperiode beginnt mit einer Verrückung der Quantität, so auch der Uebergang vom Mittel- zum Neuhoch- deutschen : hochbetonte kurze Stammsilben werden in Folge der Acoentuierung lang, was sich durch Längung des die Wurzel schliessenden Ck)nsonanten oder durch Dehnung der alten Vocal- ktlrze bewerkstelligt^). A) Grimm, Gr. I*, 14 f.; Scherer, GDS.* 76 f.; Bückert, Geschichte der nhd. Schriftspr. I, 200 ff., und Koberstein : Ueber die Sprache Suchenwirts I, 12 und 20; neuerdings hat Seemüller in der Zs. für Osterreichische Gymnasien XXXI, 327 ff. eingehend darüber gehandelt. Wackernell, Montfort. \^ CXLVI Die Längung der Consonanten erscheint bei Hago schon vielfach gegen mhd. Gebrauch, am häufigsten die von f, welches zaerst in die neue Entwicklung eintrat [im Wolfd. D z. B. begegnet nur t; vgl. DHB.IV, Einl.XI, ebenso bei Heinz. (Pfeiffer ML. 509)]: Htten : vermitten 2, IT '.bitten 21, 19; erlitten 12, 2A: gestritten 28, 696 : zerritten 33, 12; geritten 2, 97 ; gelitten 4, 163; verbotten 19, 26;Jcrotten 28, 121; potten 4, 134; gottes 4, 181; göttUch 4, 54, 141; abgötten 24, 39; gott 3, 1; 12, 19; 14, 2; ettlich 5, 249; vatter 4, 102; 14, l;Aö« 24, 10; hetäet 15, 15; haU(e) 15, 85; 18, 13. — Weiter grappen 2, 142; truffeni 5, 67; frummen 28, 83; 38, 84, 88 : «^mm^n 38, 79; schammen : lammen 2, 65; nammen 18, 95; m'mm 14, 40.; 38, 148; sinn 18, 145; sollen 27, 42; 28, 332; 31, 191; soll 15, 7? «ö7Ä(jä 17, 50; nachtgall 15, 166; 28, 632 u. a. — Auch nach langem Yocal kann Gemination des Consonanten eintreten, be- sonders bei/*), s und ^, so in straffen : geschaffen 30, 67; wdffen : gescUaffen 15, 4; schlaffen 32, 100; 38, 104.; Zcfo^en 35, 26; ^rre/m 2, 137; |V2/en 16, 49; strdff 18, 151; ö/ 1, 5 u. ofu lassen 28, b6b: Strassen 28, 222, 230; 33, 6; 35, 28; (gwissen:) verbissen 15, lb4 : bissen 18, 132 u. a. schozz 2, 20; ma;2^^ 2, 107; gruezz 3, 1 ; gruozz 6, 1 etc.; seltener bei t: statt 12, 12 oder p : wappen 2, 141. Die Dehnung des Vocals hat Hugo nodi nirgend nach nhd. Weise bezeichnet; dass sie aber gleichwohl schon vielfach eingetreten ist, ergibt sich aus den Reimen zwischen langem und kurzem VocaP). a : d vor n in gewan : wdn 1, 14 ; gan : bestdn 2, 79 ; pan : hdn 2, Ol; an: hdn 3, 41; 10, 4; kan (=kam):hdn 4» 85; tan: ^) Kann auch zusammenhängen mit der geschärften Aussprache dieses / im alemannischen and in den verwandten Dialekten, Tgl. Hunziker, Aar- gauer Wörterbuch (1877) LXVIU f. Es ist irrig, wenn man in der Doppel- consonanz nur das Zeichen für die Kürze des Yorausgehenden Yocals erblicken wiU, Tgl. Liliencron, historische Volkslieder II, Einl. YI, Yll ; Uhland, alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder T. Bd., II Teil, p. 994. Aber ofen : ^ loffen 4, 193; kof:lof 5, 307; wappen : grappen 2, 141 u. a. werden auch bei Hugo die Yocalkürzung bezeichnen. ') Ich stelle hier sämmtliche Reime mit Terschiedener YocalquantitAt, auch die einsilbigen, zusammen, um nicht noch einmal darauf zurückkommen zu müssen ; Weinhold (AG. p. 34 u. ö.) verwendet übrigens mit Becht aueh die letztern als Belege für die Dehnung früherer Kürzen. €samx hestdn 5, 78; man:ldn 5, 91 : hdn 5, 102; daran ihdn 5, 323; gram : hin 14, 37; anipldn 16, 5; gmän : Idn 17, 46; man: getdn 25, b^ihdn 25, 110; kan : atdn 25, 187; aniheatdn S& 165 and im coosoaaHtisch angenanen Reime han : hdt 3, 33. vor r in war : cldr 16, 37; schar \zwdr 18, 177. vor g und/ in getragen ; wdgen 5, 7 5 ; geschaffen : strdffen 30, 66. e:^ vor n in (;?aWn (Dat.) : schin 2, 127; ftm.'«2n (€««e) 13, b:din 15, 119; 18, 162 : (n (Acc) 5, 376; daMn : «cÄ^n 18, 6; hin : scMn 18, 21 : stn 18, 25. Die componierten -rM und -/l!c& werden im Reime verkürzt : sich : loblich 2, 95 : glich 4, 184; micft : wilUklich 1, 88:^u«^/ioi& 18, 6 : gentzlich 31, 46; ef/cA : man22(;% 14, 44; ich : eweMich 25, 29; zweifelhaft sind ewenklich : himelrich 4, 157; tugentlich: glich 3, l^ignadenrich 2, 46 a. a.; auch seldenrichen : ewenklichen 4, 169; riehen : sicherlichen 13, 36; auf Länge reimen wichen (InH): hostberlichen 28, b2b : gewaltddicJien 31, 69 (vgl. Jänicke, DHB. IV, Einl. VII; altd. Stud. p. 58, und Weinhold, MG. 6 16). vor b in siben : schtben 4, 75. vor SS (z) in gewissen : verbissen 15, 154 ; ftmeti 18, 130. «;^ vor r in ner : Sr 24, 142 ; 34, 13 ; nerttunverkirl 27, 57. — herriir 15, 142; 27, 177 neben herr:mer (mare) 22^ Sl : swer (Praes. Ind.) 32, 14 : verr 28, 253, vgl. Zupitza, Virginal (DHB. V) p. 14, und Weinhold, MG. S 64. werren (= ic;em) : kSren 7, 18; wi?rw;rfrm 15, 28; 18, 53; 25, 117; 28, 89; 34, 54: verkSren 28, 438 (vgl. Anm. zur Stelle) ; sweren : iren 33, 2 : verkiren 35, 14; m^re (mare) : ire 18, 222; dann wieder herre:Sre 28, 721; herren:m4ren 20, 13; 32, 2, 85, 158 neben herren: werren 5, 223, 249; 28, IGbiverren 27, 234; 28, 361, 665. — versten:Mrsten 38, 53. vor Ain zeheniUhen 31, 165. Von ungleicher Quantität sind auch die e ; ae vor r in marter CswSr 27, 206 : fecAf^r 5, 383. vor h in geschlecht : ^cA^ (= o^A^e) 33, 145. u : ü vor / in gruff : hinüff 12, 13. 0 : 6 vor r in or< ; geMrt 2, 123 ; wort : ^rAor^ 2, 139. ^— verloren : ^^r«w 4, 153; 33, 141. vor n in davon : Salamdn 33, 26 ; kon *) ; zelön 8, 1 1. ^) Ich habe kon nach Jänicke (Zs f. d. A. 17, 506 und altd. &t>\iA, ^^\ oxLvm vor m in komen : bomen (=^ boumen) 5, 95 (vgl. p. 155). vor ch in doch : hoch 30, 53. Hieher gehören auch die dia- lektischen a : 0 vor nm an (Adv.) : schön 17, 53, ebenso wie die 0 : ä vor n in kon : hän 13, 9; davon : getan 18, 11. 0 : d steht also nur vor n wie im Wolfdietrich D; vgl. Jänicke DHB. IV, Ein]. VIL Von den angefahrten Reimen bezeugen besonders die zwei- silbigen mit offener Paen ultima wie wer^fh^ zehen^ siben^ verloren, komen etc. die eingetretene Längnng des Yocals in der Beden- tangssilbe gegen mhd. Gebrauch (vgl. Jänicke DHB. IV, Eml. XI; Kummer zu Herrand 2, 315). Ein anderer Beweis dafür ist aus der Metrik zu holen : zwei- silbig stumpfe Reime sind klingend geworden wie die mit nrsprüng- lich langer Paenultima. So werden im Liede Nr. 6 vergeben : leben 10, sehen : besehehen 39 ebenso klingend gebraucht wie sunnen : zerunnen 2, muote : guote 6, wenkhen : gedenkhen 18, logen : Sgen 31, gemessen : vergessen 35. Es genügt hier vorläufig, diese neue Erscheinung nachgewiesen zu haben; näJheres darüber bei der MetriL Die Länge des betonten, ursprünglich kurzen Stammvocals ist noch nirgend nach nhd. Weise dem Auge sichtbar gemacht^) und erhellt nur daraus, dass ihm nun die Wirkungen des kur- zen Vocals entzogen, die des langen beigelegt werden (Grimm, Gramm. P, 213). „Das Verblassen der Ableitungs- und Flexionsvocale beruht auf ihrer Tonschwäche, auf ihrem Piano, resp. auf dem Forte der Wurzelsilbe • (Scherer GDS.'-^ 76 f. und 88). So förderte die Tonstärke der Bedeutungssilbe die Ausbreitung von Apokope undSynkope. Hugo gebraucht die erstere in weitem Um£Einge: (ich) sag: tag 2, 47; 10, 2; 18, 135; 28, 631; 29, 84; tag als Kürze angesetzt; für die Zeit Eeinfrids und Staufenbergs ist sie sicher, aber in der Hugo*s scheint bereits Dehnung eingetreten zn sein, denn er reimt es beidemal nur auf langen Vocal, ebenso das Netz auf Rom 5391 , iuon 9137, lön 9265, stdn 10212 und nur 9523 Skufdarvon; in der heutigen Aas- sprache nur kön, ko. ^) Das geschah sehr langsam und vielfach auch gar nicht. Wir schreiben z. B. heute noch nicht leesen oder lehsen, obgleich wir so sprechen (Tgl. darüber Seemüller a. a. 0.). GXLIX (Dat) : lag 25, 1 ; got (Dat) : apot 26, 57 ; gebot (Gen. PL) ; got 28, 641. gehott (Dat.) : gott 1, 16; 27, 187; 30, 40; 38, 159; spott (Dat.): gott 28, 729: gott (Dat) 3, f)4; «ed (Aca): foid (Dat) 3, 17 ; gedrän : schön (Adv.) 3, 29 ; rind (Dat.) : feind 4, 95 ; minn : sinn (Nom.) 4, 141; 5, 215. — il (Dat) : pM 4, 11 und angesicht (Dat.) : eniüicht A, 181 sind zweifelhaft (vgl. Äbh. V). Ai : hdn 4, 185; wdW (Acc.): baCd (Adv.) 5, 63; vorcA^ : v^worcA« 5, 127; drdtihdt 5, 141; gephandiUmd (Dat.) 5, 239; ve«<: ^w< (Gen. PI.) 23, 41; puoss : muoss 5, 27b:gruoss 17, 25; rdt (Dat.) : Ad^ 5, 280; miet : scUet 5, 351; schön (Adv.) : Zon 15, 112; 28, 289, 633 : trön 25, 179; Orient : benent 16, 2:sent 23, 24; guot (Dat.) : mwof (Aoc.) 15, 22; ßisz {Da,t):msz (albus) 16, 21; rieh (D^t.) : tugentUch 17, 37; w/ie^ : hrieg 18, 61; ewd;«(jA«w* 18, 117; sitt : nitt 18, 141; ^'oM (Dat) isold 18, 242; muo« (D^t.) : guot 20, 18 : Wwo« 27, 202; ßiss (Dat) : t«;w« 21, 15; 23, 19 ; ussgang (Dat.) : anefang 22, 23 ; huot : ^«mwo^ 23, 32 : pluot 28, 684 : guot 29 , 86, 102 ; 30, 97, 109; 31, 249; 32, 18; 33, 117; grimer 24, 98; list (Dat) : ist 24, 113; list (Nom. PI.) : bist 27, 22; üb (Dat): «i^'ft 25, 89, 151; 37, 53; bluot:huot (Dat) 30, 106; sach: ach 26, 37; 27, 117; 33, 122; sinn (Gen. Fl) iMniginn 27, 158; leid (Dat) : /römtfcrf« 28, 382; swer (J)a,t.) : marter 27, 206; «^^n (Plur.) ; erschein 28, 5; gemach (Dat) : tooA 28, 54; schimpf (Dat) igeUmpf 28, 170; flrmi (Adv.) : ^r^mi 28, 637 : en- bem 29, 97; sei : mer 28, 214; ewangeUst (Gen. PL) : ist 28, 524; tocA (Dat):(^) sach 28, 569; (wA) leist : geist 28, 677; ^rÄi (Dat.) : Idn 31, 37, 105; woü (Praet) iMangolt 31, 181; krön: Ion 31, 225; (ecA) «raoA<:macA« 32, 151; huldige- duld 33, 34; (icA) «rii> ; w;«^ 36, 13; lieb (Dat.) : dieb 38, 30. Das ist eine grosse Zahl zum Teile sehr starker Apokopen, wovon noch mehrere wie strass : mäss 6, 365; behend : end 4, 167; Sünder : du geber 21 y 166 u. dgl., die nach Hugo's Metrik auch klingend gewesen sein könnten, weggeblieben sind. Sparsamer und vorsichtiger aber war er beim Gebrauche der Synkopen im Reime. Es können angeführt werden: fluJcht : ge- drukt 5, 41; schamptiampt 5, 361; verhangt : schand 15, 68; Orient : benent 16, 2; ernst : gemst 18, 18; 28, 589; 33, 14; hopt:brobt 25, 199 (27, 10 höbet : berobet); unverhert : nert GL 27, 57 ; sagst : mögt 28, 413 (neben magef) ; fürgesetzt : ^fate^ 31, 17; auch saphim : spim 28, 461, wo aber klingender Reim nicht unmöglich wäre. Häufiger und schwerer sind die Synkopen innerhalb der Zeile; näheres darüber bei der Metrik. Die letzte Frage, welche sich an die Quantitätsänderungen knüpft, ist die nach den Längezeichen. Sie ohne weiteres nach mhd. Gebrauche zu setzen, wird nach dem, was wir gehört, unmöglich; Weinhold hat sie daher ganz abgetan: »die Bezeich- nung deif Längen habe ich für unstatthaft bei einem Schriftwerke dieser Zeit gehalten* (a. a. 0. 164). Aber auch hier kann nur die üeberlieferung entscheiden: alle' drei Schreiber A, B und C gebrauchen sie, was kaum der Fall sein würde, wenn sie im Ori- ginale ganz gefehlt hätten; daizu lassen Wörter wie Se (ehe) 17, 3; Se (Sub8t.):wf^ 25, 37, 71, 101; Ser 15,? 144; deiner 1, 55; zeU 2, 40; trdwrig 2, 24; trdwren 2, 36; schryen 15, 4; \m«^- fel 18y 202; ^ 28, 138; kostherUtchm 28, 57 u. a. auf die ursprünglichen ^, ^r, diner^ zity trärig . . . schliessen. Auch in den Bregenzer Urkunden Hugo's werden sie noch gebraucht, vgl. z B. m der ürk. G bei Bergmann (Sitz. Ber. IX, 846 f) rdU K gUy jdr (consequent), jdre^ wdrem, wtse. In keinem Falle also werden die überlieferten Längezeichen ganz yernachlässigt werden dürfen ; aber offen bleibt die Frage, in welchem Umfange sie anzuwenden seien. Die Schreiber gebrauchen sie ohne Oonsequenz und in ganz verschiedenem Masse ^). Ich be- gnügte mich damit, bei der Üeberlieferung stehen zu bleiben^). So begegnen im Texte freilich stn {esse) und Wn, bald dn {dM)t bald ani oder Reime wie wdffen \ gescUaffen 15, 4; 'sdmen: amen 26, 42 u. a. Aber vielleicht ist gerade' dieses Durcheinander für die Uebergangsperi6de charakteristisch. Zeigen doch Reime wie ^) A schreibt das Lftnifezeithen auch über WOrter, wo lie das Hhd. nicht kannte, Tgl. p. 117; bei üte{n) : UU 3221), dann in nümer 4, 131; 17, 25. In den beiden letzteren Fällen kann ü auch für i stehen wegen nimer 32, 99 ; Idmd : imer 29, 70 : nimer 18, 175, wie nüt (= niut, niht) 4, 39; 5, 47, 328 und öfker neben nit und nicht Dazu stimmt der Reim hücMß) : donner- plihch 38, 25; vgl. damit wizze : verdrüzze Virg. 262, 3; bei Sachsenh. hürt : wirt M. 365; brüst ilist Sl. 211, 35; überizwiber M. 317 (Martin p. 42); im Netz sündilind 557: gesmnd 660: fint 951; gUik : strik 2446 und Sünden : binden 11960^). M Diesen Reimen gemäss ist auch die Schreibung des tu ss Ü in der Hs. und in den al. Montf. Urkunden (vgl. zu letzteren Bergmann, Arch. I, lY Heft, p. 74) und der gemäss die meines Textes. *) £s ist daher nicht gerechtfertigt, die ü : t : I als speo. elsftssisch maa- zugeben, noch weniger, sie als Beweismaterial für die eis. Heimat zu gehraa- cheD, wie es wiederholt geschehen ist. OLvn n. Für ü = iu citiert die AG. S 47 aas Montf. die Reime nuwen : gepruwen 5, 203; nuw : zifhelrufw 5, 347, die aber za streichen sind, da die Hs. ie : ie zeigt; eher könnten daffir truren: creatvren 16, 58; hüwen : getrüwen 3, 22 : h^wen (Dat. PI.) 33, 107 ; 38, 131 ; gepuwen : ruwm 28, 50 angeführt werden (vgl. die Anmerkung zu 2, 81). y gebraucht Hugo nur bei einigen Eigennamen^), in allen andern Fällen werden sie den Schreibern zuzuweisen sein, darauf deuten 1) Wörter wie däby 14, 35; schryen 15, 4; ptcd 16, 43 u. y. a. 2) der Umstand, dass die meisten y in ey (= i) und ay (= ei) erscheinen, wo Hugo noch die mhd. Yocale bewahrt, und 3) dass der Gebrauch derselben mit den Schreibern wechselt, wie das Abb. III, 115 dargetan wurde. ^ b. Diphthonge. ei erscheint für ae in weien (= wayen) : meien 19, 30 (nach AG. S 58). Dahin wird auch der Reim hsl (haeV) : teil 28, 6Ö5 zu erklären sein, vgl. Martina 6, 55 selicmeilic; 44, 33 weient: spreient, ai. Die ai fßr mhd. ei in der Hs. werden von den bairischen Schreibern kommen (vgl. Abb. III, 139), so dass Hugo diesen Diphthong gar nicht gebrauchte. an« Desgleichen schrieb Hugo auch nicht an, den Steigenings- diphthong der U-Glasse, wohl aber das unechte au für d (AG. S 52), das in alem. Schriften dieser Zeit und in Hugo*s vorarlberger Urkunden häufig ist. Wenn der Cod. Pal. nur den einzigen^) Be- leg raut 34, 37 bewahrt hat, so ist daraus nur wieder die ver- derbliche Hand der Schreiber zu erkennen. Dasselbe gilt für OU, das nur in glauben 4, 106 erhalten blieb. Wie aus Sachsenheim, dem Netz, den vorarlberger Urkunden u. a. alem. Schriften dieser Zeit zu schliessen ist, stand ou im Originale öfter, wofür die Schreiber a/u setzten, wie häufig für 6 = ou. Aber da es für die ou keinen Reimbeleg gibt, war es unmöglich, sie aus ^) W&hrend Sachsenheim in Martins Text diese y für i nnd t auch anderweits schon häufig zeigt; aber er dichtete ein halbes Jahrhundert später und hat liele andere Yerrohungen, die dem Montforter noch fremd sind. In dem Hugo näher stehenden Netz sind sie schon seltener. *) Danach ist die Hugo betreffende Angabe in AG. § 52 zu rectificieren. den bair. au anszalösen, es mosste dafür überall o (p) geschriebeD werden, welches doroh mehrere Reime bewiesen ist (ygL p. 155). ne. Der Umlaut von lU) wird in der Hs. als ü oder u oder ue^\ nie mehr üe oder iie geschrieben und ist wie die meisten anderen Umlaute nicht überall durchgedrungen, das beweisen die Reime fuogen (Inf.) ; kluogen (Adj.) 38, 45; ruomen (Inf.): bluomm (Dat. PI.) 28, 30. Zweifelhaft bleibt das handschriftliche v/üt (Praes.) : mayen blüt (Nom. S.) 35, 2^. no für mhd. ü steht vereinzelt in nuo 20, 36 (vgl. AG. S 144X das auch in Hugo*s Breg. Urk. vom 9/10. 1405 erscheint. 2. (!on8onaiitinD& Die erste Frage ist hier: gilt bei Hugo noch das mhd. Aus- lautgesetz, nach welchem die Tennis für die Media eintritt und nicht verdoppelter Gonsonant ausser vor Vocalen steht? In der Hs. begegnen: lebend 6, 32; leid 3, 17; tag 8, 21; stand 17, 3; U^b 6, 25 u. a. neben lebent (Part.) 17, 1; leit 28, 180; tßt 25, 12; diep 25, 62 u. a., was zum Schlüsse verführen Uf^nnte, dass die jüngeren Formen nur von den Schreibern herrühren, Hugo aber noch den alten Gebrauch festgehalten habe. So ähnlich scheint Weinhold gedacht zu haben, wenn er in seiner Textrecension oon- sequent die mhd. Tenuis eincorrigierte. Aber die Entscheidung moss wieder aus dem Reimregister geholt werden« Es begegnen erJeand (Part.) : hand (Dat.) 2, 137; eid (Aca) : leid (Dat.) 3, 17; Ic^nd (Nom. S.) irind (Dat) 4, 95; wald (Acc): bald (Adv.) 5, 63; gephand (Part.) : land (Dat.) 5, 239 ; gold (Dat.) : aold (Acc.) 18, 242; geduld (Aca) : AuW (Nom.) 33, 34. — gerechte üeb (Nom. S.): dieb (Nom.) 18, 81; Ueb (Da,t.) idieb (Nom.) 38, 30. — tag (Nom.):i(?A sag 2, 47; 10, 1 u. a. Alle diese Reime beweisen, dass Hugo schon die Media ge- brauchte und die nhd. Schreibung der Hs. stehen zu bleiben habe. Noch andere Gründe treten dafiir ein. Hätte der alte Gebrauch noch fortgelebt, würden auch Reime zwischen p :b;k:g (z. B. ein noc : slac Hart. 33, 105 etc.) begegnen, was aber nicht der Fall, denn werkh:perkh 11, 25; starkchisarch 15, 75 dürfen nicht hieher- ^) Dass die Schreibung ue nnd uo neben ^, ie, (^ in dieser Hb. des 15. Jahrhunderts noch begegnet, ist bemerkenswert; Tgl. Zamoke, Ghaltenipel ('m den Abhandl. der sächs. Oesellsch.) YII, 412. (9^ bezogen werden (vgl. p. 169). Die Media beweisea endlich die alem. Urkunden und poet. Denkmäler dieser und vielfiush schon yiel früherer ZeiL Bei Heinzelin z. B. ding (Gen. PI.) : jungeling (Nom. S.):rin$r (Dat) Joh. 70. Demgemäss begegnet auch verdoppelter Gonsonant im Aas- laut mvitm (Dat.) : sinn (Nom.) 4, 141; 5, 245;.^o^ (Dat): ^o- hott 28, 137; goU (= gottes) : apoU (Dat.) 28, 501; 9poU (Dat): goU (Dat.) 3, 54 u. a. a. Lippenconsonanten. h. b SSly p in JSarcifal 5, 386 ; 15, 99. Dagegen Pardfal 5, 70, 159. b ist dnreh Aogleichung an das vorhergehende homorgape m versdiwunden in kumer 10, 26 (neben kumber 15, 45; 34, 16) wie schon früher in 8tum(m)en 2, 77. Charakteristisch d^r ist der Reim gedriimert: bekümbert 38, 81, was einem be^ hümert gleichkommt Vgl. dazu Mag. Krön, kumer 120^, 135^ drum 143^; im Spiegel kamen : stum(b)en 149, 27; mmer: kum{b)er 157, 38 (und andere bei Martin, Sacbsh. p. 44); Laufb. 771, 2 lam{b) : 0am:kam; Netz um(b):8tum 6307, 7542 :o(m- cilium 2957, wie in den vorarlb. Urk. die um, umm neben umb häafiger werden. p ist Uebergangslaut von labialem zu dentalem Verschluss (Scherer GDS^. 158, Anm. 1; MG. $ 145) in kumpt 4, 16; 5, öS, 166; 6, 8, 26; 7, 6; 33, 112 u. ö.; nimpt 10, 18; 28, 205, 372; 33, 63; ampt 5, 275, 361; schampt 5, 362; nemptz 29, 146; timpten : grimpten 4, 25; sampt 32, 10 — zwischen m und 8 in Sampson 11, 23. p für 5 im Anlaute (A6. § 148) begegnet häufig, vor a: pabe$t (aus papas^ aber Mhd. regelmässig bdbest MG. S 147) 5, 205; pan 2, 92; wiltpan 7, 11; paginen 29, 146; paHllen 28, 558 — vor ixpirt 4, 24; pilUn 19, 4; 27, 63; 32, 167; 35, 3; picht 38, 176; piUen 32, 39; pispel 5, 387; pitt 27, 161; 28, 665, 725, 733; 33, 176 — vor expeate 5, 17; pelg 28, 61; Perfier 5, 94; peearung 5, 376; pebeet 5, 195; pender 6, 17; peU 4, 130; 32, 155; Pehem 5, 239; p^rfcA 11, 26 — vor 0 : potschaft 28, 260; 36, 9; potten 25, 42; wolgeporen 20, 1; gepoU 38, 159, 163, 179 — vor öipösen 38, 79 — vor uipuwst 28, 292; pmot 31, 83; puwen 32, 36; 33, 8, ^l^ 105; OLX 38, 129 — vor uoipuoas 4, 22; 5, 275; 38, 176; puoze 5, 191; puol 36, 28. Auch vor Consonanten und zwar vor r: prangen 4, 180; pracht 5, 114; geprüwen 5, 204; prot 18, 165; Pregentz 31, 185; prinnende 38, 65, 70; pruggen 38, 144 — vor l ipluot 4, 52, 146; 5, 104; donnerpUkch 38, 27: tritt also nur vor r und 2, vor ersterem häufiger auf, wodurch Weinholds Ausspruch (AG. p. 113) bestätigt wird, üeber die Erklärung dieser »weichem. Tenuis oder härtern Media« vgl. Scherer GDS^. 140 ff., wo auch die nähere Literatur darüber zu finden ist p für 6 im Inlaute vor s oder t und ausgefallenem Vocal: hept {= Jiebei) 5, 18; 18, 174; hoptprelaten 5j 211; hoptibrobt 25, 199; hüpsch 18, 199; 29, 1; lepti 7, 24; lept b, 90; gelept 10, 7; bepat 5, 189; 29, 150; bapst 5, 214; glüpt- brüchig {= gelübede-) 2A, 77; Uept 24, 130; hopt 5, 122; 25, 14, 192. ph und pf wechseln; doch haben es die Verderbnisse der Schreiber unmöglich gemacht, das ursprüngliche Verhältnis zu er- kennen (vgl. Abh. IIT, p. 115). Auch im Netz wechseln ph and p/, doch so, dass ph das Uebergewicht hat. t, V. Aehnlich verhält es sich mit dem Wechsel zwischen / und V. B bevorzugt/, A vigevangen 4, 179; g fangen 36, 2. an«- vang 4, 1; anefang 22, 21. graven 2, 100; grafen 25, 77. tievel 7, 12, 33; üefel 25, 98, 101; 26, 24. / für / in hofnung 2, 105. — / durch Assimilation in hoffart 29, 99; 38, 115; unhoffertig 25, 103, aber 25, 29 hochfertig. m w wird auslautend apokopiert in ruo(w):fruo 11, 1:^mo 25* 81, 12\;nü(w):gamahül^\ö; ungetrü(w)lich:grülichbyS3S, Diese Beime beweisen auch, dass die Schreiber gegen das Orig. w ange- setzt haben. Dasselbe geschah in nüw : rüw 5, 347 ; trüw 7, 15 ; trewinew 9, 4; bldwigräw 16, 17, denen wieder die richtig er- haltenen Äigrä 38, 37; stroidro 18, 229 gegenüber stehen. Beachtenswert ist der Reim buoleniruowen 3, 65; denn die AG. S 166 belegt auch wirklichen Wechsel zwischen l und w. m. Ueber dentalen Nasal für labialen siehe ti. m flir n in timpten (= Unten) : grimpten 4, 25, welches bereits AG. p. 131 aus Montf. belegte; auch von nennen (nemnen) ist noch m erhalten für das gebräuchliche n : nemptz 29, 146. * CLXI m für 6 durch Angleichang in silmen 2, 132; 3, 6; 31, 25. Ebenso m ffir n vor p in cHsiam pluote 5, 104, ähnlich wie Baim brecJhen, bim (= bin) mir bei Seiler, Basl. Mundart p. 217, und in andern Dialekten. b. Zungenlaute. t, d« Abfall von t in rechtuonden 18, 149 (sonst recht tuan 24, 94); guotet 4, 62; Jwpsünden 24, 33. — Häufig ist die Apokope des t (resp. d) im Auslaut. Schon AG. § 177 hat aus Montf. den Beleg grvsen : tueen 18, 257 angeführt Dazu ergänze Üben (Part): begeben 5, 229; lacTien (Part.) : ^^macAm 31, 173, 178; beha$ (Part.) : usa 29, 50; gevider (Part) : wider 2, 84; ssen (alt) 21, 11 ; hilf (= Ulft) 7, 3; dunkh (= durikht) 5, 68; geechütz (Part) 9, 16; hop 2b f 14. In diesen Fällen haben die Schreiber die über- lieferten Formen bewahrt, in andern werden sie, wie aus den an- geführten zu sohliessen ist, completiert haben: 24, 61 JBemiwerndj wo das d (= t) des Particips ebenso apokopiert gewesen sein kann wie in den beiden obigen Beispielen, zumal noch hdnigand 13, 21 beweist, dass B eigenmächtig d ergänzte; weltlich igicht 5, 259 stellt sich zu hilf 7, 3 , zu pßig (= pßigt) in Lassb. LS. 26, 9 und Ug (= ligt) : sig M. Pas». 3353 (AG. § 177), wie tag: mögt 27, 171 zu Aop und zu Laufb. abim^gt 789, 8. — 29, 9 steht mich: vemicht (=vür nicM); für nich bringt Lexer II, 83 einen Beleg, einen andern AG. S 177, einen weitem finde ich im Ambr. LB. 97, 56, vgl. dazu auch Altsw. 66, 14 mich : nicht^). Es bleiben somit, abgesehen von den Praet und Part (darüber bei der Conjug.), nur noch gro88:tr68t 18, 185; 27, 197, 205; lasex vaat 24, 133; da- mit vgl. Id8:tr68{t) im Wolfd. D (Jänioke DHB. IV, Einl. p. 8); ga8{t)iwa8\ allermei8(t):weiz; gun8{t):un8 in AG. $ 177. t assimiliert in hinuffigruff 12, 13 (vgl. Birl. AS. p. 127). Unechtes t für got. th in tach 1, 29; 28, 56, 569, 585; ^uken 28, 340; tonr 28, 586; tröwen 9, 31 (aber 18, 231 dr^; betatet 28, 450, 459, 465, 589; 30, 14; btütz 24, 120. C schreibt 38, 27 donry 76 bedewt (vgl. Abh. III, p. 119), vermag aber da- mit gegen das übereinstimmende Zeugnis von A und B nicht auf- zukommen, da auch in der Mart 45, 85; 63, 99; 77, 25; 97, 1 ^) In nnserer Hs. stand ansserdem noch zweimal nich 18, 52 ; 28« 317, welches erst Tom Benovator zu nicht corrigiert worden ist (vgl. p. 126). Wackernell, Montfort. \\ CLxn u. ö., Moer. 464, im Netz 1137, 1970, 2272, 2564 u. ö. betUtm belegt wird. Dem Yerschwiaden von echtem t gegenüber steht der Antritt von unorganischem (Birl. AS. 129) in darmocht 5, 156; 15, 18, 43; 18, 134, 201; 27; 12, 20; 28, 660, 712; 30, 8; 38, 160 — {n)iendert 31, 110, 142; 32, 27 — adamast 28, QO^iglast 18, 138; 28, 557 — sust 24, 102; 27, 194 : lust 15, 90; 27, 104, 147 — wiUnuBt 5, 68. — Aber die unechten t in gliikt{=ge' lücke) 22, 19; 26, 17, 57 etc. stammen vom Schreiber B (vgl. Abh. in, p. 115); daher ist der in A6. p. 141 aus Montfort an- geführte Beleg zu streichen. t aus d verhärtet in glüptbrüchig 24, 77; mortjo 5, 201; umgekehrt ist df für f häufig nach Liquiden, dann in Uidiseltkeid 4, 81 neben leidigrechtiheit 5, 221 ; eid : drivaltiheit 27, 25 u.a. d wird oft ausgeworfen ivinst 27, 81 ; vintb^ 349 eto. (vgl Conjug.); di entsteht nur durch Synkope : vindf, schadt; dt= t oder d wie bei Sachsenh. (z.B. Moer. aldter 266, verdt 389, schiedt 5164 gxmdt 6068 etc.), im Netz {endteren 10887^ u. a.) und in den alem. Urk. begegnen in der Hs. nicht. z, s. Die Zungen&ikativa ;?, zz hat Laut und Zeichen von «, 88, dasiwas 2, 75;33, 21, 25, 22:gra8 33, 19; mm : 6^Aw« 29, 50 : hu8 33, 53; fii88 : tagewi8 37, 36; dann iüi8t : fli8t 1, 8; wei8en : neuen 25, 161; ro88en : be8lo88en 31, 150; auch gro88 : trost 18, 185; 27, 197; la88 : va8t 24, 133; lei8ten : gehei88en 28, 374: verhei88en 29, 17, 77 (A6. S 189 hat nur stumpfe Reime, vgl. altd. Stud. 59). Demgemäss erscheinen auch in der Zeile 8 ^== z. Am häufigsten bleibt z in daz, Nr. 5 z. B. hat 21 daz, 3 dz und 31 das. Je jünger die Gedichte, um so weniger z und zz^ wofür «, 8Z und 88 hervortreten : u8 3, 70; ba8 15, 32; m«^ 1, 3; 13, 23; U8Z 3, 28; wi88 5, 35; wisz 1, 8; grS88 4, 99; 18, 185; gro8Z 2, 69; 15, 13. Daneben auch zzischozz 2, 20; mazz 2, 107; gruezz 3, 1 ; liezz 5, 289 u. a. Im allgemeinen lässt sich folgende Regel erkennen: im Inlaut nach kurzem Yocal m, nach langem «, öfter aber 88 und sz; im Auslaut nach kurzem Yocal 8 (stets als Zeichen des Neutrums), nach langem 88 und 8z: im ganzen also die Grund- züge der nhd. Schreibung. Hartes z hat sich erhalten, im Anlaute ganz rein, im In- und Auslaute mit vorgesetztem ^, wie es fi*üher nach kurzem Yocal gebräuchlich war: gcuntzem 1, 10; tantzm 29, 17; wurtzen: GLXfll hurtssen 28, 20; hertz4 1,8; Pregentz 31, 185: das ist conse- quent durchgeführt^), vgl, Abh. III, 114. 8 bleibt 8 , seltener wird dafür 8Z und 88 geschrieben : 8U88 27« 68; 8U8Z 2, 106; öfter aber erscheint «^ in mue«^^ 24, 110, 111; muoszt (MG. p. 165) 24, 28 etc., wo sich also wieder die Tihd. Orthographie festsetjst. Nicht begegnet bei Hugo die Schreibung Z8^ 88Z^ kein z für 8 vor Voc, also kein dez (= de8\ waz (= wQnd bei wei- chem z^ z. B. in der vom 12. Aug. 1417: tzyten, tzyt, dartzuo, betzalty datz eto. *) Also bei incliniertem wie flex. 8, Bei hdiz 6, 121; soltz 18, 158; htütz 24, 120; tuotz 28, 495; tetz 37, 36 u. a. kann man zweifeln, ob das z Ton ind. ez geblieben oder Ton t bewirkt ist, yiel wahrscheinlicher letztere«, da Hugo schon durchweg es schreibt. OLXIV 8m : smertzen 4, 14; 16, 44; 26, 43; 27, 80; 38, 4; 33, 87; ameh 14, 11; smügen 4, 133; unversmogm 4, 159; 16, 27; 33, 125; amiegm 5, 306; smaragden 18, 139; 28, 456; smacM 28, 20; geameltzet 28, 545 (diese Verbiadung erhielt ihre Reinheit am längsten Birl. AS. p. 136). mimeU 4, 124, 164; 5, 58, 226; 27, 38; smUer 4, 11; 9ne 2, 35. 8t and 8p sind durchweg rein geblieben^). 8t mx ft in vemunstihunst 4, 67; 5, 181; 17, 6; 27, 9, 21, %%:}>run8t 30, 94; 38, 153; aber nur im Reime und anch hier kunftivemunft 8, 1; im Versinnern vemrmft 17, 19; 18, 130; 80, 109 n. a. (MG. S 142). seh für 8 und 88 in rüdisch 14, 23 und möscMng 31, 98. 1. Ueber Ausfall des l durch Mouillierung in soln^ wein vgl. Conjug. — Berührungen und Wechsel zwischen l und r sind im Alem. häufig (Birl. AS. p. 88, AG. S 194), und daher Reime zwischen beiden beachtenswert. Bei Hugo merisel 18, 201; 28, 214; wdrigräl 28, 389; zwarigrdl 28, 205, 213, 425; pappir: subtil 28,595; dann werfen:helfen 13, 10, 28; 15, 80; 24, 110 — und in SufFixen himel : nimer 18, 173 : em^* 29, 70; vakel : wahcher 38, 65 — auch ankel 24, 112 neben enker 13, 12. Vgl. dazu wdr: Virgindl; einander iwandel (Zupitza DHB. V, p. 16); Halbs. wadeliaber LB. I^, 1111, 28 und 33. Dasselbe gilt von 2;n in sinizil 1, 5 (vgl. aber Anm. zu 1, 1); Mn:8in:wü 9, 11; in Suffixen zoheliohen 2, 121; regel: wegen 29, 154; Handel: banden 18, 86; spiegel : betriegen 28, 602; vgl. Netz geben: swebel 1518, 1751, 9267, 12167; senden : bendel 10424. Fast in allen Dialekten ist auch Wechsel zwischen n und l nachgewie- sen, 8. MG. $ 193, 194, 200; AG. 194»); BG. 158. Auf Neigung zu Assimilation des Id zu II beruht der Reim pilden: willen 32, 37, welche in wiUmist (== wildn. = wiltn.) 5, 68 vollends durchgeführt ist. r verschwand vor l in weit (: gelt) 1, 18; 5, 93 und durch- weg, während noch der Initialenmaler auf dem Spruchbande vor Nr. 29 werlt schrieb; ferner in den CJompos. widered 4, 120; ^) rdtteht 29, 129 wird aus AG. p. 155 zu streichen sein, da es wie 8chet8cht 31, 7 nur bei B begegnet. *) Das Ton Weinhold für das Alem. nachgewiesene wemtlich kann ich auch aas einer Konstanzer ürk. Tom 27/2. 1417 (Archi? I, III Hft, p. 154) belegen. GLXV zerunnen 6, 4; 15, 163 {zerrirmm 15, 12). üeber r für « in Verliesen s. die GonJDgation. n. Unorganisch ist n in utikünsch 14, 34; 25, 29; 29, 99; cmcmUsten 28, 458; in ewenklieh 4, 157, 170; 12, 6; 13, 40; 25, 30, 34, 40, 66, 74; 28, 353, 644 (MG. S 198); dann in nun (= nü) 4, 80; 5, 76; 8, 11; 9, 1; 22, 35, wofür AG. p. 293 nnr zwei Belege aus Dietr. und Brant bietet; erg. dazu nun: 8tm Wolfd. D X, 4 und die andern Nachweise, welche Jftnicke zu X, 4, 1 gesammelt, wozu ich anfüge : nun Hätzl. I, 15, 44, 65; 83, 20; Halbs. (LB. I*) 1118, 12; Laufb. 704, 1, 2; 708, 9; 761, 4; 763, 7 und meist; Netz 135, 231, 234, 1047, 1473; Moer. 116, 123, 484, 522, 1532, 2804 und bei Sachsh. noch oft Auf nasalem Verklingen von n beruhen si : mtn 18, 181 ; bi ; sin {esse) 29, 117 (= m^, «T); ferner eine: weine (Inf.) 7, 2; liege : ziehe (Inf.) zu 29, 137; dawider : gelider (Dat. PL) 25, 100 (s. Declin.); auch sunneiwwnden (Dat. PI.) 13, 52. Vgl. dazu im Wolfd. D. (DHB. IV, Einl. p. 8 und 10) dri.stn; si:mtn:din; Stangen : lange ; gebraten : gedrdte. Im Reinfr. verborgen : sorge 4491; zergangen : wange 3843, 3891 (Jänicke, Zs. f. d. A. 17, 512). In d. Mag. Krone hin:iüüsti; ISren (Dat. Pl):m^re (bei Zing. 496). Bei Halbs. cronen (Dat. PI): schone (LB. I*) 997, 9; be- schaffen (Pa,rt.) : pf äffe 1108, 14; Laufb, schon : Jericho 740, 11; mannen (Dat. PI.) : Avme (N. S.) 719, 9; wiben : übe 739, 2 ; Sünden (D. F\,):]einde 739, 10; herreniverre 763, 4. Im Netz si : pin 11873; ges'winde : kinden 8426; drangen (Part.) : junge mS; gotte : geboUe{n) (Part.) 1047, 13369; hütm (Dat. PI.) : lüte 11061; siechte : knechten 11339; affe:pfaffen 11729 neben zahlreichen apokopierten n des Infinitivs. Ich bin hier mit den Belegen etwas freigebig gewesen; allein es handelte sich nicht nur darum, die apokopierten n bei Hugo zu sichern, sondern auch darum, eine Ansicht der MG. (p. 178), welche auch andere teilen, dass ntolich die Alemannen die Reime e : en auf den Infinitiv be- schränken, zu rectificieren. Hier werden auch noch nen 7, 13 (s. p. 153, unter e) und die durch Correctur gewonnenen kon 8, 13; 13, 9 (s. p. 147, Anm. 1) zu verzeichnen sein. Bei nu (=z nün^ niuwan) 28, 28; 29, 37 könnte der Ver- lust des n vielleicht auch durch Verwechslung mit nu erklfirt wer- den, üeber Apok. des n in wengU^ helsU etc. s« die Decliaatlon« OLXYI n für m im Auslaut : k); und neben nicJU : zitoversicht 2, 67 etc. reimt fdt : mit 24, 117 : Sit 17, 18; 18, 33; sitt : nitt 18, 141 : itt 5, 242 (vgl. Wolfd, D, DHB IV, 8; Virg. DHB.V, 16; Braut p. 282). Neben dem gemein- gebräuchlichen noch 2, 72 ; 5, 349 u. durchweg steht 26, 22 ver- einzelt nOy das gleichfalls dem Dichter angehören könnte, denn bei Heinz, begegnen analoge Formen oft (vgl. Pfeiffer zu ML. 122), ebenso bei Hadl. (9, 1, 11 u. a.), Reinfr. (2151 u. o.) in Lassb. LS. (37, 38), in der Mart (vgl. AG. $ 236), bei Brant (p. 282), und dem heutigen al. Dialekt ist no geläufig. h im Anlaut wird apokopiert : istori 38, 52 (vgL AG. p. 195 und erg. dazu Erkules Moer. 5927; anttverchm(M Netz 12954), wobei vielleicht an italienischen Einfluss zu denken ist h als Trennungszeichen (Gr. I^ 89) inJhesus 5, 113 (s. Anniuz. St.); 13, \9, welches in dieser spätem Zeit fast allgemein gewordea u CLXXI j lebt fort in der Gemination von nn^ rr^ II (Gr. l\ 123): wenn (v. wdnjan) 2, 28; 5, 1; 18, 48, 185; 38, 8; werren (v. warjan):herrm 5, 223, 249; 28, \Qbiherm 7, 18. ge- wellet : ffeseüet 5, 195 — fallt ab in enen {= jenen) 5, 261. Zu den bisher erörterten consonantisch angenauen Reimen, welche (zum grössten Teile wenigstens) dialektisch genannt werden können, tritt noch ein ansehnlicher Rest, bei dem mundartlicher Einfluss zweifelhafter oder ganz ausgeschlossen ist Häufig wechseln m den Reimen die tönenden Verschlusslaute. d: g in gnad : wäg 28, 445; red : leg 38, 101. reden : legen 31, 162; Ueden : betriegen 31, 177; liden : verewigen 32, 74; sieden : Uegen 28, 98. dibiagab: gnad 18, 97, 161; 24, 137; 27, 193, 198; 28, 673, 689; abibad 28, 114; gnade: gäbe 30, 102; gnaden: gaben 27, 65; 28, 685; 32, 146; 33, 166; 38, 154, 173; miden: echriben 20, 17 : triben 22, 14; 30, 90 : wiben 25, 43; 31, 6; versehmden i unben 26, 58; Uden: wiben 28, 117; 38, 13. b : g m hndb : sag 5, 87; ab i sag 31, 10:hag 34, 23; geb: weg 32, 126; verg^en i wegen 18, 94; Üben: wegen 18, 134; 29, 65; pflegen: geben 25, 53; heben: legen 28, 118; eben: wegen 29, 157; oben : betrogen 24, 17 : gebogen 28, 10; beliben: ewigen 28, 26; Ueiben : betriegen 37, 1 ; Jiaben : gesehlagen 28, 142; graben : sMagen 28, 77 : sagen 28, 278; geloben : logen 28, 514 : ogm 32, 94. Es muss aber henr<»rgehoben werden, dass Birl. AS. p. 114, 129 und 143, teilweise auch AG. § 155 wirklichen Wechsel zwi- sciien J, 6, g bellen. Reime dieser Art sind im Alem. und in andern Dialekten <) haofig; vgl. Wolfd. D (DHB. lY, p. 8), Virg. (DHB. V, 16), Boner (bei Schönbach in der Zs. f. d. Ph. VI, 253) ; dann in der Hart grubil : geschrudil 10, 13 ; wege : rede 85, 95 ; Mag. Krone Isgen : reben 42^ : leben 1 12% gelouben : lougen 97^ gehabt igemgi 5*; bei Halbs. geben : segen 1108, 18; sehwigen : bliben 1115, lOzgetriben 1119, 2; wagen:laden 1116, 29; im LS. geben : mfem 244, 243; haben :geslagen 245, 205 n. a. ; Laufb. gelouben : aufien 708, 9 ; gegeben : segen 709, 6 ; loben : gezogen 0 niWMJ s. B^ «m Bodi „senan reimender Dichter«^ (?) bindet h \ g (B^um €ßi SB Vftfr. ^ MG. § 148. cLxxn 739, 11; 740, 13; im Netz schaden: vertragen 4622 rcia^en 10577; reden : eben 1994; beliben : üden 12404; clag : hob 2735; haben: gesaffen 793, 923, 1522 : tagen 805; geben : pflegen 3227, 4020, 4353 : ic^e^m 3901 u. s. w. (im ganzen 53 Belege). Saohsenheim meidet sie, ebenso Brant. Leichter sind die Fälle, wenn der Media r voraasgeht: rb : rd in stirb : wird 28, 717; 30, 101; verderben : erden 1, 46; 22, 28; 24, 72; 31, 228; 35, 8 : werden 27, 164; 29, 143; sterben : erden 18, 108; 24, 43, 47, 120; 25, 123, 177, 196; 27, 128; 28, 218, 306, 357; 33, 40, 90; 38, 40 : werden 27, 100, 225; 28, 321, 621; 29, 64; 33, 5; 35, 30; 38, 119; werben : erden 27, 42; verdorben : orden 29, 151, 155 : worden 28, 507. • Auch Boner weist einen solchen Reim auf (Schönb. a. a. 0.), 17 das Netz, darunter auch rg : r&, rg : rd; ebenso LS. 261, 19 verborgen: orden^ welche bei Hugo nicht vorkommen. Das eine Reimwort hat einen Gonsonant mehr als das andere : sorgen : wolgeporen 20, 1 ; magt : sagst 28, 413 (vgl. aber p. 173); pUkch : büchs 38, 25. — sil:wS 24, 86 (vgl. Laufb. ysrahel : abrahe 763, b\ zil : sy 794, Nachg.); zwär:grä 20, 26; 24, 50. — leisten : heissen 28, 874; 29, 17, 77. Die Reimwörter haben verschiedene Gonsonanten. t: p in nit : rip 27 j 125; mb (wip ?) ; lit 18, 146 (auch bei Boner und im Wolfd. D); vgl. MG. p. 128. n: tin kan : hat 3, 33. — glesten : heftet 28, 554 (dazu Netz erkennen : verbrennet 685; lachen : machet 9486). s : g m wisen : nigen 24, 37. ch: ff in machen : geschaffen 27, 192; 30, 11, 27, 39; 35, 23 : beschaffen 33, 158. Vgl. dazu drei ft : ht im Reinfrid (Jänioke, Zs. f. d. A. 17, 512; MG. $ 142 und Zusätze zu p. 200), ein cht: ft und buch : ti/ 59, 51; hof: noch 75, 11 bei Boner (Schönbach a. a. 0.); ferner LS. 191, 167 giech:Ueff; LB. P, 973, 5 wa- chen : Nidenoffen; Netz 2210, 2306 schlecht : behefty 4075 ge- rieht : geschrift. ch : SS {zz) in brechen : gemessen 31, 65 (Mart. spräche : maze 280, 93). — tz : st in setzen : besten 18, 269. seh : st in heechen : besten 28, 314 (Brant reseh : lest 84). kch : tt vielleicht in bUkchen : sitten : vermitfen: büten 21, 10. /f : st in gehefftet : glesten 28, 554. GLKXni ff ". 88 in schlaffen : lassen 35, 26; straffen : mässen 31, 110 und vielleicht in offen : beslossen : verdrossen 13, 56. SS : tt in angeschossen : ^o^^^ii 28, 509. 8. (ieBjiigatioB. Zu den grössten Umgestaltangen, welche die Gonjagation der Zeitwörter anf dem Wege vom Mhd. zum Nhd. erlitten hat, gehört der Wechsel der singalaren mit den pluralen Stämmen. Bei Hugo tauchen bereits Spuren davon auf: sehen zeigt 20, 9 als Präs. Ind. ich seh (AG. p. 320); Verliesen hat im Praet. Ind. S. den Stamm- schlusscons. des Plur.: verlor 11, 24; 24, 26, 44 (vgl. Jänicke zu Wolfd. 60, 4; Zarncke zu Brant p. 280). Dialektisch ist das Praet. luff 5, 64, dazu das Part, geloffen (: offen) 4, 193 (vgl. AG. p. 332, wozu luff Mag. Krone 100* ergänzt werden kann). Auch die vielge- staltigen Flexionssilben bringen Zeugnisse vorgeschrittener Sprach- beschaflfenheit sowohl wie dialektischer Färbung. Ich fasse die st. und sw. Conjugation zusammen. Praesens. Ind. Sing. I Pers. -«, das Hugo nicht nur nach kurzen, sondern auch nach langen Silben abwirft (MG. $ 350): bitt 31, 253; sich 31, 119; tracht (: macht) 32, 151; ^lfün8ch 37, 49; %^ 8, 9; raut 34, 37 und auffallend häufig, so dass die apokopierten Formen die Regel bilden^). Neben -^ findet sich auch die dialektische Endung -en (AG. S 339) : warnen 3, 58; varen 17, 28; danken 27 y 65; 34, 5; merken 38, 35. n Pers. -est: bekennest 5, 132; machest 27, 83; doch ist der Themavocal nach Kürze und Länge meist ausgefallen : hebst 32, 45; siehst 10, 4; liebst 18, 102; behaltst 22, 31; bhuetst 27, 100; vindst 28, 135; bindst 29, 92 — zugleich mit dem Schlusscons. des Stanunes, wenn er dental ist: vinst 27, 81; beschlüst 35, 20. Ekthlipsis : gist (= gibest) 3, 15; 4, 61 ; 27, 73, 200; 31, 23. — g wird palatal und zu ivalist (== ligest) 28, 304; seist (= sagest) 29, 57, 73. — Bei sagst : m^gt 28, 413 ist es möglich, dass ^) Selbstyerst&ndlich im reconstmierten Texte, wo die Fehler der Schreiber beseitigt sind; nur dieser konnte zn den Abbandinngen benützt werden. ursprünglicli sagt : magt stand und wir hier einen neuen Beleg hätten für die Bildung der 11 durch t (AG. § 362, 340). III Pers. -et Der Themavocal erscheint häufiger als in der I und II P., auch nach kurzer Silbe: hrehet 21, 6; ergihet 27, 72; wiget29>,^l\ nimet 28, 492, 519. dunkhet 11, 18; rüwet 4, 71; leidet 6, 12; zürnet 6, 21; hil/et 15, 43; 27, 23, Da- neben die Synkopen veU 28, 548; gelobt^ glicht 28, 508; hilft 17, 11; ruefft 28, 517 u.a. Beachtenswert sind die Formen schadt 6, 38; 28, 588; vindt 16, 19; 18, 26; 22, 23; 24, 96; 31, 126; 33, 111, 113, 164; ziindt 18, 229; endt 26, 54; redt 18, 6[; 27, 91; 38, 86, wo also der Lingualis des Stammes neben dem der Endung stehen bleibt. Auch in der Hätzl. erscheint 11, 27 endt; 13, 74 redt; 24, 70 meldt; 25, 24 zündt; 26, 31 vindt etc.; in Hugo's Breg. Urk. von Nov. 1415 (vgl. Ausz. in Abh. I, p. 54) redt; ürk. 23./1. 1386 beredt 2mal; im Netz sendt 6522, das aber meist, wie andere al. Dichter, den Stammling verhärtet: ncLchrett 1974; schaU 3201, 6088, 8714; Laufb. entrett: bett 763, 7, wie z. B. Suchenwirt unter den bair. Dichtern. Die MG. $ 351, 378 und AG. S 341, 362 haben diese beiden allerdings selteneren Formen nicht belegt. — Da- neben zeigt unsere Hs. auch vint 5, 349, 353; emphint 5, 311, welche in den Grammatiken a. a. 0. vorgesehen sind. — Ekthlipsis: git i=gibet) 5, 32; 14, 3; 18, 244; 19, 3; 20, 48; 22, 29; 23, 3; 24, 103; 25, 198; 26, 15; 28, 291, 559, 567; 29, 7, 37; 31, 84; 35, 19; 37, 31. — g wird palatal und zu i in Ut (= liget) 18, 120; 27, 174, 199; 29, 87 : zit 2, 39; 3, 52; 10, 29; 15, 3:wib 18, 148. treit {^traget) 28, 513 : geschibikeit 2, 64. seit {= saget) 8, 17; 18, 137; 30, 23: leid 11, 28. leit {= le- get) : treit 5, 341 : gseit 18, 151. Auch der Flexionsconsonant-^ wird abgeworfen in hilf 7, 3 (vgl. oben p. 161 und AG. § 177 und 341); daher ist gicht: weltlich 5, 259 (wie im Netz lacht: sprach 12910; scho'ibtihb 752; bei Braut ruck: druckt 111, 64; sich: spricht 112, 7) nicht ohne weiteres als ungenauer Reim zu nehmen, da im Or. gich gestanden haben kann; vind: gesind Netz 2530 kann gleichfalls hieher gehören. Häufiger begegnet Abwurf von ->^, oder wahrscheinlicher ^, zugleich mit dem Themavocal in lingualen Stämmen schwacher Yerba : ticht [= tich{te)t oder ticht{et)] : bricht 5, 339 ; wuet : guet 3, 81 : ^r^ muet 18, 45 : bluet 35, 27. furcht 5, 265; huet 20, 45; btat 24, 120; behuet 29, 108; lust 33, 88. CLXXV Plur. I Pers.-^: behalten 28, 431; puwen 33, 8. Die schon frühe gebrfiachliche Apokope des -en vor dem Pronomen begegnet auch hier noch : muff wir 8, 16; söü wir 28, 497 (vgl. Kober- stein, Suchw. III, $ 9). Unechtes -t (d) schliesst sich an -en (AG. S M2) : bekennent 5, 145; wonent 27, 107; 8eHmt52j 52; ver- stand 30, 97; wiseent 32, 54 und sehr häufig in den Hilfszeit- wörtern, die ich unten gesondert behandle. II Pers. -ety welches dieselben Schicksale erleidet wie das der III Pers. Sing, behuet (=behuetet) etc.; a,\icihvindt 32, 125. Daneben zeigen sich die vorzüglich im Alem. beliebten nasalierten Formen auf -ent und -end (AG. S 342, 367) : wisent 5, 366; nement 26, 8; gewinnent 26, 17; varent 28, 219; ratent 28, 233, 333; schla- hmt 29, 49; measent 29, 50; jehmt 29, 97; machmt 38, 67; gend (= gebend) 2, 89 . . und -ew: gebaren (: varen) 26, 22; ver- gessen (: essen) 26, 47; werden 26, 48; wünschen 28, 736. ni Pers.-m^: %jirWnschent 4, 1 83 ; singent 16, 9 . . und -end : gend 38, 72. Andrerseits begegnet auch die nhd. Form -m in und ausser dem Reime (MG. p. 342) : gaffen (: äffen) 25, 22 ; erJdken (: totfe- cJhen) 38, 18; grisen (: wisen) 38, 71 ; werden (: sterben) 38, 117; raten 26, 59; glesten 28, 556; daher auch 30, 49 gahen {} ge- nahen) und 13, 23 ga/n (: hdn). lieber die Formen der Hilfszw. vgl. daselbst. Diesen -en stehen 41 -ent gegenüber. Derselbe Wechsel ist auch in gleichzeitigen al. Urkunden zu finden; ein charakteri- stisches Beispiel gibt Moor (Cod. dipl. IV, Nr. 201): welche uns irrent^ vorhaben und bekriegend (s. Auszug in Abb. I, p. 41); während Boner in der III PI. schon durchweg -en (vgl. Schönbaoh a. a. 0. 254), Brant noch -ent neben -en gebraucht. Imp. Die 11 Pers. Sing, hat Verstärkung durch das Suffix-a (vgl. Wilmanns, Walther 49, 45) in morda(jo) 5, 343; weka 37, 1. Im übrigen gilt hier dasselbe wie im Praes. Ind. In der n Pers. PI. erscheinen die -ent, und zwar noch häufiger als dort: besiUent 4, 170; gedenkent 16, 70; 33, 84; huetent 26, 53, 58 (aber 26, 23 huet) u. a. — neben -end: varend 4, 195 und -m spre- chen 26, 44. Conj. I und III Pers. -e, II -est Die Apokopen und Synkopen des stummen und schwachen e sind ähnlich gehalten wie die in den gleichkommenden Endungen des Ind. Bemerkenswert aber ist das dialektische Thema -i. 1 Pers. h^ffti 13, 13. — II Pers. fragist 3. 73; belibist 28, 76, 407; werdist 28, 647 — in Pers. gebt 3, 74. CLXXVI Plur. II Pers. auf-fw^: urümchint 28, 728; höHnt 28. 734. III Pers. 8eMnt 18, 44; leffint 25, 81; Tmeünt 25, 195, also zugleich mit epithetisohem -t Diese i sind um so beachtenswerter, weil sie Hugo nur im Gonjunotiv gebraucht: sollte hier etwa eine Nachwirkung der Potentialsuffixe, zu erkennen sein (vgl. p. 184)? Part, mit abgeworfenem -t : leben (: begehen) 5, 229; lachen (: gemachen) 31, 175, 180 und daher auch Bern : wem(^d) 24, 61 (vgl. p. 161). Ebenso wirft Mag. Krone besonders im Part, t gern ab : schmecken^ reden u. a. bei Zing. a. a. 0. 506. Inf. -en^ das ^ber manigfacher Zerstörung anheim gefallen ist. n verschwand in weine (: eine) 7, 2 ; ziehe (: liege) 29, 137 ; 8i(n) (: bi) 29, 117; die ganze Infinitivendung in nen = nem(en) (AG. p. 172, MG. p. 345) 7, 13; kon = kom(en) : ISn 8, 13 : hdn 13, 9 (vgl. oben p. 165). Die bairischen Schreiber setzten meist die volle Infinitivendung, wie das auch anderwärts nachzu- weisen ist; vgl. darüber Wagner, Mönch v. Heilsbronn p. 6 und 24; Jänicke, Zs. f. d. A. 17, 512. — Der flectierte Infinitiv zeigt nur einfaches n (bittens 13, 60; irrens 28, 293) und eingescho- benes d in ze nend (= nemende) : wend 13, 31 ; bernde (: wemde) 28, 448, 680; 30, 48. Praeteritum. Von den Endungen des Sing. st. Yerba bemerke ich nur, dass auch hier das tonlose -e der II Pers. apokopiert wird*) : du geber (: Sünder) 27, 168; in der II Conj. steht 32, 44 liest : widerdriess vgl. p. 181). Seh w. Verb a. Der Glassenvocal ist nirgends mehr vorhan- den, selbst das Thema des Praet. ist meist geschwunden, nur ^) Beachtenswerte Formen für die II Pers. Praet. bieten Nr. 39 nnd 40 : als du ane se {: getehe) 40, 151; daneben schon die jüngere Analogiebil- dung nach dem Conjunctiv mit der Endung -es^ und Ewar in Ewei Beispielen verliheti 39, 82 ; vergabst 39, 80, die den ganzen Weg dieser Neubildong ▼eraugenscheinlichen : im ersten Beispiele hängt sich das conjunctiTische •«#< noch an den alten Conjunctivstamm, im zweiten aber erscheint schon der In« dicativstamm und damit die nhd. Form. Das ist also ein neues Zeugnis für das geringere Alter dieser Gedichte. — Eine andere Bildung der 11 Pers. durch -I in benempt 40, 156 hat schon Weinhold in der AG. p. 340 angemerkt, das nun freilich dort Eu tilgen ist ; wofür aber Tielleicht das in Hugo's Gedichten gani Ter- einzelt stehende wert {wa^re) 4, 95 gesetzt werden kann, welches Ton BirL AS. p. 195 nachgewiesen wird und im Text besser ungetilgt geblieben w&re. CLXXvn lachtet 12, 4; macJhet 11, 25; 25, 120; naJiet 28, 36; dienet 28, 341; femer begegnet Apokope der Endung nnd Synkope des Themavocals zugleich mit dem Verluste des letzten Stammoonso- nanten, wenn er dental ist (MG. p. 357) : bereit (= bereitete^ be-^ reitte) 2, 113; ac?U 19, 32; stifft 25, 156; tSt 25, 160; verricM 32, 83. Sogar das t des Praeteritalsuffixes gieng verloren in dimkh (= dunhhete^ dunjchte) 5, 68 ; vgl. dazu des forch ich Mag. Krone 144*^ und dem entsprechend auch die forch 144^ zu forch 144^ und oben p. 161. — Auch hier wird g palatal und zu i in leit (^legete) 25, 158; seit (= sagete) 31, 182; 38, 96. Von den Endungen des Plur. Ind. st. u. schw. Verba sind hervorzuheben die n Pers. auf -en : walten (: halten) 5, 231 und die III auf -mt : lagmt 24, 56; 28, 81; wurdent 24, 60 (32, 120 wurden) — Von denen des Oonj. die II Pers. auf -istinemist 28, 132; umrdist 28, 251, 252, 435; die III auf -i : lepti 7, 24; meinti 28, 280; zalti 28, 712; 38, 160; dienH 29, 95; 31, 95; 38, 187. Im Plur. die I Pers. möcht wir 32, 55; die II auf -en: hielten 29, 83; die III a,üf int : dieniint 15, 16 neben -ent : schri-- bent 4, 29 (vgl. dazu noch die einzelnen Verba p. 178 — 184). Also auch im Praeteritum stellte sich heraus, dass Hugo the* matisches i nur im Gonjunctiv gebrauchte. Part. Das Praefix ge- fehlt häufig (vgl. dazu MG. p. 347): ftmden 3, 42; geben 5, 24; 17, 22; 18, 129; 25, 54; 28, 268, 700; 34, 49; 35, 33 (25, 19 aber gegeben); komen 5, 95; 28, 215, 427; 29, 6; 32, 130; gössen 5, 144; brdcht 6, 19; 15, 151; 18, 250; 24, 4; 32, 116; worden 33, 69; auflfallender in tän 37, 2 und wahrscheinlich auch 36, 9. Der Umlaut und Rückumlaut in den langsilbigen schw. Verben ist im allgemeinen noch dem Mhd. gemäss gebraucht : genant (: diamant) 28, 603 , genennft (: bekennet) 5, 303 ; gephand (: land) 5, 240, geblendet : gepfendet 28, 414. Aber die Synkope des Endungs- e brachte Verwirrung : ghört: betört 2, 57; benent (; Orient) 16, 4, was allmählich zur gänzlichen Vergessenheit der alten Ge- setze führen musste : angezundt 38, 31. Der Flexionsconsonant wird abgeworfen : betrachte{t) : machte 32, 33; verfuere{i) : schnxAere 38, 114; betrachte : achte 15, 150. Diese Participialform wird auch durch die Montf. Urkunden gesichert, so steht in der vom 8/4. 1363 (Arch. I, Hft. ITL^ ft?k\\ Waokernell, Montfort. V^ die (die ingedgel) gehenke hant Linguale Släinme haben neben ihrer vollan Form auch wieder vocalische und consonaatisehe Syn- kope : bereit (: underscJmt) 4» 171; ungep/ecfU (: almecht) 27, 26; geticht (ischlicht) 31, 26; 38, 185; gt^ruht (: nicht) 33, 146; im Yerse igeächt 18, 193; 24, 9; 31, UT; gehuet 28, 426.; besteter (= bestatteter) 29, 1 42. Man könnte zweifeln, ob das t des Stammes oder der Endang abgeworfen wird, doch wei- geret (= gere{de)t 31, 139) spricht fär das erstere. Dass aber auch der Gonson. des Part.- Sufil abgeworfen wird, beweist noch be- hus (: uss) 29, 52 (vgl. da2Hi Mag Krone erlos(t) igrös 101*, auch Sigen. zerbr(is(t) : gras DHB V, 32) ; gevider (: herudder) 2, 84 ; geschütz 9, 16 (vgl. dazu ergetz (J?d^ti,)isetz Sachsh. Temp. 321); danach sind auch die Beime gebuesst : unsuess 22, 13; 30, 89; gedacht mach 24, 93 zu beurteilen; zu letzterem vergleiche noch das genannte Praet.. dunkh, dann die Part, bei Boner gewan (igesfän) 10, 27 ; bedach(t) : beschach 87, 43 (Scbönbach, Zs. f. d. Ph. VI, 253 und 259) und im Spieg. enzück(t) : dügk 156, 20. Ist meine Vermutung zu 1 , 1 richtig, gehört auch erhikh{t) : sicherlieh hieher. Vocalisation dies g in geleitigiUkeii 5, 2\iidrivaltikeit 28, 481 igseit 29, 80; gseitileit (Adj.) 4, 135; 30, 98 : leit (= leget) 18, 149; angleit 25, 20. EMnige schwache Verba. erscheinen im U Part mit starken Formen: gemachen (: wachen) 28, 462 (: sacken) 31, 133 (ilacJhen) 31, 151, 180; 36, 19 (: geschaffen) 30, 9, 25; gedrän {: schon) 3, 29 (vgl dazu Pfeiflfer, Heinz. p.l42, Anm. 654); behusen (: klusen) 2, 21 ; gepuwen (: ruwen) 28, 50, s. auch 638 *). Danach ist AG. § 376, I zu ergänze. Auch im Versinnera begegnen gleichen 18, 8; gepuwen 18, 73; 28, 53 u.. ö.; gemachen 31, 183 neben gemachet 31, 162. Für geheftet (: glesten) 28, 554 köante gleich- falls gehefften gestanden haben, das im Dialekte heute noch lebt 4. Einzelne Y(ffba. Eine Reihe von Verben, zunächst die auxil., sind, hiei Hugo wie in den gleichzeitigen alem. Urkunden und Dichtern, (über erstere siehe Bergmann, Arch. I, IV Heft, 71 ff.) besonders reich an wech- ') In jSt, 40, 64 steht gehuozen als II Partioip. selnden Formen, die ick daher einzeln in ähnlicher Weise zusammen- stelle, wie es Zarncke bei Brant (p. 285, 286) getan hat. tnon. Inf. tuoh 4, )31; 25, 155, daneben getuon 18, 190. Praes. Ind. Sing, regelmässig, in der 11 Pers. nur tuott 5, 286; 15, 121 etc. — Plur, I Pers. tuon (lauon) 33, 46; aber meist tuand 5, 140; 28, 371, 464, 653 etc. II tuond 24, 136; 29; 123. m tuont 5, 250, 322; 16, 57 und tuond 3, 72; 26, 60 (7mal). Conj. III Pers. tuej 9, 33; tueje 24, 107; htege 18, 23; tueffi 18, 28; daneben fuo 29, 20; 34, 47; 38, 43. — Plur. I und II Pers. tuond 18, 60; 29, 120. m tuegint 25, 44 (4mal): tmp. Sing. II regelmässig nur tue 2, 83 ; 5, 363 u. a. II Plur. tuond 18, 36; 29, 98. Praet. Ind. Sing. I und HI Pers. tet 18, 251; 24. 31 (8mal); tett 6, 10, 108; 15, 77; 25, 64 (21 mal), auch ini Reim er- scheint UttipeÜ 3^, 153; in der lU PliDt". täten 15, 69 und tdtent hi 12, 111. Conj. Sing- J und Itf tet 2, 36; 5, 219; 16, 46. II teti^ 28, 237, 247, 250. IH Plur. teüM 28, 89. Part, getan 4, 84; 18, 9 u. ö. nebfen tdn 37, 2; auch 36, 9 (vgl. p. 177). sin. Inf. weaen {: gelesen) 5, 205; 24, 59; 28, 75 (igene^ am) 28, 108, 131; auch iö der Zle. weä^ 5, 209; 14; 17; 29, 107. Daneben 8in{\ difi) 14, 39; geein {}dtn) 4, 20; gnii: (lai^hin) 28, 428 und mit nasalefii Vi)cal si (: hi) 29, 1 17 (vgl. p. 165). Praes. Indi Sing, hat nur gewöhnliche Formen. — Plur. II rind 4, 190; 5, 364; 32, 128 (8mal); IH sint 2V, 67; 28, 538 652 und' sind 3, 29; 24, 133 (6mal). Conj. i und lU nur si (: hi) 5, 1 ; 32, 137 : fri 5, 170. Plur. V eigen 27, 184 neben sien 31, 195; 33, 43. II aim 28, 735 ; sigint 5, 229. ni sijjint 27, 32. Imp. II Sing, bis 1, 32; 3, 38 und durchweg. II Plur. sind2^i 10, 21; 29, 116 und sint 24, 135. Praet. Indi Sing. I und IH was (igras) 5, 55 und durchweg, nocli nie war wie etwa v&rlor (p. 173), auch noch bei Brant immer nur wds (Äarncke p. 280*). 11 wer oder wert (vgl. p. 176^ Anm. 1) 4, 95. — Plur. III wa/rent 5, 9; 15, 98; 26, b, T (difial), flft)er kein waren. Conj. Sing. I wer^., 7; 19, 30. II weHst 28, 2&2i\ ^^^ CSLXXX 89. in were 25, 97; weri 31, 82, sonst wer 1, 37; 8, 14 u. a. — Plur. I weren 32, 115; werint 5, 236; 13, 20, 55. III werint 4, 186; 28, 68; werind 31, 18; weren 4, 25; 37, 58. Part, nur gewesen {: lesen) 28, 169, kein gesin. haben. Inf. haben: graben 18, bl : geschlagen 28, 142; häufiger erscheint die contrahierte Form hänikan 4, 119 : man 5, 10 1 ; daran 5, 323, auch geMn : gdn 28, 433. Praes. Ind. Sing. I hdnian 3, 41 ibestan 34, 46 (16 Fälle) neben hob 18, 51; 31, 161; 33, 102; 38, 56, 64. 11 nur hdst 4, 9, 45 und oft. III Mt (: spät) 4, 129 und durchweg. — Plur. I hand 15, 2; 28, 210; haben 28, 212, 426, 430, 650; hahent 28, 216. II han (: stän) 32, 122; händ 5, 240; 26, 5, 07; 38, 114; habent 20, 40. III hdnd 4, 136, 146; 5, 301; 13, 5; 28, 182 (18mal); habent 24, 91; 27, 46; 29, 138. Der Conj. zeigt nur volle Formen (MG. p. 369) : Sing, hab 3, 59; 29, 161 etc. — Plur. I habint 18, 172. IH habint 26, 83. Imp. Sing, regelmässig. — Plur. n hand 18, 205, 211; 26, 6; 29, 88 u. a., habent 16, 8; 29, 105, 114. Praet. Ind. Sing. I und III hat 25, 159; halt 5, 136; 15, 85; 18, 13; 25, 19 (17mal), daneben hett (imett) 19, 29. hett 5, 14; 24, 10; 25, 52 (14mal). — Plur. II hettent 5, 238. HI hetten 32, 118, 134. Gonj. Sing. I und IH het 18, 252, meist hett 1, 48; 6, 5; 33, 20 (24mal). H hetHst 15, 15; 28, 417, 622 (8mal). m hetH 28, 145. — Plur. n hettint 5, 230, 235; 31, 43. Part, ghabt (das hhabt des heutigen Dialekts) 4, 83 und durch den Uebertritt in die I schw. Gonjugation gehabt 25, 111; ghicbt 18, 93, also nur bei B, aber die Form ist auch in den alem. Urkunden zu belegen, so bei Vanotti p. 147; im Arch. I, HI, p. 151; ebenso im LS. 28, 34; bei Boner im Reim gehebt : gelebt 48, 3 (Schönbach, Zs. f. d. Ph. VI, 254), derselbe im Netz 4208, 7358. Iftzen. Inf lassen : Strassen 28, 222, 230; 33, 6 : scUaffen 35, 26; daneben häufiger die contrahierte Form Idnigewan 17, 46: hdn 18, 107 : aergdn 18, 258 : stdn 31, 74 (vgl. dazu die Rei- me d : 6, d : ou p. 152). 35, 26, 28 stehen Idn und lassen in derselben Strophe. Praes. Ind. Sing. I Idn 5, 105; 18, 55 : man 5, 91; dagegen /ms 2, 78; 9, 35; 34, 56. HI nur Idt (: hdt) 18, 243; 4* 17; OLXXXI 5, 165 u. ö. 11 ld8t 9, 20 (Conj.?) — Plur. I Und 18, 52. lassen 28, 565. II Idnd 31, 74. III Und 5, 296. Iinp. Sing. II U 1, 73; 3, 69; 4, 89 (lOmal) neben laaa 15, 23; 19, 13, 21 (12mal); erldaz (imasz) 28, 293 und lazz 3, 23; 4, 74 (7mal). Plur. II land 29, 112; 31, 40. Praet. Ind. Sing. I und IE lie 14, 27: hie 10, 7. Conj; I, III liees 5, 244; 7, 20 (11 mal); üezz 5, 289. II lieszt 30, 44; Uest : ividerdriess 32, 44, also vielleicht liess^ das wäre die Bil- •dung der 11 Pers. durch («> (AG. § 347). liessist 28, 248. Part, glaaaen : Strassen 3 1 , 34. g&n hat nur Formen von gd^ keine von gS: III Sing, gät (ispät) 2, 61 (;r<«0 5, 167- HI Plur.. ^an (: hän) 13, 23 u. a. — Die erweiterte Stammform begegnet bloss im Conjunotiv und Imperativ Sing;^aw^ 3, 43; 25, 15,49, 149; 28, 661; 20, 13. aber im Plur. gänd 4, 169. Im Praeteritum erscheint die jüngere nach vie^ Me ge- bildete Form (MG. p. 325) in gie (: vie) 2, 3 ; 13, 53 neben gieng 25, 1, 190, 199; 28, 1, 33 (Umal). Part, nur (umb)gangen {: umbvcmgen) 4, 40; 27, 159 (: anger) 15, 57 etc. stftn. Auch hier meidet Hugo die sonst sehr verbreitete Ne- benform stSn durchweg. Inf. stän (: hän) 5, 258; 38, 109; gestdn 14, 9. (ich) stän 6, 31 ; III Pers. stät (irät) 3, 76; statt 12, 12; Imr stand 5, 150; 30, 97; III Plur. stand 28, 516. Nur süt 16, 42 macht die einzige Ausnahme, ist aber zweifellos zu streichen: das beweist die sonstige Schreibung von B, das übereinstimmende Zeugnis von A und G, das beweisen die Reime. Vom secundären Stamm stant ist gebildet ich stand 38, 145 und das Part, gestanden (: banden) 29, 90 und immer, nie- mals gestdn. Praet. stuond 32, 154 (durchweg). mngen. Paes. Ind. Sing I und III mag (: tag) 5, 84, 274 etc. II macht 2, 81, 108; 3, 40 . . . daneben aber auch machet 38, 6. — Plur. I mug wir 8, 16; mugen wir 18, 60; mugent 28, 218, 273, 654; 33, 64. 11 mugent 26, 7. III mugent 5, 360; 11, 39 u. ö. Conj. I und IH mug 5, 102; 13, 14; 18, 98; 31, 50 (nie- mals müg). II mugist 28, 242. — Plur. I mügen 32, 51; mugent 22, 11; 30, 87 (Ind.?). HI mugent 13, 7; mugint 26, 50. Praeteritum. Die altern Formen mit a sind bereits gänz- lich verschwunden und dafür die auf o eingetreten (AG. i^. ^Q%»\« Auoh der .Umlaut im Oonj ist mit wenigen Ausnahmen durchge- drungen ;mocÄ<: 2, 38, 137; 7, 25; 28, 500, neben 39 Fällen mit ö; 11, 23 steht vereinzelt möcht im Ind., wird also A gehören. Conj. Sing. II möchtist 25, 187; 28, 276. — Plur. I möcht wir 32, 55; III möchänt 15, 56; 18, 104. soln. Im Praesens Sing, ist o herrschend : «oZ 3, 16, 34; eolt l, 33; 3, 45 u. ö.; im Plural /r sult 2, 65 und umge- lautet ir Hdt 32, 105. In der II Pers. Plur. entsteht durch Mouillierung und Synkope (MG. S 144) axiahsond 18, 59, 212; 26, 33, 46; 29, 68, 99 (19mal). Im Conjunctiv sitzt der Umlaut fest : soll 15, 117; 31, 115, 116. Plur. wir söllint 18, 57. Auch in den Indicativ ist der Um- laut eingedrungen : «d'ZZ 15, 7; soll wir 28, 497; eöUen wir 28, 332,456,612; 31, 191; ai söllent 27, 41; einigemal kann man freilich zweifeln, ob der Ind. oder Conj. anzunehmen sei In Hugo's Malefizordnung von 1415 steht gleichfalls wir sollen als Indicativ. Die angefiihrten Beispiele belegen zugleich auch die Doppelung des l in ein- und zweisilbigen Formen (MG. p. 387). Das Praet. zeigt wieder o und ö sowohl im Ind. wie Conj. wechselnd : «o2d {:gold) 2, 9; solte 24, 108; soU 6, 15; 20, 17, 27. sölt 2, 129; 15, 156; 20, 49; 28, 140; 29, 137; (du) söl- tist 28, 310; 30, 69. ir soltent 5, 224, 233. si söltint 18, 197; soltint 28, 86. kunnen. Praes. Sing, regelmässig; über ch=^k in chan vgl p. 169. Plur. II ir kunnent 2, 50; 16, 74. III hufmmt 16, 40; 38, 10. in Conj. kunnint 27, 33. Praet. Ind. zeigt Formen auf o und u: kond 2, 72; 15, 95; 24, 8, 35. - kund 5, 8 ; chund 38, 4? ; si künden 28, 172. Im Conj. ist der Umlaut häufiger, als AG. p. 399 erwarten lässt. kund 30, 57; aber künde 3, 5; kmid 24, 109; 31, 216, 219; 37, 35 — könd 2, 31; 5, 175; 31, 122. mfle^en« Praes. Ind. Sing, regelmässig; I und III muoss und muosz wechselnd, II nur muost Im Plur. ist uo noch häufiger als ue^ wodurch Weinholds Ansicht AG. p. 401 bestätigt wird: I muossent 15, 134; 33, 5, 40; muossen 27, 227. III mtiossen 15, 131; 26, 40; muossent 15, 133 — muess^t 4, 180. Conj. Sing. I und UI muesse 21, 1; 27, 236; muess 5, 16; 16, 76; muesz 20, 15. II muessist 3, 32. — Plur. I tnuessen CLXXXIII 18, 160, 204; 34, 51; 35, 35; 38, 39 neben muosaeni 22i 12; 30, 88 (Ind. ?). Praet. Ind. Sing. I und III muoszt 15, 78, 94; 24, 28. muost 24, 47. Plur. HI muoeztm 28, 112, 115, 119, 122. — Oonj. Sing. I und III mueset 11, 15. muest 1, 47; 5, 129; 27, 194, am öftesten aber mueszt 15, 147; 24^ 110, 111; 30, 44. II mu48ztist 28, 621. wizzen. Inf. wissen 31, 39. Praes. Ind Sing. I and III wei^s (: heiss) 20, 5; 6, 32; 18, 17, 265 und weisz (: hreisz) 1, 64; 9, 9; 28, 254. II nur weist. Plur. I wissmit 33, 42. — Imp. II wissent 13, ^6. Gonj. Sing. III wiss 31, 128. Plur. III wissint 27, 24. Im Praet. ist der Ind. durch den Beim wiszte {lUste) 15, 71 und der Oonj. durch west (ivest) 28, f>36 belegt Daneben erscheint im Oonj. wiszt 18, 20; 33, 16; wiszH 18, 263. wellen. Praes. Ind. Sing, regelmässig, II nur wilt 1, 86, 90; 22, 1. Im Plur. erscheinen wieder die verkürzten Formen wie bei «win : II wend 29, 51, 81, 100; 38, 80. III tuend 18, 150 neben weUent 32, 96. Der Conj. hat nur eil und III Sing. well (ihell) 18, 79 w ungevell) 18, 237; 38, 125 (auch 9ittal in der Zeile). II wellest 38, 163; wellist 28, 438; 29, 41 ; 34, 40*). Plur. I wellen 21 y 100. 11 wellint 26, 6; 29, 127. Praet. Ind. oiwolt (: solt) 3, 13; wollest 17, 18; Plur. II woltnt 4, 192. III woltent 4, 144 und waltend 2, 101. Der Gonj. zeigt drei Formen; am häufigsten sind die mit e: well (: un- gezelt) 2, 43 i^^kelt) 19, 27 und llmal in der Zeile. Daneben die auf oiwolt (: Mangolt) 31, 181 und 9mal in der Zeile. Dann die auf ö : wölt 18, 31 ; 20, 51 ; 29, 133; 34, 33. wölH 18, 207. Man kann zweifeln, ob dieses ö der Umlaut von o oder die Ver* tiefung von ^ ist, wahrscheinlich das erstere wie bei soln^ dessen Formen überhaupt auf die Conjugation von wellen Einfluss genom- men zu haben scheinen. komen. Inf. kamen (: vernomen) 4« 89, daneben hon {\ldn) 8, 13 (; Mn) 13, 9 (vgl. p. 147. Atom. 1, p. 166 und 176). Praes. Ind. Smg. II kunst 28, 648. III kumpt 4, 16; 5» 58, 166 (9mal, vgl. p. 159), daneben humt 20, 36 und kunt 3, <) Td Nr. a9 nnd 40 erscheint o: woltt 39, 64; 40, 50, 111; 40, 149 ; im M4. iiild eb«n die Formeii mit o die gewöhnlichen (MG. p, 400). OLXXXIV 8; 6, 22; 15, 24, 127; 27,-94 (Sinai). — Imp. chum 38, 156; kum 25, 87; 33, 168 (5mal). Zu diesen häufigen Formen mit u treten noch kämet (III Ind.) 32, 10; du komiat (Conj.) 28, 61S, welche jedoch Misstrauen erregen, da sie selten sind und nur beim Schreiber B erscheinen, dem oben (p. 155) auch andere falsche 0 &lX u nachgewiesen wurden ; andrerseits sprechen aber viele ana- loge Belege für ihre Echtheit, so begegnen sie im Wolfd. D (Jä- nioke p. 7), sehr häufig im Netz: 273, 362, 375 k(>mpt\ 3399 kompt : versompt u. a. neben kumend 492, kumm 529, 531 etc.; ja auch in Hugo's Bregenzer Urkunde vom 9./10. 1405 steht kompU so dass die Formen stehen zu lassen und als Beleg zu nehmen sind für eine Beobachtung, die sich vielfach schon aufge- drängt haben wird, dass nämlich Hugo in seinen spätem Gedichten Formen gebraucht, die er in den früheren mied ; besonders gilt das bei jenen, welche im Nhd. herrschend geworden sind. Praet Die reimbelegte Form lautet ka/n (n = m, vgl. p. 166) : Aan 4, 85, daneben in der Zeile kam 5, 70 u. ö.; cJiam 38, 46; 5, 139 aber kam (vgl. Lexer I, 1668). Im Conj. nur kern 2, 30, 54 u. ö. dnnken zeigt imPraeteritum Indicativ dxmkh (= dimkhte^ vgl. p. 177) 5, 68; dünkte 25, 28; im Conjunctiv düchte 18, 56 (MG. p. 362) und dunkt 33, 32. beginnen. Praet. begund 28, 35. Häufiger begegnet bei Hugo die sonst seltenere Nebenform (MG. § 389) hegond 2, 37 ; hgond 28, 49, 314; 30, 59. Diese Verba liefern ganze Musterkarten wechselnder Formen alten, neuen und dialektischen Gepräges; eines aber ist noch be- sonders hervorzuheben, dass nämlich auch hier, von ein paar zwei- felhaften Fällen abgesehen, das thematische i nur im Conjunctiv erscheint und zwar sowohl in der Gegenwart als auch in der Ver- gangenheit. Im Praeteritum beweist i das Fortleben des ahd. Binde- vocals; im Praesens aber ist es kaum der Nachklang des alten Po- tentialsuffixes, das schon ahd. zu i geworden, vielmehr der Endring- ling aus dem Conjunctiv des Praeteritums, wie umgekehrt die En- dung ^ent aus dem Praes. Ind. in den Indicativ und Conjunctiv des Praet. übergetreten ist. Hugo steht mit diesem Gebrauche nicht isoliert; bedeutende Ansätze dazu vor ihm machte Heinzelin, und auch nach ihm lebt diese Unterscheidung zwischen Indicativ und Conjunctiv noch fort, so z. B. bei Zwingli und Tschudi (vgl. Pfeiffer zu CSLXXXV Heinz. ML. 425), ebenso haftet sie heute noch in der Schweiz (vgl. Sohweizer-Sidler in Kuhns Zs. XUl, 384) und in Vorarlberg, besonders um Feldkirch. 5. Sediiati«!. a. Substantiv a. Sing. M a s c. und N e u t r. Nora, ohne Flexion — Gen. es. Hugo synkopiert e nach kurzer wie langer Silbe : gotz 4, 137; 2ö, 14; wider gelte 1, 21; dbentz 8, 1; muote 14,43 neben gotee etc. — oder lässt e stehen und wirft a ab in unstetes muote (: huote Acc.) 26, 25 ; mms muote {: guote Dat. Sing.) 25, 167; auch des lüfte (igufte Dat.) 5, 25, wie aus dem hsl. luft : guft herzustellen sein wird (solche Genitive belegt AG. p. 413 nicht und p. 423 nur mit einem Beispiele, ebenso MG. p. 425 nicht, p. 419 mit einem Bei- spiele) — oder lässt den Stamm ganz flexionslos: eins steten muot {xhuot Dat.) 5, 357; dines trüwen rät (: Mt) 3, 77; süntlichs fürkoffen (: raffen Inf.) 5, 271; des bittern mer {lich swer) 13, 1 (MG. p. 426 citiert dies Beispiel, aber irrtümlich als mer: her); des liden (: miden) 13, 42; mins stoltzen üb {: wib Nom.) 25, 35; die almecJitikeü goit (: spott) 28, 501; 33, 81; des Mmelrich (: gelich) 28, 613; eines' gnedigen ergetzen {: setzen) 34, 6. Daneben erscheint das Gen. -» dreimal gegen den Reim: von gnaden gots (: dn spät) 19, 14; dins guote (: muot Acc.) 28, 326 ; eins selgen Ubens (: geben) 30, 69, wo aber, da wir wissen, dass die Schreiber, besonders B, öfters gegen das Original verkürzte Formen completierten , ohne Schwierigkeit reiner Reim hergestellt werden könnte, zumal diese Genitive auch bei andern alem. Dichtem und in Urkunden begegnen. Schon die AG. führt p. 413 und 423 etliche Belege an, wozu ich erg. : aus Netz des guoten tag (:lag) 862, dins schMes Hb (: wip) 2220; Brant des buoch (: suoch) 110», 2 und öfter (vgl. Zamcke 282i>); in der Lindauer Urkunde vom 30./6. 1375 (Arch. I, 3, 112—115) steht consequent im Gen. nur des eirb (== erbes). — Die Flexionslosig- keit bei inins vater sei 27, 209 wie sins bruoder in Hugo*s Urk. vom 2773. 1422 (vgl. Auszug in Abh. I, 76) hat nichts beson- deres, obgleich jetzt auch in diesen Patronym. wieder das Gen. -s häufiger zu werden beginnt. ölxxxvt • Der Dativ hat e : muote : gnote 6, 6, das aber nicht nur iiach kurzer, sondern auoh nach lang^ Silbe unbedenklicli abge- worfen wird : ze unmuot 7, 13; uff wäg 13, 1 eta (s. p. 149). — Im Accus. Neutr. hat ein alter ^'a-Stamm e erhalten: mere (:Sre Gen.) 18, 224. Unechtes 4 in heüe {: ze teile) 37, 49; auch /^r nickte 29, 2; 32, 150 (s. p. 153), ebenso im Masc. : den muote (: ze guote) 6, 28 und wahrscheinlich auch hdre 22, 24 (vgl. Abh. V, p. 202). Das Femin. zeigt durch alle Oasus sowohl die vollen als apok. Formen, die letztem häufiger : varw 5, 59 ; mdzz 6, 35 ; saeh 7, 3; eümm 16, 13; fröd (DdX) 13, 9. Auffallend ist die analogische Flexionsbildung in ritterscheft (Nom Sing.) : hreft (Dat. S.) 2, 28 (s. p. 151), ebenso der Gen. auf-« : uff strassee pan' 2, 92; durch er des gruff 12, 14; vgl dazu Reinfr. vorhtes zitier 10093, aumder vorhtes haz 10305. Jänicke dachte (Zs. f d. A. 17, 508) an wirklichen Geschlechts- Wechsel, ebenso Lexer (im Wb.), und hrdhtes : dhtes Reinfr. 3752 mit den in AG. § 274 — 276 beigebrachten Belegen gab fQr diese Ansicht die nötige Unterstützung; wahrscheinlicher aber ist es doch, in den beiden Fällen aus Hugo und Reinfr. den Ansatz zu den nhd. Gompositionen wie «Liebeswahn ^ „ Flammeswut ** u« dgl. (vgl. Jeitteles, nhd. Wortbildung 90flF.) zu erblicken; bei Hugo freilich steht sogar des strasees, aber des wird durch den Rhythmus negiert. Der Plural der Masc. und Fem. hat nichts auffieillendes. In allen Casus kann -e beibehalten oder apokopiert werden, doch haben bei den Masc. die apokopierten, bei den Fem. die vollen Formen das Uebergewicht Der Nom. und Aca Plur. der Neutra ist nach der Regel ohne Flexionsendung, aber unechtes e (AG. p. 424) steht in die wihe : Übe (Dat Sing ) 38, 36 und in die rosse (Acc.) 2, 112. Seltener wird der Plural durch das Stammelement -^ gebildet : Wörter 28, 236; im Gen. der pender 6, 17; der löber 11, 41. Auch im Dat. hUttem 38, 13, 30; hüsem 34, 44 neben den häufigem wihen 25, 143; lieden 31, 177 etc. Besonders hervorzuheben ist, dass auch im Dat. PI. -n und -en abgeworfen wird (p. 165) : mit gelider (: dawider) 25, 100; mit ris von bomen 5, 96 ; wib und och den mannen 1 8, 246 ; sunne : wunden 13, 52; daher wird auch 30, 93 : got hat uns geben^ wib und man (: daran) anzufahren sein, da dem Montforter in dieser yarbjndung sonst wiben und mannen geläufig ist z. B. 18, 118. CLXXXYH Im zuerst und aus 13, 52 aufgeführten Falle hat der Schreiber frei- lich wieder n angesetzt und den Reim verdorben, und AG. belegt die Apokope nicht ; vgl. aber bei Sachsenheim mit kostlich claider M 643, mit madster M. 975, mit Arisai^ wepner 1401; mit süben sail 1179, zuo baidm tail 2539, von zwerg {'.herg) 3804, uf bergen und in tal T. 386, ein wib und mannen M. 737 (Martin zu 643); Netz allen kind(£n) : sind (sunt) 12523 u. a.; Brant mit sechsz füeaz 110*, 129; mit stein (Plur.) 42^ (Zarncke p. 282). Eigene Behandlm\g verlangen die Nomina mit voc. Decl. (nicht consonanitißQher, vgl. darüber Heinzel, altn. Endsilben 403 ff.), welche von Adjectiven hergeleitet sind und Eigenschaften bezeich- uen. Im Gemeindeutschen sind sie zu dieser Zeit schon lange in die A-Classe der st. Fem. übergetreten, während Hugo noch eine Reihe alter Formen bewahrt hat, so dass sich daraus die ganze Declination des Singulars zusammenstellen lässt. Nom. Üebi 15, 41; 18, 53, 74, 78, 266; 19, 7; 20, 39; 38, 46; sch&ni 18, 115; grössi 28, 605. — Gen. liebi 18, 90; wirdi 28, 712. — Dat. mitü 21, 21; röti 5, 41; liebi 18, '87; 19, 15; 34, 2; 36, 12, 16; schönt 18, 109; 28, 411; gueti 26, 54 — Acc. gueti 3, 34; liebi 18, 105; 28, 590; lengi 18, 236; 26, 15; 27, 116; 31, 63, 246; ivirdi 27, 14; 30, 60. Daneben er-, scheinen auch hier wieder die starken Apok.«oA^n 10, 16; 28,414 u. a, welche MG. p. 439 nur dem bair. Dialekt zuschreibt. Deminutiva bildet Hugo durch -elihelsel 21, 12; hüsel 25, 2; durch -lin : töchterlin 5, 11; fuessUn 21, 27; stüiUn 23, 39; kindUn 32, ^0, und mit Apokope des n die dialektischen minneliedli 3, 8; ephelli 3, 27; wengli 5, 36; mündli 5, 40; 16, 33; zenli 5, 42; 16, 35; helsli 5, 45; nekli 5, 4b;glöggli 8, 8; bluemli 16, 17, 21; bnewli 16, 37; büchU 21, 22; nar- renschuecMi 28, 380; vögelli 29, 13, aber keinen Fall im Reime; doch sind Reime dieser Art überhaupt selten. Boner z. B. hat nur einen (Schönbach, Zs, f. d. Ph. VI, 253), ebenso die Virginal (Zupitza, Einl. p. 16), Flore sechs (Sommer zu 1321). Häufig zeigen die Substantiva Schwanken zwischen starker und schwacher Flexion, besonders treten die Feminina auf e gern in die schw. Declination über. Masculina. rim (stm.*) 31, 158 darzuo die rimen mes- ') Di9_ Jße^cluiaiig in den KUmmom ist aus Lexer genommen. CLXxxvm sen, stam (stm.) 2, 19 in irs hertzen stammen {: flammen Dat ^ PI); 18, 62 in mangem stammten (: ammien Dat. S.)- Feminina, erde (stswf.) 5, 342 in die erden leit; 11, 17 uff erden (: sterben 18, 106'; 25, 195 (vgl. p. 172) zffwerden 32, 29: verderben 1, 46 ; dagegen ist es st in 36, 15; 37, 9 etc. — froede (stswf.) 7, 5 nit f roden bringt. Jdüs (stswf.) 2, 21 in mines hertzen klusen (: behtisen). mdze (stf.) 21, 28 uss der mdssen s. auch 31, 110; aber 28, 295 vss diner sinne mobsz (: erldsz). ruowe (stf.) 18, 22 heü si zwar nicht ruowen viL schände (stswf.) 29, 40 0 pfuch der grossen schänden (: landen), stde (stswf.) 22, 40 zmsser siden (: liden), strdze (stswf.) 28, 224 du buwst ein irre Strassen (: abelassen)^ dasselbe aaoh 31, 36; dagegen ist es 4, 92 stark : das dti zwölf strasze machtest (vgl. darüber Sommer zu Flore 2961). summe (stswf.) 8, 20 vor der sunnen. wi{e)ge (swstf.) 28, 320 in einer wiegen (: betriegen); aber 18, 63 in einer wieg (: krieg), veder (stswf.) 4, 30 die vedren (Nom. Plur.). b. Adjeotiva. Der Nom. und Aco. der st. Masoul. begegnet flexionslos : ein sölich sin 14, 29; min willig dinst 26, 1 ; die trueg kein solichen helt 5, 99 — neben den synkopierten einn suessen don 16, 29; einn steten muot 18, 113; minn wiüen 19, 22; 20, 21. Auch in der schw. DecL wird -en abgeworfen : durch dinen herten willig tot 12, 23. Der Gren kann e synkopieren : mins 8, 14; eins 14, 44 — der Dat die ganze Endung sikiwetiefiimit gMlich sinne 25, 140; u^s ewig n6t 32, 112. Nom. Sing, der st. Femin. -/w, das nur in wenigen Fällen er- halten blieb (vgl. p. 153), dafür erscheint aber auch i : liebi dim 3, 4; gerechü sit 13, 56; grossi buoss 18, 196; ich armi (sub- stantivisch) 25, 45; wolgerdtni S 28, 300; edlü^ stoltzi tragt 28, 413; gerechH ler 28, 439 — häufiger jedoch «, das apokopiert werden kann: kein schlichte 29, 4; gross sünde 24, 127. — selig zit 3, 50; gross wunn 29, 53. Im Nom. und Acc Sing, des Neutr. durchweg es (vgl. p. 162), nie mehr ez, das ebenfalls apokopiert werden kann : ein suess ge- dön 29, 3; ein wankel wib 25, 36; ein biderb wib 37, 9, 55. Im Nom. und Acc. Plural des Neutr. erscheinen wieder die i = iu wie im Nom. Sing, des Femininoms : suessi wort 24, 5f 98; stwrki GLXXXIX mer 28, 111; guoü buoch 29, 91; liebi wort 29, 3; speM wort 31, 26; in geaehendi ogen 5, 266; 32, 94. Ueberblicken wir die i in der Nominalflexion, so ergibt sich, dass sie Hngo auch hier wie bei der Gonjagation in ganz bestimm- ten, charakteristischen Fällen gebraucht: bei den Deminutiven auf "1% bei den Substantiven nach managt und für die Adjectiven- dung-m : also überall nur da, wo ein alter I-laut zu Grunde liegt ^). Das ist wichtig genug; denn dadurch wird nun ohne weiteres ausge- schlossen, bei Hugo von einer « mundartlichen Färbung des irratio- nalen e'^^ oder einer „Verdünnung des e za i*^ zu sprechen, wie man gewohnt war. Die Beobachtung ist sicher, das zeigt sich noch besonders deutlich im Nom. und Aco. Sing, der femin. Adjective : wäre i nur die «mundartliche Färbung des Endungs-^", warum er- schiene es dann nur im Nom. und nicht auch im Acc, wie es bei den Nentris in beiden Casus erscheint? ^) Die einsige Ansnahme macht zeniehH 28, 323; 33, 7, vo falsche Analogie, Tielleicht anch AssimilatioD gewirkt haben kann. V. METRIK. ^Wie für die ▼issenseÜaftlicfae Behandlung delr Sprachge- schichte dieses Zeitraums bis jetzt so gut wie gar nichts ge- schehen ist, so liegt auch noch die Greschichte der Veränderungen, welche in ihm die alten metrischen Formen erlitten haben, völlig im argen. Man wird hier gleichfalls erst den Vers- und Rei'm- gebrauch vieler einzelneU Dichter, so wie die Art, wie sie in unstrophischen Gedichten die Zeilen an einandergereiht, in strophi- schen zu wiederkehrenden Gliedern zusammengefasst haben, er- forschen müssen, bevor man zu allg^meinern £rgebnissen ge- langen kann ; und diese werden sich dann gewiss wieder sehr mannigfaltig von einer noch immer anerkennenswerten Hohe der Kunstübung bis zur äussersten Tiefe des rohen Handwerks ab- stufen^. Koberstein LG. I^ 281, 2. 1. AUgemeines. Wie bei der Sprache, so bleibt auch bei der Metrik das Mhd. Ausgangspunkt der Untersuchung; aber nur Ausgangspunkt, nicht Regulativ : denn wie die erstere sich vielfach geändert hat, so wird es auch bei der letztern geschehen sein. Und dass Hugo selbst Fehlerhaftigkeiten seiner Verse entschuldigt, kann nur noch mehr zur Vorsicht mahnen; zeigt andrerseits aber auch, dass er die da- maligen technischen Kunstregeln kannte : wie wäre er sich sonst seiner Fehler, welche vorzüglich der Zeitmangel verursachte (31, 157), bewusst gewesen? Ferner ergaben die beiden vorausgegangenen Abhandlungen, dass die Verderbnisse der Schreiber sich nirgends zu weitergehenden Umgestaltungen versteigen, sondern nur durch Flüchtigkeiten und ihre verschiedene Mundart herbeigeführt werden. Das ebnet der Kritik den Boden. Es handelt sich also darum, die metrischen Gesetze Hugo's zu finden und die Mittel zu fixieren, welche die Ueberlieferung bietet, um jene Verse, welche dagegen Verstössen und verdorben sind, in ihre wahrscheinliche Ursprung- liehe Gestalt zurückzuführen : es sind Apokope, Synkope, Ekthlipsis, Inclination und Contraotion. Die Apokopen ergaben sich in ihrem ganzen Um&nge schon aus den Reimen (Abh. IV, p. 149), so dass hi^ genügt, darauf zu Terweisen. Erhaltene und durdi den Rhythnras gesicherte Synkopen: vor 8 in eins 8, 9; 25, 130; mins 8, 14; sina 15, 97; dinä 17, 16. wngelimpfs 18, 127; lange 28, 335; gotz 30, 60; mmta 31, 217. behältst 22, 31; bindet 29, 92 (vgl. Abh. IV, p. 173 fif. und 185 ff.) — vom allr 24, 16; einr 25, 184; 28, 71; dinr 10, 7; 14, 28; 23, 15; miwr 16, 46 — vor n : eina 5, 233; 18, 221; wenn 19, 22; 20* 21; gelagenn 32, 98. — Dann in Jieilgen 18, 163; küng 30, 33; römschen 17, 37; dran 28, 586; meng 7, 28; 16, 25; menklich 33, 15; nachtgaü 15, 166; ßissklich 6, 24; gewaliklich 33, 30, weswegen 29, 113 ohne Anstand üppklich gebessert werden konnte, zumal solche Härten auch in den al. ürk. erscheinen : Arch. I, III, p. 133 (23./6. 1388) ledklich; p. 137 (6./9. 1389) ewkUcJi, flisskUch; dazu Netz 7715» 7716 uppkUch Besonders stark sind die Synk. in den Vorsilben, ge^ vor l : gümpf 10, 31; glich 23, 31 auch 1, 60; 4, 160, 33, 127 u. ö.; glust 18, 125; 24, 134, vor n:gntu>g IS, 149, vor r : gr echte 27, 88 u. ö., vor w : gwiasen 15, 154; 23, 9; gwirt 29, 172, vor sigschrift 4, 90; gsach 18, 103;. 23, 30; getaU \% 4; 35, 3^ vor t:gticht 1>^, IS9, Yorfigfid 25, 23. — be^ vor gibgier 17, 9; 24, 134; bgond 28, 49, 314; 30, 59, vor k : ftfcam 16, 1; bkent 16, 73; 17, 20; 18, 148 u. ö.; bkenn 23, 27, vor h : bhalten 15, 141, vor-« : bschUessent 23, 16 ^ 26, 12; bschiht 15, 155; bschah 24, 122 und selbst vor f, d : btütz 24, 120; bdör/t 20, 20. Ueberblickt man die letztern Synkopen, so zeigt aicfa^ dass die härtesten derselben sich= nur beim Sobreiber B finden, was Misstrauen gegen sie erweckt, welches dadurch nur gesteigert werden kann, dass.derselbe auch 22, 31 wahrscheinlich gegen seine Vorlage bhaltst gekürzt hat; dazu kommt nooh, dass die schwersten Fälle in der ersten Hebung stehen. Weinhold hat daher, vielleicht nicht unrecht getan, wenn er 16, 1 lieber zweisilbigen Auftact {mir bekam) als das übeilief^te bkasn in den Text setzte; in keinem^ Falle aber darf man bei der Textoonstruotaon die in der Hs. gezogenen Grenzen überschreiten» cxcn Ekthlipsis (MG. 144) : sfm {-=^ sineme) 1, 17; 29, 160; cUm 30, 43; mim 18, 262; eim 6, 23; 28, 188; ffUt, Hat, säst, treit, seit u. dgl. m. (Abh. IV, 173 ff.). Proclisis : von ze in zUeb 25, 61, des Artikels dhant 18, 157; dwelt 27, 36. Enolisis von es (ez) : magsb^QS; hdtz 5, 121 ; hands 13, 5; hoste 28, 129 — von si (sie) : woltentz 4, 144; werdentz 4, 148; mrs 18, 172; lagente 24, 56; wass 21, 24; habs 37, 52 — von dem : am 11, 29; 15, 75 etc. — von daz : anz II, 31; widere 31, 42. Contraotionr^Ä« 15, 1; 17, 51; dast26j 84; zem 16, 70. Es sind also lauter Mittel, welche schon im guten Mhd. ge- bräuchlich waren, und nur der Umfang derselben, besonders der tSyn- und Apokopen, hat sich erweitert, was teilweise mit der sprachlichen Veränderung zusammenhängt (vgl. Abh. IV, 148). Bei der weitem Untersuchung über Hugo's Metrik stelle ich ge- wöhnlich die Lieder voraus, weil sie sorgfältiger gebaut sind: diese wird Hugo auch zunächst im Auge gehabt haben, wenn er 31, 25 sich vom Priester anrufen lässt : du hast mit silmen, rim,en cluog gojr spehi wort getickt Ihnen lasse ich die correcteren Reden in Reimpaaren (Nr. 1, 2, 4, 5, 14, 25) und in der vierzeiligen Strophe (16, 17) und diesen die übrigen Reden und Briefe folgen« «Der Vers wird nach Hebungen gemessen **, lautete die alte Regel; der Hebung kann, muss aber nicht eine Senkung folgen: Idnc^ schdrfy gr&z^ brüt Iw. 599 ist ein tadelloser Vers. Man weiss, wie in der folgenden Zeit die Senkung nicht nur in der Lyrik, sondern auch im Epos grössere Beachtung fond und sich allmählich das neue Gesetz der Silbenzählung ausbildete, welches im 14. Jahrhundert wiederholt als Richtmass der Dichter betont wird. Bekannt sind die beiden Stellen bei Hesler (Bartsch» Germ. I, 194 ff.) und Jeroschin (Pfeiffer, Beitr. zur Gesch. der md. Sprache und Liter, p. 37) ; vgl. ferner Suchenwirt 21, 5 der ich zu lichten hwa gedmht . . . der silben zall, der chunsten grünt; Hugo 2, 132 der silmen zal^ der stunden zil der mag ich nit gewalien. Die Doppelseitigkeit dieses G-esetzes der Siibenzählung ist leicht zu erkennen: jeder richtige mhd. Vers mit Hebung und Senkung entsprach ihm, aber ebenso auch eine Zeile wie anfdng. CXCIII mittA und auch das 4nd (Sachs) oder in teuffls gstallt dJn altin anficht (Ayrer) ; nnd doch liegt da«zwischen der grosse Sprung von jener guten zur verdorbensten Verszeit. Das charakte- ristische Merkmal ruht in einem anderen Gesetze, welches das der Silbenzählung begleitet ; je nachdem die Dichter dieser üebergangs- zeit dasselbe beachten oder nicht, scheiden sie sich in zwei Gruppen, deren erstere noch zu den mhd. Dichtern hinauf, deren letztere zu den Meistersängern hinabweist. Den Meistersängern sind alle Silben gleichwertig, jede kann in der Hebung oder Senkung stehen: sie messen nicht mehr, zählen nur — während die andern neben der Zählung auch noch die Silben unterscheiden und von Länge und Kürze sprechen. Hier ist der Punkt, wo alle Dichter des 14. und der folgenden Jhde. zuerst angefasst werden müssen. Dass Hugo zu den bessern gehört, ergibt schon sein eigener Ausspruch in der angeführten Stelle (2, 132), welche für seine und seiner Zeitgenossen Dichtungsweise bemerkenswert ist: der stunden zil kann nur auf Zeit-, also Länge- und Eürzemessung deuten, was 15, 163 ist daran icht zerunnen die leng^ die hürtz direct bezeugt. Dass aber Länge und Kürze nicht nach der grammati- schen Quantität der Silben, sondern nach der Wortbetonung ge- schätzt wurde, ist vorauszusetzen, denn zur Quantitätsmessung fehlte jeder Anhaltspunkt : über Hugo's Grab war schon lange Moos ge- wachsen, als sie die Humanisten zu übler Stunde in Deutschland importierten ; nur in vereinzelten Fällen hatte die gramm. Quantität auch im Mhd. Bedeutung, vor allem im zweisilbig stumpfen Heime und bei der entsprechenden Verschleifung in der Zeile, die ich zu- nächst behandeln will. In Abh. ly, p. 147 wurde nachgewiesen, dass zweisilbige Reime mit kurzer Paenultima klingend gebraucht werden wie die mit langer. Hier müssen die andern Fälle zusammengestellt, muss der Umfang bestimmt werden, in dem dasselbe geschehen ist ^). Die Verse 6, 10, 39 brachten oben aus der Metrik den Beweis für die neue Dehnung kurzer Bedeutungssilben; vergleicht man femer 16, 65 — 68 mit den umliegenden Strophen, so ergibt sich gleich- falls, dass beschuhen : jehen ebenso klingend stehen wie besten : *) Die Reden und Briefe mit Titurelstrophen lasse ich yorläufig ausser Acht, da sie für diese Beobachtung zu wenig sichere Anhaltspunkte bieten, wie sich später zeigen wird. Waokerne 11, Montfort. ^^ CXOIV ffestm 70, vertrihm : schiben 74 etc.; dasselbe zeigen alle drei- mal gehobenen Verse mit kurzer Reimpaenultima neben viermal gehobenen; es sind folgende Fälle: der gedehnte Stammvocal ist e in leben : vergeben 5, 363; 6, 10; 25, 127 : eben 29, 129: gegeben 25, 181; eben : geben 6^ 23; pflegen : geben 25, 53; pJUegen ; engegen 5, 261; regel : wegen 29, 154; verjehen : eehen 5, 33; sehen : bescheiden 6, 39 : brehen 16, 34; beschehen: jehen 16, 66. Der Stammvocal ist a in sagen : dagen 5, 175: tragen 37, 17 — oder 0 in Zobel : o6ew 2, 121 ; toben : loben 5, 15 — oder e in herwider : gevider 2, 83; beliben (Part.) : vsgeschiben 5, 65 und o/rtiTcel : stihel 4, 9 — oder u in tugent : jugent 4, 77. Dazu kommen noch die Reime zwischen kurzem und langem Vocal in der dreimal gehobenen Zeile : auf i in schiben : siben 4, 75 — auf 0 in toren : verloren 4, 153; komen : bdmen 5, 95 — auf e in i&^m : Sren 25, 117 : fe^rm 7, 18. Es sind also im ganzen 47 Fälle, von denen die meisten auf e und, auf den Aus- laut der Stammsilbe gesehen, auf h oder einen tönenden Oonsonan- ten fallen, nur einmal steht k; vgl. dazu Wiimanns' Zusammen- stellung der ähnlichen Reime aus der Virginal (Zs. f. d. A. XV, 295 fif.), welche dasselbe Ergebnis liefert. Den aufgezählten Reimen gegenüber stehen aber die Strophen und Reime, welche das Fortleben der mhd. Regel beweisen wollen. In 17, 21—24, 25-28; 16, 25—28 erscheinen geben : leben, sagen : wagen, gebogen : versmogen in mhd. Weise als zweisilbig stumpf; dafür sprechen auch alle andern viermal gehobenen Verse mit kurzer Reimpaenultima neben denen mit einsilbigem Stumpf- reim. Im ganzen sind folgende Fälle zu verzeichnen : der Stamm- vocal ist e in geben : leben 4, 49, 57 ; 5, 229; 17, 14, 22; 22, 9; 25, 19, 157; 29, 10, 34, 94. — leben : eben 5, 131 -.widerstreben 5, 267. - leben : underwegen 29, 65; eben : wegen 29, 157. — phlegen : segen 2, 89. - gesehen : jehen 5, 133; 29, 22 x be- schehen 5, 137; 29, 53; bschehen : jehen 4, 125. — gelesen: gewesen 29, 89 : wesen 5, 205. — Der Stammvocal ist a in sagen : tagen 5, 385 : wagen 17, 26; 0 in komen : vemomen 4, 89; 5, 129; 29, 6. — gebogen : tmversmogen 4, 159; 16, 25; OXÖV i in usBgeecMbm : beliben (Pr.) 5, 49. — da/widef : gelidßr 25, 99. — Umeliimer 29, 70. Das sind also .66 Fälle; die ineisten wieder bei e, gar keiner bei u, freilich sind solche Reime überhaupt seltener. Die aufgezählten Reime führen zur Annahme, dass das mhd. Gesetz fortlebt und dass die Wörter mit ursprünglich kurzer Stamm- silbe von denen mit ursprünglich langer noch quantitativ, viel- leicht auch qualitativ verschieden seien; doch wird die Sicherheit dieses Schlusses von einer andern Erscheinung durchkreuzt. In der Strophe 17, 13 — 16 erscheinen die klingenden Reime verleiten : bereiten ebenso in der viermal gehobenen ^eile wie gegeben : Üben. Solch vierhebige Verse mit echtem klingenden Reime sind — auf e : gedevikhen : eenicen 4, 35 ; senden : wenden 5, 381 : nen^ den 29, 113. verderben : sterben 4, 15 : werden 29, l4l. leiten i besten 5, 165; gessen : messen 29, 25 — auf a : gallen : umbwallen 29 , 161 ; vcdlen : ballen 29 , 169 ; behalten : walten 29 , 173. sacken : waxihen 29 , 125 : macheh 29, 178. gestanden : banden 29, 90 — auf 0 : Orden : verdorben 29, 149, 153 : Äorrf^ 29, 165. unr verdrossen : vergossen 4, 145 — auf i : beliben : schiben (Inf.) 5, 79. timpten : gerimpten 4, 25 — auf ie\ ziehe: liege 29, 137 — auf ei : verleiten : bereiten 11 y 13. — leisten : verHeissen 29, 17, 77. Auch die Reime mit kurzem und langem Yoc. oder geniin. Gons. in der viermal gehobenen Zeile gehören hieher : getragen : wägen 5, 75; iren : weren 25, 117 ; Jherren : werren 5, 223, 249 : im ganzen 50 Fälle. Wo bleibt nun die Gewähr, dass in den vierhebigen Verseo mit kurzer Paenultima zweisilbig stumpfer Keim fortlebe, wenn auch die alten klingenden unter denselben Bedingungen erscheinen ? Frei- lich stehen diesen 50 Belegen 394 klingende Reime nach ailter Weise in der dreihebieen Zeile gegenüber. Allein auch sie lassen aus den vierhebigen Versen mi£ (mhd.) kurzer Reimpaenultimä nicht so ganz ohne Resierve auf das Foiileben der alten Kürze schliessen, wie die dreihebigen für die eingetretene Längung. Doch tritt hier die Verschleifhng in der 2eile ergfilm^nä ein: auch noch bei Hugo werden kurze Stammsilben, denen ein- facher Gonsonant und unbetonies e (resj[l. i) folgeiä, m ißi Hebcmg versohleift : edel gestdm 2, 12, frowe m 74» solieher 107 ; 5, 99 ; CSXCVI ffeachriben mit 4, 26; oder in 4, 78; Üben dn 4, 173; nemen uf 5, 83; Bolichen 5, 99; gweaen ein 5, 388; haaen gevdngen 7, 29; wider ze 8, 13; gsehenden 11, 38; maget die 12, 25; iiibel bewdr 12, 26; söHcher 13, 32; eiten bedenken 14, 16; habint got 25, 83; vögelli 29, 13; globen und 29, 174; homist her/n 28, 618 etc Hier zeigt sich also gleichfalls der Fortbestand der kürzen betonten Stammsilbe und des mhd. Gesetzes. Es erübrigt nun, die bei Hugo gemachten Beobachtungen mit der Metrik seiner Vorgänger und Zeitgenossen zu vergleichen, um wo möglich allgemeinere Resultate zu gewinnen. r ^ Beispiele für den klingenden Gebrauch zweisilbig stumpfer Reime finden sich auch in guter mhd. Zeit, doch nur vereinzelt und ausnahmsweise; vgl. Koberstein LG.^ 285; Grimm, Gr. I^, 459; Kummer zu Wildonie 315. Der eigentliche Beginn derselben fallt in die Uebergangsperiode und ist das Kennzeichen der neuen Stufe in der Sprachentwicklung (s. Abh. IV, p. 146). Schon bei Fleck wie bei Heinrich v. Türlein lässt eine nicht unbedeu- tende Anzahl von Reimpaaren vermuten, dass sie zwei verschleif- bare Silben für den klingenden Vers brauchen (Sommer zu Flore 43). Dasselbe ist sicher im Wolfdietrich D (Jänicke, Einl. p. 10). Viel häufiger begegnen solche nhd. Reime in der Vir- ginal, es sind 257 Fälle, während in den übrigen noch die mhd. Regel fortlebt (Wilmanns, Zs. f. d. A. XV, 296). In der Martina stehen die nhd. klingenden zu den mhd. stumpfen wie c. 1 : 12 (sie mehren sich besonders in der zweiten Hälfte); Staufenberg hat 7 klingende (Jänicke zu 233) neben 35 stumpfen, Hadlaub aber 72 klingende zu nur 7 stumpfen, in der Zeile jedoch noch viele Ver- schleifungen. lieber den grossen Umfong der nhd. Dehnung bei Jeroschin vgl. Pfeiffer p. 38 und Bartsch, Germania I, 201; doch können Verse wie 1, 265 so wü ich hundin dn dem dr/ten^ wt urlöugit vnd geetriten etc. auch bei ihm noch für den mhd. Gebrauch sprechen. Bei Hadamar sind alle Reime klingend ge- worden, und nur in der Zeile ist das mhd. Gesetz bei der Ver- sohleifung noch ersichtlich : 293, 2 abnemender minn buddere; 208, 7 tegelichen; 302, 2 volkomenz^ ich habe 5 Fälle verzeich- net^), während bei dem spätem Verfasser des Gedichtes auf Lud - ^) Der neue Herausgeber Agt (Ein!, p. 32) : ^wie Hadamar überall und OXOVII wigden Baier dasselbe im Reim and Vers noch yorhandea ist (vgl. Stejskal, Hadamar p. 34 f.). Bei Bon er habe ich keinen einzigen verschleifbaren Reim in einem dreihebigen Verse gefanden, er hält sich noch durchweg an die alte Norm, und auch bei Su- chenwirt überwiegt die mhd. Reimweise über die nhd. bedeutend (Koberstein I, 12); beide brauchen auch die Verschleifung in der Zeile uneingeschränkt BeiHalbsuter (s. altd. Stud. 60) stellen sich 10 nhd. klingende zu 8 zweisilbig stumpfen, während bei Hugo das Verhältnis umgekehrt steht, und die alten zu den neuen sich wie a 3:2 verhalten. In den unechten Gedichten 39 und 40 stehen 3 Paar verschleifbare im vierhebigen Vers gegen 18 echt klingende im ebenso oftmal gehobenen, so dass das Fortleben der Verschleifung nur mehr in der Zeile sicher ist. Beim Mönch von Salzburg (ed. Ampferer) sind die Verse mit kurzer Reimpaenul- tima immer so oftmal gehoben wie die mit langer. So begegnen im lauda Syon^ im pange Ungua und im stabat mater 28 alt-' klingende Reimbindungen neben 7 mit kurzer Paenultima und 4 mit verschiedener Quantität : alle sind gleichmässig viermal gehoben. Im veni Creator und ave Maria sind alle zweisilbigen Reime, gleichgültig, ob sie kurze oder lauge Stammsilben haben, dreimal ge- hoben : die alt- und neuklingenden waren ihm also offenbar gleich- wertig; in der Zeile aber gebraucht er Verschleifung. Genau auf demselben Standpunkt steht auch Laufenberg ^), nur sind bei ihm auch die Verschleifungen im Gontexte noch seltener gewor- den. Das Netz gebraucht zweisilbe Reime in drei-, vier- und auch mehrhebigen wilden Versen, mögen sie nun kurze oder lange Paenultima haben; im Contexte aber wird noch Verschleifung zu erkennen sein , denn damit werden sich Verse wie 1096 damA man Swig Üben sol g{e)w{nnen^ 1171 du sprichst ^ du habest mirs dll gendnt^ 2939 mr Ugent den höuptem in den 6ren etc. am natürlichsten lesen lassen. — Sachsenheim hat in den Ge- alles auf die Spitze treibt so auch dieses. Ein Minimum ron Ausnahmen ab- gerechnet, begegnen uns bei ihm nirgends mehr, weder im Reime noch inner- halb des Verses, zwei Silben, die durch SilbeuTerschleifung zu einer einsilbigen geworden wären^. Stejskal gibt leider kein Zahlenrerhältnis an, ich fand 5 Verschleifungen in der ZeUe, aber keine im Beime. *) Hier wie immer, wo ich Laufenberg nenne, sind selbstrerständlich seine Lieder gemeint, welche seit dem Untergange der alten Strassburger Bibliothek meist nur mehr im II Bande ron Wackernagels Kirchenlied erhalten sind. • oxovm dichten mit vierhebigen Zeilen nnr 11 versohleifbare, die aber keine Gewähr geben für den Fortbestand der alten Regel, da aach die echt klingenden nnr im vier-, nie mehr im dreihebigen Verse er- soheinen; im gold. Tempel ferner sind aegel : regel 61, model : roddWb^ zedeln: wedeln 119, wehen: achwehen \2b^we8en:zesen 139, hrehen : spehen 303, voUohen : tohen 357 : ohen 663, sagen : tagen 361, ehen : Uhen 367, regen : gelegen 585 : pflegen 910, sagen X getragen 615, 889, wider mider 679, 871, Jiahenihuoch^ stahen 709, segen : underwegen 759 nnr in dreihebigen Versen wie die echt klingenden neben einsilbig stampfen in der drei- und ▼ierhebigen Zeile. Im Gontexte aber ist die mbd. Versc^leifong noch sicher, wenn anch sehr selten geworden. Bei Brant endlich hat jede Verscbleifnng im Reipe sowohl wie in der Zeile angehört: er misst nicht mehr, zählt nur die Silben ohne Rücksicht auf Quantität oder Wortbetonnng (vgl Zamcke p. 289). Ich habe diese Belege ans einer vollständigeren Sanamlung, die ich zu einem andern Zwecke benützen will, ausgelesen; sie sind hoffentlich ausgiebig genug, um damit den ganzen Lauf dieser neuen Entwicklung verfolgen zu können. Es ergeben sich folgende Resultate: 1) Sie steht io Verbindung mit der neuen Sprachentwicklung; das Grehör und die alten metrischen Traditioneo durpbkreuzten sich: wie in der Aussprache die nun gedehnten Stammsilben mit den alten langen zusammenfielen, so wurden sie auch in der Schreibung mit einander vermengt 2) Die neue Bewegpng reicht mit ihreq ersten Anfangen weit in die mhd. ZeU^ hini^of; i)i.r eigentlicher Beginn aber fällt in die zweite Hälfte des 13. Jhds., wo die alte strenge Metrik, welche d^ neuen Att entgegen war, zu erpiatten und den Widerstand zu versagen beginnt: dal^er ist es bezeichnend, dass diese neul^oc^deut- schen Reime zuerst in volksmässigen Dichtungen am häufigsten auftreten. 3) Das neue Gresetz selbst ist nur eine Vereinfochung des alten, eine Ausgleichung der Verschleifungsregel im Versinnem mit der des Reimes. Im Mhd. hiess es: kurze Stammsilben mit fol- gendem einfachen Gonsönanten und unbetonten e müssen im Bfjwet können im V^se versclfleift werden — jetzt aber: sie können im Versinnem wie im Reime verschleift werden oder GXCJX nicht Das ist also genau die Mittelstellung zwischen Mhd., wo sie i. R. n u r stumpf, und Nhd., wo sie n u r klingend sein dürfen, und stimmt zum Gesammtoharakter der Verskunst dieser Epigonenzeit, in welchem dem Mhd. gegenüber die Einförmigkeit hervortritt. 4) Die beiden folgenden Besultate sind negativer Art. Man hat die neue Reimweise mit Vorliebe zur Zeitbestimmung verwertet, indem man schloss: dieser Dichter beachtet den mhd. Brauch weniger als jener und ist daher jünger oder umgekehrt Alle diese Schlüsse sind unbegründet: Hadlaub könnte ein Zeitgenosse Halb- suters sein, Boner vor Hadlaub und Hadamar hinter dem Mont- forter stehen. Bestimmungen dieser Art sind nur den äussersten Grenzen nach gerechtfertigt: Hadlaub kann nicht in die erste Hälfte des 13. Jhds., ebenso Hadamar nicht in die Mitte desselben (1253 Ins 1277 weite ihn Mone setzen), Stanfenberg nicht hinter Sach- senheim gehören etc. 5) Ebenso unhaltbar sind die Schlüsse von dem ümfieing der neuen Reimart auf irgend eine Heimat des Dichters. Hadamar freilich konnte auf den Gedanken bringen, dass sie im Bair. früher und häufiger als anderswo zu finden wäre; aber ihm steht der einige Decennien ältere Hadlaub an der Seite und der ebenso viele Decennien jüngere Suchenwirt gegenüber. Die Dichter dieser Ueber- gangszeit stimmen nur darin Überein, dass sie mehr oder weniger die neue Entwicklung bezeugen; im Umfange derselben aber waltet freie Snbjectivität, je nachdem der einzelne mehr dem Gehöre oder den an den altern Meistern gelernten Regeln nachgab; daher ist Snohenwirt, dessen Versbau sich überhaupt noch ziemlich genau an den mhd. ansohliesst (Kob. I, 3 — 5), einer der massigsten, der Montf. besser als Halbs.; Hadl. einer der schlechtesten wie in der Betonung; Ausnahmen gibt es auch hier z. B. Boner; aber im allgemeinen fand ich die Beobachtung bestätigt. 6) Das unter 3 aufgestellte Gesetz dauert bis gegen das erste Viertel des 15. Jhds.; von hier an erst geht es rasch und ohne Ausnahme dem Nhd. entgegen. Bei Laufb., in dem Netz und der Moer. haftet die Verschleifung der Stammsilben wahrscheinlich nur noch innerhalb des Verses, nicht mehr im Reime; vier Decennien spater ist sie anS' Vers und Reim vollständig v^sch wunden: Brant braucht sie wfider da noch dort In dei: ZeUe scheint sie über^ haupt fester gesessen zu sein^ was besondew- ans Hadamar^ dum auch, aus Netz, Mönch, Lanfb., Sachsenh« zui erkennen« ist;, fk^ilich cc dürfen wir nioht vergessen, dass uns für die zweisilbigen Reime mit kurzer Paenultima früher der Massstab verloren geht und zwar durch den Zusammenstoss derselben mit den echt klingen- den in der vierhebigen Zeile. Die Verlängerung der klingenden Verse um eine Hebung be- gegnet schon in sehr früher Zeit, vgl. MS. Denkm. 32, 74; 33, 124; 35, 10; Lichtenstein, fiilh. v. Oberge p. 113; Lachmann zu Iwein 772, 142, zu Wolfrum p. 14; Sonmier zu Flore 121; Kummer, Herrand p. 7 ; aber sie war vereinzelt und ausnahmsweise (Kober- stein LG. I^ 286). Auch hier steht der eigentliche Beginn mit der neuen Spracbentwicklung im Zusammenhange ; denn Tonstärke in den Bedeutungssilben hat das Verblassen der Flexions- und Ableitungsilben auch bis zur gänzlichen Verstummung im Gefolge. Gleichwohl erschemt die nhd. Längung und diese Beimart nicht in übereinstimmendem Gebrauche; Dichter, welche jene haben, verwenden keine überhebigen klingenden Verse und umgekehrt. So begegnen bei Hein zolin keine verschleifbaren Reime klingend, wohl aber 18 Fälle überhebiger kl. Verse (vgl. Pfeiffer zu ML. 75) ; in der Martina aber die nhd. gelängten Reime und die über- hebigen kling. Verse c. in demselben Umfange; Boner meidet, wie wir sahen, die Längung verschleifbarer Reime, ebenso die über- hebigen klingenden Verse, deren ich, von ein paar zweifelhaften Fällen, wo durch doppelten Auftact, Verschleifung u. dgl. zu helfen ist, abgesehen, nur zwei gezählt habe. Dagegen erscheint bei Hadlaub, Staufenberg, Hadamar die Längung, aber kein überhebiger kl. Vers, während Heinrich von Neustadt deren eine bedeutende Anzahl aufweist, die nhd. Längung jedoch zum wenigsten noch sehr zweifelhaft lässt (vgl. Strobl, Einl. p. 10); zu ihm gesellt sich Lamprecht von Regensburg, der die überhebigen klingenden mit grosser Vorliebe (im Francisc. 450, in der Syon 482 Fälle) verwendet (vgl. Weinholds Ausgabe p. 21 ff.). Jeroschin hat die überhebigen kling. Reime wie die Längung ohne Rückhalt (vgl. Bartsch, Genn. I, 199), während sie der wahrscheinlich jüngere Hesler meidet. Diese Zusammenstellung wird lehren, dass man bei einem Dichter dieser üebergangszeit , der überhebige kling. Verse ver- wendet, nicht von einer . eigenartigen Manier * sprechen darf, viel- mehr darin die hervortretenden Ansätze einer neuen Entwicklung zu erblicken habe, auf welche einige gar nicht, andere nur zögernd Od und wieder andere sogleich und ohne Bedenken eingehen, ähnlich wie das bei der nhd. Längung und bei neuen Bildungen fast immer der Fall ist; denn eine ^ reine Entwicklung^, die oontinuierlich mit den Jahren zu- oder abnimmt» existiert gewöhnlich nur in theore- tischen Köpfen. Erst seit dem ersten Viertel des 15. Jhds. geht sie rasch ihrem Ausgangspunkte zu, in weldiem wir Braut er- blicken, dem das Gesetz galt: »alle Verse, seien sie stumpf pder klingend, haben gleichviel (bei ihm vier) Hebun- gen« (Zarncke p. 288). Auch Hugo ist auf dem Wege zu diesem Gesetze, doch von dessen Ausgangspunkte noch beträchtlich entfernt : es stellen sich 50 langstämmige, 66 kurzstänmiige zweisilbige Reime in der viermal ge- hobenen Zeile zu 394 echt klingenden in der dreimal gehobenen. Viel weiter gehen schon die unechten Gedichte Nr. 39 und 40, die 21 Paar langstämmige, 3 Paar kurzstämmige zweisilbige Keime in der vierhebigen und nur 3 echt klingende in der:dreimal ge- hobenen Zeile haben, während beim Tei ebner, der hierin seinen Zeitgenossen voraneilt, klingende Reime in der vierhebigen Zeile die Regel bilden (Pfeiffer, Germ. I, 377) *), und Sachsenheim in der Möerin^) allen Versen mit zweisilbigen Reimen, haben sie kurze oder lange Paenultima, vier Hebungen gibt ebenso wie denen mit einsilbig stumpfen. Teichner steht also schon dem Standpunkte Brants nahe, Sachsenheim in der Moerin hat ihn erreicht. Auch der oben angedeutete Zusammenhang dieser Erscheinung mit der neuen Spraohentwicklung zeigt sich bei Braut am deut- lichsten : ihm ist es gleichgültig, ob er 2^ : Sr reimt oder Ure : Sre^ gesprochen hat er das erstere, daher setzt er auch geradezu Uriere 37, 23; meriere 16, 79 wie spa/renigam 39, 1 eta Noch bleibt eine dritte Versart zu behandeln : die dreihebigen Zeilen mit stumpfen Reimen, welche nach dem Mhd. vierhebig sein sollten. Sie begegnen zunächst da, wo in zwei correspondierenden *) Dass er dreimal gehobene klingende Verse gar nicht mehr kenne, wie Pfeiffer a. a. 0. meinte, ist nicht ganz richtig, aber es sind seltene Ausnahmen. ') Der Tempel und die übrigen Gedichte entziehen sich in diesem Punkte dor DiscussioD, weil sie in der dreihebigen Zeile sehr viele oinsilbigstumpfe neben klingenden Reimen haben, so dass auch hier Gleichhebigkeit für beide bestünde ; doch begegnen auch noch stumpfe Heime in der yierheb. Zeile, womit der sichere Anhaltspunkt rorloren geht. ocn Reimen ein unbetontes « apokopiert worden ist: ler:er 1, 80; minn : brirm t, 54; nUssetet : het 1, 58; Wid : send 25, 41, 75 etc. Dass diese Verstnmmelang aber nur den Schreibern zur Last fällt, zeigen jene FUle, wo in den entsprechenden Versen die vollen Formen erhalten blieben (besonders bei Ä), so 1, 48 guete : behuete^ dasselbe auch 1, 70; guete : ungemuete 2, 33, 49; muoteiJmote 25, 25 : gtu>ie 25, 167 u. a. ; dann vorzOglich die singbaren Lie- der Nr. 6 ond 7, wo der Schreiber in der ersten Strophe muote : guote 6, 8 richtig bewahrt, in den correspondierenden Zeilen 6, 22» 24 aber ste^: bei gekürzt hat, die gleichfalls klingend sein müssen, ebenso wie wem : ^n 7, 2 n. a. — Reime dieser Art können also sicher klingend gemacht werden. Etwas zweifelhafter sind die Fälle, wo die grammatikalisch volle Form des einen Reimwortes den Anschlnss eines unechten e ii» andern verlangt: hre/t {DaX.) : rüter^cJieft 2, 28; gott (Dat.): spptt 2, 55; 5, 371; hitz : ditz 2, 71; ü (Dat.) ; pMl 4, 10, an- gencht (Dat.) : enwickt 181, rieh : gUch (Adv.) 18^ ; im : aüm (D.) 5, 189'; ban (D.) : man 29, 150, t6t : not (D.) 105; daMn: #tn (D.) 25, 9; weit (D.) igelt 25, 111, 169. Auch diese Reime kikinen im Or. klingend gewesen sein; denn alem. Dichter wie Reinfir., Lanfb., Sachsenh. u. a. behelfen sich in ähnlichen Fällen sehr häufig mit einem unechten e\ mit demselben Mittel hat Koberstein auch bei Suchenwirt (I, 16) den Stumpfreim dreihebiger Verse getilgt; das tFiobtigste fQr uns aber ist, dass die Hs. selbst noch Belege bietet, nach denen Hugo durch solche e klingende Reime machte: 29, 2; 32, 150 steht nichte (Acc.) : schlichte ; 37, 49 heile (A ) : teile (D.) ; 38, 34 libe (D.) : wibe (N. PL), und 6, 26 ist sicher ze guote : muote (N.) zu bessern, das der Schreiber wieder zu guot : muot verstümmelt hat; auch 22, 22 stand wahrscheinlich furware : hdre^ 6sk alle enti^rechenden Zeilen der übrigen Strophen kling. Reime haben. Die zuerst aufgezählten Verse können also gegenüber den zu- letzt genannten, nicht im mindesten beweisen, dass Hugo in seinen Lie- dern und Reimpaaren dreihebige stumpfe Verse für vierheb. gebraucht habe. Nach* Abzug derselben bleiben nur mehr zorn : verlorn 4, 289; gel : enel 5, 59; m^nevr : tenur 16, 10; hose : basa 29^ 134; vemimet : hunst 4, 67. — Aber zoren : verloren wäre bei der häufig gewordenen. Dehnung der Stammi^ilbe nicht zu beanstan- de» leUst^r^.ist 4, 153 uqd^339 141 i^,tSren:verloren,mr\i]iQk be- legt gel : enel 5« 59 könnten fleotiert gewesen, sein; schreibt man CGHI 16, 10; 29, 184 0 undf, beseitigt 16, 12 daroh eteUeher die Synkope und setzt 4, 67 die Artikel ein oder beseitigt die Apo- kopen, so lassen sich auch diese Verse als vierhobig ansehen, nur hat je der eine auf der ersten Silbe, welche ein eigenes Wort ist, Hebung und Senkung, was bei Hugo und andern gleichzeitigen Dichtem auch sonst vorkommt, wie ich alsbald zeigen werde. Im erstem Falle wäre überdies auch mmsti/re : tmure (von menaiwra : tmore) möglich. Allein selbst wenn diese Verse als nnoorrigierbar angesehen werden, vermögen sie nicht über Hugo*s metrisches Princip bei den nicht seltenen Fehlern, die ihm dagegen passieren, einen sicheren Aufschlnss zu geben. Wie häufig z. B. erscheinen diese dreihebig stumpfen Verse doch im gold. Tempel Sachsenheims, wo sie zweifellos im Principe des Dichters standen, während sie sich auch bei ihm in Gredichten mit der eigentlichen vierhebigen Zeile, wie in der Grasmetze, nur als spätere Verderbnisse der Schreiber heraussteUen (vgl. Martin, Ausg. p. 34). Die Beden und Briefe mit den Htureistrophen haJben ihre eigenen Regeln und Freiheiten und verlangen daher in diesen Puok-' ten eine gesonderte Behandlung, die ich später versuchen werde. t Khytkmiis. a. Auftact. Einsilbiger. Die guten mhd. Dichter hatten an dem Auftact ein feines technisches Motiv, womit sie den Inhalt des Verses und dessen Zusammenhang mit dem vorai^isigebenden zu plastificieren suchten (Wilmanns, Walther p. 39 ff.). Der kunstloseren Zeit Hugo*s ist diese Feinheit grösstenteils abhanden gekommen: sie befindet sich auf dem Wege zu starrem Mechanismus, zu durchweg jambischen oder trochäischen Versep. Bei Hugo fehlt der Auftact in Nr. 6 ein-, in Nr. 7 zwei-, in Nr. 8 zwei-, in Nr. 9 fünf-, in Nr. 10 ein-, in Nr. 11 dreimal; Nr. 12 hat durchweg Auftact. In Nr. 13 fehlt er sechs-, in Nr. 22 zwei-, in Nr. 29 neunzehn-, in Nr. 37 einmal : es fallen somit in seinen Lie4ern auf 569 Verse 42 auftactlose (das macht ein Verhältnis wie. c. 13: 1); in den Reden Nr. 1, 2, 4, 5, 14, 16^ 17, 25 aaf 1191 Verse 168 (c. *) Die Fttlle in Nr. 29 können ansserdem noch uidiuri erklärt werden, da die« Gedicht auch Titnrelstrophen enthftlt, wie wir seilen werden. OCIV 7 : 1) und in den übrigen Beden und Briefen auf 2899 Verse 284 auftactlose (c. 13 : 1), was das Durchschnittsverhältnis 11:1 ergibt — In Lamprechts v. Regensburg (ed. Webhold p. 21 flf.) Franciscns fehlt der Auftact in 100 Versen 28maly Syon 32mal, das gibt das Verhältnis 4:1. — Bei Boner zählte ich in 46 B2 Versen 785 auftactlose, also das Verhältnis c. 7 : 1 — bei Su- chenwirt in 19 Reden mit 4378 Versen 438 auftactlose, also das Verh. c. 10 : 1 *). — Bei Sachsenheim fallen auf die 160 Verse von Jesus der Arzt nur 3 und in der Moerin auf je 1000 nur 2 auftactlose, und selbst hier ist bei einigen Gonectur möglich (vgl. auch Martin, Ausg. p. 38). Aus den angeführten Daten ist erkennbar, wie man einem neuen Gesetze entgegensteuert''^), das bei B ran t vollständig durch- geführt erscheint und lautet: der Auftact ist durchweg ge- boten (Zarncke p. 289). Auch hier ist es wieder Sachsenheim, der bereits am äussersten Endpunkte und Brant nahesteht^ Das mhd. Gesetz, dem noch Ausläufer wie Mamer nachge- strebt (vgl. Strauch p. 64 ff.), dass nämlich der Auftact durch den vorausgegangenen stumpfen oder klingenden Versschluss beeinflusst werde, ist jetzt selbstverständlich verschwunden; allein auch das andere, dass die correspondierenden Verse in den Stollen und Ab- gesängen der Lieder im Auftacte sich entsprechen müssen, wird sehr oft nicht beachtet. Der Auftact sollte auf einer weniger betonten Silbe stehen als die folgende Hebung. Diese Regel wird gleichfalls häufig ver- letzt: hett ich 6, 5; frowt «/ 8, 6; trüw M 9, 24; wend ^ 29, f)l, tuond ir 120, wöltich 133; wizz dda 1, 23; pflog «/2, 17; gruen tat 16, 43, hUr ich 68, und noch öfter begegnen solche Fälle in den übrigen Reden und Briefen. Auch andere gleioh- ^) Demnach war Pfeiffers Beobachtung (Germania I, 378), dass Snchen- Wirts Gedichte ^fast ausschliesslich jambische Verse , Verse mit einsilbigem Auftact enthalten^, nicht ganz richtig. Auf ein paar Dutzend Verse mehr oder weniger kommt es bei solehen Zählungen allerdings nicht an; aber jener Aussprach lässt doch viel seltener fehlenden Auftact erwarten. Ich griff bei meiner Zählung Gedichte aus der Mitte, yon Nr. 5—27 heraus, fand aber auch in andern das angegebene Verhältnis im allgemeinen bestätigt. *) Der Ausnahmen sind nicht riele; Teichner freilich spielt auch beim Auftact wie in seinem Leben so oft den Sonderling, er hat das Ver- hältnis gerade umgekehrt: es treffen bei ihm c. 10 Verse ohne Auftact auf Je 2 mit Auftact (ygl. auch Pfeiffer, Germ. I, 378). ocv zeitige Dichter sind darin nicht genauer als Hugo. Suchenw. z. B. recht dla 28, 152; sold ^ 28, 172; slach ir 28, 301 etc. Oswald (Sitz. Ber. 64, p. 672) üef üt 15, 7 a. a. (s. noch unter Betonung). Mehrsilbiger Auftact. — Zweisilbiger zeigt sich in 6, 2 derni gesdipp^ 28 dy Gesetz der Silbenzählung nicht durch, und lebt daher auch der zweii- silbige Auftact fort. Dreisilbigen Auftact, hat weder Boner, Teichner noch Suchenwirt, und auch Hugo bietet in seinen Liedern nicht einen einzigen Fall; er erscheint nur in den langen Reden Nr. 5, 31, 33, 38 und in einem überhaupt verwilderten Verse des Briefes Nr. 3, und zwar noch ganz in der Weise, wie ihn Benecke zu Iwein 3752 bestimmt hat: ,die mittelste unter den drei Silben ist höher " betont als die übrigen und doch bedeutend tiefer als die erste He- bung*. Andere Vorgänger Hugo*s brauchen oft viel schwerere Fälle, z. B. Iw. 8ie hietent sich 2170; Heinrich von Neustadt Ap. 8ol mtnem unseligen 2475; Staufenberg ze Stoufenb^rg 171. In den oben (p. 207) aufgezählten Versen könnte aber mit den von der Hs. gebotenen Mitteln der dreisilbige Auftact in zweisilbigen corrigiert werden, so dass es sehr zweifelhaft ist, ob ihn Hugo überhaupt gebrauchte. Nur in den beiden ersten Versen von Nr. 21 ist er sicher, aber in technischer Verwendung zum Ausrufe. b. Hebung und Senkung. Ich fixiere zunächst wieder die Tatsachen, vergleiche sie dann mit der Metrik anderer Vorgänger und Zeitgenossen Hugo's, um dadurch das Substrat für allgemeinere Schlüsse zu gewinnen. ISsnng einer Note in kleinere Tactteile, hier dnrch Schleifung der Noten: in ähnlicher Weise behalf sich die Composition anch, wenn in einem 7erse eine Senkung fehlte, die im correspondierenden vorhanden war. Dieser Mittel be- dienen sich die Yolkssänger anch heute noch. ^) So darf man schliessen, weil der zweisilbige Auftact eben sehr selten ist und vom Dichter gemieden wird; anders wäre es bei einem Dichter, der jlin ohne Bedenken znlässt. ocxin 1) Die Senkung fehlt innerhalb eines einfachen oder zusara- noiengesetzten Wortes. Nach der ersten Hebung: drgSr geddnkh 4, 142 u. a. (s. p. 240); KHemhüt 24, 53; diso 18, 66; vmoänr delber 27, 64; büochatdben 28, 547 — nach der zweiten: m^nschSn verdarben 4, 15 ; ffndd^n beschi'n 5, 379, wo, wie in dem zuerst genannten Falle, dein e in der Hebung das einer unbetonten Vorsilbe folgt (vgl. unter Betonung p. 240); dann ntemdn 4^, 35 ; mdnltchem 24, 92; vientUchen 25, 14; ndtdurftig 27, 176; dh muosen 29, 115; erbdrmh^tzikeit 38, 1S\ ; jürikfröwen 32, 90 (im ganzen 12 Fälle) — vor der letzten Hebung: mdrtSr (isw^r) 27, 206; cldff^ {:mer) 28, 109 (10 Fälle, siehe unter Reim); bei KdMs 7, 24 wird Kdrolus zu schreiben sein, das 15, 76 überliefert ist; wMich (igicht) 5, 259; mdnlM (; dich) 14, 43; guetUch (: m^h) 18, 6; härmt äl 21, 18; 'Schund 4, 149; 33, 134; Tcznthät 5, 89; drm^t 29, 145 (im ganzen 24 Fälle); hieher gehören noch r^cht tüon 4, 131; 25, 155; drm mdn 4, 56;/Sr trdgen 18, 3, welche auch zusammengeschrieben vorkommen wie 5, 271 furkoffen. 2) Die Senkung fehlt zwischen zwei Wörtern. Die erste Silbe des Verses ist ein einsilbiges Wort und trägt Hebung und Senkung: nüt hd'n gehalten 4, 79; Z'&cht und beach^idenheit 1, 76; dSn gruesz mir 3, 75; drm 'und och 27, 231; wie war daz 4, 119; tuond tr dabi 29, 120; daher auch d^s w^re 2, 131 u. a. (vgl. die Anm. z. St.). — In Fällen wie der kraft d^r 5, 102; die gänd vor 8, 20; das kind tat 32, 89 u. a. kann man zweifeln, ob die Senkung nach der ersten Hebung fehlt und Anf- tact steht oder, ob der Artikel betont ist, was bei Hugo auch sonst vorkommt (vgl. Betonung). — Nach der zweiten Hebung fehlt die Senkung in guetikät söl 3, 16; uppik^t tat 28, 344; s^U- hdt tuot 28, 448, wo aber der Artikel {die) nach dem Substantiv eingesetzt werden könnte, wofür die Hs. zahlreiche Belege bietet. — 14, 23 häb cMogen wird Tiabe zu schreiben sein, das z. B. Kitt. 26, 29 belegt; ausserdem Mld Mt 5, 76; hä*t ^ den 4, 42; drz Sachen 32, 139; gruoss g^n den 38, 88 (8 Fälle) — nach der dritten in truog mdn 28, 200, 400 u. ö. — Die letzte Senkung fehlt in ger^chtik^it gött 33, 81; pin hd'n 4, 185; wtb gdfn 25, 69; hie atd'n 28, 186, 386; jdr Üben 4, 57; jd'r dlt 33, 9 ; rd't g^ben 4, 58 : also besonders da, wo die beiden Wörter durch den Begriff eng verbunden sind und fast einem Compositum OOXIV nahe kommen wie die drei letzten Belege unter 1), wodurch sich auch bei Hugo Haupts Beobachtung (zu Engelh. p. 226) bestätigt. Im ganzen fehlt demnach die Senkung nicht häufig (in den Liedern Nr. 6, 9, 10, 11, 12, 13 und 37 gar nie, in 7 und 8 vielleicht, sicher aber in Nr. 22 und 29), am öftesten innerhalb eines einfachen oder componierten Wortes, seltener zwischen zwei Wörtern und hier zunächst nach der ersten Hebung. Auf einige Fälle Hesse sich auch Wilmanns' Theorie der , consonantischen Senkung* anwenden (Zs. f. d. Gymn. Wesen 1870, p. 593), be- sonders leicht ist arm mit Hebung und Senkung 4, 55; 27, 231 (vgl. dazu Schmidt, zur Gesch. d. indogermanischen Vocalism. H, 373). Niemals fehlen in einem Verse zwei solche Senkungen. Der hier bei Hugo constatierte Gebrauch stimmt zu dem an- derer Vorgänger und Zeitgenossen. Dichter wie Gottfried und Konrad gestatteten sich auch in epischen Gedichten die fehlende Senkung selten und beschränkten sie meist auf wenige Fälle inner- halb eines Wortes wie farstUche^ hüWch^ pf^ntnge u. dgl. (vgl. Zs. f. d. A. 16, 402 und Haupt zu Engelh. 366); andere gleichzeitige und nachfolgende Dichter erreichten nicht diese Genauigkeit, sie lassen die Senkung auch wieder zwischen zwei Wörtern fehlen, so z. B. Wolfd. B (Jänicke DHB. IH, 60), aber, von Eigennamen abgesehen, nie mehr als einmal im Verse; dasselbe gilt von Rein- frid (vgLZs. f. d.A. 17, 508) undLichtenstein (Knorr p. 66flF.). Der Stricker jedoch lässt wieder zwei und auch alle Senkungen im Verse fehlen (Bartsch, Karl p. 69). Beim Wildonier fehlt die Senkung nur einmal i. V., meist in Wörtern wie frthdit etc. ; aber auch 9wä* diu wdl std't 1, 10; unde g6t Mte gelogen 3, 516 (u. a. bei Kummer p. 9) oder ndch phtnoßt^ der kSiser gie^ auch ein einsilbiges Wort trägt die erste Hebung und Senkung : ditz mdere w6n er nie 2, 43; d&n v6n dem Sinen hte 2, 115 u. a. Aehnlich im j. Titxxi^X i smdehe unde drmuöt (bei Zarncke) 436, 8; gruntvhte 438, 12 ; mdrwunder 453, 55 ; kunatrfchen 464, 89 — oder diu kwnst Mt dd vdele 464, 90; auch die erste Silbe hat Hebung und Senkung: göltvdrwe 450, 47 u. a. Von spätem Dichtern, welche in einem Verse mehrmal die Senkung fehlen lassen, kenne ich Heinrich von Neustadt (vgl. Strobl p. 12) und Lamprecht v. Regensburg (vgl. Weinhold p. 21 ff.); der letztere hat sogar drei Verse ohne jede Senkung. Der erstere stimmt aber darin mit Hugo überein, dass ooxv er jene Fälle liebt, wo ein einsilbiges Wort die erste Hebung und Senkung trägt (mehr als SOmal). Das ist auch bei Teichner nidit selten, z.B. LS. 60, 15 und in Nr. 68 zweimal. BeiHadamar ist fehlende Senkung eine seltene Ausnahme, Stejskal stellt sie (p. 29) ganz in Abrede; allein man spricht i ie mir vfnt^ ü mir ir&a 189, 4, wie der kritische Text zeigt, lässt die Senkung fehlen, daher auch veraiSn und auch kwnnen 491, 6; doch suü irz furhaz nteman sagen 538, 7 und noch ein paar ähnliche Verse. Bei Bon er fehlt die Senkung wieder häufig, zumeist in spon-* däischen Zusammensetzungen: torwdrt 9, 41; bdnwdrt 9, 42; v^t- mü's 15, 15 — dann verdünfft (i got) 22, 62; gebärii geltch 33, 12; schouw^n begdn 39, 1; ph^nmnge 76, 27; r^ht^ (iheimr UchSr) 9, 39; dS wdrt nicht IdngSr gespdrt 51, 26; oder vrmnt mfn 37, 3 ; grundeWs gär Einl. 6 ; wdz man in aSit 48, 104 ; doch stehen diese letztem in grosser Minderzahl Auch Suche n- wirt hat weitaus die meisten Fälle in spondäischen Zusammen- setzungen, welche überwiegend auf Eigennamen fallen: A'lbr^cht 7, 239; Hdinräch 8, 123; Ulr^ich 11, 310; 13, 226; HSrd^gen 12, 135; lAdwzgh 15, 107 etc. — neben achSrmschüt 5, 57, hSrschdft 13, 127; furhaz 29, 180 und so oft, fi&st ausschliess- lich zwischen dritter und vierter Hebung, ausserdem noch wMAchen 13, 131; tzüchtige 24, 188; jderzge 45, 54; riknder (: chlagewder) 23, 42. Am seltensten ger^chtikdit vrdgt fürwdz 24, 299; wdrt mdnihvdlt 38, 40. In Sachsen hei ms Moerin ist fehlende Senkung nur mehr in spondäischen Zusammensetzungen sicher und auch hier selten, ebenso in seinen andern Gredichten mit vier He- bungen (Martin p. 35 und 36). Bei Braut folgt der Hebung regelmässig die Senkung. Es stellt sich also heraus, dass Hugo*s Gebrauch nirgends gegen die Metrik seiner Zeit verstösst; auch der Gang der fehlen- den Senkung wird den Hauptztigen nach zu erkennen sein. Gott- fried, Konrad u. a. strengere Zeitgenossen beschränkten sie auf bestimmte Fälle, wo sie innere Berechtigung hatte, auf die Spondäen ; hier erscheint sie auch später am häufigsten und hielt sich am längsten. Im Epos und in didaktischen Gedichten dehnte sie sich aber auch auf andere Fälle aus und drang selbst, wenn auch nur in bescheidenem Masse, in die Lyrik ein, wo sie die mhd. Kunst- poesie völlig abgetan hatte; zu den Belegen aus Hugo vgl. Mönch von Salzburg (Ampferer) : in d6^ gedachnüsa a^in (4hebig OCXVI trochäisch) 11, 5, 3; dSn thron der trtnitdte 20, 5, 2; fr^ als vü der wicht Idwset 11, 6, 5; wAn wirt chrütes phiet röt 14, 4, 3; muet^r des dingepörn (4hebig troch.) 19, 2, 3; dllea trdsth erlöste 20, 4, 5. Der spätere Laufenberg ist schon viel ent* halt^mer: ich fand, wenn ich nichts übersehen, nur drei Spondäen wie wdrhdit 711, 7. Im unechten Gedichte Nr. 39 steht nur durchluchtich {isich) 15 und in Nr. 40 heschrühen dn mdnchen enden 48. — Sachsenheim hat im Liede Jesus der Arzt keinen, denn die zwei Fälle, welche die Hs. bietet, sind leicht zu emendieren (vgl. Martin p. 36). — Die blosse Silbenzählung hat die fehlende Senkung überall beseitigt. Ich brauche nicht erst darauf hinzu- weisen, dass die Geschichte der fehlenden Senkung wieder der- jenigen des zweisilbigen Auftactes analog ist. Noch eine andere Beobachtung habe ich gemacht. Durch die fehlende Senkung wird dem Verse eine Silbe entzogen; daher lag es für Dichter dieser Zeit nahe, besonders in diesem Falle nicht auch noch den Auftact wegzulassen, sondern durch denselben die fehlende Silbe zu ergänzen. Die Verse, wo ein einsilbiges Wort die Stelle des ersten Fusses vertritt, nehmen sich von selbst aus. In den 3694 Versen Hugo's erscheinen 85 mit fehlender Senkung und nur 9 davon ohne Auftact, darunter ist 4, 35, wo ein gar einzu- schalten, Hugo*s Sprachgebrauche ganz gemäss wäre; die übrigen beginnen mit einem zweisilbigen trochäischen Worte ; ^ines 4, 149 ; 33, 134; ptttent 27, 233; mörder 28, 93, Mzer 97, lügner 109; in Nr. 38 kommen auch sonst wilde Verse vor. — In 5779 Versen Suchenwirts (in 24 Gedichten aus Nr. 5 — 38) sind 42 mit fehlender Senkung, darunter nur 3 (18, 234 ist rante zu lesen), in denen auch der Auftact fehlt: 25, 157 dltzehdnt\ 29, 40 Hol- lant, wo also wieder zweisilbige trochäische Wörter stehen, die der Dichter nicht hätte beseitigen können, ohne den ganzen Vers zu verwerfen; ausserdem nur noch 18, 488 v6n der stdt tze KdUys, In den 6081 Versen der Mo er in sind 15 ohne Senkung, da- runter aber keiner, dem auch der Auftact fehlt. In solchen Versen vermisst man den Auftact also nicht öfter, ja nicht einmal so oft, als ihn etwa mhd. Lyriker in Strophen weglassen, wo ihn die correspondierenden Zeilen verlangen, so dass man daraus bei genaueren Dichtern ebenso einen kritischen Anhalts- punkt bei der Textrecension gewinnen kann wie bei jenen. Ganz andere Beurteilung verlangen die fehlenden Senkungen coxvn der folgenden Art, welche bezeugen, dass auoli noch bei Hugo wie in der guten alten Weise das Fehlen der Senkung als technisches Motiv verwendet wird. Das steht im Einklang mit der Erfahrung, die. wir beim zweisilbigen Auftact gemacht haben. Bestimmte Ge- sichtspunkte treten dabei leitend hervor. 1) Zwischen zwei Ausdrücken fehlt das Bindewort, was in der Rede durch die Pause, in der Schrift durch des Comma, in der Metrik durch die fehlende Senkung hervorgehoben werden kann. Beweis dafür sind Verse wie äU W6, ffrda^ v^dren cld'r 4, 30; nu hin ichß^isch, b^in und pluot 4, 52; ausserdem vgl. noch hicht^ ruw und 4, 22; Ueh^ ^ben und 5, 43; bluemli g^l^ brun und 16, 21; Ueb^ Uid oder 27, 80; r(J^ gruen und 28, 21; achon^ st^rk noch 28, 382; gnddy Swikeit 33, 35; hoffart^ z6i*n^ hdss und 38, 115; pfchty ruw und 38, 176. 2) Beim üebergang von der indirecten zur directen Rede ent- steht eine Pause, welche wir durch ein Kolon markiereq, der Dich- ter aber durch fehlende Senkung bezeichnen kann: ich sprach: „fro'we gnddenrich 2, 46; vgl. auch 2, 67; ich sprach: ^hSrr^ ich 5, 91; ich »prdch: J{eber frund 28, 161 ; vgl. auch 28, 185, 233, 235, 253, 385, 625 u. ö. — oder dasselbe in anderer Form: er eprdch zuo mir: ^Ueber kndb 5, 87 etc. 3) Eine Interjection oder ein anderes einsilbiges Wort steht im Ausrufe; durch die starke Betonung dieses Wortes entsteht eine Pause, welche eine Senkung vertritt; in der Schrift bezeichnen wir sie durch ein Comma: ja, hielte is sich 4ben\ 29, 157; das si wzssint, Mrr^ wSr du gMtzlich b/st\ 27, 24; cdmdchtig got^ tuo mir kumber stülenl 38, 172; o h^lger g^sf, tuo mir gndde m^ren! 32, 160 — oder die Pause und fehlende Senkung tritt da ein, wo die Stimme zum Ausrufe ansetzt: küm,h^lger^) g^tst behend 27, 3. 4) Nicht weniger charakteristisch ist der vierte Fall: zwei kleine antithetische Sätze (auch in verkürzter Gestalt) werden ohne Conjunction einander gegenübergestellt und durch eine Pause ge- trennt, wo wir ein Comma oder auch einen Teilungsstrich anbringen : frod du hdst — truren ist vergessen 15, 27; auch wenn die Conjunction steht, wird der Gegensatz noch durch eine Pause her- vorgehoben: hie hdst du 16b — und dort Swig frunt 15, 38; *) heiliger in meinem Text ist ein Druckfehler. coxvm es tüegi w6l - oder wi 18, 28, vgl auch 24, 107; 29, 20; 38, 43 ; Uft^ kurtz — öder läng 30y 20; es si fruo — öder spd't 18, 147, vgl. noch 22, 27; 24, 83, 87; 25, 97; 26, 3 etc. 5) Gleichfalls gerechtfertigt ist das Fehlen der Senkung, wenn ein dass-Satz an seinen Hauptsatz anknüpft: wer wöl heddcht^ das er stoben müoss 33, 77. Je häufiger solche Fälle erscheinen, um so stärker wird das Zeugnis, dass auch bei Hugo und, wie sich gleich herausstellen soll, bei allen bessern Vorgängern und Zeitgenossen noch eine höhere Auffassung der Metrik sich geltend machte. Stricker, Karl 4276 v^lf, hSrc nnt tdl (Bartsch p. 70). Lichtenstein guot sptse^ mA finde wfn 290, 28; dtse h/e^ j4ne dort 64, 31; hMe Uep^ morgen Mt 287, 31; st stn junc öder alt 251, 10; min wfzen schilt^ ddz ich nie u. a. — Wildonie döm^ nhzel^ mdnic dst 2, 151; ddmh wir tu; gd't hin für 3, 265; er sprach: Uebe fröuwe mfn 2, 349. — Heinzelin ML. züchte schäm vnde triuwe 75; sprich : Minne in mfnem harzen 1033. — Titurel (Zarncke) hund in JSrusalfm; gr&z noch hlSine 447, 39; (Hahn) tAme^ höus^ ^rker 1563. — Selbst Hadamar hat einen guten Beleg ma^ spricht: „ie mSr v^'n^ ie mir ^ren 189, 4. — Bob er si schrSi : , Vrmendrü/t 48, 28 ; si sprach : « trvft gespile mtn 15, 41; er sprach: ^Uubiu 22, 11; got, h^rl wie ist mir be- schuhen 31, 20; ie wärt geböm! arme gediet 43, 75; si st denn guot öder sH/r E. 28, ez st denn jung öder alt 58. — LS. denn guot^ sdl öder lib 27, 53. — Suchenwirt scham^ tr^ und beschSidenh&t 6, 123; getr4w^ wdrhaft ünde wSs 7, 58.; durch ärm^ satten vnde pdin 9, 211; trew^ milt^ mdnhait ünde schäm 13, 180; Mdtz und Trier, Choln, Mdintz 29, 43; getr^, chüen^ milt und weis bei Friess, Sitz. Ber. 88, p. 114; nur mörda! sehAvz ! stich und slachl 10, 190; g^rn^ vrdw ! so sprach ich 23, 122; daz spricht : unser 18, 280; sprach: „mSrlccht und 23, 33; sUchtleich ndin^ sUchÜeich jd 19, 68; si sein arm öder reich 38, 294. — Teichner LS. fuchs, wölf und och b^r 53, 5 ; stdiner^ grisz, grdsz und lob 68, 77. — Mönch von Salz- burg höh, tieffy vinster, witt und ^ KL. II, 556, 1; darczu wird (dignitas), krdft geswören (Ampferer) 14, 6, 3; dö geschäch — A?A in acht ibid. 20, 6, 6. — Hätzlerin hertz, synn, müot und mSin geddnck 14, 59; geluck^ sald, frad und müot U, 34, 34; Uib, synn, müot und guot H, 41, 21; o jünger mdn! sich OGXIX an mich 30, 1 ; tag und nacht — apdtt und fruo II, 12, 21 — und selbst noch bei Sachsenheim: imTeav^Xdwrzuo gib rdutt^ hylff und atwr 7 ; im Liede Jes. nun achdwend {etz^ w4r ich Mn 113. Bei Brant haben sie aufgehört. In dieser Sammlang sind also alle Kategorien vertreten, welche ich oben bei Hngo aufstellte, aber auch keine neuen hinzuge- kommen; nur die unter 4) angeführte Ist vielleicht dahin zu erwei- tern , dass statt eines dass - Satzes auch Relativ - oder andere Nebensätze mit fehlender Senkung an ihren Hauptsatz angeknüpft werden können, ebenso wie zwei coordinierte Sätze ohne Conjunc- tion. Weiter ergibt sich, dass dieses Motiv, mögen auch einzelne Dichter sein, darunter selbst Lanfenherg, denen es abhanden ge- kommen, vom Mhd. bis in die zweite Hälfte des 16. Jhds. nie in Vergessenheit geraten, bis es vom Principe der ausschliesslichen Silbenzählung wie andere mhd. Ueberkommnlsse beseitigt worden ist Was daraus flir die Verssoansion und Textkritik zu gewinnen ist, liegt auf der Hand: in einem Verse wie er sprach: ^ lieber eta darf nicht versetzte Betonung ^ sprach angenommen, dorn n^zzd mdnic dst (bei Herrand) darf nicht als „ Anomalie'' erklärt werden; in einem Verse wie wa/n Anen h^lm, schilt und sp^ (Lichtst) braucht es keine ^ consonan tische Senkung ''(Wilmanns), noch weniger ein unde; ebenso darf in dann wir tu; gd't hin für (Herrand) nicht danne eincorrigiert werden; und ein Vers wie der blöze sprach: ^herr^ friunt mfn (ibid. 3, 321) ist erst ganz unmöglich etc. (vgl. audi die Anm. zu 5, 43 und 15, 27). Hebung und Senkung müssen einsilbig sein; Aus- nahmen waren nur in bestimmten Fällen und auch hier nur f&r das Auge, nicht für das Ohr vorhanden, denn beim Singen oder Lesen wurde immer durch Elision, Synalöphe, Synaeresis die Einsilbigkeit hergestellt. Ueber diese Punkte wird gewöhnlich in Ausgaben ausführlich gehandelt; ich kann daher rasch daran vorübergehen, indem ich nur Belege anführe, die für sich selbst sprechen werden. 1) Auf der Hebung, dabt ie unrecht 4, 47; bz ir beliben 5, 50; du icht der fwrsten 5, 132; so ist si kUin 21, 21; sz userUsen 28, 171 ; so unser hSrtz begert 28, 209; d4 es ge- hassen 31, 29; du ie gewesen 32, 26; du es beschlössen 36, 6; coxx 4, 114 wirb also ich sterbjtmff (oder als zu schreiben?); dd eins sieht in die swanen (oder dsunnenf) 30, 62. 2) Auf der Senkung, rid die ich davor 2, 57; hurtz so ists ztphelrü 5, 848; erwach so ist si 18, 7; liehi ist gross 19, 7; ^re und guot 25, 119; ^re ist w6l 38, 132; gndd bi im h^n 27, 99; bist du erstorben 28, 699; meinst du uss uns 29, 32; w^n du es Ueszt 30, 44; hast du uns ^igetm 30, 85; gtst du in riehen 31, 23; nicht me erlangen 31, 219; gula und git 38, 113. Von der Ver Schleifung auf der Hebung war schon oben (p. 195) die Rede; auch Verschleifungen auf der Senkung begegnen: der Gonsonant schliesst die erste SWhe in örden er hdb 29^ 161; hSrtzen erjciken 38, 18 — oder beginnt die zweite: schdrpfe ge- eicht 5, 29; w6l ze bedenken 15, 39; nichte gemachen 30, 39; w6l ze besorgen 33, 82; b^de behdet 36, 20; öfter aber werden sie durch Syn- oder Apokope beseitigt (s. p. 191). Besonders hervorzuheben sind die Fälle, wo ein i der End- silben in der Verschleifung steht: liebi zerfyrSnnen 5, 62; seligen 2, 40; 25, 165; 38, 13; heiligen 4, 77; 5, 206; gesäiget 4, 157; mächtigen 6, 277; guetiger 14, 36; dwßligen 29, 145; Ewiger 32, 25; aüm^ehtiger 33, 174; daher auch Aristotiles 33, 29. Beginnt ein solch verschleifbares Wort den Vers , ist zweifache Lesung möglich, z. B. 18, 169 Swiger oder ewiger. Ueber die Verschleifung vor stumpfem Versausgange später. In den kritischen Texten strengerer mhd. Dichter findet sich gewöhnlich -eg (vgl. Lachmaun zu Iw. 65 1 ; Haupt zu Engelh. 2647; Zarncke zu Nibel.^ LHI). Doch lässt Zarncke im Titurel (Graltempel, s. Abh. d. sächs. Gesellsch. VH, 508) die -ig der Hss. auch in der Verschleifung stehen; dasselbe ist bei spätem Dichtern um so berechtigter, da die ig^ Formen die andern mehr und mehr verdrängen (vgl. Abh. IV, 154). Sie sind denn auch bei den meisten nachzuweisen, z. B. beim Mönch v. Salzburg (Ampferer) wirdigen 14, 5, 2; hMigen 10, 3, 2; 7, 3; 12, 10, 10; p^chtiger (KL.) 555, 3; nydigen 565, 5; dinigen 565, 8; beiLaufb. wirdiger 739, 1; hMigen 740, 14; 776, 4 etc.; Dyocletian äniges 1453 wirdiger etc. und so bei andern. Ebenso verhält es sich, wenn der Artikel oder das Pron. pers. in der Verschleifung steht, wo man gewöhnlich geschwächten Vooal schneh [die ==^ de^ daz = dez^ sie =^ se etc.). Zarncke lässt im Titu- COXXI rel dd 9ich diu geiv^he 489, 15; ddrt die gestdbten 462, 85; chinde si 508, 13 etc. Bei Hugo kommen in Betracht: ^e die 23, 3; 19, 3; sdch die ze Üben 31, 221; ich die geh6tt 13, 21; verhdft die ger^chtikeit 5, 221; huoch die geachriben 24, 125; giet die gerdchten 27, 200 (so ist im Texte za lassen), auch 25, 80 wird es am besten sein et die gerdchikeit zu corrigieren ; ferner Jidt si ge~ pruwen 5, 204; daher kann auch 16, 43 /et ei geeimt; 18, 8 hä't ei geliehen gelesen werden. Es ist eine seltene Ausnahme, wenn auch noch bei einem dieser spätem Dichter dez (= daz)y se (= sie) eta begegnen, so bei Heinrich v. Neust (vgl. Strobl, p. 15). Für das allgemeine ergeben die angeführten Belege eine zu- nehmende Neigung, die Verschleifung über die geschwächten (ton- losen oder stummen) e hinaus auf andere Yocale auszubreiten; es ist keine Aufhebung, nur eine Ausweitung des mhd. Yerschleifungs- gesetzes. Aber Hugo*s Gedichte zeigen ausserdem noch eine grosse Anzahl zweisilbiger Senkungen, welche unmöglich nach der alten Weise verschleift werden kOnnen, z. B. 4, 100 ei wda din müoter und doch ein mdgt; 5, 145 wir bekSnnent eins dndem Tatzen nicht : das einemal stünde e und u mit einfacher, das anderemal e und ei mit doppelter Gonsonanz in der Verschleifung; das setzt einen wesentlich andern Standpunkt voraus, der sich aber gleich- wohl aus dem ursprünglichen entwickelt haben kann. Ich will zunächst die hiehergehörigen Fälle sammeln und sie nach den in der Senkung stehenden Silben in Gruppen ordnen. 1) In der doppelten Senkung steht eine Biegungssilbe und ein einsilbiges Wort mit vocalischem oder consonantischem Anlaut, oder eine Biegungssilbe und ein Praefix. — Aus den singbaren Liedern: 29, 13 lass vögeUi sorgen und gdng zuo mir 29, 82 es wirt ilch geruwen am jüngsten tag 29, 89 ich wand^ du wSrist ein rüter gwesen. — 13, 18 do wären wir nach versunken 29, 177 nu helf uns goty des bedii/rfen wir w6L Aus den Briefen und Reden: 3, 4 du bist in minem hSrtzen ein sdnUch liebi dim 3, 28 gewachsen usz dtner brüst (vielleicht dinr) 3, 58 ich wdmen in susz daran 4, 155 denn mit dem rechten und limb sin schuld 5, 145 wir bek^nent eins ändern hertzen nicJU ooxxn 5, 223 nu dar ir Tcilng ir forsten ir harren (ähnlich 229) 5, 235 ze himg; wnd Mttint ir dds getan 5, 375 die gerechten h^lfent ime eündem hin 15, 116 muoss stoben wnd Me vollenden 20, 10 vor allen dangen uff A*den 24, 18 dann mit wtben und giUkeit 24, 123 in der dlten wnd- in der nüwen ^ (oder es ist das zweite in zu streichen) 26, 63 das mdchent ir vdlschen iükch 27, 28 all sach haatu heaUssen in dinr akmicht 28, 110 den wolt man zungen ahachniden 28, 165 hie inn sind fursten und ^del herren 28, 232 du wirist uff rechter Strassen 28, 245 er sprach : din tickten wnd cluoge wort 30, 42 aUr sdchen in Mmel und uff erden 31, 162 gemachet Ueder und riden 33, 147 die ungerechten in 4wig echt 38, 23 si scMessent in mdnnes gmuete. 2, 59 mitt Worten da mdn der werch nicht pMigt 4, 186 ddtmit si wirint des grtchtes an 4, 125 die vor vil tusent jdren sind hsch^hen 5, 329 davon verstand und horent m^n muot 18, 156 si Hand beztjurmgen der tirsfen Hb 24, 15 vor hopts'inden du mich bewahr 26, 65 nu mMcent mirm rd't gwr eben 27, 227 und gedachten wir^ wSr wir muossen werden 28, 53 si was gep^iwen mit gdntzem flisz 28, 293 er sprach: ^dins irrens du mich erldsz 28, 332 des sollen wir w6l getrüwen (dasselbe 28, 456, 612 und 31, 191 ; soll wir wäre möglich) 28, 435 si sprach: y^du urdrdist licht v6n mir gdn 28, 457 inwendig an den m'&ren so sind die stein (oder so zu streichen) 28, 587 es ist gep'Awen fiJir dlle not 2^, 647 das du nicht wirdist der ttvel spot 28, 736 und wünschen mir in der mess das ewig wesen 31, 10 die fdrwen gen frdwen gemessen 31, 18 ich wandy si wMnd din dbgot gwesen 3)f 22 und b4rlen gen frdwen gemessen ooxxm 31, 94 bi swdrtzer varw iuot mcm msa bekennen 31, 191 des sollen wir g6t Idn walten (vgl. 28, 332) 32, 172 durch im willen tuo mm mit gnaden walten 33, 50 denn gepüioen von hdltz und strö 33, 150 der gerechten mit gndden walten 38, 39 in eren muessen wir w^den grd (dasselbe 18, 204) 38, 111 got vor allen dingen lieb hofn 31, 158 han zschdffen darzuo die rimen messen. — 15, 134 sid wir nu müossent bekennen (oder bhennen) 18, 226 oder hat sich 4ren verwegen 24, 90 da ms man wSrdent betrögen mit 27, 9 wer aller machen vemunst 28, 438 ob du dich w^ltist verkSm 32, 118 di einen willen hatten getäln (dasselbe 134) Hieber stelle ich auch 4, 9 du hast vil böser artäcel 2) Statt der Biegangssilbe stebt eine Ableitungssilbe, welcher wieder ein einsilbiges Wort oder ein Praefix folgt: 6, 3 aller zwffel ist mfr unkunt 29, 18 kein schdppel getrdg ich niemer me 10, 1 ich fragt ein wdchter ob ds wer tag^ wo incliniert werden könnte, was aber von der Melodie nicht unterstützt würde ; ebenso verhält es sich mit 11, 1 mich straft ein wdchter des mdr-- gens fruo (während wachter 1 1, 7 ; 24, 1 u. ö. im Versanfange mit schwebender Betonung oder in die zweisilbige Senkung gelesen werden kann, vgl. Betonung p. 238) 4, 100 si was dm muoter und doch ein magt 4, 130 pett und almdosen ist d4nn ze spdt 5, 357 einr guoten gwissen eins steten muot 5, 373 solt under uns n(eman grecht bestdn 18, 170 ein rechtes dUer uff 4rden hie 18, 243 oder alles, das si Mnder ir lä't 28, 117 ebr^cher bi s^lgen wiben 28, 716 das aU din Shgel nie möchten werden innen 33, 6 ynd alles hinder uns Idssen 38, 40 ein rechtes alter in gottes willen sterben, 15, 92 Tschinachtildnder tet warben 17, 21 0 lieber 4ngel, nu hiiet der sei 31, 102 sprach der pr^ester mit sinnen 35, 32 din rechtes alter damdch in eren sterben. COXXIV In 27, 225 es ist nicht anders dc^dn denn sterben und in 30, 95 davon ist er unschuldig daran wird nach 28, 586 dran zu schreiben sein. 5, 40 ir mündli Ueplich entsprungen 5, 370 so sind die guoten dlweg bereit (durch die Correctur breit würden zwei verschiedene Wörter verwechselt, welche auch der Dialekt auseinander hält) 5, 387 ich hän in nun ze pzspel gezüt 18, 216 si hatt ein dpfel gebrochen 27, 21 wan aller ^gel vernv/nst 31, 142 in den rimen tendert vergessen 3) In der zweisilbigen Senkung steht ein einsilbiges Wort und ein Praefix, die beide auch zusammengesetzt sein können: 29, 177 nu helf uns g6t des bedv/rfen wir wol 2, 103 min muot was fri mit gedingen guot 5, 228 die cristenh^it es verwisen tuot 2, 143 ei* vd'chtz mit geblüemten worten an 5, 285 es solt ein hdrr doch gedenken 5, 333 mitt gewalt an r^cht ungeirilich (möglich, aber nicht wahrscheinlich ist, dass in den letztern Fällen die Vorsilbe abge- worfen war; gblüemten zu schreiben, gienge jedoch nicht an ; ähn- lich verhält es sich in 27, 20 wie hich man geddnht, so bist du dannocht oben 27, 109 wan weltlich fröd und dll ir gebSr 28, 504 und möcht sich s^r mit gedenken da versünden 13, 21 das ich die gebött ie gebröchen hdn, 4) Die zweisilbige Senkung fallt auf zwei unbetonte Silben desselben Wortes: 13, 24 ich eilender und vil a/rmer (oder ich ell^der) 15, 64 wa ist küng Sdlamons mdcht (kaum zweisilbiger Anftact und versetzte Betonung) 16, 128 döw ^surgite*^ wirt gesprochen 30, 31 und doch kein iigenschxift d'n dich ist 25, 34 des muoss ich SwerJclich Uden; ebenso wird ^enk- lieh 28, 353 und 644 verwendet, wofür vielleicht ewklich gesetzt werden dürfte, welches zwar nicht in der Hs., aber in der alem. Ur- kunde vom 10/4. 1386 (Arch. I, III, 128) belegt ist; ebenso läge bei blüejender 1, 25; 18, 188; 34, 23 die Correctur nahe, aber die Hs zeigt nur diese Form (vgl. auch Anm. zu 1, 25). ooxxv 5) In der zweisilbigen Senkung stehen endlich zwei einsilbige Wörter : 10, 2 er sprach zuo mir : „für wdr ich dir adff (auf jeder Silbe steht eine Note) 31, 227 damit verdient man daz Avig Um; kann aber manz geschrieben werden, ebenso wie in 18, 11 do ich erwacht f do wä$ ei davon die Inolination waee zulässig ist, vgl. die Anm. z. St. 32, 129 der sin noch bÄt, er ist doch gehom {ist enclit?) 24, 63 an kreften was er der w4md. Hier fuge ich auch an 28, 481 die tum sind ein figißr der dr'ivdWkeit Wenn es auftrifft, dass in einem solchen Verse auch die Sen- kung fehlt, kann man zweifeln, ob zweisilbige Senkung oder Ton- yersetzung anzunehmen sei, z. B. 28, 160 ich muoss lAder hie vdmen s{n; doch halte ich ersteres für wahrscheinlicher, lieber einige andere zweifelhafte Verse handle ich in den Anmerkungen. Mögen von den angeführten Belegen auch mehr, als ich an- gedeutet, zu corrigieren sein^), so bleibt doch immer noch eine sehr grosse Anzahl solcher zurück, welche durch die in der Hs. gebotenen Mittel nicht zu beseitigen sind, oder wie will man die Synkopen helfnt, dingn^ muotr^ zungn^ herin etc. aus der Ueberlieferung recht- fertigen? Und diese muss doch stets massgebend bleiben, besonders wenn sie dem Or. so nahe steht, wie die unsrige; ein dinr^ sinr^ aus wird niemand damit vergleichen wollen, und wirklich analoge Kürzungen begegnen bei keinem der drei Schreiber (selbst bei A nicht, der sonst doch so viele ursprüngliche Formen auch gegen seinen Dialekt stehen liess), was aber sicher der Fall sein würde, wenn sie in ihrer Vorlage vorhanden gewesen wären, da der bair. Dialekt in diesem Punkte bekanntlich noch weiter geht als der alemannische: wie viele Synkopen haben sie z.B. im Wortanlaute [hhuet^ bkcmi etc. vgl. p. 191) bewahrt, ja vielleicht gegen das Or. geschrieben! Und endlich, auf welche Weise könnten Senkungen wie bek^nent eins; {endert vergessen etc. einsilbig geschrieben werden ? Die angeführten Belege zu beseitigen, ist also nicht möglich, und es bleibt die Frage : wie sind sie zu erklären ? >) Die Fälle, in denen Correctnr wahrscheinlich ist, bleiben in dei folgenden ünteTsnchnng selbstreTständlich weg. Wacker nell, Montfort. 15 OGXXVI Icli habe oben (p. 196) constatiert, dass in der Zeit Hago*s die mhd. Verschleifang aaf der Hebung noch fortlebte : haben got^ ffSBcJtriben mit eta Gleichzeitig aber breitete sich die Dehnung der Stammsilben immer weiter aus (ibid. 194 ff.), also auch häberiy g^ schrtben. Es konnte nun einem solchen Dichter leicht unterkommen, dass er ein Wort mit echter langer Stammsilbe wie gwifel in der^ selben Weise wie haben behandelte, und so wflrde ein Teil der oben angeführten durch unechte Ausbreitung der Y er Schlei- fung auf der Hebung zu erklären sein. EJs könnten hie- her gehören: gefirüuvoen^ werist^ warenj jaren, hörent, gepvfwofi, muren^ eren^ böaer^ zwifel, mben^ ewenklich. Die Accentuierung der Bedeutungssilbe hatte auch Consonanz- gemination zur Folge (vgl. Abb. IV, 146): göt^ und götter standen auf gleicher Linie; daher konnte auch gegen diese Seite hin unechte Ausdehnung statthaben: hefiint^ heiten^)^ welUst^ göUen^ wiUen^ schappel n. a. könnten hieher bezogen werden. Damit würde also ein Teil der abnormen Yerse erklärt, nicht aber die grössere Zahl; denn bei behetmenty berlen^ iendert etc. kann von Yerschleifhng auf der Hebung keine Rede sein: sie müssea ihre Lösung auf anderem Wege finden und zwar durch unechte Ausdehnung der Yerschleifung auf der Senkung, die siöh schon oben (p. ^21) in den ersten Anfängen zeigte, indem fBr das eine der beiden unbetonten e auch ein i des Pronomens, einer Endung oder Ableitungssilbe etc. eintreten darfbe. Ein Wort me s^gite Ibf 128 nun ffthrt direot zu Formen wie ArietötileSy heiligen etc. zurück, ebenso zeigt ein Yers wie 13, 21 dae (ch die gebött ie gebröchen h(tn, wie die echte Yerschleifung zur un* echten verleiten konnte. Ein Ueberblick über die obigen Tabellen ergibt die Regel die* ser erweiterten Yerschleifungslicenz^), zu weicher die frühere wie dne Vorstufe erscheint: nur in der einen der beiden Silben ist nnbetontes e notwendig, der Vocal der andern kann nicht nur e oder I, sondern beliebig sein, muss aber einem unbetonten Praeix *) Wo die Hs. daneben aach noob die Formen mit dem einfachen Con- sonanten zeigt, konnton im Texte diese eingesetzt werden. ') Als Licenz -wird es zu fassen sein, denn es ist kaum Zafall , dass diese zweisilbigen Senkungen in den singbaren Liedern rerhältnismässig seltener dnd als in den Briefen nnd Reden, ganz so wie die Oinen gegenftberstehenden fehlenden Senkungen. CßKXVH oder einsilbigen Worte angeboren. Je. naeh der Consonanz, weldie die beiden Vooale (resp. Voc. und Diphth.) in der zweisilbigen Sen- kung trennt, können Kategorien gemacht werden. 1) Die Einfachheit der Consonanz ist noch festgehalten. Hier elrsjoheinen die Biegnngs- und Ableitungssilben "en und -er neben folgenden vocalisch anlautenden einsilbigen Wörtern : und 8mfbl, tma Smal» uff 2mal, in 4mal, ir 2mal9 usz^ UU dh ob^ ie, ein je Imal. 2) Man ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat auch ^ie Einfachheit der Consonanz aufgegeben, indem entweder die Biegongs- oder Ableitungssilbe mit doppelter Consonanz schliesst, das einsilbige Wort oder Praefix vocalisch beginnt — oder die Gon- sonanten beider Silben zusammenstossen ; es kommen also drei Finnen vor: machent ir 26, 63; schiessent in 38, 23 — oder hetzvmngen der 18, 156; gedeckten mr 27, 227 — oder endlich werdent betrogen. Von Praefixen begegnen ge^- (3mal), 6e- (2mal), vör- (4mal); von einsilbigen Wörtern esy des^ der (2mal), wir (3mal), du, «V, meV, ims, m, eins, mit (2mal), dar (Smal), day gen (2mal), m«, nuy bi; schwerer sind mtn^ tet, lieby lichte va/rw. Die dazu ge- hörigen Biegungs- oder Ableitungssilben aber haben auch hier wie bei der vorangehenden Classe immer ein unbetontes ^, nur zweimal erscheint dial. i (= mhd. e) : in wurdist 28, 4:36 niid Uferdiet 28, 647. Es bleiben nur mehr Ueplich entspnmgen 5, 40; wo» 4fr der 24, 63 ; b^t er ist 32, 129 ; fig^ der drivdliiheit 28, 481, wso beiden Silben in der Senkung aufgehoben ist: 64| 5 so ye nacher dem himelrieh 68, 14 wie doch mdnger ged^hekt und sprichst — und einen Fall, wo zwei einsilbige Wörter in der Senkung stehen, habe ich in sdnön GFediohten bei Lassberg und in der Hätzl. nicht getroffen. Suchen wirt 7, 114 der chwnig raxih sein prdder (üs6(:vro) 21f 89 die ist gevdUen ein stiegen ab 23« 7 dar 4nder ein pninne der waz ehalt 24, 102 der dnger in liechter varbe schaw 32, 4 vnden iffen und oben hol OOXXKl -— Jf.l- -- ^ 36, 39 Ufer da gotM mdrt^ wnirt , 36, 86 mit willen imd w4richen paide 37, 71 an einander wueeten ale6 (ifro) 41, 1449 eein mdrter und die sein leiden 41, 423 di menig der 4ngel in gitee chraft 41, 958 er vater und muoter an dller etat. 38, 377 Allexdnder wie g4m ich woU 41, 503 di minest under den företinn {: ainn). Bei linder den 41, 1146; tzwiechen den 18t 87; tzwüchen die 18, 311; Uezzen die 37, 15 % welche Koberstein (qoaest, U, 4) anr führt, könnte auch schwebende Betonung angenommen werden. 22, 206 eunder eldffen mit r4d vertriben 37, 28 auf aekcher w4rffen den edmen 37, 13 die fursten die hdben tzuwereicht (oder Ut etwa die zu streichen?) 37, 51 wir w^Uen daz Üben frischleich wagen 46, 133 wann ich auf guoten gedthge paw. — Aber Verse wie 37, 15 Uezzen die st^t an einander nichti 30, 31 n chitnd auch nteman derw^chen (wohl niemm zu schreiben) sind auch hier so selten, dass die Ueberlieferung immer erst genau zu prüfen ist, bevor sie acceptiert werden. Suchenwirt leitet auf Mo nt fort über. In den unechten Credichten Nr. 39 und 40 39, 52 die sie da hdtten on linderecheit sie wer erdrvnchen in mdris unden und geschach daz sicher on aus belangen den, die nit wilten an bitten Bei 0 wtrdger apöstel sani Jacob hast du den allen vergaben ir sunde 39, 105 0 werde müter der cristenheit sie sol uns oristen bh4ten vor Uyd und durch din m'äter die r^ne meyt und nit zurstdren das wir dir legt 0 9)Qa)l>tis tamea exexnplis non adnameranda sant ; gsvangen von 20, 25; enpfängm für 13, 200; «npfiengen ndeh 25, 146; singen dd 11, 40; gierigen zuo (quae genuina lectio esse Tidetur pro singen it*o) 45, 31; ge- wünnen von 18, 239, quam bis onmibns locls syUabam -en prorsas abiici liceat^. Kob« qaest. II, 4. Naeb nn and ng alio konnte mCIglkber Weise -en ancb apokopi^rt werden. 39, 76 39, 48 40. 31 40, 75 39, 98 39, 10 39, 26 40, 59 39, 65 ooxxxn 39, 70 de9 las mich gnüenfen herr JMsu Orist 39, 112 Mlff doB wir yt werden verUm 39, 129 das wir yeht werden der Mlle gebom 40, 13 und hat gewdaszen ndt dnderscheit 39, 128 ach werde fr&cht der barmh^tzigheit 39, 104 das hÜ ich dich d4rch din gotlich mywn^ wo also zwei einsilbige Wörter in der Senkung stehen, deren keines ein «, beide aber den gleichen Vocal haben, was das rasche Hinweggehen erleichtert wie in Hngo*s /ör war ich dir sag (p. 227) In der Hat zierin 11, 288 dem gea^len ain ealig stmd 23, 29 ires hSrtzen ain tdbemackel 29, 87 mit ringen^ Hchten tmd cldffen 15, 73, 77 mit weissen armen umbfdngen und oft. 14, 37 ich Wächter verhund mm aber dir 15, 12 sy beschr^yen mich /tir ain dieb 15, 19 guot Wächter mit heller stymme 116, 37 mein otogen mochten nit wäinen 127, 120(Mnscatplaot) in meinem hSrtzen verschUssen. Im Dyocletian des Hans von Bühel (ed. Keller) 19 des wart der h4yser in hSrtzen fro 379 so mochtent ir w6l von gottes gnaden 540 das besser ist, das wir sterben 1078 über die hränchen und über die armen 3082 generen sicher on äUe dol — 7 eins römschen künges töchter sy was 46 das wdlUnt durch göt mir fahren lan 203 ich wil den hnaben Uren das bdste 332 und süessent sy 'Ander die stallen gar 540 denn das wir lässent den hnäben verderben 3058 min liebes hint wir wollent dich bitten eta, und auch 28 die schöne fr6w als der morgen stern. Beim Mönch von Salzburg EX. 555, 3 dy Uczten salben am, linss nicht spar 592, 5 daz der sunnen ist nähentbare Ampf. p. 31, 31 der mich läider oft hat petrogen (von Stayn- berger, oder war dieser nur der Schreiber?) 10, 6 der hirtten schSpfer von höcher art 19, 2 was dy müeter geb^nedictet KL. 567, 3 und unser fleisch dem selben verhiang ocxxxm 578» 2 Uebe mietet vim 'äne nicht weiche 583, 8 noch 4nder dem hymmel g{e)leicht sich dir 584, 7 erpdwen wart nye hain eal so sch,on 592, 2 got den Ersten der hSylig aphd 592, 4 daz in vSsferzeit An luceme 592, 8 das wir selig den Salden dein Bei Laufenberg sind sie schon wieder sehr selten geworden 776, 6, 10 für alle wv/nder ist wunder daz n^f 6, 12 uns armen sSndem erhdrmd und müt 776, 8, 8 und wahsest frow ie nuwer und nuwer und noch ein paar ähnliche Fälle. 740, 14 all enget pr^en din l6b so schon 740, 35 und JhSsu dem zarten kindlein dein — Bei Sachsenheim sind sie dem gänzlichen Verschwinden nahe: , wirkliche Doppelsenkungen*), die nicht durch Synkopen sich beseitigen Hessen* — sagt Martin (Ausg. p. 38) — „sind muoter der 129, October^ November 417.* Dazu können noch ein paar Fälle ergänzt werden: Jesus 148 sant Bdrbera jii/nßfrow raine magt 75 lemete m^er auf dinem schmderstuol 107 unnd vil der hdimlichen büocher lasz Moerin 3426 ars mSmorat^a haist ain hunst 4611 aglaster mag ir sprangen nit lön Sleigert. 250, 14 vil tdesser dan hönig seyn Moer. 1386 das Sdlomon /n der alten ee (also derselbe Eigenname in der zweisilbigen Senkung wie bei Hugo 15, 64). Sehr bezeichnend ist noch Moer. 4499 den lAczifer {n der kröne truog^ wo die Hs. A, um die Verschleifnng zu erleichtern, haczefer schrieb. Mit dem Durchdringen der ausschliesslichen Silbenzählung werden auch die zweisilbigen Senkungen ganz beseitigt, und nur im Volksliede leben sie auch späterhin noch uneingeschränkt fort. Es wird aus diesen Nachweisen evident geworden sein, dass Hugo's zweisilbige Senkungen nicht Fehler sind, sondern in die Metrik seiner Zeit gehören, die man, mit ein paar rühmlichen Ausnahmen, regelmässig verkannt, weil man sie eben niemals in weiterem Um- *) „Doppelsenkongen^ wollen wir Toisichtahalbei nicht lagen, sondern ^zweisilbige Senkungen^, Tgl. oben p. 228. ocxxxw fange natersnoht ; hat. Aach die allgemeiiie EDtwic^lung dieser zweiailbjgen Senkungen wird siob erkenn^ lassen. Sie sind bereits vor der mbd. Zeit zn finden; den von Amelong bebuidelten Ge- dichten kann noch manches andere an die Seite gestellt werden z. B. die Litanei, bei welcher Roediger (Zs, f. d. A. 19, 288 ff.) durch Syn- und Apokopen einen Rhythmus zu Stande zn bringen suchte^ aUdn die fuhren oft zu schrecklichen Härten, sind gegen die Ueb er lieferung und vermögen doch nicht, «alle Verse auf das richtige Mass* zn bringen; ein gzemt (g ^= gi ^= g^) 218i 14; gh^t 227,41; 232, 15; vr^n&tf 216, 20, vrschiesen 438; vrddmpnen 446 etc. ist ohne hsl. Gewähr doch nicht zu wagen. Besser wird man die Verse mit zweisilbigen Senkungen lesen, wobei auch die Hauptsache, die Ueberlieferung, gerettet wird. Also z. B. 216» 20 dctz 8i von dem hdrzefti vertrihe algar 221, 29 wA habe tmr einen bSzzem gidzngen 231, 7 unt truoch dar tinder verholne 232, 15 'dnaer gihdt erhöre 233, 4 daz wir nieht wSrden verawölhen 438 daz m daz leben S wölten verchüsen 446 do ei nUt luge wölten verddmpnen oder 218, 14 ze eprechin dei uta/rt dA dir gezSment etc. Alle dort vorkommendeii Fälle sind nicht so schwer und lassen sich viel leichter in der angedeuteten Weise lesen als die bei Amelung. Die nach feiner Begrenzung strebenden strengeren Dichter der höfischen Zeit legten sie ab, aber kaum in jener Allgemeinheit, welche die normalisierten Texte zeigen; nur in ganz bestinunten Fällep waren auch bei ihnen zweisilbige verschleifbare Senkungen gestattet (s. oben p. 219 f,). Diese Licenz dehnten ih^e Nach*- folger zu den oben behandelten unechten zweisilbigen Senk, aus, wie de, ihrem geringeren Können entsprechend, auch andere metiisohe Regeln ^vergröberten^ und zwar gebrauchen sie besonders diejenigei;^ von ihnen häufiger, welche auch sonst der Volkspoesie näher ste^ hen^). Nachdem ersten Viertel des 15» Jahrhunderts heginnen sie wieder abzunehmen; aJber nicht deswegen, weil man nun zur kuost* ^) AehnUche zweisilbige Senknng begeguen auch im EogUschen des 1^ and 15. Jlids. bei Tolkstümlichen Dichtern ; vgl. z. B. Thomas of Erceldonne : ivyll of m4^ selbst wörthe of this nörthe (s. Brandl in seiner Ausgabe p. 45y; dazu hSvei^ W« ihöu 88^ tindKr hir hHte 72,, wUrp fo 6^ 29^ poman and p/äye 270. (XSSSXY ToUeriD Weise des Mhd. zorüokkehrtai soodera aar, weil eine neae Aomrtang alle ftodem überwuohert» indem nun auch die Wortbe- tonung aufgegeben und jede Silbe, sei sie kurz oder lang, Bedeu- ioogs- oder Flexionsailbe, hebungsfahig wurde. Damit verschwand «och die Not, zwei unbetonte Silben zwischen zwei betonten Be- deutungssilbeuy welche früher die Hebungen zu tragen hatten, in lue Senkung zu drängen, da nun auch die zweite der unbetonten die Hebung und die letzte betonte die Senkung tragen konnte; z. B. fmShechm verwmft wurde zu mischen Vernunft. In den Literaturgeschichten ist nicht selten die Rede von «Beimprosa*, und dabei handelt es sich, was noch besonders her- Torzuheben, meist um volkstümliche Dichtungen. Man versuche daran die Regel von den zweisilbigen Senkungen und dem mehr- silbigen Auftact, und manche davon wird lesbar werden ; selbst bei ^em so ungestalten Metriker wie Vintler wird man zum grössern Teile damit auskommen, an manchen Stellen wird der Ueberlieferung nachzuhelfen sein. — Bartsch hat bei Strickers Versen wiirfen die schilte zen ruchen und huoben sich über die brücken Karl 1499 kunstmassige Verwendung der zweisilbigen Senkung zu erkennen geglaubt; das ist wohl leicht möglich, und ein Vers aus Hugo (im eifervollen Hilfrufe) nu Mlf uns göt des bedürfen wir w6U !29, 177 könnte gleichfalls angezogen werden. Aber ich habe doch starke Zweifel daran; denn in diesem Falle würden sich auch hier, wie oben (p. 217) bei der fehlenden Senkung, bestimmte Kategorien herausstellen lassen; ich versuchte es bei den meisten Dichtem, welche zweisilbige Senkungen gebrauchen, aber ohne Resultat und komme über die Annahme einer poetischen Licenz, wie es das ihnen gegenüberstehende Fehlen der Senkung oder die alte Ver- Schleifung gewesen, nicht hinaus. Wer meiner bisherigen Darstellung gefolgt ist, wird es be- gründet find^, dass ich erst jetzt über Hugo's Betonungsweise im besondern handle. Die Betonung eines und desselben Verses kann bei zwei Dichtern (bei Hugo und Braut z. B.) sehr verschieden sein: sie ist nicht aus sich selbst wie etwa der Auftaot, sondern aus CCXXXVI den andern metrischen Gesetzen, welche vorher festgestellt sein müssen» zn beurteilen. Hago*s Yers 6, 3 z. B. wnrde so gelesen : aU^ zwif^ ist mir tmktint nnd 28, 547 dem entsprechend: die lydochstab^ lohUch erhaben. Wann ist nun diese Betonnng rich- tig? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein: wenn Hugo bloss Bilr benzählt. — Und wann tut er das? Wenn er so betont. Das ist der verborgene Girkel, in dem man sich gewöhnlich herumtreibt; und den einzigen Ausweg sucht man nur in der Beobachtung, ob der correspondierende Vers die gleiche Anzahl der Silben hat. Bei 6, 3; 28, 547 wäre das der Fall, und die zweimal versetzte Be- tonung stünde demnach ausser Zweifel. Allein dieses Kriterium ist nur aus Missverständnis gebildet worden und hat in den meisten Fällen nicht die geringste Beweiskraft. Es ist bekannt, wie die Dich- ter des 14. Jahrhunders vom Silbenzählen sprechen (s. p. 192). Das deutete man nun dahin, dass es ihr Gesetz gewesen sei, den corre- spondierenden Versen die gleiche Silbenzahl zuzuteilen, wie es die Meistersanger des 16. Jahrhunderts, welche besonders die Ent- stehung dieser Ansicht veranlasst, wirklich getan haben. Allein es wurde schon oben (p. 193) darauf hingewiesen, welch grosser Unterschied zwischen den beiden Arten der Silbenzähler bestehe. Die Dichter des 14. Jahrhunderts fassen « Silbenzählen* in einem ganz andern Sinne, das beweisen ihre metrischen Gesetze und nicht weniger ihre eigenen Mitteilungen, besonders die ausführlichen von Hesler und Jeroschin (vgl. Bartsch, Germ. I, 194 ff.). Daraus er- gibt sich, dass sie stets nur von der Silbenzahl des Verses über« haupt sprechen: der richtig gebaute Vers kann 6 bis 8, 9 und ausnahmsweise auch 10 (Hesler) Silben^) haben. Das ist allgemein zu verstehen: ^es dürfen neben allzulangen nicht allzukurze Verse in einem Gedichte vorkommen, ausserhalb der von dem Dichter gesteck- ten Grenzen* (s. Bartsch 199). Aber es findet sich keine Andeutung davon, dass je zwei mit einander reimende Verse auch gleiche Silbenzahl haben müssen, und eine solche müsste vorhanden sein, wenn sie Vorschrift der Dichter gewesen wäre, da darin eben das Hauptmerkmal ihrer Versmessung läge : wie scharf betonen doch beide z. B. die notwendige Gleichheit der Reime! Mit ihren Auseinandersetzungen stimmt auch ihr praktisches ^) Das gilt fOr Tierhebige Yvn^^ bei andern ist die Regel dem ent< sjorechend umzusetzen. ccxxxvn VerfiEihren: der eine Vers hat nicht selten einsilbigen oder auch zweisilbigen Auftact, der andere keinen; dem einen fehlt die Sen- kung, die im andern vorhanden ist n. dgl. m. — Dass nun die corre-* spendierenden Verse dennoch sehr häufig die gleiche Silbenzahl haben, hängt nicht damit zusammen, sondern erklärt sich aus dem Streben, die Senkungen, wo es angieng, regelmässig zu setzen; aber es war kein Verstoss gegen ihre Metrik wie bei den Silbenzählern des 16. Jahrhunderts, wenn es nicht geschah: die Gleichheit der Silbeuzahl war eben nicht Gesetz, und das müsste sie gewesen sein, wenn sie das Kriterium bilden sollte für die Betonungsweise, welche die ganze spätere von der früheren Versmessung unter- scheidet. Wenn also die oben angeführten Verse Hugo*s 6, 3; 28, 547 aus ebenso viel Silben bestehen wie die mitreimenden 6, 1 und 28, 545, so ist dadurch nicht im mindesten bewiesen, dass sie so zu betonen sind, wie sie es wurden, d. h. dass Hugo Silbenzähler in der Art Brants gewesen sei. Daher musste die Untersuchung der andern metrischen Gesetze vorausgehen, welche auch in diesem Punkte entscheiden und keinen Zweifel darüber lassen, dass jene Verse nicht so zu betonen seien. Um die Voraussetzungen zu ge- winnen, welche eingetroffen sein müssen, damit ein Dichter zu den eigentlichen Silbenzählern gerechnet werden darf, brauche ich hier nur die oben gewonnenen Detailresultate zu subsumieren. Es muss 1) Die nhd. Längung der betonten mhd. kurzen Stammsilben vollständig durchgedrungen sein und die Verschleifung auf der Hebung aufgehört haben. So lange das nicht der Fall ist, können zwei Verse mit gleichviel Hebungen und Senkungen doch ungleich viel Silben haben, wenn in dem einen zwei Silben zu verschleifen sind (s. p. 198). Diesen Punkt hat schon Koberstein LG.^ 283 betont. 2) Muss der Auftact streng geregelt, entweder überall vor- handen oder überall entfernt sein, sonst können nicht alle Verse gleichviel Silben haben. Braut z. B. hat durchweg Auftact: er ist eben eigentlicher Silbenzähler (s. p. 204). 3) Der mehrsilbige Auftact muss aufgehört haben, das braucht keine weitere Erläuterung mehr (s. p. 211 f.). 4) Die Senkung darf nicht mehr fehlen, und insbesonders darf das Fehlen derselben nicht als technisches Motiv verwendet werden, wie ich oben (p. 217 ff) bei Hugo und andern nachge- wiesen habe; denn das allein schon ist der schlagendste Beweis, ocxxxvin dass ein solcher Dichter noch misst und sogar di« Paasen knisst,' welche in küQstreohter Rede entstehen, während iet andere mir starres mechanisches Zählen handhabt. 5) Ebenso wenig darf die Senkung zweisilbig sein, sonst wür- den sich immer wieder Verse finden, welche gegen die gesetzHbhe Zahl verstiessen (s. p. 234 f.). Das sind die Probiersteine für diese spätem Dichter. Wo diese Bedingungen erfüllt sind, erscheint ununterbrochener Wechsel zwischen einsilbiger Hebung und Senkung, erhält man erat da« Recht, von Jamben und Trochäen zu sprechen. Ich kann nun kurz sein. Ist vorerst nachgewiesen, dass Hag(> zweisilbige Senkungen gebraucht, dann ist 6, 3 nur so zu betooeli: dller zwifel ist mfr unhdnt^ ebenso wie 28, 547 nur: diebuoch- stdben lohUch erhaben^ wenn festgesetzt ist, dass die mhd. Ver« Schleifung noch fortlebt und die Senkung fehlen kann. Damit eit^ ledigen sich auch alle andern Verse, welche zu unrichtiger Be* tonung verführen könnten oder wirklich verfährt haben; also 33» 150 der gerechten mit gndden wdlten nicht gSrecJU^^ wie man gelesen hat; 5, 259 nicht gastlich gSricht iind welü/ch; iaoA viel weniger ^s tueg{ wol öder wi 18, 28, ja vielleicht auch nioM einmal /cA hört süese homdon 28, 60 etc. Dass bei Hugo und seinen Zeitgenossen a«ch einzelne Fälle von ungenauer Betonung begegnen, hat nichts auffallendes, da das schon bei allen altern Dichtern, selbst den formgewandtesten, mehr oder weniger nachgewiesen werden kann. Am Öftesten ist versetzte Betonung im Anfange des Verses (schwebende Betonung): din^ 14, 26; wachtdr 10, 25; 11, 7, 31; prieatSr 15, 110; HeUn 24, 21, Hectör 25, David 29, Bamr sön 41; guot^ 25, 108; well^ 27, 100; soltM 28, 86; mö- acMng 31, 98; unsA- 31, 184, 33, 7; jung^ 88, 10; prinn^t 38, 70 u. a. Oft kann man zwischen schwebender Betonung und zweisilbiger Senkung zweifeln: schriber und 4, 29; bürger tind 5, 321; mben und 18, 118; jamer und 27, 128; oren und 28, 114; seien wnä 29, 71 ; vatter und 29, 105 (auch vater)\ lieber gesdl 29, 9 (auch lüber ge^ll); sunder mit 3, 63; Wächter ieh 37, 17 etc. Zamcke liest im Titurel 505, 2 i^zen noch Amen^ nicht üz^ ; dasselbe wird auch bei Hugo vorzuziehen sein. Solche schwebende Betonungen begegnen bei den besten M« Aschen Dichtem, bei Walther z. B.: WidiMr 51, 2; heitM 51, CCXXXIX 148; nngdt 81, 9; zwisch^ 94, 2 u. a. (Wilmanns p. 46). Bei Htigo*8 Zeitgenossen sind sie so hftafig, dass loh keine Beispiele anJEsozählen brauche. Schwere ist der überladene erste Fass in 5, 233 ir soVtent (vereinzelt in einer Rede) ; vgl. aber Lachmann zu Iwein 309, zur Klage 1895, 1653, 2145 und Zarncke, Nib. p. 57, wo analoge Fälle angeführt werden, welche nicht leichter sind. üeber die Betonung der etu/ffe 4, 178 ; clegUche 25, 50 etc. Tgl. Hanpt zu Engelh. 2647. Bei eins züchHffen 3, 51 ; in göttr Ueher 4, 141 ; mit hoptaiindm 24, 33 und fthnüohen ist zwei&che Lesung möglich. Ausserdem begegnet ungeaaifte Betonung sowohl im Anfang als im Innern des Verses, doch meist nur in spondftischen Zusammen- Setzungen, wo sie auch am wenigsten anstössig ist: flussrüh 28, 5 ; unmwt 27, 172; tmr^cM4, 165; imttjudrt 18, 23, 40; ellSndm {: senden 15, 1A3 : p/enden) 21 j 178; \ochf4rüg imd v/tüounsch 25, 29; vgl. auch 29, 99; tmehsdl 28, 271; mcunMit 33, 61; junkfr6w 38, 47 ; potsehdft 28, 260 eta Auch solche Fälle sind bei altem Dichtern häufig, bei Walther z. B. : hSehv^tM 88, 94 ; wolv&h 88, 105; emAnge 89, 5; ba^rmunge 89, 164t ellSnde 45, 5 (vgl. Wilmanns p. 46, Lachmann zu Iw. 1918 und Zarncke, Nib. p. 55); ankuurt aucb Konrad (BEaupt zu Engelh. 716) eto. — Vorsilben werden betont: ge^ in g^oii 5, 193; giwaüJt 32, 124; 5, 264 (vgl. Anm. -zur St.); gitan 31, 180; g4dMU 28, 312 ; gihjort 29, 74. he- in hiwwtl 13, 51. ver- in verstand 80, 97; vir dient 29, 166. ent~ m ihtbüt 20, 2. Auch das ist bd Dichtem des 13. Jhds. nachzuweisen : Lichtenstein ^reicht 619« 17; bidörft 659, 17 etc.; Stricker virrdta^re^ virdampmeeey g4triuUche\ Freud. 27, 19 gdwin u. a.; «bei den von ausländischen Stämmen ab* geleiteten oder nach ihrer Analogie gebildeten Verben war die Be- tonung von ge- fast die gewöhnliche*. Fremdwörter and Namen geniessen überhaupt und auch bei der Betonung grössere Freiheit (Lachmann zu Iw. 137):/^w* 28, 511, 572; KtvripjUs (erste He- bung) magnue 15, 76; Btirk Mangölt (:woU) 31, 163. Selbst ein Meister der Technik wie Konrad gestattete coch einen Vem wie trir ein PHer ^d Paulis (Haupt zu Engelh. 444). ESne andere Form ungenauer Betonung, dfe aber gleiehfitlls schon bei mhd. Dichtern oft vorkommt, ist, wenn in der Hebung der Artikel, ein Pronomen u. dgl, in der Senkung aber ein schweres Wort steht: d^ weit 5, 138; die muote 28, 352; de tme 25, OOXL 200 ; /n er 4, 83 ; d4r mocht 1 1, 23 ; d{e händ 18, 140 a. a. Oefters könnte durch leichte Gorrectur (Beseitigung einer Syn- oder Apokope) eine bessere Betonung erzielt werden, z. B. 1, 37 es wSre^ 40 du v6lge etc. Auch der Tiefton einer Ableitungssilbe wird^ noch beachtet und kann die Hebung tragen (Gesetz der absteigenden Betonung), das beweisen Reime wie sv/nd^ (: du gebSr) 27, 166; tichtSr (: Bwer) 27, 233 u. a., vgl. unter Reime p. 244. Aehnlich wird in ein paar vereinzelten Fällen auch die Biegnngssilbe gebraucht: mMscMn verdarben 4, 15; gnädin heschfn 5, 379 t also wenn die vorausgehende Silbe, die gleichfalls eine Hebung trägt, lang ist und die folgende Senkung ein unbetontes e hat ^). Daher kann auch 4, 142 drg4r geddnkh; 14, 33 s/nnen und guotSm geddfJo gelesen werden; 5, 162 ist wahrscheinlich leidigen wnde; 25, 161 schirmet wüwen und weisen; 28, 501 die alm^chtkeit göt zu schreiben; anders ist es 4, 72; wo zehen kurze Stammsilbe hat, doch könnte es vielleicht auf der Hebung verschleift werden, so dass wa Hebung und Senkung trägt, vgl. A. z. St. Allein auch wenn die letztem Verse mit versetzter Betonung zu lesen, so sind es doch nur ver- einzelte Ausnahmen, welche gleichfalls bei Dichtern des 13. Jahr- hunderts ihre Analogien finden; vgl. z. B. Lichtenstein, Herrand (Kummer p 50 ff.), Flore (Sommer zu 572, 1466) u. a. Seiner Betonung nach könnte Hugo um ein Jahrhundert früher gedichtet haben; Hadlaub z. B. oder Boner erlauben sich viel mehr Unregelmässigkeiten: es ergeben sich auch in diesem Punkte ähn- liche Kreuzungen wie bei der nhd. Dehnung und bei den überhe- bigen klingenden Versen (p. 196 — 201). Im allgemeinen aber halten auch seine Zeitgenossen den mhd. Standpunkt fest. Schneller geht der Verfall der Betonung erst wieder nach den ersten De- cennien des 15. Jahrhunderts, also bei jenen Dichtern, von wel- chen wir oben sahen, dass sie auch in den andern charakteristischen Merkmalen sich den Silbenzählern nähern, bei Sachsenheim z. B. werden Betonungen wie dort priest^r Johdn ; trdmmetSr (: m^), die herdöt und Meng; frdmm echnb^rimir etc. viel häufiger als es blossen Ausnahmen geziemt. In demselben Masse, in welchem die Freiheit des Anftacts, die Verscheifung in Beim und Vers, die feh- lenden Senkungen eta abnehmen, nimmt der silbenzählende gegen- *) Solche Falle sind besonders bei Boner hänfig. CCXLI über dem aaoh noch betonenden Versbau zu. Und das ist nur na- türlich; denn wo ist jemals ein neaes Gesetz entstanden, das nicht im Zerfalle des alten seine Vorbereitung gehabt hätte? — Die ent- schiedenen Volkslieder aber sind niemals zur ausschliesslichen Sil- benzählung gekommen und bleiben auch später noch der alten Betonung treuer: ihnen gebührt ein Teil des Verdienstes, das mau auf Opitz, den Reformator einer natürlicheren Betonung in der kunst- mässigen Dichtung, gehäuft hat 4. Hiätns» letzte Senkong. Hiatus. Der Zusammenstoss zweier Vocale am Ende und Anfange zweier Wörter wird unbedenklich gestattet: zuo üch 18, 198; dabi ein 18, 254; si an 28, 471; hie all 16, 65; wolgerätni 6 28, 300. Solche Fälle sind häufig und nicht auf- fallend. — Beide Vocale sind gleich: du was 24, 144; ephelli ich 3, 27; dabi ir 5, 21; 17, 19; bi im 5, 242; bi in 5, 251; liebi ist 18, 53; dabi ich 9, 13; 13, 14 u. a. — Der Artikel die mit voc. Anlaut: die S 25, 37; die ist 16, 4; 17, 39. Davon zu sondern ist der Hiatus im engem Sinne, der Zu- sammenstoss eines kurzen e mit voc. Anlaut (Haupt zu Engelh. 716); auch dieser ist nicht selten: hdge und 9, 18; gedenk ze dller 3, 62; sdch ze ünmuot 7, 13; widerk^e ist 15, 32; beide Voc. sind e:md88 ze ^saen 14, 31; ze Mnaishein 23, 37; hielte ia 29, 157 u. a. ~ Konrad z. B. würde sich derartige Verse nicht erlaubt haben; allein zum Teile schon früheren, namentlich aber den spä- tem Dichtern sind solche Feinheiten abhanden gekommen. Aehnlich verhält es sich mit dem Gebrauche der letzten Sen- kung vor stumpfem Versschlusse, wo strenge mhd. Dichter sich grosse Beschränkungen auferlegten, welche die spätem wenig mehr beachten. Herrand z. B. geht ,von allen metrischen Regeln am weitesten in der Freiheit der letzten Senkung* (Kummer p. 19). Und wenn man erst die negativen Instanzen in Betracht zöge, was bei einem Beweise immer unumgänglich ist, und finden würde, dass er etwa in der vorletzten Senkung, wo die folgende Hebung ein einsilbiges Wort ist, keine wesentlich andere Constellation zeigt als in der letzten, so läge darin der Beweis, dass der Dichter für die letzte Senkung keine anderen Regeln hatte als für die übrigen. Waokernell, Montfort. 16 CCXLII Das ist bei den spätern Dichtem meistenteils der Fall : es begeg-* nen dieselben Kürzungen, dieselben Verschleifungen, Gonsobanten etc. Ich will für Hugo nur einige Beispiele anführen : ghaht hdfn 4, 83; ewigs Uit 5, 202, 222; ahentz Icunft 8, 1; dins güots 28, 326; sinr hdnd f), 121; alls gdt 26, 11. — ein mdgt 4, 100; ung'ükh st 5, 169; unglüJc Mt 24, 81; wer tag 10, 1; sünd gdn 13, 23; got (Dat.) schib 15, 31; denn guot 32, 11; sag mir 28, 161; an zdl 25, 129; an n^d'ss 25, 183 u. a.; von und^ umh etc. ganz abgesehen, während strenge Dichter sich selbst jene Kürzungen versagten, welche schon im allgemeinen Sprachgebrauche anerkannt waren wie mi7, für, an, im etc. — Sogar zweisilbige Senkungen begegnen vor der letzten stampfen Hebung: menschen vernunst 27, 9, engel vernunst 21; Kinder ir Mt 18, 243; bedürfen wir wöl 29, 177. Bei solchen Verhältnissen ist man natürlich nicht mehr be-* rechtigt, der letzten Senkung wegen die Ueberlieferung zu ändern und etwa bei sSligen 2, 40; 10, 33; 11, 27; alm^chtiger 28, 705 die Verschleifung wegzuschaffen, noch weniger 2, 48 unt für ynd zu schreiben u. dgl. Nur 25, 37 habe ich corrigiert, denn die i ist eine schreckliche Härte, die ich auch dem Moutforter nicht zutraue, da sie leicht zu beseitigen war. Nicht besser als Hugo sind auch andere Dichter dieser Zeit, Sachsenheim z. B. hat unglüdo zuo M. 274, imglück wöl 289, wn- trüw v6l 752, junckfrow zdrt 883, dann vü 922, ain Sihdnd 1200, 2472, denn vÜ 1954,^ dick kürcz 2324, oun zörn 3178, wer sünd 4156; Bolensch hdid2bll, minrstrduss 2870, Eckhartz wds 3873, warn zw4n 4563, mcmg stim 4884, ungetoufft tür 5763 etc. Ich erspare mir die weiteren Nachweise, denn e^ ist schon ohne dieselben glaublich, dass diese Metriker keinen Sinn hatten für ein solches Beiwerk feinster Durchbildung. 5. Reim. Die vocalisch und consonantisch unreinen Reime, welche für die Sprache eines Dichters bekanntlich lehrreicher sind als die reinen, mussten schon in Abh. IV verwertet werden. Sie sind im Durchschnitte nicht in der Weise unrein wie etwa jdie Assonanzen der ahd. Zeit, sondern durch Hugo's Aussprache, welche für ihn wie in dieser Zeit, wo die Dialekte stärker in die Schriftsprache eindrin- I COXLIII gen« überhaupt massgebend war, erklärt. Die io Folge dessen vielftich veränderte Orthographie trug gleichfalls bei, die mhd. Gonsequenz and Sauberkeit der Formen und Reime za zerstören. Wer die sprachliche Abhandlang überblickt, dem tritt im Vooalismas wie Gonsonantismus besonders die starke Neigung zum Wechsel homor- ganer Lautverbrodungen, zu Assimilationen, Schwächangen, Gon- tractionen, zu vocalisohen und oonsonantischen Apokopen und Synkopen entgegen. Die Erklärung dafür liegt vorzüglich in der raschen Aussprache der Alemannen. Schon Hugo von Trimberg sagte, dass die r eintüte ir rede verdruckent; und mit Recht be~ tont Zarncke (Braut p. 288), dass »der schwäbisch-schweizerische Dialekt alle Worte, fast wie die englische Sprache, zusammenge- drängt, abgestumpft und getrübt hatte *'. Das gilt von den Vor- arlbergern noch besonders, deren Sprachschnelle mit zu ihren charakteristischen Eigentümlichkeiten gehört. Ueber die Reimstellungen in den Liedern handle ich beim Strophenbau. Ausserdem begegnen nur Reimpaare und gekreuzte^) Reime in den Strophen der Reden und Briefe ; Mittelreime standen vielleicht am Beginne von Nr. l (vgl. Anm. zu 1, 1 — 7). Dreisilbige Reime finden sich 30, 1 swebende : gebende^ sonst nur stumpfe und zweisilbig klingende, welche in der vierzeiligen Strophe gewöhnlich mit einander wechseln, also a, v^b; a, wb — oder ^a, b; ^a, b; doch sind Ausnahmen nicht selten, in denen entweder alle vier stumpf oder klingend sind. Auch in den Reim- paaren wechseln sie, doch ganz willkürlich ; beachtenswert aber ist die Zunahme der stumpfen, welche sich zu den klingenden wie c. 11 : 5 verhalten. Bei Sachsenheim und Braut sind die letztem hoch seltener geworden. Der stumpfe Reim ruht auf einer hochbetonten Silbe; allein auch Ableitungssilben können dafür verwendet werden, wenn ihnen eine schwächer bet. Silbe vorangeht, z. B. ewenhlzch : {ch, hichtig^r : 8w4r etc. In mehrsilbigen Wörtern aber, wo die Bildungssilbe sich unmittelbar an die hochbetonte Stammsilbe anlehnt, können beide mit einander einen klingenden Reim bilden : müoter : guoter 27, 210; alm^chtig : fürtr^chtig 1, 52; 28, 485; demuetig : güetig 25, 103; drivdlüg : gewaltig 5, 117; ungetrulich : grulich 5, 333 u. a. — oder aber der Tiefton der Ableitungssilbe wird noch stark ^) Schon Suehenvirt braucht den Ansdruck ehreutzweis dichten 43, 72. CCXLIV genug gefühlt, um sie für die letzte Hebung zu verwenden, so er- scheinen alm^chtig (: aig) 4, 41; durchluchifg : inbriinaUg 4, 139; w^UUch (: gich£) o, 259; mdnlich (: dzch) 14, 43; guetltch (; mich) 18, 6; gintzUch (: mtch) 31, 46; güeil'ch {: frvdenrich) 36, 22; guldin (: schzn) 28, 541; «wwrf^r {} geUr) 27, 166 (: «w;^) 28, 618; mdrt4r {: sw^) 27, 206; tühUr (: «w^r) 27, 233; verrdtir (: 5«;^) 28, 93 ; vdUcMr (: «w^r) 28, 97 ; cldff^r (: m^r) 28, 109 ; mdrt^r : Uch*^r f), 383. In allen diesen Fällen also ist die vorausgehende Stammsilbe lang (vgl. p. 240); niemals erscheint eine blosse Biegunsrssilbe, niemals eine Betonung wie die muof^r^ die »alnh^r u dgl. ^), die den blossen Siibenzählern geläufig ist und vereinzelt bei schlechten Versmessern auch schon früher begegnet, besonders bei Hadlaub. ft. Strophenban. a. Lieder. Nr. 6 ist ein Liebeslied von drei Strophen; jede hat vier vierzeilige Gesätze, deren letztes den Kehrreim bildet. Die Reime kreuzen sich und sind abwechselnd stumpf und klingend: a, vb, a, ^b ; das zweite Gesätz hat zwei Waisen. Die Zeilen mit stum- pfen Reimen haben vier, die mit klingenden drei Hebungen; im Kehrreime stehen bloss stumpfe Reime. Das Liebeslied Nr. 7 besteht aus drei zwölfzeiligen Strophen, in denen Dreiteiligkeit herrscht. Stollen und Abgesang sind gleich gebaut, letzterer bildet Kehrreim. Der Vers ist der alte viermal gehobene. Die geradzahligen Zeilen jeder Strophe reimen paarweis und klingend, die andern haben reimlosen stumpfen Ausgang. Die beiden Stollen sind durch kein Reimband verbunden und heben sich dem Inhalte nach vom Abgesange scharf ab. Nr. 8 ist eine Tagweise mit drei dreiteiligen Strophen, deren jede sieben viermal gehobene Verse hat nach dem Schema 1) elUnden (= ali Idnii) : sendsn 15, 143 : wenden 28, 671 ; 33, 175 kann nicht hieh^rgesetzt Verden, denn diese Betonung war bei den meisten Dichtem die gewöhnliche. CCXLV w4 a «4 b w4 a w4 b . w4 0 ^ a(d) v4 c Die Reime sind also durchweg einsilbig stumpf, nur der in Vers 20 macht eine Ausnahme. Der zweite Beim des Abgesanges, der denselben mit den beiden Stollen künstlich verbindet, findet sich wirklich nur in der zweiten Strophe, die beiden andern zeigen eine Waise. Nr. 9, ein Minnelied, dreiteilig. Die beiden dreizeiligen Stollen sind durch ein Reimband mit einander verbunden. Der Abgesang hat acht Zeilen und zerfällt in zwei gleiche Teile, deren letzter einen Kehrreim bildet. Schema w4 a v4 a v3 wb ^4 0 »4 c v3 vb w4 d v4 d w4 d w3 w« w4 f ^4 f v4 f w3 wg (in der zweiten Strophe könnte man das künstlichere aab | ccb || ddde | Sfe annehmen). Nr. 10, ein moralisierendes Wächterlied mit drei Strophen aus je vier Gesätzen. Jedes Oesätz besteht aus drei Versen mit stumpfem Schluss : die ersten zwei haben vier Hebungen und reimen paarweis, die dritte hat drei Hebungen und ist meist reimlos. Nr. 1 1 ist wieder wie auch Nr. 12 ein Wächterlied, hat drei Strophen, jede derselben fünf Gesätze, gebaut wie die in Nr. 10. OOXLVI Nr. 12 hat ebenfalls drei Strophen mit je drei dreizeiligen Gesätzen. Die stumpfreimenden Verse haben vier, die dritte, sechste und neunte Zeile je fünf Hebungen und klingenden reimlosen Ausgang. Genau beachtet wird dieses Schema jedoch nur in der ersten Strophe, in der zweiten hat der 12. und 15. Vers fünf Hebungen, der 18. dagegen nur drei: Hugo kommt allmählich in das ihm geläufigere Versmass der beiden vorausgegangenen Lieder hinein, so dass in allen drei Gesätzen der dritten Strophe jede Schlusszeile nur drei Hebungen hat. Das beabsichtigte Schema von Nr. 13, einem geistlichen Liede, ist nicht sicher zu ermitteln, da jede der drei zwanzigzeiligen Strophen verschiedene Reimstellung hat: ' 1) a, vb, a, vb; c, wd, c, v^d; e, wf, e, v.'f; g, vh, i, ^h, k; vi, m, wl, 2) a, vb, a, vb; c, vd, c, vd; e, vd (?); f, g, f, g; h, vi, k, vi, 1, vi, 3) a, vb, a, vb; c, vd, e; vf, g, wf, g; wh, i, vh, k; vm (?), n, vm, 0, vm. Der Vers ist vierhebig bei stumpfem, dreihebig bei klingendem Ausgange. Die moralisierenden Lieder Nr. 22 und 29 verwenden nur die gewöhnlichen vierzeiligen Strophen, deren das erstere zwei, das letztere vier zu einer Liedstrophe componiert Aehnlich werden in Nr. 37 vier vierzeilige Strophen durch die Melodie zu einer verbunden, doch ist jede vierte Zeile um einen Fuss verkürzt und jede zweite und vierte eine Waise. Das waren die singbaren Lieder Hugo's. Sehen wir von Nr. 22, 29 und 37 ab, welche nur einfache Strophen zu einer zu- sammengesetzten verbinden, so haben alle andern Lieder Hugo's nur drei Strophen. Wichtig wird das durch eine Aeusserung der Liniburger Chronik, welche berichtet, dass im Jahre 1 360 eine Abänderung in der deutschen Liederpoesie erfolgt sei: bis dahin habe man lange Lieder gesungen mit fünf oder sechs Gesätzen; in jenem Jahre aber seien von den Meistern neue Lieder mit drei Gesätzen gemacht worden (Kob. LG.^ 290). Man hat bei dieser Stelle verschiedene Erklärungen versucht, deren einfachste sie so deutet, dass von jener Z-eit an die dreistrophigen Lieder in Gebrauch gekommen. Sie reicht, wie man sieht, bei Hugo vollkommen aus; nur darf man den Ausspruch des Chronisten nicht zu strict fassen. ccxLvn als hätte er sagen wollen, dass früher keine Lieder mit drei Strophen und nach 1360 nur solche gedichtet worden seien, sondern mehr allgemein: früher sang man vorzüglich längere, und jetzt liebten die Meister besonders dreistrophige Gedichte. Nachrichten der Chroniken sind ja meist mit solcher Keserve zu nehmen^). Wie man zu diesem Brauche kommen konnte, scheint mir leicht er- klärlich: es wurde eben die alte Dreiteiligkeit der Strophe auf das ganze Gedicht ausgedehnt. Von den einfachen volkstümlichen Weisen Hugo's sticht der Strophenbau der beiden unechten Gedichte Nr. 39 und 40 ab. Nr. 39 ist ein M^rienlied mit fünf dreiteiligen Strophen; jeder der beiden Stollen hat 9, der Abgesang 8 vierhebige Verse. Stumpfe und klingende Reime wechseln ohne bestimmte Regel, ihre Stellung ist folgende abab cdcd e fgfg hihi e klkl mmmn (e?). Zweifelhaft ist, wie es der Dichter mit dem letzten Versaus- gange meinte: nach der I, II und letzten Strophe könnte er als Korn gefasst werden, nach der III, IV und letzten auch mit dem Schlussreim der Stollen correspondieren ; 39, 122 ist in jedem Falle fehlerhaft. Nr. 40 ist ein Kreuzlied aus sechs dreiteiligen Strophen mit 28 vierhebigen Versen. Stumpfe und klingende Reime wechseln regel- los und stellen sich nach dem Schema abab cdcd e fgfg hihi 8 klkl mnmmm n. Das ganze künstliche Schema zeigt sich bei richtiger Textrecensioo correct durchgeführt. b. Reden und Briefe. Den Liedern zunächst steht Nr. 21 mit drei Strophen : die erste mit 7, die zweite mit 12, die dritte mit 10 Versen, welohd wahrscheinlich folgende Reimstellung haben: *) Schon das klingt absonderlich, dass der Chronist für den neuen Brauch ein bestimmtes Jahr ansetzt; es liegt dabei wohl die Vermutung nahe, dass in diesem Jahre etwa eine grössere Festlichkeit o. dgl. stattgefunden , auf welcher ein hervorragender Sänger unter dem Beifall dex übrigen diesen Ge- dichtbau als den besten gptpriesen habe. Und jschon das würde Toraussetzen, dass er auch früher bekannt gewesen, aber nur nicht die Allgemeinheit be- sessen habe, die er nachher erlangte. ccxLvm 1) aabcbdb 2) aÄb(?)cob eebflfb 3) abbo ddo eec. Die erste Strophe hat vierhebige stampfe Verse, auch in der zweiten and dritten sind nur b und o dreihebig and klingend. Um die Lebhaftigkeit des Ansrafes za erhöhen, hat der Dichter die beiden ersten Verse durch dreisilbigen Auftact und eine überzählige He- bung verstärkt (vgl. oben p. 212 und Lachmann zu Iwein 2165). Das Lehrgedicht Nr. 14 zerfällt in zwei gleich grosse Teile von je 22 Versen. Stampfe und klingende Verschlösse wechseln ohne Regel. Die erste Hälfte hat die Hs. noch in drei Strophen auf- geteilt, deren erste vier (a ^b a vb), zweite neun (a b a c o wd e e^f), dritte ebenfalls neun (a a^b c cv^/d e e^f (b?) Verse um- fasst; die zweite Strophe ordnet a vb a v^b o vd e vd f vg f vg, dann folgen Reimpaare bis zum Schlüsse, von denen nur 41 und 42 klingend sind. Die 202 Verse von Nr. 25 sind regelmässige Reimpaare und nach dem Inhalte in vier Abschnitte geteilt (vgl. Abh. H, p, 94)* Auch Nr. 1, 2, 4, 5 haben Reimpaärfe, Nr, 16 und 17 vierzeilige Strophen mit gekreuzten Reimen. Um die vierzeil. Strophen der übrigen Briefe und Reden zu verstehen, ist es nötig, vorerst die Titurel Strophe in der bei Hugo eigfentümlichen Ausbildung zu untersuchen, und zwar handelt es sich dabei nicht so sehr um ihre Beschreibung, welche schon früher z. B. von v. d. Hagen (Grerm. VH, 337) gegeben wurde, als vielmehr um den Nachweis ihrer all- mählichen Entwicklung, durch den sie erst zu richtiger Beurteilung gelangen kann. Die Entstehung und Entwicklung der Titurelstrophe hat ihre eigene Geschichte. Bezüglich der ersteren ist zu verweisen auf Lach- mann, Abh. der Berl. Ak. 1835 und zu Wolfram XXVHI; Bartsch, Germ. H, 263; Martin, Kudrun VI, VII; Scherer, deutsch. Stad. I, 3; Stejskal, Hadamar XXVI S. Es ist auffallend, dass fast jeder Dichter die Titurelstrophe mehr öder weniger umgestaltete. Ihre ursprüngliche Form, in welcher sie Wolfram gebrauchte, war r r r ^ a a b II b, wobei die erste, zweite und vierte Zeile im ersten Versteile aaeh r r f r t r CCXLIX stumpfen Ausgang haben konnten. So fand sie der von Sohar- fenberg, welcher eine weitgreifende Aenderang daran vornahm, indem er in den beiden ersten Versen Gäsurreime einführte. Wurden nun die Zeilen, wie es üblich war, nach den Reimen abgesetzt, erschien die Strophe in einer völlig andern Ge- stalt : sie hatte sieben Zeilen mit sechs stumpfen oder klingenden Beimen, von denen die ersten vier sich kreuzten, die zwei letzten eine Waise umschlossen. So verwendet sie auch Hadamar, nur hat er durchweg klingende Reime. Ich brauche ein Beispiel: Swie minne ein anevdhen 8t fröuden aller meiste^ doch rdte ich nicht vergdhen sich allen den, den ich nu triuwe leiste, — 8wer im durch minne ein liep ze fröuden kieee^ der warte S wol und achouwe^ daz er sin beste zit iht da Verliese (ed. Stejskal 2)* Der erste Anblick einer solchen Strophe zeigt ihre wunde Stelle: die letzten drei Verse haben mit den vier ersten keine tech- nische Verbindung, vielmehr bebt sie schon die verschiedene Beim- Stellung von den vorausgehenden ab; es war Gefahr vorhanden» dass die beiden verschiedenen Teile gänzlich auseinander fallen und selbständig würden. Das ist nun tatsächlich eingetreten, wie sich aus Hugo*s Gedichten beweisen lässt: er kenntkeine sieben- zeilige Titurelstrophe mehr; bei ihm darf man auch nicht von den beiden Teilen, sondern nur von zwei Arten der Titurel- strophe sprechen, welche von einander ganz unabhängig sind. Ich bezeichne daher die erste mit TI , die andere mit T^I. Die Strophe 15, 46—49 ist Tl , die darauffolgende 15, 50—52 T^ . Man könnte hier daran denken, dass sie nur der Schreiber von einander getrennt habe, wenn nicht schon die drei unmittelbar vor- anstehenden Strophen das Gegenteil bewiesen: 15, 35 — 38 ist Tl; 15, 39-42 wieder Ti; 15, 43—45 TU. Tl konnte also ohne T^I zweimal hinter einander stehen, wie auch 15, 12 — 20 T^ ohneT^ sich dreimal wiederholt. Es war daher sehr irrig, wenn meine Vorgänger Hugo's Titurelstrophe mit der alten massen und die- selbe in Nr. 15 siebenzeilig zu machen suchten (s. Anm.zuNr. 15). So musste Hugo freilich zu einem scheusslichen Versemacher werden*)! *) Weinbold z. B. nrteilte über Nr. 16: ^indem ich kleinere Yer^ekea OOL TI steht der gewöhnlichen vierzeiligen Strophe sehr nahe, nur der letzte Vers ist verlängert, was aber auch schon in früherer Zeit vorkam (vgl. Grimm, Meisterg. p. 41 ; auch Wilmanns, Walth. p. 35). Hugo lässt daher beide beliebig mit einander wechseln. In Nr. 15 z. B. steht 1 — 4 eine tadellose vierzeilige unter folgenden Titurelstrophen ; in Nr. 26 eine Ti (21 — 24) unter vierzeiligen; vgl. ferner Nr. 3, 1 *), 5, 9, 21, 45; 18, 53; 20, 21, 33; 26, 21, 33, 61; 27, 9, 17, 21, 25, 49, 57, 81, 113; 28, 25, 37, 65, 101 etc.: im ganzen sind 187 Tl- T^I hat, wie wir gesehen, in ihrer eigentlichen Form drei Zeilen (vgl. 15, 12, 43, 57, 96 etc.), hielt sich aber nicht in dieser Gestalt, sondern wurde noch einen Schritt weiter gebracht und zwar genau in der Richtung, welche die frühere Entwicklung der Titurelstropbe genommen hatte: indem in dem ersten Langverse ein Reim eingesetzt wurde, welcher die Waise in dem zweiten entfernte : 15, 50 wem all ir >edch || das {at zergdnklich Üben und tat och nicht wart dch: ein wtl ein frud — darnach kane truren geben. Wird die Strophe wieder nach den Reimen geschrieben, so ist sie vierzeilig, wie sie auch meist erscheint und mit Tl und der ge- wöhnlichen vierzeiligen Strophe wechselt (in Nr 20 stehen z. B. vier TI , zwei T^I und sieben gewöhnliche vierzeilige Strophea neben einander), ja auch in ihrer dreizeiligen Form kann sie den- selben Wechsel eingehen, vgl. 32, 37 — 39. Diese. Mischung be- gegnet in den meisten Briefen und Reden ausser in Nr. 16 und 17. Wenn man sich das gegenwärtig hält, wird man die zwei- und fünf hebigen Verse nicht mehr als vom Dichter » willkürlich verkürzte oder verlängerte Kurzverse* ansehen, sondern darin die charakteristischen Zeilen der Titurelstrophen erkennen und Hugo's Versmessung etwas besser beurteilen. T'I unterscheidet sich vor allem von Tl durch die erste Zeile mit zwei Hebungen ; die zweite beginnt, wie aus dem Schema ohne Terschweige, führe ich aaf, dass in den Sfcr. 6, 10, 11, 12, 15, 16, 17, 19, 20, 22 beide Teile einander gleichgebant sind, dass Str. 7, 8, 9 die erste und zweite H&lfte in umgekehrter Ordnung stehen, dass in Str. 21 zwar die Hauptsache gewahrt, aber die Tier Reime der ersten Abteilung gleich und stumpf sind. Dem ganzen ist dann noch eine halbe Strophe als Schluss angehängt^. — Schon dieser letztere Umstand hätte etwas lehren können. ^ Icli citierenut die erste Zeile der Strophe, COLI ^weiteres evident ist, immer mit Auftaot, es müsste denn die vor- ausgehende mit klingendem Reime geschlossen haben; vgl. 3, 13» 81; 18, 49, 277; 20, 5, 37; 27, 57, 117, 185, 193; 28, 317, 349, 645, 673, 705; 30, 29, 33; 31, 153, 157; 32, 44, 145, 169; 33, 17, 109; 84, 17; 35, 9, 25, 29; 38, 17, 37, 41, 93, 113, 141, 153, 157, 161, 165, 177; 35, 5; 38, 81 etc.; nnter allen 84 T^^ begegnen nur vier Ausnahmen in laxeren Reden: 28, 269, 657 ; 32, 157 ; 38, 85. Selten ist es, dass der charak- teristische Vers von TiMn der zweiten Zeile erscheint (vgl. 27, 133; 31, 129, 169, 257; 38, 25), wie andrerseits auch der charak- teristische Vers von TI aus der letzten in eine frühere Zeile über- gehen kann (vgl. 28, 457, 577, 625; 30, 61; 28, 489; äl, 181); doch wird diese Freiheit erst in den spätem Reden und Briefen gestattet Die Keime können in TI und T^l alle stumpf oder klingend sein, gewöhnlich aber sucht Hugo zwei stumpfe mit zwei klingen- den zu kreuzen. In diesen Gedichten erlaubt er sich auch die dreihebigen stumpfen Verse, welche er in den Liedern und in den Reden mit den Reimpaaren und den alten vierzeiligen Strophen mied (Abb. V, p. 202 f ). Damit verschwinden aber auch die Anhalts- punkte für die Beobachtung, wie weit in diesen Versen die nbd, Dehnung der mhd. kurzen Stammsilben vorgeschritten sei (Abb. V, 193 — 201); denn in 28, 49 — 52 z. B. können sehen : apehm zweisilbig klingend (vgl. 28, 37 — 40) oder sweisilbig stumpf sein (vgl. 28, 21 — 24, 101 — 104). Dreihebige Verse mit vierhebigen bindet er auch hier nicht, und die wenigen Ausnahmen sind ent- weder als Fehler der Schreiber zu emendieren oder als Versehen des Dichters zu betrachten; ich werde sie in den Anmerkungen berücksichtigen. Dass Hugo auch in seinen epischen Reden zwischen einem strengeren und freieren Metrum unterscheidet, wie sich hier her- ausstellt, ist noch besonders hervorzuheben; denn darin trifft er niit andern Dichtern zusammen: Lichtenstein z. B. erlaubt sich im FB. Freiheiten, welche er im FD. nicht zulässt, ebenso Heinrich von Neustadt in GZ. mehr als im Ap., und Sachsenheim meidet in der Moerin den dreihebigen stumpfen Vers, welchen er im Spie- gel, Tempel etc. ohne Rückhalt gebraucht. Mehr als Abnormalitäten anzusehen sind die T^^ , in welchen der vierte Vers verkürzt ist [aber dann immer nur auf so viel ccLn Hebungen, als der oorrespondierende zeigt, s. 18, 81» 121, 229, 273), — und die Tl , in denen umgekehrt der vierte Vers 6 He- bungen hat (15, 141; 26, 25; 30, 76; 31, 180; 32, 64; 36, 25). Verse der letzteren Art begegnen auch in Strophen, welche von einzelnen Hss. Hadamar zugeschrieben werden (s. bei Stejskal p. 144 ff.), ebenso in Püterichs Ehrenbrief; sie erinnern lebhaft an den Grundsatz, welchen Hesler 1448 ausgesprochen hat: swd der sin was sS gelegen^ daz ich rächt mochte üz hrengen^ ich enmüste den rim (= den Vers) Ungen^ s6 was bezzer gesprochen lerne rim^ da/n sin zubrochen (Germ. I, 196). Ganz verwildert sind die Verse von Ti in 28, 712; 38, 160, 168. Die von Hugo gebrauchten, soeben in ihrer Entstehung nach- gewiesenen Titurelstrophen sind, das ist evident, keine Verrohung, sondern eine beabsichtigte Umbildung der ursprünglichen; in der Hand eines geschickten Dichters konnten sie bedeutende poetische Wirkung erzielen. Das legt die Frage vor, ob sie Hugo zuzu- schreiben sind, oder ob er sie bei einem anderen Vorgänger be- reits so vorgefunden habe. Das erstere scheint nicht viel Wahr- scheinlichkeit zu haben; denn wer will diesem reimverlegenen Manne zumuten, dass er die sechs Reime der alten Titnrelstrophe um zwei vermehrte? Aber auch das letztere ist nicht nachzuweisen; doch darf man nicht vergessen, welch grosser Teil von den Pro- ducten jener Zeit uns noch unbekannt sein wird, ja selbst die eine oder andere der vielen Bearbeitungen des j. l'it. konnte in dieser Weise umgestaltet gewesen sein. Die Frage bleibt also leider offen stehen, und ich kann nur darauf hindeuten, dass in den Volks- liedern nicht selten Strophen begegnen, welche mit Hugo*s Titurel- strophen übereinstimmen: Ambr. LB. 120, 17 des brvnnens des trinck ich nÜ er hdt mich 6fft betrögen: was m/r mein feines lieb hat Z'dgesdgt^ ist ganz und gdr erlögen, Ambr. LB. 106, 21 er zwingt mich diso sdhr mit seiner gut^ dartimb so wü ich trdgen diesn sömerldng ein friy gemuty ein kr^ufzlein grüne. Die erste Strophe könnte T' , die zweite TU sein. Eine directe Gewähr, dass darin der Einfluss der Titunlstr. zu erkennen sei, liegt nhht vor; aber möglich ist es, darum habe ich darauf hingewiesen. VL POETIK. Es war anfänglich meine Absicht, auch die Poetik Hngo*s and seiner Zeitgenossen ausführlich zu behandeln. Allein das Material ist sehr ausgedehnt, und ich will endlich auch einmal zu Ende kommen, muss mich also hier mit einer Skizze begnügen, zu der noch zu vergleichen ist, was ich in Abh. II, 80 — 100 über Hugo*s Darstellungsweise vom Gesichtspunkte seiner Persönlichkeit aus gesagt habe. Hugo selbst teilt, wie wir bereits gehört, seine Dichtungen ein in Reden, Briefe und Lieder (31, 165 — 176). Reden, rede als Kunstausdruck begegnet schon frühe (s. Wa- ckernagel, LG.'^ 183) und bezeichnet Gedichte erzählenden oder didaktischen Inhaltes, meist in Reimprosa abgefasst, welche ge- lese^n und gesagt, gegenüber den Liedern, welche gesungen wurden. Jedes epische Gedicht konnte in seinen Teilen oder als ganzes eine Rede genannt werden. Diese Auffassung lebt auch in Hugo's Zeit fort; zugleich aber erhielt das Wort noch einen enge- ren Begriff zur Bezeichnung einer bestimmten Gedichtgattung, welche jetzt neben den Liedern ebenso allgemein war wie im Mhd. die Spruchdichtung, mit der sie historischen Zusammenhang besitzt, was ich nachzuweisen versuchen will. Die Sprüche standen in der Mitte zwischen reiner Lyrik und Epik, im Uebergange von der Arie in das Recitativ. Sie bewegten sich auf ethischem und politischem Boden: ergiengen sich in Be- trachtungen, erteilten Lehren und Ermahnungen, schilderten Ge- genstände, behandelten die Lebensverhältnisse des Dichters, der Gesellschaft, des Staates und der Kirche. ' Dieselbe Domaine be- herrschten auch die Reden, nur hat das didaktische und epische Element noch grössere Breite gewonnen, wodurch die Erzählungs- und Redeform noch stärker hervortritt. Die Reden sind länger, detailreicher, tatsächlicher geworden als die Sprüche, indem sie die CCLIV Erzählangen, die früher kaum angedeutet und oft nur durch eine Anspielung hereingezogen wurden, breit ausführen, häufig mit Ein- leitung und Schluss versehen, mit Handlungen und detaillierten Na- turschilderungen durchweben und in verschiedene Einkleidungen, besonders allegorische, einhüllen^). Der Form nach unterschieden sich die Sprüche von den Lie- dern zunächst durch kunstloseren Bau : hier hörte zuerst die Drei- teiligkeit auf; schon Waither baute mehr als die Hälfte seiner Sprüche ohne dieselbe, ja einige in blossen Reimpaaren, der alten Form der Erzählung^); sodann bestanden die Sprüche hauptsächlich nur aus einer Strophe. Aber dieses letztere Merkmal begann man bereits am Ende des 13. und Beginn desl 14. Jahrhunderts &llen zu lassen; schon Frauenlob und seine Nachfolger hatten j Sprüche von 3, 5 und mehr Strophen; die zunehmende Red- seligkeit legte sich in diesem Punkte fernerhin keine Beschränkung mehr auf. Somit sind wir auch in formeller Hinsicht durch die Sprüche zu den Reden hinabgeführt worden. Aber auch im Namen selbst liegt der Zusammenhang zwischen beiden, die qualitative Gleichheit und die quantitative Verschieden- heit ausgedrückt: Spruch — Rede. So lange der Spruch eiu- strophig war, genügte ihm sein Name, der zu eng und zur «Rede* wurde mit der wachsenden Zahl der Strophen. Wenn also die Dichter am Ende des 14. Jhds., wenn Teich- ner, Suchenwirt, Hugo und andere Zeitgenossen neben den Liedern an Stelle der früheren Sprüche nur „Reden* haben und hervor- heben, darf man dann sagen, dass die Dichtungsgattung der Sprüche zu Grunde gegangen sei ? Haben diese nicht vielmehr nur dem all- gemeinen Charakter der spätem Dichtung gemäss ihre Gestalt ver- ändert und sich in Reden verebbet? Es ist daher sehr bezeichnend, wenn auch jetzt noch für die veränderte Gestalt der alten Gattung vereinzelt der alte Name neben dem neuen auftaucht: so nennt z. B. Rosenblüt didaktisch-erzählende Gedichte derselben Art bald Reden bald Sprüche. Diese Dichtungsgattung war im 14. und 15. Jhd. sehr beliebt^ denn sie passte mit ihrer einfachen leicht bezwingbaren Form, in ^j Meist ist es ein Abenteuer auf einem einsamen Gange, ein Zasammen- treffen, ein Gespräch mit allegorischen Personen (Nr. 28, 29), dann aber auch ein Traum, eine Vision (Nr. 25, 31) u. dgl. *) In L. 8, 4; 8, 28; 9, 16 ist nur die letzte Zeile verdoppelt. CCLV der sich alles unterbringen Hess, zu den schwächlichen Dichtem dieser Periode. Von Hugo's Producten gehört der grössere Teil, von Suchenwirt das meiste, was er gedichtet, von Teichner alles dahin. Der metrischen Form nach zerfallen Hugo*s Reden in solche mit Reimpaaren (Nr. 1, 2, 4, 5, 25), in solche mit vierzeiligen (Nr. 15, 16, 17, 18, 20, 24 etc.) und in solche mit noch mehr- zeiligen, aber nicht dreiteiligen Strophen (Nr. 14 und 21). üeber diese Formen im besonderen wurde schon Abh. V, 247 flf. gehan- delt. — Dem Inhalte und ihrer Tendenz nach lassen sich die Re- den einteilen in geistliche und weltliche; freilich greifen beide Gattungen vielfach in einander, so dass die Entscheidung oft zweifel- haft ist. Zu den ersteren rechne ich Nr. 4, 14, 15, 24, 25, 26, 27, 30, 32, 33, die übrigen zu den weltlichen, von welchen Nr. 2 und der erste Teil von Nr. 5 noch besonders hervorzuheben sind ; denn sie gehören zu der Memoirendichtung, den Anfangen der Autobio- graphien, welche in der französischen Dichtung besonders von den Troubadours, in der deutschen von Lichtenstein und nach Hugo von Oswald v. Wolkenstein und Michael Beheim gepflegt wurden. Briefe. Vergleiche darüber Wackernagel LG.^ 346, 352, 375. Es gibt zwei Arten: didaktische und Minnebriefe. Hugo pflegte nur die letzteren, welche mit den absterbenden Minneliedern in Verbindung stehen und besonders seit dem 14. Jhd. häufiger wur- den. Während nämlich in dieser Zeit die Sangesfähigkeit und damit auch die Sangesfreude sank, nahm die Schreibübung und Schreiblust in demselben Masse zu. Statt der Geliebten ein Lied zu singen, zog man es vor, ihr einen Brief zu schreiben. Hugo selbst gibt ein merkwürdiges Beispiel in 3, 5 ff., wo er zur Geliebten sagt: und künde sich din guete ua hluogen silme^ richten^ ich weit nach mim gemuete diner trüw ein minneliedli tichten; so aber lässt er es bei einem Briefe bewenden, der in Nr. 3 tatsächlich vorhanden ist. Es versteht sich nun von selbst, dass solche Briefe einen grossen Teil ihres Inhaltes mit den Liedern teilen und gleich- falls der Minnepoesie angehören: hier finden sich neben sonstigen Betrachtungen noch die alten Liebesfreuden und Liebesklagen, noch viele , Blumen des Minneliedes *, wie ühland (Sehr. V, 268) sich ausgedrückt hat, so dass sie als Nachwirkung des verhallenden Minnesanges zu betrachten sind. Hug'os Briefe sind 3, 19, 23, 34, 35, 36, sämmtliche in vierzeiligen Strophen, vgl. Abh. V, CCLVI 248 ff. Die Briefform besitzen ansserdem noch Nr. 20 and 26. Das erstere Gedicht ist geradezu ein Antwortschreiben auf einen Brief seiner Frau (41, 42), das letztere hat mehr moralisierenden Gha* rakter nnd mit den eigentlichen Briefen nur den Eingang gemein. Dass aber beide vom Dichter zu den Reden gezählt worden, lehrt seine eigene Einteilung der Gedichte (31, 165 — 176). Lieder. Sie zerfallen in Tanzlieder (Nr. 6, 7, 8, 9), in morali- sierende -(Nr. 13, 22, 29) und Taglieder (Nr. 8, 10, 11, 12, 37). Die erstem teilf'n noch den Gegenstand und die mehrteilige Strophenform (V, 244 f.) mit dem alten Minneliede. Der Dichter wirbt um die Gunst der Geliebten, preist seine Dienstleistung, Liebe und Treue, beschwört sie um Gegenliebe und Begünstigung. Nur ein starker Zug zum realistischen gegenüber dem früheren überspannten Idealismus tritt hervor und deutet dt'n üebergang zur Volks- poesie an. Dagegen sind die moralisierenden Lieder ganz das Produot dieser neuen lehrhaften Zeit. Nr. 1.^ gemahnt an den geistlichen Kirchengesang (Wackernagel LG.^ •'^^2), aber nur in den beiden ersten Strophen; die dritte verliert sich in Polemik, und was sie noch mit den Liedern verbindet,' ist rfnr die liedmässige Strophen- form. In Nr. 22 nnd 29 geht auch diese verloren ; denn die dort componierten vierzeilia;en Strophen (V, 246) verwendet Hugo auch für rein epische Didaxis, so dass, wenn uns nicht die Noten die Intention des Dichters anzeigten, wir beide Producte unbedenklich zu den Reden zählen würden, ja das letztere noch zu einer be- stimmten Gattung dieser Art, zum Streitgedichte oder der Tenzone*), in welcher man eine Vorstufe des Drama's zu erblicken geneigt ist. Der Dichter stellt sich nämlich der objectiv erfassten Personification „Frau Welt* gegenüber, die er in wechselnder Rede bekämpft. Dass er schliesslich die Welt besiegt, der Streit also Fortschritt und Abschluss gewinnt, verstärkt das dramatische Ele- ment in diesem Gedichte. Taglied. Bei Hugo sind beide Gattungen des Tagliedes {tagwtse^ wie er es selbst nennt) vertreten: die weltlichen in Nr. 8 nnd 37, die geistlichen in Nr. 10, 11 und 12. Nr. 8 entbehrt jedes dramatischen Elementes, welches beson- ^) Vgl. aach die erste Hälfte von Nr. 31, dann Teichners ^daz got m cdUn saehen si^ und Sachenwirts y,von der Liebin und d^ Sehonin^. CGLVn ders darch die Zwiegespräche zwischen den Liebenden und dem Wächter oder der Liebenden unter einander in diese Gattung kam und seit dem 13. Jhd. selten fehlte; vgl. Bartsch, über die ro- manischen und deutschen Tagelieder (Album des liter. Yer. in Nürnberg 1865) p. 25. Es ist rein episch, in Form eines Selbst- gespräches erzählend, also ganz zu dem alten volksmässigen Tone zurückgekommen, der in den ersten Liedern dieser Gattung zu vernehmen ist: in ähnlicher Weise wie etwa Guiraut Requier in seiner .Serena* (bei Bartsch p. 14) sehnt sich der Dichter nach der Ankunft des Abends, wo ihn die Geliebte empfängt. Keine Andeutung von Wechselreden oder andern Geschehnissen: Hugo fixiert nur die beiden poetischen Endpunkte der Liebesnacht, die Ankunft am Abend, wo sie ihn erfreut, den Abschied am Morgen, wenn das Avemariaglöcklein läutet, das Wächterhom ertönt und die Morgensterne sich erheben; daneben streut er nur noch die Andeutung ein, dass alles züchtig zugegangen sei« Der Wächter wird mit keinem Worte erwähnt, man hört ihn sein Hörn blasen, wie den Messner seine Glocke läuten: nichts um damit die beiden Liebenden zu warnen, sondern nur, weil das seines Amtes ist. Und darin zeigt sich wieder Hugo*s Naturwabrheit, der reale Zug seiner Dichtung; denn der Wächter war in den meisten Fällen sicher mar blosse poetische Fiction, die nicht einmal viel innere Wahrscheio- liebkeit hatte, was schon Dichter wie Steinmar und Lichtenstein erkannten (s. Bartsch 41). Da offenbart sich neuerdings Huga*8 Verwandtschaft mit der volksmässigen Dichtung*). Auch dadurch weist Hugo auf die älteste Gestalt dieses Genre'a zurück, dass er in die letzte Zeile des Liedes das Wort ,,tag^ (provenzalisch alba, Bartsch p. 3) einflicht, wodurch der Charft&ter des Gedichtes als Taglied auch noch formell scharf hervorgehoben wird; Man könnte das in Nr. 8 vielleicht für Zufall haltenv wenn nicht auch das andere weltliche und das erste und zweite geist* liehe Taglied tag oder tagt in der letzten Zeile hätten. ^) Im eigPDtlichen Tolksmässigeo Tagliede kommt def Wächter nicht yor. Natürlich: denn was sollte der Wächter auf dem Giebel des bürgerlichen oder bäuerlichen Hauses ; er müsste denn seine Rolle an den Nachtwächter abgeben. Wenn er gleichwohl ab und zu begegnet, so erblicken wir darin ein Element, -«reiches stä der Runst^ehtung fü die Yolks^oesie gekommeifi ist, -Wie ja solcl^e Einflüfsse auch sonst nachzuweiseii sind und nacbzuireisen sein irerdfltt, äo lange die einzelnen Stände nicht streng abgekastet sind. Wackerneil, Hontfort. 17 ccLvm In Nr. 37 ist zwar der Wächter vorhanden, aber nur zur Staffage, zur Anrede des Dichters; er selbst spricht nicht und han- delt nicht. Das Product ist sch^rächer als Nr. 8, ist weder Fisch noch Fleisch, ein todtgeborenes Kind, dem die erste Lebensbedin- gung fehlt: es ist nicht an Hugo*s Greliebte, sondern an seine Frau gerichtet Damit entfällt gerade das, was in dieser Gattung fesselte und dichterisches Interesse beanspruchte: die sehnsüchtige Erwar- tung am Abende und besonders der Abschied am Morgen. Bei seiner Frau kann er bleiben oder gehen, das ist uns einerlei, ebenso auch, ob die beiden Eheleute vom Wächter oder Kammerdiener geweckt werden oder allein erwachen; nirgends ist hier mehr ein packender Punkt. Das hat Hugo wohl selbst gefühlt und daher das leere Gedicht durch das Lob seiner Frau und dann der Weiber überhaupt, welche bei Tag und Nacht der Männer Leid vertreiben und Mut erhöhen, auszufüllen gesucht; dazwischen mischt er die Klagen, dass ihm das Dichten, besonders das weltliche, nicht mehr von Statten gehe, ferner die Bitten an Gott um sein eigenes und seiner Frau Wohlergehen und andere Lappen, welche er von seinen früheren Gedichten undique decerpit. Nr. 11, 10, 12 (nach der chfohdlogischen Ordnung, s, Abh. in, 135) sind geistliche Taglibder. Bei Hugo kann man sehen, wie die geistlichen Taglieder mit den weltlichen im Zusammenhange ste- hen. Nr. 11, das nach dem weltlichen Nr. 8 enstanden ist, nimmt eine Mittelstellung ein; der Wächter erscheint in zweifacher Gestalt: er ist noch der Schützer der Liebesnächte, hat noch die Aufgabe, beim Morgengrauen die seligen vnb zu wecken, damit sie vor böser klaff er zunge bewahrt bleiben; daneben ist er aber auch schon der Warner, der den Dichter von seinem weltlichen Tun und Dich- ten abzuhalten sucht Der Hauptnachdruck liegt hier noch auf dem Preis der Frauen, und was das Product mit den geistlichen Liedern dieser Gattung verbindet, ist nur die Allgemeinheit der Situation und der Eingangs angeschlagene moralisierende Ton. Erst die zwei folgenden Taglieder sind ganz geistlichen Cha- rakters. Der Wächter wird eine rein allegorische Figur, ist der Gewissensrat, der personificierte Schutzengel, der nicht Frauen weckt, sondern den Dichter aus seiner weltlichen Gesinnung, damit er einen gottgefälligeren Lebenswandel beginne, wozu es höchste Zeit sei. Auch Tag und Nacht sind symbolisch gedeutet für des Men- schen Leben und Sterben. Von den Frauen ist gar keine Rede OCLJX mehr, nur von Bekehrung, von Welt und Ewigkeit, von Gtottes Grösse, Strenge und Güte. Sehr hezeichnend schliesst Nr. 12 mit einem Gebete: das Taglied ist zum Taggebete geworden. Vereinzelte losgebröckelte Elemente des Tagliedes sind auch m die übrigen Reden eingedrungen; so beginnt Nr. 24 mit dem Anruf an den Wächter, und der Eingang von Nr. 15 gleicht ganz dem eines geistlichen Tagliedes. Das waren Hugo*s Dichtungsgattungen. Man wird erkannt haben, wie sie vielfach in einander fliessen und oft nur mehr durch rein äussere mechanische Merkmale unterscheidbar sind. Das ist charakteristisch für ihn wie für seine ganze Zeit; denn das erste Exiterium RLr den Eunstgeschmack bietet immer die Behandlung/ der Form, der Form im höheren Sinne, welche ihrer Natur nach! abhängig ist vom Stoffe und Gehalte der Dichtung, aus dem sie hervorwachsen soll, wie die Gestalt der Pflanzen aus ihrem Reime und ihren innern Lebenstrieben. Wo sie in Reinheit erscheint, verkündet sie Blüte, wo sie zerfällt, dass der Poesie das Leben entschwindet. Die guten mhd. Dichter haben streng zwischen lyrischen und epischen Stoffen unterschieden, haben ans dem epischen Yolksge- sang des 12. Jhds. Tfie aus einem zweilappigen Keimansatze die reine höfische Lyrik und Epik hervorgebildet. Aber der Dichter, denen dieses gelang, sind nicht viele, und noch vor der ersten Hälfte des 13. Jhds. macht sich bei Dichter und Publikum wieder ein verderbter Geschmack geltend, beginnen die beiden Dichtungs- arten neuerdings in einander zu greifen. Zuerst wurde das natür- lich in der Lyrik bemerkbar, welche man zum Epischen kehrte. Schon Marner klagt, dass man statt seiner Lieder lieber nach Er- zählungen greife (XV, 14 — 16; Strai^ch p. 34), während bereits die s. g. höfische Dorfpoesie in grösserem Massstabe den epischen Ton in die Lyrik mischte. Der grösste Teil des Uebels aber kam von der über alle Dichtungsgattungen, auch über die Lyrik mehr und mehr hereindringenden Didaxis, welche ihrem Ursprünge' und Wesen nach der Epik näher steht als der Lyrik, in so fern als sie die Wahrheiten und Lehren wie objective Tatsachen erfasst, darstellt und andern mitteilt. Wie deutlich zeigt sich ihr verderblicher Einfluss z. B. in Hugo's Gedicht Nr. 13, wo er vom echt lyrisch empfundenen zum bloss gedachten , zur Lehr- OGLX hafti^eit übergeht und sich ia der letzten Strophe in eine ge- khrt« Polemik verirrt, welche in einer epischen Rede mehr am Platze wäre als in diesem Uede. Aach Nr. 22 will der Dichter als Lied betrachtet wissen, obgleich nichts daran lyrisch« vielmehr das ganze didaktisch gelehrt und seinem Gehalte nach ebenso eine Bede ist wie Nr. 14 oder 26, zn denen es ein Seitenstück bildet Nicht geringer ist die Greschmacksverirrung in Nr. 29, wie wir gesehen haben. Diese Prodncte beweisen also, wie sehr ihm die künstlerische Harmonie zwischen Inhalt und Form abhanden ge- kommen ist. Wie bei Hugo so ist es anch bei den meisten andern Zeit- genossen nnd Nachfolgern: sie vermischen in ihren Liedern allge- maoh die lyrischen, wirklich sangbaren Teile mit grössern Stücken von lehrhaftem, rednerischem nnd erzählendem Inhalte, nnd wir begreifen nnn, wie es dem jämmerlichen Beheim einfallen konnte zn seinem Bache von den Wienern eine Melodie zn machen, da- mit man e$ lesen taag als einen sprach oder singen als ein lietl Nach dem gesagten überrascht es auch nicht mehr, wenn wir umgekehrt die Reden stark mit lyrischen Elementen versetzt fin- den, Nr. 1 ist eines der snbjectivsten nnd liedmässigsten Gedichte Hagor*8, und nnr die erzählende Form der Reimpaare beweist, dass er das nicht erkannt und es zu den Reden gerechnet hat. Ebenso ist Nr. 16, wo die Beschreibungen meist die eigene Ergriffenheit, die Bewegung des Innern, des Dichters Empfindungen und Ge- danken, die er für sich aasspricht, reflectieren, viel mehr lyrisch und stimmungsvoll als die componierte Predigt in Nr. 22 oder der singbare Kampf gegen die Frau Welt (Nr. 29) in der gleichen metrischen Form. Dasselbe gilt für Nr. 21 n. a. — So werden di» 9 Reden'' ein Gemisch von lyrischen, dialogischen, erzählenden nad lehrhaften Bestandteilen, und nichts ist hinwiederum bezeich- nender fiir den poetischen Standpunkt dieser Zeit, als dass gerade diese Gattang, welche zwischen reiner Lyrik und Epik gestaltlos ift der Mitte liegt, am meisten gepflegt wurde. rafer ^ntf ort^ t , Graf TO Hedwig. t circa 12 fin Ton Li Guta. Ägn e % / GEDICHTE. I. A. .n dich gedenkhen hat erkikht ; Fol. 1 das leben inia uss aller pin, trut keiserin! 5 min muot, min sin uff endes zil dient^dir sicherlichen. wisz och, das mich daz hertze wist und sich tegelichen flist 10 mitt gantzem muot der sinne min, das ich durch keiner slachte pin vergesse miner trüwen. es tuot mich niemer rüwen gantze trüw an argen wan, 15 wan ich nie lieber lieb gewan. das züg ich an den werden gott, . * dses ich doch tuon nach sim gebott, hän ich dich lieb für alljdis weit. frow, des gib mir widergelt, 20 das ich für war werd innen widergelts mit lieben sinnen, mitt trüwen und mit eren. wizz, das sich sicher meren min steti tuot von tag ze tag. 25 frow, du bist min bluejender hag, entsprossen in mim hertzen. du kanst mir wenden smertzen für alles, das ich ie gesach. zartes bild, ein obetaoh 30 suoch du dir nach lere. frow, huet diner ere, Zeile 2, 3, 4 u. 6, 7 hat die Hs. zusammengeschrieben. 4 kayserin. 5 mut. 8 auch, dz hertze. 9 teglichen fleist. 11 kainer. 12 meiner trewen. 13 rewen. 14 Gantz trew. 19 Fraw. 20 Innen. 22 fcrewen. 24 stetikait von. 25 Fraw. blüyender. 26 minem. 28 ye. 29 ain. 30 Such. 1er. 31 Fraw. eer. \ ^ — 4 — bis stet an alles wenken. du solt daran gedenken, das er nieman vergelten mag: . 35 wer alles, das der helle tag überschinet, sicherlich, es wer doch unmügelich, # das sie mit vergolten wer. zartü frow so tagentber, 40 du volg miner lere ; sicherlich frow Ere die muosz dich überkrönen. für alles vogeldönen, Fol. 1^ gich ich din lieplich sinne. 45 min höchste künneginne weltlich uf diser erden, min hertz daz muest verderben, hett ich nit din guete. vor ungelükh behuete 50 gott dich durch sin trinitat! sin kraft doch niemer ende hat und ist och gar almechtig. min hertz das ist fürtrechtig nach diner suessen minne: 55 in diner guet ich brinne mit ernest und mit stetem muot. Zwar ich gesach doch nie kein guot, darumb ich missetete; ob michs all die weit dann bete, , 60 das wer mir gliches als ein wind. min glük, min heil, min seiden kind, du bist ze tröst erkoren mir. das sag ich sicherlichen dir, das du mir bist, das nieman weisz: 65 das firmament, der zirkelkreisz 37 mugiich. 38 sy nit yergolten. 39 tugentbär. 40 meiner 1er. 41 fraw eer. 44 Gich (?). dein. sinn. 45 Mein, küneginn. 46 auf. 47 Mein. 48 Dein. 50 sein. 52 auch, 54 deiner, minn. 55 deiner, hrinn. 56 ernst. 57 kain. 58 missetet. 59 bet. 60 glaichs. ain. 61 mein alJe drei mal. hail. 62 erkorn. ^4 waisz. 65 zirkelkraisz. — 5 — der bat dich umbeslossen. frow, bis unverdrossen gen gott des ersten morgens frao; dem sprich mit gantzer demaot zuo 70 und bitt in durch sin guete, das er dich wol behuete vor grossem misselingen. darnach so 1ä dich vinden gen der weit mit schimpfe'; 75 da suoch du fröd mit glimpfe, Zucht und bescheidenheit, so wirt din lob unmassen breit, du werdes wib, mins hertzen schrin, du rechte muotes kikerin 80 mins hertzen und minr sinne ! frov Er, die rechte minne hat mich usz dir geschossen, min hertz das ist verslossen mit trüwen und mit stetikeit, 85 zarte frow, bin ich bereit, wilt du mich icht versuochen, ald wes du wilt geruochen gen mir, das tuon ich willeklich. du macht och wol versuochen mich, 90 wie dikh du wilt, min höchster hört! II. w, er aventür wil hören, Fol. 2 und wil in nit betören, wie es mir in der jugent gie: ein selig wib mich umbe vie 5 mitt ir suessen minne. ich gedacht in minem sinne: 70 sein. 74 schimpf. 75 gelimpf. 76 beschaydenhait. 77 brait. 78 weib. 79 mutes. 80 Meins. meinr simi. 81 Fraw eer. recht minn. 82 ausz. 83 Mein. 84 trewen. stetikait. 85 fraw. berait. 87 wes wilt du. 89 auch. 90 mein. 4. Ain. weib. umb yie. 5 mimi. 6 meinem sinn. - 6 - dafür weit ich nit keiser sin! nu was das liebe frowelin geschikt als es von rechte sold. 10 ir lieb nem ich für alles gold, ir angesicht, min sannen sch!n, als edel gestein von Arabin das möcht ir nit geliehen. ir Wandel tett mich riehen, 15 den si wiplich an ir traog: weidenlich hübsch unde kluog pflag si mit gnoten sitten, untrüwen gar vermitten in irs hertzen stammen. 20 si schozz mit füres flammen in mines hertzen klusen. gen Senenberg behusen ward ich do ze stunden trürig gentzlich fanden 25 and in grossen sorgen da: Amor vincit omnia, vieng mich mit gantzer kreft. ich wen, das ritterscheft an wer als gar nie niderlag. 30 ich gedächt: kem mir der seiden tag, das ich könd erwerben vor mines todes sterben der fröwea huld, ir guete, so wer mir ungemaete 35 zergangen als der sne, mir tet kein trüren we. darnach begond ich sinnen, mocht ich sie bringen innen, wie es mir an mim hertzen lit. 40 ich kam zuo einer seligen zit gegangen zao der frowen; ich wolt da gerne schowen, 7 kaiser. 8 lieb. • 9 recht. 1 2 gestain. arabin. 1 5 weiplich. Ir. 16 Waidenlich. und. 17 sy. 18 Vntrewen. 22 senenberg. 24 Trawrig. 25 und fehlt. 28 wen. 36 kain trawren. 38 sjr, 39 meim, leit. 40 kern, ainer. zeit. 42 gem. — 7 — • wie mir min red gelükhen weit. ich gedächt: ir guct ist ungezelt, 45 si vervächt mirs tugentlich. ich sprach: »fröwe gnadenrich, vernemet mich, was ich ü sag. Fol. 2^ es ist mer dann jär und tag, zwang mich üwer guete. 50 ir kunnent mir ungrauete mindern und och raeren; darnach wolt ich mich keren, das ich in üwerm dienst weit sin, so kern ich gar us grosser pin.* 55 si sprach: »zuo minem gott! es dunket mich ein spott die red, die ich davor mir hän ghört. dik wib und man wirt betört mitt Worten, da man der werch nicht phligt. 60 wie gar man es so ringe wigt, damit die weit nu umbe gat: liegen, triegen fruo und spät, das heissent si geschibikeit. phuch der von adel wäppen treit! 65 ir sult üch sin iemer schammen, wann es tuot an gewissen lammen*. ich sprach: »fröw, des tuon ich nicht*! erschrokhen was min zuoversicht, daz macht an mir der ernest grösz: 70 die röt mir under die ögen schosz, das macht des bluotes hitz. ich kond noch das noch ditz und stiesz och an den Worten min. damit erkant die frowe so vin 75 den ernest, der mir nahe was. si sprach: „gesell, ich merkh wol, das 45 Sy. 46 fro gnadenreich. 47 Vernempt. ew. 49 ewer. 50 vngemüte. 51 auch. 54 aus. 55 zu. 56 dunkt. ain. 57 gehört. 58 weib. betört. 59 werich. 60 ring. 61 umb gät. 63 hais- sent sy geschibikait. 64 trait. 65 lichs. yem'. 69 ernst. 72 doch das. 73 auch. 75 ernst. ~ 8 — du wilt zeim stummen werden. ich lass dich nit uf erden, du solt in minem dienst bestan, 80 wann ich dir d€s mit eren gan, , daruflP macht du wol büwen. ^ des lob ich dir mit truwen, und tuo mir das herwider. " hiemit da ward gevider 85 trüwe stet mit hohem muot: »werlich din lieb sich meren tuot als durch den barillen die gesicht. nu ist als min leid euwicht: frow, ir gend mir üwern segen, 90 wann ich wil rechter triiwen phlegen, was ich üch verheissen hän.* hin huob ich mich uf des strasses pan. darnach was es wol jar und tag, das ich nie rechter ruowe phlag 95 von rechtem senen hinder sich» zuo einem hof, was lobelich, kam ich geritten in das land, da ich die wolgemuoten vand und ritterschaft ein michel teil, 100 graven, frien, herren geil, die woltend tribeu ritterspil, Fol. 3 turnieren, stechen zuo dem zil. min muot was fri mit gediegen guot, als noch vil manig ritter tuot, 105 den hofnung nert und zuoversicht: susz wer die minn vil gar enwicht. in solicher mazz was ich och da. ich gedacht: wie macht du werden grä? in kurtzen jaren bschioht sin nicht; 110 wenn dich die minneklich an sieht, 77 zu ainem. 78 auf. 89 In. 80 gan. 81 darauff. buwen. 82 trewen. 85 Trew. 87 barillen tut. 88 laid. 89 Fraw. 1)1 euch verhaisscn. 92 auf. 93 was ich. 94 ruwe. 96 ainem. loblich. 97 In. 99 ain. tail. 100 fryen. gail. 103 fi:y. J07 auch, 109 Z>eschicht. — 9 — so bist du alles leides bar. hieuiit zoch man die rosse dar uad bereit, als es gewoalich ist, gar meisterlich nach meisters list: 115 die rozz gar wol gezieret, mit dekben durch florieret, daruf mang schilt gar rieh erschein von sechs varwen sunder ein (an zwo so mag nit wäppen sin). 120 dri varwe mach ich zwifalt schin von härm und von zobel unnen und och oben, in schiltes rant, in egg, in ort, kele dik darin gehört, 125 als es die visimente lert, gar meisterlich darin gekert. mang schilt gab von golde schin, Silber wisz was och darin. sölt ichs als blasinieren, 130 die Wappen also zieren, des were mir ze vil: der silmen zal, der stunden zil der mag ich nit gewalten, in minem sinn behalten; 135 darzuo gehört der Suochenwirt, der dik mit red als nahe schirt, man mocht es griffen mit der band. ' er ist in mangem laud erkand, das sag ich üch mit einem wort: 140 er ist der best, den ich ie ghort von gott und von den wappen. da tribt er keine gräppen, \ er vächtz mit gebluemten Worten an, des ich doch leider nit enkan! 111 laides bar. 113 berait. 114 maisterlich. maisters. 115 rozz. 117 darauf manig. erschain. 118 ain, 120 Drey yarw. 122 oben SDel. 124 kel. 125 uisunent. 126 maisterlich. 127 manig. 128 weisz. auch. 131 wer. 135 suchenwirt. 139ainem. 140 gehört. 142 kaine. 144 laider. — 10 - 111. G Ott gruezz diu lieben ögen, din mund und och din birn! ich stän sin äne lögen: du bist in minem hertzen ein senlich liebi dirn. Fol. 3^ 5 Und künde sich din guete US kluogen silmen richten, ich weit nach mim gemuete diner trüw ein minneliedli tichten. Din sehen gab mir ze stüre 10 in mines hertzen grund, din scharphen blikh gehüre band mir sinn und muot in rechter lieb enzunt. Ich wand, ich wolt nach diner minn verbrinnen. 15 du gist mir fröden riehen solt, din guetikeit sol des werden innen. Als lieb zergät mit leid weltlich uf diser erden (sprich ich uf minen eid), 20 es mag nit anders werden. Also bin ich nit gescheiden, des wil ich got getrüwen. nieman lazz mich dir leiden. ich wolt uf din stetikeit einn hohen turn büwen. 25 0 lieplich zart, du suesse, mins hertzen fröd und lust! zwei ephelli ich gruesse, gewachsen usz diner brüst. 2 auch. 4 In. ain. 5 gut. 7 meim gemüt. 8 trew ain. 9 stür. 11 gehür. 12 hand fehlt. 13 dritte und vierte Strophe zu- sammengeschrieben. 14 deiner. 15 geist. reichen. 16 guetikait. 17 laid. 18 auf. 10 auf meinen eid. 21 geschaiden. 22 ge- trawen. 23 Niemand. layden. 24 auf dein stetikait ainen. bawen. 25 süss. 26 Meins. - 27 Zway äphelli. griiss. 28 deiner. — 11 — Die sind gar wol gedran 30 und stand ital eben, gar wirdeklich und schön: in seiden muessist leben! Fürbas ich nit reden kan, als ich din gueti loben sol; 35 gott der mich geschaffen hat, der weisz min gedenken wol. Hab guoten muot, min lieber buol, bis fri vor allem truren, setz mich uf der fröden stuol: 40 uff mich so macht du muren. Was ich dir ie verheissen hän, das hast du also funden? glük gang dich mitteinander an, des wünsch ich dir ze stunden. 45 Du solt in dinem schriben mich furbas nit me nennen (an dir wil ich stet beliben): Geschrift und schriber kan ich wol kennen. Der schriber ist dins handeis 50 (gott geb im selig zit), eins züchtigen wandeis, sin-geberd gar eben lit. Wil er darzuo verswigen sin, so hat er gnäd von gott; 55 wann nachred bringet grosse pin und wirt eins selber ze spott. Ich weisz von im nit denn guot. Fol. 4 ich warnen in susz daran, daz er sich hab in rechter huot, . 60 wann ich im guotes gan. 29 gedrön. 34 als ich fehlt. 36 waisz. 38 fry. trawren. 39 auf. 41 ye v'haissen. 45 deinem schreiben. 46 nennen. 47 beleiben, 49 Schreiber, deins. 51 Ains. 56 ains. 57 waisz. — 12 — Eins tuo nit vergessen, daran gedenk ze aller stund, sunder mit sitten messen: nieman offen dines hertzen grund; 65 Es si dcb denn dim getrüwen buolen ald dinem bichtiger, > so beli^st dest bas in ruowen: von red kunt grosse swer. Du la dir nieman tichten, 70 scbrib us dins hertzen grund siechte wort mit trüwen richten, die tuond mich sicher gsund. Du fragist denn den schriber glich, das er dir gebi rät: 75 den gruesz mir tugentlioh, sin wis im wol anstat. Got dank dir dines trüwen rät, dabi ich wol bekenne, das din hertz ein senen hat, 80 das ich doch trüwe nenne. Mich dunkht din guet die hab nach mir ein liden. min hertz nach diner guete wuet, ze widergelte wil es dich nit miden. 85 Das macht din wiplich geber, die ist gar schon gemessen (es ist äne alls gever). 0 tuo min nit vergessen! 61 Ains. 64 deins. 65 sy dinem getrewn. 66 deinem. 70 Schreib aus deines. 72 tund. gesund. 73 schreib'. 76 Sein weis. 77 trewn. 78 daby. bekenn. 79 dein. ain. 80 trewe nenn. 82 ain. 83 Mein. 84 widergelt. 84 dein weiplich. 87 an alles. 88 mein. - 13 — IV. Ai .Her wisheit aoevang ist ze braefen an dem ussgang an mannen und an wiben. wer möcht in fröden bliben, 5 solt mans als bedenkhen, was sich tuot ze Sünden senkhen? Y gitikeit, du bitter hört! du stuftest mein, du stifftest mort und hast vil böser artikel: 10 der sei ein böser stikel bist du mit sneller il. ach giftig böser phtl in aller menschen hertzen! du bruefest jamersmertzen, 1 5 aller menschen verderben ; davon so kumpt ewig sterben, wer sich darinn lät vinden, in sölicher sach erblinden. ach herr gott, durch die guete din Fol. 4^ 20 (an sünd so mag ich hart gesin) hilf mir zuo einem guoten end: bicht, rüw und puoss mir send! an dich ward nie noch niemer wirt, als guot US diner gotheit pirt. 25 weren alle wasser timpten, darus geschriben mit worten grimpten ; der fürin himel papir fin, alles mergries subtil schin schriber, und schribent tusent jar; 30 als lob, gras vedren dar: nieman möcht es volschriben, die hoch, die tieflf durchtriben, die breit, die leng durohgründen. mit keiner slachte fünden 1 weishait. 2 aussgang. 3 weihen. 4 beleiben. 7 Yy geitikait. 8 main. 10 ain. 11 yl. 12 phlil. 14 Jamer smertzen. 19 herre. 21 zu aineni. 22 rew. puss. 24 aus. gothait. 25 eile. 26 Daraus. 29 tausent. 31 volschreibn. 32 durchDreibn. 33 brait. 34 kainer slacht. — 14 — 35 mag es nieinan gedenkhen. nieman sol sich darin senken : gott was ie und iemer ist, daz ist ze clär allr menschen list, nüt hat in unibvangen. 40 er hat es als umbgangen, davon heist er aluiechtig. an zwifel hat er den sig, des glöb ich och und blib dabi: ein slechter glob ist wandeis fri. 45 0 gott, waz hast da ze dankhen mir! sei, recht Vernunft hän ich von dir. hau ich dabi ie unrecht getan, da bist du gar unschuldig an: minn eigen willen hast mir geben, 50 damit so mag ich also leben, das ich tuon übel oder guot. nu bipr ich fleisch, bein und pluot, daz züht den elementen nach, zuo göttlichem dienst ist im nit gäch. 55 ich bekenn: ich bin ein arm man, an dich so mag ich nit bestan. und solt ich tusent jar leben, du muost mir hilf und rät geben, sol ich din huld erwerben, 60 susz muest ich gar verderben. was du mir gist, das gib ich dir: kein guotet tuon ich selb von mir. ach gott, durch dine trüwe gib minem hertzen rüwe 65 und hilf mir minem höbet, das es nit werd berobet sinn und och vernunst. gib mir gerechte kunst, damit ich clag min missetat, 37 je. 38 aller. 41 haist. 43 auch, belib daby. 44 Ain. glaub, fry. 45 wz. 47 daby ye. 49 aigen. 52 flaisch bain. 53 zühet. 55 ain arm. 58 must. 61 geist. 62 Kain. 63 deine trew. 64 meinem, rew. 66 beraubet. 67 auch. — 15 — 70 die miQ üb begangen hat. mich rüwet äne allen spott, wa ich der zehen gebott ie keins häU' gebrochen: 0 gott, lazz angerochen! 75 genad tuo gen mir schiben, Fol. 5 wä ich die gaben siben, des heiligen geistes tugent in alter oder in jugent nitt hän gehalten. 80 des tuot nan rawe walten, und ist mir och von hertzen leid, wa ich die acht selikeid in wird und in er nicht ghabt hän und daruf gantz min flizz getan. 85 all sünd, und wa ie sünd von kan, wa ich der dehein begangen han, Starkher gott, das rüwet mich; din erbeuned an mich sich und la mir die ze statten komen, 90 wan ich han in der gsohrift vernomen, das du Moyses mit sim her zwölf strasze machtest durch das mer: nu hilf mir uss der sünd^n ruot. ich man dich an dtn tugent guot, 95 die da geschach, da du wer kind vor esel und gehomem rind, die muoter din gar guetlioh phlag: der menschheit erschein der seiden tag, din demuot gross, als Lucas sagt 100 si was din muoter und doch ein magt an alle meil, daz glob ich wol. got vatter, ich dich loben soll; 70 leib. 71 an. 73Tekain8. 77 hailigengaistes. 7aiii. 80 rew. 81 auch, von fehlt, laid. 82 selikaid. 83 grehabt. 84 darauf, mein fleizz. 85 ye. 86 dehain. 88 erbermd 91 iDoyttes. steinem. 92 strasz. 93 auss. 95 wert. 97 dein. 98 mensohhait ersohain. 09 Dein, lucas. 100 Sv. ain. 101 all mail. 102 Ich. — 16 — TOD diner gnad han ich den sii\ (lib und guot muoss als dahin). 105 wer mich daran wolt wenden und mich an dem glouben phenden: ich glob gar starkh, da bhalt mich bi; all dine wort sind wandeis tri. eins ich in grossen sorgen bin: 110 glob an werch ist halber sin, damit so mag ich nit bestän, ich muoss ie werch ze dem globen han. daz weiss ich wol: got hab min gwalt; ich wirb also, ich sterb jung od alt, 115 daz macht min eigen wille. gott, mich vor sünden stille: ich man dich an din trinitat, din marter uns erlöset hat. wie war daz nieman kan, 120 kein widered doch gen dir hän vor gericht am jüngsten tag. dem ist also, das ich üch sag: all profetien werdent kunt gar snell getan allr menschen munt, 125 die vor vil tusent jaren sind bschehen. all weit muosz in der warheit jehen, daz es dann als geschehen ist. da hilfet weder kunst noch list: wer sich vor nit gefilrdert hat, Fol. 5^ 130 pett und almuosen ist denn ze spät, und hilft och nümer recht tuon; das unrecht hat weder frid noch suon, ungelob der muosz sich smügen. zwölf potten sind gezügen 135 in all die weit — si lieb od leit — da händ sie ie die warheit gseit. 103 deiner. 1 04 Leib. 107 glaub, behalt, by. 108 Alle deine, fry. 109 Ains. 110 Glaub. 112 ye. zu. 113 Dz waiss. gewalt. 114 oder. 115 aigen. wiU. 116 still. 120 Kain. 124 all'. 125 be- sohehn. 126 musz. warhait. 128 hilfelt. 131 hilfet auch nüma. 134 gezeugn. 135 sy. oder lait. 136 sy ye. warhait gesait. — 17 — nach gotz gcibott, als ich yernam', der heilig geist do zuo in kam und maohtz als gar durchlüchtig : 140 Ar hertz daz ward inbrünstig in göttlicher lieb und minn; kein arger gedankh noch sinn mocht si nit me berueten. daz recht daz woltentz fueren 145 ^ar willeklich und unverdrossen, des händ si ir plaot vergossen hie und da in mengem land. gezügen werdentz da zehand; eines wirt^ein urbhünd: 150 iedes mensch des andern sünd bekent und sine missetät, als die es selb begangen hat. da sehent wis und tören, das nieman wirt verloren, 155 denn mit dem rechten und nmb sin schuld. wer nu hat des schöphers huld, der ist geseliget ewenklich: zelön wirt im das himelrich. nu sitzt der herr gar unversmogen 160 glichs als uf eim regenbogen, und zuo denselben stünden zeigt er sin fünf wunden, die er umb uns gelitten hat. daz gericht ist snell und bschicht vil drat, 165 wann das unrecht stat blosz an wer. des sieht denn zuo als himmelsch her. nu spricht der mehtig küng behend (sin ie, sin iemer ist an end): «gänd her ir seldenrichen, 170 besitzent ewenklichen ' 138 hailig gaist.^-sm In. 140 Inbrünstig. 142 Kain. 143 sy. 145 und fehlt. 146 Der. sy. 148 Gezeugn. 149 Ains. ain. 150 Yedes. 151 sein. 158 Im. 160 Gleichs. auf aim. 161 zu. 162 Zaigt. sein. 164 Dz. beschicht. 166 zu." 168 ye. Wackemell, Montfort. ^2i — 18 — das riche, das üch ist bereit. die fröd hat keinen underscheit, wann ewigs leben an ende zuo miner zeswen hende.** 175 zuo der linggen siten stat ein schar, die sind vor schrikhen hellevar, vor grossem jämer unde not, das si der ewige tod mit irm willen hat gevangen; 180 des rauessent si cleglich prangen vor gottes angesicht (ir pett dti ist enwicht) und wünschent über sich, Fol. 6 berg si dekent glich, 185 und weltint noch mer pin hän, damit si werint des grichtes an; wan sie sehent wol und we und jamer in der sünden se. nu spricht der herr mit zorn: 190 »wolhin ir sind verlorn! üwer sünd tuot üch verfluochen: ir woltent nie gesuochen min rieh, und stuond doch offen, davon sind ir geloffen. 195 des varend hin behende in iemer we an iende!" V. Ich wenne, daz nieman nu si, im wen ein anvechtunge bi, das sich doch zühet wider got: unrecht tuon das ist ein spot 171 rieh, berait. 172 kainen vnderschait. 173 end. 174 Zu. hend. 175 zud\ ain. 177 und. 178 sy. ewig. 179 Irni. 180 und 184 sy. 186 sy. gerichtz. 187 Won. 188 In. 189 herre. 191 p:wer. euch. 193 reich. 195 behend. 196 yenier. end. 1 wenn.^ sy. 2 ain. anyechtung by. 4 ain. — 19 — 5 und nimpt nit guoten ende. in jugent fruo bebende zwang raicb ocb ein liden, das kund rain bertz verscbniden: das warent selig frowen, 10 die tett icb gernö scbowen, und darzuo liebe töcbterlin, die tätent minem hertzen pin, ein wil lieb, die andern leid. der Wechsel bett vil underscbeid. 15 so spracb man, icb weit toben. icb gedächt, ich muess ie loben mitt Worten, so ich peste kan. biemit hept sich du red an: ir bar bruef ich für siden, 20 ir guet ist bert ze miden, dabi ir liebe tinne geschikhet näc}i der minne in rechter breit und eben; darunder so bat geben 25 der element des luft, gemacht mit clärem guft, zwei ogen wol geschikhet, darinn ist mit verblikhet ein scharpfe gesiebt und guetlich 30 (das töcbterlin daz sieht lieplich}, und sind doch nit von füre. das git si mir ze stüre; des muosz ich üch verjehen : heisz macht mir ir sehen. 35 ir wengli wis8 nach berlen art, darinn ist sicher nichtz gespart: sangwineus, das edel bluot, Fol. 6^' die rot sich in die wisse tuot, subtil gar schön gedrungen; 5 end. 6 behend. 7 auch ain lyden. 9 frawn. 10 schawn. 13 Ain. laid. 14 vnderschaid. 16 ye. 17 pest. 20 myden. 21 Baby Ir. tinn. 22 minn. 23 brait. 26 Gemachet. 27 Zway. 29 Ain. 31 für. ä2 sy. stur. 34 Haisz. Ir. 35 weyss. — 20 — 40 ir mündli lieplich entsprungen in rechter rubins röti flukht, ir zenli schon dann gedrukt, lieb, eben und dabi dein, wisz recht als ein helfenbein; 45 ir helsli runt, ir nekli blank, ir lib geschikt nach wünsch gedank, daran was nütz: vergessen. frö Venus het gemessen mitt einem zirkel ussgeschiben 50 rechte lidmäzz bi ir beliben. — der loflP werte mich fürwär vierdehalbs und drissig jär; der was ich alt an allen spot, do gedacht ich erst an got. 55 was trugnüss in der weite was, daz glich ich zeineni gruenen gras: der anevang ist hübsch und vin, lalde so kumpt snell darin ein swartze varw und gel, CO daz ist de^ tod so snel, oder aber trugnüss und wankelmuot, das och die liebi zertrennen tuot. das bedacht ich snell und bald. < vor unmuot luflP ich in ein wald 65 und wolt da sin beliben, die weit han usgeschiben. vor ir unstet und truflfeni, dunkh ich mich in der willnust fri. ich lag unlange dozemäl, 70 do kam der held her Parcifal geschlichen heimlich durch den tan. ich sach in mit sorgen an, daz macht sin leng, sin kreftig lib. 43 daby clain. 44 Weisz. ain helfenbain. 45 Ir. 48 venus. 40 ainem. 52 by Ir. 51 laufF. 52 Vierdhalbs. 53 spotfc. 55 wcU. 50 glichh. zu aine. 57 anuang. 58 Bald. 59 Ain. Gl wankl- müt. 62 auch, lieby. 64 ain. 66 habn. ausgeschibn. 67 truftny. es fry. 69 uülang. 71 haimlich. — 21 — ich gedacht: das ist ein selig wib, 75 die den held hat getragen. sol ich nun min leben wagen, sol ich sinr kunft hie bestan oder sol ich fliehen in den tan? min muot der riet mir beliben: 80 ich gedacht mich davon nit ze schiben, und wil bestan der aventür. gott ze hilf und och ze stür wil ich nemen uf disen tag: kein sach mir nit geschaden mag. 85 der held der grueszt mich tugentlich. ich sprach: »gnäd, herr!* — gar senfteklich — er sprach zuo mir: »lieber knab, nu merkh die wort, die ich dir sag, und tuo mir kund die kintheit. 90 wie lept man in den landen breit?" * ich sprach: »herr, ich bin ein man (für war ich üch wissen lan) Fol. 7 und hän me kraft denn daz merteil der weit.** er sprach zuo mir: „dast Ferner gelt, 95 sind ir darzuo komen; ich weit mit ris von bomen der held wol hundert binden.** ich sprach: »man mags nit vinden kein wib, die trueg kein solichen helt, ^ 100 daz leben wer ir abgezelt. darzuo so vindt man keinen man., der kraft der natur mug hän.** er sprach zuo mir in guote : »bist du von cristam pluote?* — 105 »ich lan mich des nit beroben, ich hän ie cristan globen: min gott ist von einr magt geborn, daz tett den tiefein sicher zorn ; 74 ain. 82 auch. 83 auf. 84 Kain. 87 zu. 80 tob. kintliait. 00 braib. Ol am. 03 dz raertaü. 04 Ei sprach zu. dz i^t perner. 00 reis. 00 Kain beidemal. 101 rindet, kainen. 103 zu. In gut. 104 Cri- sbam plüt. 105 beraubu. 106 ye. glaubu. 107 ainer. - 22 — do ward ir gwalt zerbrochen: 110 vil inanig tusent wochen latent si den grechten leid. daz understoond die selig meid initt irem kind Jhesom. daz pracht den grechten grosze fruin, 115 daz sich hernach gar wol erfand: er band den tiefel mit sinr hand und ist darzuo drivaltig: gott vater, gott sun gewaltig, der heilig geist ein gottheit ist. 120 sant Johans ewangelist der hätz geschriben mit sinr hand, des setz ich üch min hopt ze phand, darumb so wil ich sterben, min sei mag nit verderben." 125 er sprach zuo mir: »hab guoten muot: zwar ich tot kein cristan pluot an schuld, davon bis äne vorcht. • damit hett ich min sei verworcht, ich muest sin gar swer widerkomen 130 gen gott, daz hän ich wol vernomen. er sprach zuo mir: „uu merk gar eben: bekennest .du icht^ der Fürsten leben, hast du die weit icht recht gesehen? des solt du mir hie verjehen.* 135 ich sprach: »ja herr, ich sag ü für war: ich hatt der tag min viertzehn jar, sid hän ich wunders vil gesehen. was plagen der weit ist beschehen, ich glob, es kom von sünden, 140 wir tuond es als nit gründen: mang sach die sich vergangen hat, des ist vergessen gar ze drät; 109 gewalt. 111 sy. gerechten laid. 112 maid. 114 Dz. gerechten grosz. 115 Dz. 116 seiner. 118 vatter Gott. 119 hailig Gaist. ain gotthait. 121 seinr. 122 euch. 124 Mein. 125 zu. 126 kain. 127 bisan. 131 zu. 135 ew. 136 viertzehen. 139 glaub. 140 tund. also. 141 Manig. — 23 — viel snnd'ist vor uns bslossen, vor gott als us gössen. 145 wir bekennent eins andern hertzen nicht, dadurch gott gar luter sieht: er weisz och all gedankhen, durch muren und durch blankhen Fol. 7^ da ist vor im nicht verborgen. 150 wir stand billich in sorgen. so spricht oft ein tumber man: wes gät den muej und arbeit art? er hatz doch zwar verdienet nicht. wer weisz ab, warumb es beschicht? 155 si lang ald kurtz vergessen, gott kann es dannocht messen: tusent jar ist im ein angesicht, derselben sach verstau wir nicht.* do sprach der held her Parcifal: 160 „der rede hast du war ze mal; doch tuot gott ettwenn die sinen leidigen und pinen, das tuot er als umb die geschieht, daz si sin vergessen nicht, 165 und verlätz doch nit am lesten, so kumpt es in zuo dem besten. wem all sin sach nach wünsche gät an arbeit, der sol haben rät, ob es glükh oder unglükh si; 170 er mag also nit wesen fri, es muoss.hie oder dort zergän: zwei himeMch mag nieman hän*. do sprach der held zuo mir behend: „gib mir der ersten frag ein end!* 175 ich sprach: »und könd ichs sagen, ich weit nit lenger dagen: 143 beslössen. 144 au-;. 145 ainr. 147 waisz auch. 151 aiu. 152 niiiy. arbait. 154 waisz ab\ 155 Sy. 157 Täusciit. aiu. 159 paicüal. IßO red. 162 Laydigeu. 164 ^y. 166 zu. 167 wuusch. 168 arbait. 169 sy. 170 fry. 171 muss. 172 Zway. 173 zu. 174 ain. 175 ich es. — 24 — die weit ist so gar verirret, mitt menger sacb bewirret; doch sag ichs, so ich beste kaa. 180 gott rueff ich ze hilfe an, daz er mir gebe die vernunst, daz ich mit sinn und och mit kunst sag üch von wib und och von man. nu heb ich mit dem höchsten an: 185 gott gab uns hie uf erden den hohen und den werden sant Petern hie ze tröste, daz er von sünden löste, und ander bepst nach im, 190 wer mit rechter stim, mit rüw und puozze für in kem, daz es im alle sünd benem. das gebott ist zerbrochen, mitt valsch ietz vast betrochen: 195 zwen pebest sind gewellet> der tiefel hat gesellet werlich sich zuo dem einen. die bösen und dunreinen die händ erdächt die valschen wal, 200 den wirt zelön der ewig val. 0 mortjo über die gitikeit! si stifFtet jamer, ewigs leit das ian si vil wol nüwen. Fol. 8 die sach die hat si«geprüwen, 205 und sol doch nur ein pabest wesen! wer hat die heiligen warheit glesen? das got selb hat gesprochen, das hat der git zerbrochen! min red sol wesen niemau zom: 210 der sach wirt nieman nie verlorn, 177 Ter Irret. 178 mänger. 179 best. 180 hilf. 181 geb- 182 auch. 183 weib. 185 geb. auf. 187 petern. tro.t. 188 löst- 189 Bepst. Im. 191 püzz. In. 192 all. 194 yetz. 195 pebst- 197 zu. ainen. 198 die vnrainen. 201 geitikait. 202 Sy. lait. 203 u- 204 sy. 205 ain pabst. 206 hailigen warhait gelesen. 208 geit. — 25 — dann grosse hoptprelaten : die blasent iren äten ZQo der sach durch gitikeit. welem bapst wirt zuo geleit 215 umb gab und nit in rechter minn, daz in wiszt anders nit sin sinn, wann.daz er rechter habest si, der mag da wol beliben bi; tet er es aber umb gab od guot, 220 zwar der hat ein bösen muot: der verkoft die grechtikeit, das wirt sinr sei ein ewigs leid. nu dar ir küng, ir Fürsten, ir herren! ir soltent sölich unrecht werren 225 mitt üwer macht behende, das es nem snell ein ende, wann solich zweiung ist nit guot; die cristenheit es verwisen tuot. ir churfürsten, ir sigint tod od leben, 230 hettint ir üch des begeben, das ir einn kiiaben walten, das tuot das recht nicht halten! ir soltent gwelt han einn gstanden man, den türsten, den man vinden kan, 235 ze küng; und hettint ir das getan, so werint wir der zweiung an, und wer die cristenheit wol bhuot. ir hettent da nicht wisen muot mit üwerm küng von Pehem land. 240 ir band die cristenheit gephand an recht, an fürstlich zucht und sitt, der wont gar wenig bi im itt. 213 Zu. geitikait. 214 Bapst. zugelait. 217 Bapst sy. 218 by. 219 od' umb gut. 220 aiu. 221 verkauft, gerechtikait. 222 aiii. laid. 225 ewcr. behend. 226 aiii end. 227 zwäyuiig. 228 cristenhait. 229 Churfilrstn Ir. od\ 230 Ir euch, über des steht nit eingeschrieben. 231 ainn. 2 3 3 geweit, aingestandeiu 236 zwayung. 237 cristenhait. behüt. 239 ew'm kiinig. pehem. 240 cristenhait. 242 by. ytt. — ^6 — wenn wil er umb daz keisertuoin werben? er liess die weit verderben, 245 e das er keui von Präge! das ist ein grosse plage. die red ist alle leider war, daz sag ich ücb sieber zwar. so leben t ettlicb fürsten herren, 250 die tuont sich des rechten werren: ist bi in ein biderman, den setzent da die schelk hindan gen dem herren und verliegent in mitt valsclier claif — nu merkh den sin — 255 und sprechen t: „herr, nu melt mich nicht, du red von rechter tröw gechicht, Fol 8*^ die ich zuo üwern gnaden hän.'* wie sol ein biderman bestän ? geistlich gericht und weltlich 260 an zwifel des einander gicht: hör enen teil engegen, wilt du des rechten pblegen. so ist der herr also gemuot: sim gewalt er denn geloben tuot 265 und furcht in gliches als ein kind, er ist in gesehendi ogen blind; uude gult es im das leben, er solt dem unrechten widerstreben. so phlegent priester simoni, 270 darzuo sint si nicht wuochers fri und^ süntliohs fürkofFen. etlicher wirt noch roflfen sich selber an dem jüngsten tag, sin schätz im nit gehelfen mag. 275 ie höher ampt, ie grosser puoss: wer es verdient, ers liden muoss. 243 kais*tüm. 245 Ee. prag. 246 ain. plag. 247 laider. 250 tunt. 251 by In ain. 256 rechter trew. 257 zu ew'n. 258 ain bydermaii. 259 Gaistlich. 261 enen tail. 262 globcn. 265 gleich, ain. 266 äugen. 267 Und. 269 Sinioui. 270 sy. fry. 271 fürkauffen. 272 rauflfen. 275 Ye beidemal. 276 er es lyden. -~27 - die mechttfsen herreo waestent zvär die ricterBchaft (dost sicher war); wer loik tribt und pheniag hat, 280 der ist gewaltig an dem rät; beschidikeit bat ietz den val, die weit verwueetet Sberal. zwar es ist kein wiser maot, der mit wissen nnreoht tnot. 285 es solt ein herr doch gedenken: tuost da din zungen lenken dnrch miuen willen wider rei'ht, ~ zwar du bist des tivets knecht; nnd liezz sich an den man nit vil, 290 der das unrecht zem rechten bringen wil.* Do sprach der held us friem mnot: nzwär das dunket mich nit gaot, der loff ist all ze berte. sag an: wie hat geverte 295 ritterBchaft und fröwen? wie länd si sich sohftwen?* ich sprach : , der lof ist mengerlei : ettlich minner band geschrei, mitt schrien tnon si weien 300 als esel in dem meien, und händ doch weder zncht noch schäm; mitt bösen swueren gottes nam vor frowen wirt genennet; sich selber nit bekennet, 305 und tribt lotters wis mit liegen; zucht die mooBZ sich smiegen, das ist gen frowen vast der loff. mit liegen so beschicht mang kot^ 279 loyk. 278 Rittecschatt das ist. 281 Boschidikait. yetz. 282 kain. 285 ain. 287 raiii. widerredit. 290 un- recht KU dem. 291 aus fryem, 293 lituff. liert. 294 gcvert. 296 sy. 297 lauf, mengerlay. 298 gescliroy 299 scliryc \. tuun =i fehlt, wayen. 300 Mayen. 307 t'rawen. :H)H inaiiig. — ^28 — daz hernach tuot gerüwen. 310 jamer tuot sich nüwen, so man emphint der lotterheit, damit bschicht maniger frowen leit; wan suessü wort an steten muot Fol. 9 * wib und man betriegen tuot-. 315 ritterschaft phligt wuoohers nam; daz wer ettwenn gewesen schäm. iederman tuot trachten umb guot und wil nit achten manges priesters wis und lere, S20 darzuo des adels ere. _ bürger und och gebüren die tuont mit wuocher muren. nieman wil doch sehen daran, das all sach muoss ende hau 325 uflf diser weit mit jämers pin: was man verdient, (es muosz ie sin) gott kan es vil wol messen, sin gericht tuot nütz vergessen. davon verstand und hörent min muot: 330 es ist och menges wuocherguot, was unrecht wirt gewunnen (das ist nit wol besunnen) mitt gewalt, an recht ungetrülich, das ist der sele grülich 335 und tuot si ser versenkhen. die weit die solt gedenkhen und solt nit tragen nid noch hasz, so wer uns allen dester basz. wer mit der kluogen loik ticht, 340 den lüten das ir abe bricht, der wirt wol gewar, so man in treit, gar kleglich in die erden leit. 310 tut. 311 lotterhait. 312 beschicht. lait. 313 Won. 315 Wuchers. 317 Yederman. ,319 1er. 320 er. 321. auch. 322 tunt. 324 muss end. J326 musz ye. 330 auch mengs. 333 uügetruwlich. 334 sei. 335 sy. 337 nyd. 339 klugli loyk. 340 ab. 341 In trait. 342 lait. - 29 — 8 valch gericht i st mordajo, der selben sei wirt selten frö. 345 wer sich daran nit stossen wil, (die red ist lange und ir vil) der möcht noch gleben jamer nü; wirt im ze kurtz so ists ziphelrü, noch vint man mangen biderman, 350 priester und och leien wolgetan, der durch keiner slachte miet von sei noch eren nit schiet; so vint man noch meng wiplich wib, die in eren haltet Iren lib, 355 der tuot si nit vergessen und kan wol trüwe messen: einr guoten gwissen, eins steten niuot, gott hab die selben vast in huot, des wünsch ich. in mit gantzer gir, 360 das mugentz wol geloben mir.* 0 priesterschaft, du werdes ampt! wer dich mit keinn geverden schampt, dem tuo es got vergeben; wann ir sind unser leben 365 uff erden hie der grechten sträss, ir wisent uns die rechten mass. • ich glob, und wer nit priesterschaft, der tiefel wurde sigehaft me das merteil an der cristenheit. 370 so sind die guoten alweg bereit Foj^ gb mitt ruoffen hin zuo gott es ist an allen spott, solt under uns nieman grecht bestan, die weite würd licht under gän: 375 die gerechten helfent uns Sündern hin 343 morda io. 346 lang. 347 geleben. nüw. 348 ist es. rüw. 349 byderman. 350 auch layen. 351 kainer slacht. 355 sj. 356 trew. 357 Ainr. gewissen ains. 360 gelaubn. 362 kainen. 364 ünsz\ 365 gerechten. 368 wurd sighaft. 369 mertail. cristenhait. 370 berait. 371 zu. 373 gerecht. 374 woU. — 30 — uff pesßrang. als, ach gott, nim in und hör mich bas, wann ich dirs sag: hilf das mich der seiden tag in dinen gnaden beschin 380 des heiigen geistes gaben din, din gottliche kraft tuo senden, bös begir tuo an mir wenden, durch all din werden marter erbarm dich über den tichter. 385 Nu wil ich üch die warheit sagen : Barcifal ist tod vor mengen tagen; ich hän in nun ze pispel gezelt, daz er ist gwesen ein ritter uss erweit. VI. Mt in dienst und gruozz me tusent stunt, denn gestüpp ist in der sunnen! aller zwifel ist mir unkunt, unmuot ist mir zerunnen. 5 Hett ich din huld (ich furcht din zorn), so wer mir wol ze muote. lazz ab du lieber engel vin, es kumpt dir noch ze guote. Sich an min rüw, nim von mir puoss, 10 durch gott tuo mir vergeben: ' wenn ich verlür din wiplich gruoss, so leidet mir das leben. Rep. Mitt willen fro des bin ich zwar, wann ich sich an dir itel recht; 15 und seit ich leben tusent jär, so bin ich doch din eigen knecht. 380 haiigen gaistes. 381 gottlich. 382 an. 385 euch, war halt. 388 gewesen ain. 1 tausent. 9 rew. puss. 1 1 wiplich zucht. 1 2 laidet. 1 6 aigen. — 31 ^ 17 Das ich der pender ie gedacht mitt grünen sunder wenkhen, daz hat mir oft ein rüwe bracht 20 mitt mengerlei gedenkhen. Der vatter zürnet dik dem kind, das kunt von trüwen stete, Fol. 10 das er eim andern nit entuot, der in es flissklich bete. 25 Wa mir ist lieb, da ist mir leit: was ir kumpt nit ze guote an Hb, an er, an wirdikeit, das bekrenket mir den muote. Rep Mit willen fro etc. 30 Ich bin dir doch mit trüwen bi und stän des äne logen; ich weiss ir ietz nit lebend fri, die bas gevall minn ogen: Din wiplich zucht und och diu schäm 35 du hast die mäzz gemessen; und hett ich aller weite fröd, ich kan din nit vergessen. Die frömdi schadt den steten nicht, wie man tuot selten sehen ; 40 so vervacht geheim gen wankel nicht, das ist och dik beschehen. Rep. Mitt willen fro des bin ich. vir. VV es ziehst du mich, min liebster buol, mitt clagen sunder weine? 17 ye. 19 ain ruw. 20 meogerlay. 22 trewen stet. 23 aira. 24 fleissklich beb. 25 Was mir lait. 26 Was im. gut. 27 leib, wirdikait. 28 bekrenkt. müt. 30 trewn by. 32 waiss. yetz. fry. 36 weit. 38 icht. 40 gehaira. 42 fraw. No. 7 beginnt ohne Absatz und Initiale, als wäre es nur eine neue Strophe des vorausgegangenen Liedes. Links am Rande steht mit roter Tinte: »ander liet*. 2 wain. — 32 — sölich sach die hilf mich nit, gen dir so stätf ich eine. 5 Din unmuot mir nit fröden bringt, davon so kurapt mir truren; gen dir so bin ich zwivels an, uff dich so wolt ich müren. Rep. Wol hin lazz loffen all ze wald 10 Untrüw mit irem seile: in unsern wiltpan hört si nit, wolhin dem tiefel zteile! Wer wil all sach ze unmuot n^n, der muoss mit willen alten. 15 din wiplich zucht mit gantzer trü die solt du mir behalten. Dabi so hab ein guoten muot, darzuo so wil ich keren; zwar und kern der Türken her, 20 ich Hess mirs nieman werren. Rep. Wolhin lazz loffen etc. Ich wil ie haben guoten muot; wer kan all red verbieten? und lepti noch küng Karins, 25 er mocht sich zornes nieten, E er all red zem rechten brecht» es hat sich zverr vergangen: meng man ruerat sich Eggen nun er hat nie hasen gevangen. Rep. 30 Wol hin lazz loffen all ze wald untrüw mit irem seile: - in unsern wiltpan hört si nit, wolhin dem tiefel zteile! 4 ain. 6 trauren. 8 R. vorgeschrieben, das zu 9 gehört. 9 Wer bin. 10 Viitrew. saile. 11 sy. 12 zetaile. 15 Ain. tiiiw. 17 Daby. ain. 19 tuikgen berr. 22 ye. 24 karhis. 2G Ec. zu dem. 27 zeuerr. 28 eggen. 30 Wer bin. lauften. 31 Vntrew. Irem saile, 32 sy, 33 R vorgesetzt, ze taile. — as — vm. l Ich fr5w mich gen des abentz kunft Fol. 10^ der nacht, wenn si her suchen tnot. Das machet als ir lieb yemnnft, davon so han ich hohen mnot, 5 Das ich ir gaet solt sehen an: frowt si mich nit die rein, die zart, so wer ich gar ein hümin man. Ein glöggli man erklenket süss, darnach hör ich eins hornes don; 10 Ein halsen und ein liepHoh koss das wirt uns beiden nun zeldn. Wann scheiden daz tnot also we: und gedecht ich nit hinwider ze kon, so wer mins senens dester me. 15 Mitt züchten schön gar &n gever, dabi so mug wir wol bestän ; Seit ieman davon andre mer, da beschicht uns gar unguetlioh an. Venus und och Jupiter 20 die gänd vor der sunnen : damit so vert der tag daher. ES. E. ist mir nun besohehen zwir: was min nit wil, das liebet mir, des holtz han ich ein gigen. Was ich ir sag von miner trü, 5 das ich si stet am anvang nü. Der ersten Strophe ist die Melodie beigeschriel^ii. 2 sy. 6 mit die beginnt eine neue Zeile, rain. 7 ain. 8 4in. 9 ains. 10 Ain beidemal. 11 baiden. 12 schaiden dz. 13 zekoment. 15 fehlt Absatz. 16 Dabj. 17 Sait jeman. adre. 3 ain. 4 trew. 6 sy. ain anyang new. WaokemeU, UtmOixii % — 84 — gen mir so tuot si swigen. Nu wer ich doch ein gsell im spil und wer ir vierstunt noch als vil, Fol. 11 so weisz doch nieman, wen si wil, 10 das selb das tuot mich fröwen. Rep. Züch ab die seil, la loflfen hin, ze jagen han ich guoten sin, dabi ich och belihen wil: uns möcht noch wol gelingen. 15 Du fries tier, nu huet der ban, vor seil geschütz, wan man wol kan - gar lekerlich verbinden Hage und och ruhe dorn; kunst und witz ist gar verlorn, 20 last du dich darinn vinden. Ich jag gar fürstlich über land, birssen ist mir nit bekant, darzuo so bin ich nit gewant: Trüw ist vor allen dingen. Rep. 25 Züch ab die seil etc. Ich jag mit Willen über laut, nachtgruoben sint mir nit bekant, der tag der tuot mich fröwen. Trüwen hetz ich uf die vart, 30 Wunn der wirt och nit gespart, ich acht uff niemans tröwen. Gsell, huet der vert, daz tier ist jung, das es tuej keinen abesprung, umb jagen ist im öch nit kunt; 35 darnach so lass ich Harren. Rep. Züch ab die seil etc. 6 sy. 7 ain gesell. 8 Ir. 9 waisz. sy. 11 sali. 12 Daby. 15 fryes. 16 sali. 17 lekerlichen. 18 auch. 21 lag. 24 Trew. 25 sali. 26 willen. 27 Nachtgniben. 29 auf. 31 auff. 32 Ge- sell, dz, jung. 33 tüy kainen absprang. 35 harren. 36 sail. — 86 — X. l Lch fragt ein wachtef, ob es wer tag. er sprach zuo mir: «für war ich dir sag, es nahet schir hinzuo. Wes siehst du nit dich selber an? 5 an dir ich zwar gemerkhet han: du hast uff mitten tag Dinr zit gelept uff erden hie; da bist doch noch, als ich dich lie — wenn wilt du abe län? Fol. ll*» . 10 Gen dir so gat die vinster nacht: sich uff mit sinn, hab herberg acht: all sach die muosz zergän!" Der Wächter sprach : , uff erden hie din sach ist nit, des sag ich wie: 15 din sei muoss ewig sin; Schön und kraft muosz gar zergän, bi sinnen macht du nit bestftn, der tod der nimptz dahin. Ruoff an den herren aller macht, 20 dabi so hab stnr muoter acht, so hast du kluogen sin. Zwelf Sternen si ze kröne hat und sitzt bim sun, ir majestät, die muoter maget her!' 25 «Wächter, din straffmi merkh ich wol, davon ich grossen -kumer dol, und kan nit abel&n. Durch gott wekh niioh ze rechter ät, wann all min sacih an mich gwissen 4it: 30 da muosz Qrist helfen zuo, Sol ich bi keinem glimpf bestftn, damit ich mag sin hulde hän. Erste Strophe mit Melodie. 1 ain. wöre. 2 zu. 12 musz. 14 Die sach. 17 By. 20 Dabj. setoer muter. 21 sin. 22 Zwelif. sy. 23 hy dem. maiestat 29 gewissen. 30 csn^i. ^\ \rj >fc»l\»«w^. — ^36 gott geb ans seligen tag! Des helf mir, magt an alle meil, 35 das ich werd miner sünden beii. von Orient es tagt. XI. Ml lieh straft ein wachter des morgens ßno. er sprach: »wenn wilt du haben rao, din singen abelän? Fol. 12 Lieder tichten tuo nit mer, 5 (das rät ich dir bi miner er) davon man tantzen tuot.' , Wachter, des wil ich volgen dir: der lied geticht ich niemer mir, des solt du sicher sin. 10 Süss muoss ich loben selge wib, die sind der weit doch leid vertrib, ach gott, wie lieb und zart! i Ich weit, wer frowen übel Sprech, das man in durch die Zungen stech, 15 das laster muesst er hän! Wachter nu merkh, was da beschach: was ich uff erden ie gesach, das dunkhet mich ein wind Gen zarter lieber frowen gunst; 20 da hilfet weder sinn noch kunst, das ist beweret wol: David und och Salamon^ Sampson der mocht nit ,bestän, der schönst verlor den lib: 25 Das machet als der frowen werkh, ein juncfrow reit der künsten perkh. 34 mail. 35 hau. Erste Strophe mit Melodie. 1 ain. 2 ruw. 4 tu. 5 by« 6 tut. 10 weib. 11 laid yertreib. 15 musst. 16 ohne Absatz. Über den drei ersten Worten dieser Zeile ist der Anfang der Melodie wiederholt. 17 auff. ye. 18 dunkht. ain. 22 auch. 23 möcht. 24 leib. 26 Ain. rait. -^ 37 - nu dar ir seligen wib! Wer von den frowen schemlioh seit, das wirt im noch am lesten leid: 30 si gat ein laster an. Wächter, sich uf anz firmament: Fol. 12^ er gät daher von Orient, ich hör der vogel sang. Durch gott wek alle selge wib, 35 ir er behuet, irn stoltzen lib vor böser klaiffer zung. Die minner die da raomser sind, die sind in gsehenden ogen blind: si magent nit bestän. 40 Was ich von rosen ie gesach, all bluomen vin, der löber tach, das dankhet mich ein schimpf Gen zarten lieben töchterlin: ir geberd sind guot, die blik sint idn — 45 gott geb in selgen tag!* XU. S. hg an, Wächter, wie was es tag, do himel und erd nit emphlag planeten zwar and och die elementen? 9 Da lachtet weder sann noch man, 5 gott was in der majestat vil schön gewaltig ie and ist noch ewenklichen: Gott ist das wort, das wort ist gott, damit gemacht an allen spott all sach vil schön nach irer eigenschefte. ' 1 0 „ Gott ist ein herr allr eigenscheft, gemachet alls mit stner kreft. 27 weib. 28 sait. 29 Im. laid. 30 Sy. ain. 31 auf andz* 32 Orient. 34 weib. 35 letb. 38 gesehnde. 39 Sy. 42 ain. Erste Strophe mit Melodie. 3 auch. 5 wz. maiestat. 6 ye. 9 aigenschefte. 10 ohne Absatz, ain. aller aigenscheft« II ^V\fo<^. - 38 — sag an: waruf statt erde uade wasser*? — „Als hoch hinab, als hoch hinuff, ' Fol. 13 und wenn man kern durch erdes gruff, 15 es swebt enbor: got kan es vil wol halten. All creatur tuot loben got in ir geschepft nach sim gebot; der mensch der tuot doch Sünden!* Gott vatter, herr mit diner macht 20 hab min in dinen gnaden acht, tuo dich gen mir erbarmen. Behuet mich vor der helle not durch dinen herten willig tdt, den du doch hast erlitten, li5 Und durch die maget, die dich gebar: min sei, min lib vor übel bewar — ich ger genad, nit rechtes! i xni. ^oh var uff wag des bitteru mer, min scheff ist mir endrunnen der Unschuld (des ich sicher swer), das hän ich wol besunnen: 5 die wellen hands zerslagen hin mit herten sturmes winden, das mugent wol die sünde sin. nu merkent, liebe kinder: sol ich mit fröd ze lande kon, Fol. 13^ 19 sant Peters scheff muoss helfen: rüw und buoss die muoss ich hau, sol ich den enker werfen, r damit ich heffti uff den grünt, j dabi ich mug beliben. 15 die marnerin muoss bi mir sin, '\ 1 2 warauf. erd und. 1 3 hinauff. 1 7 gebott. 1 9 ohne Absatz. 20 und 23 deinen. 26 Mein beidemal. Erste Strophe mit Melodie. 2 Ain scheff. 5 hand und s eincorri- giert. 9 komen. 1 0 helffen. 1 2 werffen.-* 1 3 auff. 1 4 Dabey. beleiben. Iß hjr. — 39 — sol ich ze laude schiben, die uns doch vor geholfen hat : do waren wir nach versunken, und wer der edel Jhesus Crist, 20 wir werint all ertrunken. Das ich die gebott ie gebrochen hau, des si got erbarmer, daruss doch alle todsünd gan. ich eilender und vil armer! 25 sid ich nu got erzürnet hau, so kan mir nieman ghelfen, wan geware bicht die muoss ich bstan; darzuo so sol ich werfen rüw und buoss uss hertzen grund: 30 ich hoff, es muoss mich helfen. got weiss all sach wol uff ze nend in sölicher mäss, und es beschiht; das das ieman anders wend, des sin wer vil gar enwicht. 35 got ist ein herr und nieman mer, das wissent sicherlichen, er hab och dann gewalt yon im, die armen und die riehen: Fol. 14 sin kraft was ie und iemer ist, 40 behalt uns ewenklichen! Wer spricht, das got ein schöpfer si der sünd und och des liden, dem wonet grosse torheit bi, wan seid die muoss in miden. 45 er hat uns geben eigenn muot: das himelrich stät offen, was ungelüks der weit ie bschach, 16 Scheiben. 19 ihesus crist. 22 sey. 23 Darauss. gand. 26 ge- helflfen. 27 Won. beicht. bestän. 28 Dartzuo. werffen: helffen. 31 waiss, auff. 32 sölliclier. 33 iemant. 35 ain. niemant. 36 sicher leichen. 37 auch. Im. 38 reichen. 39 Sein krafft. 40 ewenkleichen. 41 ain. sey. 42 auch, leiden. 43 torhait bey. 44 Won. 45 aigen. 46 hiraelreich. 47 beschach. — 40 — zwar das kam von Sünden; und reit das einr von Even her, 50 so tuot es sich doch gründen, got ist ans hold, das bewart er wol mit sinen tieflfen wunden : für uns er an die marter gie, erlöschen tett die sunne; 55 wir werint ewenklichen tot, sin gerecht! sit stuond offen; sin götlich kraft die gab uns, daz er hat vor uns nit bschlossen. 0 magt, ein lieb der drivaltikeit, 60 bis bittens unverdrossen. XIV. 1-iin vatter sinem sune riet: dien gott vor allen dingen; er git dir selderiche miet, dir kan nit misselingen. 5 Der frumen solt du haben acht, mit züchten solt du frölich sin bi tag unde och bi nacht, all priester solt du haben schon, den frowen solt du bi gestan. 10 huet dich vor argen Worten: nicht smeh wib, noch priesterschaft, so bist» du vor got tugenthaft, din lob das tuot sich höhen. Sun, huet dich vor gehem zorn, 15 wan damit ist dikch er verlorn, tuo es mit siten bedenken, der buoben wis solt wesen gram, 49 rait. ainr. euen. 52 seinen. 56 Sein. seit. 57 Sein, göt- leich krafft. dz. 58 beslossen. 59 ain. drivaitikait. 1 Ain. seinem sun. 3 geit. seidereiche. 5 fromen. 6 fröleich sein. 7 By beide m-a L und auch. 9 frawn. by. 1 1 weih. priesterschaflPb. 12 tugenthafft, 13 Dem. 15 Won. eei. 16 sitten. 17 weys. — 41 — wan da ist weder zaoht noch soham, und fuegt och keinem herren; 20 bist du ein herr, das hast von got, dem sag des lob an allen spot: sin alroeoht tuot dioh bedenken. Nit bis rüdisch, hab cluogen sin, huet dich vor argem tmren, Fol. 14^ 25 daran so hast du guoten gwin. dine wort solt du muren, das man dich vind, als man dioh lie, dinr red solt nit vergessen; • wan liegen ist ein sölich sin, 30 es kan wol unglükch messen. hab mass ze essen und ze trank, solt du langwirig bliben t)i sinnen und guotem gedank, von unkünsch tuodich schiben. 35 bis gruossam, dabi tugenthaft, bis gnetiger red, bis manhaft, den fründen hold, den vinden gram; in allen dingen solt mass hftn, gerechtes grichtes solt du sin, 40 nicht nimm guot für ere din. bis getrüw vor allen dingen, (davon la dich nicht dringen) eins steten muots und manlioh: recht tuon setz allweg für dich. Wol XV. uff und wach, est an der zit, wir band ze lang geschlaffen: min tag mir uff dem ruggen lit, des möcht ich schrien wäffen! 18 Won. Werder. 19 auch kainem. 20 ain. 21 spott. 22 Sein* 23 kein Absatz. 25 gewin. 26 Deine. 29 Won. ain. dO ungelükoh* 32 bleiben. 33By. 34scheiben. 35daby.tugenthafflb: manhaflt. 37 freun- den, yeinden. 39 gerichtes. sein. 40 dein. 41 getrew. 43 Ains. manleioh. 1 auff. wachest, zeit. 3 Mein. eraS. \m!(>. ^ ^6i^t^«^« - ^42 — 5 Sich uff mit sinn and tuo die weit bekennen: wenn der sohimpf am besten ist, so spricht die witz, es soll sich allweg trennen. All sach die nacht dem ende (an ewikeit doch got); 10 ich wen, das ieman wende bepstlich gericht, noch keiserlich gebot. Davon so la dir süntlich begir zerrinnen; wan weltlich fröd ward nie so grosz, es Hess sich an dem lesten trarig vinden. ' 16 Und hettist du din lieb nach dinem willen schon, und das dir ellü küngrich dientint mit Zepter und mit krön; Dannocht so macht du sterben nit gesteigen: es hulf dich an dem lesten nu, 20 als ob es tet ein tor mit vingerzeigen. Daran solt du gedenken, und hab ein guoten muot; din sei lass nieman krenken, Fol. 15 wan sicherlich es kunt dir nu ze guot; 25 Wann wenn du wirst die sach nach sinnen messen, so ist dir nicht me ach: "^ fröd du hast — truren ist vergessen! Davon so gunn mir eren an sei und och an Hb, 30 und lass dirs nieman weren: all din hoffnung zuo got schib! 5 auff. 8 end. 9 ewikait. 10 iemant wend. 11 Bepstleich. kaiserleicb. 12 süntleich. 13 Won weltleich. 15 dein, deinem. 16 ellü küngreich. 17 kröne, e durchstrichen. 18 gestaigen. 19 hulff. 20 ain. zaigen. 22 ain. 23 Dein. 24 Won sicherleich. 27 fröd die. 29 auch, leih, 30 niemant. 31 dein, scheib. — 43 — Ein widerkere ist noch bas ze messen von Sachen, die man gerne taot, dann ob man wer in einer klosen gsessen. 35 Ker frölich von den sachen, huet dich vor todes sünd, so macht da frölich lachen: hie hast du lob nnd dort ewig fründ. Natürlich wol ze bedenken, 40 din hertz das si in liden; wil dich dann liebi krenken, mit senen gar das gmnete din verschmden; Dannocht so hilfet got eim grechten willen: wa er des grundes innen wirt, 45 da kan er schnell dem menschen knmber stillen. Ich han die weit gemessen, ob ich es hän besannen: hän ich da icht vergessen. so bekenn ichs doch: das danket mich ein wander. 50 Wan all ir sach das ist zerganklich leben, and ist och nicht wan ach : ein wil ein fröd — darnach kans traren geben! Ich han gar vil gehöret von ritterschaft and frowen, 55 das doch den muot enböret: wib and man die möchtintz gerne sohowen. Und ist och als bi kartzer zit zergangen, von den und ichs gehöret hän, die sind davon — ab ist der fröden anger! 60 Wa ist küng Davids macht? sin werdes edels tichten? 32 Ain. i^iderker. 33 gern. 34 ainer. gesessen. 35 und 37 fröleich. 39 Natürleich. 40 Dein. sy. leiden. 42 g6müte dein. 43 hilffet. äim gerechten. 49 dunkt. ain. 50 Won. zergankleich. 51 auch. won. 52 Ain weyl ain. 54 ritterschafft. 56 Weib. g*n. 57 auch. bey. zeit. 60 dauids. 61 Sevü. - 44 — des bat na nieman acht; naoh sinen bnochen tuont sich dwisen richten. Wa ist küng Salamons macht? 65 mit wisheit tet er wander; er tet im selber schlacht: in schmächt der minne zunder. Das er sim glast ze verr verhangt, das taten wibes liste; 70 das was sinr wisheit grosse sohand, wie wol er das na wiszte. Aristotiles, der wis, (in künsten bi den besten) er bawt och uff ein is, 75 der tod der nam in och am testen. Karolus magnas, der starkch, (mit vechten tett er wunder) er muoszt in todes sarch, die zit die bracht in ander. 80 Und mocht in nit gehelfen Fol. 15^ sin gerechtes edels richten, der tod der tet in werfen, davon so maoss ich dise zit vernichten. Küng Artus milt und her, 85 hatt ritterschaft und frowen, den bot er zucht und ir: in sinem hof da mocht man wander schowen Von allem last, den ieman mag erdenken, 90 und was doch als umbsust: der tod der tet den hof an fröden krenken. 63 seinen, dieweysen. 65 weyshait. 66 Im. 68 sein. 69 weibes. 70 seiner weyshait. 72 weys. 73 bey. 74 auch auff ain eys. 75 auch. 7 9 zeit. SOmöchtgehelflfen: werflfen. 81 Sein. 83|zeit. 84artus. Sä ritterschafft. 87 seinem» 88 und 89 zusammengeschrieben. 89 iemant. — 45 — Tschinachtilander tet werben, (eren wolt in nie bennegen) davon so muoszt er sterben: 95 das kond im hertzog Orelus wol fuegen. Eggenot der schluog den selben forsten, das tet er nm sins fründes t6t; und warent beid an manheit die getürsten. Barcifal, der edel, 100 (sin manheit ich na blueme:) er stuond an grales zedel, davon ich witz und manheit von im rueme. Wan er hoob sich mit dem gräl gen India behende: 105 er vorcht der Sünden quäl; ich wen, kein wis^r in dammbe pfende. Das land das ist genennet Inder India (die sind davon getrennet), 110 priester Johan so heiszt der herre da. Da sass er bi den besten an sünd mit ere schon, davon mnoss ich in gesten hie das lob und dort ein ewig Ion. 115 All creatur uff erden muoss sterben und hie Tollenden; es st ald es soll noch werden, der tot der lät sich nieman dammb pfenden. Tot, ich weiss den meister din! 120 sin gebott das muost du halten. 93 jn. 95 jm. 97 seins. 98 bald, manheit. 100 Sein man- hait. blüm. 102 manhait. jm rüm. 103 Won. 104 yndia behend. 106 kain weyser. darumb pfend. 108 In der yndia. 109 sünd. 110 haiszt. 111 by. 114 ain. 116 auff. 117 Es es (sie!) sey 118 niemant. 119 waiss. maister dein. 120 und \*L\ ^^aka.. — 46 - sin willen tuost du leisten hin äff diser weit gen jungen und gen alten. Der künig ob nun kören der kan des vil wol walten: 125 (die red sol nieman tören) all sach tuot er mit siner macht uff halten. Es kunt och noch die zit, das »surgite* wirt gesprochen in all die weite wit: 130 ^die toten uff^! da ist nicht lenger sochen. Der ist ein herr, dem toten muossen wachen. - von demselben dos muossent elementen vier erkrachen. Sid wir nu muossent bekennen, 135 das got ist ie der wernde, Fol. 16 kein anvang an im nennen: er was och ie und ist der seiden bernde. Solt ich sin lob durchgründen, des mag ich nicht gewalten, 140 e so wolt ich zünden mit is an sehne ein für und das in wasser bhalten. Almechtig got, min herr, erbarm dich über mich eilenden durch diner muoter er: 145 blcht, rüw und buoss tuo mir am lesten senden. An dines geistes guete so mueszt ich gar verderben; ich furcht der Sünden gluete: drivaltig got, bhuet mich vor ewig sterben. 121 laisten. 122 Auff. 123 küng. 126 seiner, auff. 127 auch . zeit. 129 weit. weit. 310 auff. 131 ain. 132 und 133 zusammengeschrieben. 136 kain. jm. 137 auch. 138 sein. 140 Ee. 141 mit und beginnt neue Zeile, ys. ain fewr. 142 mein. 144 deiner, eer. 145 rew. Mit tuo beginnt neue Zeile. 146 deines gaistes. 149 behüt. — 47 ~ 150 Die sach hän ich betrachte, der weit ze rimen bracht: (got hab mich in dinr achte) ich häns gar recht bedächt. Und behuet dich got, bis einer gaoten gwissen, 155 wan ettlich sach bschiht niemer me mit gotes hilf, nnd sölt ichs hertz verbissen» Ich hän ein baoch gelesen, aller tütsch ein blaom, (das mag nicht anders wesen) 160 genant Titterei ist es sunder niom. Darnach hän ich gesannen, die rimen och gemessen ; ist daran icht zemnnen die leng, die kürtz, od hän ich ichts vergessen: 165 So singt der goch mit der nachtgall in dem meien, also ticht ich och — tuon ich recht, ich tantz den rechten reien! xvi. -Dlir bkam ein gsell am meien tag und bracht mir laft von Orient mit botschaft lieb (das ich üoh sag): die red die ist mit last benent. 5 Yil sach die vacht mit graenem an, damit die weit sich neren taot, der mei mit fröden äff den plan, P'ol. 16^^ davon so habent hohen muot. 150 betracht. 151 reimen. 152 deiner acht. 154 mit bisineue Zeile, ainer. 155 Won ettleich. 156 gots. hüff. 157 Ain. 158tewsch ain. 160 mit ist neue Zeile. 162 reimen auch. 164 mit oder neue Zeile, oder, ich fehlt. 165 gaucb. 166 mayen. 167 auch. 168 mit ich neue Zeile, rayen. 1 ain. mayen. 2 lufft. 3 botscbajQPb. euch. 7 may auff« — 48 — Die vogel singent liberal 10 qnint nnd qnart mensur mit mangem saessen lieben schal, etlicher halt tennr. Octaf die stimm erhellen tnot in wald und uff gevilde 15 mang vogel fri gar hoch gemaot, sin fliegen das ist wilde. Meng bluemli röt nnd blä in blä gar lieplich sind entsprangen, dabi so vindt man ital grä, 20 graen ist darin gedrungen. Bluemli gel, brun und wisz gar lieplich sind entsprossen, der mei mit allem sinem flisz, mit tow sind si begossen. 25 Meng blatt gekrispelt und gebogen, hin und her gezindelt, uff mengem holtz gar unversmogen, etlichs ist gewindelt. Dafiir hört ich einn suessen don 30 uss frowen mund erhellen, das geb mir frödenrichen lön für vogel und für schellen. Ir mündli röt für bluomen schin ist lieplich an ze sehen, 35 ir zenli wiss und dabi vin die sieht man ussher breben. 12 Etleicher. 14 auff. 15 |jManig. ffrey. 16 Sein fleigen. 17 in blaw. 18 liepleich. 19 Dabey. ytal graw. 21 weysz. 22 liep- leich. 23 may. seinem fleysz. 24 taw. sy. 27 auff. 28 Etleichs. 29 ain. 30 Auss. 31 frödenreichen. 33 schein. 34 liepleich. 35 zenly weiss, daby rein. 36 aussher. -"^49 -^ Ir brewli brun bi ogen dar mit scharpfen lieben blikken, der selben bluomen nem ich war, 40 die kunnent hertzen strikken. Ir bar ist gel fdr blnomen schin, bla stat in irem hertzen; gruen ist si gsnnd und ital vin, das kan wol wenden smertzen. 45 Es möcht licht sin, ich red ze vil (minr sei tet bas ein swigen): ich lob die wib für selten spil, für harpfen und für gigen. Orgellen don und pfiffen schal, 50 beggen lut erhellen, das hat gen frowen doch kein wal als russen gegen schellen; Busnnen schal und gloggen klang es ist als gaot nicht ze hören 55 and darzuo aller vogelsang — es mag nicht muot enbören, Als tuont die wib uff erden hie vor allen oreaturen: lieber ding gesach ich nie, 60 si sind zwar guot für truren. Wer schelkcht die wib und übel spricht, es Wirt in noch gerüwen, (ein zeichen, das er ist ein wicht) sin unglükch wirt sich nüwen: 37 brewli brawn hy äugen. 41 schein. 42 Blaw stet. 43 sy gesund, ytal yein. 45 leicht sein. 46 Meinr. ain sfwejgen. 47 weyb. saiten. 48 geigen. 49 pfeiffer. 50 Boggen laut. 51 frawn. kain. 52raussen. 54 hörn. 55 dartzuo. 56 enbOrn. 57weib auff. 60 trawren. 61 weib. 62 geiewen. 63 Ain.zaichen. ain. 64 Sein vngelükch. newn. WackemelL Montfort. V — 50 - 65 Verdorben hie, all eren bloss (es ist doch dikch beschehen), der frowen wirt er selten gnöss, hör ich die wisen jehen. Fol. 17 Ir werden wib und töchterlin, 70 gedenkent min zem besten, got hab üch in den halden sin; üwer lob wil ich ie gesten. Ir bkent mich nicht, ich bkenn üch wol: ir kunnent leid vertriben. 75 die selgen wib sint tngent vol, gläkch mness zno üch schiben! xyiL Liebent scheiden das tnot we, noch wirser dann ein senfter tod. min ogen die stand glich als e, des ist min bertz in grosser not. 5 Gewissen hat ein krieg mit im, darzno so hilfet die vernanst; ob ich mich nn vaste grim, mich hilfet weder sinn noch kanst. Y hertz, lass ab din valschen bgier! 10 din übermnot der ist ein mist: wen ich stirb, es hilft kein zier, du wirst fal in kurtzer frist. Und woltest mir die sei verleiten, die mir got ewig bat gegeben; 15 sin kraft wil ich ze hilf bereiten, dins willen wil ich nicht me leben. 65 ald eren. 67 gen6s8. 68 weysenieheD. 69 fehlt Absatz, weib. töcbterlein. 70 mein. 71 euch. sein. 73 euch. 74 laid yeitreyben. 75 weib. 76 euch Scheiben. 1 schaiden. 2 ain senffter. 3 Mein äugen, gleich. ^. 4 mein. 5ain. jm. 6 u. 8 hilffet. 7 rast. 9 dein. 10 Dein. ain. 11 hilfft kain. 1 2 fawL . 1 3 verlaifcen. 1 5 Sein krafft. hilff beraiten. 1 6 Deins, — 51 — Da runst mir in das höbet min; gewissen tuot sin werlich nit» Vernunft wil bi ir sin, 20 die bkent gar wol din bösen sit. 0 lieber engel, nn hnet der sei (du bist mir doch ze hneter geben) und beschirm mich vor der Bünden qnel, damit mir verd das ewig leben. 25 Nümer tnon ist grosse bnoss, han ich gehört den lüten sagen; mit willen gib ich dir den gnioss nnd varen äff der fröden wagen. Was ich ie vor getichtet hftki 30 den frowen nnd den töchterlin, das ist beschehen in eim tron gen der liebsten frowen min, . Der eigen diener ich wil sin: ir lob das Intet ttal wol, 35 das bmef ich für des meien schin, ir guete macht mich fröden vol. Hett ich die wal im römschen rieh, so gevelt si mir am besten : ir guete die ist tugentlich, 40 davon muoss ich A gesten. Das macht ir wiplich zucht nnd sit, Fol. 17^ das kan ich an ir bmefen wol; wan trüw nnd stet die wont ir mit, davon ichs billich loben sol. 45 Ach got, wie gar lieb ist si mir an wenken unde abel&n: 17 mein. 18 Sein werleioh. 19 by. sein. 20 dein. sitt. 25 Nüma. 26 lewten. 28 rarn auff. 30 firawen. töchterlein. 31 aim. 32 frawen mein. 33 aigen. sein. 34 lautet ytied. 35 mayen schein. 36 gut. 37jm.Tele^. 38 sy. 39 tugenÜMdi. 40 87* 41 w«p- lich. sitt. 43 Won trew. 44 büleioh.. 45 sy. 46 und. — 52 — ir angesicht ich kam enbir, wan ich nie lieber lieb gewan. Ich hett nicht gedacht, das kurtze zit 50 söllich senen iemer tet. est wander in der weite wit, wan all min sach ist abgemet Untz an ir gaet, die graenet schon an zwifel in dem hertzen min. 55 was wol wil, das vacht bi ziten an: mit eren maess si selig sin! XVIII. ■üett ich ein richter, ich wolt clagen über den liebsten buolen min and gaeteklichen für tragen: si macht mir senen, heimlich pin. 5 Wenn ich entschlafP, so sich ich iren schin, and redt als schon' and gaetlich; wenn ich erwach, so ist si dahin: a laog, wie hat si gleichen mich! Eins häts mir kartzlich getan: 10 ich wand, si leg am arme min; do ich erwacht, do was si davon geflohen von mir hin. Min küssi hatt ich ghalsen schon, ich wand, ich hett si selber da. 15 wil si mich Schimpfes nicht erlän, ich glob, ich werd von senen grä. 48 Won. 49 zeit. 50 SöUeicb. 61 weit weit. 52 Won. mein. 54 zweyfel. mein. 55 bey zeiten. 56 eeren. sy. sein. 1 ain. 2 mein. 3 gütekleichen. 4 Sy. haimleich pein. 5 jm schein. 6 gütleich. 7 u. 8 sy. 8 gelaichen. 9 Ains. kurtzleich. 10 sy. ßD dem. 11 sy. 13 Mein, gebalsen. 14 u. 15 sy. ^ 16 glaub — 53 — Ich weiss nicht, wie ich leben sol; uf minen eid! mir ist doch ernst, das ich so grosses senen dol. 20 von ir so wiszt ich aller gernst, Fol. 18 Ob si mir wer, als ich ir bin, so hett si zwar nicht ruowen vil; des tuege mir antwurte schin, wan mich des wol benuegen wil. 25 Ist si mir nn, als ich ir bin, der trüwen vindt man selten me; wan ich doch stete wil sin, es tuegi wol oder we. Seh ich all frowen vor mir stan, 30 junkfrowen und die töchterlin, ich wölt kein ander für üch hän, das sag ich bi den eren min. Ein trüw hilft an die andern nit, davon hett ich ein antwurt gern; 35 ich man üch wiplich zncht und sit, durch got so tuond mich eins gewem Und sagt mir, wie üch gen mir si: und wer üch halben weg als mir, so wer ich aller sorgen fri, 40 wann ich der antwurt ungern enbir. Ich bin üch doch als senlich hold, das ich mag haben kein gemach; ir liebt mir zwar für alles gold, das sehint gens in einem bach. 17 waiss. 18 Auf meinen aid. 21 u. 22 sy. 23 tüg. ant- wurt. 24 Won. 25 sy. 26 trewen. 27 Won. stöt. sein. 29 frawn. 30 junkfrawen. töchterlein. 31 kain. euch. 32 bey. mein. 33 Ain trew. hilfft. nicht. 34 ain. 35 euch weipleich. sitt. 36 ains. 37 euch. sy. 38 euch. 39 fry. 41 euch, senleich. 42 kain. 44 ainem. — 54 — 45 0 iiiilt, ir rein, ür suess gemuet zuo allen gnoten dingen; min hertz doch nach üch wuet von rechter lieb, idk wenn, es well zerspringen! Über wiplich zucht 50 die mag das wol bekennen; von üch so hab ich keine flacht: wir sind nicht wis, land wir das ieman trennen- Du liebi ist mit eren und lessig vast gen got; 55 ich län mirs nieman wereh, wann wer das tet, das düchte mich ein spot Wir söllintz graben mit trüwen in die hertzen: also sond irs och haben^ 60 und tnond wir das, so mngen wir flrdlidi tKsbertzen All creatnr hat lieb an krieg, lieb in mangem stammen; ein kind in einer wieg fröwt sich siner ammen. 65 Also ist lieb gar vil in menge masz gemessen, des ich doch zwar nicht sagen wil, ich ward sin halbs vergessen. Von lieb ist alle sach beschehen: 70 das got ze menschen ward, das wil ich mit der warheit jehen; lieb ist ein sölicher hört! Gepüwen and gesprochen hat liebi als volbracht, 45 jr rain ewer. 47 Mein. euch. 48 Rechter. M i t ich ne ue Z ei le. 49 weipleich. 51 euch. kain. 52 weys. iemant. 55 niemant. 56 dewehte, ain spott. 58 trewen. 59 auch. 60 mit so neue Z^ile. fröldch. 63 Ain. ainer. 64 seiner. 68 sein. 69 all. Ti warbait iehen. 72 ain söleicher. 73 Gepawn. — 55 — . 75 an zorn — das heiszt gerochen — da wirt lieb nicht gedacht. Ze himel und ze hell ist liebi mit dem rechten; das merkche, wer da well, 80 danimb sol nieman rechten. Fol. 18^ Wann gerechte lieb die wont in himels kören; ungerechte lieb die ist ein dieb, die weit die tuot si tören 85 Und senkt si in der helle grant mit iemer werenden banden; das wirt der valschen liebi knnt, das ist ein herter handel. 6ot man darumb loben sol 90 die gerechter liebi walten; wan unrecht tuon grät niemer wol den jungen noch den alten. Han ich ie unrecht lieb ghebt hi, herr got, tuo mir vergeben 95 durch diner höchsten nammen dri; halt mich bi rechten wegen, Das ich behalt diu götlich gnad, diu hulde mug'^erwerben; gib mir dins heiigen geistes gab, 100 bhuet mich vor ewig sterben. Nu dar, min fröd, min wunn, min heil, mir liebst vor allen wiben! vier meister gsach ich nie so geil, die möchtint das voll schriben, 75 haiszt. 77 bymel. 79 merkcb. 80 Diemant. 82 hymels körn. 83 ain. 84 sy törn. 85 sy. 88 ain. 91 Won. gerat. 93 liebi gehebt, hie fehlt. 95 deiner, dry. 96 by. 97 dein götleich genad. 98 Dein huld. 99 deins haiigen gaistes. 100 Be> hüt. 101 mein alle dreimal, hau. 102 weihen. 103 maister. gail. 104 schreiben. — 56 — 105 Die liebi die ich zao ücb hän weltlich uflf diser erden; davon so wil ich niemer län, also so wil ich sterben. Was ich von schöni ie getichtet hän, HD mit kluogen rimen gmessen, damit so mag kein frow bestan, und tuot si eins vergessen: Und hat si nit einn steten muot, got lieb und och ir ere, 115 ir schöni tuot ir niemer guot, irs lasters wirt dest mere, Und nimpt am alter spötlich end wiben und och den mannen; wer sich nicht böser sachen dchemt, 120 der lit in herten banden. Wer nicht well stein, der hab nicht diebes genge; die rede wil ich niemer heln: es gerät nicht wol die lenge. 125 Wer sinem glast nach volgen wil, natürlich als es ist geborn, sins ungelimpfs wurd gar, ze vil, sin sei die wurd darumb verlorn. Davon hat got dem menschen geben 130 Vernunft und och gewissen: dem bösen sol man widerstreben, sin hertz das sol eins bissen " Mit gerechten dingen nacht und tag und frölich dannocht leben. 105 euch. 106 Weltleich auff. 110 gemessen. 111 kain fraw. 112 sy ains. 113 sy. ain. 114 auch ir eer. 116 dester mer. = 117 spötleich. 118 Weihen, auch. 120 leit. 123 red. 125 seinem. 126 Natewrleich. 127 Seins. 128 Sein. 130 ver- Dunfft. auch, 3 32 Sein. ains. 134 fröleich. _\67 - 135 es ist vil war, das ich üoh sag: huet dich vor bösen wegen! Man seit vil kraft von edelm gestein: krisolitus und adamast, smaragden gruen nnd dabi rein, 140 karfunkel die händ lieehten glast. Als edel gestein das ist doch nitt ,, Fol. 19 für ein selig, biderb wib; das macht ir ür, ir zncht, ir sitt, das ist eins mannes leid vertrib. 145 Je klaeger sinn ein man doch hat, dest bas halt er ein biderb wib: ^ es si fruo oder sp&t, er bkent die er, die an ir Ht. Rechtaonden lüten ist gnnog gseit, 150 die bösen wend kein gnots verstan; und der all straff an si leit, so wil doch kein seid in si g&n. Wer wil mich für einn narren hän» . ^ ob ich hän lieb ein biderb wib? 155 sid macht noch witz nicht modbt bestän, > si band bezwungen der türsten lib, Die swert in dhand ie händ genomen. ., wie soltz mir toren denn ergan? ich werd von einr och fiberkomen: 160 mit eren muessen wir best&n! 6ot vatter, herr, durch all din gnad und durch die magt, die muoter din, gib uns dins heiigen geistes gab und hilf uns hie uff erden hin 135 euch. 137 sait. krafft. gestain. 1 88 Krysolitiis. 139 daby raiiu 141 gestain. 142 ain. weib. 144 ains. laid T*treib. 145 und 146 ain. 1 46 weib. 147 sey. 148 eer. jr. leit. 149 lauten, giösait. 1 50 kieAh. 151 sey lait. 152 kain. sy. 153 ain. 154 aät. wtdib. 156 Sy, tewTsten leib. 157 Swert. 159 ainr auch. 161 u. 162 dein. 163 de|n9 haiigen gaistes. 164 hilff. äoff. — 68 — 165 UdcL gib uns unser teglich prot, din will der werd an ans volbraoht; behnet uns vor der helle not: din menscheit hat nie sünd gedacht Ewiger got, na gib uns beiden 170 ein rechtes alter uff erden hie. all sünd mness uns vor sterben leiden, als ob wirs habint begangen nie. 0 starker got, ein herr der bimel, all Sachen hept du maebt enbor; 175 an dich ward -nie und wirt och nimer, kein sünd ist dnr beschlossen vor; All sach die ist dir offen zueftr: ich han och lieb, das weist da wol: 0 hilf ans an der fröden schar! 180 din gnad ich dammb bitten sol Mhr ist glich gen dem bnolen wax als einem kranke«, siechen mai^ der went, das ieman wirser A dann im; das hanget mir och ao; 185 Ich wenn, xnin JtrAw si also 0K>sj^ das si mirs nidit vergelten mag, and hftn zao ir doch allen trdst: si ist min ros, min blaejender hag! Ich hän der weit geächtet vil, 190 das wil ich niemer me getaon: all sach die stät bis uff ein zil — herr got, gib uns din ewig suon! Han ich geticht ie wider dich der weit ze lust mit liebem gruoss, 165 tegleicb. 166 Dein. 168 Dein m^tsohait. 169 baiden. 170 Ains. auff. 1 71 laiden. 173 ain. hymel. 174 dein. 175 auch niemer. 176 Kain. 178 auch, waist. 179 bilff. 180 Dein. 181 gleich, mein. 182 ainem. 183 iemant. se^. 184 jm. auch. 185 mein trew sey. 186 und 188 sj. 188 mein beidemaL blüyend*. 191 auff SAD, 192 dein. 193 Wan; aber H roroorrigiert. getichtet* — 59 — 195 din götlich gnad doch daran uoh: nicht me tnon ist grossi baosa. Frow, söltint du die lieder sin nach willen, den ich zno üch hän, kein gticht ward nie als hüpsch und vin, 200 Titterei möcht dabi nicht gestän. Der will ist gross nnd dannocht mer, das ist ftn allen zwifel da. - herr got, behnet nns lib nnd sei: Fol. 19^ in eren mnessen wir werden gra. 205 Frow, hand vergnot, das ist das lest, (der weit geticht ich niemer mer) nnd wölti got, wer es das best, des wer wol wert üwer wiplich er! Ich rät üch mit trüwen, dast daz best, 210 nnd allen selgen wiben: hand steten muot, das ist das lest, dabi sond ir beliben; Wan nnsteten, wankein muot das hat got dikch gerochen: 215 es kam frow Even nicht ze gnot, si hatt ein apfel gebrochen. Da wibes bild geheissen wirt frow Dichtlnndei nnd Wankelmnot, die vnt in niemer selde birt, 220 ir ere sind gar nnbehnot. Davon schetz ich einn steten maot ein grnntfest wol der ere, wann wer den hat, der ist wol behuot, nnd faer er über mere. 195 Dein götleioh. 197 Fraw. sein. 198 euch. 199 Kain. yein. 200 daby. 202 zweyfel. 203 leib. 205 Fraw. 208 ewer weipleioh. 209 euch, trewn das ist dz. 210 weihen. 212 Daby. beleiben. 213 Won. 215 fraw euen. 216 ain. 217 weibes. ge- haissen. 218 Fraw Dicbtlunday. wankelmüt. 219 weis. 220 er« 221 ain. 222 Ain. — 60 — 225 Wem er nioht liebt, der ist nicht wis oder hat sich eren verwegen; wer gerne gat uff helem is, der tuot nicht wisheit pflegen. Wer zündt bi stro, 230 der bedarf wol steter sinne, (das red ich gar an argen drö) das es im nioht verbrinne. Welch frow all red nff nemen wil und antwnrt darüber geben, 235 si macht ir selb ein narrenspil, sol si kein lengi leben. Wer sei und er behalten well, der hab got lieb in hertzen; dem widerfert kein ungevell, 240 das ist an alles schertzen. Was all die weit uff erden hat von silber und von gold oder alles, das si hiuder ir tat, das git nicht rechten sold; 245 Denn nach sterben ein guot wort wib und och den mannen, das schetz ich für den höchsten hört, das ist gar unverbannen. Die weit die hat in grossen spott 250 unstetikeit und liegen brächt: Judas tet verraten gott, ein steter muot hetz nie gedacht. Wer steten muot in hertzen hat und hat dabi ein gwissen guot, 225 ere. weis. 227 gem. auff. eys.- 228 weyshait. 229 bey. 230 bedarff. sinn. 232 verbrimi. 233 fraw. auff. 235 ain. 236 sey kain. 239 kain. 241 auff. 243 sy. jr. 244 geit. 245 ain. 246 weib. auch. 249 Die weit die hat ynsietikait || In grossen spott und lyden brächt 252 Aiii. 254 daby. ain. - 61 — 255 die selben got doch meiner gelät, wann sei nnd er ist vol behnot Wer ich wis, mir möcht ab sterben grasen, wann all weltlich sach die mnosz zergän: so ist vor mir tod als mang hundert tnsen, 260 davon wil ich von sorgen lan Und leben recht mit der weit dahin, mim bnolen bin ich !tal hold; und wiszti si dann recht min sin, si liebt mir zwar f&r alles gold! 265 Ich weiss nicht, wie ich leben sol, Fol. 20 das mir die liebi tuot so we, # davon ich grossen kumber dol, so ist mins senens dester me. Nu hin! ich getrüw ir zwar des besten, 270 das ist min ernst ftn allen spot: si bedarf mir me keinn bfirgen setzen, ir er behuet der ewig got! All bluomen vin, was wurtzen hat und holtz, 275 dafür nem ich den buolen min, * si dunkchet mich so stoltz. Ich hört ir guet fdr harpfen und fQr gigen, das geb mir sicher hochgemuet 280 ir angesicht — fürbas wil ich nu swigen! XEX. JUin getrüwen dinst mit gwissen guot, darzuo mit gantzem willen! 257 weis, grawsen. 258 weltleich. 259 manig. Mit hundert be- ginnt neue Zeile, tawsen. 262 Meim. ytal. 263 sey. mein. 264 Sey. 265 waiss. 268 meins. 269 getraw. 270 mein, spott. 271 Sy bedarff. kain. 273 rein. 275 mein. 278 geigen. 280 sweygen. 1 Mein getrewen. gewissen. 2 Dartzuo. — 62 — din er die git mir hohen inaot, din gstalt tuot in mich piilen. 5 Geformt als in einn gamahü wachst da in minem hertzen; die liebi ist gross und ist doch nö, ich reds an alles schertzen. Din gsantheit an er, an lib, an gnot 10 das hört ich allzit gern von dir, und geb mir sicher hohen muot und möcbt nicht liebers bschehen mir. Ach lass mich wissen, wie du macht, wan ich bin gesund von gnaden gots; 15 hab min in diner liebi acht, wan ich stan gerecht an allen spot Da solt werlich an zwifel sin, das ich nicht liebers hau dann dich; ussgenomen got, süss bin ich din: 20 din wiplich zucht doch daran sich Und lass mich dir enpfolhen sio, sich an minn willen, der ist gantz; bis getrüw und stet und dabi vin und spring mit fröden an den tantz. 25 Gemacht und geben in grosser kelt, Fol. 20^ verbotten was da switzen; ob des ieman wundem weit, min hertz das tet sich hitzen Von gedenken, die ich nach ir hett, 30 ich wand, ich wer im meien; der sehne was mir ein suesser mett, ich acht nicht windes weien. 3 Dein ere. geit. 4 Dein. 5 (tiiü 6 meinem. 7 nüw. 9 fehlt Absatz. Dein gesunthait. leib. 10 allzeit. 12 bescheh^i. 14 Won. 15 mein, deiner. 16 Won. 17 werleich. zweyfel sein. 19 Aassgenome, dein. 20 Dein weiplich. 21 sein. 22 mein. 23getrew. dahy rein. 27 iemant. 28 Mein. 30 jm. mayen. 31 ain. 32 weyen. — 63 — XX. lier edeln, wolgeporen enbüt ich min willig hent! von trüw bin ich in sorgen, wann rechte liebe hat min hertz versent, 5 Das ich nicht weiss, wie sol ich mich nu halten: da machst mir kalt, da machst mir heiss, miden dich das tnot mich sicher alten. Ich seh din seiden tugent 10 vor allen dingen nff erden, darzao din werden jugent: in diser zit mag mir nicht liebers werden, Usgenomen got, den herren, der ist da gen nicht ze messen: 15 gelükche muesz er ans na meren, wan dinr gaet kan ich nicht vergessen. Solt ich min trüw voll schriben, als mir na ist ze maot, (vil sach die maoss ich miden) 20 ich bdörft vier schriber guot Davon so nimm minn willen mit trüwen äne wenken, da kanst mir kamber stillen: min hertz das taot kein anders nicht gedenken, 25 Denn stet an dir beliben an allen zwifel zw&r; solt ichs die lengi triben, so möcht ich werden grd. 1 wolgeporn. 2 Enbewt. mein willig dinst. 3 trew. 4 lieK mein. 5 waiss. 7 haiss. 8 Meiden. 9 dein. 10 auff. 11 Dartouo dein. 12 zeit. 13 Ausgenomen. 15 Geluckch. 16 W^n deinr. 17 mein 6rew. schreibn. 19 meyden. 20 bdörffib. schmber. 21 meii« 22 trewen. 24 Mein. kain. 25 beleiben. 26 zweyfel. 27 treiben. . - 64 - Von senlich gross belangen, 30 das ich doch hän nach dir: min hertz das hast gevangen, des solt du globen mir. Des solt du mich lan gniessen; sich an min steten muot 35 und la dichs nicht verdriessen, wann sicherlich, es kamt dir nuo ze gaot. Du solt min trü mit rechter stete gelten, so wirt die liebi teglich nü, 40 und habent lob, des mag üch nieman schelten. Din trüw han ich verstanden wol, als du mir schribst dinn steten muot, Fol. 21 des ich dir sicher danken sol: vor wankel bin ich wol behuot. 45 Min bürg der huet min sicher schon, darzuo han ich ein gwissen guot; von dir so wil ich niemer län, din er die git mir hohen muot Sölt mich ein söntlich sach nu fröwen 50 als ein reines seligs leben, so wölt ich zwar im winter höwen und hett die sinn ze wesohen geben. ^ XXI. uo wol dem tag, die nacht die muesse selig sin, do ich an sach die zarten, lieben frowen min! 29 senleich. 31 Mein. 32 gelauben. 33 michgeniessenlan. 34 mein. 36 sicherleich. nü. 37 mein. trew. 39 tegleich new. 40 euch niemant. 41 Mein; aber d yorcorrigiert. trew. 42 schreibst dein. 45 Mein beidemal. 46 Dartzuo. ain. 48 Dein. geit. 49 ain süntleich. 50 ain rains. 51 weint*. 1 sein. 2 frawn mein. — 65 — ich lob die zit und och die stand, do si mir ward ze teil. 5 ich lob im rosenvarwen mund, der brehet als das abent rdt: ir guet die hat mich angezunt. Ich lob ir har gar wol gevar, ir claren ogea nimm ich war 10 mit scharpfen lieben blikchen; ich lob ir zen für helfenbein, ir helsel runt und nicht ze klein: si ist mit guoten sitten. ich lob ir brüst für berlen wiss 15 in rechter gross nach allem fliss, untrüw ist da vermitten; ir achslen gsenkt ein klein ze tal, darzno so sind si harmval: ir guet die sol ich bitten. 20 Ich lob ir siten die sind lang, and in der mitti so ist si klein; ir büchli lieb and dabi rein, der brün ist nicht vergessen, wass haben sol, das hat si zwar 25 und velt das nicht als umb ein här : nach wünsch ist si gemessen, hochristig, smal ir fnesslin hol: si gevelt mir uss der mässen wol, an ir ist nichts vergessen. XXII. Trow, wilt du wissen, was es ist Fol. 21^ glükch, er und gaot uff erden, 3 zeit auch. 4 sy. tail. 8 jr. 9 äugen. 1 1 hel£fenbain. 12 klain. 1 4 Absatz, weiss. 1 5 fleiss. 1 6 Vntrew. 1 7 gesenkt ain klaia. 18 Dartzuo. 20 Seiten. 21 sey klain. 22 bewchli. dabey rain. 23 brewn. 24 Absatz, sy. 25 ain. 26 sy. 27 füsslein. 28 Sy. auss. Erste Strophe mit Melodie. 1 Fraw. 2 äuff. Wackemell, Montfort. v^ — 66 — das sag ich dir in kurtzer frist, des soll du innen werden: 5 got ist din glökch, din er, din guot, des tuot er alles walten; hast du dich selber denn^n huot, so macht in eren alten. Got hat uns eigen willen geben 10 uff erden hie ze werben; wir mugent aber also leben, wir muossent ewig sterben: und wirt uff erden dik 'gebuesst, wer üppig löff ttiot tribeny 15 und wirt im alter gar uüsaess, ' davon solt mans vermiden Und stet an grechten 'dachen k'i'n, sich frölich dabi halten: glök und seid das gä^t dir in, 20 und macht in wirden alten; wann aller wissheit anefaug ist götlich vorcht fürwar und vindt sich an dem nssgang, das velt nicht umb ein har. 25 Wer götlich vorcht in hertzen hat, dem leidt all sünd uff erden: es si fruo oder spät, wie mag das mensch verdarben? die vorcht die git dir steten mnot, 30 des macht du wol geniessen; dabi behaltst du er und guot, des lä dich nicht verdriessen. Frow, merk die wort und och den sin Fol. 22 und tuo darnach gedenken 5 das, über as er corrigiert. glükcht. dein beidemal. 9aigen. 1 0 Auff. 1 3 Absatz, auff. 1 4 treiben. 1 5 jm. 1 6 yermeiden. 1 7 gerechten, sein. 18 fröleich dabey. 19 Glükt* yn. 21 Absatz, wejsshait. 22 göt- leich. 23 aussgang. 24 ain. 25 Der und w vorcorrigiert. götleich. 26 laidet. auff. 27 sey. 29 Absatz, geit. 31 Dabey hhaltst. 33 Fraw. auch. — 67 — 35 und bis mir nun, als ich dir bin: an dir wil igh nicht wenken. frow, wis8 für war, das got der herr das unrecht nicht tnot liden in die lengi minder, denn das mer 40 mag werden zwisser siden. XXffl. JUin willig dinst mit lib und gnot das ist dir alles undertän! din ere die git mir hohen mnot, din wiplich geberd mag wol best&n. 5 Din fröwlioh zucht und och din soham das ist gar hoch ze messen: und ziert wol einen edeln stam, wer sich nicht taot vergessen. Din götlich vorcht, din gwissen guot 10 das prnef ich fär des meien schin; vor wankel bist du wol behuot, darumb wil ich din diner sin. Din zarter mund rot, rosenvar, mit steten waren worten, 15 dinr claren ogen nimm ich war, die bschliessent eren porten; Din lieben brüst barillen wiss in rechter gross und rein: du bist ein mensch nach allem fliss, 20 in minem hertzen ein. 37 Absatz. Fraw. 38 leiden. 40 ze weisser seiden. 1 Mein. leib. 3 Dein. geit. 4 Bein weipleich. 5 Bein firOwleioh. auch dein. 7 ain. 9 Bein beidemal. gOUeioh. 10 majen sohdn. 12 dein. sein. 13 Bein. 15 Beinr. äugen. 17 Bein, weiss. 18 rain. 19 ain. fleiss. 20 meinem, ain. — 68 — Din hertz das trueg mit recht ein kroa mit saphira von Orient, wan all din wis die stät dir schön: min hertz sich grösslich nach dir sent. 25 Din stoltzer lib in rechter lepg," die gross nach wünsch gemessen, das ich doch zwar nicht anders bkenn: an dir ist nichts vergessen. Was sol ich sagen? es ist kein schertz: 30 ich gsach nie wib als recht gemuot; du bist glich ein wünsch ins hertz: got hab dich vast in siner huot. Gesigelt mit minr rechten trü, damit ich dir versprochen hän: 35 min lieb ist teglich gen dir nü, des macht dich frilich an mich län. Gemacht and geben ze Ensishein nach Crists gebürt drüzehenhnndert jar, (in einem stiiblin, das was klein) 40 im sechs und nüntzgosten (das ist war) Von mir, dim getrüwen diener vest mit willen ane wenken. bis an sorg: aller frömder gest der tuon ich nicht gedenken. XXIV.. Wächter, mir hat getrßmt ein trön, Fol. 22^ darnach han ich gedacht, das ich ze vil getichtet hän: darzuo hat lieb mich bracht. 21 Dein. Recht ain. 23 Wod. dein weis. 25 Mein, grössleicli. 2 5 Dein . leib. Rechter. 2 9 kain. 3 0 weib» 3 1 gleich ain mensch. 3 2 seiner . 33 meinr. trew. 35 Mein, tegleich. nüw. 36 freyleioh. 37 Ensishain. 38 crists. drewczehn iar. 39 ainem :^tüblein. wz klain. 41 deim getrewen. 1 ain, tröm, 4 Dartzuo. — 69 — 5 Min frow wolt haben suessi wort mit rimen schon gemessen: den meien schätzt si für ein hört, des kond si nie vergessen. Darumb han ich geticht ze vil, 10 nach dem ichs hett gesprochen: min hertz wil doch nun wie si wil — ach got, lass ungerocben Und leg mirs zuo dem besten dar! es ist beschehen an argen list: 15 vor hoptsünden du mich bewar, allr Sachen du gewaltig bist. Ein wiser man wirt hart betrogen, dann mit wiben und gitikeit; das mess man unden und och oben, 20 damit ist mangem bschehen leid. Helen, die schön von Kriechen, umb si ward Troj zerbrochen, uss gesunden vil der siechen, erschlagen und erstochen. 25 Hector mit andern forsten verlor och da sin leben; man schätzt in für den türsten, den bris muoszt man im geben. David, der küng mit tichten 30 (daruff was er gar cluog), ein frow tet in entrichten: in grossen unfuog Kam e^ mit hoptsünden, das macht Uryas wib: 5 Mein. 6 reimen. 7mayeii.sy.ain. 8sy. 9getichtet. 11 Mein. 15haupt- sünden. 17 Ain weyser. 18 weihen, geitikait. 19 auch. 20 be- schehen laid. 21 kriechen. 22 sy. troy. 23 Auss. 24 ward vil. 26 auch. sein. 27 tewrsten. 28 breys. jm iehen. 29 küng mich (sie!). 30 Darauff. 31 Ain firaw. jn. 33 haupsünden. 34 yryas weib. - 70 - 35 si kond im an entzünden sin witz and och sin lib. Küng Salamon, den wisen, ein wib betrog in och: den abgötten tett er nigen, 40 do ward er zeinem goch. Samson, der sterkst uff erden, den blant sin eigen wib; daramb so tet er sterben, und verlor si och irn Vlb. 45 Absolon, der schönst äff erden, umb frowen kam er in not, darumb so muost er sterben und nam einn herten tot. Aristotiles, der gmeit 50 in allen künsten zwar» ein junkfrow in da reit, do er was worden grä. Kriemhilt, die schön vom Bin, die bracht all held in ndt; 55 ze Etzelburg tett es die vin, da lagentz alle tot, Als ich es hän gelesen Fol. 23 und hans zwar hören sagen: (es mocht nicht anders wesen) 60 si wurdent all erschlagen. Her Dietrich von Bern den nert sin manlich muot: 35 Sj. 36 Sein, auch sein leib. 37 salamon. weysen. 38 Ain weib. auch. 39 neygen. 40 zu einem gaucb. 41 auff. 42 sein aigen weib. 44 sy auch Iren leib., 45 auff. 46 frawn. 48 ain. 49 gemait. 51 Ain Juncfraw. rait. 53 rein. 55 etzel- burg. yein. 56 all. 58 hörn. 60 Sy. 61 Dietreich. bern. 62 sein manleich. - 71 — an kreften was er cler wemd, das kam im da ze guot. 65 Die wib die band der weite gross lieb und leid getan: das icb si darumb scHel^, davon so wil icb lan; Wan selgü wib mit rechtem muot 70 die bat got lieb uff erden: vor wankel sind si wol bel^not, des mugentz nicht verderben. Nu dar, her Git! du hast die weit mit mangem mort durchbrochen, 75 (das tuost du alles umb das gek) erschlagen und erstochen. Glüptbrüchig und verreteri das kanst du vil w6l macheu. phuch diner bösen Künste! phi, 80 der tivel möcht din UcheA! ' Du bist ein sünd, die unglük hät^ du merst dich gen dem alter : es si fruo oder sps^t, so tuost du gelt behalten. 85 Wen böser git begriffen hat, der achtet weder er noch s61: es si fruo od?r spät, so ist im nach dem pfenning we. Die Sachen zwo hau ich bedacht, 90 da wis man werdent betrogen n^it: vil wanders habent si vollbracht mit mangem manlichem sit. 63 krefften. 64 jm. 65 weib. weit. 66 laid. 67 sy. schelt. 69 Won eligü weib. 70 auff. 71 sy. .'73 geit. 77 Gelüpt brüchig, v'retrey. 79 deiner. DasReimwort phi steht am Anfang der nächsten Zeile. 80 Phy der. dein. 81 ain. vn- gelük. 83 u. 87 sey. 85 geit. 90 weys. 91 sy. 92 manleichem sitt. — 72 — Ich han nach sachen vil gedächt: so ist recht tuon an dem besten; 95 üppikeit gät hindan nach, das vindt sich an dem lesten. Ach got, sol ich der irowen min suessi wort nicht tichten mer? — got hab uns in den hulden sin, 100 behnet uns beiden sei und 6r! Und wer ein sach, ich schult die weit, sust so wil ich swigen: si git am jüngsten böses gelt, wie suess ist ietz ir gigen. 105 Darumb wil ich nicht tichten me der weit ze lust mit rimen cluog, es tueje wol oder we: all sach die solte haben fuog. Wer künd die masz, daz wer gar guot, 110 got mueszt im darzuo helfen; vor Sünden mueszt er sin behuot, wolt er den ankel werfen. Ich sprich werlich, das ich mit list die sach dik hän gemessen: 115 was fröd mit grossen Sünden ist, da tuot sich das mensch vergessen; Wan gross leid volgt den fröden mit am jüngsten hie uff erden; wirtz ungebueszt und bschiht des nit, Fol. 23^ 120 so btütz ein ewig sterben. Zwar, was der weit ie kam ze we, das bschah von todes sünden: 95 Üppikait. 97 frawen mein. 98 nicht mer, letzteres durchstrichen. 99 sein. 100 baiden. 101 ain. 102 sweygen. 103 Sy geyt. 104 yetz. geygen. 105 mer. 106 reimen. 107 tüy. 109 dz. llOjmdartzuohelfFen. 111 sein. 112werfi'en. 113w§rleich. 217 Won. Jaid yolget. llSauff. . 119 beschiht. 120 ain. — 78 — in der alten und in der nüwen i da tuot es «sich doch gründen. 125 Les eins die bnooh, die gschriben sind vor mangen hundert jaren: gross Sünde macht den menschen blind (der tivel kan des varen), Das es gesichet noch gehört, 130 und liept im schnöde Sachen; die guoten sinn smd dann zerstört, des tuot der tievel lachen.^ Die sünd sind sness nnd liebent vast, das machet böser glast nnd b^: 135 sint gnoter gwissen nicht ze lass, so tnond ir recht, das globent mir. Ewiger got, verlieh uns gnad durch diner muoter gueti, gib uns dins heiigen geistes gab 140 und sterk uns unser gmueti! Din Wille werd an uns volbrädit: behuet uns beiden sei nnd er, das wir nicht komen in Sünden b&cht; mit dinen gnaden du uns ner! xxy. ich gieng eins morgens fitio am tag in ein hüsel, darinn lag vil gebeine von den toten, die zarten münd, die roten, 5 die warent gar verblichen; die stoltzen lib gestrichen 123 newn de. 125 ains. gesehribn. 127 sünd. 129 gesiebt* 1 30 jm schnöd. 135 gewissen. 186glaabent. 187yerleich. 138 deiner. 1 39 deins haiigen gaistes. 140 gemüte. 141 Dein will. 142 bniden. 144 deinen.' 1 ains. 2 ain hewseL 3 gebain. 6 leib. — 74 — die warent gar zergangen; die röselochten wangen die warent gar dahin. 10 ich gedacht in minem sin: ^owe jamer unde not, wie entschöpfet uns der tdt*! in den gedenken ich entschlieff. ein hopt mir vientlichen rieff: 15 „wol uff und wach und gang zuo mir, clegliche mer die sag ich dir: ich was ein wib unmässen schön, man lobt min stimm für vogel dön; gott hatt mir sinn och gnuog gegeben: 20 hett ichs angleit zuo rechtem leben! do was mir als den äffen, die in die spiegel gaffen: ich gfiel mir selb unma^sen wol (davon ich ewigs liden dol) 25 und was unstetes muote; des heiigen geistes huote schlnog ich von mir niit sünden gross. mich dünkte nieman min genöss: hochfertig und unkünsch was ich. 30 ich bin verloren ewenklich! das hän ich als mir selb getan: wes mich iust, das wolt ich hän, Fol. 24 (ich wolt min Iust nicht miden) des muoss ich ewenklich liden. 35 ich tröste micl^ mins atolt^^n Hb, darzuo was ich ein wankel wib. hett ich min lieb glegt an die e, so wer mir nicht als cleglich we. owe das ich ie wart geborn! 40 ich bin doch ewenklich verlorn: 1 0 meinem. 1 1 iamer und. 1 4 Ain haup. vientleich. 1 5 auff. 1 6 cleg- leiche. 17 ain weib. 18 mein. 19 auch. 20 ich. angeleit. 24 leiden. 26 haiigen gaistes. 28 dunkt niemant mein. 3t) yerlom cwenkleich. 33 mein, meiden. 34 ewenkleich leiden. 35 trost. meins. leib. 36 Dartzuo. ain. weib. 37mein.gelegt.ee. 38clegleich. 40 ewenkleich. - 75 — min liden ist an ende! ze potten ich dich sende zuo allen stoltzen wiben, das si das tuegint miden, 45 darumb ich armi bin verlorn. sag ins und fürchte nicht irn zorn!* In grossen sorgen ich entschlieff. das ander hopt mir yintlich rieff: 9W0I uff und wach und gang zuo mir, 50 clegliche mer die sag ich dir: ich was ein herr gar wol gestalt von Hb, von antlüt und hett gwalt land und lüt ze pflegen; gott der hatt mir geben . 55 wisheit, ere undeguot: hett ich geleitet minen muot zuo gerechten guoten dingen, so hört ich engel singen. des hän ich leider nicht getan! 60 ich was ein übergitig man: umb guot do was mir nieman zlieb, die loik treib ich als ein diep unde hatt unsteten muot: das tett ich alles umb das guot. 65 ungerechter richter der was ich. ich bin verloren ewenklich! das han ich als mir selb getan: vil frömder wib die wolt ich han und liess min elich wib gän; 70 min lust wolt ich durch nieman län und brach tegelich min e, des muoss ich haben ewig we. 41 Mein leiden, end. 42 send. 43 weihen. 44 sy. meiden» 46 furcht. 48 haupt. yeintleich. 49 auff. 50 clegleiche, 51 ain. 52 leih, antleut. gewalt. 53 leut. 55 Weyshait er und. 56 ge- laitet meinen. 59 laider. 60 ain ühergeitig. 62 loyk traib. ain. 63 Vnd 66 verlorn ewenkleich.^ 68 weih. 69 mein eleich weih. 70 Hein. 71 iegleich mein ee. — 76 — ach got, das ich ie wart geborn ! ich bin doch ewenklich verlorn: 75 min liden ist an ende! ich dich ze botten sende zuo grafen, dinen gnossen, und zuo allen herren grossen nnd warn si an den Sachen, 80 das si die gerech tikeit machen und Ijegint vast dem rechten zuo (so gewinnent si die ewig ruo) und habint got lieb für eile ding, dast aller wisheit urspring. '^ 85 In der red ich do entschlieff. das dritte hobt mir guetlich rieff: «wol uff und wach und kum zuo mir, vil guoter sach die sag ich dir!' es sprach zuo mir: «ich was ein wib 90 gar schön von antlüt und von lib und hatt darzuo guot sinne. mich betrog nie valsche minne: ich nam got zhilf und was gar vest und schluog da nss die bösen gest; Fol. 24^ 95 min hertz das tet ich halten, das es muoszt trüwen walten. es were fruo oder spät, so schluog ich uss des tiefeis rät und satzt mich vesteklich dawider 100 mit sinnen unde mit gelider. mit beten tett ich dem tiefel we, * und hatt gar stet die heiigen e. unhoffertig und demuetig, den armen was ich guetig; 105 nid noch hass hatt ich nicht acht 74 ewenkleich. 75 Mein leiden, end. 76 send. 77 deinen ge- nossen. 79 sy. 80u. 82sy.gereclitikait. 81 Rechten. 84wey8hait. 86dritt haubt. gütleich. 87 auff. 89 ain weib. 90 antleut. leib. 91 dartzuo. sinn. 92 miii. 93 ze hilff. 94 auss. 95 Mein. 96 trewen. 97 wer. 98 auss. 99 yestekleich. 100 und 101 betten, tiefe. 102 haiigen ee. 105 Neid. — 77 — und floch allzit den bösen bracht; darzuo so was ich messig, guoter sach nicht hinlessig; getrüw was ich mim lieben man, 110 ich wölt keinn andern für in hän gehebt in all der weit. unrechtfertig gelt das tett ich allweg fliehen, 6d red die tett ich schieben. — 115 also tet ich mich halten und nam ein recht alter und hatt fröd mit grossen eren (ich liess mirs nieman weren) und liess minn erben ere und guot: 120 das machet als min steter muot, da gab ich gantz minn willen zuo; des gab mir got die ewig ruo. — Darnach do tett ich sterben; do enpfalh man mich der erden. 125 nu hat mich got enpfangen schön, genomen in der himel trön; da hän ich ewigs leben, das hat er mir gegeben: die fröd ist gross, daz ist an zal, 130 und hett eins all der weite wal, es möcht ir nicht erdenken: rotten, Seiten klenken, darzuo der engel stinune; da sitzt die küniginne, 135 die muoter maget reine, von gold und edelm gsteine ein krön uff irem höbet, (allr sorgen gar berobet) da sind zwelf Sternen inne, 106 allzeit. 107 Daftzuo. 109 Getrew. meim. 110 kain. 116 ain. 118 niemant. 119 meinen. 120 mein. 121 mein. 126 hymel. 129 dz. 130 ains. weit. 132 saiten. 133 Dartzuo. stim. 134 künigin. 135 rain. 136 gstain. 137 Ain. auff. 138 Aller, beraubet. 139 zwelfPl jnn. — 7» — 140 gemacht mit götlich sinne ^. daz höbet sprach: «nu tuo so wol, darumb ich dich zwar loben soi: die sach sag allen wiben, das si sich taegint schiben, 145 als ich frowe hän getan, so wirt in och der ewig Ion*! Von rechten fröden ich entschlieff. das vierde hopt mir früntlich rieff: »wollaff und wach und gang zuo mir, 150 recht tuon und fröd die sag ich dir: ich was ein herr gar stoltz von Hb, und hett ich gsehen tusent wib, ich hett min e nicht gebrochen; vier jär recht als zwo wooheü 155 verdross mich niemer recht tuon; ich stifft och gerne frid und suon. got hatt mir sinn ooh gnuog gegeben, die leit ich au ze rechtem leben: das recht hat ich an massen lieb: Fol. 25 160 ich tot die morder und die dieb und schirmt witwen und weisen, die Hess ich nieman ueisen; ein rechter richter was ich zwar heimlich und och offenbar. 165 die seligen priester hatt ich wert. ich schirmt das recht zwar mit dem swert und was ein held mins muote. das kam mir dik ze guote gen got und gen der weit. 170 unrechtfertig gelt das tett ich allweg fliehen, 140 götleich sinn. 141 Dz. haubt. 143 weihen. 144 sy. Scheiben. 145 fraw. 146 auch. 148 yierd haupt. frewntleich. 149 Wolauff. 151 ain. leib. 152 gesehen tausent weih. 153 mein ee. 154 iar. 155 recht fehlt, tuon. 156 auch gern. 157 auch, geben. 158 lait. 161 waisen. 162 niemant naisen. 163 Ain. 164 haim- 'leicb. Auch, 167 ain. meins. — 79 — bös ret die tet ich schieben und batt gar lieb min elich wib: die was mir als min eigen Üb. 175 also tett ich mich hatten und nam ein wirdig alter. darnach do tett ich sterben; do enpfalh man mich der erden. nu hat mich got enpfangen schon, 180 genomen in der himel trön; da han ich ewigs leben, das hat er mir gegeben: die fröd ist grosz, das ist an mäss, und ritt einr all der weite strass, 185 e man es möcht betichten, mit schriben usgerichten, du möchtist zweintzig jar hie stän, e ich dirs gesagen kan. als gross ist fröd und wunne*. — 190 do gieng erst uff die sunne, das man si an den bergen sach. das hopt gar züchteklichen sprach: ,nu sag das allen mannen, das si vor sünden banden 195 sich huetint hie uff erden, das si nicht ewig sterben, und tuegint, als ich han getan, so git in got das ewig Ion''. ich gieng enweg und neig dem hopt, 200 wan es was aller sünden brobt. — dise rede heiszt der trön. nu geb uns gott das ewig 'Idn. amen. 173 mein bleich weih. 175 mein äigen leib. 176 ain 180 hymel. 184 äinr.w6lt. 186 schreiben äosgerichten. 1 B 7 zwaintzig iar. 189 wunn. 190' aüff. iunn. 191 sey. 192 haupt. ztich teklei^hen . 194 sy. 196 atrff. 1^6 sy. 198»geit jn. 199 haig. Haupt. 200 Won. beraubt. 201 red haiszt. — 80 — XXVI. Min willig dinst und och min rät Fol. 25^ den schrib ich üch mit trüwen. es si fruo oder spät, so land üch niemer rüwen, 5 Was ir ie guotes hand getan; hand sinn, ir wellint meren, so mugent ir gar wol bestan und nement uff an eren. Hand götlich lieb für all dis weit, 10 sind stet mit üwern worten: es wirt üch lieber wann alls gelt, und bschliessent eren porten. Hand er und schäm und gwissen guot, gotz vorcht in üwerm hertzen: 15 es git die lengi guoten muot ^ und behuet üch vor ewig smertzen, Und gewinnent glük uff erden hie, gross wird in üwerm alten; so spricht die weit: „daz ist doch die, 20 die hat ir er behalten*. Sind frödenrich in hertzen no me, denn ir gebaren; huet üch vor winkelschertzen, wan sicherlich, der tiefel tuot des varen. 25 Er nebt die weit zuo allen bösen sachen: 1 Mein, auch mein Rät. 2 schreib, euch, trewen. 3 sey. 4 euch, rewen. 8 auff. 9 Sand; doch h yorcorri giert, götleich. 10 ewern. 11 euch, alles. 13 gewissen. 14 ewerm. 15 geit. 16 euch. 17 gelükt auff. 18 ewerm. 19 dz. 21 frodenroich. 23 euch. 24 Won sicheiieich. 25 und 26 zusammengeschrieben. ^^81 -^ dafür so nein er kein gelt, niöcht er ein biderb wib zuo einer törinn raachön. Üwer gsind band tug^ntlichen 30 in recbter vorcbt mit mäss; die armen als die riehen die gruessent uff der sträss. Hocbfart die sond ir raiden demuetig mit geberen, 35 so mag üch nicht verschniden die hobetsünd, das wil ich wol beweren. Wan Lucifer hat nmb die sach gesunt und ist gevallen, des muoss er haben ewig ach 40 und sin genoss in jamer muossen wallen. Schlahent nid uss üwerm hertzen und hass, den bösen sämen, si bruefent jamersmertzen : davor behuet uns got. — nu sprechen amen. 45 Hand mass zuo üwerm essen; das sond ir wol besinnen, das ir üch nicht vergessen von keinem trank, daz ir des werden innen, Davon sich sinn oder geber 50 mugint icht verkeren: das wer ein sach gar swer und wurd sieb in dem alter schedlich meren. Huetent üch vor gehem zorn, mit gueti endt man vil: 27 kain. 28 ain. weib. Mit zuo neue Zeile, ainer. 29 ge- sind, tugentleichen. 31 reichen. 32 aufP. 33 meyden. 35 euch, rer- schneiden. 36 haubtsünd. 37 und 38 Won lucifer hat ymb die sach geualln. 40 sein, iamer. 41 neyd auss ewerm. 43 Sy. 45 ewerm. 47 euch. 48 kninem. dz. jnnen. 51 ain. 52 schedleich. 53 euch. WackerneU, Montfort ^ — 82 — ' 56 es wirt gar dikch verlorn, Fol. 26 der all sach rechen wil. Üwer glük das hand von got; huetent üch vor bösen wiben: die raten nicht dann spot, \60 mit zober gross taond si die weit verschniden, Und ist vil angelükch von der sach besohehen : das machent ir valschen ttikch, das wil ich wol mit gantzer warheit jehen« 65 Na merkent minn rat gar eben: min will ist gen üch guot: got muess üch seiden geben und darzuo gaoten muot! XXVII. V/sach alir sach, du bist an end, din wesen das was ie! kum heiliger geist behend, hilf mir uff erden hie: 5 Zünde au mit dinem für die hobetsünd von mir; des hilf got vatter, sun gehür, das ist mins hertzen gir! Wer aller menschen vernunst 10 beschlossen in ein höbet und darzuo ellü kunst, dannocht wer es der sinnen gar berobet 57 glükt. 58 euch, weihen. 59 spott. 60 zauber. y*schneiden. 64 war- hait. iehen. 65 mein. 66 Mein. euch. 67 euch. 68 dartzno. 1 aller. 2 Dein. 3 haiiger gaist. 4 Hilff. anff. 5 Zünd. deinem fewr. 6 hauptsünd. 7 hilff. gehewr. 8 meins. 10 aia baubet, 11 dartzuo. 12 beraubet. ~ 83 - In sölicher mass, das es möoht die wirdi gots durcbgründen : 15 es wer uff irrer strass, recht als obs wolt ein liecbt mit söhne anzünden. Min herr ob allen dingen, kein sinn mag dich volloben, nieman mag es volbringen: 20 wie hoch man gedenkt, so bist da dannocht oben. Wan aller engel vernunst Fol. 26^ und all ir claogen list, die hilfet nicht ir kunst, das si wissint, herr, wer da gentzlich bist! 25 Wan din drivaltikeit die ist gar ungepfecht; ich sprichs wol äff minn eid: all sach hasta beslossen in dinr almeoht. Herr got, da hast all sach geschaffen, 30 darzao der himel tron, höre ich von wisen pfaffen, da sigint engel soh6n: Die kannint dinn willen bekennen and darzuo dinen muot, 35 and taond sis enander nennen, damit wirt dwelt behuot. Si taond dinn willen halten gar snell und unverdrossen gen jungen und gen alten; 40 vor in ist nichtz beschlossen. 1 3 söleicher. 1 5 auff. 1 6 ob es. M i t ein neue Zeile, ain. 1 7 Mein. 18 Kain. 21 Won. 23 hilffet. 24 sy. gentzL (sie!) 25 Won dein driualtikait. 27 sprich es wol auff meinen aid. 28 dein*. 30 Daitzuo. hymel. 31 hör. weysen. 32 syglnt. 33 dein. 34 dartzuo deinen. 37 Sy. dein. 39 iungen. 40 jn. ^ — 84 — Si sehent in diner gotbeit clär, was si na söllent werben gar beimlich and nicht offenbar: her nider äff die erden 45 TuOLd si nach dinem willen, des habent si wol acht; nieman mag es gestillen, dafär so hilft kein macht. Unwandelberer gott 50 in allen dinen Sachen, ich reds an allen spott: die heiigen gschrift kan nieman anders gmachen; Wan das da bist ein gott anwandelber. 55 ich swers bi dim gebott: kein sach ist dir ze ringe noch ze swer. Du bist gar anverkert mit allem dinem wesen (din götlich gnad ans nert): . 60 din lob daz wirt vollsungen noch voUesen. Ich zeig dir och minn willen und tuon das mit begir : guot sach tuost in mich pillen, das gib ich wider dir 65 und danken dinen gnaden: wa ich han guots getan, das sint dins geistes gaben, süss mueszt ich ellent stan. 41 deiner gothait. 42 sy. 43 haimleich. 44 auff. 45 Kund; aber t Torcorrigiert. sy, deinem. 46 sy. 48 hilflPb kain. 60 deinen. 52 haiigen gesohrifPb. gemachen. 53 Won. ain. 55 by deim. 56 Kain. ring. 68 deinem. 59 Dein götleich. 60 Dein. dz. 61 zaig. auch mein. 65 deinen. 66 guotes. 67 deins gaistes. — 85 — Ein Schöpfer alles gaoten 70 hilf armen sünder mir: du schlechst mit seiden raoten, der sich ergibet dir; Du gist gar seldeklichen, wers tuot an dich begern, 75 den armen als den riehen die tuost du zwar gewem. Du weist zwar allen grünt in aller menschen hertzen: das ist dir alles kunt, 80 es si lieb, leid oder smertzen. Da du denn vinst das recht Fol. 27 und steten gantzen willen, das machest alles schlecht und tuost dem menschen grossen kumber stillen. 85 Du hast uns geben eigen willen und darzuo guot vernunst; tuond wir dann kein bös in uns billen, das ist nicht grechte kunst. Du hast kein unglük uns beschaffen, 90 das ist sicher war; wer anders redt, der glicht sich einem äffen, das velt nicht umb ein har. Almechtig gott, ich bekenne: als recht tuon kunt von dir; 95 (drivaltig ich dich nenne) das solt du globen mir, Das ich gentzlich verstau, daz an dich nichts guots mag volbracht werden. 69 Ain. 70 Hilff. 73 geist. söldekleichen. 75 reichen. 77 waist. 80 sey. laid. 85 aigen. 86 dartzuo. 87 kain. 89 kain yngelük. 91 gleicht sich aim. 92 ain. 93 bekenn. 95 Drejualtig. nenn. 96 gelauben. 97 gentzleich. 98 Dz, - 86 — eins muoss dia gnad bi im hän: 100 wellen wir, da bhuetst uns vor ewig sterben. Almechtig gott, ich taon bekennen all weltlich fröd and last und mnoss das für ein torheit nennen: die wisheit ist umbsast; 105 Wan alls weltlich lieb zergät mit leid, das ist noch als beschehen: wir wonent uff einer wilden heid, muoss ich mit warheit jehen; Wan weltlich fröd und all ir geber 110 (so hilfet och kein guot), es wirt am jüngsten alles swer und bringet unmuot. Ich hän die weit gesehen wol und nicht durch einen schliemen 115 (sid ich die warheit sagen sol): in die lengi solt ir achten niemen; Wan all ir sach daz ist zerganklich leben, und ist doch nicht denn ach, 120 ein wil ein fröd, darnach kans truren geben. Küng Salamon, der wis, der hat zwar recht gesprochen: die weit buw uff ein is, wan all ir sach die werd doch hie zerbrochen, 99 Ains. dein bey jm. 102 weltleich. 103 ain torhait. 104 weyshait. 105 Won. weltleich. laid. 107 auff ainer. haid. 108 warhait iehen.. 109 Won weltleioh. 110 hil£Pet auch kain. 114 ainen. 115 warhait. 116 nieman. 117 und 118 zusammen- geschrieben. 117 Won. 118 dz. zergangkleich. 119 die zwei ersten Worte von 120 in diese Zeile geschrieben. 120 Ain beidemal, weil. 121 salamon. weys. 122 hat zwischen der und zwar rot eincorrigiert. 123 baw auff ain eys. 124 Won. — 87 — 125 Und si nit dann üppikeit uff erden, dort her von Adams rip jamer und not und gät dann an ein sterben. Ich han gross lieb verlorn 130 mit sterben hie uff erden: mich stach der unmuot dorn, ich wand, mir möcht doch niemer also werden. Als gross hertzeleid ist mir beschehen, 135 sprich ich uff minen eid und wil das wol mit warheit jehen. Wer all fröd gemessen, Fol. 27^ der ich ie han gepflegen, es wer gen dem vergessen: 140 der unmuot hett es gentzlich widerwegen: Drü leid an ein fröd das ist mir ellweg beschehen: Die sach die dunkt mich öd, daz wil ich wol mit gantzer warheit jehen. 145 Ist das lust? das kan ich nit bekennen! dis leben ist umbsust, die weit muosz ich das jamertal nennen; Wan all ir wis und ir geber 150 das ist sicherlich ein spott und wirt am jüngsten alles swer. vergib mir, werder gott, 125seymcht. 125u. 126 zusammengeschrieben. 126üppi- kait auff. 127 adams ripp. 128 ain. 130 auff. 133 hectzlaid. 135 auff meinen aid. 136 warheit iehen. 140 gentzleich. 141 Drew laid. ain. 144 Dz. warhait iehen. 145 und 146 zusammen- geschrieben. 148 iamer taL 149 Won. weys. 150 sicher- leich ain. — 88 — Da ich mich hän vergessen vor grossem anmuot; 155 tuo mirs nach gnaden messen durch din vil heiligs bluot. Wan unmuot hat mich gevangen (ich hatt nicht rechter sinn), als krefteklich umbgangen. 160 nu hilf mir, küniginn, Pitt für mich unsern herren altissimnm, den werden, so muoss mir truren verren; wann wenn er wil, so mag ich nicht verderben. 165 Muoter und magt, ein ros der tugent, ein schilt der sünder, ich man dich an dins kindes jugent, und als du in geber: Pitt für mich, du reine magt, 170 (er tuot dir nichts verzihen): so ist mir erschinen der seiden tag, unmuot muoss vor mir wihen. Min herr, min vater, min hus, min hof, all min hoffnung lit an dir! 175 din gotlich gnade gen mir lof, das ist notdürftig mir. Min Werder got, min lieber herr, erbarm dich über mich eilenden: durch diner lieben muoter er 180 tuo mich an Sünden pfenden. Ich hän die weit gewandelt wol und bkenn: es ist ein gleich ; 156 dein, hailigs. 157 Won. 159 kefFtekleicb. 160hilff. 165 ain. 166 Ain. 167 deins. iugent. 168 jn. 169 raine. 170 verzeihen. 172 weihen. 173 Mein durchweg, vatter. haus. 174 mein. leit. 175 Dein gotleich gnad. lanff. 176 notdurfftig. 177 Mein beidemaL J 79 deiner. 1 92 ain glaich. — 89 — diu gnad ich darumb bitten sol, wir sigen an der menscheit weioh. 185 Hilf, Werder gott, ein Schöpfer alles guoten, das ich ersterb in dim gebott: dos bitt ich dich durch dine liebe muoter. Du hast uss kranken sachen 190 uns liplioh hie geschaffen: ietz weinen und denn lachen das kan die blöde menscheit an uns machen. Wan wer din gnad, sust muest ich gar verderben: 195 gib mir dins heiigen geistes gab, 0 starker got, bhuet mich vor ewig sterben! Ich opfer dir min unmuot gross Fol. 2S io din götlich gnad; an dir so lit min gantzer trost, 200 du gist die grechten gab. Herr gott, erbarm dich über der frowen sei, die ich han in minem muot, und hilf ir uss der wissen quel durch din vil heiiges bluot. 205 Ich man dich an din liden gross, und durch all diu werden marter kum ir sei mit gnad ze trost und nimm si uss aller swer. Herr gott, erbarm dich über mins vatter sei 210 und über miner rauoter 183 Dein. 184 sygen. menschait waioh. 185 Hilfif. 186 Ain» 187 deim. 188 deine. 189 auss. 190 leipleich. 191 wainen- 192 menschait. 193 Won. dein. 193 und 194 zusammengeschrieben. 195 deins haiigen gaistes. 196 hehüt. 197 mein. 198 dein götleich. 199 leit mein. 200 gei»t. gerechten. 201frawn. 202 meinem. 203 hüff jr auss. weyssen. 203 dein, haiiges. 205 dein leiden. 206 dein. 208 sy auss. 209 meins. 210 meiner. — 90 — und hilf in uss der wissen quel, du Werder got vil guoter! Herr got, erbarm dich über allr der sei, der guot ioh han besessen, 215 und hilf in uss der wissen quel, tuo ins nach gnaden messen! Herr got, erbarm dich über allr der sei, von den mir ie guot ist bschehen, und hilf in uss der wissen quel, 220 tuo götlich gnad ansehen! Herr gott, erbarm dich über all glöbig sei, der nieman tuot gedenken, und hilf in uss der wissen quel, tuo si mit gnaden trenken! 225 Es ist nicht anders daran denn sterben, uff erden hie vollenden; und gedeckten wir, wer wir muossen werden, es wurd uns dikch an grossen Sünden wenden. Ich bitt üch all gelich, 230 wer dis höret lesen, arm und och rieh (darumb das üch gott geb das ewig wesen) Pittent für mich tichter gott, den werden herren, 235 das er mir helf uss aller swer, darumb das üch kumber muesse verren! 211 hilff. auss. weissen. 213 aller. 215 hüff jn auss. weissen. 217 aller. 218 ye. bcschehen. 219 hilff jn auss. weissen. 220 göt- leich. 221 gelöbig. 223 hilff. auss. weyssen. 224 sy. 226 Auff. 229 euch, geleich. 231 auch reich. 232 euch. 235 helff auss. ^36 euch. — 91 — xxvni. Ich gieng eins morgens uss darch aventür Fol. 28^ spacieren in ein walt: vogel gesang ward mir ze stür, da vand ich brunnen kalt 5 Flussrich durch wasen und darch stein, ich sach vil wilder tier: der mei mit fröden da erschein mitt aller sinr gezier. Gezinnt, gekrispelieret 10 meng blatt was gebogen, der wald was wol gezieret unden and och oben: Von blettern bluomen slaonden schon ortocht, rant gemessen; 15 da bort ich vil der vogel don, octaf was nicht vergessen, Tenar und discantieren : die langen mass, die kurtzen hört ich die vogel zieren; 20 ich smacht vil suesser wurtzen. Rot, gruen und wiss sach ich die bluomen glesten und gel nach allem fliss, die blawen varwe sohetz ich für die besten: s 2 5 Stet an gerechten dingen dabi sol man beliben; wie möcht eim misselingen? die brune varw betütet nu ein swigen. 1 ains. auss. auentewr. Mit durch neue Zeile. 2 ain. 3 stewr. 5 Flussreich, stain. 7 may. erschein. 8 seiner. 12 auch. 14 Orthocht. 21 weyss. 22 gelesten. 23 fleiss. 24 varw. 26 Dahy. beleihen. 27 aim. 28 brawne. betewt. ain Sweygen. j — 92 — Fröind forin und gebrech 30 sach ich an blettem, bluoinen wachsen da gar speh: ich kans nicht fiirbas raomen. Also gieng ich in gedenken und hatt der bluomen acht. 35 die sunn begund sich senken, es nahet gen der nacht; ^Das tow begund nu risen, die vogel herberg suochen, gen der nacht sich spisen. 40 ich gedacht: wes will du nu geruoohen? Ich gieng von statt gar schnell, das ich kern uss dem walde; zuo einem wasser hell dar kam ich also balde. 45 Luter nnd was nicht ze gross, ein bach in rechter mass; der angesicht mich nicht verdross, waun er ran gen einer strass. Vor dem wald bgond ich nu sehen 50 ein veste wol gepuwen, kost muoszt ich daran spehen. ich gedacht: min gang sol mich nicht ruwen. Si was gepuwen mit gantzem flisz ze wer nnd och nach gmach; 55 darzuo so was si berlenwisz, ein rotes rubintach Hatt si gar kostberlichen, die knöpf die warent schön. 37 taw. reysen. 39 speysen. 41 ohne Absatz. 42 kam aus», wald. 43 ainem. 44 bald. 45 Lauter. 46 Ain. 48 Ran. ainer. 50 Ain vest. gepawen. 52 mein. nich. 63 gepawn. fleysz. 54 auch. gem&ch. 5'5 Darzuo, sy. weisz. 5 6 Ain. rubein tach. 5 7 sy. kostberleichen. — ^93 — uinnuot tett von mir wichen: 60 ich hört suess horndön, Fol. 29 Pelg tretten und von mund hört ich die hom erhellen, hin gieng ich do ze stund, ich hört gar lieplich schellen: 65 Ir klingen was ze hören für alles vogeldönen, es tett mir muot enbören: ich wand, es werint engel uss den trönen. Hin gieng ich zuo den porten 70 und batt mich lassen in. einr ruofFt herab mit Worten : 9 du solt da vornen sin'! Er sprach: ^und kanst du lesen, sich oben an das tor: 75 es mag hart anders wesen, du belibist och davor*! Das tor was wol beschlagen mit rotem gold, dem vinen, mit buochstaben durchgraben, 80 karfunkel sach ich gar loblich schinen. Die lagent in dem gold, das man gesach wol zlesen die geschrift den frummen hold, das mocht nicht anders wesen. 85 Ich las, das meineid und die zagen soltint da vornen sin; die wolt man all verjagen, ^ darzuo den töchterlin. 59 weichen. 62 hellen. 64 liepleich. 68 auss. 70 eyn. 71 Ainr. 72 sein. 74 eben. 76 beleibist auch. 78 yeinen. 80 lobleich scheine. 82 ze lesen. 83 geschrifft. 85 mainaid. 86 sein. 87 veriagen. 88 Dartzuo. töcht^rlein. — ' 94 — Die gewalt tetint an Iren eren, 90 der Hess man kein genesen: das tor wolt man in weren, das mocht nicht anders wesen. Morder und verreter die wolt man all da töten: 95 von in da las ioh grosse swer von jämer und von nöten. Ketzer und die valscher, die wolt man brennen, sieden: von in da las ich grosse swer, 100 daran wil ich nicht liegen. Bober und die dieb die wolt man höhten, henken (die hat man da nicht lieb): die bösen schelkche wolt man all ertrenken. 105 Valsch richter wolt man liden (die liess man nicht genesen,) vierteilen an die widen, das mocht nicht anders wesen. Lügner und die claffer 110 den wolt man zungen abschniden, von den da las ich starki mer: si muoszten jämer liden. Valsch urteilern wolte man beschniden oren und zungen ab, 115 das muoszten si da liden und darnach in ein bad. £brecher bi selgen wibeu die wolt man zuo süwen legen, 90 kain. 95 u. 99 jn. 101 Rauber. 102 haubten. 1 04 schelkch* 107 Viertailen. wydeu. 110 ahschneiden. 112 Sy. lejden. 113 urtai- lem wolt. beschneiden. 115 sj. leiden. 116 ain. 117 bej. weihen, 118 sewD, — '95 — (das muoszten si da liden) 120 am morgen fruo mit einem schit uff heben. Den wuochrern krotten braten Fol. 29*^ (die muoszten si da essen) und darzuo einer näter, wann si band gots vergessen. 125 Ich ruofft uss friem muote: ,tuo uff mir, torwart!* er sprach: ,hab dich in huote! ich swers bi minem hart: Du hasts nicht als gelesen 130 oder bist ein heilig man; es mag hart anders wesen, du nemist schaden daran.' Er sprach: ,sich an die porten oben an das tor, 135 die vers vindst du mit Worten: du belibest noch davor.* Ich las, wer brech die zehen gebott, der möchte nicht hin tn; er wurd mit worten gar ze spott 140 und sölt hie vornen sin.' Ich las, wer tet der siben todsünd ein, der wurd gar hart geschlagen; verbotten wurd im allgemein, das laster mueszt er haben. 145 Ich las, wer hetti nid od hass und hett nicht gar vergeben, dem wer davornen noch vil bas, es gieng im an das leben. 119 sj. leydeo. 120 aiaem scheit auff. 122 sey. 223 dartzuo. ainer. 124 sy. 125 auss freyem muot. 126 auff. 127 huot. 128 by meinem. 130 ain hailig. 136 beleibest. 138 mOcht. eyn. 140 sein. 141 ain. 143 allgemain. 145 neyd oder. 148 jm. ~ 96 — Ich las, wer sinem ebencristan aicht gund 150 eins gaoten als im selb, wie hart man den mit strikken band, das er möcht werden schelb. Eins maeszt all stind gelassen hän und niemer me getuon, 155 das möcht an sorg wol hin in gän, es wer ein rechter suon. Ich las die vers, die warent hert. ich sprach: «torwart, ich hör nicht hin in; wan also hän ich nicht ein gvert, 160 ich muoss leider hie vornen sin!* Ich sprach: , lieber fründ, sag mir: was Wunders ist nu die sach?*. er sprach: ,das wil ich sagen dir, beit ein wil nnd var gemach: 165 Hie inn sind forsten und edel herren und darzuo werde ritterschafr, die tuond sich aller Sünden werren, vor ziten warent si manhaft. Och bi der weit sind si gewesen 170 in ernest und in schimpf, zuo den besten hat man si userlesen: si künden fröd und och gelimpf, Und gestuonden doch dem rechten bi; das hat sich nu enpfunden: 175 des sind si aller Sünden fri, nnmuot ist in verswunden. Ir wisheit hat verstanden, das bi der weit ist üppikeit. 149 seinem eben Cristan. 150 Ains. jm. 153 Ains. 156 ain. 158 ain. 159 Won. ain geuert. 160 laider. sein. 161 frewnd. 164 Bait ain weil. 165 jnn. 166 dartzuo. ritterscbafft. 168 zelten, sy m»n- hafft. 169 Auch bey. sy. 170 ernst. 171 sey auserlesen. 172 Sy. auch, 173 bey. J 75 sey. frey. 177 weyshait. 178 Bey. vppikait. — 97 — an gottes dinst sind si nicht lass, 180 des sind si behuet vor ewig leit, Und band die weit geflohen her, Fol 30 all sünd händ si gelassen; ze gottes dinst stät all ir ger: si sind uff rechter Strassen.' 185 Ich sprach: ,fründ, behuet dich gott, ich wil nicht lenger hie stän.* er sprach: ,nu beit an allen spott, ich wil dir nach eim herren gän. Mich dunkt, bekennen er dich werd: 190 er hat die weit gewandelt vil, er was ein gsell uff diser erd und hat och getriben ritterspil.* Ich sprach: «so wil ich also stän und wil din herwider warten, 195 davon so tuo mir noch im gän unde bring in an die porten.** Der herr gieng mit züchten schon gen mir zuo dem tor; aller liechter was er an, 200 dri karfunkel truog man im vor: Der glast gab liechten brehenden schin. er gruoszt mich durch die porten; also hiess er mich got wilkom sin, zuo mir sprach er mit worten: 205 «Din gevert das nimpt mich wunder zwar; wer hat dich her gewiset? hie inn so ist der werde gräl, wir sind gar wol gespiset 179 sy. 180 sy. lait. 182 sy. 184 auff. 185 frewnd. 187 bait. 188 aim. 191 ain gesell auff. 192 auch. 194 dein. 195 jm. 196 Und. jn. 200 Drey. jm. 201 schein. 203 sem. 205 Dein. Mit wunder neue Zeile. 206 geweyset. 207 jnn. 208 gespeyset. Wackemell, Montfort« 7 — 98 — Mit allem, so unser hertz begert; 210 des hand wir gnuog ze standen, des sind wir als von got gewert nnd haben wol enpfunden. Das unrecht tuon ist ein verderben zwar an lib und och au sei. 215 des sind wir komen zuo dem gräl und habent iemer mer Wunn und fröd und noch vil me, wir mugent och nicht sterben, ir varent uff eim wilden se 220 davomen uff der erden (Sprach der her zuo mir gar schon): wenn wilt du abelassen? din leben ist ein rechter trön, du buwst ein irre Strassen.^ 225 Ich hau dich lang erkennet wol: davon muost du mich rüwen, das du bist also torheit vol, du solt dich zwar vemüwen. Ker von dem leben und var herin, 230 du muost all sünd vor lassen: wie möcht dir iemer bas denn sin? du werist uff rechter Strassen*. Ich sprach: ,herr, ir ratent recht, das wer das ewig leben.*' 235 er sprach: ,din zung ist gar sieht: du tuost mir Wörter geben. Tetist du die werch darzuo, als du bist mit den werten, 213 ain. 214 leib. auch. 218 auch. 219 auff aim. 220 auff. 223 Dein. ain. 224 bawst ain jrre. 226 rewen. 227 torhait. 228 v'newen 229 Her, k vorcorrigiert. h'ein. 231 sein. 232 auff. 235 dein. 237 dartzuo. — 99 — so Word dir dis morgens fruo 240 geschlossen uflF die porten. Fol. 30^ Wan red an werch zwar nicht vervaht, das du magist komen herin; die wil du bist in sünden bächt, so muost davbrnen sin *. 245 Er sprach: «din tichten und cluoge wort die sind gar guot ze hören; tetist du die werch, so wers ein hört, und liessist von dir stören All sünd oss dines hertzen grünt 250 und tetists fürbas niemer me: an lib an sei wurdist du gsunt und wurdist bhuot vor ewig we. * Ich sprach: »lieber herr, ich weisz nicht, wie ich mich sol halten; 255 sölich sin ist mir noch verr, davon tnon ich in grosser torheit alten: Wan liplich begir das tuot mich grosslich wenden.* er sprach: ,das was och mir, 260 untz das ich tett min potschaft mit willen senden Ze got, dem werden herren, gab ich uff als weltlich leben: do tett mir truren verrep, wan er hat mir all min sünd vergeben 265 Hie inn ist. nicht denn wol und haben ewigs leben (sid ich dirs sagen sol): got hat uns gnade tusentvalt me geben, 240 auff. 241 Won. 243 weil. 244 sein. 245 dein. 247 ain. 249 auss deines. 251 leib, gesunt. 252 behüt. 254 waiz. 255 Söleich. 256 torhait. 257 Won leipleich. 258 grossleich. 259 auch. 260 mein potschafft. 262 auff. weltleich. 263trawren. 264 Won. mein. 265jnn. 268 gnad* ta\\^\v\.\s^\.. tgl^ 1^\^\.^. — 100 — Denn menschlich sinn 270 iemer möcbt erdenken; aller truebsal ist von ans hin, unser muot der bat kein arges wenken. Wir mngent nicht mer Sünden mit gedenken noch mit sinnen. 275 nieman mag es durchgründen , das da sin halbes möcbtist werden innen, Was grosser fröd in diser vest wir haben: . es wer ein saoh gar öd, 280 der sichs annem and meinti dirs ze sagen.' Ich stuond als in eim trön, min maot der was verirret. zao mir sprach er gar schön: ,din sin ist zwar mit der weit verirret, 285 Das du nicht weist wa hin oder wie da dich solt halten, als lieb als ich dir bin, tao nicht also in grosser torheit alten.* Der herr der sprach zao mir gar schon: 290 ,dir liebet noch die weit: si git am jangsten bösen Ion, da pawst ein irres velt* Er sprach: ,dins Irrens da mich erläsz, oder ich gan von der porten; 295 sag mir ass diner sinne masz, bescheid mich des mit werten*. Er sprach zao mir: Fol. 31 9 sag an, was ist das liebst äff erden?* 269 menschleich. 271 trübsail. 272 kain. 276 sein halbs. jnnen. 277 und 278 Was grosser fröd wir haben. 279 ain. 280 mainti. Mit dirs beginnt in der Hs. neue Zeile. 281 aim tr6m. 282 Mein. 284 Dein Sin. 286 waist. 288 tor- hait. 291 Sej geyt. 292 pawst ain. 293 deins irens. 295 auss deiner. 296 Besohaid. 298 auff. — 101 — ^ ich sprach: «das sag ich dir: 300 ein wolgerätni S, da mag nicht liebers werden.' Er sprach: ,da hast gar recht, ich hän dich wol verstanden: du bist der firowen kneoht und list in anmuot banden, 305 Und weist doch wol, das alle creatnr mnosz sterben (sid ich dirs sagen sol): es ist ein rechtes gleich nff diser erden. Und ist din mnot doch weich, 310 and söltist doch pillich yerstftn, das es ist ein geleich: als weltlich lieb mit leid doch mnoss cergAni * Ich gedacht aber an min wib, Yor leid do bgond ich besehen. 315 er sprach: ,dn krenkest dinen Hb, got tuet all saoh im besten. Dn bist nicht wis, der sin wil dich betriegen; dn puwst doch selber nff eb is 320 nnd weinst glich als ein kind in einer wiegen, Und mnost doch selber sterben: all sach die mnosz zeiglln, din lib ze nkhti werden, am jüngsten tag herwider nff erstän. 326 Davon so lass dich bennegen dinr eren nnd dins gnots (got kan all sach wol (hegen) nnd hab ein gnoten mnot 300 Ain. de. Mit da neue Zeile. 303 £rawn. 304 leist. 305 waist 306 all creatawr. 308 ain rechts glaioh auff. 309 dein, waich. 310 piUeich. 311 am, gelaioh. 312 welt- leioh leib. laid. 313 mein weib, 314 laid. 315 .deinen leib. 316 jm. 317 weis. 319 pawst. auff ain ejs. 320 wainest gleich, ain. ainer. 322 Dein leib. 324 aufT. 326 Deinr. dems. 328 ain. - 102 — Wein fürbas umb dio missetat» 330 din Bund die lass dich rüwen. got ir sei ze gnaden hat, des sollen wir wol getrüwen. * Ich sprach: «ir ratent eben, ich häns verstanden wol: 335 ich hans längs got ergeben, sinr gnad ich danken sol; Und mag doch nicht gelassen, wenn ich tuon an si gedenken, ich si uff unmaot Strassen: 340 min hertz das tuot sich truken nnde senken. Si dienet got mit willen züchtig nnd bescheiden, unfrid tett si stillen, all üppikeit tett ir sicher leiden. 345 Ich hän vil wib gesehen bi allen minen tagen: bris muoss ich ir jehen, uff minen eid wil ich die warheit sagen. Von sölher jugent 350 hän ich nicht vil gehöret gross frümikeit und ir tugent: h* sterben hat mir des muots vil zerstöret Sölt ich nu ewenklich leben, so mueszt ich iemer clagen; Fol. 31^ 355 so hat mir got och geben die selben sorge muoss ich teglich tragen. 329 Wain. dein. 330 Dein. rewen. 331 jr. 332getrewen. 336 Seiner. 338 sy. 339 ey auff. 340 Mein. und. 342 beschaiden. 344 üp- pikaifc. laiden. 345 weih. 346 Bey. meinen. 347 Breys. iehen. 348 Auff meinen aid . warhait. 349 ingent. 350 gehört. 351 fhi- mikait. 353 ewenkleich. 355 auch. 356 sorg, tegleich. — 108 - Das ich wol weiss min sterben and weiss nicht weihe stand: ich maoss hin in die erden, 360 min sei von mlnem mond. Davon ergib iohs goit» dem werden herren, der tnot all sach im besten, liden maess ir verren, ' gott nem ir sei se raowen and se resten! * 365 Der herr der sprach: «das hör ich gern, die dag ist recht gemessen. Weinens solt da na enbem, ir sei tao nicht vergessen; Wan si hat sich recht gehalten 370 gen kanden and gen gesten: (in Sünden taond wir alten) got nimpt das mensdii im besten. Ich hän si och erkennet wol: grefinn Ment was si geheissen; 375 ir mnot was eren, togent yöI« si tett ir trüwe Idsten.* Der herr sprach: «wilt da noch verBtin, das die weit ist ein zerganklioh leben^ da solt Yon diner torheit lAn, 380 die narrenschaechli von dir geben. Für liplich sterben hilft kern aaoh, schön, sterk noch Mmikeit tao nff die ogen, mit sinnen wach: weltlich lieb zergät mit leid.* 385 Ich sprach: »frünt» behaet diöh got! ich wil nicht lenger hie st&n^ 357 waiss mein. 358 waiss. 360 Mein, meinem. 361 mit herren neue Zeile. 363 Leiden. 367 Wainens. 369 Won. 373 auch. 374 gehaissen. 376 trew laiaten. 377 ain aergaagkleidi. 379 deiner torhait 381 leipleich. hilift kain. 382 Mmikait 383 anff. augn. 384 Weltleich. laid. 385 frewojh. — 104 — er sprach: ,nu beit an allen spot, ich wil dir nach einr maget gän. Die ist ein jankfrow bi dem gräl, 390 die wirt dir sagen die rechten mer. was ich dir sag, das ist vil war: din sin ist noch der sei gar swer.*^ Ich sprach: , so wil ich also stan und wil din herwider warten, 395 davon so tno mir nach ir gän UDde bring si an die porten*^. Die jankfrow gieng mit züchten schön gen mir zuo dem tor; aller liechter was si an, 400 siben karfankel truog man ir vor : Der glast gab Hechten brehenden schin. si graoszt mich durch die porten; also hiess si mich got wilkom sin, zuo mir sprach si mit werten: 405 „Du bist ein gast an disem tor, muoss ich mit warheit jehen; ich furcht, du blibist ietz davor, das ist dir wol an zesehen.' Ich sach an das götlich kind: 410 ir antlüt gab sunnen schin; von ir schöni ward ich blind, des stuond ich da in grosser pin. Ich sprach: «edlü, stoltzi magt, Fol. 32 üwer schön hat mich geblendet* — 415 jics ist vil war, das du da sagst, din sünd hat dich gepfendet. 387 halt. 388 ainr magt. 389ainjunkfrawbey. 392 Dein. 394 dein. 396 Und. sy. 397 junkfraw. 399 sy. 401 schein. 403 sy. wilkomen sein. 404 sy. 405 ain. 406 warhait iehen. 407 beleibist. 409 götleich. 410 antieut. schein. 412pein. 414 Ewer schöni. 415 sagst. 416 Dein. — 105 — Hettist du nicht sünd uff dir, so wers dir nicht beschehen, das solt du frilich globen mir, 420 wil ich mit warheit jehen. Diu süntliche ogen mugent nicht gesehen die clarheit unser tugent: (es ist vor lüten och beschehen) wir haben uns von jugent 425 Gehuet vor allen Sünden zwar; davon so haben wir liechten schin, des sind wir komen zuo dem gräl. keinem menschen mag bas gsin Denn hie in diser veste: 430 wir haben nicht wann fröd und behalten nu die selgen geste, die sünd sind vor uns schnöd.*' Ich sprach: «junkfrow, möcht ichs von ücb gehän, das ich wurd widergesehen?* 435 si sprach: »du wurdist licht von mir gän, es soi hernach beschehen. Du muost ie hören mine wort, ob du dich wellist verkern. gereohti 1er das ist ein hört, 440 des sol sich nieman wem. Ich wil dir sagen von diser vest, dabi solt du bekennen, das recht tuon ist das aller best, all sach die tuot sich trennen 417 auff. 419 freyleich gelauben. 420 warhait iehen. 421 Dein suntleiche augn. 422 clarhaifc. 423 leuten auch. 424 iugent. 425 sunden. 426 schein. 428 Kainem. gesein. 429 vest. 43-1 gest. 433 junkfraw. euch. 335 leicht. 437 meine. 439 ain. 442 Daby. — 106 — 445 Aq götlich gnad (die ist zwar iemer wernde): er wiget mit der grechten wäg, all selikeit tuot uss im ze berade. Die mure wiss von berlen via 450 betütet guot gedingen, das kein cristan mensch sol sin, es soll darnach vast sinnen, Das es werd aller sünden an mit bichten, bnessen, rüwen: 455 das möcht dann frölich herin gän, des sollen wir got getrüwen. Inwendig an den muren so sind die stein smaragden, amantisten (betütet kusch und rein), 460 gemacht mit cluogen listen. Die turn in diser vest von saphirn, crisolitus gemachen, daran nistent nicht die spim. in gottes willen tnond wir frölich wachen. 465 Die betütent stet am globen, frölich an nid und hass. ich stan sin äne logen, uns möcht nicht werden bas Fol. 32^ (Sprach du maget wolgetan): 470 der turne der sint dri, als gebresten sind si an, vor allen sachen fri. 445 götleich. 448 selikait. auss jm. 449 mawr weyss. vein. 450 Betewtet. 451 kain cbristan. sein. 454 beichten, rewen. 455 fröleich herein. 456 getrewen. 457 mawren. stain. 459 Be- tewiet kewsch. rain. 460 Gemachet. 461 mit von neue Zeile, saphejrn. 463 speym. 464 fröleioh. 465 betewtent. glauben. 466 fröleioh. neyd. 467 sein. laugen. 470 tum. drey. 471 sey. 472 frey. -- 107 — Den turnen mag nieman genabeD, er si dann aller Sünden in; 475 lierin so taond wirs nioht enp&hen, eins well dann gentzlioh abel4n Von allen Sünden iemer me nnde iederman vergeben; das ist behnet vor allem we 480 nnd hat zelon das ewig leben. Die turn sind ein figor der dilvaltikeit (sprach du magt mit sinnen), wünsch wnnder ist daran geleit; wer möcht des werden innen, ■ 486 Das ir ist einr almechtig nnd sind doch nemlich dri? der sin ist fürtrechtig, vor Wandel dnd si fri. Da ist wunder an ze sehen 490 nnd gät doch gereohteklichen dar, wil ich mit warheit jehen: nnd sin nimet war. Die tnot schowens nicht verdriesaen, an sehen tasent jär 495 als ein minut taotz in erschiessen, das ist sicher war. , Der red der soll wir hören, kein mensch mag es be^iaqen^ es wurd sich selber VSii^ 500 nnd mocht des glichen niemer werden innen. 478 turnen. 474 sey. 475 Herein. 476 Ains. gentzleich ablfta. 478 Und yederman. 480 und hat fehlt 4äl ain figawr d* dreyualtikait. 483 gelMt. 484 jnnea. 485 ainr. 436 nömleiGh diey. 488 aj frey. 490 gerechtekleiohen. 491 warhait iehen. 492 s^. 498 schawens. 494 tauMnt 495 ain. 496 uolwr. 498 Kain. 500 gleichen, jnnen. — 108 — Die almechtikeit gott mag nieman gar darchgründen, eins ward darion ze spott aod möcht sich ser mit gedenken da versüuden. 505 An in ist nie nichts worden, als gaot hat er beschaffen; an in wers als verdorben: / wer des nicht gelobt der glicht sich einem äffen. Zwölf ergger angeschossen 510 sint an der veste, ein figar der zwelf botten, die zwar ir beste Geworben händ in mange lant umb cristann geloben: 515 ir lib und gaot stuond dik ze pfant, des stand si äne logen. Daras so raefft man tag und nacht: Vker wider, sünder!* wer na des nicht nimet acht, 520 es wirt im dort ze swer. Die veste mit vier orten, das gaot ze sehen ist, das sag ich üch mit werten: ein figar der vier ewangelist. 525 Sie stand gar kostberlichen, Fol. 33 ir schriben ist gerecht; das anrecht maosz da wichen, wan si sint gottes knecht Mit mangem edelm schriben 530 band si mit got getan, 501 almechtikait. 503 Ains. 507 jn. 508 gelaubt. gleicht. ainem. 509 Zwölff. 510 vest. 511 Ain. zwelff. 512 best. 514 gelauben. 515 leib. 516 sy. laugen. 517 Daraus. 520 'jm. 521 vest. 523 euch. 524 Ain. 525 klostberleichen. 526 sclirei- bea. 527 weichen, 528 Won. sy. 529 schreiben. 630 sy. — 109 — dabi wil ich beliben, mit gottes hilf bestän — Sprach die magt gar lobesan: ein hus ist in der vest, 535 da ist wunder wol ze sehen an; und wers dann eben west, Der mueszt es sicher gerne sehen, also ist es gepüwen (wil ich mit gantzer warheit jehen 540 und reds bi minen trüwen): Sin Rechter glast, sin brehender schin, es hat ein bschlossen porten von Arabi r6t guldin (das sag ich dir mit werten) : 545 Darin gesmeltzet und ergraben all prophecien zwar, die buochstaben loblich erhaben, das velt nicht umb ein här. Underscheid der prophecien 550 mit mangem edelm gestein sichet man die kuschen irien, schmaragden gruen und rein, Amatisten, basiaten, saphir darzuo gehefiftet, 555 darzuo die granaten, karfunkel lieplich glesten; Grisolitus und adamast und darzuo die parillen: 531 Daby. beleiben. 532 hilff. 533 lobesam. 534 Ain haus. 537 gern. 538 gepawen. 539 warbait iehen. 540 bey meinen trewen. 541 Sein beidemal, schein. 542 ain besohlossan. 543 arabi. guidein. 545 Darein gesmeltzt. 547 lobleicb. 548 ain. 549 Vn- dersohaid. p'phecyen. 550 gestain. 551 Sicht, kewschen freyen. 552 rain. 554 und 555 Dartzuo. 556 liepleich. 558 dartzuo. — 110 — das git alles lieben glast, 560 das sag ich dir mit willen. Calcidoni und onichel die sieht man och da sehinen, manig edel gestein gar michel and gamahü, die vinen. 565 Na lassen wir die porten sin (sprach die magt gar wolgetan): das has das git sannen schin and darander stat d^r man. » Zwelf Sternen äff dem tach 570 sint lieplich an ze schowen: als sant Johans da sach ein figar anser frowen. Die maget rein treit si ze krön (an alle meil ir küscher lib), 575 des nigent ir die engel schon: si ist ein magt, genant ein wib. Das has ist ein fignre anser frowen, (sprach die maget mit sinnen) es ist lieplich an ze schowen, 580 da wirst noch wander innen. « Das ich dir sag von diser vest, Fol. 33^ das macht da gerne hören; wan recht tnon ist das aller best, die sünd lass von dir stören. 585 Das tach ist röt, wann sann dran schint, so glests als der tonr blikch. es ist gepawen für alle not, das schadt im wenig als ein wikch. 561 Onichel. 562 auch, scheinen. 568 gestain. 564 reinen. §65 Du lassen, sein. 567 haus. geit. schein. 569 Zwelff. auff. 570 liepleich. 572 Ain. frawn. 573 Trait si ze krön. || Die maget rain an alle mail || Ir kewscher leil (sie!) 575 neygent. 576 ain beidemal, weib. 577 haus, ain figur. frawn : schawen. 580 jnnen. 582 gern . 583 Won. 586 scheint, tom . 587 gepawn . 5 8 8 jm. am (sie !) — 111 — Die fürin rot betütet grossen ernst, 590 unser liebi hin ze got, das macht du hören aller gernst, es ist ane allen spott. Was tugent hat das hus subtil, ich kan dirs nicht gesagen; 595 und wers geschriben an pappir, es trueg zwar nicht ein wagen. Es ist so clär an alle meil in gottes willen gantz und gar und machet mangen sünder heil, 600 des solt du frilich nemen war. Der burgberg ist ein diamant, luter als ein spiegel, und ist ein adamast genant, ich wil dich nicht betriegen: 605 Sin grössi, hert, er ist so hei, her uff mag nieman komen, eim tuo dann gott sin gnad ze teil (das hän ich wol vernomen. Sprach du maget gar wolgetan) 610 mitt bichten, buessen, rüwen, das mag dann wol uffher gän, des sollen wir got getrüwen. Die vest ist ein figur des himelrich (sprach du maget uss fnem muot), 615 uff erd so ist nicht ir gelich, vor allem wandel wol behuot. 589 fewrein. Betewt neue Zeile. 592 Mit es beginnt neue Strophe, an. 598 haus subteil. 596 ain. 597mail. 599haiL 600frey- leich. 601aindyamant. 602 Lauter. ain. 603 ain. 605 Sein. hei. 606 auff. 607 Aim. sein. tail. 610 beichten, rewen. 611 auffh^r. 612 ge- trewVi. 613 ain. himelreich. 614 auss freyein. 615 Auff. geleich. — 112 — Da solt da nach sioDeo, das da och komist herin, so wirst da fröden innen; 620 es mag nicht anders sin, Da maesztist ie vor sterben; hettist da dann recht getan, dinr sei maeszt teil hinn werden, am jüngsten tage frölich afferstän.' 625 Ich sprach: «junkfrow, land mich gesehen, der tag der gat daher.* si sprach: ^das si beschehen nach aller dinr beger.* Ich sach den tag 630 nss firmamente glesten (die warheit ich üch sag), die nachtigall sang zwar bi den besten. Die jankfrow sprach mit züchten schon: »du solt got daramb bitten, Fol. 34 635 das er dir geb das ewig Ion, und tuos mit wisen sitten; Wan wilt du selb, got hat dich gern, du wirst gar schon enpfangen: gerechter bett der tuot er gwern, 640 darnach lass dich belangen.' Ich sprach: »junkfrow, behuet üch got, and gebt mir üwern segen.* si sprach: «vergiss nicht sinr gebot, gott muess din ewenklich pflegen ! 618 auch, herein. 619 jnnen. 620 sein. 623 Deinr. tail. 624 iungsten tag fröleich aufferstan. 625 junkfraw. 627 sey. 628 deiner. 630 Auss. 631 warhait. euch. 632 nachtgall bey. 633 junkfraw. 636 weysen. 637 Won. 639 gewern. 641 iunk- fraw. euch. 642 ewem. 643 seiner gebott. 644 dein ewenkleich. tf — 113 - 645 Und helf dir got zuo allen guoten sachen, das du nicht werdist der tivel spot: kunst du herin, so macht du frölich lachen: Hie inn ist weder nid noch hass, 650 und haben ewig fröd, wie möcht dir iemer werden bas? all sünd sint vor uns schnöd; Keines argen tuond wir nicht gedenken, wir mugent nicht me sünden, 655 an keinem guoten wenken — ich kan dirs nicht durchgründen Als gentzlich gar: unser fröd ist ungemessen, nieman mag sin nemen war, 660 eins mueszt dannocht mit Worten vU vergessen. Si sprach zuo mir: »nu gang enweg, du hast mich wol verstanden, und huet dich vor der sünden steg: herin lass dich belangen. 665 Pitt got, den werden herren, das er dir geb wisen muot, so muoss dir truren verren und wirt noch alles guot. Herr gott, erbarm dich über mich eilenden 670 durch die magt, die dich gebar; bös begir tuo an mir wenden, nimm min mit gnaden war; Wan an diu gnad so wer min sach vernicht: 645 helff. 645 u. 646 zusammengeschrieben. 647 spott. 648 herein, fröleich. 649 jnn. neyd. 653 Kains 655 kainem. 656 durchgrunden. 657 gentzleich. 659 sein. 660 Ains. 666 weysen. 667 trawren. 672 u. 674 mein. 673 Wow. de«L. Wackemellf MontfoiL ^ Fol. 34^ — 114 — 675 gib mir dins heiigen geistes gab, min irren weg die mach mir in ein schlicht. Got vatter, sun nnd heiiger geist, ein gott nnd iemer wemde, hilf, das ich dir also leist, 680 das mine werch mir gnade tuegint bemde Gen dir nach dinem willen; hab mich in diner haot: 0 tno mir kumber stillen durch din vil heiiges pluot! 685 Hilf mir zao dinen gnaden (darumb rueff ich dich an) mit dines geistes gaben: so mag ich wol bestan. "Wan wer din gnad, 690 so mneszt ich gar verderben: gib mir din seldenrichen gab, 0 starker got, bhaet mich vor ewig sterben! Ich man dich an din wunden röt, die du doch hast erlitten, 695 and an dinn herten willig tot: da hast für ans gestritten! Du hast mit dinem tod erworben uns Sündern ewigs leben; an der menscheit bist du erstorben, 700 gross gnad hast du uns geben. Du hast an schuld gelitten für uns verschulten armen, gnad, ewikeit erstritten, tuo dich gen mir erbarmen, 676 deins hailgii gaistes. 676 Mein-jn-en. ain. 677 haiig* gaist. 678 Ain. 679 Hilflf. laist. 680 meine, gnad. 681 deinem. .682 deiner. 684 dein, haiiges. 685 Hilff. deinen. 687 deines gaistes. 689 Won. dein. 691 dein seldenreiohen. 692 behuot. 693dew. 695 deS. 697deinem. 698sundem. 699menschait. 703ewikait. — 115 — 705 Alinechtiger gott, min herr ob allen Sachen, wa ich tuon wider din gebott: schlaff ich in sünd, o heiss mich wider wachen ! Ein küng der küng, 710 din macht ist nngemessen; das es ieman gründ, e zald man als raergries and ward dannocht diner wirdi vil vergessen. Wie möcht ich das betichten uss minen kranken sinnen? 715 mich daruss verrichten, das all din engel nie mochten werden innen? Din gotheit und din wird die ist zwar ungemessen: 0 hilf mir, wenn ich stirb, 720 das miner sei gen dir nicht werd vergessen. Min werder gott, min herre, hab mich in diner hnot durch diner muoter ere und durch all din heiigen guot! 725 Ich tichter pitt üch all, wer dis höret lesen, das ir an allen schall mir wünschint glük and dort das ewig wesen. Des bitt ich üch durch gott, 730 0 tuond an mich gedenken, das er üch behuet vor spott und tuo üch all mit sinen gnaden trenken. 706 Mein. 707 dein. 708 haiss. 709 Ain. 710 Dein. 711 iemant.. 712 wurd fehlt, deiner. 714 Auss meinen. 715 da- rauss. 716 dein, jnnen. 717 Dein beidemal, gothait. 719 hilff. 720 meiner. Mit werd neue Zeile. 721 Mein beidemal, herr. 722 deiner. 723 deiner, er. 724 dein haiigen. 725 euch.* 728 gelükt. 729 und 731 euch. 732 euch, semen. — 116 — Ich pitt lieh, werde priesterschaft, wa ir dis höriut lesen, 735 das ir sien so tagenthaft and wttnschen mir in der mess das ewig wesen. Daramb das üoh got niemer verlass .... XXIX. .F ro Welt, ir sint gar hüpsch and schön Fol. 35 und üwer Ion für Dichte, gar liebi wort und suess gedön — als irr, da ist kein schlichte! 5 Wer sich mit dir bekümbern tuot, der ist zwar in ein irrgang komen, and git am jüngsten bösen muot: das hän ich sicher wol vernomen*^. 9 Lieber gesell, wes ziehst du mich? 10 ich han dir dikch doch muot gegeben, das du mich hast so gar vernicht! du solt mit fröden mit mir Jeben: Lass vögelli sorgen und gang zuo mir und spring mit fröden an den tantz, 15 (das wil ich sicher raten dir) Fol 35^ setz ufif din hupt ein rosenkrantz. ' ,iDas tantzen hän ich gar verheissen, kein schappel getrag ich niemer me; 733 euch. priesterschaflPb. 735 seyen. tugenthafft. 737 euch. Mit 737 bricht Nr. 28 ab: Es fehlt ein Blatt. Die ersten vier Strophen mit Melodie. 1 weit. 2 ewer. 4 ierr. kain. 5 die fünfte und dreizehnte Zeile beginnt mit rotem Anfangs- bucli Stäben. 6 ain iergang. 7 geit. 9 zeichst. 16 auff dein haupt ain. 17 von hier an beginnt jede Strophe abwechselnd mit blauem oder rotem Anfangsbuchstaben, gar fehlt, verhaipen. 18 Kain. — U7 — ^ daz wil ich zwar an zwifel leisten, 20 es tuo mir wol oder we. Ich hän die weit gewandelt vil und han si gar wol gesehen: und ist doch als ein narrenspil, wil ich mit gantzer warheit jehen.* 25 „Und hast du dann ein katten gessen oder wilt du in ein closter varn? du solt die sach vil anders messen und solt dich selber bas bewarn. Sich mit willen an die wib, 30 tuo frölich gen mir lachen, die sind der weit doch leid vertrib, meinst du uss uns ein narrenspil hie machen? ' 9 Ich enweiss nicht, was ich machen wil: die weit ist ein zerganklich leben. 35 üwer antwurt der ist mir ze vil: gott tuot die rechten gaben geben; Die weit die git nn triegen das merteil in allen landen mit leichen und mit liegen: 40 0 pfuch der grossen schänden!' »Ich gelob, du wellist werden wild: wie hast du dich verkeret! sich an ein lieplich wiplich bild, ob sich din fröde meret 45 Schlach truren uss dem hertzen: wer sol all sach bedenken? 19 Dz. zweyfel laisten. 22 sey. 23 ain. 24 warhait iehen« 25 und 26 ain. 29 weih. 30 fröleich. 31 laid vertreib- 32 Mainst. auss. ain. 33 enwaiss. 34 ain zergangkleich. 35 Ewer* 37 geit. 38 mertail. 39 laichen. 41 gelaub. 43 ain liepleich weipleich. 44 dein. 45 trawren auss. — 118 — tuo lieplich mit mir schertzen, wau anmaot das tuot krenken. „Ir scblahent bri für gebratens dar 50 und messentz mit der eilen nss: wend ir nicht Sterbens nemen war? dafür ist nieman zwar behus. loh hän grosz wann and fröd gesehen von wiben and von mannen, 55 and ist in kartzer zit beschehen, mit sterben als zergangen. « „Da seist von alten meren da and wenst, die weit die well zergän. von wander maost da werden grä: 60 da solt frilich von den sorgen län, Da solt frölich hie äff erden sin (dir mag nicht anders werden) mit frowen and mit töchterlin: nicht sorg äff todes sterben.^ 65 „Solt ich nicht bedenken ewigs leben, war hett ich dann min sinn getan? Fol. 36 so Hess ich das best ie nnderwegen. ir sond zwar von den Worten län; Wan all sach die mnoss zergän 70 an got and die grechten himel, seien and engel taond och bstan unde geist, das wert als imer. ^ „Da seist von frömden meren hie, das gehört ich nie also gantz: 47 liepleich. 48 Won. 49 brey. 50 ein auss. 52 behaus. 54 weihen. 55 zeit. 57 saist. 60 freyleich. 61 fröleich. auff. sein. 63 frawen. tochterlein. 64 auff. 66 mein. 69 Won. 70 hymel. 71 tund auch beätän. 72 Und gaist. iemer. 73 saist. — 119 — 75 ich gesaoh seien noch engel nie, dafür so nem ich einen tantz. Wan ich hän trafen hür verheissen, also hän iohs angeleit, das wil ich zwar mit fr5den leisten: 80 sterben si den müsen gseit!*^ n Fro Welt, wend ir vergessen got, es wirt üch gerüwen am jüngsten tag; hielten ir die zehen gebot, das wurd üch lieb, als ich üch sag. 85 Sant Michel mit siner wäg der wiget übel and och gnot: so lit der tiefel äff der lag, davon händ üch in rechter huot.* glch wand, du werist ein ritter gwesen? 90 wa bist du nu in Stadium gestanden? du hast gar guoti buooh gelesen, du bindst mich da mit rechten banden. Ich muoss dir jehen: du hast recht: die weit ist ein zerganklich leben. 95 der got dienti, das wer schlecht; der tuot die rechten gaben geben.' ,Sid ir mir jehent, das h5r ich gern, so tuond och nach den Worten: hoffart, unkünsch sond ir enbem, 100 wend ir in himels porten. Nid und hass das sond ir län und begerent niemans er noch guot; 76 ainen. 77 Won. trawren hewr rerhaissn. 78 angelait. 79 laisten. 80 sey. gesait. 81 weit. 82 euch gerewn. iungsten. 83 ge- holt. 84 euch beidemal. 85 seiner. 86 auch. 87 leit. auffl 88 euch. 89 ain. gewesen. 93 iehen. 94 ain zergangkleich. 97 iehen t. 98 auch. 101 Neyd. 102 niemantz. — 120 — mit luessikeit sond ir bestän, dabi band ücb in rechter haot. 105 Vatter und muoter babent lieb lebent nnd ocb tot; ir sond och wesen niemans dieb: so behuet üch got vor not. Ir sond och nieman töten, 110 an recht sin bluot vergiessen, des unrechten nieman nöten: des land üch als verdriessen. Ir sond och got nicht üppklich nenden, üwern ebencristan habent lieb, 115 den armen almuosen senden, nicht sind üwer selbes dieb Ir sond nicht valsch gezüge sin und kein simoni nicht triben : so wont üch seid und glüke bi, 120 tuend ir dabi beliben. Üwern sabat sond ir halten und darzuo die heiigen 6: so tuend ir wisheit walten; Fol. 36^ wan unrecht tuon daz bringet we. 125 Hand got lieb vor allen Sachen, da gen sond ir nichts messen; ir wellint schlaffen oder wachen, so tuend sin nicht vergessen.*' „Du rätst mir da gar eben 130 die zehen gebott ze halten: 103 MSssikait. 104 Daby. euch. 106, 107 und 109 auch. 108 und 112 euch. 110 sein. 113 auch, vppekieich. nemen. 114 Ewern. 116 ewer selbs. 117 gezewg sein. 118 kain symony. treibn. 119 euch, gelükt bey. 120 dahey heleiben. 121 Ewern sabath. 122 darfczuo. haiigen ee. 123 weyshait. 1 24 Won. dz. 1 28 sein. 129 ratscht. — 121 — das wer eiu heiligs leben, das mag ich hart hie bi der weit gewalten. Wölt ich dann in ein closter vam, darinn ist nid und hass; 135 davor möcht ich mich kam bewam: hie vor ist mir noch bass. Sölt ich mich dann zen pfaffen ziehen, die haben t krieg, unküsch and git: das ich dir daran icht liegen, 140 du hörst wol in den landen wit. Sölt ich dann zeim einsidel werden, das ist kein besteter orden: ich möcht wol in eim wald verderben, warufF sol ich nu horden ? 145 Kern ich in dwilligen armuot (man nemptz die paginen), min sei die wer gar unbehuot: der tiefel wird si pinen; Wan es ist nicht ein gerechter orden, 150 die bepst händ si in ban; darinn wer eins zemal verdorben, wib und och die man. Ich enmein hie nicht den dritten orden! sant Francissen regel; 155 darinn wer eins zwar unverdorben, es wer uff grechten wegen. Ja, hielte es sich eben! unküsch tuot si etwenn betriegen : 131 ain liailigs. 132 bey. 133 ain. 134 neyd. 137 zuo den. 138 vnkewsch. geit. 139 lieg. 140 weyt. 141 zuo ainem ainsidel. 142 kain. 143 ainem. 144 warauff. 145 die willigen. 147 Mein. 148 sey peinen. 149 Won. ain. 150 sy. 151 ains. 152 Weib. auch. man. 153 enmain. 154 francissen. 155 ains. 156 auflP gerecliten. 157 hielt. 158 Vnkewsch. sey. — 122 — der tiefel ist uff allen wegen 160 mit sim gespenst, er kan wol leicheo, liegen. Es ist kein orden, er hab ein gallen, es si dann lützel oder ril. wander tuot in der weit ambwallen, das stat doch nun nntz nff ein zil. 165 Es ist kein cristanlicher orden, man verdint darinn übel od guot toost da mit gaoten werohen horden, so bist da zwar gar wolbehaot. Wenst da, die hell well äff dich vallen? 170 na ist si doch ander dir. taost da mit gaoten saohen ballen, so gwirt dir nicht, das glob zwar mir: Wan wer wirt getofft, der wirt behalten, hat es den globen and taot darnach; 175 wan got taot ie des rechten walten: Fol. 37 der meuscheit ist ze üppkeit gach.** 9 Na helf ans got, des bedarfen wir wol! fro Welt, ir sind da äff grechten sachen; sid ich die warheit sagen sol, 180 so kan ichs zwar nicht anders machen. '^ XXX. v/b allen sachen swebende, als laft taot über stein, 80 bist du, seiden gebende! vor allen dingen rein 159 auff. 160 seim. Mit er neue Zeile, laichen. 161 kain. ain. 162 sey. 164 auff ain. 165 kain cristanleicher. 166 oder. 169 auff. 170 sey. 172 gelaüb. 173 Won. getauffet. 174 gelauben. 175 Won. 176 menschait. uppikait. 177 helff. bedurffen. 178 Fraw weit, auff gerechten sach. 179 warhait. 2 lufft. stain. 4 rain. — 123 — 5 Bist da mit diner macht: nieman kan dich volloben. wie verr ich das betracht, so bist da dannocht anbedenklich hoch dort oben Wan da hast all sach geschaffen 10 mit diner ordenunge, firmament and speren all gemachen, wie sich die rident umbe, Das kan astronomi mit Worten wol betüten; 15 die kunst ist vor mir tri: zwar, wer si kan, der sol si billich träten. Si kan die zirkelmass ussrichten, der planeten gang ieklichen uff sinr sträss, 20 wie er lofft, kurtz oder lang. Das kan si als beweren, wie ieklicher tuot regnieren: si seit zwar nicht von meren, si kan es wol probieren. 25 Die vier elementen hast du gschaff'en, almechtig, werder gott, mit Worten als gemachen, ich reds an allen spott, Das du nicht bist 30 ein schöpfer keiner sünde, und doch kein eigenschaft an dich ist ich gelob: din lob kein menschlich sinn nicht gründe. 5 deiner. 6 Niemant. 8 vnbedenkleich. 9 Won. 10 deiner. 12 reident. 13 astronomey. 14 betewten. 15 frey. 16 sey beidemal, billeich. 17 Sey. 18 Aussrichten. 19 Jegk- leiclien auff seiner. 20 laufft. 21 sey. 22 iegkleicher. 23 sait. 25 geschaffen. 28 red es. 30 Ain schöpfer kainer sünd. 31 kaiu aigenschafft. 32 gelaub dein, kain menschleich. — 124 — Ein küng der küng, ein wesen aller wesen: Fol. 37^ 35 das din lob ieman gründ, e strich man ass das mer mit einem besen. Wan da hast all saoh geschaffen, almechtig, werder gott, grosz sach uss nichte gemachen. 40 ich swers bi dim gebott, Das du bist ein nffenthalt allr Sachen in himel und uff erden: das tuost du als mit dim gewalt, wann wenn du es lieszt, so mueszts ze nichte werden. 45 An anvang und an end almechtig bist du, ewig wemde! din götlich gnad mir send: all selikeit tuot uss dir bemde. Wie doch gedanken gaben 50 gar verr für ogen sehen! so mag in nichts genahen, das wil ich wol mit gantzer warheit jehen. Wan eins gedenket doch in die rechten himmel: 55 so sieht eins nicht einr mile hoch, im werd der luft vor sinen ogen timel. Ich kund zwar mit gedenken des glichen nie genahen: min sin der bgond sich krenken, 60 wenn ich wolt die wirdi gotz ergaben; 33 u. 34 Ain. 35 dein, ieman t. 36 £e. auss. ainem besem. 37 Won. 39 auss. 40 swer es bey deim. 41 ain auffenthalt. 42 Aller, hymel. auff. 43 deim. 44 müszt es. 47 Dein götleich. 48 selikait. auss. 49 gahent. 50 äugen. 52 warhait iehen. 53 Won ains gedenkt. 54 hymel. 55 ains. ainr meyl. 56^IuflPb. seinen äugen. 58 Desgleichen. 59 Mein. — 125 — Do ward ich zuo einem kind, oder mir beschach, als da eins sieht in die snnnen, das wirt von rechter clarheit blind: so ist doch dis vil ein minder wnnder. 65 Wer möcht daz liecht recht bedenken, das all sach hat geschaffen, der sin der mueszt sich krenken; der sich sin annem, man sölt eins daramb straffen, Eins wer dann eins selgen lebens 70 in gottes willen gar: der heilig geist möcht im wol geben, das es nem eben war Vil Sache zwar, das vor uns Sündern ist verborgen, 75 das wurd in sinen sinnen dar, recht als die sann kunt mit schönem liechtem morgen. Sid na gedanken noch kein kanst dinr gotheit mag genahen, eins hab es dann von dinem gunst, 80 das mag hinzuo wol gaben; Wan all sach and alles wesen mag wider dich nicht gewalten, man well es singen oder lesen: du hast dirs vorbehalten. 85 Doch hast du uns eigenn willen geben Fol. 38 ufF erden hie ze werben; wir mugent aber also leben, wir muossent ewig sterben. • Und wirt uff erden dik gebueszt, 90 wer üppig löff tuot triben; 61 aiDem. 62 ains. 63 clarhait. 64 ain. 65 dz. 68 sein, ains. 70 Ains beidemal. 71 hailig gaist. 73 sach. 75 seinen. 77 kain. 78 Deiner gothait. 79 Ains. deinem. 81 Won. 85 aigen. 86 Auff. 89 auff. 90 treiben. — 126 — und wirt im alter gar unsuess, davon solt mans vermiden. Wann got hat nns geben, wib und man, fünf sinn und guot vernunst; 95 davon ist er unschuldig daran, wer kunt in helle brunst. Wir verstand doch wol übel und och guot, all prophecien sind uns gseit. wer sich nicht hat in rechter huot, 100 es wirt im an dem lesten leit. Herr gott, ich man dich an all diu wird und an diu göttlich gnade. 0 hilf mir» wenn ich stirb, , gib mir din selgen gäbe, 105 Bicht, rüw und buoss an minem end, din fronlichnam, din heiiges bluot mit dinen gnaden du mir send und hab mich in diner huot Sinn und vemunft und gwissen guot, 110 din heiigen geist mir send: herr gott, hab mich in diner huot an minem lesten end! amen. xxxr. M ir kam ein priester fQr im trön mit wisheit und mit sitten. 91 jm. 92 vermeiden. 93 weib. 94 Fünff. 96 heU. 97 auch. 98 p'phecyen. gesait. 100 jm. lait. 101 und 102 dein. 102 göttleich gnad. 103 hilff. 104 dein. gab. 105 Beicht rew. meinem. 106 Dein fronleichnam dein haiiges. 107 deinen. 108 deiner. 109 vernunfft. gewissen. 110 Dein haiigen gaist. 111 dein*. 112 meinem. 1 ain. 2 weyshait. — 127 — mit züchten sprach er zao mir schon: ^du hettist wol vermitten, 5 Du hast gebluemte wehe wort getichtet von den wiben: schetzst du die weit für einen hört, so tuost du wisheit miden. Du hast von rosen und von bluomen 10 die farwen gen frowen gemessen, mit liedern und mit reden ruomen ^^*- 38 an in zwar nichts vergessen. Und hast och mit gflorierten Worten der frowen lob furbracht 15 mit sinnen uss dins hertzen porten: wa hast du nu hin gedächt? Und hettist du got nicht fürgsetzt ich wand, si werind din abgot gwesen, so hettist du dich selb zmal gletzt, 20 zwar das möcht nicht anders wesen. Da hast och edel gestein und gold und berlen gen frowen gemessen (mit Worten gist du in riehen sold), an in zwar nichts vergessen. 25 Du hast mit silmen, rimen cluog gar spehi wort geticht — hör uff! die sach ist nicht din fuog, es wiszt dich nicht die schlicht. Warumb hast du es geheissen schriben an? 30 da möcht wol sünd von komen 6 weiben. 7 Schßtscbt. ainen. 8 weyshait meiden. 10 frawn. 13 auch, geflorierten. 14 frawiä. 15 auss deins. 17 fiirgesetzt. 18 sy. dein. 19 ze mal geletzt. 21 auch, gestain. 22 frawn. 23 geist. reichen. 25 reime. 27 auff. dein. 28 weyszt. 29 gehaissen schreiben. — 128 — beide von wib und och von man; in minein sin vernomen, Sprach der priester zuo mir da, da hettist das wol glassen: 35 also wirst du in torheit gra und puwst ein irre Strassen. '^ Mir was, ich sprech zuo im im trön: min antwurt sond ir hören, das wil ich üch hie wissen län, 40 des land üch nicht betören. Ich sprach: ^warumb band ir die loik gschriben? die kriegt doch gentzlich widers recht; das hettint ir wol lassen blibeo^: in minem sin ist es nicht schiebt.' 45 Ich sprach: ^die loik ist erdacht ze hilf dem rechten gentzlich, das es werde volbracht; darumb solt du merken mich: Als unrecht ist gemessen, 50 wie man mug reden wider recht und darinn nichts vergessen; nu merk die sach, es wirt noch schiebt. Dawider ist geschriben das recht mit cluogen sinnen zwar, 55 underwegen nichtz bliben, das velt nicht umb ein här. Das miszt man genenander schon, damit wirt das recht gewiset, das es mag gar wol bestan: 60 manig man in torheit griset. 31 Bälde, weib. auch. 32 meinem. 34 gelassen. 35 torhait. 36 pawst ain. 37 jm. 38 Mein. 39 u. 40 euch. 41 loyk ge- schriben. 42 gentzleich. 43 beliben. 44 meinem. 45 loyk. 46 hilff. gentzleich. 47 werd. 54 zwar in der folgenden Zeile. 55 beliben, 56 ain. 58 geweyset. 60 torhait greyset. — 129 — Wer sich nicht wisheit flissen tuot und tagent vor allen dingen, der ist in die lengi anbehaot, im möcht wol misselingen. Fol. 39 65 Die loik ist gemessen, das recht da gen gekeret: ein man der taot si brechen, hat er die knnst geleret Mit dem rechten gwalteklichen 70 bricht man all ir artikel ab: so muoss die loik wichen, es ist vil war, das ich dir sag.' Ich sprach: «herr, das hör ich gern: ir länd min gschrift och wol da atan? 75 straff sond ir gen mir enbern, als ich üch wil wissen län. Die weit glicht sich der loik wol mit mangen frömden Sachen (sid ich die warheit sagen sol): 80 si kan gross triegen machen Mit manger cluoger wis, das einr geswner, es weri gold: so pnwt dann eins nff is: die weit git nicht getrüwen sold. 85 Das glichet sich der loik wol, als ich üch na sagen wil: # wenn ich die warheit reden sol, so ist die weit ein narrenspil. Der die weit hat gewandelt wol, 90 der bedenkt dann recht daz ewig leben; 61 weyszhait fleyssen. 65 loyk. 67 Ain. sy. 69 gewalteklei- chen. 71 loyk weichen. 74 mein geschrifft auch. 76 euch. 77 gleichet, loyk. 79 warhait. 81 weys. 82 ainr, 83 pawt. ains auff eys. 84 geit. getrewn. 85 gleicht, loyk. 86 euch. 87 warhait. 88 ain. 90 dz. Wackeraell, Montfort 9 — 130 ~ wan si ist grosser üppkeit vol: got tuot die rechten gaben geben. * Der priester sprach: »da hast da recht: bi swartzer varw tuot man wiss bekennen. 95 der gote dienti, das wer sohleht; weltlich sach maoss ich ein torheit nennen. Wan ein wiser man bekennet wol mösching bi göldes glesten. sid ich die warheit sagen sol, 100 so vindet sich doch recht tuon an dem lesten. Der krieg der si gescheiden (sprach der priester mit sinnen): sünd die läss dir leiden, so wirst du fröden innen.« 105 Mir was, ich sprech zno im im tr6n: «herr, ich wil nicht me tichten (das wil ich üch nu wissen län); ich kan mich nicht verrichten: Der weit loflf ist "gar ze vil, 110 unrecht hat niendert mässen, als ich üch nu sagen wil. min ret die tuond mich straffen: Ich bekümber mich ze verr mit tichten, (got kan allr sach wol walten). ^15 und soll min ding us^ricbten: ; also soll ich mich halten. Also wil ich von tichten län, (hert löff sind an den landen) Fol 39^ untz da^ ich sich, wie es wil gan: . . . 1.20 got bhuet uns all vor schänden! 91 Won. rppikaifc. 94 Bey. weyss. 95 got. 96 Welt- lejch. ain torhaifc. 97 Won ain weys\ 98 bey. 99 warhait. 100 vindt. am. 101 sey geschaiden. 103 laiden. 107 euch. 109 lauff. 111 euch. 112 Mein. 114 aller. 115 mein, aussrichten. 1^0 behüt — ISI - Ich wil kein guots vers^eren: . könd ich got lobeo, des faett ich recht; sin gnad die tuot nns neren. herr got, hab mich als dinen knecht!* ^^ 125 Wer merken wil der ^elte sin, der vindts in dikeni bäöch: ietzant her und denne hin, der es gern wiss, der suoch. Der vindet wandelbi^r^ im, 130 der es tüöt lesen, als ich tichter gewesen bin. herre got, gib mir das ewig wesen! Min geticht ist nicht rdü ein^n säo&^i^ (herf got, Kafe iam iä hiiot): 135 ich hän es ie darnach geinachen, ^ , als mir do was ze muot: Wan wes das hertz begei^^nd lÄ^ der mnnd tnots dikclk^ s^ei!r/ weigeret, das ist ein claoger list, 140 ders tuot mit züchten trägen. Han ich mich irAt Mta tUcUteä in den rimen i^tideil f€r^^etli das tue ein ander sphlichten: ich kan es nicht als messen. 145 Ein zimberman hat dikcU- 6in lidiMÄf fetlib^'^n; die er miszt mit sitten: so hän ich vil geticht in weiden und in o^en und darzuo geritten. Dis buoch hän ich gemachen 150 den sechsten teil wol zrossen; 121 kain. 123 Sein. 124 dein. 125 weit. 126 fmdt ^. 127 den. 132 Herr. 133 Meid. alüi. 137 Worii 138 dickdh. 139 ain. 141 meinem. 142 reimen. 1*43 ain. 14ä Ain beitlW mal. yerhawen. 147 awen. 148 dartzaö. 150 sebiiszteti te(il. z^ix>i^seb. — 132 — dainimb sol nieman lachen, ob es ist als gentzlich nioht beslossen, Als ob ich es hett mitt Sitten assgemessen 155 nnd wer gesessen an eim bett: so hett ich zwar dest minder ichts vergessen: Und denn gross sachen han zschaffen, darzuo die rimen messen, das möcht einn irre machen: 160 ich möchte gar wol etwas hän vergessen. Wie vil ich hab mit sinnen gemachet lieder und reden, des werdent ir na innen: ich wil üchs gentzlich an den tag hie legen. 165 Der reden sint sibentzehen, das ist sicher war, (got geb ans ewigs lehen) das velt nicht amb ein här. Dri briefe vindt och in dem baoch, 170 der es taot lesen: ders nicht geloben well, der saoeh. Fol. 40 herre got, gib ans das ewig wesen! Zehen lieder hän ich gmachen, als si hie geschriben stan, 175 etlichs frölich and och lachen: also maoss als zergan! Die wisen zao den Heden der bän ich nicht gemachen 15^ gentzleich* 154 aussgemessen. 155 ainem. 158 ze schaffen dartzuo. reime. 159 ain irr. 160 möcht. 163 jnnen. 164 euchs gentzleioh. 168 ain. 169 Frey brief stand auch. 171 gelaubn. 172 Herr.' 173 gemachen. 174 sy. 175 Etleichs iröleich. auch. 177 weysen. — 133 — (ich wil üch nicht betriegen): 180 es hat ein ander getan firölich und och lachen. Ob ich üchs sagen wolt, so seit ich üchs zwar recht: die wisen hat gemachen Bürk Mangolt, unser getriiwer knecht. 185 Ze Pregentz ist er gsessen und dient uns gar schon: vil wis hat er gemessen mit loblichem don. Er nahet och dem alter, 190 vil muotz ist im zergangen; des sollen wir got län walten, der behuet uns vor hell branden. Das alter tuot uns schaden an sinn, an kraft, an muot; 195 wir sien überladen: herr got, hab uns in huot! Die weite die muoss gar zergän: muotrich und stoltzer lib, schön und kraft mag nicht bestan; 200 darzuo die werden wib: Ir schön die tuot verblichen, muot und kraft muoss als zergan, das tuot zwar von uns schlichen: der tot der wil uns nicht län. 205 Dabi muoss man bekennen, das die weit ist ein zerganklich leben: 179 euch. 180 ain. froleich. auch. 181 und 182 euchs. 183 weysen. bürk mangolt. 184 getrewer. 185 pregenta. gesessen. 187 weys. 188 lobleichem. 189 auch. 190 jm. 192 banden. 194 krafft. 195 seyen. 197 weit, gar fehlt. 198 Muotreich. leib. 199 krafft. 200 Dartzuo. weib. 201 yerbLßichen. 202. krafflb. 203 schleichen. 204 der fehlt. 205 Daby. 206 am zergankleich. — 134 - t es tuot sich als zertrennen. got taot die rechten gaben geben. In dem ein und viertzehii hundert jär 210 bän ich die red geniacjien, das ist sicbei^lichen war. minr torheit muoss ich lachen. Das ich so vil getichtet hau von mangerleie sachen; 215 davon so wil ich fürbas län, ich künd sin nicht me machen. Vil mnots ist mir engangen gen der weit mit tichten: ich künd es nicht me erlangen, 220 mich dams verrichten. 0 mnot, ein sach die ze loben ist, ders tuot mit wisheit walten: das sag ich üch an argen list, Fol. 40^ den jungen und den ajten. 225 Wan gerechter muot daz ist ein krön in himel und ufT erden; damit verdient man daz ewig Ion. ein mensch mag nicht verderoen, Das gerechten muot in h^^^zen hat 230 und tuot dabi beliben: es si fruo oder spftt, glük muoss zuo im schiben. Muot überwindet me dann kraft an mannen und an wiben; 2 0 9 ain. yierczehun hundert (sio !) i4r. 211 sicherleichen. 212 Meiner toTbait. 213 getioht. 214 mangerlay. 216 sein. 220 daraus. 221 ain. 222 weyshait. 223 euch. 224 iungen. 225 Won. dz. ain. 226 hy- meL auff. 227 dz. 228 Ain. 230 dabey beleih». 231 sey. 232 glükt. jm soheiben. 233 kraflt. 234 weihen. — 135 — 235 muot machet lüte sigehaft und taot gross Sachen triben. Das als von kreften nider leg, das tuot zwar muot erwekenf muot ist in keinen sachen treg, 240 tuot üb und guot dar streken. Wer also hat einn guoten muot und hat dabi einn rechten sin, der gewinnet er und guot: das merkch als lieb und ich dir bin. 245 Wan wa vil muot an wisheit ist, das mag die lengi nicht bestän (das sag ich üch an argen lidt): es muoss mit narrenspil zergäü. Guoter muot ist allweg guot^ 250 daz möcht ein kind zwar wol veuv««»^, wer sich dann hat in rechter hüöt^', das mag frilich an den Strassen gän^ Ich bitt üch all gemein, wer das buoch höret lesen, 256 das mir ieklichs sunder ein , / wünsch gelükch und c(5rt das ewig weseh ; Darumb das üch got behuet • ■ ■ . • 1 vor bösen banden, und sterkch üch all mit siner guet, . '. 260 das üwer keines niemer werd ze söhähden. amen. '.' I .. f 235 leut sighafft. 236 treiben. 237 krefften. 239 kainen. 240 tuot fehlt. Leih. 24]. ain. 242 dabey ,aiö^. 245 Wo«, weys- liait. 247 euch. 250 Dz. ain. 252 freyiich.t. .2^53 0uch. gemain. 255 iegkleichs. ain. 256 gelukch. 257 und 259 euch. 259 alle! sein*. 260 ewer kains. I t — 136 — xxxn. ilin wider heb ioh lichten an FoL 41 mit hilf gots, des yerden herren. an dich so mag ich nicht bestan, du tuest mir gnade meren 5 Mit diner götelichen kraft: dinn heiigen geist tuo senden, an Sünden mach mich sigehaft, bös sach tuo an mir wenden. Wann cinoger sin und grechter mnot 10 das komet alles sampt von dir: uss dir so flüsset nicht denn guot, das sol man sicher globen mir. Du bist ein sach aller saohen» der gereohtikeit ein herr: 15 kein unrecht tuost du machen, darumb ich sicher swer. Wann all sach wirt gemessen, es si übel oder guot, darinn zwar nichts vergessen. 20 wer sich dann hat in rechter huot, Huet sich vor hoffart und liegen unde si och nicht ein dieb: damit tuot eins den tiefel triegen, und wirt im an dem lesteh lieb. 25 Ewiger got, du starkoher, an anefang bist du ie gewesen; din gebot hat nindert markchen, din lob das wirt vollsungen noch vollesen. 2 hilff. 5 deiner götleichen kraffb. 6 Dein haiigen gaist. 7 sighafft. 9 gerecht'* 11 Auss. fleusset.- 12 gelaubn. 13 ain. 14 gerechtikait ain. 15 Kain. 18 sey. 22 Und sey auch. ain. 23 ains. 24 jm. 26 je. 27 und 28 Dein. — 137 — In bimeln noch uff erden 30 mag dich nichts voUoben, din \rerch kan nieman gwerden: ob allen sachen swebst du dannocht oben. Was guotes wirt betrachte, und sol man das volbringen, 35 das beschiht mit diner machte, es si puwen, sagen oder singen. Wann wer dir dient mit stetem gantzem <\inllen, der hat dir wol ze danken, darumb wann sölh sach tuot uss dir ze pilden. 40 Wann wer gen dir icht wolt messen oder gen dir geliehen, der tet sich ser vergessen; wann himel und erd das mueszt doch alles wichen, Wenn du es liest: Fol. 41^ 45 du hebst mit dinr almechte so gar an widerdriess: das ist mir ze hoch und über min getreohte. Ein wiser man möcht lachen, wenn ers recht tet besinnen, 50 das du kanst also machen, des wir doch uiemer mügen werden innen; Und sehent es hie mit ogen an uff erden und wissent doch nicht wie: 55 wie möcht wir dann dinr drivalt innen werden? 29 Inn hymeln. auflP. 31 Beine, gewerden, dannocht fehlt. 33 betrachtet. 35 deiner. 36 sey pawn. 39 auss. 40 ich, und t eincorrigiert. 41 geleichen. 43 hymel. weichen. 45 deiner. 47 mein. 48 Ain weys'. 51 jnnen. 53 äugen, anff. 55 dein' dryualt ymmer jnnen. — 138 — Wer zeit die regens tropfen, die hinfür vallen werden, die sannen wil darohstopfen 60 mit einem stabe hinnff von der erden, Der möcht wol irren an allen clnogen fänden, mit sölioher saoh bewirren: noch minner mag menschlich sinn die gotheit durchgründen. 65 ]>»» \nl ioi^ lassen bliben. wer gelükch han wil uff erden, das miPiOfi^ yoa got dar sohiben : des sol man innen werden. Wann unglük kunt von Sünden 70 und von verschulten Sachen: das tiMt sich sicher gründen, ich kans nicht anders machen. Hett Eva gots gebott nit gebrochen, die weit die hett kein Tiden: 75 das waa:d gar ser gerochen, das mag ich nicit verswigen. Das widerbracht diö iiiägt, die junkfrow muoter reine (als sant Matheus sagt), 80 mit ireto tindfiri eine. . . Wol uns, das si ie ward geborn, ein bluom der selikeit: si verriebt uns grossen zorü und belrtiote uns vor ewig leit. 66 aiti'6in stab hinauff. 61 jrren. 64 menschleich. Mit die nette Zette. gothait. 65 beleiben. 66 geläkch haben, auff^ 6T sdlkeiben. 68 jnnen. 69 yngelükt. 73 era. 74 kain leiden. 76 TersWeigen. 78 iunkfraw. rain. 80 kindlein ain. 81 sf j^ 82 Ain. selikait. 83 u. 85 Sj. 84 behuot. lait. — 139 — 85 Si truog zware ireu herren und aller weite got: unser gelük das tet si meren, das ist an allen spot. Das kind ist geborn 90 von einer junkfrowen; das tett den tiefein zorn: ir gewalt der ward zerhowen. Des sind die Juden blind in gesehendi ogen: 95 geboren ist das kind, das wellents nicht geloben. Si betrügt der talamuot mit gar gelogenn sachen: zwar das tuot in nimer guot, Fol. 42 * 100 si schlaffen oder si wachen. All propheoien sind bescheben, die sach ist vollbracht: das wil ich wol mit warheit jehen, ich häns gar recht bedächt. 105 Ir beiden, ir sült das verstan: als Grist ward geborn, umb üwer göter was e^ get&s, ir gewalt der was verlorn. Appollo der tett vallen, HO als im sant Gregori gebdt, vil geist in jamer wallen ; Crist half uns uss ewig not, 85zwarjren. 86 weit 87 gelükt. sy. 88 spoti. M ainr junk- frawn. 94 äugen. 95 geborn. 96 gelaubn. 97 Sy betreu^. 99 nymer. 100 sy beidemal. 101 p*phecyen. 103^ warhftit iehen. 105 hayden. 106 crist. 107 ewer göttep. 110 Grwgory. 111 gaist. iamer. 112 halff. auss. — 140 — Mit sinem tod erworben (hab ich gar wolbedächt) : 115 wir weren ewig gstorben, davon hat er uns brächt. Und fuor gen hell, darnss er nam» die sinen willen hetten getan, ' als siner grechtkeit wol gezam: 120 die wurden aller sorgen an. Ir heiden, es sind tiefel gwesen, die ir da angebettet hau; das hab ich in der warheit glesen : ir gewalt mocht nicht lenger stan. 125 Wa vindt ir me keinn abgot, der üch red und antwurt geb? Crist ist geborn an allen spot: ir sind nicht ufiF dem rechten weg. Der sin noch beit, er ist doch geborn 130 und ist vor langen ziten- komen (das red ich gar an allen zorn): er hätz all uss der hell genomen. Ich meine die gerechten, die sinen willen hetten getan: 135 darumb sol nieman vechten, den krieg den wil ich nieman l&n. Wer gelobt, daz got almechtig si, der gelobt billich an die drivaltikeit, der wonent dri sachen bi, 140 und ist ein got uff minen eid. . 113 seinem. 115 gestorben. 117 darauss. nain. 118 seinen. 119 seiner gerechtikait. 121 haiden. gewesen. 123 warhait ge- lesen. 125 kain. 126 euch. 127 spott. 128 auff. 129 sein, bait. 130 zelten. 132 auss. 133 main. 134 seinen. 137 gelaubt dz. sy. 138 gelaubt billeich, dreyualtikayt. 139 drey. bey. 140 ain. auff meinen aid. — 141 — 0 Wesen aller wesen, an anvang und an end (vollschriben noch vollesen mag es nieman): din götlich gnad mir send! 145 Almechtig got, hilf mir mit dinen gnaden, das ich nicht werd der tiefel spot: kum mir ze trost mit dines geistes gaben! Wann an din macht 150 so wer min sach vernichte; das ich mit dinen gnaden tracht, min irren weg die oiach mir in ein schlichte. Ich raeff dich an, als Adam tett Fol. 42^ (er stuond gen dir in buosse): 155 almechtig got, gwer mich der pett, ' hilf miner sei uss böser sünde mosse! Ich halt dich ein got und minen herren, got vatter, sun gemein, 160 0 heiiger geist, tuo mir gnade meren! Tuest du mir gnade senden, so mag mir nichts geschaden, an keinem guoten wenden: almechtig got, tuo mich mit gnaden laden! 165 Trib von mir bösen willen (darumb rueff ich dich an), guot sach tuo in mich pillen, so mag ich wol bestan; 142 Ane aneuang. 1 43 Vollschreiben. 1 44 dein götleich. 1 46 Hilff. deinen. 147 spott. 148 deines gaistes. 149 dein. 150 mein. 151 deinen. 152 Mein jrren. ain. 155 gewer. 156 Hilff mein', auss. sünd. 157 ain. 158 meinen. 159 gemain. 160 haiiger gaist. 161 genade. 163 kainem. 165 Treib. — 142 — Und sich mich an, 170 das ich si der behalten. an all din heiigen ich dich man: durch irn willen tuo min mit gnaden walten. XXXIII. i/ie weit die tuot gedenken nach guot und grossen eren tuot sich mang mensch versenken in jamers pin, daruff möcht n^an wol sweren. 5 Und muossent wir doch sterben und alles hinder uns lasam, unser lib zokiiti werden (ders recht bedecht) : wir puwen irre Strassen. Wer ich nu tusent jär alt, 10 hett acht hundert strit gestritten, zerstochen gar den Swartzwald, mit speren hin zerritten, Und der best gewesen in schimpf und och in ernst, 15 für menklich usserlesen: so wiszt ich aller gernst. Was hulf mich das? min wer doch schier vergessen, als man tuot des meien gras. Fol. 43 20 der gote dient, der hett daz recht gemessen. 170 sey. 171 dein haiigen. 173 mein. 4 iamers pein darauff. 7 leib ze nichti. 8 pawen Jrre. 9 tausent. 10 streit. 11 swartzwald. 14 auch. 15 inengk- leich ausserlesen. 17 hulff. 18 Mein. 19 mayen. 20 got. dz. — 143 — Wer ioh als stark^ als Samson was, und hett Absolons sohöne« was möcht mich na gehelfen das» sung ich Serenen döne? 25 Wer ich als schnell, als Asahel was, und wer als wis als Sakmon: ' *^ was möcht midi nu gehelfen das? die zit die nem mich doek davon 1 Wer ich als eluog, als AfisUrtiles was, 30 und hett all weit gewaltklioh ion; was möcht mich na gehelfen das? gar klein dnnkts mich in mtnen limi! Der half mich keins fBr sterben; weger wer mir gottes hold, 35 gnad, ewikeit erwerben. herr got, gib mir recht gedaM, Sid all sach nu muoiss zergän hie uff diser erden: ■ der tod wil es durch nieman Iftn, 40 wir muossent aRe sterben f Was puwen wir dann nff ein is und wissent das f&r w&r? daran so sien wir nicht wis, das velt nicht umb ein hftr! 45 Gedechten wir off ewigs leben,, als wir uff weltlich Sachen toon» got tet ans grosse gnade geben, umb unser sünd wer es ein suon. 21 samson. 22 absolons. 23 und 27 gehelifen. 24 serenen. 25 asahel. 26 wejs.salamon. 28 zeit 29 äristotiles. SO gtswidtkleich jnn. 31 gehelffen. 32 klain dankt, meine. 33 hnlC kains; 3^5 eid'ikaft. 38 auif. 41 pawn. aüff äin ejs. 43 seyen; w«!yt. 44' aih. 45 auff. 46 aufT weltleieh. 47 gnm gnad. 48 aih; — 144 — Es wer dooh besser muren, 50 denn gepuwen von holtz und strd: an der not half es für truren, so wer sin eins gar frd. Die weit ist ein glesin hus, der glantz ist 'bald zerbrochen, 55 das man muoss gar schnell daras nnd in der erden soeben. Ich han gross wnnn und fröd gesehen von mannen und von wiben, und ist in kurtzer zit beschehen: 60 der tod tets anders schiben. Was hilfst gaot, manheit and witz? es mnoss doch als zergän: der tot der nimpts mit sinem litz, wir magent nicht bestan. 65 Die sei die hat ein ewigs wesen, es si in übel oder in gaot: das hab ich in der warheit glesen. — herr got, hab mich in diner haot! Wann an dich ist nie nicht worden, 70 als gaot hast du beschaffen, an dich wers als verdorben: der des nicht gelobt, der glicht sich einem äffen. Din ie, diu iemer wesen mag nieman zwar bedenken, Fol. 43^ 75 geschriben noch gelesen: menschlich sin sol sich darin nicht senken. Wer wol bedecht, das er sterben muoss, . und das got ein grechter richter ist, 49 mauren. 50 gepawn. 51 bulfP. trauten. 52 sein ains. 53 ain. haus. 55 daraus. 58 weihen. 59 zeit. 60 scbeihen. 61 hilffet. manhait. 63 seinem. 65 ain. 66 sey. 67 warbait gelesen. 68 deiner. 72 gelaubt. gleicht, ainem. 73 Dein ye. 75 Geschreiben. 76 Menschleich. darein. 78 ain gerechter. — 145 — der tet im selber süoden buoss, 80 das sag ich üch an argen list; Wann die gerechtikeit gott, die ist gar wol ze besorgen (das sag ich üch an allen spott): da gedenkent an den abent und den morgen. 85 Mit got ist nicht ze schertzen mit ungerechten Sachen: es bruefet jamersmertzen ; wenn ichs bedenk, so lust mich nicht ze lachen. Als got ein grechter richter ist 90 (das ich da glob und wil och also sterben)» so sag ich üch an argen list: es wirt als gebueszt dort oder hie ufif erden. So tuot och got keins guoten nicht vergessen 95 (das sag ich üch kn allen spot): er tuot es als mit siner almecht messen. All hoffnung und fröd an got das ist ein zerganklioh leben und ist sicherlich ein spot 100 got tuot die rechten gaben geben. Ich hän der weit gedienet vil und hab wunder von ir gsehen; und ist doch als ein torenspil, wil ich mit gantzer warheit jehen. 105 Wer all sin sach uff got tuot puwen, der hat das rechte fondament, 79 jm. 80 euch. 81 gerechtikait. 83 euch. 87 i^mer. 89 ain gerechter. 90 gelaub. auch. 91 euch. 9 2 gebuetzt. auff. 93 auch. 94 Kains. 95 euch, spott. 96 sein*. 97 frod. 98 ain zergankleich. 99 sicherleich ain spott. 102 gesehen. 103 ain. 104 warhait lehn. 105 sein. auff. paw . 106 recht. Wackemell, Montfort 10 — 146 — das swer ich zwar bi minen trawen. wer sioh nach süntlich sachen sent, _ Der puwt uflf is, 110 darzuo stat er in sorgen; da vindt sich, das er ist nicht wis: es kumpt doch der tod nnd wil eim nicht me borgen. Es vindt sich als am jüngsten tag, da wirt das recht gesprochen. 115 es ist vil war, das ich üch sag: als nnrecht wirt gerochen, Übel und guot das wirt gegen enander gmessen; davon händ üch in rechter huot, 120 wann sicherlich, es wirt gar nichts vergessen. Das recht muoss da einn fürgang hän, ungeirret aller sach, Fol. 44 und das unrecht undergän in ewig we und ach. 125 So sitzt der herr gar unversmogen angesichte aller weit glichs als uf eim regenbogen. da hilfet weder kunst noch gelt: Das recht muosz da ein fÜrgang hän, 130 nieman mag das gewenden. all die weit muoss vor gott da stän: also tuot es sich enden, Und under andern Sachen eines wirt ein urchünt: 135 (got tuot mit almeoht machen) iedes mensch des andern sünd 107 bey mein trawn. 108 süntleicb. 109 pawt auff eys. 110 Dartzuo. 111 Das vindt. weys. 112 ainem. 113 iungstn. 115 euch. 118 gemessen. 119 euch. 120 sicherleich. 121 ain. 122 ungeierret. 125 sitz. 126 Angoicht. 127 Gleichnüst. auf. aim. 128 hilffet. 129 ain. 134 Ains. ain. 135 Yedes. — 147 — Bekennt gar wisseklichen, als die es selb bat getan, so muoss das unrecht wichen 140 und das recht einn fürgang hän. Und da bekennent wis und toren, das got ein grechter richter ist, das nieroan wirt verloren, dann umb sin schuld an argen list. 145 Als menschlich geschlecht wirt vor got gericht: die ungerechten in ewig echt, wann all ir hoffnung ist hinfür für nicht. So tuot dann gott 150 der gerechten mit gnaden walten (das sag ich üch an allen spott): er tuot si all in ewikeit behalten. Was* got hinfiir dann machen werd, das kan ich nicht bedenken,! 155 in himeln oder hie ufif erd: menschlich sin sol sich darin nicht senken. Gott hat all sach angesehen, e das ers hat beschaffen: • wird und lob muoss ich im jehen, 160 ich chans nicht anders machen. Doch weiss ich wol, das recht tuon ist an dem besten: sid ich die warheit sagen sol, so vindt^all sach im Ion am lesten. 165 AUmechtig gott, ich meff dich an, hilf mir zuo dinen gnaden; 137 Bekennet, wissekleichen. 139 weichen. 140 ain. 141 weys. torn. 142 ain gerechter. 143 niemant. verlorn. 144 sein. 145 mensch leich. 151 euch. 152 sy. ewikait. 155 Inn hymeln. auff. 156 Menschleich. darein. 159 jm iehen. 161 waiss. 163 warhait. 164 jrn. 166 Hilff. deinen. 10» — 148 — an didi so mag ich nicht bestan: kam mir zetrost mit dines geistes gaben! loh mag nichts gnots volbringen 170 an hilf mit diner maoht, gesagen noch gesingen: hab min mit gnaden acht! Erbarm dich über mich eilenden, allmechtiger, werder gott: 175 bös sach tno an mir wenden, pitt ich an allen spott. XXXIV. •Diin dinst mit gantzen trüwen! Fol. 44^ vor^liebi muoss ich wachen; min fröd begint sich nüwen: also kan got gross leid ze fröden machen. 5 Ich danken got, dem werden herren, sines gnedigen ergetzen, wann traren tuot mir verren: alls guot tnot er nach sinem willen setzen. Was sol ich dir me schriben? 10 ich han ein gantz bennegen, an dir zwar stet beliben. got tno ans beiden seid and glükche faegen Und behaet ans beiden sei nnd er dnrch siner maoter willen, 15 mit sinen gnaden er ans ner and tao ans komber stillen. 168 deines gaistes. 170 hilff. deiner. 172 mein. 173 Derbann. 175 mür (sie!). 1 Mein, trewen. 3 Mein, newen. 4 laid. 6 Seines. 7 trawren. 8 Alles, seinem. 9 schreiben. 1 0 ain. 1 1 beleiben. 1 2 baiden* geldkch« 13 baiden. £r. 14 seiner. 15 seinen. > — 149 — Du werdes wib, ich kan din nicht vergessen, du bist mir lieber denn min lib: 20 min hertz hast du gewalteklich besessen. Davon bis stet und lass nicht ab, bis trüw vor allen dingen, du zukchersuess, min bluejender hag, so mag ich frölich singen. 25 Solt ich kein ander gen dir messen (da behuet mich got von himel vor), so hett ich mich gar vast vergessen: beschlossen wurde mir der seiden tor. Du lass mich dir enpfolhen sin, 30 min lieber buol, min höchster hört! wann ich bin sicherlichen din, das sag ich dir mit einem wort. Ich wölt kein ander für dich han, des swer ich dir bi' ritters orden ; 35 des macht dich frilich an mich lan, wann also bin ich bichtig worden. Also raut ich dir mit trüwen : hab got lieb vor allen sachen, es tuot dich sicher niemer rüwen, 40 du wellist schlaffen oder wachen. Wer götlich vorcht in hertzen hat, der tuot als unrecht hassen, es si fruo oder spät, in hüsern od ufif gassen. 17 weib. 18 dein. 19 mein leib. 20 Mem. gewaltekleich* 22 trew. 23 mein blueyend*. 24 fröleich. 26 kain. 26 hymel« 28 wurd. 29 sein. 30 Mein beidemal. 31 sicherleichen dein* 32 ainem. 33 kain. 34 by. 35 freyleicb. 36 beychtig. 37 trewu. 39 rewn. 41 götleioh. 43 sey. 44 Inii heusern od und (sie!) auff. — 150 - 45 Gesigelt mit luineu rechteu trüweu, damit ich dir versprochen hän. ich hoff, es tuo mich niemer rüwen, ich well mit gottes hilf bestan. Geben ze Wienen in der vasten Fol. 45 50 nach Grists gebart: viertzehenhundert jar (in seiden muessen wir rasten) und in dem andern (das ist war) ^ Von mir — du weist wol, wer ich bin: ich bin dir hold mit eren, 55 (von gottes gnad hän ich den sin) ich lass mirs nieman weren. XXXV. Min dinst mit gantzem willen, hertzliebster buol uf erden! din gstalt taot in mich pillen. ich wand, mir sölt zwar nicht me also werden 5 Von cheiner frowen fürbas hie uff erden, nu muoss ich wunder sohowen: min hertz das wil nach diner lieb verderben. Wem liebt das recht, 10 das hat got wol ze danken, das ist vor allen dingen schiebt, din eigen bin ich zwar an arges wanken. Hett ich die wal in all der weit, ich weit dich nicht verkeren; 45 meiDen. trewn. 47 rewn. 48 hilff. 49 wien. 50 crists. iar. 53 waist. 1 Mein. 2 auf. 3 Dein. 5 chainer frawn. 6 Furbas. auff. 7 sehawn. 8 Mein, deiner. 9 liebet. 12 Dein aigen. — 151 — 15 so aem ich für dich och kein gelt, . des getar ich frilich sweren. Din stoltzer Hb, din gwissen guot mit steten waren werten, din er die git mir hohen muot: 20 du beschlüst mins hertzen porten. Ich hän gar vil ze schaffen; noch tuot mich trüwe twingen, das ich muoss briefe machen diner lieb, darzuo kanst du mich bringen. 25 Min hertz das wuet und wil mich nicht lan schlaffen. du bist min meienbluet: zwar, frow, des solt du mich geniessen lassen* Ich enphilh dich gott 30 altissimo, dem werden > das er dich behuet vor spott, din rechtes alter, darnach in eren sterben. Geschriben und geben nach Grists gebürt viertzehenhundert jär 35 (in seiden muessen wir leben) Fol. 45^ und in dem andern (das ist war) Von mir dim getrüwen diener vest, des solt du gar an zwifel sin. bis an sorg aller frömden gest, 40 wann ich bin sicherlichen din. 15 auch kain. 16 freyleich. 17 Dein beidemal, leib, ge- wissen. 19 Dein. geit. 20 beschleust meins. 22 trew. 23 brief. 24 Deiner, dartzuo. 25 Mein. 27 mein mayeu blüt. 28 fraw. 32 Dein. 34cristsiar. 37 deinem getrewn. 38 zweyfel sein. 40 sicher- leichen dein. 39 uud 40 von fremder Hand nachgetragen. — 152 — XXXVI. ich sohrib dir gerne cluoge wort, so hast du min hertz gfangen, min lieber buol, min höchster hört! da hästs in dinen banden. 5 Von gold ein ketten die ist vin, damit hast da es beschlossen: din eigen wil es iemer sin, des ist es anverdrossen. Und hat mir nüwlich potschaft tan, 10 es well sich von mir ziehen nnd well in dinem dinst bestan, zuo diner liebi fliehen. Und spricht, daz es kein anders trib, es well bi dir beliben, 15 (im gefiel uff erd nie bas ein wib) zuo diner liebi schiben. Also hast du mir das hertz abtriinig gmachen mit gewalt ö.n alle fÜrbot: ich muoss mins schaden selber lachen. 20 uns beide behuet der ewig got! Ich chan mich zwar nicht ab dir clagen, du tuest mim hertzen guetlich; so wil ich ie die warheit sagen: bi dir so ist es frödenrich. 25 Geben nach Grists gebürt vierzehenhundert jär (das schrib ich dir mit einem wort) 1 gem. 2 mein, gefangen. 3 Mein beidemal. 4 deinen. 5 ain. rein. 7 Dein eigen, yemer sein. 9 newleich potscliaffib getan. 11 deinem. 12 deiner. 13 dz. kain. treib. 14 by. beleiben. 15 auff. ain weib. 16 deiner. Scheiben. 17 gemachen. 18 färbott. 19 meins. 20 baide. 22 meinem, gütleich. 23 ye. warhait. 24 Bey. firMenreich. 25 crists. iar. 26 schreib, ainem. - 153 — und in dem andern (das ist war), min lieber puol, min höchster hört! xxxvn. W. eka, wekoh die zarten lieben! Fol. 46 ioh glob, es si nicht unrecht tan ; ich wil ir nit betriegen: der tag der gät daher. 5 Si stat zwar uff mit eren, mins hertzen muot erkikerinn, (ir glükch das tuot sich meren) ze dinst dem werden gott. Wer hat uff erd ein biderb wib, 10 der hat ein seldenrichen hört: ir Zucht, ir er ist leid vertrib. — ich hör der vogel sang, Ich sich die Sternen schiessen : es chuolet gen dem morgen fruo. 15 mich tuot zwar nicht verdriessen: das macht ir angesicht Wächter, ich wil dir sagen: Fol. 46^ was got uff erd ie gschaffen hat, so tuend die frowen tragen, 20 der himel chör erfällen. Davon so lob ich selge wib bi tag und och bi nacht, die sind der weit doch leid vertrib: ich wünsch in er und guot. 25 Das ich vil sung von wekchen, min frow die stät mit seiden uf, fro Er die tuot si dekchen: 28 Mein beidemal. Erste Strophe mit Melodie. 2 glaub, sey. 5 auff. 6 Meins. 7 gelükcb. 9 auff. ain. weib. 10 ain seldenreicben. 11 laid vertreib. 18 auff. geschaffen. 19 frawen. 20 hymel. 21 weib. 22 Bey. auch by. 23 laid Y*treib. 26 Mein firaw. aufl 27 Fraw er. sy. — 154 — si tiircht nicht sunnen schin. Ich lob minr frowen guete 30 für YOgelsankch und bluomen schin: si git gar hochgemuete, ir er ist wol behuot. Ach Wächter, ich maoss tichten minr frowen hie ein tagewis; 35 und künd iohs wol ussriohten, ich tetz mit gantzem fliss. So ist mir min muot gesunken, und gät das weltlich nicht me dar (mag wol die jungen dünken), 40 und grawet mir min har. Si hett michs wol erlassen, so sol ich ir gehorsam sin: in gasten und ufif Strassen ir diener bin ich zwar. 45 Herr got, durch dine guete verlieh uns beiden sinn und muot, vor ungelükch behuete uns durch dine gnad. Ich wünsch minr frowen heile, 50 glükch, er und guot daz wont ir bi und werd ir als ze teile: got habs in siner huot ! Des swer ich wol bi minem lib, das ich vil sung von Sternen sohin; 55 dafür sech ich ein biderb wib, die geb mir hochgemuete. Es wer kein nmot von mannen, und weren selge, werde wib: got bhuet si all vor schänden! 60 ir gestalt ist wunneklich; 28 Sy. schein. 29 meinrfrawn. 30 Für vogelsankch. schein. 31Sygeit. 34 Meiner frawn. ain tagweys. 35 aussrichten, 36 fleiss. 37 mein. 38 weltleich. 40 mein hart. 42 sein. 43 auff. 45 deine. 46 Yerleich. baiden. 4^ dein. 49 meiner frawn haile. 50 dz. by. 51 taile. 52 meiner. 53 wob by meinem leib. 54 schein. 55 ain. weib. 57 kain. S8 weib, 59 behuet. 60 wumiekleiclv. — 155 — Des wil ich sicher wekchen. got bhuet der werden frowen er, tuo si mit gnaden dekcheu, wann es ist liechter tag. xxxvm. Uot gruess die lieben vinen, Fol. 47 zukkersuess mim hertzen! ein wil tuost du mich pinen, die anderen so wendest du mir smertzen. 5 Mit guetikeit und eren machst du mit diner tugent mir inuot in hertzen meren, das ich dikch wenn, ich hab noch vil der jugent. Sid wib uss alten hertzen 10 jungen muot kunnent machen (es ist an alles schertzen) von rechter lieb, so muoss ich gar vil wachen. Wer wolt dann gen seligen wiben dhein creature messen? 15 das möcht ich nicht erliden; wann sicherlich, eins tet sich ser vergessen. Wib gebeut muot in mannes hertzen, erkiken vil me dann alles guot: 20 all weltlich sach schetz ich gen in ein wikchen. Die gschoss uss wibes guete den mag chein gschoss geliehen: 62 behüt. frawii. 63 sy. 1 veinen. 1 meim. 3 Ain weyl. peinen. 4 andern, wendst. 5 gütikait. 6 deiner. 8 iugent. 9 weib auss. 12 Rechter. 13 weihen. 14 Dhain creatur. 15 erleiden. 16 sicherleich ains. 17 Weib. 20 weltleich. jn ain. 21 auss weibes. 22 chain. ge- leichen. — 156 — si schiessent in mannes gmaete, hundert mil so taond si znohin soUiohen. 25 Dahin so mag chein büchs nicht gelangen noch die donerplikoh: Venus hebt die lieb mit starkchen zangen. Min frow h&t mich gebunden 30 mitt strikchen gmacht uss lieb, angezundt mit minne zünden, si ist ein heimlich dieb: Das ich sin nicht gwaltig bin, si stilt das hertz mim libe; 35 nu merken den sin: was tuond die werden wibe? Mins hertzen A, min liebste firow uff erden! in eren muessen wir werden grä, 40 ein rechtes alter in gottes willen sterben. Min liebes E, ja, wil ich nicht vergessen, es tuo mir wol oder we: kein creatur tuon ich gen dir nicht messen. 45 Aristotiles, den kluogen, liebi übercham in mit gewalt: ein junkfrow chund im es fuogen, do er was worden alt 23 Sy. gemüte. 24 meil. sy. sohleichen. 25 u. 26 eine Zeile. 25 chain. 27 donr plikoh. 29 Mein fraw. 30 gemacht auss. 32 Sy. ain haimleich. 33 u. 34 y er stellt. 33 ich fehlt, sein, gewaltig. 34 Sy. mir. meine leib&. 36 weibe. 37 Meins. 37 und 38 zusammengeschrieben. 38 Mein, fraw auff. 40 Ain Rechtes. 4 Mein. 44 Kain. 47 Ain junkfraw. — 157 — Bi Alexanders ziten 50 tett ims ein stoltze magt mit einer geisel riten, als die istori sagt. ^^^' ^'^ Die wisen und die bersten band frowen'übercbomen, 55 die naben und die versten: das bab icb wol vemomen. Wib sind lieb in mannes bertzen, das ist docb nicbt ein wander; es ist äne alles scbertzen: 60 Inst ist der minne^znnder. Die mannlicben und die wisen band frowen übercbomen, die alten und die grisen: das bab icb wolfvernomen. 65 Wib, prinnende vakel in mannes gemnete! ir maobent menigen wakcber mit üwer gnete. Die muotricben und die wisen 70 prinnent nacb frowen guete, wann si von alter grisen, nocb gends in bocbgemuete. Fules Wasser, süffig boltz tuot von f&r nicbt brinnen: 75 das merkcbent, werde frowen stoltz, was das bedütet, darnacb sond ir sinnen. 49 6y. Zeiten. 50 jms ain. 51 ainer*] gaisel reiten. 52 ystoiy. 53 weysen. 54 frawn. 57 Weib. 58 ain. 59 an. 61 man- leichen. weysen. 62 frawn. 63 greysen. 65 Weib. 68 ewer. 60 muotreichen. weysen. 70 frawii. 71 sy. greysen. 73 Fawl. sewffilg. 74 fewr. 75 werd frawn. 76 bedewt. 77 fromen. 77 tugentleichen. — 158 — Die biderben und die frammen die gruessent tugentlichen; gen den pösen sond ir stummen, 80 wend ir an eren riehen. Wer sich bekümbert mitt üppigen lüten, des fröde wirt gedrümert: die werden und die frummen sond ir mit eren traten. 86 Ein biderb man redt nicht übel von wiben; da gedenkchent, werde frowen, an: tuond üweru gruoss gen den frummen schiben. Wer nicht muot hat von wiben 90 und hat si nicht in eren: guot lob tuot von im schiben« sin unglükch wirt sich meren. Mins hertzen frow die kan mir unmuot stören 95 für vogelsankch und meien tow: seit ich es gar, erst wurd man wunder hören. Ich solt zwar nicht mer tichten der weit mit chluogen worten: wer chan es ussgerichten ? 100 wib schliessent uff muot uss hertzen porten! Die brief, tagwis und red hab ich in guot gemachen: gott uns ze seiden leg, ir und mir, wir schlaffen oder wachen. 77 fromen. 78 tugentleichen. 80 reichen. 82 leuten. 83 fröd. gedrömert. 84 froinen. trewten. 85 Ain. 86 weibii. 87 werd frawn. 88 ew'n. fromen. Scheiben. 89 weihen. 90 sy. 91 jm. Scheiben. 92 Sein yngelükch. 93 Meins. fraw. 95 Maye taw. 99 aussg^richten. 100 Weib. auff. auss. 101 tagweis. Red. 103 leg ir yn, die beiden letztern durchstrichen. — 159 — 105 Wer rechter lieb tuet walten an tötlich sünd mit eren, kans eins also behalten, sin gelükch das wirt sich meren. Also sond ir die sach verstän 110 unde frölich sin mit eren, got vor allen dingen lieb hän: Fol. 48 üwer gelükch das wirt sich meren. 0 wip, gula und git, wes band ir weit verfuere! 115 hoffart, zom, hass und nit: das sind siben stükch, der todes sünde schnaere- Damit vil lüt gevangen werden mit iemer werenden banden, das si doch ewenklichen sterben: • 120 0 pfuch der grossen schänden! Doch über aller leide bach ist recht hoffnung ein steg, zwifel ist ein ungemach und ein böser weg. 125 Wer zwifels überwerden well, huet sich vor todes sünden: dem widerfert chein ungevell, das tuot sich sicher gründen. Wann wer all sin sach uff gott tuot puwen 130 und hat dabi ein gwissen guot, (des swer ich wol bi minen truwen), sin sei und ere ist wol behuot. 105 Rechter liebi. 106 tötleich. 107 ains. 108 Sein ge- lükch. 109 Tsten. 110 Und fröleich sein. 112 Ewer. 113 weip. geit. 114 V füret. 115 neit. 116 stukch. 117 leufc. 119 sy. e^renkleichen. 121 laid. 122 Rechte, ain. 123 Zweyfel. ist fehH^. ain. 124 ain. 125 zwyfels. 126 Der hüt. 127 chain. 128 gründen. 129 sein. auff. pawen. 130 daby ain gewissen. 131 by meinen trawn. 132 Sein. — 160 — Die weit ist wandelber mitt allen iren Sachen; 135 ich reds an als gever: mitt warheit chan es nieman anders machen, Wann das die weit ist ein zerganklich leben mitt mangem bösen list: 140 got tuot die rechten gaben geben. 0 sechszig jär sind swer nff minem rnggen minder drier (das ist war): Almechtig gott, hilf mir nff seiden pmggen, 145 Damff ich stand gar vesteklich nach dinem willen gar. herr gott, gib mir din ewig rieh, nimm min mit gnaden war! Durch diner maoter willen 150 und dnrch all din heiigen guot 0 tao mir komber stillen und gib mir wisen mnot, Sinn und vemunsty mitt götlichen dinen gnaden. 155 behnet mich vor der helle brunst, chnm mir ze trost mit dines geistes gaben! Almechtig gott, din macht ist nngemessen (ich swers bi dim gepott): 160 e zalti man als lob und gras, und wnrd dannocht dinr wirde vil vergessen. 134 jren. 135 Reds. 136 warhaifc. 138 Ain zergankleioh. 140 Rechten. 141 sechsizig. 142 auff meinem Ruggen. 143 dreyer. 144 hilff. auff. 145 Darauff. restekleich. 146 deinem. 147 dein, reich. 148 mein. 149 deiner. 150 dein haiigen. 152 weysen. 154 gOÜeichen deinen. 156 deines gaistes. 158 Dein. 159 by deim. 160 laub. deiner. — 161 — 0 gerechter gott an anvang and kn ende, wa ich tuon wider din gepott, ich rnoff dich an: din heiigen geist mir sende! 165 Din gerechtikeit die macht mir vil der sorgen ; wenn ichs bedenkch, so ist mir leid Fol. 48^ die Sünde min, und hoff doch, da wellest mir gnedekliohen borgen. Das ich bekenn die sünde min 170 gentzlich nach dinem willen: mitt diner hilf mag es wol sin. almechtig got, tno mir kumber stillen Mit gotlichen dinen gnaden! hilf mir zno einem gnoten end 175 mitt dines geistes gaben: picht, riiw and paoss mir send! Almechtig gott, gerecht in allen Sachen, wa ich tuon wider din gepott, 180 schlaff ich in sünd, o heiss mich wider wachen! Din erbarmhertzikeit die mag nieman darchgründen. als unrecht sol uns wesen leit, und sol nieman daruff siinden. 185 Die red hab ich geticht nach jOrists gebürt viertzehenhundert jär (der gott dienti, das wer die schlicht) und in dem viertzehenden, das ist war; 162 aneuang. end. 163 dein. 164 dein haiigen gaist. send. 165 Dein gerechtikait. 167 laid. 168 mein, gnedekleichen. 169 mein. 170 Gentzleich. deinem. 171 deiner hilff. sein. 173 gotleichen deinen. 174 Hilff. ainem. 175 deines gaistes. 176 Feicht rew. 179 dein. 180 haiss. 181 Dein erbarmhertzikait. 182 niemant. 183 lait. 184 niemant darauff. 185 Red. 186 christs. WackerneU, Montfort. 11 i — 162 - An des heiigen herrn sant Uolrichs tag 190 hab ich die red volbracht: es ist y\\ war, das ich üoh sag, also hab ichs bedächt. 189 haiigen herren« ylreiohs. 190 Red. 191 euch. ANHANG. XXXIX. Jlond ich ein gedieht volbringen von der zarten myoniglioben mit allen mynen besten synnen, * ob mich der heilig geist det rychen. 5 0 beilger geist, komm mir zn stare, hilff mir in mym gesang alda! kem mir desselben flammen fare, so wurd ich zwar in hertzen fro; Fol. 49 wann an des hilff mags nit bestan. 10 Nu wil ich von ersten heben an, das lit mit gsang volbringe und tun das, als ich beste kan mit myner hellen stymme. ich lob sie zwar (des han ich recht), 15 zwar sie ist durchluchtich. ich bin ir eygen und ir knecht, in mynen noten ich sie sich, so mir das leben wil engan. Ich meyn die susze Maria, Repo. 20 die yn gebar on smertzen; sie trug in nun und dryszig wochen da under yrem jnngkfreulichem hertzen. Fol. 49^ £rste Strophe mit Melodie. 2 myniglich. 3 synen. 4 heiig. 5 sture : füre. 7 flamen. 9 mag es. 1 1 gesang YoLbringen. 1 5 durch- luchtich. 17 nOten. 19 süsze maria. 11* — 164 — die himelisch wyszhait hett sie zu stör, die brann 70 yr recht sam eyn far, 25 des ist sie gehocht über alle creatur. sie sol uns cristea bhuten vor leyd. Als der tag darchbricht die nacht and dut mit clarem licht durchscheinen: des hat auch die lieb zart macht, 30 das sie sich alszo dut vereynen mit clarem licht durchluchtet vyn mit clarem lib, als ers wil han, vil lichter, dann die sonn mag sin. zun fuszen stet ir der licht man 35 nach ordenung der gottlichen gschick. Sie ist genomen in himels tron mit engelscher und loblichem gsang; er kam ir auch engegen schon, # Gristus erfüllet yren belang: 40 er fort sie uff durch alle tron, da sie nu by im sitzend ist. wir bitten sie und ruffens an, das sie uns helff zu aller frist und lose uns von des tufels strick. 45 Ey wie liplich und so gar schon Repo. sie ward alda entphangen; er gab ir frolich die ewigen krön, und geschach daz sicher on alls belangen. sie ward erhocht und des von hertzen fro; 50 die engel sangen kyrjeleyso, die freud was unseglich gar michel do, die sie da betten on underscheit. 0 herr Jesu Crist, richter streng, bisz uns armen sundern nit zu hart; 55 wan uff das jungst kompt daz gedreng, 23 hiemlisch. sture : füre : creature 25 gehockt über. 26 be- hüten. 28 dut fehlt, durchschinen. 32 claree. 35 geschiok. 36 hiemels. 37 gesang. 39 erfüllet. 42 rüffens. 47 krOn. 49 des erhöcht. 50 kyrjeleyson. 53 herre. crist. strenge. 55 kommpt. — 166 — so wir all muszen off die feurt ich man dich an din bittern dott, den du für all sonder hast geton, du helffest uns usz aller nott, 60 das wir des werden fro on wan, wann du daruinb her komen bist Du bist her komen in solichen dingen, in gut und in barmhertzigkeit, das du das gesetz wolst volbringen 65 und nit zurstoren (das wer dir leyt), da du dem schecher detest gnaden sohin amm crutz, da er sich entphall dir da: er gab dir zwar die sele sin, Fol. 50 des' ward er in himelrych fro: 70 des las mich gnieszen, herr Jhesu Grist Ich man dich auch der barmug me, als du detist an Maria da, da sie dich bat mit groszem fle, das du ir vergehst ir sund alda: 75 sie waz behafft mit siben dottsunden, sie wer erdruncken in meris unden, in jamers baoh, in groszen lunden, wann du der auch ein helffer bist Herr, ich man dich der barmug me, 80 als du vergabst der offen sunderinn mit namen Maria Egiptiace, der verlihest du din gottlich mynn, on die sie nit mocht das gethun: sie bust ir sunde hertlich da, 85 des erwarb sie diu göttlich sun; sie ward des zwar in hertzen fro. herr, las mich des auch werden inn ! Auch, herr, dem armen < freulin zart, 56 müszen. 60 fro fehlt. 63 in nach und fehlt 65 zürst-. 67 crütz. dir fehlt 69 hiemelryoh. 70 genieszon. crist 72 maria. 75 sunde : ynden : landen. 77 iamers. 80 sundeijn. 81 mana egip- tiace. 82 myne. 84 da, a aus o oorrigiert 87 jnne. — 166 — gein dem die jaden dragen nyt, 90 werst da ir aaob gewesen hart, za swer wer ir gewesen der stiyt gein dir and yn, das wisz vorwar: sie wolten sie versteynen. es hett sie nit gholffen amb ein bar, 95 wan din gottlicb lib meynen; des brachst da sie in freaden inn. Her, las micb des aaob geniesszen: Repo. bast du den allen vergeben ir sande, tbu mir das also erspriesszen 100 and wirf mir ab myn grosze lande, die sweren sand, die ich da trag, wann sie mich besweren allen tag, das der tafel nit dartiat^h frag: das bit ich dich dareh din götlioh mynn. 105 0 werde mater der cristenheit, du advocat und farsprecherinne ! wenn ans der tafel wil tan leyt, tha ans schin, firaw, din libe mynne: vorste ans na vor des tufels list, 110 wenn er kompt mit so grymmes zorn; dann da uns zwar des schuldig bist. hilf, das wir yt werden verlorn, behut uns, fraw, vor hertzeleyt. Nu byt mit emest far ans da, 115 wann er ist als barmhertzig gar, als er die Stadt Sodoma ertrencken wolt mit far für war» und da Abraham bat far sie: «herr, las sy fry, las ab din zorn und mach sie fro*. 120 9 Abraham, besieh, ob keyner onder in sy, der on sund und schand sy alda: ich wil vergessen da myn zorn*. — Ach werde frucht der barmhertzigkeit, Repo. 89 luden. 94 geholffen. 96 jnne. 101 trage. 103 ti&fel. frage. 106 fiirsprecbeTJDe. 107 tdfel. 108 lib. 109 rorstee. tüfeb« 112 yet. lia Behiit 114 emst für. U7 fuwer. 118 «brahimi. — 167 — las uQs dir entphollen sin, 125 du fraw, muter, jungfrealiche meydt! wann zwar wir sint gar eygen din; du bist dartzu vom vatter erkorn , das du vorsangt dins sones zorn, das wir yoht werden der helle geborn: 130 des hilfF uns, Maria, reync meydt! XL. D. Fol. 50^ ^es himels vogt und höchster keiser, las gein uns ab dyneo zorn! dioh ruffet an myn stymme heyser: wir sint nmbgeben neben and fom 5 mit wildem wag, der sere watet unde auch mit starcken winden. wo uns din gnte nit behütet,. wo soln wir armen hilffe vinden? sint du allein der iMprang bist, 10 Usz dem alle tngent flösset, gnad und auch barmhertzigkeil, des manche oreatar genasazet und hat genosazen mit oodersoheit her Tsaac was dem swerdte geben 15 und Daniel siben leuwen dar,. Fol. 51 Noe must auch in elend sweben : die lost din barmang alle gar; alsz lose ans auch, berr Jbesa Grist! Snsanna gar verteilet was 20 zu dem tod.and solde sterben: din gut ir halff, das sie geoasz. auch liesz din gnade nit verderben 125 muter. 128 yorsunest. 130 maria. Mit Melodie. 1 hiemels. 3 ruffSet. stym. 5 sex wütet: behütet. 6 Und. 7 gut. 10 flüszet : genüsszet. 14 ysaao. swerdt 16 müst. 17 barmug h'r. 18 löse, crist 21 gut. 22 gnad. — 168 — hern Joseph in Egipten lant^ der lange zyt gefangen lag, 25 din hilffe wardt ym aaoh bekant: des bisz, herre, na gemant, und hilff mit gnaden uns an das lant; wann din gewalt ye gnaden phlag. uns beschribet auch her Daniel, Fol 51^ 30 wie das din barmag kam zn sture den, die nit wolten an betten Bei, dryen kinden in dem fiire, das in die hitze det keyn pin; die heyszer all verbranten da. 35 des lobten sie den namen din in dem offen mit gesange ho, als wir den noch beschriben bant. Din barmung anoh zn hilffe kam hern Jonas, der verborgen was 40 dry tag in eynes fisohes wamm, das er gesnntlich da genasz. snsz lost din milte auch das here der Tsrahelisoher diet vil gar und fürt sie drucken dnroh das mere 45 und erdrencket Pharaonis sohar: snsz wart sin drutz in leyt gewant. Man fint dinr barmung vil und *me beschrieben an manchen enden in alter und in nuwer e. 50 nu wolst uns, herr, den engel senden, der Thobias sone behut vor leyd und auch vor smertzen. mach unser end und walfart gut, uns auch vor allen sunden frut 55 durch dynen dott und dures blut, wann es ist usz dem schertzen. 23 egipten. 25 hilff. 26 h'er. 29 besohribi. 31 bei. 32 fuwer. 33 hitz. 39 Jonas. 40 warne. 42 Süsz. milt. 43 ys- rahelischer. 45 erdrenokt pharaonia. 49 nüwer ee. 51 thobias bohüt. 55 düres. — 169 — 0 herr, vatter allr barmhertzickeit, durch din hoen namen dry und durch din muter, di reyne meyt, ^0 so bisz uns, herr, mit hilffe by! wir Sweben hie uff wildem mer in groszem kommer alls drostes bar. langes leben uns bescher, bisz wir unser sund gebuszen gar 65 und erwerben, herr, die hulde din. Maria, lichter meris stem, bit din usz erweltis kint, das er uns all woU gewern und verlihen uns ein seligen wint, 70 der uns leid usz dieser hab vollent uff das heiige laut und fnrbas zu dem heiligen grab, da dynem hertzen wart bekant vil swerer klage und sender pin. *75 0 wirdger apostel sant Jacob, bit für uns den werden Gryst! du hast verdient solch wird und lob, das du macht helffen zu aller frist den, di dich in noten mffen an: 80 nu lose uns hie usz j&mers band, las uns nit lenger hie bestan; wan unser wallfiurt sy gethon, so geleid uns mit der gnaden von, frolich wieder heim zu land. 85 Disz gedichte wart gemacht in vil gröszem ungemach. es was wol umbe mittenacht, da kam eynr gangen unde sprach: «Stent uff balde, ir bilgerin, 90 und ruffent an den werden gott; eyn gruszlichs wetter get darin, Fol. 52 57 aller. 59 muter. 62 alles. 68 wöU. 70 leid. 75 wirdiger. 76 cryst. 77 solich. 79 nöten. 80 löse, iamers. 84 lande. 85 gedieht 87 ymb. 88 eyn*. und. 91 gruszlichs. daijn. — 170 — wir haben hie iu grosser not^. da was geriszen auch entzwey Eyn seyl, das was dick manigfaoh, 95 daran der ancker hafft, der dieff in meris gründe lach; grosz wint het das geschafft, der anoh den ancker het gestreckt, der von rechte was gebogen, • 100 das mich nnd manchen da ersreckt, das ist war und ungelogen. da bettet pfaffe unde ley. Fnrbas sprach derselbe man: «man wil ein pilgrin machen, 105 der sol zu sant Jacob gan, das er uns helff in diesen sacken*. eyn yeder gab sin stur dartzu, das det man da vil gern. darnach vil schir gewonn wir ru, 110 des bisz gelobt, herr, nmmer und nu und wolst uns furbas gnade thu: dins drosts mag nymant enbern. Also hat uns gott der herr geholffen (des musz er ummer globet sin) 115 usz Soryer laut von wildem golffen. eyn schiff das hilt uns nahe by, darinn vil der heyden was, das zu stucken da znrbrach, das ir keyner da genasz, 120 wann eynr, den da vjl mancher sach; derselb in unser schiffe kam. Sin lip was vil ser zurstoszen, das las also ich hine gan, wann ettlich beiden, sin genoszen, 125 haut zu leyd mir vil gethon, das mich nit mer verlanget dar. 99 recht. 102 pfaff. 104 pilgerjn. 107 stuwer 108 gerne. 111 ^nad. 114 gelobet. 117 Parjnq. 120 eyner. 125 leyde» — 171 — manig esel ich da ryten phlag, die konden struchen alle gar: vil dicke ich uff den steynen lag, 130 ich het mich nah gefallen lam. Wann ich dem esel gab ein slach, so kam gelauffen der Sarazin; er sprach: „vil bald hab din gemach*. vil offt mnst ich sin marras sin; 135 als dick ich uff den esel sasz, als offt wolt er ein groszen han; dammb masz ich yn dragen hasz. ich docht: wie mag sich fugen das? ich han geritten dick vil basz, 140 das ich solicbs kratzens was erlon. Herr Jhesu Crist, ich man aber dich des elends und der martel din, das du von sunden kerest mich: las dir myn sei entphollen sin. 145 ich han gesundet leider vil, der weit gedinet lange zyt, das ich nye bedacht das zil, Fol. 52^ das mir der dot so nahe lit: des wolst mich, herre, blicken an 150 Mit den angen dynr barmhertzikeit, als du sant Peter ane se, das ich gewynn solch ru und leyt umb myne sund und mir gesohe, als dem schecher da gesohaoh, 155 der by dir an dem crutze hing» dem du benempt grosz ungemaoh und yn miltiglioh entphing zu groszen freuden sunder wan. Maria, aller sunder drost, 160 nu bit ich dich mit Innigkeit! 127 MaDige. 128 struchen. 131 slag. 132 Sarazen. 133 ge- mag. 141 crist. 143 du fehlt. 147 zieL 149 Das wölst.h*r. 150 dyner. 151 Sant peter. seh. 152 solioh. 153 my. geschee. — 172 — din gut Theopholum erlost; na hilff auch mir, vil reyne meydt, und las mioh scheiden nit von hiilh, ich hab vor dines kindes hnlde, 165 die macht du vil wol mir gewynn, du hast die macht und auch die sinn: hilff, das ich gentzlich endrinn der hell und busze hie min snnde! 161 gut. 163 hinne : gewynen : endrin. 168 busz. ANMEEKÜNGEN. i. 1 — 7. Die verwirrte Abteilung dieser Zeilen in der Hs. hat die Initiale verarsaoht. Weinhold hat 1 and 2 zasanimengeschrie- ben, ebenso Bartsoh^). Aber mehr Wahrscheinlichkeit als eine dieser zwei Abteilangen scheint mir jetzt eine andere zu haben. Es war sehr gebräuchlich, Gedichtanf&nge durch Reimhäufungen hervorzuheben (vgl. Schneider, deutsche Verskunst 156 und 172) ; so liessen sich auch hier Mittelreime setzen: An dich ffederikhm hat erhikh(t) das Üben min itsa aUer pin^ trüt keisertn! min muotf min sin uff endes zil dient dir sicherlich. Nun haben alle Verse ihren Reim, denn die Correctur des letzten ist nicht anstOssig, da A auch 9, 17 leherUchen f^T leker- lieh geschrieben hat; zu erkikht vgl. Abh. IV, p. 169 und 178. Auch die Vierhebigkeit der Zeile ist hergestellt, die letzte allein hat eine überzählige Senkung; doch das kommt bei Hugo auch sonst vor. Nur die umarmende Stellung der Endreime bleibt noch auffallend, die aber immerhin besser sein wird als der vier- fache Reim vor zwei Waisen neben den andern Unregelmässig- keiten der früheren Fassung. Endlich hat diese Abteilung noch den Vorteil, dass sie der der Hs. am nächsten steht: danach hätte der Schreiber nur an einer einzigen Stelle gefehlt, indem er vor min muotf statt vor trüt trennte. lieber fcA, kch vgl. Abh. IV, 169. W normalisiert nach mhd. Gebrauch; auch ich wollte ihm atifänglich darin nachfolgen, über- ^1 Ich bezeichne fortan bei der Yergleichnng meines Textes mit dorn Weinholds und Bartsch' den erstem mit W, den letztem mit B. — 174 - I zeugte mich aber bald, wie sehr Prof. Heinzel Recht hatte, wenn er mir riet, sie stehen zu lassen. Ein ck begegnet in der ganzen Hs. nicht, ausser in Nr. 39 und 40. Auch B hält sich meist an das Mhd., schreibt also gedenken 1, 1; dicke 31, 138, gelüche 232; blicke iwicke 2%^ biQ\ daneben aber auch zuweilen 52tfeen 21, 12; 31, 145 Äfc; 31, 256; 37, 7, 47, 50 geliOc-, 38, 27 p/tfc, 20 wiken^ (»7 waker; 37, 1 wek^ ja auch gedenkhen 5, 336; dikch 38, 8 etc., während die Hs. in allen angeführten Fällen gleichmässig khy kch zeigt. Wer die ch in werch etc. bewahrt, muss auch werkh u. dgl. acceptieren. 4. keiserin^ ,, unbestimmt lobend^; das Subst u Adj. ist in dieser spätem Zeit allgemein, über den frühern Gebrauch vgl. Haupt zu Engelh. 863. 6 häuüge Umschreibung: ich förcht es ist meins endes zU Ambr. LB. 101, 1*^; det^ dein bis uff meins endes zil Hätzl. II, 41, 10; Spieg. 117, 16; zur ganzen St. vgl. Hätzl. 36, 5 wenn ich ir Ueb bedencke^ so hob irh fräd'n vil ; von ir will ich nit wencken bis uff meins endes zil 8. W und B ouch; vgl. jedoch Abh. IV, 157. B oonigiert sonst hsl. au in o (o) : och 1, 52, 81) etc, aber 2, 128 steht wieder ouch; 4, 67; 3l, 21 gar attchf doch wohl nur aus Versehen? — Die Hs. bietet dz hertze^ wofür daz^ welches noch häufig genug belegt (s. IV, 162), zu setzen ist; denn, wo zwischen zwei Formen die Wahl, ist immer die ältere zu nehmen, da sie dem Dichter mehr entspricht als den jungem Schreibern; daza ist bekannt, dass sieh daz am längsten in der Abkürzung erhalten hat (vgl. Uhland, Volksl. I, 2, 993 ; Weizsäcker d. Reichst Acte, Eiol. 69). B löste es hier und meistens in das auf; aber 25, 141; 5, 243 bldbt dz stehen, während 11, 31 das hsl. an dz zu anz^ 32, 227 man dz zu mans wird. — Die Aufeinanderfolge von das und daa in derselben Zeile hat nichts auf sich, vgl. z. B. 5, 30 oder Hugo's Urk. vom 27^. 1422 (Sitz. Ber. IX, 853). — B herze und so meist z für tz; aber 1, 14; 7, 15 gantze; 1, 80, 83 hertz; 5, 59 swarizei ;>, 155 kwrtz; 31, 119unte, 185 Pregentz; H8, 181 -hertzihHf^ 1 86 viertzehn u. a. Die tz für hartes z sind überall zu bewahren, denn sie unterscheiden es von weichem z im In- und Auslaut, findea sich in allen Schriften dieser Zeit und werden von unseren Sohrm« bem consequent verwendet (Abh. IH, 114 und IV, 162). Zarncke läasi sie schon im Tit., und Brant hat noch Hugo's Standpunkt (p. 28 1). — 175 — 9. W teglichen wie 37 unmuglich. Da ich im Satze e oicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung hatte, markierte ich sie durch ^. 10. W und B mity ebenso vereinfachen sie in gott : gebott etc. die hsl. tf, welche die übereinstimmende Ueberlieferung der Schreiber A, B, C mit den Urkunden überall sichert. Wir stossen hier auf eine prinoipielle Frage: woher kommen die Doppeloonso- nanzen in der nachmhd. Zeit? (die Literatur bei Weizsäcker und Strauch, Langmann p. 20^ Die Erklärung Weizsäckers, dass die Schreiber mit den vielen Consonanzdoppelungen die Zeilen füllen wollten, nach denen sie bezahlt wurden, befriedigt nicht und ist bei einem Gedichte, wo die Zeilen nicht ausgeschrieben wurden, unmöglich. Mir scheinen Reime wie sit^e : damitte Mart. 14, 79; spotte : gehotte 109, 101 und die aus Hugo Abh. IV, 14H, 159 ange- führten deutlich genug zu lehren, dass die Geminationen mit der neuen Sprachentwicklung zusammenhängen und innere Berechtigung haben. £s darf daher nicht gote für gotte^ eteVch für etfelich^ solich für sollich etc. geschrieben werden, wie Weizs. in den Ur- kunden und B bei Montf. getan haben. War die Gemination im Inl. fest geworden, konnte sie auch im Ausl. erscheinen, sobald das mhd. Auslautgesetz seine Geltung verloren hatte. Uebrigens lässt auch B mitunter gott 3, 1; 13, 31; 18, 203; 13, 41 ; 27, 209, 221; 28, 669 neben pitt 28, 665, 72ö u. dgl. m., ja 13, 31, 41 steht gott für das hsl. got^ während er sonst die tt vpr voc. und cons. Anlaut des nächsten Wortes streicht 11. W truwen : ruwen^ er setzt überhaupt meist die unum- gelauteten Formen: ein paar zweifelhafte Reime und der Schreiber A haben ihn irre geführt. 13. B mmer^ er corrigiert überall auf 18, 173; 29, 70 ge- stützt (s. seine Einl. p. 12) imer^ nimer gegen die Ueberlieferung. Aber jene beiden Reime können gegen das übereinstimmende Zeug- nis von A, B und G nicht aufkommen, da iemer^ niemer keine bair. Formen sind; dazu werden die ie durch die al. Urk. oft be- legt (vgl. z. B. *die von 23y^. 1386, Arch. I, p. 134) , ebenso durch das unserm Dichter zeitlich und örtlich zunächst stehende Gedicht, durch das Netz: iemer 73, 97, 100, 136, 235 etc. neben imer 335, 857 etc., wie durch andere al. Dkm.; in Flore z. B. ist imer durch 3675 bewiesen, nichts desto weniger lässt Sommer iemer^ niemer überall stehen, wo keine äussere Veranlassung (vgl. Lachm. zu Iw. 6670, Haupt zu Er. 3255) zur Aenderung vorliegt. — 176 — 14. W gang^ so dass die erste Silbe ohne Not Hebong und Senkung tragen müsste. 16: , appelliere an Oott^; zu dem einen Beleg bei Lexer vgL Dyodetian 1, 1170 und züh» das an den werden krist^ das wir zuo keinen stunden etc.; 1, 2677 das ziihe ich an den wes'~ den got^ das ich dir nie kein lügen seit. Mönoh von Sabsb. (Waok. KL.) 575, 2 ich zeuch michs an den werden got^ das mir nye man ist worden holt. — W bessert zuJ^^ aber kaum mit Recht, denn auoh ziehen : liegen 29, 137 weist auf ein ziegen (s. p. 1 68). 18. W für al die welt^ doch ist die Gorrectur nicht zul&asig» da die Stelle 26, 9 wiederkehrt, auch anderwärts häufig zu belegen ist: vgl. Boner 12, 11; Moerin 3865, 5361; HäUl. 13, 9 etc. 18, 19 vgl Hätzl. 86, 9 sy lieht mir yefür aU dis weit, ich hofff ich vind des widergelt. 21. widergelts Hs., W dafür din; aber weder der Inhalt noch der zweisilbig verschleifbare Auftact verlangt eine Aenderung; vgl. auoh 3, 84. 24. stSükait'l steti tuot W, was mir sehr gelungen scheint; denn stStikait aus st^titüt ist graphisch leicht erklärlich, und meren tuon findet sich 2, 86; 37, 7. B macht einen unreinen Reim eren : meret und beruft sich dabei auf geheftet (: glesUn) 28, 554, der aber zweifelhaft ist (vgl. Abb. IV, 178), dazu gehört Nr. 1 zu den correctesten, Nr. 28 zu den schlanderhaftesten Gre- dichten. Zu 18 — 24 vgl. Hätzl. II, 12,361 nmn lieb ist ungemessen, die ich gen im in triven trag^ und meret sich von tag zu tag mit stätter triv on widerker, Tit. 1404 sin pris von tag zu tags sich ie meret 25. W bltiegender, B bluender, Hs. blüy ender, y^^j, nicht = g; 5, 152; 24, 107 etc. setzt auch B muej^ tuej f&r das hsl. muy, tüy, — die Synk. bluender hätte niehts besonders; da aber durchweg nur bluejender belegt ist (18, 188; 34, 23), teilte ich mit Rücksicht auf Hugo's Metrik Weinholds Vorsicht. 26. W minem; vgl 1, 17, 80; 18, 262; dann 4, 91 etc. 29. zartes bild, vgl. 29, 43 ; Hätzl. 58, 8 zärtliches bild. — Ueber obedach s. Jänicke zu Wolfd. B 905, 2. 30. W suech (auch 75) ist ohne jede Gewähr. W ler :sr (auch 40), sinn : kunlgin 43, minn : brinn 54 etc. ; vgl. aber, was in Abb. V zu den dreihebigen stumpfen Versen gesagt wurde. 31. B hüete, stellt also Auftact her; aber das erste Wort — 177 ^ ist für die Hebg. betont genug, und der vorausgehende Vers gleich- falls auftactlos, was zwar wenig bedeuten will, da sich die Dichter an die Gleichmässigkeit des Auftactes nicht banden (vgl. Abh.y, 204); ob sie aber gar nicht darauf achteten, ist bei einem Liede wie Nr. 12 oder bei einer Rede wie Suchenw. Nr. 23 immerhin zu be- zweifeln. Man wird überhaupt oft schwanken können, obAuftact her- zustellen sei oder nicht, ich stimme im allgemeinen mit Weinhold. — In Mete schreibt B üe^ ebenso in müest 47, süessen 54; 2, 5; ^^- blüemten 2, 143; müej 5, 152, wüestent 277, 282; rüemser 11,37; behäet 18, 203, 272; vgl. noch 18, 204; 24, 107; 33, 87, in den meisten andern Fällen aber ue^ welches der gleiohmässigen üeberlieferung zu Folge allein berechtigt ist (vgl. Abh. IV, 158). 34 — 38. 36 ergänzt W din vor sicherlich^ B het; aber da- durch entsteht zweisilb. Auft. und zugleich fehlende Senk. Die Hsr gibt guten Sinn: d. s. dar. ged., dass Ehre niemand bezahlen kann: wäre alles, was der helle Tag überscheint, wahrhaft (wirklich, nicht nur scheinbar wertvoll), so wäre es doch unmöglich, dass sie (d. Ehre) damit vergolten wäre. — 37 W unmuglichy das B annimmt : unmüglich\ allein wer 9 tegelichen corrigiert, wird auch hier ww- mügelich zu setzen haben (vgl. auch 25, 71), das z. B« bei Heinr. v. Neust. Ap. 3859 und noch bei Laufb. 705, \Q {vor got ist nüt unmügelich) vorkommt. — 38 mit verg, W, auch B. (In meinem Text schreibe «i, ebenso 2, 38; 4, 136, 187. 40. W des statt dw, B volge; aber 37 betont er ^s wer, 41. W frou (ebenso 81), B fro gegen die Hs.; vgl. aber 18, 215 fr ow Even, auch B; Moer. 474 frow Venus ^ ebenso 1986 frow Eff; Spieg. 192, 9 frow Er. 42. W streicht die. — B hat muoss^ Hs. "SZ, und ähnliche Ver- sehen öfter, z. B. 2, 25 groszen B, grossen Hs.; 2, 78 lasz B, lass Hs.; 4, 60 muesst B, must Hs.; 24, 109 mass B, masz Hs.; 24, 119 ungebuesst B, -bueszt Hs. etc. 43. Streiche das Gomma. 44. gich, so hat auch die Grazer Abschrift und daher auch W$ allein die nochmalige GoUation meines gedruckten Textes mit der Hs. ergab sich\ in ähnlicher Fügung steht sehen 20, 9, u. 0., es entspricht nemen 2, 10; 35, 15 etc.; Freid. (Bezzenberger) 142, 11 ich naeme der nahtegalen sanc für der süezen harpfen klanc, 45. B höchste 9 Hs. höchste wie auch B 36, 3, 28. — Lies hü/neginne, Wackemell, Montfort. 12 — 178 — 46. B weüichj dazu in der Anmerkang der Nachweis, dass weltlich für waetUch stehe. Das ist richtig; aber etwas ganz an- deres ist die Frage, ob deswegen im Texte auch zn ändern sei weP- Uch erscheint in derHs. niemals, dafür weltlich noch 3, 18; 18, 106; 37, 38, also bei A und B; da den Schreibern sonst absichtliche Aendemngen dieser Art nicht nachzuweisen sind, müsste man an- nehmen, dass sich beide so oft bei demselben Worte verschrie-' ben haben, und das ist sehr unwahrscheinlich, vielmehr erblicke ich hier einen Beitrag zu den von Jänicke (Wolfd. D VII, 66) ge- sammelten Belegen, welche zeigen, dass in den spätem Gedichten die ursprünglichen Bedeutungen vieler Epitheta längst schon ver- loren gegangen, und diese vielfach zu bedeutungslosem Flitter ge- worden sind , welcher gedankenlos oder in missverständlichen Ver- wechslungen verbraucht wurde. — W dirre ohne Gewähr. 48. Hs. und W hett^ B het; allein «das kurzvocalische Jhatte, Gonj. hette^ ist in alem. Schriften des 14. und 15» Jhds. beliebt* MG. p. 370, AG. p. 383. — 6, 36; 17, 37; 18, 1 ; 32, 73 etc. lässt auch B Jiett^ während er in den meisten Fällen, besonders vor conson. Anlaut, het corrigiert. — W nicht durchweg. — B dine^ der Auftact ist hier um so misslicher, weil dadurch ich in die Hebung geschoben wird. 52. W OAich^ sonst ouch. 56. W em8t\ dann stünde aber die Hebg. auf mit oder Hebg und Senkg. auf ernst; auch der nächste Vers hat Auftact 57. W streich doch^ wodurch fehlende Senkg. oder die Betonung g^saeh notwendig würde. 60. W glichy wozu ihn wohl 5, 265 veranlasst hat; aber 4, 160 steht wie hier ^) gleiche als adv. Gen., in dem A wie öfler e synkopierte (vgl. auch bei B die Anm. zu 59). 62. W erhom , s. aber verloren : t6ren 4 , 153 etc. , Abh. IV, 147. 64. B niemen. B hat sich aus dem alleinstehenden Reime 1/iiemen : achUemen 27, 114 den Grundsatz gebildet (Einl. p. 11), ^niemen durchzuführen, und nur da, wo der Ton auf der zweiten Silbe ruht, nieman zu schreiben ^. Dasselbe Verfahren beobachtete er auch bei Reinfrid. — Allein was Jänicke damals, bei Reinfir. dage- gen sagte (Zs. f. d. A. 1 7, 506), gilt auch hier. Wäre ferner Bartsch' ^) Id den Yarianten bessere gleiche und 68 misstet. - 179 — Grandsatz aach der Hago's gewesen, so würden sich gewiss ans den vielen niemen des Originals einige in unserem Cod. erhalten haben, wie das bei den din neben dein etc. oft genug, bei ^men aber nicht der Fall ist; dazu beachten nachweisbar auch andere alem. Dichter des 14. und 15. Jhds. einen solchen Unterschied zwischen Hebg. und Senkg. nicht, Boner z. B. hat Vor. 54 temmt Aber 61^ 24 n^man etc.; Netz n/emm 459; rUeman 82, 670, 696| 704, 1575 eta; Moer. n^eman 4404 etc.; auch in den alem. Urk. meist rdeman z. B. Arch. I, p. 137. Nicht anders stehen die Dinge bei bair. Dichtem, Hadam. z. B. hat nicht nur einmal im Reime nümen^ sondern oft (Stejskal p. 31) und trotzdem in der Zeile zahlreiche nteman 3, 4; 152, 3;* 158, 5; 165, 7; etc., welche der Heraus- geber mit Recht bewahrt hat — 15, 125 Hess auch B nieman. 65, 66 gebraucht Hugo ein Bild, das ursprünglich wohl nur für die Muttergottes gemacht worden war. — W weiz : kreiz^ wie 8 mzZf 12 vergezze etc., immer nach mhd. Brauch; vgl. Abh. IV, p. 162. — Für zirkelkreiaz hat Lex. III, 1134 nur einen Beleg. 67, 68. Aehnlioh ermahnt in der Hätzl. U, 6, 190 eine Frau ihren Greliebten zu einem frommen Morgenanfang ^ nachdem sie ihm zugesprochen, sich nicht in der Schenke finden zu lassen: {tmd lasz dich nit erfaren fruo in der tcU>erenl ich hört es un- geren^ so man mir das von dir aaitt.) bis aUe tag heraitt des morgens mit dem ersten^ und hör ze lob dem hersten mesz lesen oder singen. 80. W miner. 81. B streicht eer^ was ohne Zweifel den Sinfi bessert, sonst müsste msLufrow Er als lobende Anrede an die Geliebte fassen oder auf minne beziehen, was anderswo kaum nachzuweisen sein dürfte. 83. W verschlozzen^ sonst auch gegen die Hs. beslozzen 13, 58. 87. W swes und so immer swer^ swaz etc. (s. dagegen Abh. IV, 163). 83—90. Hätzl. 36, 17 ich bin ir in stäti£kait, das sol sy wissen zwar; mein dienst die sind ir ye beraitt LS. 244, 313 ich iemer dienen muoz umb Iren rainen milten gruoz ir bisz an min endez zil; wie si gebuet wnd wil^ dez bin ieh al zit berait; am meisten Aehnlichkeit aber hat der Schluss von Hätzl. Nr. 64 m,ein hört, nymm war der iriuen mein^ das ich dein aigens aigen bin . . . Juut du dann zweif eis an mir icht^ nicht Ictsz^ du versuoche&t müh^ — 180 — 90 ist ohne Gregenreim and hat auf die Vermutang :g6braöht, dass wenigstens ein Vers fehle. Anffallend ist die reimlose 2ieile am Sohlasse jedenfalls, am so mehr, wenn ioh oben den Ein- gang des Gedichtes richtig hergestellt habe. Bartsch' Anm. zn 89 beweist weder etwas dafär noch dagegen; denn ob der leere Ranm dieser Spalte etwas grösser oder kleiner, ist ganz gleichgültig: gieng eine Zeile verloren, so geschah es auf dem Wege vom Orig. zur Gopie. Freilich hatte B einen andern Standpunkt, da er den Cod. Pal. als Original ansah. — Ich will aber darauf hinweisen« dass 34, 30; 36, 28 der zweite Teil dieses Verses wiederkehrt» wo in der Flickzeile' das sag (schrib) ich dir mit einem wort der Gre- genreim liegt, eine Beteurung, die Hugo gern zu solchem Zwecke verwendet (vgl 2, 139) and die wohl auch hier gestanden haben könnte, obgleich sie den Schluss nicht poetischer gemacht hätte. n. Bergmann bezog (Landeskunde von Vorarlberg p. 102) die in diesem Gedichte erzahlte Liebeswerbung auf Hago*s erste Ge- mahlin. Das lag allerdings nahe, wird aber von ihrem Zusammen«- hange mit den übrigen Lebensverhältnissen des Dichters negiert (p. 12 ff.); wozu noch kommt, dass zwischen dem Tode von Marga- retha*s erstem Gemahle und ihrer zweiten Ehe nicht so viel Zeit lag, dass Hugo jar und tag herumreiten konnte, sich Ritterschaft zu erwerben und die Welt zu sehen. Das und die ganze Haltung des Gedichtes führt von selbst auf jene Ausfahrt, die er nach 5, 136 im 14. Lebensjahre unternommen hat. Ulrich v. Lichtenstein erkor sich schon im zwölften Jahre seine Frau, der er dienen wollte (Uhland, Sehr. V, 211); Hadlaub diente seiner Erwählten, sit dctz mr beide wären kint ; ähnlich spricht Neifen : diu mich hdt von kinde her gehimden 18, 27, und Marner: ich hin der si meinet mit triuwen sit von minen kintltchen jdren IV, 34. 4. B lässt das hsl. weib^ also die bairische Form des Schrei- bers, ebenso 3, 65 sei; 25, 34 ewenkleich; 26, 28 weib; 28, 140; 35, 38; 36, 7 sein; 38, 179 dein; ferner ain 5, 226; schaiden 8, 12; rain 18, 45; ain 28, 300, 601; warhait 28, 491; üppi-- kait 29, 176; gemain 32, 159. Da auch B sonst die ei (=- i) und ai (== ei) tilgt, und in den angeführten Fällen nicht der ge- ringste Grund für ein Ausnahmsverfahren vorläge, müssen sie wohl Als Versehen angesehen werden. — B umbeme (vgl 110), vielleioht — 181 — hat er so gelesen; denn es ist in der Hs. oft nicht deutlich, ob sie getrennt oder zusammengeschrieben hat Ich merke solche Differen- zen fernerhin nicht mehr an. 11. Besser als min aunnen achin als Apposition zu fassen, wird es vielleicht sein, das vorausgehende Gomma zu streichen und nem ich herabzubeziehen. 14. Hs. fett, B tet, so ändert er meist, aber in Nr. 25 bleibt tett ich 64, 113, 114, 123, 171, 175, was auf die Vermutung bringen könnte, dass er vor Vocalanfang des nächsten Wortes tett bewahrt habe; allein auch das kann nicht sein, denn 24, 39 schreibt er wieder gegen die Hs. tet er, 24, 55 tet es; 38, 50 tet ims etc., ja 25, 171, 175 lässt er tett ich, das er gleich dahinter 25, 177 zu tet ich oorrigiert. 16 fehlt eineSenkg., es kann weidenliche{n) oder wncfo geschrie- ben werden, letzteres schien das einfachere, ersteres gäbe eine bessere Betonung. Staufb. 550 die schoene frouwe er vor im sach kluoc unde weidenltche. 17. Dass pflegen mit dem Particip statt Infinitiv stehe, hat auch B angemerkt. 22. W sagt p. 134: «es ergibt sich daraus, dass er (Hugo) da- mals auf Sewenherg wohnte •. Aber die Hs. hat deutlich atnenherg^ das allegorisch zu nehmen ist wie bei Hadlaub „Beuental^ im Zu- sammenhange mit 9 Seufzenheim '^ und , Sorgenrein*, bei dem von Gliers» Trübenhausen*, im jung. Titurel «Freudental undReuentaP; vgl. Uhland, ges. Sehr. V, 252 und 278, der auch auf unsern Hugo verwies. — behusen ist am ehesten st. Part (s. Abh. IV, p. 178): ,auf Sehnenberg häuslich festgesetzt*; auch ein was ich könnte vielleicht wie öfter erg. werden; vgl. 29, 52 und Su- chenw. 29, 78 da pin ich wirt und wol behaust, 25. und fehlt in der Hs. und bei B, ist aber ohne Schwierigkeit (vgl. 2, 83; 18, 112, 113), bessert Zusammenhang und Vers. 28. wm ist in den Var. zu streichen und wenn in den Text zu setzen. B corrigiert überall wen ; aber alle drei Schreiber über- liefern wenn, vgl. 18, 48, 185; 38, 8, dazu den beweisenden Reim wennenierhennen Mart. 45, 22, AG. $ 204 und Abh. IV, 171. 32. todes sterben, dasselbe auch 29, 64, femer im Reinfrid 5161, 15154, 20219; vgl. über diese Redensart zu Ortmt C 195, 4. 35. üeber Schnee und Eis als Bild der Vergänglichkeit vgl. — 182 — Strauch za Marner XV, 237 und 0. Zingerle za Sonnenbarg IV, 212. 37 f. LS. 24, 263 Syn hertz hegund sich smckm und dar nach gedenken mit allen ainen sinnen y wie er möcht gewinnen mit gantzer trü iren gunat, 39. B tjüij wird wohl nur verdruckt sein. 46. ^gndde^ vrowe gndde rieh, genddet mir genaediclteh* redet Lichtenstein FD. 40, 21 seine Geliebte an. 47. B corrigiert üch und so .immer gegen die Hs. Es ist nioht zu erwarten, dass die hsl. Form ü durch Reime unterstützt ist, denn solche sind überhaupt zu selten; aber in der Zeile sind die tu, ü auch in späterer Zeit häufig, vgl. Mart. 32, 30, 47 etc.; Boner 21, 39; 23, 19; in einer alem. Hs. des 14. Jhds. (Zingerle*s Find- linge, Sitz. Ber. 55, p. 663 ff.) begegnet ü 30, 116, 118, p. 669, 43, 44, 45, 48, 51 u. 9. ; auch bei bair. Dichtern: Herrand 2, 291 ; 3, 303 (Kummer p. 3); Wolkenstein ew 70, 1, 12 u. ö. 55. ^uo minem gott^ unser „bei Gott*'. 57. mir ist auffallend und reizt zum Streichen, vgl. aber 4y 65 und Hätzl. IJ, 27, 95 dae ich euch mir ansehen solt 58 ff. Diese Strafpredigt der Frau wirft kein gutes Licht auf die Liebesverhältnisse jener Zeit und stimmt mit den Angaben anderer Dichter: Hadam. 533, 4 laeg alliu rehüu triuwe hie ze häufen^ man möhfe si mit einem mantel decken; Suchen w. 24, 283 man vind ir selten airij der in wirden alt und an der Minn sein trew behalt 59. B mit der Hs. werichy aber es begegnet nur bei A und nur hier, beim Schreiber B und C nie und ist dem bair. Dialekt geläufiger als dem alem. (MG. p. 39), bei Suchw. z. B. sind die werich^ durich etc. zahlreich. 59, 60. Suchenw. 40, 7 der manich mensch mit Sünden phligt und laider gwr tze ringe wigt 62. Diese schlagreimartigen Ausdrücke sind stehend geworden : liegen^ triegen dicke gdt Freid. 165, 23; liegen^ triegen ist ein eite^ dem vil der werlde volget mite ibid. 165, 21; liegen^ triegen% smsichen Tit. 1858; ä/ liegen^ triegen stdt din muot Bon. 28, 11, bei ihm besonders beliebt, s. 33, 38; 55, 61; 63, 50; Had. 498, 7 ; die weit ist untrüwen vol . . mit liegen^ triegen kan si wqI Laufb. 794; im Netz stelen^ liegen^ triegen 2373; trüg : lüg — 183 — 1188 (ü = ie, s. Abh. IV, 156). Zum Endreim verwendet bei Schärft). HMS. I, 349^ 63 geacMhiheit ist bei Lex. nur aas Hugo belegt und zwar als „geacMbecheif^, 65 f. B schämen: lamm.; allein der viermal gehobene Vers ist nicht aufifallend, sei der Reim stumpf oder klmgend, und G-e- mination des m gegen mhd. Gebrauch begegnet auch beim Schrei- ber B, vgl. Abh. IV, p. 146, dann Moer. nammen 85, 122, achammlich 107 u. a.; Lauft), ammen: nammen 748, 2; nam- menifiammeniachammen 737, 39, u. noch a. Hessen sich anführen bis hinab zu Brants nammen: schammen (s. Zarncke p. 288). — 9in:\r sollt euch eines solchen Betragens schämen, denn es ist a. Gew. lahm, d. h. gewissenlos. 70. Schreibe ddgen und vgl. dhant 18, 157; dwM 27, 36. Für die Inclination vor Vocalen hat die Hs. kein Beispiel, aber Zarncke belegt aus Val. HoUs. diuden (NS. p. 290^), ein anderes bietet Laufb. 708, 10 in dougen. Zu 68 — 73 vgl. Hadam., welcher erschrickt, als sein Herz die rechte Fahrt gefunden und er sie erblicket^ mit der er in liebe waer vereinet : dar ab min Herze erschricket^ sS daz ich ze sprechen küme emante . . ich stuont aldd verstummet vor schricken eun-' der sprechen 59 ff. ; Ambr. LB. Nr. 76, wo der Geselle das Fräulein bat, ihn in ihren Garten zu lassen; als das geschehen, brachte er nichts weiter vor als einen Gruss: ich wa/rd Zu einem stumm^ vor schäm da stund ich rot^ bey allen meinen tagen leid ich nie grösser not. Diese ganze Erzählung Hugo*s hat typische Motive. Schon im altem Minnesang findet sich oft, dass der Dichter in Gegenwart der Geliebten verstummt, vgl. Bartsch LD \ Einl. p. 11; ferner Hadlaub Nr. 16; Heinzel. ML. 1662 ff.; Hadam. 60 ff.; Oswald Nr. 36; Hätzlerin H, 6; H, 7; Ambr. LB. 111, 41 ff. und bis in unsere Zeit herein. Die immer wiederkehrenden Er- lebnisse sicherten auch die Existenz der traditionellen Darstellung. Zu 74 79 vgl. Hätzl. H, 7, 249 ich hob dich nun he- chennt^ gesell mein^ . . . hob ich geredt zomicUch^ damit hob ich versuocht dich^ ob du triu und statt wollest sein, — Will man 76 die Interpunktion nach das setzen, wird Doppelpunkt am be- sten sein. 80. B warn, ich gegen die Hs., so oft; aber gerade oben 66 — 184 — lässt er wconn es; 32, 40 wcmn wer^ während er 32, 37 wieder wan wer oorrigiert 81. 4^ begegnet schon in Lachmanns Text des Liohtenstein; vgl. über ff Abb. IV, p. 146, Anm.; über die geschärfte Aussprache dieser spirantischen Fortis auch Winteler, Kerenzer Mundart p. 43. B schreibt uf und so meist/ für die hsl. ff,; aber 5, 365; 27, 44; 37, 9, 18 lässt auch er uff neben üeff 4, 32; ruoffb, 180; 10, 19; rueff 32, 166; hff 5, 51; luff 5, 64; loffen 1, 9, 21; offen: ffehffen 4, 193, während er dann wieder 5, 307 lofikof; 30, 90 löf eta oorrigiert, ja 15, 2 wird sogar gegen die Hs. ge- alafen : wdfen ; 35, 26 lassen : slafen geschrieben, während 32, 100; 38, 104 auch sem Text slaffen; 38, 180 slaff; 30, 66 straffen : geschaffen : 31, 110 mdssen zeigt. Ebenso wird 2, 137 grifen (Inf.) geschrieben, aber 16, 49 pfiffen gelassen u. dgl. m. Dagegen sind bei ihm die Geminationen in hilff 15, 156; bdörfft 20, 20, huiff 33, 51 etc. zu entfernen, da sie hier wie überall nach Liquiden nur dem zweiten Schreiber angehören; vgl. Abh. III, p. 114 bimen. Im Mhd. war die gebräuchliche Form büwen^ daneben auch biuwen (vgl. Lex. I, 404; Haupt zu Engelh. 5222). So verhält es sich auch im spätem Alem. buwerij gebuwen Mart 75, 78; 78, 80; 99, 13; 148, 83; 158, 99; 281, 26 etc.; ebenso Sachsenh. buwt {: getruwi) Temp. 627 etc.; Laufb. buwen (: ge^ truwen) 792, 4 etc.; Altsw. gebuwen (: nuwen) 14, 24; 20, 32 etc.; erbuwen LS. 31, 9 etc.; Netz buwen (: truwen) 11360: ruwen 10764, 11488. In den alem. Urkunden herrscht buwen^ s. z. B. Aroh. I, p. 134 (23./6. 1388); I, p. 123 (24./11. 1382); I, p. 136 (6.y9. 1389) etc.; auch in denen Hugo*s durchweg. Die Hs. zeigt consequent nur buwen ^ bawen. — Daneben ge- brauchen einige Dichter auch büwen^ gebilwen^ so Sachsenh. Temp. 675, 891; Netz verbüwet (igetrüwet) 10747 ; LS. gebuwen (: nü- wen) 37, 139 etc., aber viel seltener. Dadurch wird die Ver- fahrungsweise bei der Textrecension bestimmt: wo, wie im vor- liegenden Falle, die Hs. u : ew zeigt, k a n n ie ; ^ oorrigiert werden, doch auch buwen (: truwen)^ wie Weinhold geschrieben, wäre ge- rechtfertigt; es ist aber kein Grund vorhanden, da, wo die Hs. u oder aw liest, gegen die Ueberlieferung und die Sprache der Urkunden ü zu setzen, wie Bartsch getan hat. Wollte man uni- formieren, dürfte nur buwen gewählt werden. Also 28, 50 nur ffepuwen: rmjoen; 33, 105; 38, 129 fuwen x truwen; schon der — 185 — Umstand, dass der Schreiber B hier gegen seine Gewohnheit irawen nnd ruwen setzt, hätte darauf hingewiesen, desgleichen lässt das Langezeichen über getrdwen : bawen 3, 22 anf das ursprüngliche getruwen : büwen (so ist das Druckversehen in meinem Texte zu bessern) schliessen. 83. B tue^ ebenso 3, 61, 88; aber 5, 368 eta tuo^ während die Hs. gleichmässig iü zeigt. — 82 und 83 können vom Dichter oder von seiner Geliebten gesprochen worden sein. 84, 85. gevider wird als Part mit apokopiertem "t (vgl. Abh. lY, p. 161, 178) und die ganze Stelle als Metapher zu erklären sein, so steht auch Tit. 1191 ir hertze . . . wwrt bloz erchant — B. oorri- giert möchte vgl. aber 7, 25. 140 — 142 : er ist der beste, den ich von Gott und von den Wappen sprechen gehört; er tut es nicht mit (unsicherem) He- rumtappen (Herumsueben), sondern eto. — Hugo rühmt Suobv« also — 178 — 46. B weäichj dazn in der Anmerknog der Nachweis, dass weltUch fQr waetUch stehe. Das ist richtig; aber etwas ganz an- deres ist die Frage, ob deswegen im Texte auch zu ändern sei wet- lieh erscheint in derHs. niemals, dafür weltlich noch 3, 18; 18, 106; 37, 38» also bei A und B; da den Schreibern sonst absichtliche Aendemngen dieser Art nicht nachzuweisen sind, müsste man an- nehmen, dass sich beide so oft bei demselben Worte verschrie- ben haben, und das ist sehr unwahrscheinlich, vielmehr erblicke ich hier einen Beitrag zu den von Jänicke (Wolfd. D VII, 66) ge- sammelten Belegen, welche zeigen, dass in den spätem Gedichten die ursprünglichen Bedeutungen vieler Epitheta längst schon ver- loren gegangen, und diese vielfach zu bedeutungslosem Flitter ge- worden sind , welcher gedankenlos oder in missverständlichen Ver- wechslungen verbraucht wurde. — W dirre ohne Gewähr. 48. Hs. und W ?iett, B het; allein ,das kurzvocalische hatte^ Conj. hette, ist in alem. Schriften des 14. und 15. Jhds. beliebt* MG. p. 370, AG. p. 383. — 6, 36; 17, 37; 18, 1 ; 32, 73 etc. lässt auch B hetty während er in den meisten Fällen, besonders vor conson. Anlaut, het oorrigiert. — W nicht durchweg. — B dm«, der Auftact ist hier um so misslicher, weil dadurch ich in die Hebung geschoben wu*d. 52. W (luchj sonst oiu:h. 56. W ernst; dann stünde aber die Hebg. auf mit oder Hebg und Senkg. auf ernst; auch der nächste Vers hat Auftact. 57. W streich docA, wodurch fehlende Senkg. oder die Betonung g^saeh notwendig würde. 60. W gliche wozu ihn wohl 5, 265 veranlasst hat; aber 4, 160 steht wie hier ^) gleichs als adv. Gen., in dem A wie öfter e synkopierte (vgl. auch bei B die Anm. zu 59). 62. W erhom^ s. di\>et verloren \ t6ren 4, 153 etc., Abh. IV, 147. 64. B nimnen, B hat sich aus dem alleinstehenden Reime iMemm : schUemen 27, 114 den Grundsatz gebildet (Einl. p. 11), ^niemen dorchzuföhren, und nur da, wo der Ton auf der zweiten Silbe ruht, nieman zu schreiben *. Dasselbe Verehren beobachtete er auch bei Reinfrid. — Allein was Jänicke damals, bei Reinfir. dage- gen sagte (Zs. f. d. A. 1 7, 606), gilt auch hier. Wäre ferner Bartsch' 9 In den YarianteD bessere gleiehs und 58 miatet. — 189 — genügliohen Eitelkeit des Dilettanten, and beide charakterisieren gleichmässig den gesunkenen Standpunkt dieser spätem Dichter. III. 1, 2. Diese Synekdoche ist albern genug; aber fraglich scheint es mir, ob dem Dichter dabei nicht das Bild vom Küssen vorge- schwebt habe, was sie zu seinen Gunsten erklären würde. 3, 4. Das einfache stdn mit Gen. (s. auch 6, 31) = gestehen, bekennen ist bei Lex. II, 1135, 1136 nicht belegt; vgl. unter gestdn I, 926. Der Reim mit dim (= dieme) ist besonders in der Martina beliebt: dime : vime 8, 93 : Äirtw 10, 31 : stime 25, 15, ebenso dim in der Zeile. 5 — 8 ist wie 21 — 24, 45 — 48 gebaut, auch guet : gemuet hätte stehen bleiben können. — Aehnlich sagt Muscatpluot, Hätzl. 131, 20 das ich mit synn dir^ kcUserinn^ ain liedlin müg ge- syngen. An Heinzel. (ML. 2185) schreibt die Geliebte; Icünd ich von lieben Sachen getihten unde gemachen ein minnecUchez grüezen^ wnd künde ich daz gesüezen^ daz ez verhörte dinen pin^ daz taete ich^ trat geselle min! — mdnneUedelin hat Lex. nur aus Apoll, belegt. 12. Der Zusammenhang schien mir ein hand o. dgl. zu er- fordern, das freilich schweren zweisilbigen Auftact erzeugt; doch der steht auch in 24. 13 — 16 ist Tli wie 81—84, die vorausgegangenen Str. waren Tl . Der Initialenmaler hat bei 13 vergessen den Strophenanfang zu malen, woraus man jedoch nicht schliessen darf, dass die beiden Strophen zusammengehören (Kummer), denn das begegnet auch bei der gewöhnlichen vierzeiligen Strophe. — 16 fehlt eine Sen- kung; aber die Wiederholung des Artikels nach dem Substantiv wäre Hugo's Schreibweise sehr gemäss, vgl. 3, 82; f>, 30, 85; 10, 18; 16, 4 etc. und Abh. V, p. 213. Auch Bartsch wies in einer Anm. zur St. darauf hin; Kummer dagegen wollte guetkeit bessern, was nicht geschehen dürfte, da T^I gegenüber* der drei- hebigen eine fünfhebige Zeile fordert. Hier wird der geeignete Ort sein, einige notwendige Er- örterungen einzuschieben. Kummer ist der vierte, der sich ein- gehender mit dem Montforter beschäftigt hat. Er veröffentlichte seine Forschungen in Form einer Recension von Bartsch* Ausgabe im Anzeiger f. deutsch. Altert VI, 317 — 342. Als er mir dieselbe — 180 — 90 ist ohne Gregenreim und hat auf die Yermutnng gebracht, dass wenigstens ein Vers fehle. Auffallend ist die reimlose Zeile am Schlüsse jedenfalls, um so mehr, wenn ich oben den Ein- gang des Gedichtes richtig hergestellt habe. Bartsch' Anm. zu 89 beweist weder etwas dafür noch dagegen; denn ob der leere Raum dieser Spalte etwas grösser oder kleiner, ist ganz gleichgültig: gieng eine Zeile verloren, so geschah es auf dem Wege vom Orig. zur Gopie. Freilich hatte B einen andern Standpunkt, da er den Cod. Pal. als Original ansah. — Ich will aber darauf hinweisen, dass 34, 30; 36, 28 der zweite Teil dieses Verses wiederkehrt, wo in der Flickzeile' das sag (schrib) ich dir mit einem Wort der Ge- genreim liegt, eine Beteurung, die Hugo gern zu solchem Zwecke verwendet (vgl. 2, 139) und die wohl auch hier gestanden haben könnte, obgleich sie den Schluss nicht poetischer gemacht hätte. n. Bergmann bezog (Landeskunde von Vorarlberg p. 102) die in diesem Gedichte erzahlte Liebeswerbung auf Hugo*s erste Ge- mahlin. Das lag allerdings nahe, wird aber von ihrem Zusanmien' hange mit den übrigen Lebensverhältnissen des Dichters negiert (p. 12 ff.); wozu noch kommt, dass zwischen dem Tode von Marga- retha*s erstem Gemahle und ihrer zweiten Ehe nicht so viel Zeit lag, dass Hugo ja/r und tag herumreiten konnte, sich Ritterschaft zu erwerben und die Welt zu sehen. Das und die ganze Haltung des Gedichtes führt von selbst auf jene Ausfahrt, die er nach 5, 136 im 14. Lebensjahre unternommen hat. Ulrich v. Liohtenstein erkor sich schon im zwölften Jahre seine Frau, der er dienen wollte (Uhland, Sehr. V, 211); Hadlaub diente seiner Erwählten, ^t daz wir beide wären kint ; ähnlich spricht Neifen : diu mich hdt von Jcinde her gebunden 18, 27, und Mamer: ich bin der si meinet mit triuwen sit von mtnen hintlkhen jdren IV, 34. 4. B lässt das hsl. weib^ also die bairische Form des Schrei- bers, ebenso 3, 65 sei; 25, 34 ewenkleich; 26, 28 weib; 28, 140; 35, 38; 36, 7 sein; 38, 179 dein; ferner ain 5, 226; echaiden 8, 12; rain 18, 45; ain 28, 300, 601; warhait 28, 491; üppi- kmt 29, 176; gemain 32, 159. Da auch B sonst die ei (=^ f) und ai (= ei) tilgt, und in den angeführten Fällen nicht der ge- ringste Grund für ein Ausnahmsverfahren vorläge, müssen sie wohl als Versehen angesehen werden. — B umbevie (vgl 1 10), vielleicht — 181 — hat er so gelesen; denn es ist in der Hs. oft nicht deutlich, ob sie getrennt oder zusammengeschrieben hat Ich merke solche Differen- zen fernerhin nicht mehr an. 11. Besser als min sunnen acMn als Apposition za fassen, wird es vielleicht sein, das vorausgehende Gomma zu streichen und nem ich herabzubeziehen. 14. Hs. tett, B tet, so ändert er meist, aber in Nr. 25 bleibt tett ich 64, 113, 114, 123, 171, 175, was auf die Vermutung bringen könnte, dass er vor Vocalanfang des nächsten Wortes tett bewahrt habe; allein auch das kann nicht sein, denn 24, 39 schreibt er wieder gegen die Hs. tet er^ 24, 55 tet es; 38, 50 tet ims etc., ja 25, 171, 175 lässt er tett ich, das er gleich dahinter 25, 177 zu tet ich corrigiert. 16 fehlt eineSenkg., es kann weidenliche{n) oder wnefo geschrie- ben werden, letzteres schien das einfachere, ersteres gäbe eine bessere Betonung. Staufb. 550 die echoene frouwe er vor im acbch kluoc unde weidenUche. 17. Dass pflegen mit dem Particip statt Infinitiv stehe, hat auch B angemerkt. 22. W sagt p. 134: ,es ergibt sich daraus, dass er (Hugo) da- mals auf Sewenherg wohnte •. Aber die Hs, hat deutlich ehnenberg, das allegorisch zu nehmen ist wie bei Hadlaub „Beuental^ im Zu- sammenhange mit ,Seu€zenheim* und , Sorgenrein', bei dem von Gliers» Trübenhausen*, im jung. Titurel , Freudental und Reuental*; vgl. ühland, ges. Sehr. V, 252 und 278, der auch auf unsern Hugo verwies. — beJmsen ist am ehesten st. Part (s. Abh. IV, p. 178): ,auf Sehnenberg häuslich festgesetzt'; auch ein was ich könnte vielleicht wie öfter erg. werden; vgl. 29, 52 und Su- chenw. 29, 78 da pin ich wirt und wol behaust. 25. mid fehlt in der Hs. und bei B, ist aber ohne Schwierigkeit (vgl. 2, 83; 18, 112, 113), bessert Zusammenhang und Vers. 28. wen ist in den Var. zu streichen und wenn in den Text zu setzen. B corrigiert überall wen ; aber alle drei Schreiber über- liefern wenn, vgl. 18, 48, 185; 38, 8, dazu den beweisenden Reim wennen: erkennen Mart 45, 22, AG. S 204 und Abh. IV, 171. 32. todea sterben, dasselbe auch 29, 64, femer im Reinfrid 5161, 15154, 20219; vgl. über diese Redensart zu Ortnit C 195, 4. 35. lieber Schnee und Eis als Bild der Vergänglichkeit vgl. — 192 — ei beigebracht werden. Bartsch hat auf eine verlorene alem. Hs. K mit Hügo*s Gedicht Nr. 25 hingewiesen, aus welcher Banga im Anzeiger von Aufsess (s. Anm. zu 14, 43) 25, 1 — 3 und 25, 202 abgedruckt hat. Da stehen nun alle Wörter, in welchen unsere Hs ai überliefert mit ei: also Hs. ains^ K eins; Hs. cUhj K ein; Hs. gebain^ K gebein. — Wollte man nun auch Sachsenheim, der in Sprache und Metrik dem Mhd. noch näher steht als Braut, zum Vergleiche herbeiziehen, so würde der Schluss dem Kummers so ziemlich entgegengesetzt lauten müssen: also nicht so, dass bei Hugo die ai stehen zu lassen, sondern eher, dass sie auch bei Sachsenheim den Schreibern zu überantworten sind, wie das ^u in untrw Moer. 1683, die ei in weib Jes. 8, leippUch 33 etc. von Martin ebenso hätten gestrichen werden künnen wie die bei Hugo (ich komme darauf besonders zurück); ja der Spiegel und das Sleigertüchl. sind tatsächlich auch ohne ai (die Ausnahmen sind verschwindend gering) überliefert. B hat sein Verfahren nicht begründet: seine Neigung gegen das Mhd. hin zu uniformieren, hat ihn hier richtig, in andern Fragen freilich dafür wieder irregeführt. — Bei dieser Untersuchung fiel noch eine Beobachtung ab, welche angemerkt zu werden ver- dient: in den alem. Montf. Urk. erschien von den neuen Diphthongen au zuerst und am häufigsten, was mit der Entwicklung, welche dieselben im Oester. durchgemacht, stimmt, indem auch hier au zu- erst auftrat (Zarncke, Braut 274^). Ich begleite Kummers weitere Auseinandersetzungen in den wichtigsten Fragen. Er trägt (p. 320) ein paar Reime nach, das hätte wohl noch öfters geschehen können. Die ie in ierr etc. gehören nur dem Schreiber B, das angezogene Beispiel trifft nicht, denn ie in friede ist andern Ursprungs. — In gamahü inü 19, 5 soll iu : ü reimen? — u steht nicht nur für iu^ sondern ebenso auch für ü\ dieser Strich ist in Hss. wie in Urk. ein geläufiges Zeichen für den Umlaut überhaupt, wie auch ü == iu und ü steht — Das an- dere in diesem Absatz erledigt sich durch den Nachweis der Schreiber A und B von selbst: K's. Beispiele für u = uOy ue^ il gehören alle den Gedichten an, welche A geschrieben hat. Ueber e = aey auchjn Urkunden, s. Abh. IV, 153. Der fehlende Um- laut in furbaa eta gehört nur dem Schreiber A, die th ausser den Eigennamen dem Sehr. B. Ueber tz s. Anm. zu 1, 8.- — Tm weitem stellt K (p. 323f.) einige lautliche Erscheinungen zusammen, um da- — 193 — mit zn beweisen, dass der Schreiber unserer Hs. eine alem. Vorlage hatte, was sehr gelungen ist, obgleich mehrere der aufgezählten For- men ebenso gut bair. wie alem. sein können, bei andern sich kleinere Versehen eingeschlichen haben : ein ui z. B. (in muy^ tuy) kennt Hugo nicht; seyen 31, 195 etc. wäre eine spec. bair. Form. Missglückt ist die gesonderte Betrachtung über das „irrationale i' (s. Abh. IV, 189) : in allen angeführten Fällen sind weder die im e zm ver- wandeln noch ganz zu tilgen; sie stehen eben meist in fersen der Titurelstrophen. — Die t in glukt etc. gehören nur dem Schreiber B (s. Abh. IV, 162). — Die Grundsätze, welche Kummer für die Textbehandlung aufstellt, stimmen im allgemeinen mit den meinen (UI, 138 ff.) überein, doch ist sein letzter Satz zu eng; denn 2,4z. B. muss weih in wih corrigiert werden, trotzdem dadurch weder ein Reim gebessert noch ein Rhythmus hergestellt wird: alle spec. bair. Formen sind zu tilgen. Auch über Metrik hat K gehandelt. Die von Weinhold gesammelten „wahren Monstra' von Versen stehen meist nicht in der gewöhnlichen vierzeiligen , sondern in der Titurelstrophe (vgl. Abh. V, 249—252); 28, 592 ist nicht richtig eingeteilt. Hier wie an andern Punkten sind Hugo's Verse doch bedeutend besser, als man meinte, man darf nur nicht vom Dichter etwas verlangen, was nicht in seiner Absicht lag. Bei Ansichten, wie dass Hugo »bald die Silben mit grosser Willkür in der Tonver- setzung nur zählt, in der Mehrzahl der Verse aber, unbekümmert um die Zahl der Füsse« mit Wahrung des natürlichen Accentes . . . dem Reimworte zueilt ' darf ich wohl auf meine zusammenhängende Darstellung von Hugo*s und seiner Zeitgenossen Metrik in Abh. V verweisen. — Ein Vers wie 4, 77 (K p. 329) ist ganz tadellos, ebenso ist 4, 53 nicht das zuhet d^n elemSnten nach, sondern das zuht den ^lem^nten nach zu lesen; man braucht sich nur zu erinnern, dass der Themavocal e in der III Pers. meist ausfällt; auch B, der in der Metrik überhaupt K gegenüber öfter im Vor- teil ist als bei der Textrecension, hat die richtige Gorrectur. Und so haben auch die andern der p. 329 angeführten Verse bei rich- tiger Behandlung nichts besonderes; nur jener falschlich verstan- dene Satz von der ^gleichen Silbenzahl der Reimzeilen*' hat auch K in die Irre geführt, so dass er der Tonversetzung eine Aus- dehnung gestattet, die sie ohne Zweifel nicht besitzt; auch in seinem Herrand tritt das hervor. D|tbei mag auf ihn Jänicke*s Meinung WackemeUy Montfort. 13 — 194 — (Zs. f. d. A. 16,402; 17, 508) von Einflass gewesen sein; allein dass dieser in diesem Pankte zu weit gegangen ist, hat sobon Kinzel (Zs. f. d. Phil. 12, 251) richtig erkannt and wird sich aus meinen Untersuchungen in Abh. Y, 236 ff. ergeben. Ich hatte mich im Anfange meiner Arbeit gleichfalls auf Jänicke*s Standpunkt gestellt, fand aber dann Gründe, ihn zu verlassen, wie Jänicke, wenn er seine Untersuchungen hätte weiter führen können, gewiss auch selbst getan haben würde. Kummer gegenüber steht Martin, welcher bei Sachsenheim der mhd. Auffassung zu weiten Spielraum lässt, indem er z. B. aus den vierhebigen Versen mit kurzer Pae- nultima ohne weiteres auf die Fortdauer des mhd. Verschleifungs- verhältnisses schliesst (Abh. V, 198, 201). Auch bei den zweisilbigen Senkungen muss ich ein paar Rand- bemerkungen machen. K tadelt (p. 330) an ß, dass er in seinem Texte zweisilbige Senkungen (denn nur als solche können die fraglichen Stellen angesehen werden) stehen gelassen habe; aber gewiss mit Unrecht: wenn da zu tadeln, so ist es nur deswegen, weil B in seinen Synkopen ungleichmässig verfahren und oft weit über die in der Hs. gezogenen Grenzen hinausgegangen ist, oder wo finden sich denn in derselben Kürzungen wie zungn^ aorgn^ wlhn^ prieatr, altr etc. ? Martin hat es bei Sachsenheim nicht gewagt, muotr zu schrei- ben, und Zarncke bei Braut gezweifelt, ob „ man die Form priestr wagen dürfe*; und doch gehen diese beiden Dichter in der Syn- kope viel weiter als Hugo. Wer sich ferner den Einfluss der Phonetik auf Hugo*s Schreibweise gegenwärtig hält, weiss, dass er statt wibn wohl eher wibm geschrieben hätte, was es nur um so unwahrscheinlicher macht, dass die Schreiber durchweg wi~ ben dafür gesetzt haben sollten. Weinhold gieng in der Be- wahrung der zweisilbigen Senkungen von uns allen vier am wei- testen ; er lässt z. B. 1, 26 auch entsprözzen in m/nem, während die Lesung /n mim in der Hs. oft belegt ist, und ich würde mich unbedenklich auf seine Seite schlagen, wenn ich zwischen beiden Extremen, zwischen seinem und Kummers Verfahren wählen müsste. Aber auch mit den starken und über das in der Hs. gebo- tene Mass hinausgehenden Synkopen vermag K nicht auszukommen und findet einen glücklichen Ausweg durch die Annahme von , der grossen Ausdehnung, welche die Silbenverschleifung zu Montforts Zeit erreicht hat". In diesem Punkte tangieren sich unsere An- — 195 — sichten, welche im Detail der Ausführung freilich wieder aus- einanderlaufen, üeber die Verschleifung auf der Hebung vgl. Abh. V, 226 : ihre unechte Ausbreitung fände die Begründung in der Aus- dehnung der nhd. Längung; dass aber solche Verse, welche hieher geh()ren könnten, schon bei früheren Dichtern, die sonst die Län- gung noch nicht zeigen, begegnen, spricht ausser dem (V, 228) angeführten noch direct dagegen. Unter den von K angeführten Beispielen finden sich dann auch solche wie wds er der; w^rdent betrogen. Wenn werdent auf der Hebung verschleift werden könnte, warum dann nicht auch wihen^ alter u. dgl.; wozu dann andrerseits wieder die Synkopen wihn^ altr^ Und wie soll denn was er auf der Hebung verschleift werden ? Und wenn die beiden Silben wa8 er in der Hebung nicht »das Grundgesetz der mhd. Metrik von der Einsilbigkeit der Hebung" verletzen, wie muss denn dann ein Vers aussehen, der das tut? — Unter den Verschleifungen auf der Senkung sind auch etliche Verse der Titurelstrophen, die sich ohne Verschleifungen und Synkopen erklären Hessen. Ueber das Fehlen der Senkung vgl. Abh. V, 213 ff.; über mehr- silbigen Auftact ibid. 205 ff.; über die Anordnung der Gedichte im Cod. Pal, welche K für chronologisch hält, Abh. UI, 132 — 138. Kummers Schluss: «da Hugo im 31. Gedichte, das 1401 ge- schrieben ist, einen Abschnitt seiner dichterischen Tätigkeit macht und auf die bisherigen 30 Gedichte einen Rückblick wirft, der völlig mit dem Bestände der uns erhaltenen stimmt, so dürfen wir die Anordnung der Gedichte als eine chronologische ansehen* vermag nicht zu überzeugen ; denn wenn in der Copie die Ordnung des Originals geändert wurde, mussten deswegen auch Producte verloren gehen, so dass der Bestand derselben in beiden Hs. nicht mehr stimmen kann? Aus der Erwähnung des Schisma's ist für die genauere Datierung von Nr. 5 kaum etwas zu gewinnen ; warum soll denn gerade an die Wahl Benedicts gedacht werdep? üeber Wenzels Seilung seit 1392 vgl. III, .132 ff. Die eine Hauptfrage aber, ob unsere Hs. Orig. sei, hat K wieder sehr glücklich gegen- über B verneint. Kummers wertvolle Vorschläge zur Textkritik und Beiträge zu einem erklärenden Commentar behandle ich bei den einzelnen Stellen. Aus Rummers kleinerer Recension in Beghagels Literatur- blatt I, 283 ist die Ansicht hervorzuheben, dass Nr. 2 in unserer Hs. nicht vollständig sei; ,denn die Y. 96 angefangene, durch eine — 196 — Digression (129 — 144) nnterbrocheoe Schilderung wird nicht weiter fortgesetzt, während in der Hs. ohne Zwischenraum noch auf der- selben Spalte 3^ das dritte Gedicht beginnt*. 17 20. Ich bestreite die ürsprünglichkeit dieser Strophe, denn sie nimmt sich aus wie eine Ironie auf das vorausgehende und nachfolgende und unterbricht den Zusammenhang: Vers 21 schliesst sich so eng an 16, dass zwischen beiden Doppelpunkt gesetzt werden könnte ; ferner haben alle umliegenden Strophen des Gedichtes die Form der directen Anrede, diese nicht; endlich passt ihr In- halt nicht nur nicht zu Nr. 3, sondern zu gar keinem Jugendproducte Hugo'«: solche trübe Reflexionen kennzeichnen die spätem Ge- dichte (s. Abh. I, 46 f.), 27, 105 z. B. kehrt der Inhalt dieser Strophe wieder. Woher aber diese Einschaltung komme, darüber gibt es nur Vermutungen ; sie ohne weiteres dem Schreiber in die Schuhe zu schieben, geht nicht an, weil ihm anderwärts ähnliches nicht ' nachzuweisen ist; viel lieber denke ich an eine Randglosse, welche später in das Orig. gebracht und vom Schreiber mit den echten Strophen herüber genommen wurde; selbst Hugo könnte sie in einer Anwandlung jener trüben Stimmung seiner altern Tage, wo ihn sein jugendliches Treiben und Singen nur zu oft verdross, hinzugedichtet haben, um damit den Inhalt zu paralysieren. — Ueber die häufige Dars.tellung dieses Gegensatzes vgl. Uhland, Sehr. V, 162 und 163. 21 — 24. B g scheiden^ aber dUo als zweisilbiger Auftact ist nicht anstössig (Abh. V, 206), ebenso beseitigt B 47 durch hliben den zweis Auft; vgl. aber 52 und 65. Dass getruwen : büwen zu schreiben ist, habe ich schon zu 2, 81 bemerkt. 24. B lässt die Ueberlieferung; die bietet aber einen Vers mit zweisilbigem Auftact, zweimal versetzter Betonung nnd sechs He- bungen! K wollte (p. 330) st^tikeit versoUeifen. — Lachmann wagte bei Lichtenstein 387, 27 Mhn gegen die Hs., was auch in diesem Verse den Rhythmus bessern würde. — Eine ähnliche Stelle bietet das Sleigertüchlein (Altsw.) 248, 32 da blibst un- versert^ das soltu mir getruwen^ solt man höh dum hiiwwi uff ein ged/ruwes wib. 25 — 32. Die Schönheit der Brust verlockte zu mancherlei Ver- gleichen, s. Weinhold, deutsche Frauen p. 143, dazu Reinfr. 2266 A^eh und kleine brüste reht als ein ap/el sinewel; Titnrel 1247 — 197 — die ep/el ungefelscht uf pluendem rise . . , ir brtiatel nach wünsch gedret; Heinr. v. Neust. Apoll 13362 rehte in der selben wtse als ep/el ouz dem paradise wären ir die pruste \ Suchenw. 25, 184 zway prustel als zwai pirnl gesmuhet an ir hertzel izart; Oswald 37, 2, 3 beisse brüstlein synbel als die piern; 52, 2, 3 wie sy vor truog zb^n synbell knöpff spitzltch gedrdt etc.: bei ihm folgt dem Vergleiche freilich wieder eine jener obscönen Ge- meinheiten, an denen dieser verbauerte Ritter besonders reich ist; vgl. dagegen die Zartheit Flecks (Sommer zu Flore 6904). — B lässt hier das hsl. äphelli^ dann wären aber auch 5, 178 mänger^ 1, 39 tugentbär etc. zu bewahren gewesen, doch ist ä nur eine Spielweise, und zwar die seltenste neben 2, ^, a und meist e = e und ae, vgl. Abh. IV, 153. 29. B gedron : schön : zwischen der wirklichen Schreibung von 0 = d und den Reimen 6 : d ist noch ein unterschied, diese bedeuten mehr die Mittelstellung dfes aber abgesehen davon, dass sich eine solche Jir'üZüDg aus der Ueberlieferung nicht belegen lässt (s. Abh; V, 225 ; - 2m - Anm. zu 3, 13, p. 194), findet sibh auch nicht die geringste Andeutung, dass Hugo bei Synkopen darauf geachtet hätte, ob das folgende Wort mit einem Vocal odier Conson. beginne, wie das wohl bei fein- hörigen mhd. Dichtern der Fall war. So corrigiert B auöh 4, 9 boar art^kel; 5, 223 fi^rstn ir; 18, 170 altr uf; 18, 243 Ämdr ir; 29, 13 sorgn (Inf.) und; 29, 89 w^st ein (aus werist^ Conj.) etc. — ^' Dagegen bleiben nach der üeberlieferung stehen zwifel ist 6, 3; furaten ir 5, 229; farsten und 28, 165; hirzen ein 3, 4; alten und 24, 123; stehen (Inf.) und 15, 116; wSrist (Conj.) uf 28, 232; Uchten (Inf.) und ^8, 245 etc. Dass ich die letztere Verfahrungsweise für die richtigere halte, braucht keine weitere Aus- einandersetzung mehr; ich lasse fernerhin diesen Punkt ausser Acht. 102. Lies 8ol. 106. B globen; aber dann müsste man annehmen, dass der bair. Schreiber ou für o geschrieben hätte, und das geht nicht an : hätte er die Vorlage geändert, so würde er hier, wie gleich in der nächsten Zeile und sonst meist, au gesetzt liaben. Dieses ou zu bewahren, wird um so wichtiger, weil es der einzige Repräsen- tant für diesen Diphthong ist, den Hugo sicher öfters verwendet hat (vgl. Abh. IV, 157). In ähnlicher Weise irrte Bartsch, wenn er 34, 37 das alem. raut in i'at cörrigierte, wogfegen schon Kummer Einsprache erhoben hat. 105 — 107. Freid. 134, 18 ich Idz mich niht berouben mines rehten glouben; mich enkcm auch niem^n ' bringen von guoten gedingen, 110-112. Freid. 123, 16 achoeniu wort enhelfent nihf^ da der werke niht geschiht; Spr. Str. 27, 1 vil lützel helfent schoeniu worty'sS wir der werke niht entuon (BeiÄzenb. z. St.); Walther (W. 89, 133) swelch kristen kristentuomea gtht a/n warten , und an werken niht , der ist iOol ^hdlp ' ein hdden : daz eine ist dn daz ander tSt^ und dazu Wilmatins' Nächweise zu 132; ferner Ring 107, 2 hiet er joch ^ewurket vil "guoter werch ze allem zil , so ist dir auch der gelaub emuicht ün die werch. Der Glaube und die Werke nach demselben werden gleich- massig betont; s. noch Freid. 35, 22 guoter ghube und ¥einiu werc diu swendent der Sünden berc. — 112 kann zem geschrieben werden. 114. B bleibt bei der Hs.; aber also ich ist nicht anstössig (s. Abh. V, 219 f.) tmd fein Verb. fin. im zweisilbigen Auftäcte jeden- — 204 — falls zweifelhafter (V, 207) als die Betonung des Pronomens. Ueber od vgl. die Anm. za 4, 135. 123 — 127. Tit. (Zarncke) 507, 1 alle propMcien^ swaz der ie wart gesprochen von der maget Marien vor ma/nic hun- dert jdren unde wochen^ daz mueat dd allez werden offenhasre hmtltch der weit ze sehene, — 123 liest auch die Grazer und Berliner Copie prophetien, B prophechn; bekanntlich ist c und t oft nicht zu unterscheiden. 128 S, Zu dieser Schilderung des jüngsten Gerichtes vgl. Freid. 179, 16—180, 7 und Bezzenbergers Nachweise z. St. 131. B nimer^ ebenso 17, 25. Ueber ü = i und ie s. Abh. IV, 156; die a = er aber schiebe auch ich wie B den Schreibern zu, denn sie sind im Bair. besonders beliebt, s. Birlinger, Augs- burg. Wb. p. 369. 135. B lässt oderisoW das in der Senkung verschleift werden? sonst corrigiert er in solchen Fällen odr z. B. 5, 219, 229. Mei- stens, wo oder in der Senkg. zu stehen kommt, hat auch die Hs, eine einsilbige Form und zwar ald (sehr oft) oder od 34, 44; ich glaube daher, dass man nicht das Recht hat, sich noch eine dritte einsilbige Form odr zu machen, welche in der Hs. nicht belegt ist. Wenn ich od wählte, geschah es nur, weil es dem od' graphisch ähnlicher ist als ald. Auch Sommer hat in Flore od verwendet (vgl. seine Anm. zu 24); aber ebenso gut, wenn night noch besser wäre es, das alem. ald zu substituieren, das Schönbach auch bei Boner empfiehlt, s. Zs. f. d. Phil. 6, 263. 137. B gots, ebenso machta 139; abents 8, 1; nichts 5, 36 und so durchweg s für hsl. z nach ^ nur 29, 146 ist ihm nen-- netz entkommen. Bartsch hat sich wohl durch die AG. boatim- men lassen, diese z zu streichen, denn da sind (p. 154) die, welche flexivischem s entsprechen, nur sehr schwach und die, welche von in- cliniertem si (de) kommen, gar nicht belegt. Ich habe daher schon Abh. IV, 163 Nachweise gesammelt und ergänze sie noch durch Mag. Krone fürtz (= fiirte sie) 89^ ebenso guckotz 83^ maintz 83^ ISrü Sia, schepfentz 37^ (s. Zing. 507); Laufb. gotz 758, 7; hrohtmtz (= sie inclin) 751», 6; Moer. Echhartz (Gen.) 3873, 5092; Lassb. LS. 29, 168 gerichtz; Netz 175, 306 gotz. — Nur wo es (ez) an das t des vorausgehenden Wortes iucliniert ist, lässt B die zihätz 5, 121, soltz 18, 158 etc.; allein Hugo schreibt durchweg schon es und «, wenn er es an einen andern Conson. in- — 205 — diniert: inhags 5, 98, wirn etc., auch in diesen Fällen kommt das z also nur vom vorausgehenden t. 143. B las mV, das wird das richtige sein. 149. B einsy daher musste er auch die Reime klingend machen, wodurch dann noch iedes zum zweisilbigen Auftaot würde; viel einfacher schien es mir doch, die Synkope zu beseitigen, zumal die Verse 33, 134, 136 wiederkehren, wo sie gleichfalls und auch bei B stumpf reimen. 149 — 152: jeder Mensch trägt die Merkzeichen seiner Sünden an sich, so dass alle dieselben erkennen; vgl. Altvater (Zing. Findl. Sitz. Ber. 64, 161) und du geat von dem grdb^ so gent mit dir gaenzleich herab alle dein sunde^, auf daz si ein urchunde deiner vertumnisae weaen gar gewisse, 157. geseliget == saelec gemacht, beglückt ; Titurel 6142 zuo seiden wirt ez geseliget, 166. Lies himeUch. 168. ie als stn. hat Lex. nur aus j. Tit. und Hugo (s. auch 33, 7»^), iemer als stn. gar nicht belegt, letzteres begegnet auch bei Hadamar 263 (s. Stejskals Anm. z. St.) ; damit bildet Hugo noch das Compos. iemer-wesen stn. 33, 73. 175. B ze dery was nicht notwendig ist (Abh. V, 206); 25, 57 lässt auch B zuo gerechten- 176. Der Plur. bei Collect, ist häufig. — hellevar (= wie die Hölle aussehend, also nach der gewöhnlichen Vorstellung schwarz) ist bei Lex. nur aus Helbl. belegt. 177. 178. K wollte (p. 330) jd'mer und^ demnach die Verse dreihebig lesen, aber unde bessert die Stelle und ist erlaubt, s. die Anm. zu 12, 12. ISO. K schlägt (p. 324) vor, müend zu schreiben, allein das ist eine bei Hugo ganz unbelegte und überhaupt seltene Form : wer den Vers dreihebig liest und Einsilbigkeit der Senkung her- stellen will, kann ohne Anstand muessents schreiben, da diese En- clisis oft belegt ist (Abh. V, 192, auch Netz: des muosaents 100^1); wer ihn vierhebig liest, muss fehlende Senkg. oder versetzte Beton, annehmen. Das erstere wird vorzuziehen sein. 182. B ändert du zu die; ebenso 5, 18, 256; 18, 53; 28, 469 und durchweg (Abh. IV, 153). Auf den Reim Me : die 26, 17 kann man sich dabei nicht stützen, denn dieser zeugt nur gegen Weinhold, der — gerade entgegengesetzt von Bartsch — diu auch — 206 — für da« hsl. die (Fem^) einoorrigierte. Hätten die bair. Schreiber nach dieser Richtung hin geändert, würden sie eher den geschrieben haben. £s sind also keine Gründe vorhanden, von der Ueberlieferung abzu- weichen, wohl aber solche, sie zu bewahren : 1) die du sind beim Schreiber A und B belegt, 2) ebenso oft in den alem* UrkandeD, z.B. in der von Lindau 1375 (Arch.I, UI, 112) du ainfrowAgnes^ und du cmder frow Anne; von Baden 1363 du huob (p. 93)» du lange wis (ibid.); von Bregenz 1379 (Sitz. Ber. 9, 846) du selb , statte 3) auch noch bei spätem alem* Dichtern: Moer. du hüngin 4865, du mnn 4884, dM kenn 5201, du weit 5272 etc. 183, 184. dehent kann nachgestelltes Part, sein, auch als Acc. c. Inf. mit weggefallenem daz last sich der Vers nehmen. Zur St. vgl. Mart. 65, 21 vnd schrigent danne wuefinde zuo den bergew ruefinde^ duz siu uf aiu Valien, 196. iemev'we ist als zusammengesetztes Subst. zu betrachten und bei Lex. I, 1415 nachzutragen; es begegnet auch in einer ähnlichen Stelle der Mart. 60, 101 da (in der Hölle) Jiant a>ch tmd iemer we ein ander da zesteter e, V. I, 2. Netz 2238 es ist kam so haiUger man^ er müa ain soUich an/echtung han. — B wen^ vgl. zu 2, 28. Die Synkope zu beseitigen ist nicht notwendig, da ein dass-Satz folgt. 5. ende als stm. hat schon AG* S 274 angemerkt. Solcher Geschlechtswechsel begegnet bei Hugo öfter: Ion gebraucht ar 25, 202, 198; 28, 635 als stn.; 25, 146 als stm.; drowe, drS stf. 18, 231 als stm.; mensch stm. 12, \S; stn. 4, 150; 24, 116; 28, 382. 8. B corrigiert versniden und so durchweg; dagegen sprach schon Kummer p. 322. II. iöchterlin, toehter = Mädchen, auch 30; U, 43; 16, 69; 17, 30; 18, 30; 28, 88; 29, 63, s. Weinhold p. 163. 18. Es wird besser sein, Hiatus einzucorrigieren als du red zu betonen, jedenfalls braucht man denselben bei Hugo nicht zu scheuen, um eine fehlende Senkung zu beseitigen, vgl. 180; 12, 12; 15, 32 etc. 19. Ueber die Vergleiche des Haares mit der Seide s. Jänicke zu Wolfd. D VIII, 323, 3. 21. ist muss herabbezogen werden. — tinne citiert Lex. aus Hugo; vgl. dazu Sommer zu friere 1843. — 207 — 22. Bei geschikhet belegt Lexer (T, 901) nur die Gonstr. mit in und zuo. — Aehnlich wie hier Haga sagt Suchenw. 25, 1 89 ir chynne geformet nach der minne; LS. 24, 70 er kirnie waz wol gestellet zu der minne. 25. element(e) als swm. bezweifelt Lex. I, 538, bei Hago ist es sicher (vgl. 12, 3; 30, 25), ebenso bei Vintler 744, 749 (s. Lex. Naohtr.); auch Oswald (Weber p. 315) gebraucht es masc. 29, 1, 10 regiert der edel element, 28. B darin, aber 36; 25, 2 etc. darinn, — verblikhen ist bei Lex. nicht belegt und wird sich zu erblichen verhalten, wie etwa verbleichen zu erbleichen. 29. K wollte gleicht betonen, aber B las richtiger mit fehlen- der Senkung und ohne versetzte Betonung, nur ist es nicht not- wendig, gsichi zu schreiben, ebenso wenig wie 50 bliben (s. Abh. V, 220). 32. B füre : stiir ! 35 — 38. Heinr. v. Veld. Aen. 146, 24 ir var^jife lieht unde güt^ rehte als milich unde blüt wol gemischet r6t unde wtz; Konrad, Troj. Kr. 3024 reht ahe ein milch und alse ein bluot wol under ein geßozzen was; Heinr. von Neust. Apoll. 1626 er wengltn rSsenvar rdt in wiz gemischet gwr^ 15230 reht als der milch unde pluot schöne under einander tuot ; vgl. noch Uhland, Sehr. V, 129 und die Belege bei Lex. J, 2136. 39 Es wird besser sein, diesen Vers mit dem folgenden zu verbinden und den Strichpunkt in die obere Zeile zu versetzen. 4 1 . B fliJikt : gedrükt ; doch war vlucken allgemein gebräuch- lich genug, um nicht gegen die Hs. ändern zu müssen, auch das Netz gebraucht es (11232) in der unumgelauteten Form, ebenso Suchenw. 25, 194 ir mündel feuere ßamen flukt (igedrukt). 43. K wollte (p. 328) in diesem Verse einen Beweis erblicken, dass drei- und vierhebige Zeilen auf einander reimen, oder dass 44 mit zweisilbigem Auftact zu lesen ist. Allein der Vers ist tadellos, vgl. Abh. V, 217, Punkt 1; daher ist es auch nicht tun- lich mit B unde zu corrigieren, vgl. Abh. V, 219. ^ 45. Dieselbe Zeile bei Suchenw. 25, 188 ir helsel runt, ir nekel blank, 46. wunsch-gedank = Wunsches gedcmCy ist unbelegt. 51. Nach der abschweifenden Beschreibung einer seiner Ge- liebten aus der Vergangenheit knüpft er wieder an 6^15 an; so — 198 — 53 — 56. B got : apot, aber gerade hier kann man an der Richtigkeit der Ueberlieferung kaum zweifeln, da das zweite Reim- wort echte Gemination hat. — ze an das Wort, welches mit s anlautet, zu inclinieren, trug ich Bedenken, da selber ze auch ein leichter Fall von zweisilbiger Senkung sein kann; B folgte gleich- falls der Hs. 61 — 64. Vintler 8704 du aolt versperren ze aller atunt dein gehaim in deines herzen grünt — 64 B dina^ aber es ist die fünfheb. Titurelzeile gemeint, umgekehrt setzte der Schreiber 70 deines für dins, 67. beliebst ist Druckversehen für belibst 70—72. Titurel 1021 swaz du ie spreche ^ daz gie von hertzen gründe ; Lichtenst. 595, 1 si tuot mich fro in hertzen grünt 77. B behandelt in einer Anm. die Apokope des Gen.-«; eins steten muot : huot 5, 357 hat er übersehen, gemach 28, 164 kann Adv. sein; dass man ^das s überall in sein grammatisches Recht einsetzen dürfe*, ist nicht mehr zu glauben, weil ich Abh. IV, 185 nachgewiesen habe, dass die flexionslosen Formen auch bei andern Dichtern und in Urkunden, wo kein Reim zur Apokope veranlassen konnte, vorhanden sind. 81—84 ist TH. 83 formelhaft, vgl. auch 18, 47; Hätzl. 42, 7 mein hertz in fräden wüte nach irer werden gute; 62, I als mein gemüt hatt sämlich wüt nach deiner gut; 97, 33 na>ch deiner lieb ich wütte; Heinr. von Würtb. 14, 5 nach diner guet ich teglich wuet; Ambr. LB. 23, 3 m^in hertz das wüt nach deiner gut üeber wüeten von heftiger Liebe vgl. noch Erich Schmidt zu Reinmar p. 88. guete hat seinen Umfang vergrössert, indem es auch die Stelle von hulde vertritt, das bei Hugo ausser 2, 33 ganz verschwunden ist, vgl. auch 1, 48; 8, 5; 37, 29 etc. 87. B mit der Hs. d'n aü^Sj das aber nicht zu glauben, wo die Besserung äne alls oder als^ das oft belegt ist, so nahe liegt. IV. 1 — 3. Das alte quidquid agas^ respice finem. Limb. Ghron. (ed. Vogel) p. 104 dann wo das end böss ist, da ist der Ur^ Sprung nicht zu loben, als der Meister spricht in den Schulen: principium lauda cujus sequitur bona causa, das ist: lob dläs ~ 209 — sich Zwiesprache: zu meinem hertzen ich da sprach: ntm raU^ wie ich tuo. es riett^ das ich hinzuo solt gan und reyten. 85. Die Hs. grüszt^ lässt also zwischen gruoazt und grueazt zweifeln; B nahm das erstere und das wird auch das bessere sein. 86. gndd^ herr entspricht unserm »Verzeihung, Herr." Die Anrede liebt Suchenw., vgl. 29, 18; 23, 105 etc. — ^ar eenftek-- lieh gehört zu sprach, 93. merteil (auch 369; 29, 38) ist bei Lex. I, 2118 nur aus Wh. V. Oest. und erst im Nachtrag noch aus ein paar andern Quellen belegt. 94. B dest und dazu die Anm. : „ es stand die Wahl zwischen deat und daat; letzteres steht in der Hs. 25, 84; ersteres hat sein entsprechendes in est 15, 1; 17, 51^. Ich glaube nicht, dass die Wahl stand; denn nur dost ist belegt, dest nicht, und zwischen dsis ist und es ist ist ein Unterschied. Anders hätte es sich ver- halten, wenn weder dast noch dest belegt gewesen wäre; auch Laufb. gebraucht 793, 3 dast. — Ferner gelt zur Bezeichnung von etwas geringfügigem, wertlosem; vgl. auch Mart. 60, 75 niht einer Bemer gulte; Netz 8897 sie hettend im nit ain JBer- ner gela/n. 95. Das Längezeichen über o in körnen gehört wohl nur A; sonst würde es in sehr bezeichnenderweise die eingetretene Län- gung der Stammsilbe andeuten (s. Abh. V, 194). 101. B hsitvint^ Hs. vindet: SynL ist notwendig; dann wird vindt näher liegen als vint (Abh. lY, 174); 22, 26 corrigiert auch B in einem ganz analogen Falle leidt 102. kraft der natur = Kraft dieser Natur, dieser Art (wie sie Parcival 96 und 97 angedeutet hat). 104. BcristcmpluotSj vgl. Abh. IV, 161. — B setzt nirgends die üblichen Anführungszeichen, was das Lesen sehr erschwert; denn es ist oft nicht leicht, die Punkte zu finden, wo sich Bede und Gegenrede von einander abheben. K hat daher hier, in Nr. 29, Nr. 31 etc. die Einteilung nachgetragen, die mit der meinen über- einstimmt; nur vermutet er, dass 5, 105 ich sprach ausgefallen sei, worin ich ihm nicht beistimmen kann : in Nr. 29 z. B. wech- seln die Beden auch ohne ein ich (si) sprach; wollte man femer hier noch ich sprach ergänzen, hätten wir viersilb. (!) oder, wenn man broben schriebe, dreisilb. Auft, dagegen s. Abh. V, 212. 107 — 109. Oswald 102, 8 wie das dn swer geboren wer Wackernell, Montfort. V^ — 200 — 24. Dass pirt als Pass. von bern bemerkenswert ist, hat schon B. in einer Anm. hervorgehoben. 25 — 36. ämptenip ist ohne Zweifel üebergangslaut von la- bialem zu dentalem Verschluss (Abh.IV, 159); wie aber der Labialis hier entstanden ist, kann ich nicht erklären, die Bildung ist andern, z.B. dem kunt=kumt=kumpt gerade entgegengesetzt. Man könnte daran denken, dass sie nur der Reim veranlasst, wenn nicht Lex. ümpte auch aus andern Quellen belegte. — Derartige Bilder und Ver- gleiche für die ünergründlichkeit und ünerfasslichkeit Oottes sind häufig, vgl. W. Grimm, gold. Schmiede, Einl. p. 47 ; Bezzenberger zu Freidank 13, 23; Wilmanns zu Walther 92, 1; Strauch zu Mar- ner I, 20, 21 ; 0. Zingerle zu Sonnenb. 4, 63—70; Bartsch zu 25. — Zu 25—31 vgl. auch Freid. 104, 12 (aus Hs. H) waere der himel permit und dd zuo daz ertrich wtt und alle stemen pfaffen^ die got hat geschafen^ ei künden niht geechriben etc. 26. B gerimpten^ während er sich sonst in ähnlichen Fällen starke Kürzungen erlaubt: gbot^ gbrochen 13, 21 etc. 36. B drin^ corrigiert also die Verse auf drei Hebungen, doch ist kein Grund dazu vorhanden (vgl. Abh. V, 195 ff); Vers 15 ist 35 ganz analog, und die fehlende Senkung könnte auch durch ein gar^ das Hugo oft dazu verwendet (z. B. Vers 48; 26, 55, 65 ; 28, 142) und das hier dem Sinne ganz angemessen wäre, be- seitigt werden. 39. B corrigiert hier und durchweg die hsl. üt^ nüt^ nütz zu i7, niU nits, nur 5, 328 ist ihm nute entschlüpft; sie gehören aber alle ohne Zweifel dem Dichter an, denn sie sind im Alem. durch das ganze Gebiet so häufig, dass es ganz sonderbar wäre, wenn sie Hugo nicht gebraucht hätte, vgl. Mart. 25, 92; Myst I, 265 Bon. 76, 19; 73, 59; 76, 38; Griesh. D 47; Chron. 8, 140 Mag. Kr. 34^; Schreib. I, 79; Sachsenh. M. 4231 ; Sp. 160, 31 Lassb. LS. 30, 112; Laufb.711, 8; 714, 15; 776, 11, 15; Brant 19, 51; 64, 6; im Netz 327, 1284, 1514; auch bei Tschudi, in den Urkunden (s. Bergmann, Aroh. I, IV, 78) sind sie zahl- reich. Dass sie im Reime nur selten erscheinen, versteht sich von selbst; doch auch hiernie^ : Hut LS. 7, 23; nüt:hiut Laufb. LB. 1^ 1184, 23; nützikriutz Moer. 4231; Hut : nüt Brant 19, 41. Von unsern Schreibern aber hat sie nur A bewahrt, so dass es sich neuerdings zeigt, um wie viel die von ihm überlie- ferten Pormen wertvoller sind als die von B und 0; dadurch iBt — 211 — ürkanden begegnen, vgl. z. B. Arch. I, ITI, Nr. 34 (p. 89) tfdr hatten, — Dass hett 19» 29 im Reime erscheint, kann dagegen nichts beweisen, vgl. auch MG. p. 370 and Kammer p. 333. E las (p. 333) tag nun^ ich tag min^ ebenso die Berliner Abschrift nnd wohl anch B, sonst hätte er ntm in die Varianten gesetzt. Beides gibt einen gaten Sinn. 140 ist die nähere Begründang von ghh. Hago meint: die zeitlichen Uebel kommen von den Sünden; wir freilich wissen das oft nicht, weil wir nicht alles za erkennen vermögen. 140 masste in jedem Falle eine Silbe gestrichen werden; ich schrieb als^ weil dadaroh der vom Dichter beabsichtigte Gregensatz, den dieser Vers mit 144 bildet, dentlich hervortritt. — Setzt man 144 ist ein, das gerade in der Zeile darüber steht, gewinnt die Betonung. 145, 146. Freidank 2, 6 gote ist fdht verborgen vor^ er eiht durch aller herzen tor. 152. Bti/a«, wohl verlesen? — K will mt^y = mm, ebenso 9, 33 tuy = tui lesen; aber y steht für j (s. Anm. za 1, 25), wie auch K 24, 107 tay richtig in tuej auflöst (p. 324) ; was ihn bei den beiden ersten Wörtern verleitete, war das Fehlen des Umlautes, und das ist, wie wir aus. Abh. III, 117 wissen, nur eine Mgen- tümlichkeit des Schreibers A. m für üe ist bei Hugo überhaupt unbelegt. 156. Lies Jean. Das es dieser Zeile ist auch zu 155 hinaufzu- beziehen: es sei seit langem oder seit kurzem vergessen. 157. ein angesicM = ein Anschauen, Anblick, Augenblick. 168. rät hohen (auch rät tuon) = Abhilfe schaffen, Verzicht leisten; gewöhnlich mit einem Gren., s. Bezzenb. zu Freid. 89, 23. 171. B dorU ebenso 15, 38, später bewahrt er dort 27, 127; 28, 520 etc. (vgl. Abh. IV, 155). 177 ist wohl 80 zu streichen? 180. Zwischen rüefen and ruofen ist oft nicht zu unterscheid den, s. Lex. II, 526. — B ruoff. 184 Ganz ähnlich deutet der Dichter des Netz die Ordnung seiner Rede an : nun fach mir wa den hoecheten an und laue es an den nidrosten usgan. Vom höhern zum niedem war der ge* wohnliche Ghing, vgl. Heinzel, Heinr. v. Melk p. 46. . 185. Der Schreibfehler der Hs. in geb ist evident. Schilderun- gen der verdorbenen Zeitverhältnisse , wie sie Hugo im folgenden bietet, waren damals sehr beliebt; vgl. Teichner (Karajan) VI, 162 ; 14» — 212 — Suchenw. Nr. 21, 36; 37, 77 ff.; Jörg Schilher, Hätzl. 28, 120 ff.; Musoatbluot, Hätzl. 132, 10 ff., bei Grote Nr. 56, 63, 73, 74, 75 (s. Weinh. Mitt. 145) ; Sachsenh. Moer. 4143 ff. (s. Uhland, Sehr, n, 228) u. a. Der Vergleich derselben ergibt, dass Hugo nicht der beste Darsteller, wohl aber einer der besten Beobachter and vor allem einer der freimütigsten ist. 194. betrochen von betrechen^ bitrehhan sty. bedecken. 195. B corrigiert pebate ; das wäre möglich, ist aber gleichwohl nicht richtig, wie sich aus Hugo*s Sprachgebrauche ergibt; denn wo er in diesem Worte synkopiert, schreibt er auch p für den tönenden Labialis, also bepst 5, 189; 29, 150; bapat 5, 214 etc. Nun zeigt hier die Hs. pebat^ der Schreiber hat also e ausgeworfen wie öfter, b aber stehen lassen, und es muss pebest corrigiert werden, ebenso 5, 205, 217 pabeaU wo B pahat lässt, so dass dem Verse auch eine Senkung fehlt. (217 ist in meinen Varianten pahat zu schreiben). 198. dunreinen^ vgl. zu 2, 70; B streicht und. 201. lieber gitiheit vgl. zu 4, 7; hier hat es die engere Be- deutung wie^ git 208. Der Zusammenhang mit dem vorausgehen- den wird klar, wenn man weiss, wie sich damals die Gardinäle, besonders die römischen, von den Italienern bestechen Hessen. Hugo zeigt sich also über jene Wahlumtriebe gut unterrichtet. 207. Dieser Vers kehrt im Netz 1632 wörtlich wieder. 210. B corrigiert nie zu me. Auch Weinh. bewahrt (Mitt. p. 146, Anm. 1) das hsl. me. 211. Unter den hoptprelaten sind die Cardinale im Wahl- collegium gemeint; das Wort ist bei Lex. unbelegt. 221. gerechtikeit ist zu lassen, wie ich schon Abh. V, 221 angemerkt habe, ebenso kann 223, 239 und in anal. Fällen hünig bleiben, wenn es die Hs. bietet (V, 196). — B hat grechtigheit^ wodurch einer der Unterschiede der beiden jungem unechten Grediclite von denen Hugo*s verwischt wird. Durch den Zusammenstoss des h von heit mit dem c des Adjectivsuff. ec^ ic entstand cJ^f^ keit; letzteres gebraucht Hugo ausschliesslich. In jüngerer Zeit nahm man dann keit als eigenes Sufßx und begann die Zusam- mensetzung von neuem, so dass g (von ig^ ic) wieder hervortrat (s. Grimm, Gr. I^ 431; MG. p. 244). Diese Neubildung ist in Hugo's Gedichten noch nirgends, in Nr. 39 und 40 aber oft vorhanden: barmhertzigkeit 39, 63, 123; 40, 11; innigkeit 40, — 213 - 160 etc. Also zugleich wieder ein Beleg für das geringere Alter dieser Gedichte. 224. B weren (:herren\ ebenso 250 u. ö., s. Abh. IV, 171. werren ist auch bei andern früheren und späteren Dichtern häufig genug, 229 = ihr Churfftrsten, ihr möget (jetzt) tod oder noch am Leben sein. — B setzt gegen den Beim dks d an: lebend (: be- geben); vgl. Abh. rV, 161 und 176. Aber selbst, wenn der Schreiber den Reim verunreinigt hätte, dürfte man d apokopieren ; denn „die Apokope des d^ t ist im Alem. häufiger als im Bair.* Zupitza, DHB. V, p. 33. 231 — 240. walten ist Praet. von wein. Wenzel wurde am 10. Juni 1376 zum römischen König gewählt. Er war in der Tat noch ein Knabe , noch nicht 15 Jahre alt Das Urteil der heutigen Geschichtsforschung lautet nicht anders als das Hugo*s: gerade damals wäre dem Trone ein gestanden man^ der trefflichste, den man finden konnte, mehr als je von Nöten gewesen. Die Wahl Wenzels aber war um so anstössiger, da sein Vater Karl IV in der goldenen Bulle die Königswahl reformiert und bestimmt hatte, dass sie geschehen soll aus freier Entscheidung und nach dem Tode des Königs. Derselbe Karl nun war der erste, der aus schmäh- lichem Nepotismus das eigene G-esetz brach, indem er kein Mittel scheute, die deutsche Königskrone und damit den neu erworbe- nen grossartigen Länderbesitz seinem Hause sicher zu stellen und noch bei seiner Lebzeit die Wahl seines Sohnes durchzusetzen. Charakteristisch sind die Worte, mit denen ihn der Erzbischof von Trier zuerst abwies: „wie wollt ihr eure Ehre und euren Eid bewahren? Ihr habt geschworen den besten^Mann in deutschen Landen zu wählen, und dies ist ein Kind, an dem nicht Weisheit und Tüchtigkeit ist* (Weber, WG. Vin Bd., 139). Diese Worte haben eine frappante Aehn- lichkeit mit dem Ausspruche Hugo*s, so dass man annehmen möchte, er habe sie gekannt und sich direct darauf bezogen, wodurch der Tadel gegen die Churfürsten, welche sich später durch Bestechungen von ihrer ursprünglichen Haltung abbringen Hessen, nur um so herber würde. 243 liest K kai/stüm; aber das ist ein Lesefehler, der leicht und häufig passiert, so dass Weizsäcker in den deutsch. Reichs- tagsaoten (p. 68) darauf noch besonders aufmerksam gemacht hat; — 214 — der Schnörkel nach dem langen / ist die Abbreviatur fär er. K macht den Vorschlag keistuom zu lesen, was dem Verse anfhelfen würde; aber das Wort ist weder bei Hogo noch anderswo belegt and daher nicht za wagen. Wollte man dem ersten Worte in 244 Hebung und Senkung zuteilen und den Vers vierbebig lesen (V, 195, 207, 213), so könnte man schreiben: Sr umhz k^taer^ tuom w4rhen (mit zweisilbigem Auftact), was erträglich und besser wäre als vmhz keis^tuom; sonst aber wird man bei der Aiir nähme eines missglückten Verses stehen bleiben. 249 lässt B etäicJh^ das 298 u. ö. zu eüich corrigiert wird. 253. B Therm ohne Variante; die Hs. aber hat Krn^ was nur Tierren heissen kann, welches auch den bessern Vers gibt (mit zweisilbigem Auftact) als d^ Tterm; ähnlich schreibt B 136 tner- zeTin ohne Variante, wo die Hs. wieder die gewöhnli(die Fomi viertzeTien hat. Ich bemerke das nur, damit man nicht auf die Mei- nung komme, solche Synkopen würden durch die Ueberliefenuig gestützt; im übrigen oorrigiere ich Bartsch^ Vm:. niemals, obwohl mancherlei Versehen mituntergelaufen sind, nur in diesem Gedichte Nr. 5 z« B. wären ausserdem noch nachzutragen: anvang 57, all 192, Jcunig 239, Ee 245 — von nicTitz 36, owcA 330 etc. (die auch B sonst angibt) abgesehen. 254. claffe stf. hat Lex. aus Hugo belegt 256. Lies geecTiicTht 260. B das ohne Variante. jeT^en mit dem Gen. ist ganz ge- wöhnlich. 261. Die Apokope des j in ener begegnet nur hier beim Schreiber A, öfters aber im Netz, vgl. 3545, 8519, 12709. 264. Ich habe bei der Herstellung des Textes hier und 25, 3 gezweifelt, ob Hugo nicht lieber zweisilbigen Auftact als die Be- tonung der Vorsilbe ge^ zuliess, die viel seltener vorkommt als jener (gerade unten 328 steht sin gerzcht) ; es wird aber vorsich- tiger sein, mit B bei der Ueberlieferung zu bleiben. Ein analoger Fall ist b^renkt 6, 28. 265. B glich, und fehlende Senkung; ich corrigierte nach 1, 60^ wo das Wort in derselben Fügung (gUcTiea dla einj wiederkehrt 266. Zwei Dinge sind in diesem bekannten Oxymoron auf- fallend: zunächst die nhd. Constr. mit in und dann der Accus. — Lex. belegt es II, 183 und I, 309 nur mit mit dm\ Er. Sohoiidti Beinmar (QF. IV) auch mit ent anzunehmen sein wird, das einen correcten Reim gibt; der Tropus, der dadurch entsteht, ist nicht anstössig, umgekehrt sagt Hugo z. B. 84, 45 ge^ sigelt mit minen rechten trüwen, — 24, 28 hat der Schreiber das gewöhnlichere bris jehen (: leben) für bris geben geschrieben. Anderen analogen Verderbnissen werden wir noch weiterhin be- gegnen. Die beiden letzten Oorreoturen stammen von v. d. Hagen, der sie in die Berliner Abschrift eingetragen hat B corrigiert an solchen Stellen nicht oder nach anderer Meinung. 12. Hätzl. n, 46, 11 seid ich von lieb bin geschaiden^ so muosz mir mein leben laiden; Ambr. LB. 111, 23 viel lieber wolt ich sterben^ wenn ich verlier jr huld. 18. W grinen^ B gruenen, K erklärt (p. 342) den Vers für unverständlich. Wenn man gritnen='grinen= verdriesslich weinen, streiten, zanken (Schmid, sohwäb. Wb. 430), sunder wenken = ohne Ablassen nimmt, so könnte die Stelle einen erträglichen Sinn geben : dass ich fortwährend der (versprochenen) Bänder ged. mit unaufhörlichem Zanken. — wenken stn. hat Lex. mit dieser Stelle belegt; vgl dazu 1, 32; 23, 42; auch wanken begegnet 35, 12 als stn., wofür Lex. drei Beispiele hat. 19. W rüw gebracht, ist nicht erlaubt 25 — 28. W und B guotimuot; aber dass diese Reime klin- gend zu machen sind (vgl. Abh. V, 202), . fordert auch K (p. 333). Ausserdem corrigiert B in 25 e^ zu icht und streicht 26 im. W corrigiert 2b was zu war und 26 im zu eim. Gegen Bartsch* Lesung — 220 — polemisiert Kammer (p. 334), wie mich dünkt, sehr mit Recht; denn das einsilbige Wort zwischen was nnd hampt ist nicht leicht entbehrlich (freilich nicht «wegen der Silbengleichheit*). Die Gor- rectar in meinem Texte konmit von Prof. Scherer. — was und da in 25 müssen sich entsprechen, also entweder wa,8 - das oder tcro- da^ das letztere ist vorzuziehen, weil wa^ leicht aas V. 26 her- über gekommen sein kann. — 25 ist das bekannte Liebesoxymoron, vgl. z. B Walther von Mezze mir ist mtn lieb ein herzehUcJdu swaere^ so ist da hi daz leit min hoste vroude gwr^ i daz ich daz liebe leit verbaere HMS. I, 308*. Nach 25 wird Punkt zu setzen sein. — 26 heisst: was ihr (der Geliebten) nicht fe. z. g. etc.; vgl. dazu Oswald 36, 5, 7 und was dich üebeU seUffs beib^ ztw nassen eugltn hldre^ dasselb betrüebet mir den leib und tnctcht mir grabe häre. 38. W schatt der stete nichts B schadt dem steten ichU Lassb. LS. 30, 115 dv/rch fromd sol mxm nit dbelan^ wer ain stättes hertz wil hon. Sonst heisst das Sprichwort fremede sehet-- det herzeliep Freid. 105, 3; ouch ist ez^ als daz Sprichwort sagt, vremde scheidet herzenUep Freib. Trist. 317 ; Bezzenb. zu Fr. 105, 3. 40. geheim wird als stf. zu fassen sein: vertrauter Umgang nützt etc. vervdhen mit gegen hat Lex. III, 283 erst aus Netz, W. und Chr. belegt vn. 1. Vgl. Lassb. LS. 10, 41 ach liebüfrow^ wes ziehest michf Ambr. LB. 2, 3 was zeihestu mich hertz einiges ein. 2. Tit. 899 die sinen in do clageten menlichen sunder wet" nen, B hat weiniein^ vgl. dagegen K p. 319 (Anm.) und p. 33?, der weine : eine fordert, wie in meinem Texte zu finden ist (vgl. Abh. IV, 165 und V, 202). 3. B MIß; ich verweise aber auf Abh. IV, 161 und 174; zu den an letzterer Stelle genannten Reimen aus Braut, können noch andere beigebracht werden : er loufft : houff (Subst.) 48, 23 ; 64, 45; gerade bei einem Dichter von Brants Fähigkeiten, Fleiss und Kenntnissen, der seine Verse selbst syn grosz muegsam ar^ beyt nennt, sind solche Reime besonders beachtenswert. Ausserdem kann ich die drei (IV, 161) angeführten Belege, in denen das Pers. SofiT. der lU fehlt, noch vermehren durch man sich (= eicht) Nets — 221 — 7458, and (er) sitz 33, 125, das ioh aus Versehen im Texte corrigierte. 11. wiltpan = Wildbezirk, Jagdreirier; vgl. dazu Stejskals Anm. zu Hadam. 28. Das Wort ist im obern Yintschgau heute noch zu hören. 23 — 26. Freid. 60, 15 swer allez daz wil rechen^ daz man Übels mac gesprechen^ der wirt selten dne ntt und dne ungefüegen strit — Auch W und B Karins, Ich habe schon Abh. V, 213 darauf hingewiesen, dass Ka/rolus zu schreiben sein wird. 29. K wil gvomgen^ allein hasen ist auf der Hebg. zu ver- schleifen (s. Abh. V, 196). 32. Wie in Vers 11 ist hören intr. == gehören mit in, ebenso im Netz 11843 darumh si in die segi tuond hoeren. VIEL 1, 2. Vgl. Hadl. 53, 1 sich fröit üf die edeln nacht ein geslcbcht minnaere harte; Christ. 376 do nu die nacht her slaych; über dieses her (auch 21), das sich nur in jüngeren Gedichten findet, vgl. Jänicke zu Wolfd. B 139, 1, der eine Menge Belege gesam- melt hat 4 wird als kich xoivoo zu fassen sein. 6. B fröwt, s. MG. p. 360. 13. B lässt ze homent Ich treffe hier wieder mit K zu- sammen, der (p. 334) sagt: «wollte man in diesem componierten Liede genaue Entsprechung herstellen, so müsste z'hon gelesen werden^ (Inclin. ist nicht notwendig, da wzder ze gelesen werden kann). Und dieser Gorrectur steht auch gar nichts im Wege, denn warum der bair. Schreiber hier und 13, 9 das alem. hon entfernte, braucht keinen weitern Disput; lieber will ich noch darauf hin- weisen, dass Schreiber in andern Gedichten auf ähnliche Weise falsche Reime machten, so schreibt H im Wolfd. B antkomen 444, 1. — Durch das richtige kon erreicht diese Strophe dreifachen Reim, wie die nächste vierfiEUshen hat. Hugo hielt es in diesem Punkte wie alle reimarmen Dichter: wo sich ihm ein Reim in den Weg stellte, griff er begierig darnach; das Netz z. B. hat Reim- paare, wo es sich aber gab, auch 3, 4, 5 und 6 Reime hinter einander. Ib. dn gevSr (3, 87 ; 38, 135 als stn.), gevdre^ gev&rde ,ist ein in späterer Zeit häufiger Ausdruck" (s. Kinzel, zum Junker u. tr. — 222 — fieinr. 636) und wohl aus den Urkunden beröbergenommen, wo er siebend ist. So gelangt aucb anderes von den Urkunden in die Dicbtang, vgl. z. B. die Datiemngsweise (s. 19, 25 ff.; 34, 49; 35, 33; 38, 185 eta), die Anrede an den, der das huoch (in Urk. dm brief) hört lesen (s.31, 254; 27, 230; 28, 726) u. a. IX. Den Zasammenbang dieses Liedes mit Hadamars Jagdallegorie bat schon Weinhold (p. 152) angedeutet und Kummer (p. 338)' näher ausgeführt, worauf ich verweise. K hat a. a. 0. aucb die Jagd der Minne LS. 126 in den Vergleich gezogen und die Paral- lelen hervorgehoben. 5. W corrigiert da bin ich; auch das gibt einen guten Sinn : wie sehr ich sie der Aufrichtigkeit meiner Gesinnung versichere, so bin ich doch immer am Anfang, d. h. komme nicht weiter. 7 lässt W gesell Solche Differenzen führe ich weiterhin nicht mehr an. 8. Ueber den Gebrauch von vier für eine unbestimmte Zahl vgl. Benecke zu Iwein 821 und Lichtenstein zu Eilhart v. Ob. 12. 17. lecherlich hat Lex. dreimal belegt, darunter einmal ans Hadam., von dem es Hugo erhalten haben kann. 27. nachtgruoben = Jagdgruben zum nächtlichen Fange (W p. 160). — Lies sind. 30. W Wann des. 31. Vgl. Oswald 95, 4, 18 «ö furcht ich nyemands drS. 32. Der gsell entspricht den Knechten bei Hadamar, welche die Hunde Wille^ Wunne etc. an Seilen führen; daher züch ab die seil, woran nämlich die Hunde geführt werden. 33. B tuCj W tueff, Hs tuy; aber y =^', vgl. die Anmer- kungen zu 1, 25 und 5, 152. — abesprung ( W absprang^ vgl. Anm. zu 1, 9) ist bei Lex. unbelegt X. 14. B mit der Hs. die sach — die sach uf erden ist das irdische, vergängliche, dem gegenüber die Ewigkeit der Seele betont wird, din für die ergibt die Parallelstellung der Sätze. 16. B unde; doch fehlt der Auftact in den entsprechenden Zeilen so oft, dass man es bedenklich finden wird, seinetwegen die — 233 — schlechtere BetODttüg ^hön 'dnde für schon und emza(k)rngiereni ebenso verhält es sich 13, 29. 22. Die KroDe Maria's mit den 12 Sternen kehrt auch 25, 137 f. und 28, 569 f. wieder; vgl. die Anm. zu 28, 668. 23. Marner 12, 6 dd got und sin muoter sitzent in ir majestdt — him ist in der Moerin 1352 belegt. 24. muoter maget^ muoter meit^ menget dne ende^ muoter dne meile etc., über diese Bezeichnungen vgl. W. Grimm, gold. Schm. Einl. p. 36. Beachte die bedeutsame Wortstellung in 23 und 24. 29. Schon K hat (p. 335) angemerkt, dass die Stelle ganz verdorben und sinnlos ist; ich weiss aber leider auch keine brauch- bare Correctur. 34. Lies hilf, XI. 1. B wdchtr des^ aber 10, 1 wdchter ob da. 2. ruo in übertr. Bedeutung = ruhiger Lebenswandel, Ein- gezogenheit. 4 — 6. Vers 4 lässt erkennen, dass dieses Lied sich an die Tanzlieder anschliesst (s. Abh. III, 135). Die Tänze scheinen vielfach Anlass zur Unsittlichkeit gegeben zu haben, weswegen die Kirche durch das ganze MA. hindurch gegen dieselben eiferte ; vgl. Schröder, die höfische Dorfpoesie, in Gosche's Jahrbuch I, 55. Eine geistliche Betrachtung in einer Hs. des 15. Jhds. eifert gegen die 9 Sünde des Tanzes' überhaupt und insbesonders gegen die Tanz- gesänge der ,) Frauenbilder **. Die Sängerinnen am Tanze seien Priesterinnen des Teufels und die ihnen antworten seien dessen Klosterfrauen, das Wirtshaus seine Pfarrkirche, die Pfeifer und Lautenschläger seine Messner. Die Tanzlieder seien gemeiniglich von üppigen, unkeuschen Worten, und es sei jedem eine grosse schwere Sünde, wer solche schandbare Lieder dichte oder singe; denn er müsste die Sünden auf seine Seele nehmen, die aus solchen „Liedern oder Sprüchen* entstehen (bei Uhland p. 394 und Anm. 55). Erst solche Sittenpredigten machen Hugo's Seelenangst über seine Tanzlieder klar, die uns sonst nicht recht begreiflich wäre. 13 — 15, vgl. auch 28 f., 35 f. Auf merker^ ruomer^ claffer und Frauenverläumder fallen die stärksten Verwünschungen; SucheuT^. möchte, dass jedem solchen neben a/uz dem munde sein die tzende wüchsen als einem swein 23, 75; Hätzl. une vast der clafer — 224 — d 120 oorrigieTt er widerred. — 229 — man in seiner Ausgabe finden; für die Herstellung des Textes sind sie wertlos. Ferner verweist B (Einl. p-. 3) auf den Anzeiger von Aufsess und Mone, in dem Banga II, 272 Hugo*s Gedicht Nr. 25 in einer Hs. (K) aus der Mitte des 15. Jhds., welche der biblio- th^ue du College in Kolmar gehört, nachwies und vier Verse (1 — 3 und 202) daraus abdruckte. Die Hs. selbst war nicht ^ehr aufzufinden. Auch sie kommt bei der Textrecension nicht in Betracht und hat uns nur in der Frage, ob ai oder ei zu schreiben sei (Anm. zu 3, 1 6, p. 192), einen wichtigen Dienst geleistet. Aber nach einer andern Richtung hin haben beide Bedeutung: indem sie nämlich zeigen, dass Hugo*s Gedichte nicht so unbekannt waren und so spurlos an seinen Zeitgenossen vorübergegangen sind, wie man behauptet hat. V wird ihrem Fundorte und Dialekte entspre- chend auf unsere Copie, K, welche alem. geschrieben ist, auf das Original in Bregenz (direct oder durch Zwischenglieder) zurückzu- führen sein. Ausserdem wird aus den verschiedenen Parallelen, welche ich in diesen Anmerkungen zusammengetragen, klar werden» dass wenigstens Sachsenheim, der Dichter des Netz und Oswald Hugo's Dichtungen gekannt haben. XV. B hat der consequenten Ueberlieferung gegenüber die alte siebenzeilige Titurelstrophe herzustellen gesucht; aber das ist gegen Hugo's Princip (vgl. Abh. V, 249 f.) und konnte daher unmöglich gelingen. Es kommen bei Bartsch zuerst 2 siebenzeilige, dann eine sechszeilige, dann wieder 2 siebenzeilige, dann eine vierzeilige, 3 siebenzeilige und wieder 6 vierzeilige, dann sogar achtzeilige zwi- schen sieben- und vierzeiligen: so wird bald die ueberlieferung angenommen, bald verworfen. Gibt es einen stärkeren Beweis für die ganze Unmöglichkeit dieses Verfahrens als die dadurch gewon- nenen Resultate? Dazu kommen noch die vielen TI und T^^ in den andern Gedichten, welche gleichfalls nicht siebenzeilig, sondern nur vierzeilig sind und nur so aufgefasst werden können. — Nr. 29 hätte, nach der Melodie zu schliessen, seohszehnzeilige Strophen, da aber in diesem Falle eine vierzeilige übrig bliebe, hat auch B geschlossen, dass sie alle vierzeilig gemeint seien. Der- selbe Grund für denselben Schluss hätte auch hier vorgelegen. 7. B 8oly fasst es also als Indic. auf, daher der Doppelpunkt — 220 - polemisiert Kammer (p. 334), wie mich dünkt, sehr mit Recht; denn das einsilbige Wort zwischen was nnd kumpt ist nicht leicht entbehrlich (freilich nicht «wegen der Silbengleichheit'). Die Gor- rectur in meinem Texte konmit von Prof. Scherer. — was und da in 25 müssen sich entsprechen, also entweder was - das oder icfo- da^ das letztere ist vorzuziehen, weil was leicht aas V. 26 her- über gekommen sein kann. — 25 ist das bekannte Liebesoxymoron, vgl. z. B Walther von Mezze nur ist min lieh ein herzekUcJdu swaere, so ist da hi daz leit min hoste vroude gar, S daz ich daz üehe leit verhake EMS. I, 308*. Nach 25 wird Pankt zu setzen sein. — 26 heisst: was ihr (der Geliebten) nicht fc. z. g. etc.; vgl. dazu Oswald 36, 5, 7 imd was dich üebet^ seUgs beib^ shAO nassen eugUn kläre, dasselb betrüebet mir den leib und macht mir grdbe häre. 38. W schatt der stete nicht, B schadt dorn steten icht Lassb. LS. 30, 115 durch fremd sol man nit dhelan, wer ain stättes hertz wil hon. Sonst heisst das Sprichwort fremede schei- det h>erzeliep Freid. 105, 3; ou^ih ist ez, als daz Sprichwort s(zgtj vremde scheidet herzenliep Freib. Trist 317 ; Bezzenb. zu Fr. 105, 3. 40. geheim wird als stf. zu fassen sein: vertrauter Umgang nützt etc. vervdhen mit gegen hat Lex. III, 283 erst aus Netz, W. und Chr. belegt. VII. 1. Vgl. Lassb. LS. 10, 41 ach liebüfrow, wes ziehest mich? Ambr. LB. 2, 3 was zeihestu mich hertz einiges ein. 2. Tit. 899 die sinen in do clageten msnlichen sunder wei- nen. B hat wein: ein, vgl. dagegen K p. 319 (Anm.) Und p. 33?, der weine : eine fordert, wie in meinem Texte zu finden ist (vgl. Abh. IV, 165 und V, 202). 3. B MIß; ich verweise aber auf Abh. IV, 161 und 174; zu den an letzterer Stelle genannten Reimen aus Braut, können noch andere beigebracht werden: er loufft : kouff (Subst.) 48, 23; 64, 45; gerade bei einem Dichter von Brants Fähigkeiten, Fleiss und Kenntnissen, der seine Verse selbst syn grosz muegsam ar- hegt nennt, sind solche Reime besonders beachtenswert. Ausserdem kann ich die drei (IV, 161) angeführten Belege, in denen das Pers. SuS. der HI fehlt, noch vermehren durch man sich (= sieht) Nets — 221 — 7458, und (er) sitz 33, 125, das ioh aus Versehen im Texte corrigierte. 11. mltpan = Wildbezirk, Jagdrevier; vgl. dazu Stejskals Anm. zu Hadam. 28. Das Wort ist im obem Vintschgau heute noch za hören. 23 — 26. Freid. 60, 15 swer allez daz wil rechen^ daz man Übels mac gesprechen^ der wirt selten dne nit und dne ungefüegen strit — Auch W und B Karlus, Ich habe schon Abh. V, 213 darauf hingewiesen, dass Karolus zu schreiben sein wird. 29. K tvil gvcmgen^ allein hasen ist auf der Hebg. zu ver- schleifen (s. Abh. V, 196). 32. Wie in Vers 11 ist hören intr. = gehören mit jn, ebenso im Netz 11843 darumh si in die segi tuond hoeren. vm. 1, 2. Vgl. Hadl. 53, 1 sich fröit üif die edeln nacht ein geslacht minnaere harte; Christ. 376 do nu die nacht her slaych; über dieses her (auch 21), das sich nur in jüngeren Gedichten findet, vgl. Jänicke zu Wolfd. B 139, 1, der eine Menge Belege gesam- melt hat 4 wird als inb xoivoo zu fassen sein. 6. B fröwt, s. MG. p. 360. 13. B lässt ze koment. Ich treffe hier wieder mit K zu- sammen, der (p. 334) sagt: « wollte man in diesem componierten Liede genaue Entsprechung herstellen, so müsste z'kon gelesen werden^ (Inclin. ist nicht notwendig, da wzder ze gelesen werden kann). Und dieser Gorrectur steht auch gar nichts im Wege, denn warum der bair. Schreiber hier und 13, 9 das alem. hon entfernte, braucht keinen weitem Disput; lieber will ich noch darauf hin- weisen, dass Schreiber in andern Gedichten auf ähnliche Weise falsche Reime machten, so schreibt H im Wolfd. B an: kamen 444, 1. — Durch das richtige kon erreicht diese Strophe dreifachen Beim, wie die nächste vierfachen hat. Hugo hielt es in diesem Punkte wie alle reimarmen Dichter: wo sich ihm ein Reim in den Weg stellte, griff er begierig darnach; das Netz z. B. hat Reim- paare, wo es sich aber gab, auch 3, 4, 5 und 6 Reime hinter einander. 16. an gevSr (3, 87 ; 38, 135 als stn.), geväre^ gev^rde „ist ein in späterer Zeit häufiger Ausdruck ^ (s. Kinzel, zum Junker u. tr. — 222 — fiteinr. 636) nnd wohl aus den Urkunden herübergenommen , wo er stehend ist. So gelangt auch anderes von den Urkunden in die Dichtung, vgl. z. B. die Datierungsweise (s. 19, 25 ff.; 34, 49; 35, 33; 38, 185 etc.), die Anrede an den, der das bitoch (in ürk. den brief) hört lesen (s.31, 254; 27, 230; 28, 726) u. a. IX. Den Zusammenhang dieses Liedes mit Hadamars Jagdallegorie hat schon Weinhold (p. 152) angedeutet und Kummer (p. 338)' näher ausgeführt, worauf ich verweise. K hat a. a. 0. auch die Jagd der Minne LS. 126 in den Vergleich gezogen und die Paral- lelen hervorgehoben. 5. W corrigiert da bin ich; auch das gibt einen guten Sinn : wie sehr ich sie der Aufrichtigkeit meiner Gesinnung versichere, so bin ich doch immer am Anfang, d. h. komme nicht weiter. 7 lässt W gesell Solche Differenzen führe ich weiterhin nicht mehr an. 8. Ueber den Gebrauch von vier für eine unbestimmte Zahl vgl. Benecke zu Iwein 821 und Lichtenstein zu Eilhart v. Ob. 12. 17. leckerlich hat Lex. dreimal belegt, darunter einmal aus Hadam., von dem es Hugo erhalten haben kann. 27. nachtgruoben = Jagdgruben zum nächtlichen Fange (W p. 160). — Lies sind. 30. W Wunn des. 31. Vgl. Oswald 95, 4, 18 «o furcht ich nyemands dro. 32. Der gsell entspricht den Knechten bei Hadamar, welche die Hunde Wille^ Wunne etc. an Seilen führen; daher :güch ah die seil^ woran nämlich die Hunde geführt werden. 33. B tue^ W tueg^ Hs tuy; aber y =j^ vgl. die Anmer- kungen zu 1, 25 und 5, 152. — abesprung ( W absprang^ vgL Anm. zu 1, 9) ist bei Lex. unbelegt X. 14. B mit der Hs. die sach, — die sach uf erden ist das irdische, vergängliche, dem gegenüber die Ewigkeit der Seele betont wird, din für die ergibt die Parallelstellung der Sätze. 16. B unde; doch fehlt der Auftact in den entsprechenden Zeilen so oft, dass man es bedenklich finden wird, seinetwegen die — 233 — schlechtere Betontmg ^KSn 4nde für schon ^md ein2a0orri^eren$ ebenso verhält es sich 13« 29. 22. Die Krone Maria^s mit den 12 Sternen kehrt auch 25, 137 f. und 28, 569 f. wieder; vgl. die Anm. zu 28, 568. 23. Marner 12, 6 dd got und sin muoter sitzent in ir majestdt — bim ist in der Moerin 1352 belegt 24. muoter magety muoter meit^ mcufet dne ende^ muoter dne meile etc., über diese Bezeichnungen vgl. W. Grimm, gold. Schm. Einl. p. 36. Beachte die bedeutsame Wortstellung in 23 und 24. 29. Schon K hat (p. 335) angemerkt, dass die Stelle ganz verdorben und sinnlos ist; ich weiss aber leider auch keine brauch- bare Correctur. 34. Lies Mlf, XI. 1. B wdchtr des^ aber 10, 1 Wächter oh is. 2. ruo in übertr. Bedeutung = ruhiger Lebenswandel, Ein- gezogenheit. 4 — 6. Vers 4 lässt erkennen, dass dieses Lied sich an die Tanzlieder anschliesst (s. Abh. III, 135). Die Tänze scheinen vielfach Anlass zur Unsittlichkeit gegeben zu haben, weswegen die Kirche durch das ganze MA. hindurch gegen dieselben eiferte ; vgl. Schröder, die höfische Dorfpoesie, in Gosche's Jahrbuch I, 55. Eine geistliche Betrachtung in einer Hs. des 15. Jhds. eifert gegen die 9 Sünde des Tanzes '^ überhaupt und insbesonders gegen die Tanz- gesänge der ,) Frauenbilder'. Die Sängerinnen am Tanze seien Priesterinnen des Teufels und die ihnen antworten seien dessen Klosterfrauen, das Wirtshaus seine Pfarrkirche, die Pfeifer und Lautenschläger seine Messner. Die Tanzlieder seien gemeiniglich von üppigen, unkeuschen Worten, und es sei jedem eine grosse schwere Sünde, wer solche schandbare Lieder dichte oder singe ; denn er müsste die Sünden auf seine Seele nehmen, die aus solchen „Liedern oder Sprüchen' entstehen (bei Uhland p. 394 und Anm. 55). Erst solche Sittenpredigten machen Hugo's Seelenangst über seine Tanzlieder klar, die uns sonst nicht recht begreiflich wäre. 13 — 15, vgl. auch 28 f., 35 f. Auf merker j ruomer^ claffer und Frauenverläumder fallen die stärksten Verwünschungen; Suchen^^. möchte, dass jedem solchen neben cmz dem munde sein die tzende wüchsen als einem swein 23, 75; Hätzl. wie vast der clafer — 234 — gegnen schon frühe als « Ansinger des Frühlings ' ; dann werden sie mit einander in oontrastierenden Vergleich gesetzt, s. darüber Uh- land, Sehr. III, 25. — 168. üeber rek und tanz vgl. Liliencron, Zs. f. d. A VI, 81 S. XVI. 1. W bekam f and dem gemäss stellt er auch 73 zweisilbigen Auftact (ir hek^t) her, s. Abh. V, 191. 5. gruenem ist mit ühland (Sehr. III, 435) als Subst. (= grüner Farbe) zu nehmen. 9 — 12. Suchenw. 46, 48 {die vogel) aungen alle über al . . under ain ander quint und quart — Vers 10 corrigiert B unde, wahrscheinlich mit Recht, dann darf man aber auch 12 eteücher herstellen, wodurch die Vierhebigkeit der Verse erreicht wird, vgl. Abh. V, 203. — 11 W mengem^ so auch 15 meng etc. ohne Grund. 16. Hs. fleigen: ei = ie ist sonst bei Hugo nicht belegt und gehört daher dem Schreiber B; es findet sich im Bair. (BG. S 79) nicht selten. 19. W vint: er corrigiert also dt zu U 6, 38 aber zu tt : schatt; vgl. Abh. IV, 174. — ital corrigiert W hier und 43 zu itely was nicht erlaubt ist, vgl, Abh. IV, 151; das Wort heisst leer, dann weiter nichts als, vollständig, ganz, s. Zarncke zu Brant 85, 143. 21 — 24. 21 corrigiert B unde^ vgl. oben die Anm. zu 15, 27. Auch ohne nähere Untersuchung von Hugo's Metrik ist es klar, dass ein Vers bhiemli g^, brün und wtsz besser ist als bluemli gMy brun linde wüst, — 24 W tou. 25 — 28. 25 hat B gekripselt. gekrispel^, Inf. krispeln swv. (vom Adj. feri^^Z) = kraus machen, kräuseln; davon bildet Hugo 28, 9 auch ein Verb hnspelieren. — 26 gezindelt = geza.ckt; vgl. Su- chenw. 25, 15 stuond manik blat getzindeU, gechrispet und ge- schrindelt — 27 unversmogen part. Adj. (== unverkrtimmt, gerade) hat Lex. II, 1965 nur aus Hugo belegt. Das Wort begegnet auch 4, 159 und 33, 125 == nicht zusammengeschmiegt, gedrückt, d. h. nicht verborgen; durch die Negat. und gar verstärkt: nichts weniger als verborgen. — etlichs gehört zu holtz\ gewindelt von windelen swv., wofür Lex. nur „ in Windeln einhüllen ' auführt ; allein die Be- deutung ergibt sich hier aus unversmogen^ zu dem es den G^gen- — 235 — satz bildet: also gebogen, gedreht; es verhält sieh zu mtiden wie krispeln za krispen, 33 — 36. 33 bluomm^schin (auch 41 ; 37, 30) == Blumen- glanz, s. Lex. I, 315. Mit achtn oomponiert Hugo auch mejenr- schin 17, 35; atemm-sehin 37, 54, welohe bei Lex. alle nur schwach belegt sind. — 36 hat W uzzer statt i«««A^ = heraus; vgl auch t*/Aer = herauf 28, 611, das Lex. nur aus Apoll, belegt. 37. brewU = hrdweli{n\ Dem. zu hrd, vgl. IV, 187. 39. W nam. Man würde hier den Ind. Praes. erwarten, und dann wäre ich nem der zweite Beleg ffir das Eindringen des Plur. Stammes in den Sing. [vgl. ich aehy Abh. IV, 173J, aber sonst ist bei Hugo überall nur ich nim belegt, so dass eher an den Conj. zu denken ist, dem Hugo überhaupt grosse Ausdehnung ge- stattet. 41—44. 42 lässt B stet; aber ich habe schon Abh. IV, 181 nachgewiesen, dass diese Form nur dem Schreiber B gehört. — 43 hat W mit Recht d gesunt^ vgl. Abh. V. 221. 45 — 48. 46 W miner^ wodurch der Vers 4 Hebgn. erhielte; die hsl. Synk. ist ganz in Ordnung. — 48 harpfen und gigen als stn. 49 — 52. 49 orgellen-don als Zusammenges. Subst. hat. Lex. nur mit dieser Stelle belegt, ebenso pfifen-schal; vgl. femer hu- 8unen-8chal und gloggen-klang 52, die gleichfells nur wenig be- legt sind. — 50 beggen=^beckenj ein Instrument, aber welches? — 52 russen: wenn der Bodensee plötzlich unruhig wird und zu rauschen beginnt, so nennt man das in jener Gegend ruh^s (Schmid, Schwab. Wb.); daran kann Hugo gedacht haben, und es heisst also: wie das Seerauschen g, seh. 53 — 56. 54 Bzhoeren:e8 ist kann um so leichter als zwei- silbiger Auftact genommen werden, da hier auf als ein Nachdruck gelegt werden kann ; auch W bewahrt die üeberlieferuhg. — {muot) enbören = emporrichten, erhöhen; Had. 342, 3 mir ist der muot enboeret; dasselbe 28, 67. 57 — 60. Walther 27, 34 für trü/ren und für ungemüete ist niht s6 guot als an ze sehen ein schoene frowen wol gemuot; Neifen 18, 38 si (die Frauen) sint für trüren guot u. a. 61—68, vgl. auch 38, 85 ff. Hätzl. II, l, 91 wer übel von den frowen redtj gott es die lenge nitt vertrett^ er gibt im als er manigen tuott: unsäld oder grosz armuot^ schand^ spott und — 236 — täglich clag^ wann er »ich nit erweren mag in seinen alten zeit- ten, er rauosz mit schänden peitten, bis er sein lebtag voUendt mit ainem lästerlichen end; vgl. auch Sucbenw. 23, 58 S. — 61 schelken swv. (betrügen, sohmähen) hat Lex. aus Hugo belegt. — 64 schreibt B in den Varianten ungelukh^ ebenso 76 gliikh; 18, 79 m^{;A:. ich berichtige das nar, damit man nicht auf den Glau- ben komme, dass sich auch beim Schreiber B kh fanden (s. Abb. III, 114), die Hs. hat auch hier hch. — 65 bin ich W gefolgt und habe ald zn all corrigiert; aber das war unüberlegt, denn es ist nicht einzusehen, wie der bair. Schreiber gegen seine Vorlage auf ald geriete. W corrigiert auch noch verderben, gleichfalls ohne Grund. 72. gesten swv. mit der Bedeutung rühmen (s. auch 15, 113; 17, 40) ist alemannisch, vgl. Zupitza, DHB. V, Einl. p. 18, und Haupt in Zs. f. d. A. VI, 528. 75 1. sind. W schreibt tugentvol^ das Lex. II, 1563 nur aus Teichn. belegt hat. XVIL 1, 2. Vgl. Limb. Chronik 48 in dieser Zeit sung man dies Lied: j,aber scheiden^ scheiden das thut warlich wehe von einer, die ich gern ansehe^; Oswald 88, 3,1 schaiden mich notty dein schaiden mich ertoett etc.; am meisten Aehnlichkeit hat Lassb. LS. 18, 13 wann ich möcht nie geloben daz, daz iötfi scMdung tätti basz denn von Uebi lebendi tat 3, 4. Der Sinn dieser Stelle wird am besten aus Parellelen klar werden, ühland. Sehr. V, 161 führt an: „mein Leib ist hie, so wohnt bei ihr mein Sinn. Was hilfet, tu ich die Augen zu? So sehen sie durch mein Herze hin*. Hadam. 293, 4 Ludwig von Decke der ist nü der minne unmaere. doch schaffet alt gewon- heit, daz er warnet, er m/Uge, als er S mohte; dd mit im doch diu ougen sint verklaenetj und besser 152, 1 ein tröst mich dicke neretj sivte ez (das geliebte Wild) kan von mir gdhen^ daz mir daz nieman weret^ ich sehe ez ie, ez st verr oder nähen, ob ez sich von mir fremdet unde wildet, doch mines herzen ougen ez statte ansehentj drtn ez ist gebildet Hugo meint also die Augen des Herzens, die Gedanken, welche auch jetzt noch wie früher ihr Bild sehen, und ihn in Zwiespalt bringen mit gewissen und ver- mmsti Walther 99, 27, weit ir wizzen, waz diu ougen sin^ dd — 237 — mit ich ri sihe dur elliu lantf ez sint die gedahke des her- zen mtn. . 19. Dem Verse fehlt- ein Fuss, es wird daher ein Wort wegge- fallen sein, vielleicht stete (s. 18, 27), so dass zu schreiben wäre: wil bi ir stete sin, 25, 26. Vgl 18, 196 und Oswald 105, 5 und hab ain für- satz nymmSr mit fleis ze Sünden. — B gehört^ Hs. deutlich ge- hört; vgl 2, 57 und Abh. IV, 177. 29 — 32. Diese Strophe ist wie das ganze Gedicht für die Beurteilung von Hugo's Jugendprodukten sehr wichtig: W hat Recht gehabt, wenn er diese nicht vor, sondern in die Zeit der er- sten Ehe verlegte; die Reue über sein damaliges Leben bricht unverhohlen hervor. 46. B undf dann fehlt die Senkg.; K will daher (p. 335) dn nach und ergänzen, aber noch einfacher ist es, unde zu schreiben; s. die Anm. zu 12, 12. 49 — 54. 50 B sölichy aber 13, 32 söllicher. senen stn. — Dass der Satz sich von der einen Strophe in die andere hinüber- zieht, ist bei Hugo und seinen Zeitgenossen nicht selten. Für sach 52 ist vielleicht sät zu corrigieren, das zu abgemet besser passt und leicht zu sach verlesen worden sein könnte: Hugo denkt 52, 53 an die vorausgegangenen Liebesverhältnisse, die nun alle vorüber sind; die Ausdrücke sind aus der Blumensprache genommen , wo die Ge- liebte und ihre Eigenschaften mit Blumen verglichen werden (vgl. auch Nr. 16; Hätzl. H, 59). Ein Volkslied (ühland 54) fuhrt nach einander das blaue Vergissmeinicht, das braune oder weisse Habmichlieb, den rosenroten Herzenstrost etc. auf und schliesst dann: aber alle diese Blumen sind vom Reif und kalten Winter gefalbt und abgemäht; nur ein Blümlein ist geblieben u. s. w. Vgl. zu dieser Stelle auch Hätzl. 115, 13 mein triu on alles wencken sol dir beleiben statt; daran solt du gedencken^ das nit werd abgemätt die augelwmdt meins hertzen^ die mir ge- wachsen ist^ wo zugleich auch abe-maejen^ wofür Lex. erst im Nachtrage zwei Stellen anführt, belegt ist. xvm. 5 — 16. Tit. 1243 so bis du in dem slaffe mir so nahend daz ich des dicke swuer^ ich suUe mit minen armen dich umJ>e vahen, Hätzl. 7, 13 mir trambt des nacktes soviel von dir^ wie — 238 — das ich bey dir sey nach gir ; wann ich erwach und des empir^ 80 mucM mir wärser nit gesin. mich daucht, ich war in himsls tron und hett mein lieb umbf wagen schon; wann ich dann bin so ferr davon ^ das ist meine hertzen gröste pein; 87, b sy chommt mir in dem schlauffe für^ wie ich an sich iren Uep- liehen schein , . . vor grossen fräden ich erschriph^ so ich erwach usz lieben pUck^ dann so ist mir fräde tewr . . imm schiauf mir fräden nicht geprist und haby was ich allda begere, wenn ich erwach und nichtz nit ist . . so ligt es mir an fr öden hert; II, 34, 20 ich lag gar unverdrossen , , . dein rotter mund tett sehen- cken mir mamg fräd und lustj dich truckt gar friuntlich an die prust mein arm^ als ob ich dich hett lieplich by mir an dem pett Vgl. auch Oswald 32, 2; 81, 1. Derartige Träume werden auch ia den uneigentlichen Tagliedern häufig geschildert, 8. Bartsch, über die rom. und deutsch. Tagelieder, p. 52. 5. B streicht so, allein der Vers ist wie 7 gebaut und Jas 80 muss hier wie dort stehen bleiben : er bildet die fnnfhebige Zeile von T T . 6. B corrigiert red^ also die I Pers. ; aber auch die überlieferte III ist möglich; und = und sie, vgl. die Anm. zu 15, 58. Zu 10 vgl. noch Tit. 768 owe wenn ich entslafen bin^ so kumt er mir vil dicke ; als mich erwecket^ so ist er hin eto. — B corrigiert was si dan geflohen; doch das geht kaum, weil dan bei Hugo nicht zu belegen ist; K (p. 334) will daher do streichen was besser wäre; am correctesten aber ist wass = was si, das die Hs. 21, 24 belegt (s. Abh. V, 225). 13. kü8si dasselbe Netz 13257 (bei Lex. unbelegt), verhält sich zu küssin wie etwa wengli zu wenglin. 23. antwurte ist vielleicht gewagt; B anttvUrte, ändert also in diesem Worte zweimal die üeberlieferung. 33. Vgl. Walther 51, 7 eines friundes minne diust niht guot, da ensi ein ander bi: minne entouc niht eine, si sol sin gemeine; Freid. 124, 5 ein minr\e dandem suochet; 105, 7 swer her^eleit muoz eine tragen, der ma^ wol von noeten sagen; Mar- ner 15, 360 minn ist ein er und ist ein si, zwei liep dn übel^ ein zwivalt guot^ s. Strauch zu 15, 345; es gehört zum Be- griffe der wahren Minne, dass sie gegenseitig sei, vgl. Uhland, Sehr. V, 163. 37 — 39. Oswald 74, 2 ich wolt^ du tvesst an ah gstfer — 239 — mein frmntschafft halb^ die ich dir trag^ zhdr du erfueret vil lieher mer. 45. milt = miltet (Abh. IV, 175) transitiv. — 49 lies Uwer. 54. leseiff = lezzic = lasaua. 57, 58. Oswald 65, 11 die bort sol ich behalten mir und schreiben in meine hertzen grundt; Mü^lein, Minnel. II, 9 des ich si vor edlem wibe ^ig cm mins herzen wcmt mit der truwe pinsel schrthe. 61. Wird alle zu corrigieren und der Vers als Titurelzeile zu lesen sein. 69 — 72. Daran erinnert besonders Oswald 108, 5, 1 lieb ist cUn wart ab allem schätz . . lieb überwindet alle sach^ lieb got den herren twinget^ das er dem sünder ungemMh gantz wendt . . lieb^ süeser hört 73 — 76. Das ist eine jener dunklen Stellen, auf welche K (p. 342) hingewiesen hat. Vielleicht aber ist sie so zu erklären : in Tat und Wort hat Liebe alles vollbracht; die zwei folgenden Zeilen sind dann blosse Umschreibungen, um die Strophe auszufüllen und die Reime zu liefern: dn zom bezöge sich auf Vebi^ [das Gomma nach volbracht ist zu streichen] und die folgenden Ausdrücke auf zomy so dass zom und liebi einander gegenübergestellt sind wie in 81 — 84 gerechte lieb und imger echte lieb. 77 — 80 klingen an Tit., 680 an: minne hat uf erde housj zu himel ist rein vor got ir geleite^ minne ist allenthalben wan zu helle. 81—84 ist TU, die erste Zle. hat zweisilb. Anfb., die fünf- hebige steht im dritten Vers. 93. Die Stelle ist verdorben, und zwar liegt der Fehler^ wie man gleich sieht, im Beimworte, das fehlt. B schlug vor, nach liebi gestanden bi anzuhängen, das gibt allerdings einen Beim, aber die Aenderung ist stark, weil sie ein Wort {gehebt) ganz verwirft, und zwei neue einsetzt, dazu bleibt noch die Ausdruckweise an sich sehr zweifelhaft Ich suchte nach einer einfacheren ond habe hi (= hie) angesetzt, das Hugo sehr oft pleonastisch verwendet, um den Beim und vollen Vers zu erhalten (18, 170; 10, 7; 6, 185, 187 etc.), ebenso wie andere Dichter (vgl. Haupt zu Engelh. 43; Wolfd. B 139, 2 dö was die küniginne eins suns genesen hie u. a.). Aber eine andere Gorrectur ist mir jetzt noch wahrscheinlicher, weil sie noch einfacher ist : 24, 98 zeigt, wie der Dichter des Beimes wegen — 240 — eine Wortverstellung voraimmt, welche der Schreiber änderte, weil sie ihm nicht geläufig war. Auch hier könnte einfach umgestellt wer- den: Aon ich "Anrecht Uebi gehabt (oder gehdhet) ie^ alsdann ist gar kein Zusatz notwendig, und kann auch das dial. Uehi stehen bleiben. Der Reim ie:dri ist unserm Dichter leicht zuzutrauen, vgl. Abh. IV, 154. 109. B gtichtetf aber der Vers ist Titurelzeile. — 116 dester\ B destf das gleich unten 146 belegt ist. 121 — 124 ist T^l in verkürzter Form, so dass der zweihebi- geri Zeile wie sonst die vierhebige gegenübersteht, die beiden an- dern correspondierendea Verse gleichviel Hebungen haben ; vgl. auch 18, 229—232 und 273—276. 153 — 158. Hätzl. 119, 239 nun sich^ was lieh kanpringen, seid ir lust aho ha/n zwingen den stanken und den hertsten^ den weissen und den gelertsten, es laszt nyemantz sicher wesen: wie macht ich dann genesen? — zwingen (= twingen) belegt Lex. nur aus Vintler, allein es wird in dieser spätem Zeit schon häufig: einen Beleg ausser dem Hugo*s gibt die soeben angeführte Stelle der Hätzl.; vgl. ferner Maget Krone zwank, bezwank^ be- zwungen (Zing. 507); Netz 12199 zwingot^ zwingent; Brant zwyngen 99, 157; 103, 50. 199. glicht: das ist die schwerste aller überlieferten Synkopen; im gesprochenen Dialekte hört man sie nicht. Es könnte aber leicht kein getischt im zweisilb. Auft. oder in der Tzl. gestanden haben, vgl. Abh. V, 191 und die Anm. zu 16, 1. 201. B demnach im Texte und dannocht in den Varianten; ebenso wird 38, 160 corrigiert, während in allen anderen Fällen (9mal) die dmmocht im Texte stehen blieben, was allein richtig ist; denn sie sind auch im Netz, bei Sachsenh , Laufb., Brant u. a. ganz allgemein. 218. wankelmuot auch 5, 61, hier personificiert und zwar als fro. Dichilundei ist ganz unbelegt. 241—247. Vgl. dazu Oswald 20, 3, 13 wen allzeit vast nach ^ren dürH und fielst sich guoter sachj dem gibt der obrist himelfwrst in seinem reich gemach und darnach hie adn vil guot wort^ das pesser ist dann aller fürsten hört, 248. unverbannen (=^ nicht verboten) hat Lex. U, 1949 nur aus Mone nachgewiesen. 249, 2;')0 sind verdorben. Dass grosffcn spott in die erste — 241 — Zeile za stellen ist, ergibt der Beim; alsdann muss unstetiheit in die zweite, sonst wäre 249 überzahlig. unatetikeit und liden stim- men aber nioht zusammen, denn und verbindet parallele Begriffe; daher habe ich liegen corrigiert Einfacher wäre es, wenn man nur Verstellung vornehmen würde: sfott || und Uden 'Jmstetiheit brächt^ allein das gibt einen miserablen Satz und eine verwerfliche Betonung. — B schreibt apott || unateti und in liden brächt 255 ist nimer zu oorrigieren, das B hat und K (p. 331) billigt. 259 schreibt B gegen die Hs. und den Reim tu8eni\ aber AG. hat (p. 140) mit Recht dieses Beispiel als Beleg für Apok. des t angeführt, vgl. Abh. IV, 161 und Anm. zu 5, 229; ich er- gänze dazu noch, dass tausen auch in Mag. Krone belegt ist (bei Zing. 506). XIX. 4. pillen= mit dem bil einschlagen, hineintreiben (W p. 160): diese Stelle belegt Lex., aber etwas entstellt. Dasselbe Wort findet sich noch 27, 63, 87 ; 32, 167 ; 35, 3 ; vgl. dazu Sachsenh. Moer. 2135 diu zärtlich form hat sich gepilt ga/r tief in mines her- zen grünt \ Lanfb. 704, 5 ay (die Mutter Gottes) han den stein wol byllen nach irem liebsten willen, 5. ga/mdhu masc, ein Edelstein, s. auch 28, 564. 9. K verlangt B gegenüber gaunt^ allein das wäre bei H. nn- belegt; vgl. die ähnlichen zweisilb. Auft. in Abh. V, 206. 13. machty von mt/^m = vermögen, tun, und allg. = sich be- finden; vgl. dazu Schreib. 2, 348^ und lassent üchwiaaen, daa die unaem alle wol mügent (Lex. T, 2219). 25 — 29. Auf die parallele Stelle bei Oswald 1, 5, 15 habe ich schon Abh. 11, 88 hingewiesen. 31. aueaaer mett wird häufig als Vergleich gebraucht, vgl. da- rüber Weinhold, Lamprecht v. Regensb., Einl. p. 19. 32. B bringt in seinem Wortregister dieses weien mit dem 5, 299 zusammen, aber es sind zwei verschiedene Wörter: das hier ist waejen swv. (über ei = ae s. Abh. IV, 157) =ßare, das andere weien swv. = hinnire, XX. 1 — 4. l B wolgepornen^ dann miisste der Schreiber en ab- Wackernell, Montfort. \& — 242 — gewqrfen haben, und das ist ihm sonst nioht nachzuweisen, die Synkope des e aber nur zu oft. gegoren schreibt auch Suchenw. 31, 165; Hätzl 11, 3, 2 etc. — 2 vielleicht enbüte'i — 4 B lieh^ aber der Vers muss fünfhebig, also lieh zweisilbig gemacht werden; darum habe ich Uehe geschrieben, dasselbe fordert auch K (p. 335), so dass wir wieder mit einander übereinstimmen ; trotz- dem haben wir beide falsch; denn es ist liebi zu schreiben, da nur diese Form neben lieh belegt ist; anders steht es, wenn z. B. hsl. guet zweisilbig zu machen ist, da guete neben gueti vorkommt. — versentf von versenen swv. trans. = mit eenen abhärmen. 13 — 16. B corrigiert 13 usgnomen und streicht 15 nu, so dass beide Verse dreihebig sind, vgl. aber 49 — 52 ; 34, 37 — 40 u. a. — 15 1. in meinen Var. gelukch. 36. B nu ; die Hs. hat aber deutlich nie, und das deutet auf nuOy welches ich Abh. IV, 158 auch aus Hugo*s Urkunde nach- gewiesen habe; vgl. dazu AG. § 144 und ergänze Saohsenh. Temp. nuo 588, nuon hin 244 u. ö.; Nie. v. Bas. (Schmidt) nuo p. 162, 8; LB. 1\ 1007 und sehr oft. 45. B hat Burg und verweist in der Anm. auf Biirg Mangolt ; K (p. 339) spricht dagegen und denkt an hwrg mit abweichendem Geschlechte; allein auch das wh:d kaum gehen, denn. die Hs. hat bärg^ wis auf bürg schliessen lässt. — In Nr. 17 führte der Dichter aus, wie vemunat und gewissen sich bemühten seine Seele zu bewah- ren, welche das hertz verleiten wollte, und rief den Schutzengel zur Hilfe herbei: o lieher engel^ nu huet der sel^ du hist mir doch ze hu et er gehen. Könnte der Dichter nun hier unter hiJirg^ von dem er in ähnlicher Weise sagt : der huet min sicher^ nicht den- selben Schutzengel meinen, der dann gleichsam als ein , Bürge '*' für einen guten Lebenswandel anzusehen wäre? 51. Hs. weinter; die AG. p. 56 fiihrt dieses Wort als Be- leg an für ^ = e, allein das ist sonst bei Hugo und in den an- dern verwandten Denkm. nicht belegt. Sollte aber weiter damit gemeint sein? Vgl. Schmidt, Gesch. des indogermanischen Vocalis- mus I, 48; dann würde es im Texte zu lassen und in AG. im untern Absatz neben steihe etc. einzusetzen sein. — höwen = höuwen swv., heuen. XXL . Lichtenst. 30, 15 den tac ich ^re^ d6 ich die vil guo^^ — 243 - ten ^8te sach . . . wol dir taCy vil aaeUc ai din nam. Oswald wol mich dn wee der lieben stunde dd mich ain poscholochfer mund an lacht 52, 1; ich lob den tag^ atund^ weyl^ die zeit^ minut und quint^ do ich es hört etc. 56, 10; ich lob den tag und preys den wunneclichen schertz^ seid sy mich hat uszerwelt ja für aigen hertz (Hätzl. 79, 8). Hätzl. 57, 17 so lieben tag ge- lebt ichnye^ damn da ich dich von erst anfie, Ambr. LB. 151, 26 selig ist der tag und auch die stunde darin ' mir dein lieb erstlich war kund. Hadlaab klagt 28, 2, 4 so wS mir der stunde^ daz ich schouwen st begunde^ do mir wart ir wunne erkant, 6. abent-rdt stn. hat Lex. I, 10 nur einmal belegt. 14. Die Hs. hat hier Absatz, auch B, aber die Reime spre- chen dagegen; dasselbe gilt bei 24. 18. härmval ist bei Lex. nicht belegt. 20, 21. Hätzl. 59, 16 zu baiden seiten ist sy langk, in der mitt ist sy schwank; Sachenw. 24, 158 zemazzen lank, enmitten chlain. Das insectenförmige Einschnüren der Frauen war schon damals Mode ; das Netz sagt von den Klosterfrauen 5099 si mo- cf^end sich schoen lustlich^ enmitten klain, weltlich gnuog stat in an ir gefwa/ad^ ma/n umb fieng si mit der Hand. 22, 23. biichli = bücheli ^ venterculus. Die Bedeutung von brün == briune stf. ergibt schon der Zusammenhang. • 27. hochristig (= mit hohem Fussrücken) ist bei Lex. unbelegt. Suchenw. 25, 167 ir fuezzel chlain^ pogriste hol, eyn tzeisel sich verporgen wol Met under irem riste. Analoge Frauenbeschreibungen, wie sie Hugo in diesem Ge- dichte und 5, 19 fr. bietet, sind häufig; vgl. Tannhauser, Bartsch LD^ 47, 34 ff.; Suchenw. 24, 152 ff.; 25, 167 ff.; Hätzl. Nr. 59; 28, 67 ff.; Kittel 24, 31 ff.; Oswald Nr. 50 und 89 u. a.; nur geht Hugo einmal beträchtlich über fdas Mass des geziemenden hinaus; Oswald natürlich übertrifft ihn darin noch um ein gutes. XXIL 5. B das glücke nimmt also die erste Schreibung der Hs. als die richtige ; die folgenden parallelen Ausdrücke lassen aber kaum zweifeln, dass sie beide zu verwerfen sind; vgl. auch 1, 61; 27, 173 u. a. 19. gliJk und seid sind nicht identisch; das lehrt uns Teich- ner in einem eigenen Gedichte (Karajan p 118): mit selde^ &a^ — 244 — er, werde das edlere, innere Gelingen, mit glück die Gewinnung äusserer Vorteile bezeichnet. 21, 22: pHncipium awpientiae timor domini Ps. 110, 10» vgl. Freidank 1, 5 ffote dienen äne wanc deist aller wisheit ane~ vanc^ und dazu Bezzenbergers Anm. z. St. 22 und 24 haben nur drei Hebungen, die Besserung liegt aber nahe : 22 kann götlichey 24 das velt nicht als umb e. h, geschrieben werden, das im vorausgehenden Gedichte (Vers 25) überliefert ist; noch wahrscheinlicher jedoch ist es, fürwareihdre zu schreiben, da auch die entsprechenden Zeilen der übrigen Strophen klingend rei- men, s. Abh. V, 202. — 23 liest B vint^ die Hs. vindt, 36: häufige Ausdrucksweise; vgLSuchenw. 5, 52 davon wolt er nicht wenchen {igedenkchen); Hätzl. 3, 82 von im will ich nit wenken; 36, 7 von ir wiU ich nit wenchen bis uff mein endes zil etc. xxra. 4. B gberd^ vgl. die AnuL zum ähnlichen zweisilbigen Auftaete in 19, 9. 31. Auch K fand die Stelle unverständlich; die Gorrectur in meinem Texte wird auch die Deutung klar machen, sie stammt von V. d. Hagen. 33. Wahrscheinlicher ist wohl gesigelt mit m/ner zu lesen, vgl. 34, 45. 38. B gbürt und drüzehn; ich habe aber Anstand genommen, an dieser Strophe, welche gegen die Metrik verstösst, etwas zu corri- gieren, weil sie in herkömmlicher Weise die Abfassungszeit be- stimmt, wie es Hugo aus den Urkunden gewohnt war, und ihm daher hier ein Fehler um so leichter passieren konnte. Der Reim jdr zieht in solchen Datierungsstrophen gewöhnlich den Flickreim wdr nach sich, vgl. 34, 52; 35, 36; 36, 27; Suchenw. 4, 1 ; 5, 89 etc. xxrv. 1. üeber solche Schilderungen der Träume vgl K p. 339. — B trSm : hdn^ s. Abh. IV, 166. In seiner Abhandlung über rom. u. deutsche Taglieder zählte B (p. 67) dieses Gedicht zu den Tagliedem. 5, 6. Die Dichtung wurde immer noch wie zur Zeit der StAofer als ein, wenn auch nur selten erfülltes Gebot der feinen — 245 — Bildung and der bevorzugten Lebensstellung festgehalten; vgl. Rü- ckert, Gesch. der nhd. Sohriftspr. I, 183. B geächtet ze; dagegen K (p. 335), der geücU verlangt, wie in meinem Texte steht; ich merke nur noch an, dass auch gettchte ze corrigiert werden könnte (s. Abh. IV, 177). 10. gesprochen = verred^ verschworen, hat also dieselbe Be- deutung wie verheiaaen 29, 17, 77 und versprochen Freid. 102, 12: manc man ein wtp versprochen hdt, 23. Dass ward^ welches B bewahrt, nur aus der obigen Zeile herabgesprungen ist, deutet schon der Rhythmus an. 37 — 40. Vintler 823 man vindt doch in der alten schrifty do Salomon den tempel süftj das in zwang ain schwa/rze haidenin. durch der selben mllen verlos er sein «tw, da>s er gotes ver- laugent damit, wann er peit di abgötter an nach irem sit 49. B gemeii, aber auch K (p. 335) fordert gmeit 65. B weit : scJhelt, so dass alle vier Verse stumpf und nur dreihebig sind, vgl. die Anm. zu 15, 150; hier ist die Besserung um so unverfänglicher, weil dadurch die grammatisch vollen For- men hergestellt werden. — Freid. 105, 13 swaz guots und Übels ist geschehen, des muoz man 'n teil den wiben jehen des besten und des boesten^ des nidersten und des hoesten. Vintler 797 swad Augustin spricht OMch das, das chain ding nie was noch nimmer wirt auf diser erde, das da pesser und pöser iverde dann ain weib ; 837 wer wil aber alle übel sagen, die di frawen an in haben, so haben si auch vil guettat, das sich wol erji/ndt am, maniger stat 69. B seligü, K fordert (p. 335) selgü. 77, 78. glüptbrüchdg = brüchig dessen, was man gelobt, ver- sprochen hat: wort-, treubrüchig. So sagt auch Suchenw. 29, 96 vom Pfennig: gesworen aid mach ich wolvail; 32, 10 dw {giti- heit) velschest laider manigen eyd wad pist auch trewenprucMg, 79. Dasselbe bei Sachsenh. Moer. pfu4:h pfy, pfuch phy der grossen schant (Martin zu 260). 116 ist vielleicht sichs zu schreiben. 120. sterben atn. ewig sterben gebraucht Hugo gewöhnlich = ewige Verdammnis, wie ewigs leben 25, 127 oder einfach ewi- heit 33, 35 = ewige Seligkeit. 129. B gesicht, der Vers muss vierhebig sein, daher gestehet geschrieben werden, s. z. B. 27, 72 und vgl. Abh. IV, 174. — 246 — 138. Die Hs. hat güti : gemüte. Dreifaches ist möglich: am nächsten läge gueti in guete zu ändern, weil das auch in der Hs. be- legt ist, so wollte Kummer (p. 325); damit fallt aber eine dia- lektische Form, die in Hugo*s Sprachgebrauche begründet ist (s. Abb IV, 187) ; daher habe ich gueti : gemueti (ahd. guatt, gimuati) corrigiert, weil beide, i einen ahd. I-Laut zu Grunde haben , und weil ferner derselbe Reim auch bei Laufb. 709, 8 (gueH : gemueti) und in lÄSsb. LS. 28, 56 {guetti ; gemueti) u. Ö. überliefert ist — B hat gueti : gemuete. XXV. 3. Ueber diese Correctur vgl. die Anm. zu 5, 264; die Schrei- bung geheine kann man sich unbedenklich gestatten, da sie auch « noch bei den spätem Dichtern gangbar ist, z. B. in Lassb. LS. 250, 49. 4 — 9. Lassb. LS. 250, 35 mr aechen ir gebain groz und ciain, da sint die schoenen hopt ir krönen gar heroht . . . die minnehlichen wangen sint da gar zer gangen, die rasen farwen münd sint da gar verswUmd . . . owe daz gehaine^ daz vil un- raine die boesen wurm nagen; 37, 134 durch not so ist min mundel rot enpherwet und erblichen, ach wie ist abgestrichen so glantzer mine farw; Engelh. 13 ir roeselehten wangen mit bleichte sint bevangen . . ir schoene ist gar zergangen, 12. entschöpfen swv. = das geschöpfte, geschaffene zerstören, entstellen, hässlich machen. 14. hop darf hier und 24, 33 nicht zu hopt corrigiert wer- den, wie B und ich falschlich taten. Ich habe mein Versehen schon • * ' in Abb. IV, 160 gut gemacht. Gerade in diesem Worte kann ich die Apokope des t noch belegen aus Maget Krone 98^ und Suchenw. 40, 113; auch der heutige alem. und bair. Dialekt sagt hop, haup. 20. Nimmt man hett ichs als zweisilb. Auft, so steht die schwerere Silbe voraus, was geringe Gewähr hat (Abb. V, 206), zumal die Correctur angleit sehr leicht ist. 28 corrigiert B duchte^ was man nicht gestatten darf; denn das Praet. dünkte ist beim Schreiber A und B belegt und sicherer als duckte, s. Abb. IV, 184; auch in der alem. ürk. vom 6./9. 1389 (Arch. I, m, 137) steht dwnkU, 35. trösten mit dem Gen. = Zuversicht haben zu, sich verlassen auf etwas.' — 247 — 36. wankel ist flexionsloses Adj.; das bei Lex. nicht häafig belegte Subst. gebraucht Hugo 6, 40; 20, 44; 23, 11; 24, 71. 39, 40. Netz 7918 so schrigend d den waffen^ waffen^ das wir ie wurden geboren^ muossen wir ewklich sin verloren. 42—46 und dazu 76 «F., 143 ff. erinnern an Hätzl. II, 55, 313 sag ditz allen guoten weihen^ das sy es in ir hertz schrei- ben und des mit nickte vergessen^ all ir sach darnach messen und hüten sich vor diser not: sag £n, das sey mein ratt 55. B er^ es ist aber ere unde zu corrigieren, wie 12, 12 erde unde, auch 63 lässt B irrtümlich und. 60. übergiUg (steigernd = noch mehr als geizig) ist unbelegt. 90. Da Hugo bereits zwingen sagt (Anm. zu 18, 156) , so ist die alte Form antlüt um so beachtenswerter, vgl. auch Zarncke, Brant p. 28 1^ 100. Bartsch' Correctur gelidem {: dawider) fällt, weil ich Abh. IV, 187 diese hsl. Apokope auch bei andern Dichtem nachge- wiesen habe. Auch was Abh. lY, 165 über Apokope des n gesagt wurde, ist hier in Betracht zu ziehen; die dort gesammelten Reime e : en können jetzt noch durch die von Lambel aus Yolmars Steinbuch (p. XV) angeführten vermehrt werden. Wenn daher Ziu- gerle bei den Reimen der Maget Krone (und folgte iren) Wen : mSre den Vorschlag macht (p. 496) irer Ure zu bessern, so ist dieser abzulehnen. 103. unhofferüg (= nicht hoch fahrend) ist bei Lex. gar nicht, hinlässig (= fahrlässig) 108 nur aus Weist, u. Beisp. belegt. 114. schiehen swv. scheuen, s. auch 172. 126. himel hat in spätem Gedichten oft den Plural, s. 18, 173; 25, 180; 27, 30; 29, 70; 30, 54; 32, 29; 33, 155 u. a. 132. rotten (auf der Rotte spielen), seiten hlenken (Saiten klingen machen, Saitenspiel) sind woÜl stn. 136. B edlem ohne Variante. 138. B aller^ aber die Correctur wird in diesem Verse kaum zu ersparen sein, vgl. 12, 10, wo auch B aUr oorrigiert. 162. neisen = neizen swv. bedrängen. Snchenw. 42, 55 die witwen und die waisen die chanst du vil wol naysen, 190 — 202. Der Schluss dieses Gedichtes ist nach dem von Suchen wirts Nr. 22, 201 — 225 satzehant do gie der tag lustig her an widerstreit . . . er sprach : Ueber Sueehenwirt, rat den edlen^ wa du pistj daz si sich vor der Sünden list hueten innichieich — 248 — durch got . . . rat in von aUen schänden . . . ich rait von im und eylte drat: die red haizzt der new rat XXVI. 6. ainn haben = Gedanken, Absicht, Vorsatz haben. 16. B musste üch einklammern, weil er den Vers mit dop- peltem Auftacte nnd drei Hebungen las, um ihn dem correspondie- renden gleichhebig zu machen; allein es ist die fünfhebige Titu- relzeile mit fehlender Senkung, welche durch behuetet beseitigt wer- den kann. 18. B alter ohne Variante. 23. winhehchertzen stn. ist nur aus Hugo belegt. 28 hat sechs Hebungen, vielleicht kann biderb verschleift and zuo einer oder zeiner gelesen werden. 29. B gesind, das kann nicht bleiben : imer steht im AufU und die beiden Beimzeilen haben je drei Hebungen. 37 — 40. 37, 38 oorrigiert B wan umb die sach \\ hat Lur- cifer gevallen; allein dann ist schon die seltene Construction mit haben auffallend und bei Hugo unbelegt. Der Fehler des Schrei- bers ist ein anderer und sofort ersichtlich, denn es stehen ja die beiden Reimwörter sach und gevaüen unmittelbar neben einander: er ist also vom Reimwort des ersten Verses auf das des zweiten hin- übergesprungen, und die ganze zweite Zeile ist bis auf den Reim zu ergänzen; in dem Sinne ist auch Prof. Heinzeis Emendation in meinem Texte, welche eine tadellose T^ herstellt. — die sach ist die hochn fa/rt — 40 iMcifer und siü husgenozze sagt Tit. 73, 2; LuH- fer und sein gends Oswald 113, 3, 5; Teichner hat ein eigenes Gedicht von Lucifers val A. 48^^« — B schreibt muessen. 45-— 48. Suchenw. 11, 129 hat er sich nie vergezzm, an trinken und an ezzen er sich in rechter mazze hielt; Hätzl. 123, 56 hält dich vor hochva/rt^ traut gespil^ nymm weins zu dir auch nit vil, wann das gar iU>el statt. 53 — 56. Auch Teichner lehrt, dass man mit Güte mehr erreiche als mit Zorn (Karajan VI, 130), ebenso Suchenw. 38, 73 es wirt mit weisshait offt gesigt, als noch mag wol geschehen$ daz man mit vechten underligt, daz man hat vil gesehen, man gwint offt mit tugent mer, denn m^n gewint mit tzom; tugent pringt tzv>cht und er^ von gtch wirt vil verloren, — 63 kann huet gebessert werden, das 23 belegt ist, 41 vielleicht auch slaht. — 249 — XXVII. 16. B o5 68^ dann hat der Vers aber 6 Hebungen. — Der überstiegene Vergleich bei Suchenw. 41 , 31 so wirt dein lob durhgründet^ wenn man ein chertzen tziindet mit ene und nicht mit fewre. 26. Tit. 1, 3 din ie^ din immer ist gar ungepfehtet unge- ff echt ist part. Adj. (= anmessbar, unergründlioh), welches Lex. nur aus Tit. belegt, von dem es Hugo überkommen haben wird. 31. B Äör, aber dann würde wie in ziind 5 die Senkung fehlen öder ein drei- und ein vierhebiger Vers gebunden werden. — Hier gibt Hugo selbst als eine Quelle seiner theol. Kenntnisse die wisen ffaffen an, vgl. Abh. II, 108, Anm. 1. 53 — 56 ist TU mit der verkürzten Zeile im zweiten Verse. B hat unwandelbere (:swere), da aber 51 mit Auft. beginnt, ist die Correctur nicht notwendig, s. Abh. V, 251. 58. allem dinem^ vgl. dazu Heinzel, zur Er. 15; auch in Urkunden findet sich diese Ass., z. B. in der vom 8./4. 1363 (Arch. I, 92) von dem hangendem. 65 — 68. Ueber des (heiligen) geistes gaben vgl. Karajan, Teichn. 98: vor allem ist darunter verstanden die Schärfe der Einsicht, die anregt, das Gute zu tun, das Böse zu lassen; so meint es auch Hugo. Teichner G 264 der sendet mir in minem muotf daz iibel Idzen^ tuon daz guot — gäben ist N. PL, hat also nach nhd. Weise die sw. Endung; vgl. auch tmden 28, 107 und IV, 188. 71. mit seiden -ruoten = mit Strafen, die zum Heile ge- reichen (vgl. 5, 161—166). 80. B odr^ allein es ist die fünfhebige Tzl., in welcher die fehlende Senkg. zum technischen Motiv verwendet wird, s. Abh. V, 217, Punkt 1. 89 — 92. 89 hat B vngelüh^ aber es ist vnglüh zu corrigieren, wie auch K (p. 335) verlangt. — Der Vers 91 hat um eine Silbe zu wenig, B schreibt daher glichet; ich zog einem vor, denn damit überliefert die Hs. 33, 72 und 28, 508 den zweiten Teil dieses Verses Der derbe Vergleich war sehr beliebt, vgl. Had. 389, 1 ; Oswald 91, 3, 2; Netz 1086; Hätzl. 30, 36; II, 7, 79; 20, 86; 51, 84; 54, 48 etc. 105. Nibel. 2315 als ie diu liebe leide ze aller jungiste gtt. Walther (Wilm.) 38, 21 herzeUebes^ swaz ich des noch ie gesach^ — 250 — dd was herzeleide bt Freid. 31, 16 Mute liep^ mome leit^ deis der werlde unstaetekeit. Tit. 1026 nein lieb zv/r get mit leide, daz ist gewisy sust nimt die werlt ein ende; Häd. 390, 5 lieb dne leit ich vinde selten leider; Hätzl. 55, 3 Ueb pringt laiduls Mtz den regen; II, 17, 87 laid ist liebes nächster knechte 92 wann lieb an laid mag nit bestan; Laufenb. 717, 16 der weite Ion ist anders niht, denn ach und we und leyde! Brant NS. 50, 31 der gantzen weit wollusükeyt endt sich zuo Utst mit bitterkeyt u. a. 114. schUeme swm., eine dünn gegftrbte Haut in den Fen- stern an Stelle der Gläser. Was Hugo sagen will, ist klar: ich habe die Welt gesehen und nicht nur durch das Stubenfenster. 115. B zergangklieh^ die gk aber gehören nttr dem Schreiber B (s. Abh. m, 115). 123. lieber büwen üf ein tsj 4/ ein wölken^ üf den regen" bogen etc. s. Bezzenberger zu Freidank 1, 7—12. 125 — 128. Die beiden ersten Verse sind zusammengeschrieben zu lassen, wie sie die Hs. bietet, denn wir haben hier T^ in der^ dreizeiligen Form (vgl. Abh. V, 250), nit : rip ist daher kein Reim und in Abh. IV, 172« zu streichen. — Adame rip ist die Eva; Tit. 1444 seit daz Adams rippe verholne wart gemacht zu ei- nem bilde; Sachsenh. gott Adam schuoff . . . und nam usz sinem lib ain rip^ davon so kumment alle sip Moer. 4318. — Zu diesem Ausspruche Salomons in 121, 126, 127 vgl. Freid. 81, 7 Sah- mon hdt doch war geseit : diu werlt ist ga/r ein üppekeity zurück- gehend auf Eccl. 1, 2 vanitasvamtatum etc. 131. Suchenw. 6, 66 do stach die trew ein scharfer dorn, unmuot-dom hat Lex; nur mit dieser Stelle belegt Mit vnmuot bildet Hiigo noch die Compos. unmuot-strasse 28, 339; vnmuot- band 28, 304, welche ganz unbelegt sind. 133 — 136 ist T^l mit der verkürzten Zeile im zweiten Verse wie 53—^56, daher muss 133 wenigstens dreihebig sein, auf als kann man den Nachdruck legen; 136 ist wahrscheinlich unde zu schreiben, aber auch vierhebig wäre der Vers möglich, weil er mit dem zweihebigen reimt; s. die Anm. zu 18, 121 — 124. — B lässt herzUid^ dann würde die folgende ist mir beschuhen zu lesen sein« und das geht nicht,' weil die verkürzte Tzl. stumpf reimt (Abh. V, 261). 141—144. Aehnlioh klagt Oswald 119, 1 rain freud mit — 251 — klarem hertzen truog ich nie ainen tag an Hoffnung^ vorcht und schmertzen eto. — 142 eUweg, das Lex. I, 39 noch nicht belegt hat; K meint (p. 322) daher, dass diese Umlaatung Dar der Hs., nicht dem Dichter eigen sei; allein auch das Netz hat 13083 deutlich ellweg. Wie der unechte Umlaut sich ausbreiten konnte, ist leicht zu vermuten: elM ist häufig, dafür auch mit der nhd. Endung eUe^ eil, das dann nicht nur für das Fem. (resp. auch Neutr.), sondern für alle drei Gesohlechter neben aUe^ aU ge- braucht wurde. 163. verren swv. mit dem Dat. der Pers. = ferne werden. 169. lieber das t in mögt (: tag) s. Abh. IV, 161; ich bemerke nur noch, dass mag^ mag im Dialekte allgemein ist. 172. Lies von. B wichen^ ebenso 28, 31 gebrech lapech; vgl. Abh. IV, 170; ausserdem Netz 1923 höh, 13622 zomlih, 4321 huohatahen^ rieh : tmgelih 7318 etc., auch noch bei Brant durh 102, 41 (sonst durch), noh 72, 42, ent'phoh 38, 60 etc. 181. wandeln swv. trans. = bereisen, begehen. 181—184. 182 muss bei mir und bei B helceum corrigiert werden. — gleich = geleich stn. (s. auoh 28, 308, 311) = Be- trug, Täuschung, ist auch bei Vintler 3724 belegt, kommt von leichen swv. (s. 18, 8; 29, 39, 160), gt. laihan stv. einen leichen heisst im Dialekte : einem unter die Beine springen, damit er fallt, dann heimtückisch fällen überhaupt; vgl. das Beispiel bei Schöpf, Tirol. Id. 360 heut hdVa mi aufn eis gloadit, daher übertr. = überlisten, betrügen. — 184 weich an = biegsam» nachgiebig gegen. 187. ersterben mit in hat Lex. nicht belegt 203. wiesen = wtzen ist Plural : erlöse sie aus den Leiden des Fegfeuers. 213. B aller (ebenso 217), aber es ist Tzl. und aUr not- wendig, s. Anm. zu 25, 138. 227, 228. Auffallende Uebereinstimmung bei Vintler 288 wnd das du bedenkst, wer du muest werden . . und wer das sette recht versint . . . der mag sich wol vor Sünden hiieten. xxvm. 1. Hätzl. II, 47, 1 ich kam an einem morgen hewr für den yjald nach aubentewr eta Ueber andere Parallelen vgl. Abh. II, 89 und Kummer p. 340. — 252 — 5. flusarich (= flussmächtig) ist anbelegt 14. ortoeht = ungerade, eckig, gegenüber dem rimt. 16. octaf stf., Ausdruck aus der Musik, vgl 16, 13, dort auch quint und quart 16, 10- 17. tenur =■ tenore stin. = tenor singen (auch 16, 12). — discantieren substant. Inf. -= discant singen; vgl. Hätzl. 14, 32 hört man sy (die Vögel) discantieren^ gcMr maiaterlich florieren^ des tagea schein sy zieren etc. 50. B vest Bei der folgenden Beschreibung der Feste schwebte Hugo wohl die Beschreibung des Graltempels im Titurel vor, vgl. Kummer p. 341. Einige Züge deuten ausserdem auf Suchenw. 24, 111 flf. und auf Lassb. LS. 251, 342 flf. 52. Auch B corrigiert nich zu nichts allein nich kann stehen bleiben und in Abh. IV, 161 nachgetragen werden; vielleicht hätte man auch 18, 52 und 28, 317 nich schreiben k<3nnen, weil erst der Renovator das t ergänzte, der aber für die ursprüngliche Form geringe Gewähr bietet 54. B gemach, auch K fordert (p. 335) gmach, 58: die knöpf auf dem Dache nämlich; Suchenw. 25, 66 ein chnauf von aim ruheine chos ich auf dem getzelde. 60, 61. homdön = Hornmelodien. pelg-^tretten = Trom- melschlagen. 62. B hellen und fehlende Senkung; meine Gorrectur stützt sich auf die analogen Stellen in 16, 13, 30, 50. 66. vogeldönen stn. begegnet auch 1, 34 und ist bei Lex. III, 425 nur mit letzterer Stelle belegt. 74. B mit der Hs. eben; der Vers kehrt 134 wieder, wo der Torwart den Dichter weiter lesen heisst, und hier steht oben: die Inschriften waren in den Gibel- oder Bogenfeldern der Tore ange- bracht, das war ja die gewöhnliche Stelle dafür. 82 bewahrt B die hsl. Lesung; aber diese taugt nicht: ent- weder ist ze zu inclinieren oder gsach zu schreiben; das erstere steht in meinem Text, das letztere empfiehlt K, beides ist richtig. 87. Der Vers würde vierhebig mit vollzähligen Senkungen, wenn man aUe da verjagen schriebe, da einzuschieben, bietet ge- ringe Schwierigkeit, weil es im ganz gleichen Verse 94 steht. 88. den töchterlin ist anstössig. Kummer erklärt (p. 335) den als fälschliche Auflösung des hsl. du in den, wobei der U-Strich versehen wurde. Die Emendation scheint mir treflflich zu sein. - 263 — 89 ist die fünfhebige TzL, vgl. 113, 141, 149 etc. 97. vahcher heisst hier Irrlehrer (Fälscher des Wortes Gottes). 105 — 108. 105 liden swv. muss hier, wie das correspondie- reude r/tVtoiV^ andeatet, heissen: auseinander gliedern, entgliedern, wie sonst zerliden^ vgl. Lexers Beisp. aus Alem. 6, 233 ain rind viertailen^ houwen und zerliden. — 107 vierteilen = in vier Stücke reissen. W dachte an verteilen, 121 — 124. Diese Strophe weist auf Mart. 60, 78 daz mes (Mass höllischen Bieres) ist har gehruwen gar bereitit und ge^ soften uz den slangen und den crotten und uz frischin nateren. 152. schelb (=- scheiß -hes^ -^es, krumm) hat Lex. aus Hugo belegt. 162. K las (p. 328) um statt nu^ was sicher ein Versehen ist, denn die Hs. schreibt niemals um^ sondern nur umb. 170 reimt auf einen vierhebigen Vers, allein wahrscheinlicher ist 172 Tzl. und demnach fr Öde unde zu schreiben, vgl. die ähnl. Str. 461—464, 733—736 etc. 174. enpfunden refl., das hat sich nun geoiFenbart 195 lies nach. — 196 hat B tm<2, es ist aber tmde nötig, ebenso 396. 237, 238. Hadam. 333, 4 doch rede und werc ist gröz an underscheide^ vgl. die Anm. zu 4, 110. 243. bäht stn., Unrat, Kot. sünden-bacht ist als zusammen- gesetztes Subst zu nehmen. 257 B bgiry fasst also diese Strophe als T^^ ; das ist aber nicht notwendig, denn Vers 257 kann drei Hebungen haben wie sein correspondierender und die Strophe Tl sein. Sicher ist in solchen zweifelhaften Fällen Tl^ nur, wenn der dritte Vers vier Hebungen hat, z. B. 18, 49 — 52 ist Tl^ und iiwer zweisilbiger Auft.; 28, 705 — 8 ist TW und alm^chtiger gött zu lesen; 31, 153—156 ist TU und als ob zweisilb. Auft. 262. B streicht ichy warum? In TI kann dem fünfhebigen auch ein vierhebiger Vers gegenüber stehen. 268. Auch B hat me ergänzt. Die Notwendigkeit dieser Ein- schaltung beweist schon das correspondierende denn, 271. Hs. trübsail: ai für a ist bei Hugo sonst nicht belegt, im Alem. überhaupt misslich (vgl. Birl. AS. p. 50), häufiger da- gegen im Bair. (BG. S 66), gehört also dem Schreiber B. — 254 — 278 ist ohne Zweifel verstümmelt; B deutet das durch Punkte an; allein der Vers war mit ziemlicher Sicherheit aus 429 und 430 zu ergänzen: der Schreiber sprang wieder vom Reimwort der ersten Zeile auf die zwei letzten WOrter der zweiten über. 280. an-nemen refl. =r sich anmassen. 282 bildet mit 284 rührenden Reim, vgl. auch 6, 38; über verirren Jänicke zu Wolfd. D V, 55, 1. — B schreibt verirret: verwirret; die Correctur wird zu billigen sein, wenn man 5, 178 dazu vergleicht, aber dann darf die Variante nicht fehlen. 300. B ain wolgerdtin^ ohne Variante; vgl. Abh. IV, 188 f. 303. Lichtenst. 5» 6 ich was der seihen vrowen kneht; Sach- senh. Moer. 123 wie nun^ frow Meczen hnechtl 314. heschen swv. = schluchzen. 356 — 359 erinnern an den Spruch: ich leb* und weiss nit wie lang, ich stirb und weiss nit wann etc., vgl« Bezzenberger zu Freid. 17, 25; 177, 13; ferner Freid. 177, 13 wim haben niht gewisses mi wan den tot; daz fuot mir wS . ich weiz wol^ daz der tSt geschiht^ des tSdes zit enweiz ich niht; deutsch. Gato 395 man weiz wol^ daz der tot geschiht^ man weiz ab einer zuokunft niht Teichner ich hän einen swaeren bimtj der mir aller- herüst lifj daz ich niht wizzen ha/n die zit, wan mich der tot grtfet an. Dd vür niemen niht ha/n . . . daz macht mich an vreuden bloz. Waz mähte groezerz ouch gestn, daz ich die war- heit weiz vor mtn^ daz ich muoz an todes spil und enweiz niht ze welher wil oder wie der s^ geschaecK Karajan p. 117. 360. Auch im Netz 1488 und ir sei scheidet von dem mund^ 8. auch 6631. Die Seele, welche durch den Mund ent- weicht, wird als Hauch gedacht. Job 7, 7 mementOy quia ventus est vita mea; Jac. 4, 1^ qiuie est enim vita vestraf vapor est ad modicum parens et deinceps exterfninabitur; Freid. 18, 1 got git die sSle^ der nem s*ouch hm; diu vert von mir alz ein blas und Idt mich Ugen als ein dsy vgl. Bezzenb. z. St — Gegen diese alte volkstümliche Auffassung der Seele, welche durch den Mund ent- weiche, polemisiert der gelehrte Teichner: weder durch den Mund noch durch die Nase entweiche sie, sondern ähnlich wie das Licht durch Glas ohne materielle Oeffnung : etlich meister taont uns fcun^ daz der ncbsen und daz dem munt sol diu sSle ir strdzen gän^ daz ist niht: daz merk dar an, daz man einem munt und — 255 — nasen mac verzimhem und verglasen^ daz kern luckel mac hin in^ dannoch ffSt diu sSl da hin. 370. hunde swm. (= der Bekanate, Einheimische gegenüber dem Fremden) ist bei Lex. nar schwach belegt. 374. Ment ist Koseform für dementia. 394. Aaf die Zweifelhafbigkeit der Reime wcMrteniporten und ward ; hört 18, 70 habe ich schon Abh. IV, 152 hingewiesen. a für 0 ist sonst in der österr. Mundart beliebt, selbst Walther erlaubte sich verwehren : pfarren, Wilmanns zu 83, 35; was bei Hugo dafür zu sprechen scheint, ist, dass er ä sonst nur vor n verwendet In jedem Falle wird man sicherer tun, Hugo's Reim aus der Ziahl der Beispiele in AG. p. 16. zu streichen. ;403. B wilkomen; der Vers ist 203 wörtlich belegt, vgl. auch Sachsenh. Moer. 6003 sie Hessen mich gott mlkom sin. 414. B lässt schöni, K fordert schön^ so steht auch in mei- nem (Texte. Das ist der einzige Fall, wo ich ein dialektisches t getilgt habe, und der ist mir zweifelhaft geworden ; denn der Vers könnte auch als Tzl. gelesen werden. 438 ist mit B verkeren : weren zu schreiben, denn so steht 7, 18 und 35, 14 sweren : verkeren. 451. cristan-m^nsch ist zusammengesetztes Subst B schreibt chr-y die Hs. aber consequent nur er-, 458, 459. B samragden. — 459 B kusche unde, aber Vers 457 i3t Tzl., welcher eine dreihebige Zeile gegenüberstehen kann. 463. spire swf. = Dachschwalbe, Mauerschwalbe, s. Weinhold in den Mitt. 163. 480. B lässt die Ueberlieferung, die aber nicht brauchbar ist, denn der Satz fordert ein Praedikat: man kann zweifeln, ob er hat oder im wirt einzucorrigieren sei, vgl. 4, 158; 17, 24; 8, 11 ; 25, 127. 487. fürchtrechtig [was er sonst mit über das getrehte ^-^ über das Denken, Betrachten hinaus, wiedergibt] begegnet auch 1, 53 und ist bei Lex. unbelegt. 4S^h. erschiessen stv. intr. =zerschiessen, entschiessen, vergehen. 509 — 512. Diese Strophe hat ausnahmsweise zwei Verse mit nur 2 Hebungen, aber die Gleichhebigkeit der Reimzeilen ist auch hier noch festgehalten. — Auch B zwölfe sonst corrigiert er gegen die Hs. zwelf^ s. die Anm. zu 4, 92. — an- geschossen = angebaut. — 256 — 551. B sieht j aber aichet ist neben nimet etc. (s. Abb. IV| 174) nicht auffallend. basiaten 553, crisolitus 557, calddoni^ onichel 561 sind Namen von Edelsteinen wie diafnant 601: nach Volmars Stein- buch (Liambel p. XXIII) = crisolite^ calcedön, onicMnua (onix); basiate ist nicht belegt; die Form onichel weist aber aufTit. 319, 6046, 6110 etc. 563 corrigiert B mang^ was unzulässig ist, denn manig steht hier offenbar, um die Vierhebigkeit des Verses zu erhalten, welche der mitreimende verlangt. 567—575 (vgl. dazu 10, 22; 25, 135) sind aus der Apoka- lypse, 8. W. Grimm, gold. Schmiede, Einl. p. 38; Titurel 272 Jo- hannes mit der swnne ouch sach die kunigin edele mit kleiden sam die brunne^ die kunigin wunnebemden sedele . ir schemel ist der ma/n durchWhüg schone^ ir krantz der meide reine daz sint die stem zwei/ lieht in trone. Mönch von Salzb. (Ampferer) 16, 4 dy syben sigill offen schir ze hymel mitfiguren vir snieh sand Johans solch tcfunder; Waokern. KL. H, 553, 3 czwelf steren czierent wol dein kron^ dich klait dye sunn^ dich sckuecht der mon^ als dich sach sand Johanns gen* fron mit tawgenhait umbefangen, 573 ist die Umstellung des Schreibers evident — 579 erg. in den Varianten liepleich — der Flickvers 574 gibt nur eine nähere Erklärung des rein in 573. 586. Bartsch streicht der^ schreibt toner und macht den Plural, blicke (: wicke) ! Weinhold corrigiert (Mitt. 155) glest ez als der tum blicke was den Sinn verderbt. Die Ueberliefemng hat nichts anstössiges als die Betonung d^r torn^ die aber bei Hugo leicht möglich ist; cfoner-pJffecA (stm. =" Blitzstrahl) begegnet auch 38, 27. Ich habe nur tom in ton/r geändert, aber auch das ist überflüssig, da tonr schwerfälliger als die Metathese fom, welche bekanntlich auch in Urkunden (dornstag neben donerstag^ don-- restag) häufig ist. 589. K will (p. 334) gross ernst y allein es ist Tzl. — Bartsch führt in seiner Einl. p. 6, auf diese Stelle verweisend, die Reime rot: got an, ebenso die AG. p. 44; sie sind aber zu strei- chen, denn die Strophe kann nicht fünfzeilig sein, wie sie es nach der Ueberlieferung des Schreibers, der sich gleichfalls irre führen liess, wäre. Solch zufälliges Zusammentreffen zweier Reime be- gegaet ja auch in der prosaischen Rede oft genug. — 257 — 592 hat B an, wo ane zu bessern ist 605. E fasst (p. 322) grliisi als Adj. Dann stünde freilioli unechter Umlaut; aber warum kann es nicht Subst sein wie das folgende herU wenn dann die Ueberlieferung tadellos und der Sinn nicht dagegen ist? Der Dichter hebt am hurgherg die Grösse, Härte und dass er schlüpfrig (hei = haele) ist, hervor, so dass niemand ohne Gottes Gnade hinaufkommen kann. 611. üfher (herauf) belegt Lexer II, 1713 nur aus Apoll; vgl. Hätzl. 23, 49 der tag chomt ufher steigen^ 27, 324 ich sich in uffher plaichen. 624. ß i^, wo K (p. 835) mit Recht tage fordert, denn es ist Tzl. 632. B naehigall; aber dann fehlt ein Fuss, denn die Strophe ist TH , und der Vers verlangt fünf oder drei Hebungen. Die feh- lende Senkung in meinem Texte Hesse sich durch zware beseitigen. 712. Der Vers ist eine wilde Tzl., vgl. Abh. V, 252. Dem zweiten Satze fehlt das Praedicat. B setzt wer nach dannocht ein ; doch kehrt der Vers 38, 160 fast wörtlich wieder, woraus sich wurd nach und ergibt. 737 ist der letzte Vers auf Fol. 34^ es war demnach das nächste Blatt wenigstens noch mit drei Zeilen von Nr. 28 beschrieben (Abh. III, 111), aber kaum mit viel mehr, wodurch wir auch einen mutmasslichen Erklämngsgrund für den Verlust desselben erhalten ; denn wenig beschriebene oder ganz leere Blätter schnitt man in jener Zeit, wo an Schreibmaterial grosser Mangel war, gern aus, um sie zu Urkunden u. dgl. zu verwerten. 1 ff. Vgl. Oswald 2, 1 vrie vü ich ring tmd Hohte^ den lauf der werlde nöt^ das schätz ich als für nichte^ wann ich hedendc den tSd. 11. vernichte nicht von vemihten^ sondern = t^ niht: dass du mich . . für nichts hältst, schätzest; vgl. Freid 101, 23 swem vil der werlde des besten giht^ den hdt sin tumbez wip für niht 17 ergänzte ich gcMr (vgl. 27, 194; 29, 11 etc.), welches mit ntetner oorrespondiert und den Vers vervollständigt. 23. narrenspil (auch 31, 88, 248); vgl. dazu Boner 14, 37 wer mit tSren spotten wil^ der muoz auch dulden narrenspil. Mit demselben Bestimmungsworte bildet Hugo narrensohuecUi 28, WaokerneU, Montfort. VI — 258 — 380; mit demselben Grandworte und derselben Bedeutung toren- 9pil 33, 103, welches bei Lex. anbelegt ist. 25, 26. Teichner (Kar. 135) ich walte in ein kiUten vam; Sachenw. 28, 106 und sold in ein chloster vam^ vgl. die Anm. zu 5, 64. 30. Der dreihebige und der gegenüberstehende fünfhebige Vers beweisen, dass diese Strophe T^ ist. Das ist aber das einsige com- ponierte Gredicht, in dem sich Hugo Ti (aber nicht Tll) erlaubt. 49. brt ist gewöhnlich swm., bei spätem auch st. (s. Lex. 1, 351), das Netz 8551 und Brant 55, 52 brauchen es st. wie Hugo. — Der Brei war besonders in Süddeutschland eine beliebte Volksspeise, vgl. Bezzenberger zu Freid. 58, 22, und wird daher häufig sprich- wörtlich verwendet, vgl. Zarncke zu Brant 13, 2. — gebratene subst. Part, unbelegt. 52. behtis = behust : dafür (dagegen) hat niemand ein Haus (Schloss, das ihn schirmte); unwahrscheinlicher ist es mir, behtis = bt käse zu nehmen. 95. Lies scJUeht. B hat des wer^ aber die Hs. das. — Wohl gote zu schreiben. 99 — 130 spricht Hugo von den zehen Geboten Gottes wie in Nr. 38 von den sieben Todsünden. Solche Auseinandersetzungen waren im 14. und 15. Jhd. beliebt; vgl. Liliencron, über den In- halt der allgemeinen Bildung in der Zeit der Scholastik p. 34 ff. Von den Hugo nahe stehenden Quellen vgl. Freid. 174, 1 ff.; Tit 507 ff., Suchenw. Nr. 39 ; am meisten Uebereinstimmung aber hat das Gedicht »der Wert der Welt" von Teichner (LS. 208), worin dieser in ähnlicher Weise über die falsche trügerische Welt, die all ir knecht und undertan betöret, dann über die zehen Gebote handelt und zum Schlüsse wie Hugo auf die Frage kommt, ob es besser sei in ein Kloster zu gehen oder im tätigen Leben durch Haltung der Gebote den Weg zum Himmel zu suchen. Bei den vielen andern Anklängen zwischen Teichners und Hugo's Gedichten kann man daran denken, dass dem Montforter auch dieses Gedicht Teichners bekannt war, obgleich er in den Einzelheiten der Aus- führung selbständig ist. 106: sie mögen noch am Leben oder schon gestorben sein, s. Anm. zu 5, 229. I — 113. B üppeklich, vgl. Abh. V, 191. Der durch die Ha. über- lieferte Reim nemmen : senden ist i)icht zu glauben, da ^m : nd — 2B9 - anbelegt ist. senden weidt auf nenden, das allerdings seltener vor- kommt, aber eben deswegen vom Schreiber entfernt worden sein kann ; vgl. die Anm. zu 6, 11. B schreibt nennen; auch dagegen ist nichts einzuwenden, da sich Hugo nn : nd gestattet; vielleicht gibt man dieser Correctnr den Vorzug. 117. B gezüg. Es ist hier der Sing, (wie dieb 107) und swm. denn als solches steht es auch 4, 148 und bei Laufb. 717, 11 kein vcdsch gezüge soltu sin, 129. K scheint (p. 323) ratscht und schetscht 31, 7 dem Dichter zuzuteilen, kaum mit Recht; denn das st der II Sing, ist sonst durchweg rein erhalten, ausgenommen sind nur diese beiden Fälle, welche aber beide beim Schreiber B stehen (s. Abh. IV, 164). Aehnlich erscheint in Brants NS. einmal (43, 27) wünschescht, welches Zarncke (p. 284) gleichfalls dem Dichter abspricht und als Druckfehler erklärt. ' 133, 134. Frauenlob (ed. Ettmüller) 24, 2 vtt unde haz den tragent auch die pf äffen. Teichner (Karajan p. 135) so ge- denke ich da Mt daz lihte in dem kloster st spot und hochvart^ haz und ntt Freid. 60, 9 swenne zorn^ haz unde nit in allen klSstem geltt; diese Verse sind nur in der Hs. P überliefert, daher wohl späterer Zusatz und zwar, wie schon Pfeiffer, überBernh. Freid. 138, Anm., hervorhob, aus einer Zeit, wo die «Polemik gegen die gesunkene Klosterzucht allgemeiner wurde*; also aus dem 14. Jhd., vgl. Bezzenbergers Anm. z. St. 137. B lässt zuo den; K verlangt (p. 331) Contraction und zwar zuon; doch ist bei H nur zen^ zem belegt. — In meinem Texte ist ziehe : liege und in den Varianten ziehen zu lesen, wie ich schon früher berichtigt habe. Der Schreiber ergänzte das apo- kopierte n des Infinitivs, vgl. Abh. FV, 165, 176 und Anm. zu 8, 13, auch K p. 319, Anm. B schreibt ziehen : liege, — ziehen ver- hält sich zu Ziegen, worauf Uegen deutet, wie etwa gschehen zunii dialektischen gschegen^ vgl. Abh. IV, 168 und Anm. zu 1, 16. 144. horden swv. (einen Schatz sammeln) hier mit ^/, 167 mit mit; die letztere Stelle hat Lex. I, 1339 citiert 145 — 155. heginen ^ baginen^ bäghinen, begginen^ begharden^ wegha/rten^ beguinen^ beoginen^ begianen, beniagin^n^ beiginen sind die verschiedenen Schreibungen für Beginen, Beguinen. Den Be- ginen schadete sehr die Allgemeinheit ihres Nameins. Die Irrlehren, Laster und Frevel der Frfttioelli, der Waldenser, der Brüder des — 260 — freien Geistes a. a. worden anter diesem Namen verfolgt. Auf dem Goncil zu Yienne 1311 verhängte die Kirche gegen jenen Ketzer- Gomplex die Verfolgnng (bellum heguinale genannt). 1367 und 1369 erliessen Karl IV und Pabst Urban verschärfte Befehle nnd Inquisitionen gegen alles, was diesen Namen führte. Sie wurden der Gegenstand der allgemeinen Verachtung. Erst Bonifaz IX löste sie 1395 vom Banne; aber nur jene, welche sich dem Orden der Franciscaner angeschlossen hatten und mit diesem in ein Unter- ordnungs- und Schutzverhältnis getreten waren (sie lebten noch im 17. Jhd.); nicht aber die andern, welche frei als Einsiedler, Betbrüder, Krankenwärter u. dgl. herumzogen und ihr verkommenes Leben weiter führten. Diese blieben noch lange die Zielscheibe des öffentlichen Spottes, den ihnen auch die Dichter reichlich gezollt ha* ben;vgl. z. B. neben der Stelle Hugo's, die sicher mehrere Jahre nach 1395 entstanden ist, Sachsenh. ich main^ du megat ain heghart sin : sie künden nu der sprüchelin^ damit die weit verirret wirt Moer. 363; Braut NS. 102, 45 falsch geht ist worden yetz gemeyn und falscher ratt^ falsch geystUcheyt^ miencA, priester, bägin^ blotzbrüder dreit^ vil wölff gont yetz jnn schaffen kleidt etc., dazu Zamcke*s Nachweise zu 102, 47. Gegen sie dauerten die Bannflüche fort und wurden später wieder erneuert. Dass nun Hugo die letztern und nicht jene, welche sich dem Franciscaner- orden angeschlossen hatten und vom Banne befreit worden waren, im Auge hatte, ergibt sich klar aus Vers 153 und 154: ich en- mein hie nicht den dritten orden, sant Francissen regel (so ist zu interpungieren). Diese Verwahrung Hugo's bei seiner Polemik gegen die Beginen wird erst ganz verständlich, wenn man sich deren Zweiteilung, äusserlich durchgeführt seit dem päbstliche Breve, ge- genwärtig hält: erst jetzt konnte er fürchten, dass man meinen könnte, er bekämpfe mit den Beginen auch die Franciscaner, was er nicht will. 163. umbwallen swv. = herumwandern. Lex. belegt II, 1726 nur das stv. in dieser Gomposition. 166. Lies verdient, 171. ballen hat Lex. I, 115 mit dieser Stelle belegt, doch ist dort gwirt statt wird zu schreiben. 173, 174. Mart. 42, 48 dar zuo si (die Apostel) suozir muot si Mez gan in die weit wnd aUe ir ort und ktmden da daz fiotis wort^ und swer och dez gehbic wirt mit reinem herzin un- \ — 261 — veriri und den fouf enpfahit . . . der wirt dne zwivil behalten und dez himihichis niht verschalten. Noch näher berührt sich Hugo mit Sachenw. 41, 735 'wer gelauht und ist getaufft, der wirt behalten, 176. B die menecheit and in einer Anm.: ^vielleicht der menacheit* — aber so steht ja in der Hs. 17 — 20. Unter zirkelmäss werden die Sternkreise gemeint sein; usarichten == exjilicsLTe, Marner I, 16 gezirhetwol der Ster- nen kreiZy den sunnen und den manen; Herm. d. Damen, HMS. 3, 167^ der die stemm zirhen Jcv/nde. — Mag. Krone 82*^ dar zu stund aller ir geda/nk auf der sunnen aufganh wnd wie der man ging nider und der mamend kam her wider^ dar zu der andren plänSt^ wie der iglicher het sein natur und sein ga/nh. 24. Hugo betont hier das probieren (die Indactionsmethode) in der Astronomie gegenüber dem meren sagen, 32. grilnden swv. trans. = für etwas festen Grund finden, etwas ergründen; 32, 71 und 38, 128 steht das Wort refl. = für sich festen Grund haben, begründet sein, was bei Lex. I, 1101 nicht belegt ist. 49 — 52. Dabei schwebte unserm Dichter wohl Tit. 2 vor: swie doch gedanke gahent snel vor allen dingen^ die nimmer da/r genahenU daz si dinen gewalt nmgen erswingen, 49 gedanken (Nom. Plur.) also swm. (auch 77 ; 5, 147 u. ö.) ist bei Lex. nur in bi'ingedanke angedeutet. 53 — 56. Schreibt man 53 wanne ^ so ist die Strophe eine tadellose T^ ; das überlieferte won weist ohnedies schon auf eine Aenderung des Schreibers. — 54 1. Mmel, — 56 timel = finster, dunkel; vgl. dazu tim/pel im Florianer Steinbuch (ed.Lambel p. 102), welches die Mittelstufe zwischen Umel und Umber^ aus dem es entstanden ist, darstellt: r wechselt mit 2, und der Labialis ent- schwindet durch Angleichung an das homorg. m; das Wort ist daher Abh. IV, 159, 164 einzusetzen. 59 — 80. Hugo dachte hier wohl an jene Ekstatiker, welche durch übernatürliche Erleuchtung selbst das umfassbare Wesen der Gottheit erschaut haben wollten; sie waren besonders am Rheine häu- fig, vgl. Preger, G^sch. d. deutsch. Myst. I, 138; Suchenw. 5, 3 sein götleich weishait marngvoU mag nicht begriffen werden in chaines — 262 — menschen hertzen sinn und wirt auch nicht durichgründet^ wenn den er in göüeicher mynn mit seim geist entzündet; Vintler 2897 wer möcht dein wunder gar volsagen f niemant^ herre^ nur wem du dein haiUgen gaist woltest senden zue; der selb möcht wol die wunder dein ze Hechte pringen, herre mein, aber sunst war alle chunst enwicht 79. gunst als stm. ist bei Lex. I, 1120 nur schwaoh belegt; ich fQge daher noch LS. 24. 263 an: er möcht gewinnen iren gunst. 85 — 96. Teichner (bei Karaj. p. 111) nu hdn ich gespro- chen vor: got st niht uf rehtem spor^ er hob die Hut gein helle geschaffen, daz unl ich nu widerTclaffen. er ist gar unschul- die dran, schüef er die Hut Mnz helle gdn^ daz wabere niht gereht wnd guot .... daz er (der Mensch) wol od übel tuot, daz stSt niht an stnem (Gottes) muof. nu ist vrtiu wol gegeben^ er mac wol ode übel leben^ got wil mem hinz Mmel twingen^ noch mit siegen gein heue bringen. 17 — 20. Besser ist es wohl 17 fürgesetzt zu lassen und hSttist du zu lesen. 18 erg. in den Var. gewesen. B gibt die ganze Strophe nach der Ueberlieferong, das wird kaum angehen. 29: Hugo dictierte also; vgl. Gottfr. Trist. 217, 29 der.diz hiez schrtben; Zs. f. d. A. 2, 481 nu wil ichz heizen schrtben^ s. Wackemagel LG.^ 187, 6. 45. Auch hier trifft meine Einteilung. der Reden und Gegen- reden mit der Kummers zusammen. Mit Vers 124 endet der Dialog; von da ab wendet sich der Dichter an seine Leser. 45 verlangt K (p 335) mit Recht er sprach^ findet aber (p. 332) mit Un- recht nach loik fehlende Senkung, denn das Wort ist bei Hugo nicht hur hier, sondern immer zweisilbig. 56 hat nur drei Hebungen, wenn nicht das den ersten Fuss vertritt; aber nach 21, 25 könnte man als umb corrigieren. 91. B üppikeit Ich berücksichtige solche Differenzen weiter- hin nicht mehr. 94. Lassb. LS. 10, 12 doch bekenn ich udsz by schwartzem wol, Aehnlich sagt Teichner (Karaj. 115) bi der vinster erkent man scMn^ bi der buchen erhent man naz. — 263 — 109. Könnte weite geschrieben werden, s. 125 u. 0.; freilioh steht auch 111 ohne Aoftact. 115. B 8Öl^ in den Varianten yiSÖltt*'; allein die Berliner und Grazer Abschrift lesen ebenfalls aöll wie ich, das gleich in der untern Zeile wiederkehrt IIS. Sachsenh. Moer. 5289 imd sagten , . von wilden löffen . . der layder vil im la/nd umbgdt, — B lof^ vgl 30, 90 etc. 120. B got behuet, dann würde aber 118 Jherte zu schreiben sein. 125—130. Hesler 1319 dee bit ich üch, die diz buch leeen^ daz ir ainnee euch sttcliet cun disem buche . . oft tr vindet icht dar an wa/ndelberiger solche. 129 — 132 istTli mit dem charakteristischen Vers in der zwei- ten Zeile. 131 wird gweeen zu schreiben sein. — 132 lässt B herr^ aber 172 kehrt derselbe Vers wieder, wo auch B herre oorrigiert. 137, 138. Lassb. LS. 23, 41 waz ain hertz ist vol^ daz ret der vmmt^ ob er ez aoL 142. vergessen refl., s. Suchen w. 6, 174 hob ich mich jfiht ver^ gezzen an seinem lob; Hugo construiert es mit in^ das Lex. III, 114 nicht belegt. 1 50. Als einsamer Reiter in Tirol dichtete auch Lichtenstein, und zu Pferde verfasste Ulrich v. Hütten seine «Deplorationen* gegen den Herzog Ulrich v. Würtemberg. 153—156 ist TU wegen Vers 155 (vgl. die Anm. zu 28, 257), als ob ist zweisilbiger Auftact. B corrigiert hette : bette, wozu keine Veranlassung ist, denn die grössere Zahl solcher Strophen hat im ersten Verse Stumpfreim, wenn der folgende mit Auft. beginnt. — 155. Ueber die Betten, welche auch zum Sitzen dienten, vgl. Wein- hold, deutsche Fraueii p. 335. 158. rimen (= Verse) Acc. PL, also swm. 169. B brief stand. Meine Gorrectur ergibt sich aus dem Sinn und den Versen 125, 126; 129, 130. — 35, 23 bessert auch B briefe. 180 ist Tzl. mit 6 Hebungen. B schreibt gtän und streicht och; allein das letztere ist sehr anstössig, da im entsprechenden Verse 175 die ganze zweite HUlfte dieser Zeile belegt ist. 186 und 188 bessert B die Betonung durch dienet und lobe-- licJhem, 192. branden &a banden^ weil Hugo sonst heUe brunst (30, — 264 - 96; 38, 155 eta) geläufig ist, ebenso hat das Netz meist J^eUe brande helle gluot eto. Dennoch scheint mir jetzt die Gorrectur gewagt; s. Sachen w. 14, 331 pehuet sein sei vor helle pani, 195. B sin, die Hs. seyen, was B auch in den Varianten nicht angemerkt hat ; 28, 735 und 33, 43 macht auch B aas dem hsl. seyen sien^ welches E (p. 334) mit Recht aaoh hier verlangt; dem Gonjunctiv gestattet Hugo weite Aasdehnung. 197. Um den correspondierenden Vers gleichhebig za machen, müsste man und streichen, dann hätten aber alle vier Verse aar drei Hebungen und stampfen Beim, was nicht geht (Anm. za 15, 150) ; da auch weder die zwei ersten noch die beiden letzten Reime klingend zu machen waren, schien es am einfachsten, 197 daroh ein gar auf vier Hebungen zu bringen, zumal gar zergwn 10, 16 belegt ist. 221. B zloben; aber die ze kann in der Verschleifung stehen (Abb. V, 221) oder der Vers mit zweisilbigem Auftact (im Aas- rufe) gelesen werden; a'uch 33, 82 braucht nicht bsargen und 36, 20 nicht bhUet corrigiert zu werden. 227. Lies manz. 220 — 252. Dieses Lob des Mutes erinnert an Hadamar 127, 3 swie er (der Mut) doch niht enkunde den grwat vervdhen ir gendden grundes^ so ist doch muot ein trost zuo aüen sa>€hen; 135, 5 muot guotiu dinc ze guoten dingen bringet 250. B liest gar wol^ aber die Hs. zwar woh 258. B macht zu diesem Verse die Anm.: «an sich zu kurz*. Allein er ist ganz oorrect, und auch im vorausgegangenen ist nicht bhuet notwendig; 257 — 260 bilden TD , wo der zweihebige Vers in der zweiten Zeile und dieser gegenüber der fünfhebige steht, die beiden andern Verse können gleichhebig sein; vgl. die anal. Strophe 31, 169—172 u. a. xxxn. 2 wird als einer jener fehlerhaften Verse anzusehen sein, wo er die „schnuor verhowen^; denn mit hilf als zweisilbiger Auf- tact ist zu schwer und gegen Hugo*s sonstigen Gebrauch. 31, 32. 31 hat die Hs. deine, was einen vierhebigen Vers auf einen dreihebigen geben würde; auch B hat daher din ge- schrieben. Allein auch in 32 steckt ein Fehler: 30 hat drei, 32 vier Hebungen; 30 kann nicht verlängert, 32 nicht verkürzt wer- - 265 — den. Ein Vergleich mit parallelen Stellen aber ergibt die not- wendige Correctur: der Schreiber hat 32 dannocM weggelassen (s. 27, 20; 30, 8 u. a.), durch dessen Ergänzung man eine tadel- lose Tl erhält; auch die folgende Strophe ist Tl . — gewerden swv. = würdigen, tc^^^-sohätzen. 37 — 39. B machte die Strophe vierzeilig und setzte, weil dann dem ersten Verse der Reim fehlt, dn wcmken hinzu. Aber die Ueberlieferung ist tadellos und die Strophe dreizeilig zu lassen (vgl Abh. V, 250). 55. E will (p. 334) 6 ymmer nicht streichen lassen, «weil der letzte Vers der vierzeiligen Strophe (sage Titstr.) einigemal bis auf 6 Hebungen verlängert wird*. Aber das sind eben Abnor- malitäten (s. Abh. V, 252), und dann lässt schon die Schreibung ^ymmer*^ die sonst niemals begegnet, das Verderbnis des Schrei- bers vermuten. 59. durchetoffen ist bei Lex. unbelegt 63. Dass hewirren intr. bei Lex. fehlt, hat K in Behageis Litbl. angemerkt. 73 — 80. HMS. 2, 256^ waz «itw sevider arebeit van Even was betagety daz widerbrdhte une allen gar diu mute maget; Vintler 794 was pöses von weiben ist geschehen^ das cham alles von Adam und Eva^ das wider praeht uns Maria. 97. talamuot = Talmud. 107. B götter^ das aber hier in der Hebung zu verschleifen und daher mit einfacher Gonsonanz zu schreiben ist, da got^ gote^ gotelich etc. auch sonst bei Hugo noch vorkommt. Ein ähnlicher Fall ist 5, 118, wo vatter in der Hebung steht und auch B vater corrigiert. 109, 110 beziehen sich auf den hl. Georg, vgl. K p. 342. 1 15 hat B gestorben^ 1 19 gerechtikeit^ aber in beiden Versen muss corrigiert werden. 142. B ane anevang^ kann nicht richtig sein; derselbe Vers steht 30, 45 u. 0. 150. vernichte ist hier und in den analogen Fällen nicht Partie, von vemihten^ sondern = fii/r nickte (vgl. 29, 2), worauf schon K in Beh. Litbl. hingewiesen hat. 170. der behalten = der unverlorene, gerettete, selige; vgl. Amelung zu Ortnit 152, 2. — 266 — xxxm. 5 hat die Hs. deutlich muossenty B aber muessent, ebenso 40 etc., vgl. Abh. IV, \ 82 ; auch im Netz sind die Formen mit uo noch häufig, s. 311, 1015, 1774 etc. 11 — 13. Wolfram gebraucht den Schwarzwald, um damit die Menge verstochener Speere zu vergleichen, Parc. 379, 5; Wilh. 390, l; darnach der j. Titurel 656, 4 der Swa/rtzwalt hie zu lande der wirt »a scheften gar durch dich ffemachet; auch der Teichner hat diesen Vergleich angezogen, aber mit ironischer Deu- tung: ich weiz mht dar ze sprechen: ^daz ein ritter mac zer- brechen maneger sper bi etnen tagen^ dam der SwarzwcUt mac getragen ziu^ge und est^ Karaj. p. 168. 18, 19. Der Vergleich des Menschen mit dem Gras ist aus der Bibel, Js. 40. es spricht der profet Esajae^ dass alles fleisch ist heu und gras^ sein schöne wie die blum im feld: das gras verdorrt^ die blum wird welk Basl. Todtent 1; all creatmr die nimmt der tod frue und spät gleich wie die blum im feld ver- got ibid. 25. Asahel findet sich sonst bei Hugo niemals, auch bei an- dern Dichtern selten in dieser Gesellschaft, am so bemerkenswerter ist es, dass er auch bei Sachsenh. Sleig. 203, 28 erscheint: was halff Arones doenenf lebt Asahel der schnei eta (vgl. auch Martin p. 31). 63. Ufz stm. = Laune, Gelüste. 88. Vgl. 5, 150; 38, 166 und dazu Oswald 90, 3, 13 er (Christus) peitt ain weil und doch nit la/ng^ darnach s6 fierm,t er aim ain bang . . . des er nit m^ geUichen. 109. Hs. wer , B der, das hier notwendig stehen muss, da iver 108 vorausgegangen ist; der Initialenmaler hat öfters einen falschen An&ngsbuchstaben der Strophe gesetzt, vgl. Abh. IH, 124. In 125 — 140 wiederholen sich ganze Verse wörtlich aus 4, 148—165. Zu 126 s. Mönch von Salzb. KL. 678, 3 als er sitzt an dem gerichte aller werlt czu angesichte. — 127 Hs. gleichnüst, B ffUcJis^ da der Vers 4, 160 wörtlich vorhanden ist; dabei bleibt aber noch auffallend, wie der Schreiber zu seinem widersinnigen gleichaiist kam; ich vermute daher jetzt, dass im Or. glichost gestanden habe, das in Hugo*s Urkunde (Sitz. Ber. IX, 853) begegnet und sich viel leichter zu gleichnüst verlesen Hess als gUchs. I2d» B mussz und dazu die Anm. ^muoss wäre auch statt- — 267 — haft, da jedoct die Hs. muaz schreibt, so nehme ich einschränken- den Satz mit zu ergänzendem en an*. Allein die Berliner und Grazer Abschrift lasen den halbverschwundenen Buchstaben über u als 0, so auch ich, und dass muosz hier mitten unter Indicativen besser ist als muesz^ dürfte kaum bestritten werden. 141. B tom : verlorn^ welche aber klingend gemacht werden müssen wie verkem : wem 28, 438, vgl. auch 4, 153. 173. B derbcmn. Da dieses d besonders im Bair. beliebt ist und in unserer Hs. ausserdem nirgends erscheint, wird man kaum mehr zweifeln können, dass es nur dem Schreiber B angehört und K somit Recht hatte, wenn er (p. 335) gegen B, der es im Texte bewahrte, polemisierte. 175 1. böse, XXXIV. Ueber die Stellung dieses Gedichtes in Hugo*s Leben vgl. Abh. I, 49, 70. Dass die rechtschaffene Liebe eine Fügung des Hinmiels, von Gott selber gewollt und unter seiner besondern Ob- hut stehend sei, ist eine Ansicht, von der sich bei den Minne- sängern kaum einzelne, halbernste Andeutungen vorfinden — sagt Uhland, Sehr. 452 f. Er weist diese Auffassung erst aus dem 16. Jhd. nach; wir finden sie also wenigstens um ein Jhd. früher. 6, 10. ersetzen stn. (== Entschädigung), benuegen stn. (^^^ Ge- nügen, Befriedigung); beide sind bei Lex. nur schwach belegt. 17 — 20. Ambr. LB. 2^ 7 sie hat mich gantz JcreffUglich^ dein Ueb hat mich beaeaaen . . deiner kcen ich mmmer vergessen; Hätzl. 5, 9 ich kan dein nit vergessen so wonst mir stäts in meinem synn^ du hast mein hertz besessen; ibid. II, 6, 80 der ich nit enmang in hertzen zwar vergessen^ wamm sy hat mich besessen; Oswald 53, 1 gcur wvnikHch hat sy m^ein hertz be- sessen, in lieb ich ir gefangen pin mit stetikait 36. bichüg = „seine Sünden bekennend*, hier allgemeiner: geständig. 44. B vnd uf^ gibt also das od der Hs. auch in den Vari- anten nicht an. 49. B Wien, aber die Hs. wieh, was Wienn oder Wienen bedeuten kann; für das letztere spricht der Rhythmus: g^en ze Wienen; vgl. Suchenw. 18, 431 gen Wienen rdit u. ö.; Oswald 70, 1, 17 gSn Wienen (: dienen). 50/ B, gbwrt vierzehn. Der Vers kehrt auch in den beiden — 268 — folgenden Gedichten in der gleichen Ueberlieferang wieder und kann Tzl. sein, vgl. aach die Anm. za 23, 38. XXXV. 5. B keiner^ ebenso 38» 22 kein; aber 38» 25, 127 lässt aaoh er chein; vgl. Abh. IV, 169. 13 — 16. Tit. 1739 doch dien ich umb ir hulde^ dafür nem ich niht alle berge von golde; Ambr. LB. 43, 24 für alles ff cid bin ich dir hold. — 13 B al^ Hs. all; 16 B das getar^ Hs. des getcMr; auch 38, 131 hat B gegen die Hs. das ewer; vgl. aber 13, 3; 37, 53 etc. 25, 26. Tit. 1497 da er wart reht in denke durch hertzen liebe , . daz lert in aunder slaf in noten wachen; Ambr. LB. 18, 5 ich bin entzünde mein hertz das brinty das ich nit kern ent" schlaffen. 27. mejenbltiet hat L. nicht, mejen^tow 38, 95 wenig belegt. 33. B corrigiert gegeben; allein die Strophe istTliund daher zu lesen geschrien und g^en, 37. B gtrüwen and west! 39, 40. Kammer bemerkt (p. 335) z. St. : , diese von anderer Hand nachgetragenen Verse sind anecht and aus 23, 41 and 43 zosammengeflückt^ Diese Ansicht geht za weit: Tatsache ist nar, dass der Schreiber B zwei Verse weggelassen hat and dass von einem späteren zwei nachgetragen worden (s. Abh. III, 124), welche er aber aller Wahrscheinlichkeit nach aas demOr. genommen hat, wo die Strophe natürlich vierzeilig war wie alle andern; dass die Verse 23, 41 and 43 wiederkehren, bedeutet wenig; denn wie oft wie- derholt Hago alte Gedanken and Verse (vgl. Abh. II, 95)! 39 and 40 können also ganz wohl echt sein. XXXVI. 9 ff. Ueber diese bildliche Redeweise vgl. Uhland, Sehr. V, 160. — 9 Hs. getan. Der Fall ist ein wesentlich anderer als etwa hatten getd'n 32, 118, wo die Ueberlieferang gewahrt werden konnte, während hier eine einsilbige Form hergestellt werden mass : B schreibt gtän^ allein das ist nicht belegt, wohl aber 37, 2 tön. xxxvu. Das Gedicht ist nicht datiert wie das voraasgehedde and — 269 — Dachfolgende; man hat daher die Wahl, es gegen 1402 hinab oder gegen 1414 hinaa£zaräcken. Eine sichere Entscheidung ist nicht möglich; doch scheint mir die Klage über das Graawerden (40) zu einem Alter von 57 Jahren besser zn passen als zu einem von 45. 6. erhücerinn ist bei Lex. nicht belegt, ebenso nicht das Com- pos. muot^erMkerinn^ welches dem muotmacherifme Hadamars 298 entspricht. 13. Sternen schiesaen kann swm. {= etemen8cMezei=St^Yn'- 8(^hnupfe) oder scMessen Inf. (intr. = schnell wie geschossen sich bewegen, sich schnuppen) sein; vgl. Hätzl. 23, 35 bis das der Hechte morgenstem kam an den himel scMessen. 14. ehuolen swv. Hätzl. 8, 19 ich sich den Hechten stemen glast . . . der lufi der killet gen dem tag. 20. B erfüllnj wie die entsprechenden Zeilen za fordern schei- nen ; aber es ist zu bemerken, dass die vier folgenden Verse stumpf schliessen, während sich sonst zwei klingende und zwei sumpfe kreuzen. Aehnlich ist 56 klingend statt stumpf, wo die vier vor- ausgehenden wieder stumpf enden. 22 ist fehlerhaft, da der Vers nur drei Hebungen hat; es ist daher tage wnde zu schreiben. Ich muss mich wohl entschuldigen, dass ich Öfters erst in den Anmerkungen den Text verbesserte; aber «dies wird die nicht befremden, die es erfahren haben, wie viel leichter in reinlichem Drucke als in Abschriften man Fehler gewahrt '^. Mit diesen Worten entschuldigte sich ein Mann wie M. Haupt (Engelh. Vorr. VII): um wie viel mehr bedarf ich seiner Entschuldigung, zumal es sich hier um einen Dichter han- delt, dessen sprachliche und metrische Formen von den bekannten mhd. bereits weit abliegen und meist erst durch die Untersuchung seiner Metrik, der alem. Dichter- und Geschäftsspraohe seiner Zeit aus der verdorbenen Ueberlieferung hergestellt werden konnten. 30. Streiche in den Var. für vogelsanhch. 40. grdwez hdr ist die gebräuchlichere Redensart, s. Neifen 12, 19; Reinmar 172, 13; Neidh. 68, 9; Bartsch LD. XC, 40; E. Schmidt, Reinm. p. 89. So könnte man ddMr : har auch als Reim nehmen, weil Hugo öfter für Waisen Reime setzt, wo sich ihm solche gerade darbieten« s. Anm. zu 8, 13. xxxvm. 24. zuohin^ vorgesetztes zuo. — 270 — 25—^28. Will man büchs iplikch nioht als Reim gelten lassen, so ist die Strophe dreizeilig zu schreiben , sonst als T^ mit .der verkürzten Zeile im zweiten Verse. — büchd = Feuerrohr wie bei Osw. V. Wolkenst. 13, 8, 7. Das Compositum büchaen - pulver belegt Lex. I, 380 nicht und im Nachtrag (auf rösch verweisend) erst aus dem Feuerwerkbuoh von 1432; einen älteren Beleg far dieses Wort kenne ich aus K. Sigmunds Urkunde, dt Gonstanz 1417; Arch. f. öst. Gesch. I, IV, 5. 27 habe ich aus Versehen doner und 76 hedütet stehen ge- lassen, es ist toner und betütet zu schreiben, vgl. Abh. IV, 161. 29. Tit. 1769 der rehten minne ein zange; 1482 die hie der minnen zcmge truoc ; 2486 frowe Minne mit ir zcmge Clau- ditten herze vienc; Hadl. HMS. 2, 287 rmnne klemmet rekte aUam ein zcmge; Frauenlob 11, 1, 2ö der minne zange \ Engelh. 63 ist da der Triuwen zwage. Die prosaische manierierte Metapher war sehr beliebt, vgl. auch Strauch zu Marner I, 25. 30. Tit. 1608 bi der edlen ininne striche, lieber diesen Ausdruck vgl. Kinzel zum Junker u. tr. Heinrich 741. Gewöhnlicher als strich ist in dieser Verbindung seily oder stränge^ s. Sommer zu Flore 814. Dass die Liebe dem Manne Fesseln anlegt, ist eine stereotype Wendung (s. 36, 4), vgl. E. Schmidt, Reinm. p. 87* 32 — 34. Suohenw. 41, 180 geslichen als ein frewnüich dieb chom m dein hertz der fron gast; Hätzl. 1, 106 mein hertz habt ir gestolen und bin in ewren gewalt; 43, 56 mein hertz hat sy gestolen. Vgl. noch 36, 9 — 11 und dazu besonders HadaoL 125, 1 m^ Herz was imgevangen^ daz gdhet von mir vdate; ich moht stn niht erlangen , . wi noch dem armen libe^ der stnes herzen ungewalüc waere. — Die Strophe ist übel zugerichtet. Die von der Hs« überlieferte Stellung der Reime abba ist nicht glaublich, da sie in allen vierzeiligen Strophen ohne Analogie ist: demnach hat der Schreiber die zwei ersten Verse verstellt und zwar wahrscheinlich deswegen, weil es ihm nicht gefiel, dass der dass-Satz vor dem Hauptsatze stehe. 33 setzt B uss ein, doch ist der überlieferte Dativ ganz gat und nur mir daneben überflüssig, das ich daher gestrichen habe, wodurch eine regelmässige vierzeilige Strophe mit dreihebigen Versen entsteht, was es zugleich auch erklärt, dass der Dichter in wfbe unechtes e anhängte, da in solchen Strophen zwei Verse klingend sein sollen, vgl. die Arnn zu 15, 150. — 271 — 35. merken kann Imper. sein: jetzt merkt (an die Leser ge- wendet) , dann fehlt aber eine Senkung. Kammer schlägt vor, merken ich zu corrigieren, was ich für eine glückliche Besserung ansehe. 37 — 41. Dass dieses Gredicht an seine dritte Gemahlin Anna gerichtet ist, steht ausser Zweifel; die gewählten Buchstaben sind daher vom Anfange und Ende ihrer Namen genommen : Anna von (Neuhaii8")S tadeck E. 65 — 68. Diese Strophe kann, wenn man 66 gmuete schreibt, mit 28, 509 — 512 zusammengestellt werden. 69. muotriche (subst. Adj.) hat Lex. I, 2247 zweimal als , freudenreich, wohlgemut* belegt; hier heisst es aber der mut- hafte, tapfere, der Held und entspricht dem mannlichen 61. 73. Nach wasser ist das Comma zu streichen und das Gompos. wasser-süffig anzunehmen = faules, wassersüffiges (= feuchtes) Holz ; dann kann auch ful bleiben, weil die beiden Adjective ohne Conj. neben einander stehen. — Die Bedeutung des Vergleiches, welche die Frauen erraten sollen, ist klar: schlechte Menschen sind der Liebe nicht fähig. 79. 8tum,men swv. intr. = »tum sein. 81 — 84. heküwhern refl. : wer sich mit üppigen (hier = lie- derlichen) Leuten abgibt. — B gedrümmert, doch ist die Gemi- nation nicht notwendig, vgl. kumer 10, 26 und Abh. IV, 159. drümeren swv. Lex. belegt nur endrumeren. 84 ist wohlfrumen 8ond zu lesen. 113. gula> belegt Lex. I, 1115 nur mit dieser Stelle; es be- gegnet auch im Vintler 5844, kommt vom ital gula =^ Schlund, Gurgel, übertr. zur Bezeichnung der Todsünde des Frasses und der Völlerei: Vintl. gi^la die haist man frashait. 125. überwerden mit dem Gen. = überhoben werden. 142. rugge == rucke swm.; vgl. darüber Jänicke zu Wolfd. B 500, 3. Es ist auch im Reinfr. 3464, 6676 etc. sw. (wo Bartsch geändert hat, s. Z. f. d. A. 17, 507), ebenso im Netz 5570. 168 ist wie 160 ein wilder Vers (s. Abh. T, 252). B glaubt in einer Anm. , dass er ^ wahrscheinlich in zwei zu zerlegen '^ sei ; allein dann würde die Str. fünfzeilig, dazu fehlte noch ein Reim. Es ist ersichtlich, wie Hugo in seiner letzten, mühsam ausgespon- nenen Rede den letzten ärmlichen Rest seines poetischen Vermögens aufbraucht; auch die vorletzte Strophe mit der Datierung des Ge- — 272 — dichtes vermochte er nicht mehr io das richtige metrische Schema za bringen. XXXIX. und XL. Das bedeutendste Resultat, welches B in seiner Arbeit über den Montforter gewonnen hat, ist der Nachweis der Unechtheit von Nr. 39 und 40. Er lieferte ihn (p. 12, 13) mit Innern Gründen und im ganzen überzeugend, obgleich einzelne derselben fehl gehen, 80 z. B. der dritte : « ein überschüssiges n fanden wir in sämmtlichen 38 Gedichten nur einmal' etc.; das begegnete schon öfters (s. Abh. IV, 165) — oder der fünfte: , statt nu braucht er (der Dichter von Nr. 39 und 40) im Reime nuo (: zuo : tuon : ruo) 40, 108, was ebenfalls nichts entsprechendes in allen übrigen Gedichten hat " ; aber 20, 36 steht nuo (s. Anm. z. St.), dazu ist nuo 40, 108 nicht glaubhaft (s. Abh. III, 144). — Den Schreiber dieser beiden Gedichte hält auch B für einen Alemannen; über den ursprüng- lichen Dialekt des Diesters hat er sich nicht ausgesprochen. — Die md. Formen sind unverkennbar; ich untersuchte daher zuerst, ob etwa die Gedichte alem. und nur der Schreiber md. sei ; allein das widerlegte schon der Reim durcJbscMnen : vereinen 39, 28, der jedem bereits bei der Anfertigung des Reimregisters auffallen muss und in der alem. Dichtersprache dieser Zeit nicht zulässig ist So kam ich zur andern Ansicht, die ich Abh. III, 142 — 144 darlegte. Auch W war auf dem Wege zu dieser Ansicht und würde wahr- scheinlich ganz dazu gekommen sein, wenn er neben den o = u und den zur auch die andern auf das Md. weisenden Formen in die Untersuchung gezogen hätte. Ich hebe in diesen beiden Gedichten nur das hervor, was sich darin für das mhd. Wb. bemerkenswertes findet. XXXIX. 22, 124 jungkfreuUch Adj., 39 belang stm., 45 ey Inteij., 48 belangen stn.; 77, 100 lunde (== Welle), 84 hertUch Adv., 99 erspriesszen (== erspriessen machen), 110 grymmes zorn. XL. 19 verteilen (= verurteilen, mit Acc. d. Pers. und ^u), 34 heyszer stm. (= Heizer, s. B z. St.), 41 geaunüich Adv., 54 frut vor^ 71 voUent Adv., 91 gruszlich Adj., 94 manigfcich Adj., 115 golffe swm., 124 genosze swm., 126 verlangen^ 134 Tnarraeff 136 grosze swm. Wortregister zn den Anmerkungen. Die überlieferte Schreibung ist beibehalten, nur ge- ist überall ausgeschrieben ; die Zahlen Terweisen auf die Anmerkungen. A. abe-brechen 5, 340. abe-mejen 17, 52. abent-T6t 21, 6. abespning 9, 33. almecht 14, 22. alten, alter 5, 67. amatist 15, 64. an, äne 4, 71. angeschossen 28, 509. angesicht 5, 157. an-nemen 28, 280. antlüt 25, 90. antwuTte, antwürte 18, 23. artikel 4, 9. B und Pw pagine 29, 146. ballen 29, 171. barille, berille, brÜle, berly 2, 87. basiate 28, 553. pebest, pebste 5, 195. bedenken 14, 22. begge 16, 50. bebalten 32, 170. bebus 29, 52. behusen 2, 22. bekümbern 38, 81. belang 39, 39. belangen 39, 48. Wackemell, Montfort. pelg-tretten 28, 61. benuegen 34, 10. bepstlicb 15, 11. perkb der künsten 11, 26. bern 4, 24. Ferner gelt 5, 94. beschidikeit 5, 281. betrechen 5, 194. bewirren 32, 63. pfiffen-schal 16, 49. pflegen 2, 17. bichtig 34, 36. pillen 19, 4. bim 10, 23. bissen, das herbz 15, 156. blasinieren 2, 129. blind in gesehendi ogen 5, 266. bluomen-schin 16, 33. brewli 16, 37. bri 29, 49. probieren 30, 24. brün 21, 23. bücMi 21, 22. büchs 38, 25. büchsen-pulver 38, 25. bürg 20, 45. burgberg 28, 605. bürger 5, 321. busunen-schal 16, 49. büwen, büwen 2, 81. \ D. dannoch, dADoooht 18. 2fll. das, daz, dz 1, 8. dasl, dest 6, 94. dehein, dhein 4, Sß. die, da 4, 182. dienst, diost 6, 1. dierna, dim 3, 4. discaotieren 28, 17. doner-, torn-plikrh 28, 5S6. dort, dort 6, 1T1. dr6, drowe 6, 5. diümem 38, 83. dunkh, dnnkt«. duchte 5, 25, 28. durch-floiieren 2, 116. durchstepfen 32, 69. element 6, 25. eUveg 27, 142. en 13, 19. enbören, muot 18, 56. ende 5, 5j endes zil 1, 6. enpfinden 28, 174. eDtaohepfen 25, 12. erbanner 13, 16. erblinden 4, 18. ergetzen 34, 6. ernest, eniat 1, 66. ersohiessen 28, 495. erapriesszen 3Ö, 99. enterben in 27, 187. ewikeit 24, 120. Qf 39, 46. G. gaben des heiligen geistes 27, 67. gamabü 19, 6. gebratens 29, 4». gedaake 30, 49. geheim 6, 40. ^leieli 27, 182. gelieh, geliches, gelichost 1, 60; 33, 127. geloben, gelouben 4, 106. geluk 22, 19. gelüptbriiclug 24, 77. genäd 6, 8G. genosze 40. 124. Gerechtigkeit, gerechtikeit 5, 221, geschibikeit 2. 63. geschikhet nach 6, 22. geschrift 4, 90. gesell 9, 32. gespreehen 24, 10. gesteigen 16, 18. gosten 16, 72. gestupp, geatüpp 6, 2. gesimtlioh 40, 41. gevSr, an 8, 15. gerider 2, 84. geworden 32, 31. gezage 29, 117. gigeo 16, 48. gitikeit 4, 7; 5, 201. gloggen-klaog 16, 49. golffe 40, 115. grappe 2, 142. grinen, grünen 6, 18. groüze 40, 136. gründen 30. 32. gruszlich 40, 91. giiete 3, 83. gul» 36, 113. gunst 30, 79. guotet 4, 62. harmTal 21, 18. harpfen 16, 48. hatt, bet 6, 136. heUerar 4. 176. her 8, 2. hertlioh 39, 84. hertz 16, 156. beBohen 28, 314. bette, het 1, 48. — 275 — heyszer 40, 34. himel 25, 126. hin-helfen 5, 375. hiDlessig 25, 103. hochristig 21, 27. hop, hopt 25, 14. hoptprelate 5, 211. horden üf, mit 29, 144. hören in 7, 32. horndon 28, 60. höwen 20, 51. I. ie 4, 168. iemer 4, 168. iemer, imer 1, 13. iemer- we 4, 196. iemer- wesen 4, 168, Jhesus 5, 113. il, mit sneller 4, 11. inder, inner 15, 108. ital, itel 16, 19. J. jamersmertze 4, 14. jamertal 4, 14. jener, ener 5, 261. jungkfreulich 39, 22. C und K. caicidoni 28, 561. keiner, cheiner 35, 5. keiäerin 1, 4. claffe 5, 254. klenken, Seiten 25, 132. komen, kon 8, 13. crisolitus 28, 557. krispelieren 16, 25. krispeln 16, 25. cristam pluot 5, 104. cristan-mensch 28, 451. künde 28, 370. kunft, kunst 4, 46. chuolen 37, 14. küssi 18, 13. L. lammen, an gewLsäen 2, 65. langwirig 14, 32. leben 5, 364; 24, 120. leichen 27, 182. lekerlich 9, 17, lessig 18, 54. liden 28, 105. Ueb, liebe, liebi 5, 62; 20, 4. liegen, triegen 2, 62. ütz 33, 63. lofen, in den wald 5, 64. Ion 5, 5. lotterheit 5, 311. lunde 39, 77, 100. M. mag, magt 27, 169. manigfach 40, 94. marnerin 13, 15. marras 40, 134. meie, meje 5, 300. mejenbluet 35, 27. mejen-sohin 16, 33. mejen-tow 35, 27. mensch 5, 5. merteil 5, 93. mett, suesser 19, 31. milten 18, 45. minneliedli 3, 8. minnezunder 5, 67. mordajo, mortjo 5, 343. muej, mui 5, 152. mugen 19, 13. muot-erkikerinn 37, 6. muotriche 38, 69. N. uachtgruobe 9, 27. narrensehuechli 29, 23. I narrenspil 29, 23. — 276 — natur 5, 102. neisen 25, 162. nenden, nennen 29, 113. nioh, nioht 28, 52; nüt 4, 39. nieman, niemen 1, 64. nimer 1, 13; nümer 4, 131. nu 15, 19. nu, nun 4, 80; nuo 20, 36. 0. obedach 1, 29. och, oueh, auch 1, 8, 52. ootaf 28, 16. od, oder, ald 4, 135. onichel 28, 561. orgellen-don 16, 49. oTtoeht 28, 14. q. quart 28, 16. quint 16, 10; 28, 16. rat, raut 4, 106, haben 5, 168. reie, reje 5, 300. reiten 13, 49. rim 31, 158. ritterschefb 14, 22. rose 11, 40. rosenkrantz 11, 40. rotten 25, 132. Tüdisch 14, 23. rugge 38, 142. ruo 11, 2. ruomser 11, 37. russen 16, 52. 8. schämen, schammen 2, 65; 5, 362. schelb 28, 152. schelken 16, 61. schieben 25, 114. schiessen, s. Sternen. »chüt 2, 117, sohlieme 27, 114. sehen 1, 44. seid 22, 19. selden-ruote 27, 71. seligen 4, 157. senen 17, 50, Senenberg 2, 22. sicherlich 1, 36. sinn haben 26, 6. soeben 15, 130. spire 28, 463. stan 3, 3, sten 16, 42. sterben, ewig 24, 120; todes ster- ben 2, 32. stemen-sohiesse 37, 13. stemen-schin 16, 33. stifften, mort, mein, frid und suon 4, 8. stikel 4, 10. stummen 38, 79. sünden-bacht 28, 243. T. talamuot 32, 97. tenur 28, 17. tet, tett 2, 14. timel 30, 56. timpte, tinte 4, 25. tinne 5, 21. toohter, töchterlin 5, 11. torenspil 29, 23. trösten 25, 35. truebsail 28, 271. truJQfeni, trufferi 5, 67. tue, tuej, tui 5, 152; 9, 33. tugentyol 16, 75. tusen, tusent 18, 259. u. ü, üch 2, 47. übergitig 25, 60. überwerden 38, J25. uffher 28, 611. umb wallen 29, 163. und, unde 12, 12; 15, Ö8. ungepfooht 27, 26. uDhoffertig 25, 103. unkiüch, unkÜDüch 14, 34. ■unmuüt-baiid 27, ]31. unmuul-dorii 27, 131, uuiuuut-atrasse 27. 131. uuneii, (itidejL 2, 122. unTerbumen 18, 248, uuTeranogeD 16, 27. nssher 16, 36. ussrichten 30, 18, V und F. TulsoLer 28, 97. Tarn, in eia closter 5, 64. verbisaea, dag bertz 15, 156. Terblikbeu S, 28. Tergeesen in 31, 142. verhsissen 24, 10. Terhengen 15, 68. verlMigen 40, 126. vernicbt (= Tür nicht) 29, 11 32, 150. Temunft, vernunst 4, 46. verren 27, 163. rerseneo 20, 4. rerteilen zu 40, JÖ. Terrähen gegen 6, 40. Tier 9, 8. Tierteilen 28, 107. Tindt, Tint 5, 101. ringerzeio, Tingeneige 15, 20. visimente 15, 64. feigen 16, 16. Ducken, flücken 5, 41, flussrich 28, 6. TOgeldönen 28, 66. Tollent 40, 71. Torht, TOrcbte 5, 127. fro, frou, frow 1, 41. frut Tor 40, 54. fiirkofen 5, 271. fiirtreohtig 28, 487. wandeln 27, 181. wankel Adj. 25, 36. v'ftnkel Subst. 25, 36. wankelmuot 18, 218. wanken 6, 18. >er-süffiff 38, 73. weich an 27, 184. wejen 6, 299, 300. wejen (t= wa^en) 19, 32; 5. 300. wein, -walte 5, 231. weltlich (= waetlich) 1, 46. wenken 6, 18. wennen 2, 28; 5, 1, wer, wert (= waere) 4, 95. werch, werioh 2, 59. weren, werren 6, 224. weru 5, 51. Wide 27, 66. widered 6, 4, wiUnuet 6, 68. wiltpan 7, 11, windeln 16, 28. inkelschertzen 26, 23. Winter, weTter 20, 51. ! 27, 203. wueten 3, 83. wunsch-geduik 6, 46. wuocherguot 5, 330. wurde, würde 5, 368. I, zuon 29, 137. zerunnen 6, 4. ziehen an 1, 16; 29, 137. zindeln 16, 26. ziphelrü 5, 348. zirkelkreisz 1, 66. zirkelmäss 30, 17. ^om gryrames wm 39, 110. zuadel, zünden, zunder 5, 67. zuohin 38, 24. zweit rwSlf 4, 92. 1 zwingen 18, 156. JVafflenregister. Abraham 39, 118, 120. Absolon 24, 45; 33, 22. Adam 27, 127; 32, 153. Alexander 38, 49. Amor 2, 26. Appollo 32, 109. Arabin 2, 12; Arabi 28, 543. Aristotiles 15, 72; 24, 49; 33, 29; 38, 45. Artus 15, 84. Asahel 33, 25. Pehem land 5, 239. Bei 40, 31. Bern 24, 61. Ferner gelt 5, 94. Pregentz 31, 185. Bürk Mangelt 31, 183. Daniel 40, 15, 29. David 11, 22; 15, 60; 24, 29. Dichtlundei, frow 18, 218. Dietrich 24, 61. Kgge 7, 28. Eggenot 15, 96. Egipten lant 40, 23. Ensishein 23, 37. Ere, frow 1, 41, 81; 37, 27. Etzelburg 24, 55. Eva 13, 49; 32, 73; frow 18, 215. Francissen regel, saut 29, 154. Git, her 24, 73. Gregori, sant 32, 110. Harre 9, 35. Hector 24, 25. Helen 24, 21. India 15, 104, Inder J. 15, 108. Tsaac 40, 14. Israhelische diet 40, 43. Jacob, sant 40, 75, 105. Jhesus 5, 113; 13, 19; 39, 53, 70; 40, 18, 141. Johan, priester 15, 110. Johans, sant 28, 571 ; ewangelist 5, 120. Jonas 40, 39. Joseph 40, 23. Judas 18, 251. Jupiter 8, 19. Karlus, küng 7, 24, magnus 15, 76. Kriechen 24, 21. Kriemhilt 24, 53. Crist 10, 30; 13, 19; 23, 38 32, 106, 112, 127; 34, 50 35, 34; 36, 25; 38, 186 39, 63, 70; 40, 18, 76, 141. Cristus 39, 39. Lucifer 26, 37. Lukas 4, 99. Mangelt 31, 183. Maria 39, 19, 72, 130; 40, 66, 159. Maria Egiptiace 39, 81. Matheus, sant 32, 79. Ment 28, 374. Miohel, sant 29, 85. 279 — Moyses 4, 91. Noe 40, 16. Orelus 15, 95. Parcifal 5, 70, 159; Barcifal 5, 386; 15, 99. Peter, sant 5, 187; 13, 10; 40, 151. Pharao 40, 45. Pr&g 5, 245. Rin 24, 53. Salamon 11, 22; 15, 64; 24, 37; 27, 121; 33, 26. Samson 24, 41 ; 33, 21 ; Sampson 11, 23. Sarazin 40, 132. Senenberg 2, 22. Serene 33, 24. Sodoma 39, 116. Soryer lant 40, 115. Suochenwirt 2, 135. Susanna 40, 19. Swartzwald 33, 11. Theopholus 40, 161. Thobias 40, 51. Tibterel 15, 160; 18, 200. Troj 24. 22. Trüwe 9, 24, 29. Tschinachtilander 15, 92. Türken 7, 19. Untrüwe 7, 10, 31. Uolrich 38, 189. üryas 24, 34. Venus 8, 19; 38, 28; frow 5, 48. Wankelmuot, frow 18, 218. Welt, fro 29, 1, 81, 178. Wien 34, 49. WiUe 9, 26. Wunne 9, 30. Inbaltsverzeiehnis. Vorwort .... « • • • 7-12 Abhandlnngeti .... • • • • I CCLX J. Hugo*s Leben 1. Herkunft und Geburtsjahr • • • • III 2. Hugo^s Jugendzeit • • • * X 3. Mannesalter a) Die Zeit bis zum Tode Margaretha's XXII b) Bis zum Tode 01ementia*s • • • XXXIX 4. Hugo*s letzte Lebenszeit und Ausgang . LH IL Hugo*s Persönlichkeit, Stil und Charakter LXXIX in. Ueberlieferung • • • • cxn IV. Sprache • , • • CXLV 1. Vocalismus a) Die einfachen Vocale mit ihren Umlaut^^n . CLl b) Diphthonge • • • • CLVII 2. Consonantismus • • • • CLVIII a) Lippenconsonanten • • • • CLIX b) Zungenconsonanten • • • • CLXI c) Gaumenconsonanten . • • • • CLXVIII 3. Conjugation . • • • • CLXXIII 4. Einzelne Verba • • • • CLXXVIII 5. Declination a) Substantira • . • • CLXXXV b) Adjectiva . • • • • CLXXXVIII V. Metrik 1. Allgemeines . * • • • CXC 2. Rhythmus a) Auftact • • • ccni b) Hebung und Senkung • • • . CCXII — 281 — 3. Betonung CCXXXV 4. Hiatus, letzte Senkung .... CCXLI 5. Reim CCXLII 6. Strophenbau a) Lieder CCXLIV b) Reden und Briefe .... CCXLYII VI. Poetik CCLin— CCLX Gedichte 1—172 Anmerkungen 173 WoHrogister zu den Anmerkungen 273 Namenregister 278 InhaltSTerzeichnis ........ 280 Verbesserungen und Zos&tee 282 Stammtafel. Verbessernngen nnd Zusätze. Abb. I, p. 6, Z. 13 T. u. lies Baier., p. 17, Z. 12 TagrOTeille, p. 36, Z. 20 dem letzteren. Abb. II, p. 95, Z. 3 1. 26 statt 46, p. 103, Z. 11 standen die Anbänger der, p. 111 Tgl. zum Gitat aus Kinzel A. f. d. A. YII, 206. Abb. lY, p. 151, Z. 18 erg. binter ital 3, 30; 17, 34, Z. 20 binter barille 23, 17; p. 164, Z. 9 1. st ndben ft. P. 169, Z. 21 streiche tehlaeh, p. 175, Z. 11 T. u. mordaQo)^ p. 187, Z. 1 und 2, denn der Scbreiber überliefert ricbtig, Abb. y, p. 209, Z. 16 könnte yielleicbt aucb Triuwe der gelesen werden, p. 210, Z. 5 streicbe Ällsaander, Die Verbesserungen zum Texte gab icb in den Anm., nur 37, 37 I. frow. Anm., p. 178, Z. 14 t. u. 1. streicbt, p. 195, Z. 3 ▼. u. Bebagels, 202, Z. 1 y. u. Kürzung, p. 206, Z. 18 t. u. Apokope, p. 260, Z. 12 t. u. päbstlicben. ^ Ein paarmal rerwies icb auf die Gottesfreunde; diese Citate bericbtigeu sieb jetzt y^ uacb Denifle^s Forschungen Ton selbst. I •IV f A FINE IS INCURRED IF THIS BOOK IS NOT RETURNED TO THE LIBRARY DN ÖR BEFORE THE LAST DATE STAMPED BELOW.